Und was "eine gute Partitur" überhaupt bedeutet.
Das kommt darauf an, in welcher Funktion Du die Partitur verwenden willst. Als Dirigent, der daraus dirigieren will (bzw. als z.B. Pianist, der aus den Noten spielen will). Als Wissenschaftler, der sich mit dem Werk beschäftigt. Oder wie in Deinem und meinem Fall - als interessierter Laie, der beim Hören mitlesen will und auch sonst gerne mal einen Blick in die Noten wirft.
Wie schon von Gurnemanz erwähnt: Eine historisch-kritische bzw. Urtextausgabe ist sehr sinnvoll. In der Regel kannst Du dann sicher sein, dass Du den vom Komponisten intendierten Notentext vollständig und ohne spätere Hinzufügungen in den Händen hältst (wobei das ist nicht immer so eindeutig ist, aber das würde jetzt zu weit führen).
Man kann darüber streiten, ob man als "interessierter Laie" tatsächlich immer eine Urtextausgabe braucht. Das ist vor allem eine Kostenfrage: Wen Du eine Partitur von Wagners
Tristan haben wolltest, müsstest Du als beste Edition sicher auf die bei Schott erscheinende Wagner-Werkausgabe zurückgreifen: für jeden der drei Aufzüge ein stattlicher gebundener Band, Kosten: insgesamt mehrere hundert Euro. Den Nachdruck einer älteren
Tristan-Partitur, wenn auch schlechter gebunden, bekommst Du schon für 38 Euro (bzw. gebraucht noch billiger). Hier wage ich zu behaupten: bei Wagner sind die Unterschiede zwischen einer älteren, vielleicht minimal korrumpierten Ausgabe und einer Urtextausgabe nicht so groß, dass Du letztere brauchen würdest.
Anders verhält es sich z.B. mt Bachs Wohltemperierten Klavier: Ich weiß noch genau, wie ich zum erstenmal Noten des WTK in den Händen hielt und sehr erstaunt war, dass der Pianist der gehörten Aufnahme (Gould) sich überhaupt nicht an die zahlreichen Anweisungen in Dynamik, Phrasierung usw. hielt. Natürlich war das eine Ausgabe des 19. Jahrhunderts mit zahlreichen Zutaten des Herausgebers. Die ist aber in der Regel unbrauchbar (es sei denn, Du willst etwas über die Bach-Aufführungspraxis des 19. Jahrhunderts wissen). Heutzutage bekommst Du manchmal schon auf dem Wühltisch den Nachdruck einer Urtextausgabe des WTK für wenige Euro. (Ich nehme aber an, Du interessierst Dich ohnehin nicht für Bachs WTK - schade eigentlich

).
Das sind jetzt Extremfälle. Wir haben schon einmal anhand der del-Mar-Urtextausgabe der Beethoven-Sinfonien kontrovers diskutiert, ob man die als interessierter Laie wirklich braucht:
Beethoven-Sinfonien: Literatur
Über Taschenpartituren allgemein haben wir uns schon hier ausgetauscht:
Taschenpartituren
Wie gesagt: bei Opern - darum geht's Dir ja wohl vor allem - kann der Erwerb einer Urtextausgabe, meist als Teil einer Werk-Gesamtausgabe, sehr schnell sehr teuer werden (wenn's überhaupt eine gibt).
Das in den letzten Jahren quantitativ expolodierende Angebot von Online-Partituren z.B. bei IMSLP kennst Du sicher schon. Aufgrund des Urheberrechts gibt's dort fast nur ältere Ausgaben.
Ansonsten kannst Du beim Erwerb von Partituren natürlich Kriterien in Anschlag bringen, die auch sonst beim Buchkauf wichtig sind: Qualität des Einbands, der Bindung, des Druckbilds, des Papiers usw.
Was mir mit zunehmenden Alter immer wichtiger wird: die Größe des Notenbilds. Solange ich zu eitel oder zu faul oder zu geizig bin, mir eine Lesebrille zu kaufen, werden für mich z.B. kleinformatige Taschenpartituren mit einer groß besetzten Mahler-Sinfonie zunehmend zu einer Qual.
Viele Grüße
Bernd