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1

Montag, 19. Juli 2010, 23:08

Musik inspiriert durch bildende Kunst

Liebe Capricci,

ich bin gerade über diese Webseite gestolpert:
http://www.angelfire.com/tx2/kdjagoe/inspired.html
Kennt Ihr noch weitere Beispiele für Kompositionen, die durch konkrete Werke der Malerei/Plastik etc. inspiriert wurden?
:wink:
Ceterum censeo Regietheatrum esse delendum.

2

Montag, 19. Juli 2010, 23:27

Ganz spontan nach nur flüchtigem Blick auf die Liste:

Hector Berlioz: BENVENUTO CELLINI (es geht um die Erschaffung der Skulptur des David)

Hindemith: CARDILLAC (wenn man edle Schmuckstücke zur ildenden Kunst rechnet)b

Max von Schillings: MONA LISA (genau diese)

Kurt Weill: The Firebrand of Venice (Thema ist ebenfalls Cellini, aber moch mehr als bei Berlioz dessen Lebenswandel :rolleyes: )

Schön, dass da Sondheims SUNDAY IN THE PARK WITH GEORGE aufgeführt wird!

:wink: Rideamus
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3

Montag, 19. Juli 2010, 23:33

Ergänzen mag man noch:

Steven STUCKY - Pinturas de Tamayo

etwa in dieser Aufnahme:



die bei mir noch auf dem "so gut wie nicht gehört"-Stapel liegt.....

C.

Zwielicht

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4

Dienstag, 20. Juli 2010, 09:30

Auf die Schnelle zwei Beispiele.

Böcklins Toteninsel hat nicht nur Rachmaninow, sondern auch Max Reger inspiriert. Dessen Vier Tondichtungen op. 128 von 1913 (auch Böcklin-Suite betitelt) musikalisieren gleich mehrere Böcklin-Gemälde: Der geigende Eremit, Im Spiel der Wellen, Die Toteninsel und Bacchanal.





Auf der Liste genannt sind Les Fresques de Piero della Francesca von Martinu (1955), die sich auf den Kreuzlegendenzyklus des Malers in Arezzo beziehen. Ebenfalls ein (abgenommenes) Fresko von Piero della Francesca, nämlich die Madonna del Parto in Monterchi (Toskana), hat Gérard Grisey zu seinem Werk L'Icône paradoxale inspiriert (Informationen hier):





Viele Grüße

Bernd
Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)

5

Dienstag, 20. Juli 2010, 10:11

In dem Zusammenhang sind sicher auch Ottorino Respighis VERTRATE DIE CHIESA relevant:



Ich habe sie noch in einer Einspielung unter Eugene Ormandy, die ich mal wieder hören sollte.

:wink: Rideamus
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Gurnemanz

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6

Dienstag, 20. Juli 2010, 10:13

Mir fällt dazu ein:

Hugo Wolf: Auf ein altes Bild (Klavierlied, Text: Eduard Mörike).

In grüner Landschaft Sommerflor,
Bei kühlem Wasser, Schilf und Rohr,
Schau, wie das Knäblein sündelos
Frei spielet auf der Jungfrau Schoß!
Und dort im Walde wonnesam,
Ach, grünet schon des Kreuzes Stamm!


:wink:
Es grüßt Gurnemanz

---
-¿Se trata de una cita? -le pregunté.
-Seguramente. Ya no nos quedan más que citas. La lengua es un sistema de citas.

Jorge Luis Borges

Agravain

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7

Dienstag, 20. Juli 2010, 10:22

Wie wär's denn - zumindest in Teilen - mit Mussorgsky:



:wink: Agravain
Was ein richtiger Musiker sein will, der muß auch eine Speisekarte komponieren können. (Richard Strauss)

8

Dienstag, 20. Juli 2010, 10:28

Wenn´s auch um nicht- "klassische" Musik gehen darf: Serge Gainsbourg
wurde von dieser Skulptur
("http://www.linternaute.com/sortir/exposition/photo/gainsbourg-a-la-cite-de-la-musique/l-homme-a-la-tete-de-chou.shtml")
von Claude Lalanne zu seinem Meisterwerk "L´homme à tête de chou":







inspiriert.




