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81

Dienstag, 15. Februar 2011, 20:29

Hätte da jemand Lust dazu?


:wink:


Gruß,

Aphrodite
?

82

Dienstag, 15. Februar 2011, 21:09

Bester Vorschlag seit langem hier! - Ich glaube, da könnte ich ganz gerne dabei sein.


"Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
Joris-Karl Huysmans

83

Dienstag, 15. Februar 2011, 21:13

Wie schön, Ihr Lieben! :)

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Areios

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84

Dienstag, 15. Februar 2011, 21:24

Na sicher doch!

:wink: Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

avenellus

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85

Mittwoch, 16. Februar 2011, 16:51

RE: Kursorische gemeinsame Lesung



So habe ich mir überlegt, daß wir vielleicht zusammen ausgewählte Passagen aus Ilias und Odyssee lesen und besprechen können. Hätte da jemand Lust dazu?

...

Ich denke an ein hierarchiefreies Miteinander, in das sich allenfalls hilfreiche Hinweise derjenigen einmengen können, die da etwas mehr darüber wissen.

Also, ist i-wer dabei?


Gerne - sofern damit nicht gemeint ist, daß ich mich jetzt in die neueste Literatur einlesen sollte (was ich gerne täte, aber aus Zeitgründen nicht kann). Griechisch war zwar vor Olims Zeiten eines meiner Promotionsfächer, aber weil ich mich danach zur Sprachwissenschaft bekehrt habe, begegne ich Homer eher als einer der spöttisch sogenannten "Partikelzähler" denn als Interpret. Aber ich könnte z.B. was über die Schildbeschriebung zusammenstellen, oder die Proömien oder .. den Mund halten und lesen, was hier alles so kommen wird.

Schöne Grüße aus dem innersten Bayern

86

Mittwoch, 16. Februar 2011, 18:42

Willkommen, innerstes Bayern! :wink: Nicht daß der Guttenberg auch beim Homer noch abgeschrieben hat...

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87

Mittwoch, 16. Februar 2011, 19:25

Nicht daß der Guttenberg auch beim Homer noch abgeschrieben hat...


Da wäre er vermutlich schon viel früher aufgeflogen ....


-----------

medépote pros ton ánemon oureíto (Ps. Hesiod)

88

Mittwoch, 16. Februar 2011, 20:39

Vermutlich. Und bitte bring Dich herzhaft ein, avenellus, wer schreibt, um die Klappe zu halten, ist ein Stoiker oder ein panegyrischer Defaitist. Oder er will Platons ungeschriebene Lehre umpolen.

Liebe Leute,

schon in den ersten Beiträgen zu diesem Faden gab es breiten Konsens, die Übersetzungen Wolfgang Schadwaldts zu nutzen. Sie liegen in folgenden von mir nachdrücklich empfohlenen Formen vor:






(bei diesem Hörbuch handelt es sich um eine Lesung ausgewählter Stellen durch den bekannten und beliebten Homeriden Rolphos Boysen. Dieser hat mit seinem Vortrag die Kunst der homerischen Pause neu in die philologische Diskussion eingebracht.... "Und diiiiiieeeeee ---------------- standen alle ------- STUMM! ---------------------------------------- in Schweigen" :juhu: )

Link zu der gebundenen Odyssee: https://www.amazon.de/Die-Odyssee-Homer/…97884976&sr=1-3

Man kann also den Schadewaldt-Homer jeweils bei Ilias und Odyssee als Taschenbuch oder gebunden finden. Boysens Lesung kann ich wirklich jedem ans Herz legen, der Schadewaldts freie Rhythmen klingen hören möchte.


Alex :wink:

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Areios

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89

Mittwoch, 16. Februar 2011, 20:54

Lieber Alex!

Darf ich auch das Original verwenden? Das steht - im Gegensatz zu Übersetzungen jedweder Art - bei mir daheim rum. :hide:

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

90

Mittwoch, 16. Februar 2011, 20:55

Nein! Angeber. :P

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91

Mittwoch, 16. Februar 2011, 20:57

:schaem: Nun gut, es gibt wahrlich teurere und weniger preiswerte Bücher als die Schadewaldt-Übersetzungen...

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

92

Montag, 21. Februar 2011, 00:04

Chairete!

Hat denn schon jemand die Schadewaldt-Übertragung der Ilias angeschafft? Ich schlage vor, daß wir mit dem gesamten ersten Gesang beginnen, also den vollständig lesen.

Eine besondere Schwierigkeit entsteht wohl dadurch, daß nicht nur die sog. Realien Homers (also die Lebensverhältnisse der Zeit mit all ihren Ausprägungen) heute vollkommen ungeläufig sein dürften, sondern auch daß die vielen Namen sowohl der Menschen wie der Götter vermutlich nur mit Mühe verortet werden können.

Eine gute Karte findet sich hier: "http://de.academic.ru/pictures/dewiki/71/Griechenland_371-362.jpg

Ich will noch den ersten Gesang mitbesprechen. Eine Inhaltsübersicht der Ilias und eine kleine Einführung in das Homerische Werk werden dem vorangestellt. Ich hab mich gerade nur einmal gefragt, worüber genau werden wir dann reden? Wird es uns reichen, den Inhalt zu verorten, oder wollen wir auch der Sprache in ihrer Übersetzung etwas abgewinnen? Wenn dies, dann werden ausgreifende Bemerkungen zu den Parametern der homerischen Dichtung nötig sein.

Na, ich bin ja mal gespannt, ob wir uns da nicht zuviel vorgenommen haben...


Alexandros :wink:

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93

Montag, 21. Februar 2011, 13:34

Mein Schadewaldt ist gespitzt und ich harre der Dinge, die da kommen mögen...

:wink:
Renate
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94

Montag, 21. Februar 2011, 17:59

Schnipps, schnipps, Herr Graf, Herr Graf, ich lese auch mit.
Allerdings mit eingeschränkter Zeitkapazität und der Vossischen Übertragung.
"Es gibt halt so Sachen die sind problematisch, und Autobahn geht gar nicht, finde ich." (J. B. Kerner)

95

Sonntag, 6. März 2011, 23:42




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96

Sonntag, 17. Juli 2011, 11:40

Wer kennt die zwölf (sog.) olympischen Götter in jeweils beiden Ausführungen? Ich habe vor Aionen mal für ein paar dusselige Lit-wiss-Studenten eine kleine Liste über die griechische Theologie, wie sie bei Hesiod und Homer auftritt, erstellt. Die setz´ ich mal hierhin, vielleicht daß dieser Faden weiter geht?

Das ist jetzt nix Wissenschaftliches, Areios wird gewiß gern weiterführende Literatur nennen.

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97

Sonntag, 17. Juli 2011, 11:42

Die griechischen Götter nach der „Theogonie“ des Hesiod

Wenn man nach dem Anfang und dem Ursprung aller Dinge und Wesen fragt, findet man nur die Antwort, daß am Anfang das Chaos war, das als leerer Raum verstanden werden muß, der nach und nach mit Materie und Leben gefüllt wurde.

(Ovid kennt in seinen „Metamorphosen“ das Chaos als ein Ur-Gemisch von allen Stoffen, aber diese Auffassung setzt natürlich bereits die griechische Philosophie zwischen Hesiod (700 v. Chr.) und Ovid
(1. Jhd. n. Chr.) voraus.)

