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1

Sonntag, 14. August 2011, 13:43

Mein musikalischer Augenstern

Liebe Mitstreiter,

meines Wissens streift dieses Thema nur Threads wie "meine letzte Musik" oder "Musik, die ich immer hören kann" etc., ist aber möglicherweise doch so eigen, daß es Stoff für ein kleines Gespräch sein kann. Sollte ich mich irren, bitte ich die Moderation um Entfernung bzw. Verschiebung.

Gemeint ist, als Gegenteil zu "Abgenutzt, kaputtgehört, zu Tode geliebt, Folgendes:

Gibt es ein Musikstück, also nicht Musikkategorie, nicht -periode, nicht Komponist, ja auch nicht einmal ein mehrsätziges Werk, nein

ein einzelnes konkretes Musikstück,

welches Euch - vielleicht schon seit Jahren - so unmittelbar eng begleitet und so viel bedeutet, daß es längst über die Funktion als akustische Annehmlichkeit hinausgewachsen ist? Ein Stück, von dem Ihr vermuten könntet, daß Ihr seiner wohl nie überdrüssig sein werdet, weil es irgend etwas enthält, daß sich üblichen Hörkategorien entzieht (damit ist allerdings nicht gemeint, daß das Stück zu jeder Tages- und Nachtzeit gehört werden kann). Und welche Rolle spielt dabei eine bestimmte Interpretation? Oder wirkt das Stück auch in unterschiedlichen Interpretationen?

Eine kurze (oder längere ;+) ) Begründung für die Wahl wäre interessant.

Gründe für eine Nennung, auch Außermusikalische, können viele sein, nur ein Grund wird nicht akzeptiert: Daß es sich um ein musikalisch bedeutsames Werk handelt. Es ist eine persönliche Frage, die wohl mehr über den Antwortenden aussagt, als über das gewählte Musikstück.



Um bei mir mal anzufangen:

Ein magisches Musikstück, welches mich unverrückbar immer begleitet hat, gibt es nicht. Vielmehr kann jedes Stück, auch aus dem Kreis meiner augenblicklichen Favoriten, situationsbedingt vollkommen ungelegen kommen und mich nerven, ist doch logisch.

Jedes Stück? Ganz Gallien? Äh, nein, mein kleines gallisches Dorf heißt:

Ghimel. Migravit Judas aus Lamentations for Maundy Thursday (Klage des Propheten Jeremias zum Gründonnerstag) von Joao Lourenco Rebelo (1610-1661)



enthalten aber auch günstig in dieser Box



Ich habe mich immer gefragt, warum dieses Stück mich immer, wenn ich es höre veranlaßt, meine aktuelle Tätigkeit einzustellen (beim Autofahren: den nächsten Parkplatz aufsuchen). Es ist ein chromatisches, mehrchöriges Werk ohne basso continuo, durchaus anstrengend und überhaupt nicht meditativ. Es ist dieser Sog, diese ständige Bewegung, ein kurzes Innehalten, dann weiter. Dabei spreizen die sich überlagernden Stimmgruppen das harmonische Gerüst auf gerade lustauslösende Weise.

Also musikalische Wollust? Sicher :rolleyes:

Und Schmerz. Gedanken über Verpaßtes, nicht Gelebtes, nicht Gewordenes, Unerreichbares. Unverstanden sein, nicht Teilhaben können, wo andere einig sind, Einsamkeit.

Der Text spielte für mich keine Rolle, jetzt lese ich ihn zum ersten Mal, und was lese ich?

"Juda ist gefangen in Elend und schwerem Dienst; sie wohnt unter den Heiden und findet keine Ruhe; alle ihre Verfolger halten sie übel."

Ich habe übrigens noch niemanden gefunden, der auch nur annähernd meine Erschütterung über dieses Stück nachvollziehen könnte. Die Reaktionen gehen von "schräg", "abgefahren", "sagt mir nichts" bis "anstrengend".

Noch nicht einmal auf einem newsgrouptreffen in Berlin vor einigen Jahren konnte ich bei irgend einem Teilnehmer ein Interesse, geschweige denn diejenige Wirkung erzielen, die sich bei mir sofort bei allererstem Hören eingestellt hatte.

Dann ist es wohl wirklich "mein" Stück.

Liebe Grüße

Andreas

"Zuviel Pedal!"

2

Sonntag, 14. August 2011, 18:10

Ich kenne dieses Gefühl der Momentaufnahme, dieses Bedürfnis, sich nicht von dem Stück ablenken zu lassen, was aber jedesmal nicht gelingt. Ein äußerst seltenes Phänomen, was aber ein sehr großes Glück für einen persönlich darstellt. Auch ich habe dieses Glück gefunden:

es ist das Kyrie aus der Messe de Nostre Dame von Guillaume de Machaut.