"Alles Syphilis, dachte Des Esseintes, und sein Auge war gebannt, festgehaftet an den entsetzlichen Tigerflecken des Caladiums. Und plötzlich hatte er die Vision einer unablässig vom Gift der vergangenen Zeiten zerfressenen Menschheit."
Joris-Karl Huysmans

mstislav

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9

Dienstag, 20. Juli 2010, 10:40

- klar, daß da mal wieder mein BAZi fehlt :| :|

Bernd Alois Zimmermanns Orchesterstück "Photoptosis" ist durch Yves Kleins Schwammreliefs im Foyer des "Musiktheaters im Revier" in Gelsenkirchen angeregt worden!

Schon gänsehäutig ... Da schreibt jmd., der unheilbar augenkrank ist u. über kurz oder lang erblinden wird, eine "Lichteinfall" genannte Musik.............

Besagte Reliefs wirken übr. von der Straßenbahnhalte ggb. in meiner Erinnerung besonders, einen enspr. ...... (ja, genau) mal vorausgesetzt...
...ist höchlich zu bedauren, dass das Fässchen durch die Erschütterung im FuhrWerk, oder sonst Noth gelitten; weil nach Eröffnung und (...) Visierung es fast auf den 3ten Teil leer (...); und also schade, dass von dieser edlen Gabe Gottes das geringste Tröpfflein hat sollen verschüttet werden ... J.S.Bach am 02.11.1748 an den Vetter J.Elias, Kantor in Schweinfurt

10

Dienstag, 20. Juli 2010, 10:47

Morton Feldman hat 1971 The Rothko Chapel komponiert. Das ca. 24-minütige Werk für Vokalsolisten, Chor, Viola und Percussion entstand anlässlich der Eröffnung einer Kapelle in Houston, die von vierzehn großformatigen Farbflächenbildern Mark Rothkos ausgefüllt ist. Rothko selbst erlebte die Eröffnung des von ihm mit gestalteten Andachtsraumes nicht mehr: Ein Jahr zuvor wählte er den Freitod.





(Ein Besuch in dieser Kapelle hat übrigens auch Peter Gabriel zu seinem Stück Fourteen Black Paintings inspiriert.)

LG
C.
„Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

Zwielicht

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11

Dienstag, 20. Juli 2010, 11:04

Wie wär's denn - zumindest in Teilen - mit Mussorgsky


Der steht allerdings schon auf der von Putto verlinkten Liste drauf ;+).


Ich biete noch Sports et divertissements von Erik Satie an, der hier Zeichnungen von Charles Martin verkomponiert hat:





Viele Grüße

Bernd
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12

Dienstag, 20. Juli 2010, 11:35




Ich biete noch Sports et divertissements von Erik Satie an, der hier Zeichnungen von Charles Martin verkomponiert hat:





Viele Grüße

Bernd
:boese: , dass ich da nicht selbst drauf gekommen bin.

Ergänze ich eben durch den in kleiner Auflagenzahl erschienenen Bilderroman La femme 100 têtes von Max Ernst, zu dem George Antheil eine hundert kurze Klavierprälüdien umfassende Begleitmusik plante.
Nach Vollendung von 45 Prälüdien ließ Antheil das Vorhaben auf sich beruhen und die Begleitmusik bewusst fragmentarisch zurück.

Durch wiederkehrende Motive verknüpft Antheil bestimmte Bilder und hält somit eine narrative Kontinuität aufrecht. Eine sehr hörenswerte Begleitmusik, die sich auch ohne den Bilderroman genießen lässt.




:wink:
Euer Essen stinkt. (calisto)

13

Dienstag, 20. Juli 2010, 11:43

Edgard Varèse: Poème électronique, komponiert für den berühmten Philips Pavilion von Le Corbusier (Weltausstellung Brüssel 1958). Auch Concrèt PH von Iannis Xenakis wurde für diesen Pavillon erstellt.