Aus dem Chaos gingen folgende Gewalten hervor:

Gaia (die Erde), der Tartaros (ein dunkler Ort tief im Innern oder unterhalb der Erde, oft mit dem Hades identifiziert), Eros (als Urkraft aller Vereinigung und weiteren Entstehung) sowie schließlich der Erebos (was „Finsternis“ bedeutet und ebenfalls bisweilen als ein bestimmter Ort gedacht wird) und die Nyx (die Nacht).

Gaia brachte ohne Partner aus sich selbst den Ouranos (Himmel), die Ourea (die Berge auf der Erde) und den Pontos (das Meer) hervor.

Gaia und Ouranos waren dann die Eltern von folgenden Göttern, die nun schon meistens als Personen gesehen wurden:

1. Die Titanen. Zu den Titanen zählten zwölf Götter und Göttinnen, von denen sich die
meisten und wichtigsten der übrigen Götter und Heroen ableiten lassen. In der
Reihenfolge, die Hesiod nennt, waren das:

Okeanos (der höchste Flußgott und Vater aller Flüsse, der als Ringstrom um die ganze
Erde floß), Koios, Kreios, Hyperion (ein alter Sonnengott), Iapetos, Theia, Rheia,
Themis (eine frühe Göttin der Gesetzlichkeit), Mnemosyne, Phoibe, Tethys und als der
jüngste, aber bedeutendste Kronos (lat. Saturnus).

2. Die Kyklopen Brontes, Steropes und Arges (die „Rundaugen“ genannt wurden, weil sie
nur ein großes Auge auf der Stirn hatten). Die Kyklopen hatten mit Donner und Blitz
zu tun und verschafften Zeus vor seinen Kämpfen mit den Titanen seine Waffen.

3. Die Hunderthände Kottos, Briareos und Gyges. Die „Hunderthände“ halfen ebenfalls
mit ihrer großen Stärke Zeus die Herrschaft über die Welt zu erringen.

4. Die Erinnyen (Rachegöttinnen, die jeden verfolgten, der Verwandten etwas angetan
hatte), die Giganten und die Eschennymphen (gr. Meliai). Diese Göttinnen und Götter
waren aus dem Blut entstanden, das vom abgeschlagenen Glied des Ouranos auf die
Erde (Gaia) getropft war.

5. Aphrodite, die aus dem Schaum des Ouranos-Geschlechtsteiles entstand, als es im Meer
geschwommen ist.

Die Kinder von Ouranos und Gaia bildeten bereits die zweite Göttergeneration und waren ihrerseits die Eltern der bedeutendsten und für die Griechen zu ihrer geschichtlichen Zeit immer noch „aktuellen“, im Wirken begriffenen Götter.

Die Titanen nämlich hatten folgende Nachkommen:

Okeanos und Tethys: 3000 Flußgötter und 3000 Okeaniden (Flußgöttinnen), also alle
namhaften Gewässer, die die Griechen kannten, auch die des „Auslandes“.

Hyperion und Theia: Helios (der jüngere Sonnengott), Selene (die Mondgöttin) und Eos
(die Göttin der Morgenröte).

Iapetos und die Okeanide Klymene: Atlas (der später als das Himmelsgewölbe stützend
vorgestellt wurde), Menoitios, Prometheus (der nach vielen Sagen das Menschenge-
schlecht gegen Zeus bevorzugt und verteidigt, nach anderen sogar erschaffen hat) und
der einfältige Epimetheus.

Koios und Phoibe: Leto (die Mutter von Artemis und Apollon) und Asterie.

Kreios und die Pontos-Tochter Eurybie: Astraios, Pallas und Perses.

Kronos und Rheia: Hestia, Demeter, Hera, Hades, Poseidon und schließlich Zeus.

Die Kinder von Kronos und Rheia waren die größten und mächtigsten Götter der Grie-chen. Sie bildeten den Kern der zwölf olympischen Götter.

Die eigentlichen Erzählungen Hesiods beginnen mit dem Paar Ouranos und Gaia. Oura-nos, der Angst hatte vor der Stärke seiner Nachkommen, verbarg ein jedes Kind nach seiner Geburt im „Leib“ der Mutter Gaia. Gaia litt Schmerzen und stiftete ihre Kinder zum Sturz des Herrschers Ouranos an. Einzig aber ihr jüngster Sohn Kronos fürchtete den Vater nicht und legte sich mit einer scharfen Sichel, die ihm Gaia verschafft hatte, auf die Lauer, als bei Anbruch der Nacht Ouranos (das Himmelsgewölbe) sich über Gaia (die Erde) zum Zwecke der Vereinigung breitete. Da hieb Kronos das Geschlechtsteil seines Vaters ab, aus dessen Blut die Erinnyen, die Giganten, einige Nymphen und später auch die Göttin Aphrodite entstanden. Der entmannte Ouranos verlor seine Herrschaft an seinen Sohn Kronos. Die zuvor gezeugten und in der Erde eingesperrten Titanen befreite Kronos zwar, die Kyklopen und die Hunderthände aber ließ er im Tartaros.

Kronos selbst war es nun ebenfalls bestimmt, von einem Sohn gestürzt zu werden, und so verschlang er kurzerhand seine Nachkommen. Nur den Zeus rettete seine Mutter Rheia, indem sie Kronos stattdessen einen in Windeln gewickelten Stein gab und das Kind nach Kreta in Sicherheit schaffte. Dort wuchs Zeus in einer versteckten Höhle heran und als er kräftig genug war, rang er mit seinem Vater Kronos, besiegte ihn und ließ ihn alle seine Geschwister wieder ausspeien.

(Die Entstehungsgeschichte der Götter trägt bis hierhin deutlich orientalische Züge. Die Griechen müssen viele für sie ungewöhnliche Elemente und Handlungsstränge aus den wesentlich älteren Mythologien des Ostens übernommen haben.)

Der abschließende Kampf mit Kronos und dessen Geschwistern, den Titanen, stand Zeus aber noch bevor. Er mobilisierte alle ihm zur Verfügung stehenden Kräfte, indem er die Kyklopen und die Hunderthände aus dem Tartaros holte, die ihm, wie erwähnt, gute Dienste leisteten. Nach langen und harten Gefechten siegten Zeus und die Seinen.

Ein letzter Gegner war Zeus in Gestalt des Typhon erwachsen, den Gaia noch spät als ihren gewaltigsten und urtümlichsten Sproß ans Tageslicht brachte. Dieser Typhon war ein unförmiger Riese von dem Ausmaße eines großen Berges, mit vielen Köpfen und Gliedmaßen. Er forderte Zeus nach dem Titanenkampf heraus und konnte ebenfalls nur mit Mühe vom neuen Herrscher der Götter im Einzelkampf überwunden werden.

Diese siegreich geführten Schlachten waren für Hesiod und die Griechen gleichbedeutend mit dem endgültigen Triumph von Ordnung und Recht in der Welt.

Nun galt es für Zeus, das friedliche Zusammenleben der Götter untereinander zu gewähr-leisten und ihr Verhältnis zu den Menschen zu bestimmen. Und hier erzählt Hesiod die Sage von Prometheus, dem Sohn des Titanen Iapetos. Prometheus, der eine besondere Liebe zum Menschengeschlecht hegte, hatte Zeus bei einem Festessen der Götter überlis-ten wollen, als er zwei Opferstücke zubereitete, von denen eines die unscheinbar verpack-ten guten Fleischstücke des Opfertieres enthielt, das andere aber bloß schön zurechtge-machte Knochen und ungenießbare Innereien enthielt. Hierbei ging es um die Frage, ob die Menschen, wenn sie den Göttern opfern, das gute Fleisch selbst verzehren durften oder ob sie gerade die besten Stücke ganz den Göttern hergeben mußten.