Wenn es beginnt, öffnet sich meine Seele weit und taucht hinein in ein Bewußtsein friedlicher Ruhe. Es ist so, als ob eine Stimme aus sich selbst aufsteigt und einen Weg beschreitet, der aus sich selbst herausführt in eine vollendete Harmonie. Es gibt keinen Körper mehr, sondern nur Geist. Und wenn es verklungen ist, erreicht mich wieder die Wirklichkeit - und ich kann froh sein, wenn danach noch der Rest der Messe weiter abläuft: das mildert den Rücksturz ein wenig... ^^

An welchem Musikstück sich das festmacht, ist ja individuell. Es wundert mich daher auch nicht, wenn es niemand nachvollziehen kann, was Dich an "Ghimel. Migravit Judas" so umhaut. Die empfinden es nunmal nicht bei diesem Stück! Vielleicht bei einem anderen, und was hältst du dann davon?

Das ist jener Ausdruck von Individualität, der einen entscheidenen Teil unseres Charakters ausmacht. Ein Hoch auf die Individualität - und das Glück!


jd :angel:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


3

Sonntag, 14. August 2011, 18:16

Ich habe übrigens noch niemanden gefunden, der auch nur annähernd meine Erschütterung über dieses Stück nachvollziehen könnte. Die Reaktionen gehen von "schräg", "abgefahren", "sagt mir nichts" bis "anstrengend".


Mein solcher Moment ist das Agnus Dei der vierstimmigen Messe von William Byrd.

Da ist er für mich wie Beethoven. Ich meine damit: da tuen sich mir plötzlich so unmittelbar die Gefühle, Ängste, der Glauben des Komponisten auf, mit so starker Expressivität drängt sich für mich hier die Person in den Vordergrund, wie ich das bis zu Beethoven nicht ähnlich kenne. Vor allem, das nicht enden wollende gequälte "Dona nobis" trifft mich immer und wieder ins Herz. Ein magisches Moment für mich.

Ich habe schon öfters darüber mit anderen zu sprechen versucht - nur wenige konnten das nachvollziehen.

LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

4

Freitag, 19. August 2011, 18:30

Lieber JD, lieber Tamas,

danke für Eure Antworten. Es versteht sich von selbst, daß ich versuchen werde, alle mitgeteilten Augensterne hörend nachzuvollziehen.

LG

Andreas
"Zuviel Pedal!"

5

Dienstag, 6. September 2011, 15:46

Kein großes, spektakuläres Werk, aber eine große Liebe schon seit Jahren: Der Schlusschoral der Bachschen Johannespassion "Ach Herr, lass Dein lieb Engelein". So schlicht, so voller Hoffnung, gleichzeitig innig und mächtig, kindlich und weise.

Vendee

philmus

melancholischer Optimist

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6

Dienstag, 6. September 2011, 18:33

Einige meiner Favoriten:
das "Agnus Dei" aus der sog. "Krönungsmesse" von Mozart. (Wobei das "Laudate Dominum" aus den Vesperaes KV 322 das Potential hat, ihm den Rang abzulaufen)

Ebenso unkaputtbar: das Sanctus aus der h-moll-Messe, wo die Chorstimmen wie Weihrauchgirlanden aufsteigen und herumwabern...

aus dem Fauré-Requiem Kyrie, Sanctus, Agnus Dei, in paradiso

Und, man mag es mir verzeihen: die "himmlischen Freuden" aus der 4. von Mahler, speziell die letzte Strophe, wo es um die Musik geht...

Gruss
Herr Maria
.................................................................................................

Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
daß Alles für Freuden erwacht

Im Übrigen bin ich der Meinung, daß die Sommerzeit abgeschafft gehört.

7

Mittwoch, 7. September 2011, 09:07

Mein Haupt-"Augenstern" ist sicherlich die Chaconne aus Bachs Partita für Solovioline Nr. 2 in d-moll :


Auf YouTube gefällt mir ganz besonders die Fassung von Itzhak Perlmann:

Teil 1: "http://www.youtube.com/watch?v=5bVRTtcWmXI&NR=1"

Teil 2: "http://www.youtube.com/watch?v=5bVRTtcWmXI&NR=1"


Für mich als Laien stimmt hier einfach alles, Tempi, Pausen, Phrasierung, was-weiß-ich wie man das alles nennt.
In die Version von Julia Fischer hatte ich auch reingehört, aber das war für mich nicht so überzeugend.
Und die älteren Aufnahmen von anderen, z.B. Heifetz, waren von der Tonqualität her nix.

Warum die Chaconne?

Geht für mich einfach direkt ins Herz. Klar, das tun bei mir viele Stücke, aber dieses hier irgendwie ganz besonders.

