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Kommt jetzt ein dazu Auserwählter, der das Wesen seines Volks, gleichsam wie einen Laut aus dem Jenseits, mit den Mitteln seiner irdischen Kunst auf diese Welt projiziert, so werden alle die, die jenes Zugehörigkeitsgefühl als Liebe, als Vaterlandsliebe in sich tragen, sozusagen in Bereitschaft sein, seine Sprache gleich zu verstehen, werden ihr eigenes Wesen erkennen, gleichsam wiedererkannen, was einem ganz eigentümlichen Entzücken gleichkommt.
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Das Herz des Freischütz ist das unbeschreiblich innige und feinhörige Naturgefühl. Die Hauptperson des Freischütz ist sozusagen der Wald, der deutsche Wald im Sonnenglanz, von Hornklängen und Jagdlust belebt, der Wald im mitternächtigem Gewitter und finsterer verrufener Schlucht, im ersten Aufblitzen der Morgenfrühe, im traulichen Hereinrauschen in das abendlich stille Försterzimmer.

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Bei den frühen Aufnahmen hat das Fehlen der gesprochenen Dialogstellen immer etwas mit der notwendigen Knappheit zu tun, zu der einen die Schelllackplatten verpflichteten. So kann man das Fehlen des Dialogs bie dieser Aufnahme noch keine grundsätzliche Kritik unterstellen. Aber - was meinen andere Capriccios zum Dialog beim Freischütz?
Meine erste Aufnahme war die unter Keilberth. Ich denke, das dies ein Glücksfall war. Nicht nur das die Sänger mE nach großartig sind, auch die Dialoge passen und werden zeitgemäß interpretiert.
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Zauberton schrieb:
Ich finde das immer besonders auffällig in der ersten Szene des zweiten Akts. Da spricht aus dem Ännchen oft die frischvergnügte Aufgeregtheit des klassischen Nachkriegs-Backfischs, und die Agathe ist ein derartig verschüchtertes Heimchen am Herd, dass sich heute sicher kaum eine Frau mehr darin wiederfinden wird. Damit man mich nicht falsch versteht: Ich höre gerade diese Aufnahmen gern, eben weil sie so interessante Zeitdokumente sind. Bestimmt will ich diese schönen nostalgischen Aufnahmen nicht als peinlich abqualifizieren.
Genau das denke ich auch. Man sollte eine Oper vielleicht immer aus dem Zeitblickwinkel betrachten, in dem sie entstand. Ehrlich gesagt gefällt mir gerade das an Opern. Ich mag es, mich in diese Zeit versetzen zu lassen, bewußt versuchen die Charaktere zu verstehen. Es ist eine Art Zeitreise und auch eine Möglichkeit in die Geschichte der Entstehungszeit einzutauchen. Ob diese immer (wahrscheinlich nicht) die tatsächliche Geschichte wiederspiegelt sei dahingestellt.
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Zauberton schrieb:
Dennoch stehen sie für eine zeitgebundene Sicht auf die Oper, wie man sie heute wohl nicht mehr hat.
Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »gilestel« (24. Mai 2009, 18:24)

Als ich den Freischütz kennenlernte, war ich mir nicht sicher, ob es sich nicht um eine Parodie handelt. Meine erste Aufnahme war die von Erich Kleiber, die sicher nicht den schlechtesten Dialog hat. Aber gerade in der ohnehin foppfreudigen Altersstufe der Pubertät konnte ich diese biedere Heiterkeit und Freundlichkeit, die sich auch durch den Dialog mitteilt, einfach nicht ernst nehmen.
In Bezug auf einige Stellen ist es bis heute dabei geblieben: "Ein wackerer Mann, der Herr Erbförster!" oder "So gefällst du mir Agathe! Jetzt bist du so fröhlich, wie ich sein werde, wenn ich einmal Braut bin." oder "Nun frisch, noch einmal das Ende des Liedchens!" – So etwas kann man doch eigentlich nur mit Ironie begegnen. Das gilt allerdings nicht nur für den Dialog, sondern auch für andere Teile des Librettos.
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Das ändert natürlich nichts daran, dass der Dialog für die Dramaturgie wichtig ist. Fehlt er ganz, wirkt die Handlung durchlöchert. Das ist meines Erachtens übrigens beim Freischütz noch mehr als bei der Zauberflöte der Fall.