Michel
Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

GiselherHH

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14

Dienstag, 20. Juli 2010, 12:06

Ich hätte neben Schullers auf der Liste vertretenen Seven Studies On Themes Of Paul Klee noch ein weiteres Orchesterstück eines amerikanischen Komponisten anzubieten, das von Werken Paul Klees inspiriert wurde:

David Diamond: The World Of Paul Klee (1957)



:wink:

GiselherHH
"Er war verrückt auf Blondinen. Wäre Helga auch noch adlig gewesen, der gute Teddy wäre völlig durchgedreht."

Michael Gielen über Theodor W. Adorno, der versucht hatte, Gielen seine Frau auszuspannen.

15

Dienstag, 20. Juli 2010, 12:16

Luigi Nono: guai ai gelidi mostri
für Flöte, Klarinette, Tuba, zwei Altistinnen, Viola, Cello, Kontrabass und Liveelektronik (1983)
nach vier Bildern von Emilio Vedova
I. In Tyrannos!
II. Lemuria
III. Das große Nichts der Tiere
IV. Entwicklungsfremdheit

(Die beiden letzten Satztitel sind im Original auf deutsch.)




In gewisser Weise gehört sicher auch Nonos "A Carlos Scarpa, architetto, ai suoi infiniti possibili" (1984) zum Thema - nicht inspiriert von bildender Kunst, aber von einem bildenden Künstler.

Grüße
vom Don
Solitudinem faciunt, pacem apellant.
Tacitus

16

Dienstag, 20. Juli 2010, 12:18

Calder Piece

Earle Brown hat sich an den Mobiles von Alexander Calder orientiert und Musik für Schlagzeug danach geschrieben.

Kaum nimmt Guttenberg kein Haargel mehr, geht Schlecker pleite. Das kann kein Zufall sein!

17

Dienstag, 20. Juli 2010, 12:30

Gabriel Fauré: Clair de lune, Mandoline, En sourdine
Claude Debussy: Pierrot, Mandoline,Clair de lune und weitere frz. Lieder nach Gedichten von Paul Verlaine.
Selbige Gedcihte sind nämlich von den Gemälden Watteaus inspiriert und diese wiederum von der italienischen Commedia dell'arte
Gesamtkunstwerke par excellence!

F.Q.
Gracias a la vida!

18

Dienstag, 20. Juli 2010, 13:12

Das ist aber, so schätzenswert diese Verbindung auch sein mag, zweimal um die Ecke, liebe Fairy und auch nicht konkret von Werken der bildenden Kunst beeinflusst. :rolleyes:
Euer Essen stinkt. (calisto)

Zwielicht

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19

Dienstag, 20. Juli 2010, 13:55

zweimal um die Ecke


Einmal um die Ecke, würde ich sagen ;+). Die Verlaine-Gedichte nehmen auf konkrete Gemälde u.a. Watteaus Bezug - man kann sich zumindest vorstellen, dass Debussy und Fauré bei der Vertonung auch die Bilder vor Augen gehabt haben. In welcher Art und Weise auch immer.

Ganz ohne Ecke ist doch wohl Debussys L'isle joyeuse von Watteaus L'embarquement pour Cythère (Fassung im Louvre) inspiriert worden. Auch wenn Debussy sich nicht nur einschifft, sondern auch übersetzt und ankommt ;+).


Viele Grüße

Bernd
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20

Dienstag, 20. Juli 2010, 14:15

Picassos "Guernica" hat wohl eine ganze Reihe von Komponisten inspiriert, so z.B. Leonardo Balada



und Paul Dessau.



Eine weitere bedeutende Komposition des 20. Jh. geht ebenfalls auf "Guernica" zurück, will mir aber momentan partout nicht einfallen ?(


Cheerio,

Lavine :wink:
"Argumente sollten vermieden werden. Sie sind stets vulgär - und mitunter überzeugend." (Oscar Wilde)

21

Dienstag, 20. Juli 2010, 14:26

Wobei sich natürlich die Frage stellt, ob die Komponisten durch das Bild von Picasso, das ja schon eine Reaction auf die Zerstörung der Stadt Guernica durch die deutsche Legion Condor war, beeinflusst wurden, oder nicht doch durch den Angriff selbst?

lg vom eifelplatz, Chris.