Übrigens, eine interessante, dennoch kurze Info-Sendung über die Chaconne bei BR online (darin auch noch etwas zum anhören),
ansonsten natürlich Infos bei Wiki:


BR : http://www.br-online.de/br-klassik/stark…75755644634.xml

Wiki : http://de.wikipedia.org/wiki/Sonaten_und…solo_%28Bach%29

:wink:

amamusica :pfeif:
Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein...


8

Mittwoch, 7. September 2011, 12:58

Liebe Vendee,

schnuppere ja immer etwas herum, was es noch geben könnte, was mir gefallen könnte. Da habe ich jetzt Deinen "Augenstern" gesehen:
Der Schlusschoral der Bachschen Johannespassion "Ach Herr, lass Dein lieb Engelein". So schlicht, so voller Hoffnung, gleichzeitig innig und mächtig, kindlich und weise.
Die Matthäus-Passion kenne ich ja rauf und runter, aber obwohl ich zuhause die Schallplatten von der Johannes-Passion auch habe, habe ich sie mir bislang noch gar nicht angehört... ...Schallplattenhören ist eher unpraktisch, für mich. Und ich bin ein furchtbares "Gewohnheitstier".

Aber das hat mich jetzt doch gereizt, mit dem Schlußchoral.

Habe jetzt im Internet die Fassung mit Karl Richter gefunden - die Matthäus-Passion kenne (und liebe) ich ja auch in der "Wagner-Oper"-Variante von Karl Richter (da habe ich auch mit den Chorälen begonnen) - nur leider ist jetzt diese Variante von "Ach Herr..." von der Tonqualität jetzt nicht so ultimativ. Aber man erkennt schon genug. :rolleyes: :rolleyes: :rolleyes:

"http://www.youtube.com/watch?v=4AwpCI-rO1Y"

= vielen, vielen Dank, liebe Vendee (und YouTube!), nach den "Engeln" aus dem Elias von Mendelssohn-Bartholdy scheint das mein nächster neuentdeckter "Ohrwurm" zu werden... (so "engelig" :angel: alle, zur Zeit) ...und den Rest der Johannes-Passion werde ich mir spätestens zur Passionszeit im nächsten Jahr (soooo weit jetzt auch nicht mehr hin... ;+) ) zu Gemüte führen...

...welche Version / Einspielung empfiehlst Du denn?

:wink:

amamusica :pfeif:

-----------------------


Habe jetzt auch die Version von Harnoncourt und dem Arnold Schönberg Chor gefunden:

"http://www.youtube.com/watch?v=axzvLK9rmHM&feature=related"

...auch die Instrumentierung ist anders, abgespeckt, keine Orgel... ...auf jeden Fall ist schon mal der Klang / die Tonqualität besser!
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all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

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Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein...


9

Mittwoch, 21. September 2011, 19:39

Hallo amamusica,

...welche Version / Einspielung empfiehlst Du denn?

Hoffentlich erschlage ich Dich nicht mit meiner Antwort, aber Deine Frage hat mich so animiert, dass ich mich, heute frisch aus dem Urlaub zurück, gleich eine Zeitlang damit beschäftigt habe.


Ich wünsche mir eine Interpretation, die den Choral nicht so "über-ausarbeitet", d.h. nicht so viel Agogik, nicht so viel Wortbetonungen z.B. durch Absetzen und eher Linie und Klang als zuviel Artikulation.

Da ich irgendwann gelernt habe, dass die Choräle die kommentierende Betrachtung der Gemeinde zum Passionsgeschehen darstellen und auch in London vor 30 Jahren in einer Aufführung war, in der die Choräle vom Publikum mitgesungen wurden (toll!!!), habe ich genau das vor Augen: inbrünstiger Laiengesang.

Linien wie die Melodie, möglichst nicht künstlich über Phrasenenden gehend, nur weil es besser zum Text passt. Speziell bei diesem Choral liebe ich aber andererseits die ganz großen Gefühle und eine große dynamische Bandbreite, speziell ein großes Crescendo im 2. Teil. Das aber wie oben gesagt trotzdem irgendwie "schlicht". Ich weiß nicht, wie ich das genauer beschreiben soll.

Die beiden Versionen, die Du bei Youtube gefundenen hast, gefallen mir nicht so gut, sie sind mir zu langsam und zu wenig schlicht.

Ich selbst höre meist eine von Gardiner, ich vermute, die ältere aus den 80/90er Jahren (habe sie auf dem MP3-Player und finde gerade die Original-CD nicht). Sie dauert 1.45 (!) min. und gefällt mir sehr, obwohl sie mehrfach über die Phrasenenden geht und mir manchmal zuwenig "t" hat (jaja, ich weiß, oben habe ich was von "nicht zuviel Artikulation" gesagt.....).

Die neue Fassung von Gardiner habe ich kurzerhand mal als MP3 gekauft. Sie gefällt mir auch, aber etwas weniger, da mir das Vibrato der Soprane ganz leicht unangenehm ist. Sie ist etwas langsamer.