Zeus, der sich nach Hesiod nicht betrügen ließ, bestrafte das Menschengeschlecht für die versuchte List des Prometheus, indem er ihm das Feuer entzog, das ein Zubereiten des Fleisches ja erst möglich machte. Prometheus seinerseits stahl darauf das Feuer vom Herde der Götter im Olymp und brachte es den Menschen zurück. Hierfür erhielt er die Strafe, an einem Felsen im Kaukasos angeschmiedet die immer wiederholte Qual zu erdulden, daß ein Adler seine stetig nachwachsende Leber jedesmal von Neuem wegfraß. Als zusätzliches Übel für die Menschen ließ Zeus von den Göttern eine verführerische Frau erschaffen, die als Inbegriff aller Falschheit und Unannehmlichkeiten zum Bruder des Prometheus, Epimetheus, geschickt wurde, der das verhängnisvolle Geschenk stellvertretend für alle Menschen auch prompt annahm. Durch diese „erste Frau“, Pandora, kamen zu den „Menschen“ (d.h. den Männern) Leid und Mißverständnisse, die sie in sich verkörperte und die sie in ihrem Faß (der „Büchse“ der Pandora) auch mitgebracht hatte.

In den „Werken und Tagen“, seiner anderen erhaltenen Dichtung, berichtet Hesiod dann noch von der schon aus Mesopotamien bekannten Lehre der Weltzeitalter.

Als erstes nämlich habe es ein goldenes Zeitalter gegeben, in dem die Menschen sorglos und in Frieden lange leben konnten. Sie brauchten auch nicht zu arbeiten, denn die Erde gab ihre Früchte bereitwillig her, so daß sie sie nur abernten mußten, und jeder hatte stets genug. Neid und Streit blieben so den damaligen Menschen fremd, ebenso wie alles Leid, das daraus erwachsen kann. Dieses goldene Geschlecht soll noch unter der Herrschaft des Kronos gelebt haben. Als es aber zu Ende ging und ein silbernes Zeitalter anbrach, waren dessen Menschen schon weit weniger selig und vollkommen zu nennen. Sie blieben immer wie die Kinder und ehrten auch die Götter nicht gebührend, so daß Zeus sie erbost wieder vernichtete. Das dritte Geschlecht aus Erz jedoch, das nun folgte, schien gänzlich ein Mißgriff göttlicher Schöpfungskraft zu sein. Diese Menschen kannten nichts als Streit und Kampflust, so daß sie sich innerhalb kurzer Zeit selbst ausrotteten. Mit ihnen wäre aber ohnedies nicht viel anzufangen gewesen, denn ihre Erscheinung war ebenso grob und ungestalt, wie ihr Verstand gering war.

Nun aber kam mit dem vierten Zeitalter wieder Besserung in die Welt. Das neue Geschlecht nämlich war das der Heroen, deren Zeit von den Griechen ja für ihre eigene geschichtliche Vergangenheit gehalten wurde. Die Heroen waren als Abkömmlinge der Göt-ter natürlich heldenhaft und stets am Rechten orientiert, wenn ihnen auch nicht immer alles gleichermaßen gelang. Die Heroen denkt sich Hesiod nach ihrem Tod auf den berühmten „Inseln der Seligen“, wo sie nach ihren Mühen und Lebensschicksalen ein friedvolles, angenehmes Dasein fristen.

Im fünften und letzten Zeitalter befinden sich natürlich die Menschen, die zu Hesiods Zeit selbst leben. Es ist die geschichtliche Gegenwart, von der jetzt die Rede ist. Hesiod sieht mit Sorge viel Unrecht und das Muskelspiel der Mächtigen und Wohlhabenden am Werke. In diesem Zeitalter wird es oft vorkommen, daß der gerechte und bedachte Mann zurückstehen muß vor roher oder verschlagener Gewalt. Es heißt das eiserne Zeitalter, weil die Eisenverarbeitung, wie die Griechen wußten, erst sehr spät und als die jüngste handwerkliche Fertigkeit entdeckt wurde.

Die Lehre von den fünf Weltzeitaltern versucht ein wenig Ordnung in die mutmaßliche Vergangenheit zu bringen, wenn auch die Abfolge keine notwendige Verschlechterung bedeutet, wie man an der Heroengeneration sehen kann. Auch im gegenwärtigen fünften Zeitalter ist jederzeit das Gute möglich, es dürfte allerdings bei den vielen Widerständen schwierig zu erringen sein, die sich die Menschen gegenseitig in den Weg stellen…

Zum Schluß seien aus Hesiods verzweigten Göttertabellen nur noch einmal vollständig die göttlichen Ehen und Kinder des Zeus aufgeführt, der daneben natürlich auch mit vielen sterblichen Frauen verkehrt und eine Unzahl an menschlichen Nachkommen gezeugt hat:

Zeus und Metis: Athene.

Zeus und Themis: Die drei Horen (Göttinnen der Jahreszeiten) Eunomia (die gute
Gesetzgebung), Dike (das Recht) und Eirene (der Frieden) sowie die drei Moiren
(Schicksalsgöttinnen, die jedem Menschen von der Geburt an den Lebensfaden spinnen
und ihn abschneiden, wenn ein Leben enden soll) Klotho, Lachesis und Atropos.

Zeus und die Okeanide Eurynome: Die drei Chariten (Göttinnen der Anmut und
Begleiterinnen der Aphrodite) Aglaia, Euphrosyne und Thalia.

Zeus und Demeter: Persephone (die als Hades´ Gattin die große Unterweltsgöttin
geworden ist).

Zeus und Mnemosyne: Die neun Musen Kleio, Euterpe, Thaleia, Melpomene, Terpsichore,
Polyhymnia, Erato, Ourania und als wichtigste von ihnen Kalliope, die alle mit den
Künsten des Gesanges, des Tanzes und der Musik zu tun haben.

Zeus und Leto: Artemis und Apollon.

Zeus und Hera: Hebe (die Göttin der Jugend), Eileithyia (die göttliche Geburtshelferin)
und Ares.

Soweit also Hesiods Entstehungsgeschichte der Götter. Ein späterer griechischer Schriftsteller hat einmal gesagt, daß Homer und Hesiod „den Griechen ihre Götter gegeben“ hätten. Das ist insofern richtig, als diese beiden Dichter die ersten gewesen sind, die nach der Übernahme der Schrift von den Phöniziern bedeutende und anerkannte Werke geschaffen haben, welche von allen späteren Griechen gelesen und auswendig gelernt wurden.

Homer hat in seinen umfangreichen Epen, der „Ilias“ und der „Odyssee“, Götter und Helden im gemeinsamen Wirken geschildert, Hesiod wollte in seinen beiden kleinen Lehrgedichten vielmehr ein System der Götter bieten, damit die Menschen endlich wüßten, wer woher kommt und wie mit wem zusammenhängt. Und die in seiner „Theogonie“ beschriebene Abfolge, die er ja aus den vielen umlaufenden Erzählungen zusammengestellt hat, hat sich tatsächlich als eine Art Kompendium bei den Griechen durchgesetzt, wenn es auch immer kleinere Abweichungen gegeben hat.

