Dadurch sind diese Boxen nur für Einsteiger reizvoll.
Wenn ich als Anfänger drei verschiedene Mahlersinfonien von drei so unterschiedlichen Dirigenten wie (in dieser EMI-Edition z.B.) Rattle, Giulini, Klemperer ersthöre - wie soll ich da unterscheiden können, ob mir Sinfonie oder Interpretation gefällt oder nicht oder besonders?
So als Erstausstattung.
Matthias Lohnt sich die Investition? Der ein oder andere hat die Münchener Aufführung ja sicher live erlebt (nächste Spielzeit übrigens in Hamburg zu erleben).
, die ausführliche Version entnehme ich meinem noch bei Tamino geschriebenen Bericht über die Premiere vom 19.1.09:
Zitat
Die aufwendige Besetzung der Oper schlug sich durch die Bank sehr gut bis herausragend. So waren die unzähligen Rollen des zweiten Akts nicht nur einzeln vorzüglich besetzt, sondern insbesondere auch vom Stimmtypus perfekt voneinander abgesetzt: der wunderbar große Bögen spannende und kantable Michael Volle als Morone, der heftig deklamierende Falk Struckmann als Borromeo, der agile Wolfgang Koch als Luna, der dunkel timbrierte, gefährlich wirkende Roland Bracht als Madruscht, der karikierende Alfred Kuhn als Avosmediano. Dazu der mephistophelische, auch stimmlich brillante John Daszak als Novagerio und die von Ulrich Reß als köstliche Knallcharge ausgespielte Figur des Bischhofs von Budoja. Bei den Männerstimmen erwähnt werden muss unbedingt noch der balsamische Peter Rose, eine Luxusbesetzung für den kurzen Papstauftritt im dritten Akt.
Sehr gut Gabriela Scherer als Silla, die aber noch übertroffen wurde von der mir bis dato unbekannten Christiane Karg als Ighino, mit wunderbar aufblühender Stimme, glockenreiner Intonation und perfekt verständlicher Diktion (überhaupt wurde fast durchweg sehr textverständlich gesungen).
Gewisse Einschränkungen musste man bei den beiden wichtigsten Rollen in Kauf nehmen: Falk Struckmann (als Borromeo) neigte, wie gewohnt, zum Bellen, oder – milder gesagt – zum prononcierten Deklamieren. Ich muss allerdings sagen, dass mich diese Gestaltung in dieser Rolle bis zu einem gewissen Grad überzeugt (was etwa auch für Fischer-Dieskau in der Kubelik-Aufnahme gilt). Die enorme Expansionsfähigkeit der Stimme Struckmanns imponierte jedenfalls und er fand auch stellenweise zu sehr leisen, zurückgenommenen Tönen. Bei Christopher Ventris in der Titelrolle störte mich der leichte amerikanische Akzent weniger als in der Bayreuther Parsifal-Übertragung vom letzten Sommer. Er schlug sich wacker, differenzierte stimmlich, hatte sich hörbar mit der Rolle auseinandergesetzt, vermied allzu larmoyante Töne. Dass er weder über den Schmelz eines Wunderlich noch über die prononcierte Wortausdeutung eines Peter Schreier verfügt, war wohl nicht anders zu erwarten und kann ihm schwerlich vorgeworfen werden. Defizitär allerdings, was am Ende des ersten Akts ins Gewicht fiel, die exponierte Höhe – hier entstanden gelegentlich nur vibratosatte Annäherungswerte, und das hohe c am Schluss muss als Verlegenheitslösung bezeichnet werden.
Simone Young gelang mit dem gut aufgelegten und in den zahlreichen Holzbläser- und Streicher-Soli brillierenden Staatsorchester eine schöne Realisierung des orchestralen Parts und eine gute Abstimmung mit der Bühne. Im ersten Akt dominierte ein mäßig (nicht übermäßig) langsames Grundtempo, das öfter geschickt zur schnelleren Seite modifiziert wurde. Hier bevorzugte Young einen Mischklang, in dem die einzelnen Stimmen trotzdem zu ihrem Recht kamen. Im zweiten Akt betonte die Dirigentin sehr stark den Scherzo-Charakter, mit schnellen Tempi, scharf artikuliert und mit viel weniger Pedal im Orchester als im ersten Akt. Wirklich berückend dann die abgeblendeten, leisen Parsifal-Klänge des dritten Akts. Misslungen schienen mir nur zwei Passagen im ersten Akt: die beiden gewaltigen Crescendi des sogenannten Glockenmotivs nach Palestrinas Inspiration und ganz am Ende des Akts – hier vernachlässigte Young unverständlicherweise die äußerst bemerkenswerten Dissonanzen in den Bläsern, die von einem wie entfesselt scheppernden Tamtam übertönt wurden.
Tja, und die Inszenierung? Im allgemeinen Thread über die Oper hatten wir angesichts diverser Interview-Äußerungen Christian Stückls ja schon befürchtet, dass der Regisseur mit der Oper gar nichts anfangen könne. Dies war überhaupt nicht der Fall: Wenn Peter Hagmann in einer Rezension für die Neue Zürcher Zeitung von „gehobenem Handwerk“ spricht, hat er völlig recht. Die Inszenierung ist in beachtlichem Maße auf die Musik abgestimmt, das merkte man z.B. an der genauen inszenatorischen Reaktion auf Leitmotive – manchmal wörtlich bebildert, gelegentlich auch leicht ironisiert oder konterkariert: so betreten zum Anschwellen des Glockenmotivs in den letzten Takten des ersten Akts Borromeos Schergen die Bühne und führen Palestrina ab. Personenregie ist Stückls Stärke: besonders überzeugend und sensibel bei Ighino und Silla, virtuos mit der Vielzahl von Figuren hantierend, genau charakterisierend und deftig karikierend im zweiten Akt. Sehr überzeugend fand ich auch, wie sich Struckmann in seinem Monolog im ersten Akt in religiöse Verzückung hineinsteigerte (Brembeck in der Süddeutschen empfand das allerdings als lächerlich). Nur zur Titelfigur ist Stückl nicht viel eingefallen: Palestrina rauft sich die Haare, hantiert mit einem Messer und zerknüllt ständig Notenblätter, naja. Zumindest im ersten Akt ließ Ventris auch kein sonderliches darstellerisches Talent erkennen.