Gefunden habe ich bei Youtube noch:

Koopman 2010:
http://www.youtube.com/watch?v=V4JqSjWt7rE (ab 1:53:40)
Zuviel abgesetzt z.B. nach "Ach Herr" und "Leib".

Koopman 2011:
http://www.youtube.com/watch?v=WreZFn-aqew (ab 7:02)
Da sind mir die Phrasenenden etwas zu sehr abphrasiert.

Gardiner:
http://www.youtube.com/watch?v=zums9U4Euwc (ab 7:00)
Geht auch mehrfach über die Phrasenenden, aber sonst finde ich sie sehr gefühlvoll.

Kuijken:
http://www.youtube.com/watch?v=qC8QEn8s-yE (ab 1:47:05)
Das ist mir fast schon *zu* schlicht, aber vielleicht auch extrem innig?

Suzuki:
http://www.youtube.com/watch?v=eddYdiDDv48
Suzuki ist mir manchmal zu instrumental, so auch hier. Das rührt mich nicht immer an.
Obwohl ich den Eindruck habe, dass *er* äußerst gerührt ist.

Harnoncourt:
http://www.youtube.com/watch?v=axzvLK9rmHM&feature=related (ab 6:14)
Zuviel Phrasenenden ;-) und zu einheitlich in der Dynamik, zuwenig Steigerung.
Aber das hat auch ein bißchen was...

Falls Du allen Links folgst, würde mich Deine Meinung bzw. Deine Entscheidung für einen Favoriten interessieren!

Viele Grüße,
Vendee

P.S.
Es gibt es eine andere Fassung der Johannespassion mit einem anderen, auch sehr schönen Schlusschor: "Christe, du Lamm Gottes". Als ich den zum ersten Mal (es war live) erlebt habe, hat es mich fast umgehauen. Dieser Chor ist auch Schlusschor der Kantate BWV 23 (Du wahrer Gott und Davids Sohn).

P.P.S.
Und wenn Du das nicht kennst, empfehle ich sofortiges Ansehen/Anhören:
http://www.youtube.com/watch?v=K_QAoanXntw

10

Mittwoch, 21. September 2011, 23:57

Ooooooh,

vielen, vielen Dank, liebe Vendee!

Werde mir die Stellen zu Gemüte führen und in Ruhe vergleichen, das ist ja wundervoll!
(Habe alles was ich dazu brauche für mich schon "in Sicherheit" gebracht ;+) )

Du hast Dir sehr viel Mühe gemacht, nochmals vielen Dank!

Gerne gebe ich Dir dann mein Feedback, nur... ...bin wirklich Laie, keine Musikerin, das läuft bei mir alles sehr über den Bauch.
Bei meinem Feedback daher bitte nicht ihn Ohnmacht fallen!

Hoffentlich bis bald wieder hier im Forum,

Viele Grüße

:wink:

amamusica :pfeif:
Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein...


11

Donnerstag, 22. September 2011, 20:56

Ich finde, das ist ein ganz toller Thread, Andreas, drängt er uns doch, uns nicht immer bloß die Titel ganzer Großwerke oder Werkgruppen um die Ohren zu schlagen, sondern wirklich einzelne Werkstücke, Sätze, Phrasen oder Themen herauszunehmen, die uns in irgendeiner Form etwas bedeuten. Jedenfalls verstehe ich Dich so, daß man auch einzelne Stellen anführen darf, ja?

Das ist bei mir nämlich nötig, sonst müßte ich jetzt schlicht und wenig erhellend "Tristan und Isolde" sagen. Es gibt innerhalb dieses musikalischen Kosmosses für sich, den dieses Werk mir darstellt, eine Stelle, die mehr als jede andere aus aller mir bisher bekannten Musik mich berührt hat und mir vertraut vorkommt. Und zwar folgende:

3. Aufzug. Tristan:

[...]
das kann ich dir nicht sagen.
Ich war -
wo ich von je gewesen
wohin auf je ich geh´:
[...]

Das sind die Zeilen 1753-1756 des Textbuches, das Egon Voss bei Reclam rausgegeben hat. Im Netz finde ich keine Partitur mit Taktzählung. Hier ist es im PDF-Doc die Seite 316/317, wo man das nachschlagen kann: Complete score "http://imslp.org/wiki/Tristan_und_Isolde,_WWV_90_(Wagner,_Richard)#Complete