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98

Sonntag, 17. Juli 2011, 11:46

Die bedeutendsten Götter: (mit den entsprechenden Benennungen der Römer)

Zeus (lat. Iuppiter), der mit aller Macht ausgestattete Wettergott. Der höchste Gott
wurde bei allen indogermanischen Völkern gleich gedacht, bei Germanen, Kelten,
Römern, Indern. Auch deren unterschiedliche Namen lassen sich sprachgeschichtlich
auf den gleichen Wortstamm zurückführen.
Zeus war Vater oder Bruder der anderen wichtigsten Götter, die sich als große Familie
um ihn gruppierten. An seiner Macht, nachdem sie erst einmal gefestigt war, war
künftig nicht mehr zu rütteln und er verwaltete sie in Weisheit und Gerechtigkeit.

Poseidon (lat. Neptunus), der über das Meer, Winde und Erdbeben regierte.

Hades (lat. Pluto), der Herrscher des Totenreiches, der, weil die Zahl der Gestorbenen ja
stetig zunehmen mußte, auch respektvoll „der Reiche“ (gr. Plouto) genannt werden
konnte.

Unter den drei Brüdern wurden die „Zuständigkeitsbereiche“ ausgelost, die sie an der Welt haben sollten, nachdem die Oberherrschaft des Zeus nach vielen Kämpfen gesichert war. Alle drei hatten gleicherweise an der Erde als dem Wohnort der Menschen teil, Zeus bekam darüber hinaus den Himmel, Poseidon das Meer und Hades die Unterwelt/das Totenreich zugelost.

Auch die Schwestern der drei Brüder waren große Göttinnen.

Hera (lat. Iuno), die rechtmäßige Gattin des Zeus und damit natürlich die Göttin, die für
die Ehe überhaupt zuständig sein mußte.

Demeter (lat. Ceres), die Göttin des Getreides und des Ackerbaus.

Hestia (lat. Vesta), die Göttin des Hauses und des Herdes.

Die übrigen der wichtigsten Götter waren aus den vielen Liebschaften des Zeus mit anderen Göttinnen hervorgegangen:

Athene (lat. Minerva), die als Göttin der Weisheit und auch des weiblichen Handwerks
galt. Sie war mit Abstand die beliebteste und meistangerufene Göttin der Griechen und
eigentlich für alles zuständig, was Menschen nützen konnte. Viele Helden wurden
persönlich von ihr protegiert und sie war eine große Helferin im Krieg.
Athene war die Tochter des Zeus und der Metis (der personifizierten Klugheit) und ist
auf merkwürdige Weise zur Welt gekommen. Zeus, dem wie Ouranos und Kronos
geweisagt worden war, daß er einen Sohn zeugen solle, der mächtiger sein werde als er
selbst und der ihn stürzen könne, verschluckte seine erste Gefährtin Metis, die Mutter
dieses Thronfolgers sein sollte. Weil Metis da schon mit Athene schwanger war, gebar
Zeus seine Tochter nach Ablauf der Zeit aus sich selbst, indem Athene ausgewachsen
und in voller Rüstung aus seinem Kopf hervorkam, den Hephaistos mit der Axt zum
Zwecke der Geburt spaltete.

Apollon (lat. Apollo), ist ebenfalls ein Lieblingsgott der Griechen gewesen. Ursprünglich
für die Hirten zuständig, war er der Gott der Künste und der Weissagung geworden. Er
und seine Zwillingsschwester Artemis waren Kinder des Zeus und der Leto. Sein Orakel
in Delphi ist weit über die griechische Welt hinaus bedeutsam geworden. Mit dem
Bogen entschied er über Wohl und Wehe der Menschen, denn er konnte bei Bedrohung
schützend eingreifen oder damit auch Krankheit senden.
Apollon stand in allen Dingen für Ausgewogenheit und Ebenmaß, sowohl in der äußeren
(sichtbaren) Schönheit der Menschen und Gegenstände, als auch ihren inneren Werten
und Charaktereigenschaften, so daß sich später geradezu eine mit Apollon verbundene
Moral herausgebildet hat, die alle Griechen untereinander verband.

Artemis (lat. Diana), die Göttin der Jagd. Auch ihre Waffe war der Bogen, und wie ihr
Bruder in die Belange des männlichen Lebens eingriff, so hat sie über die Welt der
Frauen verfügt. Der Tod einer Frau wurde auf Artemis´ Pfeile zurückgeführt.
Artemis war wie Athene eine jungfräuliche Göttin, beide waren zu bedeutsam, als daß
sie einen männlichen Begleiter geduldet hätten. Sie hat vor allem die Frauen bestraft,
die etwas getan hatten, das gegen weibliche Züchtigkeit und Scham gerichtet war. Mit
ihren jungfräulichen Gefährtinnen durchstreifte sie die Wälder. Das Wild war ihr heilig.

Hermes (lat. Mercurius), der Gott der Diebe und Kaufleute (die von den Griechen aus
nachvollziehbaren Gründen nicht so genau unterschieden wurden). Hermes war ein
Sohn des Zeus und der Atlas-Tochter Maia. Er war der Bote des Zeus und so viel
unterwegs, daß er bald auch als Beschützer der Reisenden gedacht wurde. Hermes war
schlau und verschlagen, was ihm bisweilen auch den Zorn des einen oder anderen der
Götter zuzog. Insgesamt war er eine heitere und wegen seiner trickreichen Einfälle den
Menschen sympathische Gestalt.

Aphrodite (lat. Venus), die Göttin der Liebe. Sie war zwar mit Hephaistos verheiratet,
hatte aber als Liebesgöttin freilich schon von Berufs wegen zahlreiche Affären.
(Bei Homer hat Aphrodite eine Mutter, Dione (was die weibliche Form des Namens „Zeus“ ist), und als
Vater Zeus. Homers Variante stand bei den Griechen gleichberechtigt neben der Hesiods.)

Ares (lat. Mars), der Kriegsgott. Er war ein Sohn des Zeus und ausnahmsweise einmal der
Hera, wurde aber bei Menschen und den anderen Göttern nie gut gelitten, weil seine
Sache, das Kriegshandwerk in seiner blutigsten Form, nur Kummer und Elend über alle
brachte. Mit Aphrodite hatte er mehrere Kinder.

Hephaistos (lat. Vulcanus), der Schmiede- und Feuergott. Er war ein vaterloses Kind der
Hera, das sie aus lauter Eifersucht gebar, nachdem Zeus mit Athene ein
(oberflächlich besehen) mutterloses Kind zur Welt gebracht hatte. Hephaistos hinkte
nach seiner Geburt, so daß ihn seine schwer enttäuschte Mutter aus dem Himmel auf die
Erde warf, was freilich das Leiden auch nicht eben bessern konnte.

Dionysos (lat. Bacchus), ist in mancher Hinsicht ein besonderer Gott gewesen. Er war der
Sohn des Zeus mit einer Sterblichen, der Kadmos-Tochter Semele. Erst sehr spät ist er
bei den Griechen anerkannt worden, weil seine Bereiche, der Wein und der mit seinem
Genuß verbundene ekstatische Rausch, als für die Ordnung in der Polis gefährlich
erachtet wurden. Dionysos waren mehrere Fruchtbarkeits- und Weinfeste gewidmet,
und schließlich hat sich aus den Riten, die bei diesen Festen vorgenommen wurden, ein
Spiel vor Publikum entwickelt, das griechische Drama und Theater.

