
Areios
So habe ich mir überlegt, daß wir vielleicht zusammen ausgewählte Passagen aus Ilias und Odyssee lesen und besprechen können. Hätte da jemand Lust dazu?
...
Ich denke an ein hierarchiefreies Miteinander, in das sich allenfalls hilfreiche Hinweise derjenigen einmengen können, die da etwas mehr darüber wissen.
Also, ist i-wer dabei?
Nicht daß der Guttenberg auch beim Homer noch abgeschrieben hat...


)
Link zu der gebundenen Odyssee: https://www.amazon.de/Die-Odyssee-Homer/…97884976&sr=1-3
Nun gut, es gibt wahrlich teurere und weniger preiswerte Bücher als die Schadewaldt-Übersetzungen...
1. Homers Zeit und die Zeit, über die Homer schreibt (Areios)
2. Homers Werk (Alexandros)
3. Formelhaftigkeit und Poetologie des homer. Epos (Alexandros)
4. Homer. Metrik (Alexandros)
5. Die dunkle Person Homers (Areios)
Das griechische Heldenepos geht vermutlich bis auf mykenische Zeit (d. h. ~ 1600/1500 v. Chr.) zurück und hatte ursprünglich möglicherweise reale historische Hintergründe (ich ganz persönlich halte das für sehr wahrscheinlich, aber es lässt sich kaum beweisen). Der Inhalt der Geschichten war bekannt, speziell ausgebildete Aoiden ("Sänger, von *ἀϝεύδω "singen"), improvisierten erst während ihres Auftrittes die (Hexameter-)Versform des Epos. (Wie so etwas funktioniert, kann man im 8. Gesang der Odyssee sehen: Odysseus bestellt ein Lied zu einem Thema, und Demodokos singt drauflos!) Um das Improvisieren zu erleichtern, haben sich mit der Zeit viele Füllwörter und teilweise feststehende Wendungen herausgebildet. Beispiel: die sogenannten Epitheta ornantia ("schmückende Beiwörter"), die bei Namen oder auch anderen Hauptwörtern stehen (wie im obigen Textbeispiel "weißarmig" bei Here), haben nur den Zweck, den Zwischenraum zwischen dem letzten sinntragenden Wort und dem meist am Ende eines Verses stehenden Namen zu füllen. Demnach werden unterschiedliche Epitheta verwendet, je nachdem, wie viel Platz zu füllen ist, und je nachdem, in welchem Fall der Name steht. Schön lässt sich das an Agamemnon zeigen: die letzten dreieinhalb Versfüße sind im Nominativ εὐρὺ κρείων Ἀγαμέμνων ("der weithin herrschende Agamemnon"), im Genitiv Ἀγαμέμνονος Ἀτρεΐδαο ("Agamemnons, des Atriden"), im Dativ Ἀγαμέμνονι ποίμενι λαῶν ("Agamemnon, dem Befehlshaber des Heeres"). Alle diese Konstruktionen sind metrisch gleich lang und semantisch gleichwertig.
Die letzte Stunde dieser Improvisationskunst, die auch die sogenannten "Dunklen Jahrhunderte" überdauerte und stets mündlich tradiert wurde (wobei sich die ursprünglichen Inhalte sicherlich sehr abgeschliffen haben), schlug mit dem Aufkommen der Schrift. Die "Ilias" und die "Odyssee" sind die allerletzten Ausläufer des improvisierten Epos, und es gilt als wahrscheinlich, dass Homer (oder wie auch immer der Dichter dieser Werke tatsächlich geheißen haben mag) bereits die Schrift gekannt und als Gedächtnisunterstützung auch verwendet hat.
Ab Homer wurde Literatur verschriftlicht. Die Verbreitung erfolgte aber weiterhin, in der gesamten archaischen und klassischen Zeit, mündlich. Wir müssen uns das ähnlich wie bei einem sehr modernen Theaterstück vorstellen, dessen Text nicht für ein breites Publikum gedruckt ist, sondern den nur die Schauspieler haben. Diejenigen, die nun im Besitz kostbarer Homer-Texte waren und diese bei Festen vortrugen, sind nun Rhapsoden. Sie heißen so, weil sie sich auf einen rhabdos, einen Stab, stützten und vielleicht mit ihm einen Rhythmus zum Vortrag klopften. (Die Aoiden hatten ja noch tatsächlich gesungen und sich auf einem viersaitigen Zupfinstrument, der Phorminx, begleitet!) Oft wurden solche Texte und damit das Rhapsodenhandwerk wohl von Generation zu Generation innerhalb einer Familie weitergegeben. Epos und Chorlyrik wurden zumindest in schriftlicher Zeit tendenziell öffentlich aufgeführt, während die monodische (= "solistische") Lyrik im privaten Rahmen eines Symposions verankert war. Für die Interpretation einiger Fragmente ist es durchaus wesentlich, zu wissen oder mit gewisser Wahrscheinlichkeit vermuten zu können, wie das Originalpublikum beschaffen war.