Nachdem kurz zuvor in diesem insgesamt überwältigen kleinen Tristanmonolog die Holzbläser und ein charakteristisches aufwärtsgerichtetes chromatisches Motiv der tiefen Streicher dominiert haben, ist die folgende "Stille", eingeleitet durch eine herzzerreissende Abwärtsbewegung der Celli und Bässe und aufgelöst durch den Einsatz leiser Blechbläser, eindrucksvoll und schwer. Es geschieht nichts Großes, Aufsehenerregendes, sondern es erhebt sich "still und leise" eine kleine Passage, die ich als eine vollkommene musikalische Innerlichkeit empfinde und beschreiben möchte. Alle weiteren Worte würden wohl nicht helfen, das Phänomen, wie ich es sehe, darzustellen. Jeder höre selbst. Zudem sind meine musikanalytischen Fähigkeiten arg begrenzt, wenn es auch ein Gerücht ist, das Algabal mal in die Welt gesetzt hat, indem er behauptete, ich könne keine Noten lesen. Das kann ich sehr wohl, ich kann sie auf dem Klavier sogar ziemlich vom Blatt spielen (in meinem bescheidenen Rahmen), nur auf der Gitarre eben nicht, die doch mein eigentliches Instrument geworden ist...

Thomas Mann, aus welchem Grunde soll man das verschweigen?, wurde von seinen Kindern später oft "der Zauberer" genannt. Um wieviel mehr, hätte gewiß auch er in seinen jungen Jahren noch gefunden, verdiente diesen Titel Wagner! Tristan ist sicher eines der leisesten Bühnenwerke, die im 19. Jhdt. abgefasst wurden. Hier hat häufig jede instrumentale Bewegung eine anderswo von mir in dieser Form nicht wahrgenommene Reich-, ja, beinahe schon Tragweite.

Nun gut, nach solchen hymnischen Worten verwundert es wohl nicht, daß auch meine zweite Lieblingsstelle aus dem Tristan stammt.

Die eben angeführte Lieblingsstelle wird übrigens thematisch im zweiten Aufzug vorbereitet, ich zitiere rasch die Textstelle:

Textbuch Voss Zeilen 1605-1610:

[...]
Dem Land, das Tristan meint,
der Sonne Licht nicht scheint:
es ist das dunkel
nächt´ge Land,
daraus die Mutter
einst mich sandt´,
[...]

Nun die zweite, das ist etwas sehr, sehr Wohlbekanntes, wie ich denke. Es handelt sich ganz zu Beginn des ersten Aufzuges um Isoldes intensives gesangliches Vor-sich-Hinstarren:

Textbuch Voss Zeilen 91-96:

[...]
Mir erkoren, -
mir verloren, -
hehr und heil,
kühn und feig -:
Tod geweihtes Haupt!
Tod geweihtes Herz!
[...]

Wen das nicht anmacht, der hat seine Rezeptoren früh verkümmern lassen, sage ich abschließend in gewohnter Keckheit, aber auch mit vieler Dankbarkeit für dieses musikalische Erlebnis, das uns der wahre Zauberer geschenkt hat.



Der Graf :wink:

"And in the end the love you take is equal to the love you make."

The Beatles - Abbey Road


12

Freitag, 6. April 2012, 23:55

Liebe Vendee,

über ein halbes Jahr später... :hide: ...immerhin! Jetzt ist es die passende Zeit.

Hier also mein versprochenes Feedback (besser spät als nie !) :
Gefunden habe ich bei Youtube noch:

Koopman 2010:
"http://www.youtube.com/watch?v=V4JqSjWt7rE[/url] (ab 1:53:40)
Zuviel abgesetzt z.B. nach "Ach Herr" und "Leib". Link inzwischen leider weg

Koopman 2011:
"http://www.youtube.com/watch?v=WreZFn-aqew[/url] (ab 7:02)
Da sind mir die Phrasenenden etwas zu sehr abphrasiert. Link inzwischen leider weg

Gardiner:
"http://www.youtube.com/watch?v=zums9U4Euwc[/url] (ab 7:00)
Geht auch mehrfach über die Phrasenenden, aber sonst finde ich sie sehr gefühlvoll.
Ist schön.

Kuijken:
"http://www.youtube.com/watch?v=qC8QEn8s-yE[/url] (ab 1:47:05)
Das ist mir fast schon *zu* schlicht, aber vielleicht auch extrem innig?
Die Tonqualität ist einfach zu schlecht. Aber auch die Art ist für mich zu... ...weiß nicht. Zu schlicht, wie Du schon sagst.

Suzuki:
"]http://www.youtube.com/watch?v=eddYdiDDv48[/url]
Suzuki ist mir manchmal zu instrumental, so auch hier. Das rührt mich nicht immer an.
Obwohl ich den Eindruck habe, dass *er* äußerst gerührt ist.
Der Schluß gefällt mir, ist aber recht schlicht

Harnoncourt:
"http://www.youtube.com/watch?v=axzvLK9rmHM&feature=related[/url] (ab 6:14) Link inzwischen leider weg
Zuviel Phrasenenden ;-) und zu einheitlich in der Dynamik, zuwenig Steigerung.
Aber das hat auch ein bißchen was...