Die hier genannten Göttinnen und Götter sind (mit Ausnahme von Hades und Dionysos) die von den Griechen so genannten „Zwölf olympischen Götter“.

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99

Sonntag, 17. Juli 2011, 11:53

Wieder mal wird hier nicht die übersichtlichere Formatierung meines Dokuments übernommen, seht mir nach, wenn ich keine Muße habe, Fett- oder Kursivsetzungen einzufügen.

Bei der griechischen Mythologie ist generell ein Problem, daß sie gewissen und nicht immer ganz geringen Wandlungen unterworfen war. Götter wurden neu importiert, vergessen oder mit anderen verschmolzen, Attribute wechselten und daß bei den Mythen (Erzählungen) Abweichungen teils gewichtiger Natur im Schwange waren, muß man niemandem von Euch erst sagen, wie ich stark vermute.

Da haben wir also schon mal einen gewaltigen Teil des Personeninventars von Ilias und Odyssee beisammen. Mehr dann; Threadschulden sind Ehrenschulden, Grafen sind Ehrenmänner, Ehrenmänner führen Ehrenhändel, Händel war ein Komponist, Komponisten schreiben Musik und dies ist ein Musikforum. Diskussion über die Gültigkeit dieses Haufen-Schlusses (Sorites) jeden zweiten Nachmittag mit Bustopher im Logikfred.


Graf :wink:

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100

Dienstag, 26. Juli 2011, 23:19



1. Homers Zeit und die Zeit, über die Homer schreibt (Areios)

2. Homers Werk (Alexandros)

3. Formelhaftigkeit und Poetologie des homer. Epos (Alexandros)

4. Homer. Metrik (Alexandros)

5. Die dunkle Person Homers (Areios)

Den Beitrag zu Homers Person möchte die liebe Vé übernehmen. Dieser folgt nunmehr an dritter Stelle, nachdem ich das Werk im Abriß dargestellt haben werde. bei dem fünften Punkt, der Metrik, wird mir Areios wohl zur Hand gehen...



Das griechische Heldenepos geht vermutlich bis auf mykenische Zeit (d. h. ~ 1600/1500 v. Chr.) zurück und hatte ursprünglich möglicherweise reale historische Hintergründe (ich ganz persönlich halte das für sehr wahrscheinlich, aber es lässt sich kaum beweisen). Der Inhalt der Geschichten war bekannt, speziell ausgebildete Aoiden ("Sänger, von *ἀϝεύδω "singen"), improvisierten erst während ihres Auftrittes die (Hexameter-)Versform des Epos. (Wie so etwas funktioniert, kann man im 8. Gesang der Odyssee sehen: Odysseus bestellt ein Lied zu einem Thema, und Demodokos singt drauflos!) Um das Improvisieren zu erleichtern, haben sich mit der Zeit viele Füllwörter und teilweise feststehende Wendungen herausgebildet. Beispiel: die sogenannten Epitheta ornantia ("schmückende Beiwörter"), die bei Namen oder auch anderen Hauptwörtern stehen (wie im obigen Textbeispiel "weißarmig" bei Here), haben nur den Zweck, den Zwischenraum zwischen dem letzten sinntragenden Wort und dem meist am Ende eines Verses stehenden Namen zu füllen. Demnach werden unterschiedliche Epitheta verwendet, je nachdem, wie viel Platz zu füllen ist, und je nachdem, in welchem Fall der Name steht. Schön lässt sich das an Agamemnon zeigen: die letzten dreieinhalb Versfüße sind im Nominativ εὐρὺ κρείων Ἀγαμέμνων ("der weithin herrschende Agamemnon"), im Genitiv Ἀγαμέμνονος Ἀτρεΐδαο ("Agamemnons, des Atriden"), im Dativ Ἀγαμέμνονι ποίμενι λαῶν ("Agamemnon, dem Befehlshaber des Heeres"). Alle diese Konstruktionen sind metrisch gleich lang und semantisch gleichwertig.
Die letzte Stunde dieser Improvisationskunst, die auch die sogenannten "Dunklen Jahrhunderte" überdauerte und stets mündlich tradiert wurde (wobei sich die ursprünglichen Inhalte sicherlich sehr abgeschliffen haben), schlug mit dem Aufkommen der Schrift. Die "Ilias" und die "Odyssee" sind die allerletzten Ausläufer des improvisierten Epos, und es gilt als wahrscheinlich, dass Homer (oder wie auch immer der Dichter dieser Werke tatsächlich geheißen haben mag) bereits die Schrift gekannt und als Gedächtnisunterstützung auch verwendet hat.

Ab Homer wurde Literatur verschriftlicht. Die Verbreitung erfolgte aber weiterhin, in der gesamten archaischen und klassischen Zeit, mündlich. Wir müssen uns das ähnlich wie bei einem sehr modernen Theaterstück vorstellen, dessen Text nicht für ein breites Publikum gedruckt ist, sondern den nur die Schauspieler haben. Diejenigen, die nun im Besitz kostbarer Homer-Texte waren und diese bei Festen vortrugen, sind nun Rhapsoden. Sie heißen so, weil sie sich auf einen rhabdos, einen Stab, stützten und vielleicht mit ihm einen Rhythmus zum Vortrag klopften. (Die Aoiden hatten ja noch tatsächlich gesungen und sich auf einem viersaitigen Zupfinstrument, der Phorminx, begleitet!) Oft wurden solche Texte und damit das Rhapsodenhandwerk wohl von Generation zu Generation innerhalb einer Familie weitergegeben. Epos und Chorlyrik wurden zumindest in schriftlicher Zeit tendenziell öffentlich aufgeführt, während die monodische (= "solistische") Lyrik im privaten Rahmen eines Symposions verankert war. Für die Interpretation einiger Fragmente ist es durchaus wesentlich, zu wissen oder mit gewisser Wahrscheinlichkeit vermuten zu können, wie das Originalpublikum beschaffen war.

Eine Art Buchhandel entwickelt sich in Attika erst ungefähr zur Zeit des Peloponnesischen Krieges. Thukydides etwa schreibt wohl schon tatsächlich für Leser. Bis tiefst in Spätantike und Mittelalter hinein bleibt es aber Usus, laut zu lesen, und ist es immer wieder chic, in der Einleitung von Literaturwerken den Eindruck mündlichen Vortrags zu erwecken oder eine Rahmensituation vorzuschieben, die den Hauptteil des Textes als (fiktive) Rede einführt.