Eine Art Buchhandel entwickelt sich in Attika erst ungefähr zur Zeit des Peloponnesischen Krieges. Thukydides etwa schreibt wohl schon tatsächlich für Leser. Bis tiefst in Spätantike und Mittelalter hinein bleibt es aber Usus, laut zu lesen, und ist es immer wieder chic, in der Einleitung von Literaturwerken den Eindruck mündlichen Vortrags zu erwecken oder eine Rahmensituation vorzuschieben, die den Hauptteil des Textes als (fiktive) Rede einführt.
Zur Vortragssituation (nicht bloß Homers) hast Du, Areios, bereits das Nötige geschrieben (obwohl es Platon doch verboten hat!) Ich möchte aus diesem konzisen, gleichwohl auch anspruchsvollen Beitrag nocheinmal der Verständlichkeit halber herausheben:
Aoiden (sprich: A-euden") sind produktiv tätig gewesen und haben "gesungen" (wie genau sich das angehört haben mag, darüber gehen die Meinungen auseinander)
Rhapsoden sind vorwiegend rezeptiv tätig gewesen und haben "rezitierend vorgetragen"
Die Ilias und die Odyssee liegen genau an der Schnittstelle des Überganges von mündlicher zu schriftlicher (oder verschriftlichter, was nicht dasselbe bedeutet) Dichtung. Sie sind End- und Kulminationspunkt der mündlichen, Anfang und stetiger Bezugspunkt der schriftlichen Form. In sie sind zwei verschiedene Produktionstadien eingegangen:
Der gedächtnisgestützte Vortrag, der tradierte Formelhaftigkeit mit ad-hoc-Improvisation verband
Die schriftgestützte Konzeption, die erstmals eine tiefschichtigere Großkomposition des unfangreichen Werkes gestattete
Ich finde es ja eine der spannendsten Entstehungssituationen in der Weltliteratur überhaupt (dagegen ist Shakespeare ein langweiliger Vielschreiber gewesen). Leider ist gerade die literarische und textuelle Situation Homers ungemein voraussetzungsreich. Man wird selbst ein wenig lesen müssen, bis man sich ungefähr vorstellen kann, was es mit all diesen heute in der Tat "archaisch" anmutenden Versatzstücken auf sich haben könnte und wie dieselben zu einem Bild zusammengesehen werden könnten.
Wie versprochen, gebe ich einen historischen Überblick über die Zeit, in der Homer schreibt, und über den Trojanischen Krieg, der zwar in der uns überlieferten Form ein Mythos ist, aber aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest einen historischen Kern hatte. Ich hoffe, dass mein Beitrag auch interessant und kurzweilig zu lesen ist – es tut mir sehr leid, dass es mir nicht gelungen ist, mich kürzer zu fassen. Ich habe versucht, so zu schreiben, dass man sich auch ohne Vorwissen auskennt – vielleicht ist mir wenigstens das gelungen...
Ein schönes und auch leicht zu lesendes Buch, in dem ähnliche Fragen ebenfalls behandelt werden und auf dem meine Darstellung auch in einigen Teilen aufbaut, ist J. Latacz, Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels, 5. aktual. u. erw. Aufl. Leipzig 2005. Joachim Latacz ist in diesem Thread ja schon öfter erwähnt worden – es soll nicht so aussehen, als kennte ich keinen anderen Altphilologen, aber er ist nun einmal einer der bedeutenden Homerkenner unserer Tage und bemüht sich auch besonders um die gerade bei Homer so wichtige Verknüpfung verschiedener Wissenschaften wie Klassischer Philologie, Archäologie, Altanatolistik...
Wann schreibt Homer eigentlich? Und wann spielen die Ereignisse, die er beschreibt?
