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Und bei aller berechtigten Kritik der Biologisierung aller möglicher Gebiete sehe ich nicht, warum die Hypothese, Singen sei älter als Sprechen bzw. der Aufweis der kognitiven und evolutionären Gemeinsamkeiten nun gleich in zwei Schritten zum Rassismus führen sollte (Unmusikalische als Untermenschen klassifizieren?).
Ja, genau, in zwei Schritten führt das in entsprechenden Kontexten ggf. zum Rassismus, vielleicht sogar in einem.
Nur mal so als Beispiele:
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So erzeugt jeder geistige Fortschritt eine Steigerung der Leistungsfähigkeit des materiellen Organs des Intellects, und diese wird durch Vererbung (im Durchschnitt) dauernder Besitz der Menschheit, - eine erklommene Stufe, welche das Weiteraufsteigen zur nächsten erleichtert. D.h. die Fortschritte des geistigen Besitzes der Menschheit gehen Hand in Hand mit der anthropologischen Entwickelung der Race, und stehen in Wechselwirkung mit derselben; jeder Fortschritt der einen Seite kommt der andern zu Gute; es muss also auch eine anthropologische Veredelung der Race, die aus andern Ursachen als aus geistigen Fortschritten entspringt, die intellectuelle Entwickelung fördern. Von letzterer Art ist z.B. die Veredelung der Race durch geschlechtliche Auswahl (Cap. B. II.), welche unaufhörlich ihre unbeachteten aber mächtigen Wirkungen übt, oder die Concurrenz der Racen und Nationen im Kampf um's Dasein, welcher sich unter den Menschen nach ebenso unerbittlichen Naturgesetzen vollzieht wie unter Thieren und Pflanzen. Keine Macht der Erde ist im Stande, die Ausrottung der inferioren Menschenracen, welche als stehen gebliebene Reste früherer, dereinst auch von uns durchgemachter Entwickelungsstufen bis heut fortvegetirt haben, aufzuhalten. So wenig dem Hunde, dem der Schwanz abgeschnitten werden soll, ein Gefallen damit geschieht, wenn man ihn allmählich Zoll für Zoll abschneidet, so wenig Menschlichkeit liegt darin, den Todeskampf der aussterbenden Wilden künstlich zu verlängern. Der wahre Philanthrop kann, wenn er das Naturgesetz der anthropologischen Entwickelung erst einmal begriffen hat, nicht umhin, eine Beschleunigung dieser letzten Zuckungen zu wünschen und auf dieselbe hinzuwirken. Eins der besten Mittel hierzu ist Unterstützung der Missionen, die (nach einer wahrhaft göttlichen Ironie des Unbewussten) mehr für diesen Naturzweck gethan haben, als alle directen Vernichtungsarbeiten der weissen Race gegen die Wilden.
Eduard von Hartmann: Philosophie des Unbewußten, Erster Teil: Phänomenologie des Unbewußten, Leipzig (11., erweiterte Auflage) 1904, S. 331.
Oder kurz und knapp:
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Diese Schwarzen haben vor Gott und Menschen den Tod verdient, nicht weil sie die zweihundert Farmer ermordet haben und gegen uns aufgestanden sind, sondern weil sie keine Häuser gebaut und keine Brunnen gegraben haben.
Gustav Frenssen: Peter Moors Fahrt nach Südwest. Ein Feldzugsbericht, Berlin 1906, S. 200.
Da geht’s jetzt tatsächlich nicht explizit um’s Singen oder Nicht-Singen, das ist schon klar. Dass aber aus der Setzung bestimmter kultureller Praktiken als menschlich weitreichende Schlüsse auf Wertigkeiten hinsichtlich des »Mensch-Seins« gezogen werden, darüber werden wir jetzt nicht streiten wollen, oder?
Zitat
Ja und? Was folgt daraus? Dem habe ich weder widersprochen noch sonst was. Es ist aber so, dass der biologistische Über(Unter?)bau, bzw. der Über(Unter?)bau, den der Rekurs auf sogen. »exakte Wissenschaften« konstituiert, bestimmte Postulate mit der Aura einer nicht weiter zu hinterfragenden Plausibilität ummäntelt. Dies ist wirkungsmächtig, insbesondere in Kreisen, die nicht das Privileg haben, das Zustandekommen »wissenschaftlicher Tatsachen« zu hinterfragen. Deshalb ist etwa die von einigen einflussreichen Neurophysiologen (z.B. Gerhard Roth) vertretene These, dass das die Genese von Charakter und Persönlichkeit eines Individuums zu ca. 98% in den ersten Wochen nach der Befruchtung einer Eizelle abgeschlossen, z.B. Kriminalität somit biologisch und prässozialisatorisch determiniert sei und Straftäter somit auch nicht re-sozialisiert werden können, an Stammtischen so schön anschlussfähig …
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Und noch was zur Kärrnerarbeit: Die ist sicher nicht durch die Analyse von Metadiskursen ersetzbar, da stimme ich dir zu. Aber Kärrnerarbeit wird sicherlich auch weder von Herrn Mithen noch von transdisziplinär spekulierenden Forschergruppen geleistet.
kleine Streicherbesetzungen (solo bis Oktett ungefähr). Seltsamerweise wird die exponiert hohe Solovioline im Konzert aber als weniger problematisch empfunden als ein Streichquartett (oder Cello solo?!)? Klingt eine Geige dann anders? Klingt ein Streichquartett wirklich anders in einem Klavierquintett als ohne Klavier?