Zur Vortragssituation (nicht bloß Homers) hast Du, Areios, bereits das Nötige geschrieben (obwohl es Platon doch verboten hat! ;+) ) Ich möchte aus diesem konzisen, gleichwohl auch anspruchsvollen Beitrag nocheinmal der Verständlichkeit halber herausheben:

Aoiden (sprich: A-euden") sind produktiv tätig gewesen und haben "gesungen" (wie genau sich das angehört haben mag, darüber gehen die Meinungen auseinander)

Rhapsoden sind vorwiegend rezeptiv tätig gewesen und haben "rezitierend vorgetragen"

Die Ilias und die Odyssee liegen genau an der Schnittstelle des Überganges von mündlicher zu schriftlicher (oder verschriftlichter, was nicht dasselbe bedeutet) Dichtung. Sie sind End- und Kulminationspunkt der mündlichen, Anfang und stetiger Bezugspunkt der schriftlichen Form. In sie sind zwei verschiedene Produktionstadien eingegangen:

Der gedächtnisgestützte Vortrag, der tradierte Formelhaftigkeit mit ad-hoc-Improvisation verband

Die schriftgestützte Konzeption, die erstmals eine tiefschichtigere Großkomposition des unfangreichen Werkes gestattete

Ich finde es ja eine der spannendsten Entstehungssituationen in der Weltliteratur überhaupt (dagegen ist Shakespeare ein langweiliger Vielschreiber gewesen :rolleyes: ). Leider ist gerade die literarische und textuelle Situation Homers ungemein voraussetzungsreich. Man wird selbst ein wenig lesen müssen, bis man sich ungefähr vorstellen kann, was es mit all diesen heute in der Tat "archaisch" anmutenden Versatzstücken auf sich haben könnte und wie dieselben zu einem Bild zusammengesehen werden könnten.


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101

Dienstag, 26. Juli 2011, 23:21

Wie versprochen, gebe ich einen historischen Überblick über die Zeit, in der Homer schreibt, und über den Trojanischen Krieg, der zwar in der uns überlieferten Form ein Mythos ist, aber aller Wahrscheinlichkeit nach zumindest einen historischen Kern hatte. Ich hoffe, dass mein Beitrag auch interessant und kurzweilig zu lesen ist – es tut mir sehr leid, dass es mir nicht gelungen ist, mich kürzer zu fassen. Ich habe versucht, so zu schreiben, dass man sich auch ohne Vorwissen auskennt – vielleicht ist mir wenigstens das gelungen...

Ein schönes und auch leicht zu lesendes Buch, in dem ähnliche Fragen ebenfalls behandelt werden und auf dem meine Darstellung auch in einigen Teilen aufbaut, ist J. Latacz, Troia und Homer. Der Weg zur Lösung eines alten Rätsels, 5. aktual. u. erw. Aufl. Leipzig 2005. Joachim Latacz ist in diesem Thread ja schon öfter erwähnt worden – es soll nicht so aussehen, als kennte ich keinen anderen Altphilologen, aber er ist nun einmal einer der bedeutenden Homerkenner unserer Tage und bemüht sich auch besonders um die gerade bei Homer so wichtige Verknüpfung verschiedener Wissenschaften wie Klassischer Philologie, Archäologie, Altanatolistik...

Wann schreibt Homer eigentlich? Und wann spielen die Ereignisse, die er beschreibt?

Unter dem Namen Homers sind uns bekanntlich zwei frühgriechische Heldenepen überliefert, die Ilias und die Odyssee. Die Niederschrift dieser beiden Werke fällt nach heutiger Meinung ins letzte Drittel des 8. Jh. v. Chr. und fand irgendwo an der damals griechisch besiedelten Westküste Kleinasiens statt – also mehr oder weniger in der Nähe jener Stadt (damals schon Ruine), die Heinrich Schliemann ab 1870 als „Troja“ ausgrub. Nach heutigem Wissensstand ist diese Identifikation mit großer Wahrscheinlichkeit korrekt und durch viele Indizien untermauert (z.B. die Erwähnung eines nordwestkleinasiatischen Ortes „Wilusa“ in hethitischen Texten, wobei es sich sowohl räumlich als auch dem Namen nach mit großer Wahrscheinlichkeit um „Ilios“ handelt [das „w“/ϝ gibt es schon im homerischen Griechisch nicht mehr und fällt daher weg].). Hundertprozentige Sicherheit haben wir natürlich erst, sobald bei den archäologischen Grabungen ein Ortsschild zu Tage gefördert wird. ;+)

In der Ilias wird eine Zeitspanne von 51 Tagen aus dem letzten Kriegsjahr des zehnjährigen Trojanischen Krieges erzählt. Die Odyssee spielt zehn Jahre nach der Eroberung von Troia/Ilios, wenn Odysseus nach langer Irrfahrt heim zu seiner Frau Penelope kommt. Diese Ereignisse galten in der Antike größtenteils als historisch. Das Marmor Parium (eine Chronik der Geschichte Griechenlands aus dem 3. Jh. v. Chr., die als Inschrift auf Paros gefunden wurde) datiert den Beginn des Trojanischen Kriegs auf 1218/17 v. Chr., die Eroberung von Troia/Ilios auf 1209/1208 v. Chr. (Das griechische Jahr begann Mitte Juli, daher muss man bei der Umrechnung in unsere Zeitrechnung immer zwei Jahre angeben. 1218/17 meint grob gesprochen: die zweite Hälfte des Jahres 1218 und die erste Hälfte des Jahres 1217.) Andere Geschichtsschreiber nennen andere Daten, bleiben aber innerhalb eines Zeitraumes von etwa ± 100 Jahren der Marmor-Parium-Datierung.

Dieser antike zeitliche Ansatz ins 12./13. vorchristliche Jahrhundert dürfte (mit aller Vorsicht!) für die Ereignisse, die für die Erzählungen vom Trojanischen Krieg die Vorlage bildeten, ungefähr richtig sein: Denn Homer nennt z.B. Orte als blühende Städte, die es zu seiner Zeit schon nicht mehr gab, deren Existenz im 12./13. Jh. aber durch hethitische, ägyptische und mykenische (Linear-B-)Quellen und z.T. archäologische Erkenntnisse belegt ist. Auch die politischen Beziehungen, die er beschreibt, und manche Details wie den berühmte Eberzahnhelm (Ilias 10,260-271) und Bronzewaffen gab es zwar im 12./13. Jh., nicht aber in Homers eigener Zeit. Bereits kurz nach den historischen Ereignissen muss der Troja-Stoff Eingang ins Repertoire der improvisierten Heldenepik gefunden haben und – sicher nicht ohne Veränderungen – über Jahrhunderte hinweg bis zu Homer mündlich tradiert worden sein.

Die Zeit des Trojanischen Krieges - die mykenische Kultur

Wie war nun die Situation im 12. und 13. Jh.? Seit etwa dem 17. Jh. v. Chr. erblühte am griechischen Festland und auf der Peloponnes die sogenannte mykenische Kultur (benannt nach dem wichtigen Fundort Mykene). Durch spätere Eroberungen (z.B. im 15. Jh. v. Chr. das Reich der Minoer auf Kreta) breiteten sich die Mykener auch in der Ägäis und bis nach Kleinasien aus. Bedeutende Städte scheinen neben Mykene auch Pylos, Theben, Knossos, Argos, Tiryns, Orchomenos, Athen und Iolkos gewesen zu sein – Städte, die zum Großteil auch in der griechischen Mythologie noch wichtige Rollen spielen. Diese Mykener sprachen eine Vorform des Griechischen und schrieben mit der Silbenschrift Linear B, die sie aus der bislang unentzifferten Linear A-Schrift der Minoer entwickelt hatten. Es gibt aber keinen Hinweis darauf, dass auch literarische Texte – die es sicher gegeben hat: mit hoher Wahrscheinlichkeit war das Heldenepos bereits in der mykenischen Kultur etabliert! - niedergeschrieben wurden; alle bekannten Linear B-Texte (stets Tontafeln, die bei Palastbränden gebrannt wurden und uns so durch Zufall erhalten blieben) sind eigentlich die reinste Bürokratie (Inventarlisten aller Arten, Naturalien-„Buchhaltung“, Heereslisten, Verwaltungsangelegenheiten, etc.). Sie zeigen aber den Wohlstand, der in der mykenischen Zeit erreicht wurde und über den z.B. auch die reichen Grabbeigaben und die Fresken in den Palästen Aufschluss geben. In der mykenischen Zeit war die übliche Bestattungsform die Erdbestattung, zunächst in Schachtgräbern, später in Kuppelgräbern. Beispiele für beide Grabtypen findet man etwa in Mykene.