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Heute neigt man wohl eher zu einem sachlicheren, auch in den düsteren Szenen weniger pathetischen Stil. Bei den Aufnahmen beginnt das vielleicht bei Kubelik, eine Einspielung, die ich gerade im Bezug auf den Dialog sehr interessant finde.
Jacques Rideamus Ein Problem liegt meines Erachtens tatsächlich darin, dass die Dialoge gesprochen werden. Wenn man nur das Libretto des Freischütz’ liest, ist, zumindest bei mir, das Gefühl der Fremdheit weniger groß als beim Hören. Woran liegt das?Ist der Hörer des 21. Jahrhunderts mit einem historischen gesprochenen Text überfordert?
Die Kleiber-Aufnahme, die Du ansprichst, wird von Schauspielern gesprochen. Die sind der alten Diktion mächtig, können von dem Text überzeugt werden und überzeugen mit dem Text.
Das möchte ich so nicht unbeantwortet stehen lassen. Natürlich ist jeder Text zeitlich gebunden, aber gewisse menschliche Probleme und Konflikte sind doch überzeitlich, ja, in machen Fällen erhalten Werke sogar erst im Nachhinein ihre volle Relevanz. Wagners wabernde Worte in "Tristan" oder in Teilen des "Rings" haben aus heutiger Sicht sicher auch ein gewisses komisches Potenzial, das vom Autor vermutlich nicht beabsichtigt ist. Trotzdem vermag zumindest mich die Problematik dieser Werke immer wieder aufs Neue zu fesseln.
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Das "Problem" der Oper ist mE nach, dass sie schon vor vielen (zum Teil sehr vielen Jahren) geschrieben wurden. Jede Oper stellt für sich eine Wiederspieglung der Zeit in der sie geschrieben wurde da. Selbstverständlich fällt es einer Frau heute schwerer sich in die Lage von Agathe zu versetzen als zu der Zeit in der die Oper spielt.
Hmmm, gerade in der "populären Kultur", zum Beispiel bei "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" reißt der Gut-Böse-Konflikt die Leute sehr wohl vom Hocker.aber der Konflikt Gott gegen Teufel (oder Eremit gegen Samiel), das reisst heute nicht mehr vom Hocker
Mit diesem Argument wird ja auch immer wieder gegen die "Zauberflöte" zu Felde gezogen. Weitere Beispiele gibt es sicher haufenweise.Keine der Figuren reicht an einen Don Giovanni, einen Jago, einen Wotan heran.
Was ist daran modern? Gab es früher keinen gesellschaftlichen Druck? Oder wirkt gesellschaftlicher Druck in alten Opern aufgetragen?An anderen Stellen ist die Oper ja durchaus modern (so wird der gesellschaftliche Druck auf Max, der zu seiner verhängnisvollen Entscheidung führt, in der Eingangsszene sehr deutlich, ohne aufgetragen zu wirken),
Sind einige weibliche Charaktere in den Publikumsrennern Holländer, Tannhäuser und Lohengrin wirklich vielschichtiger?
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Figuren wir Agathe oder Ännchen, die kein Wässerchen trüben können, die alles klaglos erdulden und auf Gott vertrauen, die sind uns heutigen Menschen doch fremd geworden.
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Badewannenprimadonna
Wohnort: Hinter den sieben Bergen bei den sieben Zwergen
Das kann ich nun wiederum gar nich nachvollziehen. Die Königin der Nacht ist doch nicht böse (eher verzweifelt), jedenfalls ist dieser frauenfeindliche, sklavenhaltende Macho Sarastro keinen Deut besser. Und gibt es irgendwo in der Weltliteratur eine Figur, die es auch nur annähernd mit Papageno aufnehmen kann, was den Identifikationsgehalt der Figur angeht? Ein einfacher Mensch, der nicht mit dem Hirn, wohl aber mit dem Herzen durchschaut, dass dieser ganze Prüfungspathos hohl ist, dass es sich eben nicht lohnt, für das vermeintlich Gute zu leben und zu sterben, wohl aber für die Menschlichkeit und die Liebe. Von der Figur der Pamina ganz zu schweigen. Auch in der Entführung aus dem Serail, dem Prototyp der deutschen Oper kämpfen die Charaktere in erster Linie mit sich selbst, und erst in zweiter Linie um ihre Freiheit. Konstanzes "Martern aller Arten" sind ja nicht die, die ihr der Bassa durch