Zwielicht

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22

Dienstag, 20. Juli 2010, 14:27

Eine weitere bedeutende Komposition des 20. Jh. geht ebenfalls auf "Guernica" zurück, will mir aber momentan partout nicht einfallen


Ich habe noch das Nono-Frühwerk La victoire de Guernica für Chor und Orchester (1954) sowie Klaus Hubers Voice of Guernica mit dem Untertitel Pablo Picasso has words for Colin Powell from the other side of death (auf ein Gedicht von Ariel Dorfman, für Bariton und Mandola, 2004) ergoogelt.

Beide Werke kenne ich nicht.


Viele Grüße

Bernd
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23

Dienstag, 20. Juli 2010, 15:34

Welche Ecken auch immer ihr da finden mögt: die Musik von Fauré und besonders die von Debussy ist ohne die Inspirationen durch die frz. Malerei nicht denkbar. Einige Musikstücke sind geradezu impressionistische Gemälde. Man denke nur an La mer oder den Nachmittag eines Fauns oder diversre Klavier-Images (die heissen ja sogar schon "Bilder")
Auch wenn in meinen obigen Beispielen Verlaines Gedichte unmittelbare Vorlage waren, so kannten doch sowohl Fauré als auch Debussy ebenso die Gemälde von Watteau. Mandoline oder Clair de lune sind m.E. eine direkte Vertonung der italienischen Serenaden von Watteau. Das Geniale ist doch gerade, dass da verschiedene Künste(Dichtung, Theater, Malerei, Musik) ineinander fliessen und am Ende niemand mehr genau sagen kann, was wen nun letztendlich inspiriert hat.

Aber wenn das hier nicht threadkonform ist, sei's drum, es wäre ja nicht das erste Mal.
F.Q.
Gracias a la vida!

24

Dienstag, 20. Juli 2010, 15:37


Böcklins Toteninsel hat nicht nur Rachmaninow, sondern auch Max Reger inspiriert.

Wikipedia hat noch anzubieten: Heinrich Schulz-Beuthen, Andreas Hallén, Felix Woyrsch
Ersteren gibt es sogar:

:wink:
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25

Dienstag, 20. Juli 2010, 15:50

Edgard Varèse: Poème électronique, komponiert für den berühmten Philips Pavilion von Le Corbusier (Weltausstellung Brüssel 1958). Auch Concrèt PH von Iannis Xenakis wurde für diesen Pavillon erstellt.



Michel

Da gibt es offenbar zwei aktuelle Veröffentlichungen, wo beide Werke drauf sind:

:thumbup:
Ceterum censeo Regietheatrum esse delendum.

26

Dienstag, 20. Juli 2010, 16:46

Zitat

Das Geniale ist doch gerade, dass da verschiedene Künste(Dichtung, Theater, Malerei, Musik) ineinander fliessen und am Ende niemand mehr genau sagen kann, was wen nun letztendlich inspiriert hat
Dass im 20. Jh. Musik wiederum Bildende Kunst inspiriert hat, steht außer Frage. Man denke an Kandinskys ("Klänge" und überhaupt seine ganze Konzeption spätestens in "Punkt und Linie zu Fläche") und Delaunays ("Kreisrhythmen") Bezugnahme auf Musik. Und ich jedenfalls kann das in ihren Bildern sehr gut nachvollziehen. Schönberg stellte mit dem Blauen Reiter aus. Man könnte auch an eine wechselseitige Beeinflussung denken.

27

Dienstag, 20. Juli 2010, 17:08

die vielen Kunstlieder (wir haben uns auf diesen Begriff hier geeinigt) sind wohl auch eine Kombination zwischen Dichtung und Musik oder umgekehrt, siehe Schubert, Goethe, Schumann, Heine.

28

Dienstag, 20. Juli 2010, 17:08

In diese "Spiegelbildkategorie" gehören zum Beispiel Virgil Thomsons ELEVEN PORTRAITS FOR ORCHESTRA, in denen Thomson Tonbilder befreundeter Männer und Frauen komponierte, seine zahlreichen Klavierportraits, darunter eines von Hans Arp (aus dem vierten Album) oder Picassos Modell und Lebensgefährtin Dora Maar (aus 13 Portraits for Piano) etc. und vielleicht sogar Elgars ENIGMA VARIATIONS.