Falls Du allen Links folgst, würde mich Deine Meinung bzw. Deine Entscheidung für einen Favoriten interessieren!

Viele Grüße,
Vendee

P.S.
Es gibt es eine andere Fassung der Johannespassion mit einem anderen, auch sehr schönen Schlusschor: "Christe, du Lamm Gottes". Als ich den zum ersten Mal (es war live) erlebt habe, hat es mich fast umgehauen. Dieser Chor ist auch Schlusschor der Kantate BWV 23 (Du wahrer Gott und Davids Sohn).

P.P.S.
Und wenn Du das nicht kennst, empfehle ich sofortiges Ansehen/Anhören:
"http://www.youtube.com/watch?v=K_QAoanXntw[/url]
Schluss... ...chor? Eher Sologesang? Aber in jedem Fall auch sehr schön, habe noch anderes als den Sängerknaben gefunden, nur keinen Chor davon.
Aber was soll's... ...die Engel sind einfach unerreicht schön.

Diese Einspielung aus dem russischen Tatarstan (meine jetzt den Engel-Schlusschor) gefällt mir z.B. sehr, auch die Tonqualität ist ok:
"http://www.youtube.com/watch?v=AbYqk02aTxU&feature=relmfu"

Nochmals vielen vielen Dank für die Mühe, die Du Dir gemacht hast!


:wink:

amamusica :pfeif:
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  • »Roi_des_etoiles« ist männlich

Beiträge: 289

Wohnort: Schloß Born bei Königstein und Kronberg

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13

Samstag, 7. April 2012, 00:37

"Aus Liebe will mein Heiland sterben".

und zwar himmelsgleich gesungen von gundula janowitz in karajans einspielung der bachschen matthäus-passion.

ergreifender können wort, theologische aussage, musik und interpretation nicht sein.
Muss es sein? - Es muss sein!

14

Samstag, 7. April 2012, 07:52

Auf die Gefahr hin kitschig zu werden:


"http://www.youtube.com/watch?v=kjeSMS-Z5d8&list=FLcSYzUiK_yUJmJgv-c55DxQ&index=45&feature=plpp_video[/url]


Das Lied begleitet mich - im Verhältnis zu meinem doch noch bescheidenen Alter *hüstel* - nun doch schon eine ganze Weile und war mir in mancher Zeit ein Fingerzeig. Und mag es musikalisch doch eher banal sein, berührt es mich sehr. Vielleicht auch gerade deswegen.

Jedenfalls werd ich es nicht müde, es zu hören. Warum auch immer.



:wink:

15

Samstag, 7. April 2012, 12:23

Beethoven op 132 3. Satz Heilige Dansagung eines genesenden an die Gottheit in der lydischen Tonart, wie hier im 2. Teil (neue Kraft fühlend) das Gefühl entsteht wenn man nach langer Krankheit die Vorhänge zurück zieht, das Fenster öffnet und strahlendes Sonnenlicht und frische Luftdas Zimmer durchströmen, das ist für moich jedesmal ein ungeheuerliches Erlebnis.
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)

16

Samstag, 7. April 2012, 13:01

Hallo zusammen,

Mein Problem ist, dass es hier viel zu viele Stücke gibt, die mich sehr intensiv an einem sehr inneliegenden Punkt erreicht haben. Müsste ich mich auf ein Stück reduzieren lassen, ist es die Arie 'Waft her, angels' am Anfang des 3. Akts des Jephtha von GF Handel in der Interpretation von Nigel Robson und JE Gardiner, wie ich sie im Juni 1988 in Göttingen live gehört habe und man sie auch auf CD noch heute erwerben kann. Aber genauso intensiv hat mich vor einigen Jahren Elgars Dream of Gerontius in Wien erreicht (z.B. die Alleluja-Stellen im 2. Teil mit Magdalena Kozena und Simon Rattle) .... Ich breche hier einfach ab, weil es wahnsinnig viele Stücke in dieser Art gibt ...

Gruß Benno

17

Samstag, 7. April 2012, 22:21

Hallo Christian,

Dein Augenstern
Auf die Gefahr hin kitschig zu werden:

"http://www.youtube.com/watch?v=kjeSMS-Z5d8&list=FLcSYzUiK_yUJmJgv-c55DxQ&index=45&feature=plpp_video[/url]
...
Jedenfalls werd ich es nicht müde, es zu hören. Warum auch immer.
hätte wirklich in den "Achtung: Ohrwurmalarm!"-Thread gehört! ( ;+) )

Für jemanden, der Männerchor-Lieder liebt wie ich, ist das jetzt der Johannespassionsengelschlußchorverdrängungsohrwurm geworden...


Trotzdem : Vielen Dank !