Woran kann das liegen? (Ich kenne Leute, die meinen, es läge an falschen Stereo-Anlagen oder Digitaltechnik...) Geht das den Hörern mit entsprechenden Abneigungen live ebenso?
Was sie ja in gewisser Weise auch sind, müssen sie doch ohne Mikro bis in die hinteren Reihen "tragen"... Also geht sehr viel Energie in die Tragfähigkeit des Tones. Seit mit Mikro gesungen werden kann, hat man sich daran gewöhnt, anstrengungsloses Singen zu hören, das bis zum Flüstern gehen kann und trotzdem über Schlagzeug und Bass gut zu hören ist. Dagegen klingt jeder klassische Gesang angestrengt; auch wenn ich das würdigen kann und manche klassische Stimme sehr liebe - die Nuancen sind da viel weniger zu hören, die man mit Mikro sehr deutlich kriegt.Entspricht nicht meinem Eindruck derer, die klassischen Gesang nicht mögen. Meine Theorie hierzu ist, dass aufgrund der Popmusiksozialisierung selbst Klassikhörer teilweise ausgebildeten Stimmen als "künstlich" empfinden.
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Na, so ein klassisches Streichquartett klingt schon anders als ne Tanzkapelle mit Kontrabass und klarem Rhythmus! Selbst wenns die gleichen Instrumente wären, kommt es doch schon oft in der "ernsten" Klassik so rüber, als spielten eigentlich alle Melodie und keiner wirklich Rhythmus. Stimmt natürlich eigentlich nicht, aber so könnte ich mir das erklären: der durchbrochene Satz, den wir so lieben, verunklart für einfachere Gemüter die ganze Chose erheblich.Für die solistisch besetzten Streicherensembles habe ich dagegen keine Theorie, noch vor hundert Jahren spielten solche Ensembles bei Bällen u.ä. zum Tanz und als Hintergrundmusik
Ein Kontrabass, der nen klaren Wechselbass oder SchrummschrummGroove macht, kann das schon wieder rausreißen.
Da ich mich jedoch weniger auf Anfänger (oder einfachere Gemüter) beziehe, sondern auf jahre- oder jahrzehntelange Intensivhörer (und teils Freizeitmusiker), die in Klassikforen unterwegs sind, wundert mich die anscheinend tiefsitzende Abneigung einer stabilen Minderheit? gegenüber gerade diesen beiden Gattungen, also Gesang/Kunstlied/Oper und Streicherensembles, doch immer wieder.
Da ich mich jedoch weniger auf Anfänger (oder einfachere Gemüter) beziehe, sondern auf jahre- oder jahrzehntelange Intensivhörer (und teils Freizeitmusiker), die in Klassikforen unterwegs sind, wundert mich die anscheinend tiefsitzende Abneigung einer stabilen Minderheit? gegenüber gerade diesen beiden Gattungen, also Gesang/Kunstlied/Oper und Streicherensembles, doch immer wieder.
Bist du dir denn so sicher, dass diese Tendenz in Klassikforen wirklich so ausgeprägt ist?
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Ich habe mir zwar mehr Resonanz beim Mozart-Quartette-Thread erhofft, aber immerhin haben sich dort drei Personen zur Sache geäußert, während sich in den Threads, die ich über Beethovens Op. 78 und Strauss' Heldenleben erstellt habe (beides nach deiner These beliebtere Genres) gar keine bzw. eine Person zu Wort gemeldet hat.
Auch der tolle Thread von Amfortas zu Mahlers 10. hat bisher überhaupt keine Resonanz gefunden.
Zitat
Opern-Fans, die sich regelmäßig zu diesem Thema äußern, gibt es hingegen einige in der Klassikforenlandschaft, oder sehe ich das falsch?
Also wie man über 15 Jahre gerne und häufig Beethoven, Brahms oder Schubert hören kann, sich dann aber eher 5-10 Aufnahmen von deren Sinfonien und Konzerten ins Regal stellt, statt sich ähnlch intensiv mit den maßgeblichen Kammermusikwerken und zumindest bei Schubert auch mit den Liedern zu befassen, weil einem diese Musik grundsätzlich nicht gefällt.
Also wie man über 15 Jahre gerne und häufig Beethoven, Brahms oder Schubert hören kann, sich dann aber eher 5-10 Aufnahmen von deren Sinfonien und Konzerten ins Regal stellt, statt sich ähnlch intensiv mit den maßgeblichen Kammermusikwerken und zumindest bei Schubert auch mit den Liedern zu befassen, weil einem diese Musik grundsätzlich nicht gefällt.
Das ergibt für mich auch keinen Sinn, deswegen glaube ich auch noch nicht so ganz, dass das wirklich so häufig der Fall ist. Die 2-3 kritischen Äußerungen in diesem Thread bzgl. des Streichquartetts können ja auch Zufall sein.
Zitat
Andererseits überrascht es mich immer wieder, dass ich, wenn ich mich in bestimmten Kreisen von Instrumentalisten (leicht nachtvollziehbar z. B. im Klavierforum clavio.de) aufhalte, feststellen darf, dass sich diese meistens fast ausschließlich für die für ihr Instrument geschriebene Musik interessieren. Da kennen viele alle Beethoven-Klaviersonaten in- und auswendig, aber kein einziges Streichquartett.
Dass ich Klavier spiele hat bei mir nie zu einer Präferenz der Gattung Klaviermusik geführt. Ich finde die Besetzung für die Qualität der Musik auch absolut nicht ausschlaggebend.
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