Thomson, der in Paris eng mit den Künstlerkreisen um Picasso und Gertrude Stein befreundet war, ließ sich aber auch von diesen selbst inspirieren, etwa BUGELS AND BIRDS (ein Portrait PICASSOs nach dessen Bildern) von 1940. Leider wurden von ihm nur die bekanntesten Werke eingespielt, aber da gibt es bestimmt noch etwas zu entdecken.

:wink: Rideamus
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29

Dienstag, 20. Juli 2010, 18:07

Auf die Schnelle zwei Beispiele.

Böcklins Toteninsel hat nicht nur Rachmaninow, sondern auch Max Reger inspiriert. Dessen Vier Tondichtungen op. 128 von 1913 (auch Böcklin-Suite betitelt) musikalisieren gleich mehrere Böcklin-Gemälde: Der geigende Eremit, Im Spiel der Wellen, Die Toteninsel und Bacchanal.




Ich frage mich allerdings, wie es wohl klingen würde, wenn Rachmaninow und Reger dieses Bild hier vertont hätten :D :

"http://www.toteninsel.net/gallery.painting.sowa.php?id=1"

:wink:

GiselherHH
"Er war verrückt auf Blondinen. Wäre Helga auch noch adlig gewesen, der gute Teddy wäre völlig durchgedreht."

Michael Gielen über Theodor W. Adorno, der versucht hatte, Gielen seine Frau auszuspannen.

30

Dienstag, 20. Juli 2010, 18:08

Dass ich nicht gleich darauf gekommen bin:

das grandiose Septett aus dem vierten Akt von Berlioz' LES TROYENS ("Mais banissons ces tristes souvenirs") wurde nach des Komponisten eigener Aussage von diesem Bild von Pierre-Narcisse Guérin inspiriert:



Aeneas berichtet Dido vom Untergang Trojas (1815)


Und bei der Gelegenheit kann ich auch gleich noch den David zeigen, der Berlioz zum letzten Akt des BENVENUTO CELLINI inspiriert hat:




:wink: Rideamus
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31

Dienstag, 20. Juli 2010, 18:21

Habe ich das nur übersehen oder hat tatsächlich noch niemand Giselher Klebes geniales Werk

Metamorphosen über das gleichnamige Bild von Paul Klee op. 7 "Die Zwitschermaschine"

genannt? Man findet es auf dieser CD



Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

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32

Dienstag, 20. Juli 2010, 19:58

Hallo,

ein schönes und interessantes Thema, zudem es aber mittlerweil nicht mehr soviel zu ergänzen gibt.

Seit ca. einem halben Jahr studiere ich gemeinsam mit meiner Freundin folgendes vierhändige Werk Stück für Stück am Klavier:

JEAN FRANCAIX: 15 portraits d'enfants d'Auguste Renoir (Transposée pour piano à 4 mains à l'usage des jeunes élèves)



Ein hinreißendes Werk! Jedem dieser 15 Stücke ist (auch in den Noten) ein Bild von Renoir vorangestellt und an der großen Kunst, wie FRANCAIX den Charakter dieser Gemälde in Musik übersetzt, erfreue ich mich jedesmal aufs neue!
Leider ist mir von den Stücken nur eine (Gesamt).EInspielung bekannt – Tal/Grothyusen- und diese ist auch schon länger nicht mehr lieferbar...



Ich habe schon mehrfach überlegt dazu ein kleines Multimedia-Projekt zu starten, aber rechtliche Belange dürften wohl dabei (für Bild und Ton) im Weg stehen.
Wer aber ein wenig Klavierspielen kann (ich schätze mal ca. ab 3-4 Jahre) und wer noch einen Klavierpartner zu Hand hat, dem seinen diese Stücke wärmstens empfohlen.

Im Zuge des Entdeckens dieser 15 Stücke hatte ich mir ebenfalls Gedanken über weitere Werke mit der Verbindung Gemälde-Klavier gemacht. Damals fiel mir natürlich sofort die „Bilder“ von MUSSORGSKY ein, allerdings nicht viel mehr.

