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Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von »Erzherzog« (6. Juni 2009, 11:50)
Das Beethoven sooo viele Variationen verfasst hat, war mir nicht gegenwärtig.
Rodeamus Habe ich anscheinend nicht auf Festplatte und auch noch nicht gehört, jedenfalls nicht so bewußt, dass ich es erinnern und den Werkbezeichnungen zuordnen könnte. Kannst Du eine CD empfehlen (möglichst keine 15 CD - Box)?Bitte lasst Euch unbedingt mal von den variierten Themen opp. 105 und 107 inspirieren, da gibt es wirklich etwas sehr lohnendes zu entdecken.
Beethoven – Variationen
Die Nummer hinter der Werksnummer gibt die Satznummer an.
Op. 1 Nr 3 2 Klavier-Trio No. 3 In C Moll, Andante Cantabile Con Variazioni.
Zitat
Op. 60 2 Sinfonie Nr 4 B Dur - Adagio.
Op. 61 2 Violinkonzert D-dur - Larghetto.
Zitat
Op. 109 3 Sonate No.30 E-dur Gesangvoll, Mit Innigster Empfindung.
Op. 111 2 Sonate No.32 c-moll Arietta. Adagio Molto Semplice E Cantabile.
Op. 125 3 Sinfonie Nr 9 d Moll, Adagio molto e cantabile.
Op. 125 4 Sinfonie Nr 9 d Moll, Finale.
Op. 127 2 Streichquartett Nr 12 in Es, Adagio Ma Non Troppo, Molto Cantabile.
Beides keine Variationen, der Satz aus der Sinfonie ganz gewiss nicht.
Wenn in der Durchführung mal bloß nicht Variationen der Themen auftauchen, etwa......oder Sonatensätze...
Kein Variationssatz. Der erste Themenkomplex wird zwar bei der Wiederholung variiert, aber dazwischen liegt der Moll-Teil. Es ist also eine ABA'-Form (mit einer abschließenden Coda), während Variationssätze die Form AA'A''A''' usw. haben. Natürlich hängt auch der Mollteil in diesem Adagio motivisch mit dem A-Teil zusammen, aber das ist bei Beethoven quasi immer der Fall, und das macht ihn nicht zur Variation.Op. 30 Nr 2 2 Violin-Sonate No 7 in C Moll - Adagio cantabile.
Wenn in der Durchführung mal bloß nicht Variationen der Themen auftauchen, etwa......oder Sonatensätze...
Es gibt schon Grenzfälle, die langsamen Sätze der 5ten, 7ten und 9ten, da wird das erste Thema gern bei jeder Wiederkehr etwas variiert, während das zweite relativ unverändert den Kontrast bildet, der in einem echten Variationssatz eigentlich aus verschiedenen Variationen eines Themas generiert wird. Das macht ja die besondere Herausforderung der Form aus: Alle Kontraste aus einem Motiv oder Thema zu gewinnen. Insofern würde ich die genannten Symphonie- bzw Konzertsätze nicht unter Variationen zählen. Echte Variationssätze in Konzerten gibts von Mozart und Haydn, bei Beethoven fällt mir keiner ein.
Dagegen sind die Finalsätze der 3ten und 9ten schon sehr nah am Variationssatz, und die Chorphantasie natürlich... Wenn man mal die durchführungsartigen Partien nicht als Ausschlußkriterium begreift...
Okay, bei der 5ten spricht auch Kloiber von Variationensatz, ich würde es variierte Liedform nennen... Bei der 7ten wird eigentlich mehr die Instrumentation aufgefüllt, fugiert, kontrapunktiert etc, auch wenn der Anfang erstmal sehr nach Variationssatz klingt: durch die klaren Kontraste zu einem garnicht variierten Seitensatz bleibt das für mich ganz klar eine Liedform mit Durchführungs- und Variationselementen. Daß Beethoven in so starkem Maße mit Variationstechniken Lied- und Sonatenformen anreichert, bestärkt ja das vom Erzherzog zitierte Anfangsstatement...Das andante der 5. beginnt ..... als strenger Variationensatz. Während bei den Finali m.E. sehr deutlich Mischformen realisiert werden ....... hätte ich bei den langsamen Sätzen keine Schwierigkeiten von Variationssätzen zu sprechen. Dass es einen kaum variierten Zwischensatz gibt, ist hier, wie auch im allegretto der 7. m.E. kein Einwand.
