Den Satz finde ich wichtig, verstehe ihn aber nicht wie anscheinend Peter es tut: in dem Sinn, daß man alle Musik als "philosophisch" sehen könne, schon seit dem Mittelalter, sondern eher in dem Sinn, daß die Symphonie seit ca. 1750 so etwas wie ein philosophischer Diskurs wäre, mit den Themen als Subjekten, die - oft im Kontrast, im Widerstreit - in der motivischen Verarbeitung erst die Form schaffen. Insofern wäre eine Symphonie nach Schema eigentlich etwas Widersinniges, und die Genialität Haydns besteht ja gerade darin, in jeder seiner zahlreichen Beiträge zur Gattung immer wieder Neues sagen zu können.Mit Sinfonie wird zumindest heutzutage immer auch etwas philosophisches verstaden, Welterklärung evtl Weltschmerz, emotionale Tiefe Dramatik usw [...]
seit wann gibt das eigentlich: das "Philosophische" in der Musik?
LG
Tamás
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Spätestens seit der Musik des Mittelalters
Jacobus von Lüttich (1260-1330): Denn die Musik, allgemein genommen, erstreckt sich in ihrem objektiven Wesen gleichsam auf alles, auf Gott und die Geschöpfe, auf die körperlichen und die unkörperlichen, auf die himmlischen und die menschlichen, auf die theoretischen und die praktischen Wissenschaften. (Speculum musicae, I,1)
Liebe Grüße Peter
), so wäre ich erstmal auf eure Meinung neugierig.
Das beschreibt definitiv nur einen Strang: Erstmal war das besondere an der Symphonie ja, daß 1. Instrumentalmusik einen Eigenwert bekam: Weshalb die Symphonien von Haydn, Mozart und Beethoven als "romantische" Kunstwerke rezipiert wurden. (Das Instrumentalkonzert war immer noch zusätzlich "Virtuosenschaustück", also weniger eigenwertig als abstraktes Kunstwerk)Mit Sinfonie wird zumindest heutzutage immer auch etwas philosophisches verstaden, Welterklärung evtl Weltschmerz, emotionale Tiefe Dramatik usw weshalb hier meistens die "leichten" Werke - mögen sie noch so kunstvoll gestaltet sein - in den Hitlisten nicht vorkommen.
Ob das letzlich möglich ist oder ob Musik nicht vielmehr immer auch eine über sich selbst hinausweisende, sprich: außermusikalische Bedeutung hat/haben muß, ist eine Frage, die mir dazu einfällt (ich tendiere zu Letzterem, auch und gerade in der modernen [=seit ca. 1750] Symphonie) - auch wenn das jetzt über die Fragestellung hier (Beginn der Symphonie) weit hinausgeht. Deshalb nur am Rande, gern auch weiter a. a. O.[...] Musik, die (erstmal) nichts bedeutet und es wagt, keine Geschichte zu erzählen als ihre eigene [...]
Ob das letzlich möglich ist oder ob Musik nicht vielmehr immer auch eine über sich selbst hinausweisende, sprich: außermusikalische Bedeutung hat/haben muß, ist eine Frage, die mir dazu einfällt (ich tendiere zu Letzterem, auch und gerade in der modernen [=seit ca. 1750] Symphonie) - auch wenn das jetzt über die Fragestellung hier (Beginn der Symphonie) weit hinausgeht.
Genau da ist der Punkt, wo man, von Beethoven ausgehend, den Begriff der Symphonie als eigene Kunstform verwässert. Wobei Beethoven das sicher nicht getan hat, sondern, auch wenn seine eigene Formulierung ("Mehr Ausdruck der Empfindung als Mahlerei") den entscheidenden Punkt nicht trifft, immer musikalisch in sich schlüssige Gestaltungen gefunden hat, die zum Genuß keines Programmes bedürfen. ich denke, es geht ja nicht um Ausdruckslosigkeit, wenn man auf der "reinen Tonkunst", den "tönend bewegten Formen" beharrt, auch nicht darum, daß Musik nicht immer auch "etwas ausdrückt"! Sondern darum, daß die Gestaltung innermusikalischen Prinzipien folgt und das Besondere der Werke sich definitiv einem detaillierten Blick auf sie selbst präziser erschließt als einem Erörtern etwaiger vermuteter Programme. (Wir hatten die Frage schon bei Mahler: Was tragen biographische Bezüge zum Verständnis des Werkes bei?)Und wenn ja: wie sehr könnte uns dabei unser Verständniß für die Musik eben an erwähnten Größen geschult trüben?

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