:wink:

amamusica :pfeif:
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...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
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18

Sonntag, 8. April 2012, 09:31


hätte wirklich in den "Achtung: Ohrwurmalarm!"-Thread gehört! ( ;+) )
Ach, als Ohrwurm hab ich jenes Lied noch nie empfunden.
Vielleicht auch besser so; denn auch Ohrwürmer sind IRGENDWANN einmal nervtötend. :P



:wink:

19

Sonntag, 8. April 2012, 21:21

Hallo Christian,
Ach, als Ohrwurm hab ich jenes Lied noch nie empfunden.

Ist vielleicht auch einfach Definitionssache!

Für mich ist ein "Ohrwurm" auch nichts negatives. Hat halt (positiven!) "Suchtfaktor".

Denn es klingt so schön, da es genau in den Männerchorharmonien gesungen wird, die ich so liebe. :rolleyes: :angel: :rolleyes:

Und so bin ich sehr froh, es über Dich kennengelernt zu haben! Nochmals vielen Dank!


:wink:

amamusica :pfeif:
Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

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Mina

Badewannenprimadonna

  • »Mina« ist weiblich

Beiträge: 440

Wohnort: Hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen

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20

Donnerstag, 12. April 2012, 16:56

Das Finale aus dem Figaro: „Contessa perdono...“
Jedesmal und immer wieder ein Moment in dem die Zeit still steht und ich kaum zu atmen wage.
Ein kurzer Augenblick, nur wenigeTakte, in dem das Paradies auf Erden Wirklichkeit wird und Frieden ist. Für mich viel, viel mehr als das vermeintliche Happy End einer wunderbaren Oper.
Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

21

Donnerstag, 12. April 2012, 20:09

"http://www.youtube.com/watch?v=wd-WBJ9RJEc[/url]

Es kann nur eine geben! Und diese Aufnahme von 1949 rührt mich auch beim 150 mal noch zu Tränen.


Abgesehen von diesem Dauer-Augenstern, gibt es viele viele Andere. Die Bach'schen Engelein gehôren auch dazu und Allegris "Miserere" und Reynaldo Hahns "A chloris" und "L'heure exquise" und ganz viele Sätze aus Schuberts Kammermusik oder Klaviersonaten und und und
Und auch "Gracias al la vida" von Mercedes Sosa . :angel:

Was das "Contessa perdono" angeht: das ist zu schôn um wahr zu sein und gerade deshalb kann ich es nicht geniessen. Man weiss beim Hören zu genau, dass das die pure Zwangs-Scham des conte und ncihts als eine Eintagsfliege ist. Wenn der mir wâre und damit kâme, würde ich ihm die Rachearie dazwischenschmettern. Ich studiere das Finale ja gerade selbst ein und muss dabei immer lachen.. und unser Conte nimmt sich selbst sowieso nicht mehr ernst..... :thumbup:
:fee: .
Gracias a la vida!

Succubus

Prinzessin Vogelfrei

  • »Succubus« ist weiblich

Beiträge: 923

Wohnort: in dem wogenden Schwall, in dem tönenden Schall

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22

Sonntag, 7. Oktober 2012, 20:11

Oh, das ist aber ein schöner Thread!
Ich musste ausnahmsweise mal kaum überlegen, denn es gibt dieses eine Stück auch für mich.
Nicht nur, dass es mir die Liebe zur Klassischen Musik überhaupt eröffnet hat, nein, das Gefühl von damals ist auch heute noch ungebrochen, das Gefühl als könnte ich aus der Welt hinaustreten, als ob auf einmal alles zeitlos und schön wäre, eine Art Ur-Sein, das sehnsüchtig macht.
Es ist das Vorspiel zu Wagners "Rheingold"
wenigstens in der Version von Haitink oder Kempe (1960) :love:
"Allwissende! Urweltweise!
Erda! Erda! Ewiges Weib!"

23

Sonntag, 7. Oktober 2012, 20:49

Liebe zur Klassischen Musik überhaupt eröffnet hat, nein, das Gefühl von damals ist auch heute noch ungebrochen,

Ja, so ist es wohl mit Gefühlen und ich zitiere im Laufe des heutigen Tages gern ein zweites Mal einen der bedeutenden Dirigenten des 20. Jhdts., nämlich Herbert Blomstedt, der auf die Frage eines Reprters der WAZ, ob wir bei großer Musik immer über große Gefühle redeten, antwortete:

Zitat

Ich weiß nicht, wie es Ihnen geht, aber ich vergesse starke Gefühle nicht, anders als Ereignisse, Worte, Nachrichten. Aber die Gefühle, die ich erlebt habe bei einer bestimmten Musik, einer Aussicht während einer Wanderung oder in einem Moment der Liebe, die vergesse ich nicht. Ich sag’ Ihnen was: Als Student in Stockholm bin ich oft am Bahnhof gewesen. Es gab einen Zug mit Schlafwagen, auf denen stand „Stockholm-Kopenhagen-Luzern“. Luzern! Ich hatte bloß eine Idee, wie diese Stadt aussehen könnte, die Berge und all das. Das war ein fantastisches Gefühl, es ging um Weite, um eine fremde Welt, die wunderbar sein musste. Jetzt bin ich 84. Aber wenn ich das Wort Luzern höre, ist das Gefühl da: das Gefühl von damals, am Stockholmer Bahnhof. So ist das mit den großen Gefühlen.