Unter dem Namen Homers sind uns bekanntlich zwei frühgriechische Heldenepen überliefert, die Ilias und die Odyssee. Die Niederschrift dieser beiden Werke fällt nach heutiger Meinung ins letzte Drittel des 8. Jh. v. Chr. und fand irgendwo an der damals griechisch besiedelten Westküste Kleinasiens statt – also mehr oder weniger in der Nähe jener Stadt (damals schon Ruine), die Heinrich Schliemann ab 1870 als „Troja“ ausgrub. Nach heutigem Wissensstand ist diese Identifikation mit großer Wahrscheinlichkeit korrekt und durch viele Indizien untermauert (z.B. die Erwähnung eines nordwestkleinasiatischen Ortes „Wilusa“ in hethitischen Texten, wobei es sich sowohl räumlich als auch dem Namen nach mit großer Wahrscheinlichkeit um „Ilios“ handelt [das „w“/ϝ gibt es schon im homerischen Griechisch nicht mehr und fällt daher weg].). Hundertprozentige Sicherheit haben wir natürlich erst, sobald bei den archäologischen Grabungen ein Ortsschild zu Tage gefördert wird.
In der Ilias wird eine Zeitspanne von 51 Tagen aus dem letzten Kriegsjahr des zehnjährigen Trojanischen Krieges erzählt. Die Odyssee spielt zehn Jahre nach der Eroberung von Troia/Ilios, wenn Odysseus nach langer Irrfahrt heim zu seiner Frau Penelope kommt. Diese Ereignisse galten in der Antike größtenteils als historisch. Das Marmor Parium (eine Chronik der Geschichte Griechenlands aus dem 3. Jh. v. Chr., die als Inschrift auf Paros gefunden wurde) datiert den Beginn des Trojanischen Kriegs auf 1218/17 v. Chr., die Eroberung von Troia/Ilios auf 1209/1208 v. Chr. (Das griechische Jahr begann Mitte Juli, daher muss man bei der Umrechnung in unsere Zeitrechnung immer zwei Jahre angeben. 1218/17 meint grob gesprochen: die zweite Hälfte des Jahres 1218 und die erste Hälfte des Jahres 1217.) Andere Geschichtsschreiber nennen andere Daten, bleiben aber innerhalb eines Zeitraumes von etwa ± 100 Jahren der Marmor-Parium-Datierung.
Dieser antike zeitliche Ansatz ins 12./13. vorchristliche Jahrhundert dürfte (mit aller Vorsicht!) für die Ereignisse, die für die Erzählungen vom Trojanischen Krieg die Vorlage bildeten, ungefähr richtig sein: Denn Homer nennt z.B. Orte als blühende Städte, die es zu seiner Zeit schon nicht mehr gab, deren Existenz im 12./13. Jh. aber durch hethitische, ägyptische und mykenische (Linear-B-)Quellen und z.T. archäologische Erkenntnisse belegt ist. Auch die politischen Beziehungen, die er beschreibt, und manche Details wie den berühmte Eberzahnhelm (Ilias 10,260-271) und Bronzewaffen gab es zwar im 12./13. Jh., nicht aber in Homers eigener Zeit. Bereits kurz nach den historischen Ereignissen muss der Troja-Stoff Eingang ins Repertoire der improvisierten Heldenepik gefunden haben und – sicher nicht ohne Veränderungen – über Jahrhunderte hinweg bis zu Homer mündlich tradiert worden sein.
Die Zeit des Trojanischen Krieges - die mykenische Kultur
Wie war nun die Situation im 12. und 13. Jh.? Seit etwa dem 17. Jh. v. Chr. erblühte am griechischen Festland und auf der Peloponnes die sogenannte mykenische Kultur (benannt nach dem wichtigen Fundort Mykene). Durch spätere Eroberungen (z.B. im 15. Jh. v. Chr. das Reich der Minoer auf Kreta) breiteten sich die Mykener auch in der Ägäis und bis nach Kleinasien aus. Bedeutende Städte scheinen neben Mykene auch Pylos, Theben, Knossos, Argos, Tiryns, Orchomenos, Athen und Iolkos gewesen zu sein – Städte, die zum Großteil auch in der griechischen Mythologie noch wichtige Rollen spielen. Diese Mykener sprachen eine Vorform des Griechischen und schrieben mit der Silbenschrift Linear B, die sie aus der bislang unentzifferten Linear A-Schrift der Minoer entwickelt hatten. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass auch literarische Texte – die es sicher gegeben hat: mit hoher Wahrscheinlichkeit war das Heldenepos bereits in der mykenischen Kultur etabliert! - niedergeschrieben wurden; alle bekannten Linear B-Texte (stets Tontafeln, die bei Palastbränden gebrannt wurden und uns so durch Zufall erhalten blieben) sind eigentlich die reinste Bürokratie (Inventarlisten aller Arten, Naturalien-„Buchhaltung“, Heereslisten, Verwaltungsangelegenheiten, etc.). Sie zeigen aber den Wohlstand, der in der mykenischen Zeit erreicht wurde und über den z.B. auch die reichen Grabbeigaben und die Fresken in den Palästen Aufschluss geben. In der mykenischen Zeit war die übliche Bestattungsform die Erdbestattung, zunächst in Schachtgräbern, später in Kuppelgräbern. Beispiele für beide Grabtypen findet man etwa in Mykene.