Das ist jetzt erfreulicherweise anders:
Erstaunlicherweise hat noch niemand folgende Werke aus den „Années des pèlerinages" von F.LISZT genannt:
„Sposalizio“ (Raffael) (Bd.2 Italie, Nr. 1)
Il Pensierio“ (Michelangelo) (Bd.2 Italie, Nr. 2)

hervorragend interpretiert z.B. in dieser Box


Etwas weiter gefasst könnte man auch die Beschreibung der Villa d'Este (Wasserspiele) dazu zählen.

Ein weiteres Klavierwerk, welches ich aber noch nicht kenne, sind die Malerstudien op.56 von Z. FIBICH.



DESSAUs „Guernica“ wurde ja bereist erwähnt.

Gruß pt_concours
W o h n z i m m e r w e t t b e w e r b:
Petit concours à la maison... (S. Richter, 1976)

33

Dienstag, 20. Juli 2010, 20:50

Kaja Saariaho: Nymphea für Streichquartett und Elektronik (1987) und die Neufassung Nymphea Reflection für Streichorchester (2001). Titel und Werke beziehen sich auf die Seerosenbilder von Claude Monet (viele Versionen, die radikalsten im Musée de l'Orangerie in Paris)







Ebenso muss man Saariahos Komposition Six Japanese Gardens für Schlagzeug und Elektronik (1993-95) nennen, die durch die Besuche japanischer Gärten in Kyoto inspiriert ist:





(Wikipedia, gemeinfrei)




(Wikipedia, gemeinfrei)





(Wikipedia, Verwertbare falls der Name Dingy des Rechteinhabers genannt wird)



Michel

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34

Dienstag, 20. Juli 2010, 21:56

Lieber Peter,
Habe ich das nur übersehen oder hat tatsächlich noch niemand Giselher Klebes geniales Werk

Metamorphosen über das gleichnamige Bild von Paul Klee op. 7 "Die Zwitschermaschine"

genannt?
von Klebe gibt es zum Thread-Thema noch den "Feuersturz" op. 91, Untertitel:" Metamorphose über das gleichnamige Bild von Sonja Klebe für Klavier".

Viele Grüße,

Christian

35

Dienstag, 20. Juli 2010, 22:39

Hallo zusammen,

ich kann noch Mantovanis "Le Sette Chiese" beisteuern. Das Stück ist von 7 Kirchen Bolognas, der Heimatstadt des Komponisten, inspiriert. Sehr hörenswert:



Viele Grüße,

Melanie
With music I know happiness (Kurtág)

36

Mittwoch, 21. Juli 2010, 12:47

Noch mehr von Respighi:

* Fontane di Roma
und
* Trittico Botticelliano (stand schon auf der Liste)


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37

Mittwoch, 21. Juli 2010, 18:31

Erstaunlicherweise hat noch niemand folgende Werke aus den „Années des pèlerinages" von F.LISZT genannt:
„Sposalizio“ (Raffael) (Bd.2 Italie, Nr. 1)
„Il Pensierio“ (Michelangelo) (Bd.2 Italie, Nr. 2)


Das scheinen tatsächlich die ersten Stücke zu sein, die explizit als Musikalisierung von Werken der bildenden Kunst ausgewiesen wurden. Sie sind 1839 komponiert worden - im Kontext der Années de pèlerinage, als Bestandteil eines viele Kunstformen umfassenden musikalischen Bildungsprogramms. Müsste man mal einen Thread eröffnen... Ja, der Liszt!


Da mich das Thema sehr interessiert, habe ich mir inzwischen folgendes Buch beschafft: Monika Fink, Musik nach Bildern. Programmbezogenes Komponieren im 19. und 20. Jahrhundert, Innsbruck 1988 (eine musikwissenschaftliche Innsbrucker Dissertation von 1987). Die Autorin versucht sich mit mehr oder weniger Erfolg an grundsätzlichen methodischen Erwägungen, leistet darüber hinaus aber auch beachtliche Fleißarbeit: Nicht weniger als 711 Musikwerke aus der Zeit zwischen 1839 und 1987, die sich auf Werke der bildenden Kunst beziehen, hat sie aufgelistet. In den folgenden 711 Beiträgen werde ich diese Werke einzeln...nein, keine Angst... :D