24

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 01:01

Bei mir ist es der erste (ja, nicht der zweite) Satz aus Schuberts Streichquintett.

Wenn ich, wie vom Threaderöffner erbeten, erklären könnte, warum, wäre der Zauber wahrscheinlich weg. Ich weiß nur: Jede Interpretation wirkt auf mich völlig neu. Aber auch eine einzige würde mir genügen, oder auch das Lesen der Partitur.
Zugabe: Das Qui Tollis aus Rossinis Petite Messe.
Ich habe eiserne Prinzipien. Wenn sie Ihnen nicht gefallen, habe ich auch noch andere.

Mauerblümchen

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25

Mittwoch, 10. Oktober 2012, 06:51

Ach, da gibt es mehrere.

Der Eingangschor von Bachs Matthäus-Passion mit seinen beiden dialogisierenden Chören plus dem "Soprano in Ripieno", der dem Ganzen nicht nur eine weitere Stimme beifügt, sondern über den Text eine weitere Sinnschicht beisteuert und über die Choralmelodie eine weitere musikalische Klammer schafft. Das Ganze zudem in einer anderen Tonart, quasi exterritorial.

Der langsame Satz aus Beethovens Hammerklaviersonate, vor allem, wenn Solomon ihn spielt.

Von Schubert das Streichquartett Nr. 15 und das Streichquintett. Das ist Musik, die nicht von dieser Welt ist.

Von Bruckner die 5. Sinfonie, daraus natürlich das Finale. Und beim letzten Choraleinsatz geht der Himmel auf ... (Celi MPO, Barenboim).

Von Fauré "In Paradisum" aus dem Requiem.

Von Mahler die 6. Sinfonie. Aber auch das Finale der 9. Sinfonie.

Aus dem 20. Jhd. vieles: Honegger Sinfonie Nr. 3, Schostakowitsch op. 110, Reich "Music for 18 musicians", Nono "Fragmente - Stille. An Diotima.", Silvestrov Bagatellen, ...

Gruß
MB

:wink:
"Wer nur gerechtfertigt leben kann, kann nicht leben. Es sei denn, er könne seine Rechtfertigungsnot durch das Auflegen von Debussy-Platten narkotisieren." Martin Walser

Succubus

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26

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 13:10

Scheußlicher Weise musste ich heute erleben, dass mein Augenstern (siehe Beitrag 22) neuerdings in einer grottigen Version in einer Werbung für Männerduft missbraucht wird! :thumbdown:
"Allwissende! Urweltweise!
Erda! Erda! Ewiges Weib!"

27

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 13:33

Leidet dein Augenstern-Erleben dadurch?

Nachtrag: Wenn ich schon hier bin:

Ich habe keinen musikalischen Augenstern mehr, die wechselten mir schon zu oft. Brahms’ Klavierquintette liebe ich momentan heiß und innig. Einige Chopin-Nocturnes lassen mich, kaum habe ich Freires Einspielung erworben, nach weiteren CDs Ausschau halten.

Die viele Jahre heiß geliebten Cello-Suiten von Bach mag ich aber zum Beispiel momentan nicht mehr hören.

Kleine Augensterne sind dafür kleinere Stücke, die selbst so zu spielen, wie ich sie mir vorstelle, mir manchmal gelingt. So gibt es eine weit verbreitete Sammlung von Anfänger-Musik für Cello und Klavier von Moffat (Alter Meisterweisen ...), darin gibt es zwei Sarabanden von Rameau. Herrlich, sage ich euch. Wenn mir es gelingt, das gemeinsam mit meiner Frau mal so richtig hinzuzaubern, dann ist das so augensternig, augensterniger geht es gar nicht.

Succubus

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28

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 13:39

Glücklicher Weise bisher noch nicht, aber unerfreulich finde ich's trotzdem, gerade, weil die gespielte Version sich so absolut scheußlich anhört (so elektronisch)
"Allwissende! Urweltweise!
Erda! Erda! Ewiges Weib!"

29

Mittwoch, 31. Oktober 2012, 13:44

Das freut mich. Die Wirkung der Werbung ist ja leider so stark, dass sich, ob man will oder nicht, im Gehirn Bezüge, besser Verbindungen herstellen. So denke ich bei O Fortuna an Henry Maske und wenn ich Strauss’ "Also" hören würde, an einen Film. Zig solcher Beispiele gibt es. Manchmal denke ich, man sollte die Werke vor so etwas schützen.

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