Über die mykenische Gesellschaft wissen wir leider nicht allzu viel und können vieles nur vermuten, die Forschung in diesem Gebiet läuft aber beständig weiter. Die Gesellschaft scheint eher kriegerisch orientiert gewesen zu sein, wofür neben den mykenischen Expansionsbestrebungen auch die festungsartige Anlage der Städte spricht. Möglicherweise gab es eine deutliche Trennung zwischen einer kriegerischen Führungsschicht von eingewanderten protogriechischsprachigen Indogermanen und der beherrschten Vorbevölkerung, die für die ökonomischen Grundlagen sorgen musste. Aus den Linear B-Tafeln kennen wir die mykenischen Bezeichnungen für einige Verwaltungsämter, doch lassen sich auch daraus nur wenige Rückschlüsse auf die genaue politische Struktur gewinnen. An der Spitze des Staates scheint ein Monarch gestanden zu sein (Linear B wa-na-ka, später griech. ἄναξ ánaks "Herr"), das Wort wird aber manchmal auch als Bezeichnung für einen Gott gedeutet. Es gab einen ausgeprägten Beamtenapparat und es gibt Indizien, dass die Wirtschaft zentralistisch-planwirtschaftlich aufgebaut war. Ob der mykenische Kulturraum ein einziger geschlossener Staat war, ist noch umstritten; wahrscheinlich richtiger ist es aber, kleinere Stadtstaaten (mit den oben genannten Zentren) anzunehmen, wie sie auch in der griechischen Mythologie und eben bei Homer erscheinen. Es mag auch sein, dass sich diese Stadtstaaten zu einer Art Bund zusammenschlossen – aber beweisen lässt sich das wohl nicht.
Weitere spärliche Informationen bieten ägyptische und hethitische Quellen: In einer Inschrift aus dem Totentempel von Amenophis III. (1. H. 14. Jh. v. Chr.) sind Nachbarländer Ägyptens aufgezählt. Die Nachbarländer im Norden sind Kafta (Kreta) und Danaja, als dessen Städte u.a. mukana (Mykene) und deqajis (Theben) genannt werden. „Danaja“ erinnert sehr an das griechische Wort Δαναοί „Danaoi“, das bei Homer zur Bezeichnung der Gesamtheit der Griechen verwendet wird. Von einigen wird diese ägyptische Quelle so gedeutet, dass es zur Zeit Amenophis III. ein Großreich namens Danaja auf der Peloponnes gegeben habe, dessen Zentralort Mykene (der erstgereihte Ort der Liste) gewesen sei, und dass sich die homerische Bezeichnung „Danaoi“ für Griechen daher ableite. Von letzterem bin ich eigentlich auch überzeugt, den Rückschluss auf das politische System sehe ich aber mit einer gewissen Vorsicht, da Theben nach den Linear-B-Zeugnissen eine eigenständige Verwaltung gehabt zu haben scheint: Man könnte das Land Danaja und seine Städte doch durchaus auch als Bund von Stadtstaaten oder als bloße ethnisch-kulturelle Bezeichnung interpretieren, oder?
In den hethitischen diplomatischen Archiven findet sich ein Land Achijawa im Westen des Hethiterreiches, das (nur?) über das Meer erreichbar ist und mit dem die Hethiter mehrfach Probleme haben. Es scheint plausibel, Achijawa in der Ägäis oder vielleicht sogar auf Festlandgriechenland zu vermuten. Auch hier sticht die lautliche Ähnlichkeit mit Ἀχαῖοι „Achaioi“, einem homerischen Synonym für „Danaoi“, ins Auge. Latacz verortet im oben erwähnten Buch das Zentrum von Achijawa versuchsweise in Theben, das sich bei neueren Grabungen als wichtiger Zentralort in mykenischer Zeit herausgestellt hat und dessen Einflussgebiet vermutlich bis in die Ägäis reichte. Wenn es politische Spannungen zwischen dem Hethiterreich und Achijawa gegeben hat, so würde das jedenfalls gut zum Trojanischen Krieg passen: die Gegend um Troja gehörte zwar nicht direkt zum Hethiterreich, war aber eine Art „Vasallenstaat“ der Hethiter und war wohl auch kulturell stark von den Hethitern beeinflusst.