Nur ein paar unsystematische Beobachtungen: Man bekommt zumindest eine Ahnung, welche Unmengen von "Programmusik" um 1900 nicht nur im deutschsprachigen Raum komponiert wurden. Typische Beispiele: Scènes Bruegheliennes. Esquisses symphoniques für Orchester (1912), von Michel Brusselmans. Raffael. Stimmungsbilder für gemischten Chor, Orchester und Orgel (1910), von Fritz Volbach. Das seinerzeit äußerst populäre Gemälde Die Jagd nach dem Glück von Rudolf Hennberg inspierierte zwischen 1882 und 1896 nicht weniger als vier Komponisten zu entsprechend betitelten sinfonischen Dichtungen, Orchesterfantasien o.ä.

Als meistverwurstete bildende Künstler nennt die Autorin Böcklin, Spitzweg, Klee, Goya, Picasso und Dürer. Außer den oben von uns zusammengestellten fünf Toteninsel-Kompositionen werden noch fünf weitere aufgelistet. Goya, Klee und Picasso sind erwartungsgemäß in der Zeit nach 1945 besonders beliebt. Wer jetzt aber meint, die Werke nach Dürer-Bildern seien eher älteren Datums, täuscht sich: Hier findet sich viel Bundesrepublikanisches aus den 50ern (ja, die Adenauerzeit), das neueste aufgeführte ist Melencolia I für Klarinette, Harfe und zwei Streichorchester (1976) von Harrison Birtwistle. Insgesamt sind auch viele in der DDR komponierte Werke vertreten.

Ein interessanter Fall ist die Spitzweg-Konjunktur, nicht etwa im deutschen Kaiserreich, sondern seit dem Ersten Weltkrieg und in der Nazizeit (Beispiel: Erich Anders, Spitzwegbilder. Der Meister und sein Werk, für Orchester, 1935). Anscheinend eine antimoderne Welle der Idyllenbeschwörung in der Weimarer Republik und im Nazireich (leider interessiert sich die Autorin der Dissertation nicht die Bohne für zeithistorische Kontexte).

Mehrere Indizien (insb. das Überwiegen von Kompositionen aus dem deutschsprachigen Raum) weisen darauf hin, dass auch diese Liste mit ihren 711 Werken bis 1987 sehr lückenhaft sein könnte.


Viele Grüße

Bernd
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38

Donnerstag, 22. Juli 2010, 16:02

Da ich gerade das erste Streichquartett von Hans Erich Apostel höre, hier drei von Kokokoschka und Kubin inspirierte Werke des Komponisten:

Zitat

• Variationen nach einer Kokoschka-Mappe op. 1 (1928), Ms.
• Kubiniana. 10 Klavierstücke nach Zeichnungen von A.Kubin op.13 (1946), Wien 1947
• 60 Schemen nach Zeichnungen A. Kubins. Abenteuer einer Notenfeder op.13a (1945-1950), Ms.

Quelle: wikipedia

Es ist anscheinend sehr schwer, etwas davon auf CD zu erhalten.

Hier ein youtube-link mit "Kubiniana", interpretiert von Steffen Schleiermacher:

"http://www.youtube.com/watch?v=G937KUeUi44"

:wink: Talestri
One word is sufficient. But if one cannot find it?
Virginia Woolf, Jacob's Room

39

Donnerstag, 22. Juli 2010, 17:02

Hans Erich Apostel

Es ist anscheinend sehr schwer, etwas davon auf CD zu erhalten.


Was extrem schade ist, denn alles, was ich von ihm bisher kennenlernen konnte, fand ich super.

:wink: Matthias

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40

Donnerstag, 22. Juli 2010, 17:15

Apostels Zyklus Kubiniana ist von Schleiermacher komplett auf CD eingespielt worden:





Die vier Stücke bei Youtube stammen von dieser Scheibe. Schön, dass bei Youtube sowohl die zugehörigen Zeichnungen Kubins als auch die Noten der vier Stücke zu sehen sind.

Nach dem oben erwähnten Buch von Monika Fink handelt es sich bei den Kubiniana um zehn Stücke, die aus den unpublizierten 60 Schemen ausgegliedert und 1950 von Apostel bei der Universal Edition veröffentlicht worden sind.


Viele Grüße

Bernd
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