Darauf wollte ich hinaus.Die Durchführungstechniken in Sonatensätzen sind auch bei Beethoven, dessen Variationen sich mitunter sehr weit von den melodischen gestalten der Themen entfernen können, meist sehr deutlich von Variationstechniken zu unterscheiden.
Da will ich auch garnicht mehr widersprechen, man kann auch den C-Dur-Teil als Variante des Themas auffassen, vor allem rhythmisch...die 5. ist für mich mehr oder minder *der* sinfonische Variationensatz nach Haydn, auch wenn es die C-Dur-Episoden usw. gibt (die freilich alle thematisch zusammenhängen).
Bei den Finali der 3. und 9. hat man ja den Eindruck, dass die ersten paar Variationen bewusst in sehr schlichter Weise gestaltet sind, noch ganz im Rahmen von traditionellen Klaviervariationen. Umso stärker dann die Steigerung, wenn das simple Schema verlassen wird.
Der sinfonische Variationssatz nach Haydn ist für mich das Eroica-Finale...
Zitat
Bei den Finali der 3. und 9. hat man ja den Eindruck, dass die ersten paar Variationen bewusst in sehr schlichter Weise gestaltet sind, noch ganz im Rahmen von traditionellen Klaviervariationen. Umso stärker dann die Steigerung, wenn das simple Schema verlassen wird.
...weil Beethoven da, wie Du schon beschreibst, die Form dynamisiert und dramatisiert, ohne das Grundprinzip, alles aus einer Idee zu entwickeln, zu verlassen.
Bei der 9. ist es schon sehr schwierig und vielleicht garnicht angemessen, Formen aus der Instrumentalmusik anzuwenden - die Versuche, da eine Sonatenform reinzuinterpretieren, empfinde ich immer als etwas gewaltsam; für eine reine Variationsform passiert auch zuviel anderes - vor allem das "Seid umschlungen" paßt da nicht rein.
Interessante Konzeption: kantables Hauptthema, marschartiges Seitenthema, wenn, ja wenn nicht das "Seitenthema" eine ziemlich genaue, melodisch und harmonisch eng am Thema sich bewegende Charakter-Variation darstellen würde.Nach der Einleitung entsprechen die ersten drei Strophen dem "Hauptthema". Die B-Dur-Episode alla marcia fungiert sowohl als Seitensatz wie auch als "scherzando"-Abschnitt,
ebent. Das ist ja überhaupt beim späten Beethoven eine Tendenz, die Formen zu vermischen, in einem nur noch durch die Phanasie geregelten Strom Sonaten-, Fugen-, Variationen- und Rondoelemente durcheinanderzuwirbeln.Gewiss ist das keine reguläre Sonatenform, sondern eben eine Fusion aus Sonatenrondo und Variationen in einer wohl bewusst auf stilistischer Vielfalt ausgelegten Buntheit.
Interessante Konzeption: kantables Hauptthema, marschartiges Seitenthema, wenn, ja wenn nicht das "Seitenthema" eine ziemlich genaue, melodisch und harmonisch eng am Thema sich bewegende Charakter-Variation darstellen würde.Nach der Einleitung entsprechen die ersten drei Strophen dem "Hauptthema". Die B-Dur-Episode alla marcia fungiert sowohl als Seitensatz wie auch als "scherzando"-Abschnitt,
In besonders raffinierter Art gibt es so etwas auch bei Schuberts Wandererfantasie: Alle Themen der vier Abschnitte sind vom "Wanderer-Thema hergeleitet, welches wörtlich im zweiten Abschnitt zitiert und zum Thema einer Variationsreihe wird. Die vier großformatigen Abschnitte können dabei zugleich wie die vier Sätze einer Sonate (Eröffnungs-Allegro, langsamer Satz, Scherzo und Finale) und wie Formteile eines einzigen, überdimensionalen Sonatensatzes (Exposition, freie Durchführung, variierte Reprise in der Untermediante und virtuose Coda) verstanden werden.
Das wohl berühmteste Werk, das diese Organisationsform mit von einem Thema abgeleiteten Varianten und Abschnitten, die traditionellen Satzcharakteren in einem langen Satz entsprechen, später umgesetzt hat, ist Liszts h-moll-Sonate.
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