Hallo,
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Jurgis Juozapaitis (* 1942)
Sinfonie Nr. 1 "Rex" (1973)
Sinfonie Nr. 3 "Zodiacus" (1977)
Nationales Sinfonieorchester Litauens / Juozas Domarkas
Beide Werke dieses litauischen Komponisten verraten ein erhebliches Interesse an Klangfarben bzw. klangfarblichen Experimenten, etwa durch die intensive Verwendung von Streicherglissandi oder aleatorischen Passagen, die ein gewisses orchestrales "Schimmern" erzeugen. Die erste Sinfonie ist einsätzig, was im Grunde genommen auch für die Dritte gilt: eigentlich in vier Sätze geteilt, bereiten mir manche Übergänge dennoch offengestanden ein wenig Probleme dahingehend, dass ich mir noch nicht ganz sicher bin, wo welcher Satz nun eigentlich aufhört bzw. anfängt – das ist alles eher ein kontinuierliches Fließen. Wenn ich mich übrigens richtig erinnere, bezieht sich der Titel der Ersten Sinfonie auf den Komponisten Mikalojus Konstantinas Čiurlionis, eventuell in Zusammenhang mit dessen 100. Geburtstag zwei Jahre später.
Diese Sinfonien mögen für sowjetische Verhältnisse insgesamt modern sein, innerhalb Litauens ist Derartiges allerdings keine Seltenheit: z. B. scheinen mir auch im Vergleich zwischen den drei baltischen Republiken die Litauer (ab einer gewissen Generation) diejenigen zu sein, die sich am stärksten für modernere Musik interessierten. Anders zum Beispiel in Lettland, wo heute noch viele Werke entstehen, die einfach wesentlich konservativer sind. Ich persönlich vermute ja zumindest bis zu einem gewissen Grad einen Zusammenhang damit, dass Litauen schon zu Zeiten der Sowjetunion ein Land war, in dem (salopp gesagt) moskaukritische Stimmen keine Seltenheit waren – insofern liegt für mich jedenfalls die Vermutung nahe, dass die kulturpolitischen Vorgaben des Zentrums hier ab einem gewissen Zeitpunkt kaum noch Beachtung fanden. Das ist aber eher ein vorläufiger Gedanke von mir als eine wirklich fundierte These...
Viele Grüße
Holger