Etwa um 1200 v. Chr. (nach der Datierung des Marmor Parium also knapp nach dem Fall Trojas) werden viele mykenische Städte zerstört, die Ursache ist unklar. Die mykenische Kultur bleibt anschließend zwar bestehen, aber in etwas bescheidenerem Ausmaß. Einige zerstörte Städte werden auch nicht mehr besiedelt. Um 1100 v. Chr. schließlich verschwindet die mykenische Kultur ganz und mit ihr auch Schriftlichkeit sowie politische und ökonomische Macht. Es beginnen die sogenannten „dunklen Jahrhunderte“, über die unser Wissen noch spärlicher ist als über die mykenische Zeit und erst in der jüngsten Zeit durch neue Ausgrabungen allmählich wächst. Mit diesen „dunklen Jahrhunderten“ ist auch der Übergang von Bronzezeit zu Eisenzeit anzusetzen.
Homer und seine Zeit
Irgendwann in die Zeit der „dunklen Jahrhunderte“ fällt die Besiedelung der Westküste Kleinasiens durch Griechen. Das erwies sich als außerordentlich befruchtend für die griechische Kultur, die so verschiedenste anatolische und nahöstliche (assyrische, phönikische...) Einflüsse in sich aufnehmen konnte. Eine der wichtigsten Bekanntschaften war diejenige mit dem von den Phönikern entwickelte Alphabetschrift. Meistens wird vermutet, dass dieses Alphabet um etwa 800 v. Chr. oder kurz danach seinen Weg zu den Griechen gefunden hat. Die Griechen modifizierten das phönikische Alphabet und passten es an ihre Sprache an – ja und das öffnet den Weg für die Niederschrift von Ilias und Odyssee.
Ich habe weiter oben schon über die Aoiden, wie Homer wohl einer war, geschrieben, so dass ich mich jetzt kurz fassen kann. Wahrscheinlich seit dem Fall der mykenischen Kultur gab es ein kleinräumiges politisches System mit lokalen Fürsten. (Interessant in diesem Zusammenhang: von der mykenischen Bezeichnung für die niedrigsten Beamten, die Dorfvorsteher, qasireo, leitet sich das griechische Wort für "König", βασιλεύς, ab!) Wandernde Improvisationskünstler, die Aoiden, zogen von Fürstenhof zu Fürstenhof, um zu singen, Nachrichten zu verbreiten und vielleicht auch zu lehren. Diese Strukturen ändern sich in der Zeit Homers allmählich. Neu ist im 8. Jh. v. Chr. ein wirtschaftlicher Aufschwung in großen Teilen Griechenlands (dessen genaue Ursachen zumindest mir unbekannt sind, ich befürchte, sie lassen sich auch nicht mehr restlos rekonstruieren) und damit einhergehend auch ein kultureller Aufschwung. Die Bevölkerungszahl steigt, neue Städte werden gegründet (bzw. aus mehreren Dörfern zusammengelegt) und alte verlassene Ruinen wiederbesiedelt, die Könige werden abgesetzt und die Monarchie durch eine Aristokratie ersetzt... in dieser Umbruchszeit werden Ilias und Odyssee geschrieben, zwei Werke, die einerseits weit in der Geschichte zurückschauen und andererseits doch Produkte ihrer eigenen Zeit sind.
Liebe Grüße,
Areios
Fröhlich folgte ich dieser alexandrinischen Empfehlung und halte seit heute dieses Buch in Händen, hoffend auf nahrhafte Sommerlektüre. Umso größer meine Ernüchterung, als ich optimistisch nach den Buchstaben im Buch suchte: Ein Amazon-Kunde überschreibt seine Rezension zutreffend: "Helena, mein Augenpulver..."
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Genau das, lieber Alex, habe ich befürchtet.[...] der Druck ist leider ganz genauso klein [...]
Was'n das für'n Zeuch?
Zitat
"smikron ti"
Möglicherweise das hier: http://www.zvab.com/displayBookDetails.d…d=158142645&b=1 ?
Zitat
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