Über die mykenische Gesellschaft wissen wir leider nicht allzu viel und können vieles nur vermuten, die Forschung in diesem Gebiet läuft aber beständig weiter. Die Gesellschaft scheint eher kriegerisch orientiert gewesen zu sein, wofür neben den mykenischen Expansionsbestrebungen auch die festungsartige Anlage der Städte spricht. Möglicherweise gab es eine deutliche Trennung zwischen einer kriegerischen Führungsschicht von eingewanderten protogriechischsprachigen Indogermanen und der beherrschten Vorbevölkerung, die für die ökonomischen Grundlagen sorgen musste. Aus den Linear B-Tafeln kennen wir die mykenischen Bezeichnungen für einige Verwaltungsämter, doch lassen sich auch daraus nur wenige Rückschlüsse auf die genaue politische Struktur gewinnen. An der Spitze des Staates scheint ein Monarch gestanden zu sein (Linear B wa-na-ka, später griech. ἄναξ ánaks "Herr"), das Wort wird aber manchmal auch als Bezeichnung für einen Gott gedeutet. Es gab einen ausgeprägten Beamtenapparat und es gibt Indizien, dass die Wirtschaft zentralistisch-planwirtschaftlich aufgebaut war. Ob der mykenische Kulturraum ein einziger geschlossener Staat war, ist noch umstritten; wahrscheinlich richtiger ist es aber, kleinere Stadtstaaten (mit den oben genannten Zentren) anzunehmen, wie sie auch in der griechischen Mythologie und eben bei Homer erscheinen. Es mag auch sein, dass sich diese Stadtstaaten zu einer Art Bund zusammenschlossen – aber beweisen lässt sich das wohl nicht.

Weitere spärliche Informationen bieten ägyptische und hethitische Quellen: In einer Inschrift aus dem Totentempel von Amenophis III. (1. H. 14. Jh. v. Chr.) sind Nachbarländer Ägyptens aufgezählt. Die Nachbarländer im Norden sind Kafta (Kreta) und Danaja, als dessen Städte u.a. mukana (Mykene) und deqajis (Theben) genannt werden. „Danaja“ erinnert sehr an das griechische Wort Δαναοί „Danaoi“, das bei Homer zur Bezeichnung der Gesamtheit der Griechen verwendet wird. Von einigen wird diese ägyptische Quelle so gedeutet, dass es zur Zeit Amenophis III. ein Großreich namens Danaja auf der Peloponnes gegeben habe, dessen Zentralort Mykene (der erstgereihte Ort der Liste) gewesen sei, und dass sich die homerische Bezeichnung „Danaoi“ für Griechen daher ableite. Von letzterem bin ich eigentlich auch überzeugt, den Rückschluss auf das politische System sehe ich aber mit einer gewissen Vorsicht, da Theben nach den Linear-B-Zeugnissen eine eigenständige Verwaltung gehabt zu haben scheint: Man könnte das Land Danaja und seine Städte doch durchaus auch als Bund von Stadtstaaten oder als bloße ethnisch-kulturelle Bezeichnung interpretieren, oder?

In den hethitischen diplomatischen Archiven findet sich ein Land Achijawa im Westen des Hethiterreiches, das (nur?) über das Meer erreichbar ist und mit dem die Hethiter mehrfach Probleme haben. Es scheint plausibel, Achijawa in der Ägäis oder vielleicht sogar auf Festlandgriechenland zu vermuten. Auch hier sticht die lautliche Ähnlichkeit mit Ἀχαῖοι „Achaioi“, einem homerischen Synonym für „Danaoi“, ins Auge. Latacz verortet im oben erwähnten Buch das Zentrum von Achijawa versuchsweise in Theben, das sich bei neueren Grabungen als wichtiger Zentralort in mykenischer Zeit herausgestellt hat und dessen Einflussgebiet vermutlich bis in die Ägäis reichte. Wenn es politische Spannungen zwischen dem Hethiterreich und Achijawa gegeben hat, so würde das jedenfalls gut zum Trojanischen Krieg passen: die Gegend um Troja gehörte zwar nicht direkt zum Hethiterreich, war aber eine Art „Vasallenstaat“ der Hethiter und war wohl auch kulturell stark von den Hethitern beeinflusst.

Etwa um 1200 v. Chr. (nach der Datierung des Marmor Parium also knapp nach dem Fall Trojas) werden viele mykenische Städte zerstört, die Ursache ist unklar. Die mykenische Kultur bleibt anschließend zwar bestehen, aber in etwas bescheidenerem Ausmaß. Einige zerstörte Städte werden auch nicht mehr besiedelt. Um 1100 v. Chr. schließlich verschwindet die mykenische Kultur ganz und mit ihr auch Schriftlichkeit sowie politische und ökonomische Macht. Es beginnen die sogenannten „dunklen Jahrhunderte“, über die unser Wissen noch spärlicher ist als über die mykenische Zeit und erst in der jüngsten Zeit durch neue Ausgrabungen allmählich wächst. Mit diesen „dunklen Jahrhunderten“ ist auch der Übergang von Bronzezeit zu Eisenzeit anzusetzen.

Homer und seine Zeit

Irgendwann in die Zeit der „dunklen Jahrhunderte“ fällt die Besiedelung der Westküste Kleinasiens durch Griechen. Das erwies sich als außerordentlich befruchtend für die griechische Kultur, die so verschiedenste anatolische und nahöstliche (assyrische, phönikische...) Einflüsse in sich aufnehmen konnte. Eine der wichtigsten Bekanntschaften war diejenige mit dem von den Phönikern entwickelte Alphabetschrift. Meistens wird vermutet, dass dieses Alphabet um etwa 800 v. Chr. oder kurz danach seinen Weg zu den Griechen gefunden hat. Die Griechen modifizierten das phönikische Alphabet und passten es an ihre Sprache an – ja und das öffnet den Weg für die Niederschrift von Ilias und Odyssee.

Ich habe weiter oben schon über die Aoiden, wie Homer wohl einer war, geschrieben, so dass ich mich jetzt kurz fassen kann. Wahrscheinlich seit dem Fall der mykenischen Kultur gab es ein kleinräumiges politisches System mit lokalen Fürsten. (Interessant in diesem Zusammenhang: von der mykenischen Bezeichnung für die niedrigsten Beamten, die Dorfvorsteher, qasireo, leitet sich das griechische Wort für "König", βασιλεύς, ab!) Wandernde Improvisationskünstler, die Aoiden, zogen von Fürstenhof zu Fürstenhof, um zu singen, Nachrichten zu verbreiten und vielleicht auch zu lehren. Diese Strukturen ändern sich in der Zeit Homers allmählich. Neu ist im 8. Jh. v. Chr. ein wirtschaftlicher Aufschwung in großen Teilen Griechenlands (dessen genaue Ursachen zumindest mir unbekannt sind, ich befürchte, sie lassen sich auch nicht mehr restlos rekonstruieren) und damit einhergehend auch ein kultureller Aufschwung. Die Bevölkerungszahl steigt, neue Städte werden gegründet (bzw. aus mehreren Dörfern zusammengelegt) und alte verlassene Ruinen wiederbesiedelt, die Könige werden abgesetzt und die Monarchie durch eine Aristokratie ersetzt... in dieser Umbruchszeit werden Ilias und Odyssee geschrieben, zwei Werke, die einerseits weit in der Geschichte zurückschauen und andererseits doch Produkte ihrer eigenen Zeit sind.