Das wenig suggestive Bühnenbild von Stefan Hageneier war relativ einfach gestaltet: ein Tisch und ein Stuhl im Vordergrund (im zweiten Akt vervielfachen sich zum Leidwesen des Grafen Luna die Stühle), Treppenaufgänge im Hintergrund, im ersten und dritten Akt ein triptychonartiger Paravent in der Mitte der Bühne, auf dem zunächst Palestrinas verstorbene Frau, im letzten Akt der gekreuzigte Christus zu sehen war. Lukrezia erschien als eine wandelnde, etwas unförmig aufgeblasene Puppe am Ende des ersten Akts, der Papst ebenso verpuppt hinter dem Bild des Gekreuzigten. Die verstorbenen Meister werden als leicht groteske Zombies aus dem Bühnenboden hochgefahren, die Engel hängen sichtbar an Seilen – ein bisschen „barocke“ Inszenierung.
Eine wichtige Rolle spielt die Farbigkeit: zunächst nüchternes Schwarzweiß, bei den Engelserscheinungen wird dann alles in Giftgrün getaucht. Im zweiten Akt dominieren Pinktöne – und der dritte Akt vereint Grün und Rosa, wie um die doch noch geglückte Allianz von Kirche und Künstler zu verbildlichen. Die Grünorgie im ersten Akt sollte wohl ansatzweise einen Absinthrausch darstellen, hatte doch Palestrina oft genug an der Flasche genuckelt. Ganz offenbar war es Stückls Absicht, die „schweren“ Szenen „leichter“ zu machen, sie ein wenig (aber nicht zuviel) zu ironisieren. Die Auseinandersetzung mit zentralen Elementen des Stücks, insbesondere mit dem Inspirationsmythos, fiel dadurch aber flach, was mir ziemlich unbefriedigend erschien. Die knallige Farbigkeit, auch diverse karikierende Elemente sonst (Morone fährt in einer gigantischen Pappmaché-Stretch-Limousine vor, die zum Auftritt des Papsters nochmal verlängert erscheint) reichten aber offenbar aus, um konservative Opernbesuchere am Ende zu heftigen Buhrufen zu veranlassen, die sich mit den Bravorufen etwa die Waage hielten. Den Pfitznerianern alten Schlags sei die leichte Veralberung ihres Heiligtums herzlich gegönnt. Als überzeugende Deutung geht das aber nicht durch, zumal auch das Ende des sonst gut gelungenen zweiten Akts – immerhin ein veritables Massaker plus Folterandrohung – verharmlost wurde. Am Ende liegt nur ein Toter auf der Bühne – wenn ich das richtig interpretiert habe, handelte es sich um den hinterrücks vom intriganten Novagerio erledigten Morone.
Dem dritten Akt verleiht Stückl eine dezidiert pessimistische Note: Palestrina kniet wie der Gegeißelte vor dem Bild des Gekreuzigten, will das ihm von Ighino aufgebügelte Jackett nicht anziehen, erlebt den popanzartigen Auftritt des Papstes, lehnt die Versöhnung mit Borromeo ab, setzt sich zum leise ausklingenden Schluss in eine Ecke – und stirbt.
Gemischte Eindrücke also, was die szenische Seite betrifft. Aber diese Musik in einer sehr guten Interpretation im Theater zu erleben, war wieder ein großes Erlebnis.




Die DG bringt im Juli unter dem Titel "Giulini in America" ein Re-Issue-Paket folgender Aufnahmen mit dem LA Philharmonic:
Beethoven:
Symphony No. 3 in E flat major, Op. 55 'Eroica'
Symphony No. 5 in C minor, Op. 67
Symphony No. 6 in F major, Op. 68 'Pastoral'
Brahms:
Symphony No. 1 in C minor, Op. 68
Symphony No. 2 in D major, Op. 73
Debussy:
La Mer
Ravel:
Ma Mère l'Oye
Rapsodie Espagnole
Schumann:
Symphony No. 3 in E flat major, Op. 97 'Rhenish'
Tchaikovsky:
Symphony No. 6 in B minor, Op. 74 'Pathétique'
Die DG bringt im Juli unter dem Titel "Giulini in America" ein Re-Issue-Paket folgender Aufnahmen mit dem LA Philharmonic:
Beethoven:
Symphony No. 3 in E flat major, Op. 55 'Eroica'
Symphony No. 5 in C minor, Op. 67
Symphony No. 6 in F major, Op. 68 'Pastoral'
Brahms:
Symphony No. 1 in C minor, Op. 68
Symphony No. 2 in D major, Op. 73
Debussy:
La Mer
Ravel:
Ma Mère l'Oye
Rapsodie Espagnole
Schumann:
Symphony No. 3 in E flat major, Op. 97 'Rhenish'
Tchaikovsky:
Symphony No. 6 in B minor, Op. 74 'Pathétique'
Was in drei Tüffels Namen hält die DG davon ab, diese Aufnahme aus Chicago mal wieder wiedezuveröffentlichen?
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