Liebe Grüße,
Areios

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102

Mittwoch, 27. Juli 2011, 15:47

Iliastexte und nützliches Beiwerk

Der erste Gesang soll dann gegen Anfang September hier im Thread unser Thema sein. Empfehlenswerte Übersetzungen wurden ebenso schon genannt wie griechische Textausgaben. Einführende Sekundärliteratur auch.

Ein absolut zuverlässiges und sehr ausführliches, gleichwohl lesbares Lexikon der griechischen Mythologie ist das von Tripp, in dt. Übersetzung bei Reclam unter dem Titel "Reclams Lexikon der antiken Mythologie" erhältlich. M.E. deutlich informativer als der gerühmte und so vielgenutzte Hunger, der sich stets sehr rasch auf die Wirkungsgeschichte kapriziert, diese allerdings dann wirklich umfassend präsentiert bzw. listet.

Im Tripp findet man neben allerdings recht langen Artikel über die göttlichen Protagonisten (s. zu diesen m. Beitrag o.) auch meist knapper gehaltene Einträge über das Bodenpersonal. Für den ersten Gesang ist dies im Großen und Ganzen noch kein Problem, da der Focus auf den beiden Kontrahenten Agamemnon und Achilleus liegt.

Für die Kalchas-Szene und natürlich auch für das loimós-Motiv wären beginnende Kenntnisse der griechischen Religion und hier insbesondere des Kultwesens nicht schlecht. Verweisen möchte ich bzgl. dieses Themenbereichs nur auf den herausragenden kleinen Artikel von Fritz Graf in Nesselraths dickem Teubner-Handbuch "Einleitung in die gr. Philologie". Zumindest Menschen mit einer bequemen Bibliotheksanbindung werden nicht bereuen, das Buch für eine halbe Stunde aus dem Regal gezogen zu haben.

Den m. W. besten Überblick über alle handelnden Figuren gibt Latacz im Prolegomena-Band seines großen Basler Iliaskommentars (dazu s. gegen Threadanfang). Auch dies Werk dürfte für fast alle lediglich in der Bibliothek einzusehen sein, auch das lohnt sich hingegen.

Zunächst kommt noch mein Beitrag über das homerische Werk, vor i-welcher Lektüre des Textes über Metrik und Formelhaftigkeit zu reden, halte ich für bodenlos.

Klar auch, daß ein erster Abschnitt gewinnbringender besprochen und verortet werden kann, wenn vorher schon das ganze Werk zumindest einmal flugs durchlesen wurde.


Grüße

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103

Freitag, 29. Juli 2011, 21:59

Wenn man die Ilias (und auch die Odyssee) liest, wird man sehr rasch eine gewisse Spannung empfinden zwischen zum Teil archaisch und beinahe schon unbeholfen anmutenden Erzähltechniken (wie den berühmten formelhaften Versen, Textwiederholungen [Iteratverse], umständlichen Vergleichen) und hochelaborierten Erzählstrukturen, die das erzählte Geschehen unterschiedlich fokalisieren, dehnen, decken oder straffen, und originelle narrative Chronologien entwerfen.

Für mich ist dies mit das allerinteressanteste an den homerischen Epen und wer sich ein wenig in diese Materie einlesen mag, dem seien warm die Bücher von Martinez ("Einführung in die Erzähltheorie", Mchn. 1999) und Vogt ("Aspekte erzählender Prosa", Opladen 1972) empfohlen. Selbstverständlich gibt es viele Publikationen mit direktem Bezug zum homer. Epos, doch diese sind oft sehr speziell und schwer zu lesen.

Man wird überrascht sein, wie unvermutet "modern" das versepische Werkzeug oft zum Einsatz kommt. Gegen die homer. Großdichtungen wirkt so mancher angesehene Roman des 20. Jahrhunderts wie eine lustlos heruntererzählte Gutenachtgeschichte.

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Gurnemanz

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104

Samstag, 30. Juli 2011, 11:31

Winziges

Fröhlich folgte ich dieser alexandrinischen Empfehlung und halte seit heute dieses Buch in Händen, hoffend auf nahrhafte Sommerlektüre. Umso größer meine Ernüchterung, als ich optimistisch nach den Buchstaben im Buch suchte: Ein Amazon-Kunde überschreibt seine Rezension zutreffend: "Helena, mein Augenpulver..." ;(

Das lese ich nicht! :boese:

Glücklicherweise sind die JPC-Leute bereit, das Buch wieder zurückzunehmen.

Frage an Alex oder wer auch immer sich angesprochen fühlt:

Ist diese teurere Ausgabe (ebenfalls Übersetzung von Wolfgang Schadewaldt) lesbarer:

?

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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105

Samstag, 30. Juli 2011, 11:43

Lieber Gurnemanz,

mein Handexemplar ist jene von Dir zuletzt verlin kte gebundene und daher teure(re) Ausgabe, der Druck ist leider ganz genauso klein - ein "smikron ti", wie Sokrates es nennen würde. ;+)

Es gab bei Zeiten (und es waren gute Zeiten, Zeiten, wie sie nicht von zweien erlebt werden von denen, wie sie heute lesen...), da war die große und schöngebundene Inselausgabe in den Buchhandlungen greifbar, mit einem exquisiten Büttenumschlag, wenn Du dieser Ausgabe im zvab oder beim Antiquitätenhändler Deiner Wahl noch habhaft werden solltest, Du wärest ein glücklicher und ein lesender Mann!

Ich drücke die Daumen und danke Dir für Dein Dabeisein!


W :wink:

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Gurnemanz

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106

Samstag, 30. Juli 2011, 11:54

[...] der Druck ist leider ganz genauso klein [...]
Genau das, lieber Alex, habe ich befürchtet.

Zitat

"smikron ti"
Was'n das für'n Zeuch?

Zitat


[...] die große und schöngebundene Inselausgabe in den Buchhandlungen [...], mit einem exquisiten Büttenumschlag [...]
Möglicherweise das hier: http://www.zvab.com/displayBookDetails.d…d=158142645&b=1 ?

Werde mal forschen... Dank Dir!

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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107

Samstag, 30. Juli 2011, 11:57

Nein stop, das ist die Voss-Übertragung! ich such mal mit...

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108

Samstag, 30. Juli 2011, 11:58

http://www.zvab.com/displayBookDetails.d…d=142666911&b=1

Dies ist, was der Onkel Wilhelm meinte...

Die Zahl, die da steht, vergessen wir mal rasch, das Bild hingegen weist den Weg...

:wink:

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Gurnemanz

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109

Samstag, 30. Juli 2011, 12:05

Aha. Also könnt's auch dieses sein:



:?:
:wink:
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110

Samstag, 30. Juli 2011, 12:07

Eben dasselbe und zu zivilen Zahlen...

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Gurnemanz

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111

Samstag, 30. Juli 2011, 12:12

Bestellt.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

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