Folterwerkzeuge zufügt, sondern die, die er ihr durch seine Liebe zufügt, so schlimm, dass sie glaubt, in den Tod gehen zu müssen, um ihre Treue zu bewahren... (Besser als Diana Damrau in Christofs Loy Frankfurter Inszenierung kann man das übrigens mMn nicht spielen. Aber ich schweife ab.) Was ich sagen wollte: Bei aller Kritik an z.B. Mozarts Opernlibretti - sie enthalten Figuren, die wahrhaft menschlich sind, die Konflikte durchleben, vor allem aber ihre Fehler haben. Und das finde ich nicht bei einem Eremiten, bei einer Agathe, einem Ännchen. Wohl aber bei einem Max. Insofern muss ich Waldi zustimmen. Jedoch - etwas fehlt mir auch hier. Sicher ist es die vielleicht einzige Figur der Oper, die eine klare Motivation und einen klaren Konflikt hat. Aber wie geht die Oper nun mit diesem Konflikt um? Max macht einen Fehler, weicht vom Weg des Guten ab, und wird dafür bestraft. Dann kommt der Deus ex Machina und, na gut, er kriegt noch eine zweite Chance, und diesmal machte er hoffentlich keinen Fehler, dann ist er wieder ein Guter, und dann kriegt er seine Agathe. Dass der mit sich ringende, verzweifelte Mensch in seinem Kampf mit sich selbst ("Lebt kein Gott?!") etwas gewonnen haben könnte - das wird verneint. Es gibt nur das Gute und das Böse (und ggf. die Möglichkeit zur Umkehr). Der gefallene Max muss wieder "rein" werden, zu seinem Ursprungszustand zurückkehren, er darf sich nicht entwickeln; denn Zweifel ist hier nicht der Weg zur Erkenntnis sondern schon Sünde. Das ist, nebenbei bemerkt, auch das Gegenteil von dem, was "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" spannend macht. Dort wächst ein Einzelner, indem er sich seinem inneren Kampf stellt, über sich hinaus; hier hingegen ist der Zweifel Sünde, nur das blinde Gottvertrauen ist gut. Ich verstehe, dass das heutige Hörer befremdet.
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Mit diesem Argument wird ja auch immer wieder gegen die "Zauberflöte" zu Felde gezogen. Weitere Beispiele gibt es sicher haufenweise.
Konrad Nachtigall Zum Glück gibt es heutzutage in diesen Breiten keine Zwangsehen mehr...Welche Frau würde sich von ihrem Geliebten trennen, nur weil dem Herrn Papa ihre Vergangenheit nicht passt? Wer würde sich vom Bruder in eine Ehe zwingen lassen, in der Hochzeitsnacht den Gatten meucheln und dem Wahnsinn anheimfallen?
Dass der mit sich ringende, verzweifelte Mensch in seinem Kampf mit sich selbst ("Lebt kein Gott?!") etwas gewonnen haben könnte - das wird verneint. Es gibt nur das Gute und das Böse (und ggf. die Möglichkeit zur Umkehr). Der gefallene Max muss wieder "rein" werden, zu seinem Ursprungszustand zurückkehren, er darf sich nicht entwickeln; denn Zweifel ist hier nicht der Weg zur Erkenntnis sondern schon Sünde. Das ist, nebenbei bemerkt, auch das Gegenteil von dem, was "Herr der Ringe" oder "Harry Potter" spannend macht. Dort wächst ein Einzelner, indem er sich seinem inneren Kampf stellt, über sich hinaus; hier hingegen ist der Zweifel Sünde, nur das blinde Gottvertrauen ist gut. Ich verstehe, dass das heutige Hörer befremdet.
Auch die im Libretto in der Tat eindimensionale Figur Agathe wird durch die Musik ihrer großen Szene und Arie geradezu transzendiert.
Ich halte gerade den Freischütz für ein Stück, dessen Schwächen durch eine intelligente Regie in Stärken verkehrt werden können: der durch das Kriegserlebnis entmenschte Kaspar, der zerrissene, an allem zweifelnde Max, die depressive Agathe, das wie ein Relikt aus der Opera buffa wirkende, verzweifelt komische Ännchen, der brutale Fürst, die aufbrechenden sozialen Spannungen, das trostlose happy end, bei dem alles in Stücken liegt - so konstituiert sich eine Lesart, bei der dem Stück alle Biederkeit ausgetrieben wird. [...] Die konventionelle Moral haftet dem Stück nur an der Oberfläche an.
Und deswegen muss man sich auch die Frage stellen, wie die Dialoge in eine derartige Sicht auf die Oper hineinpassen und insbesondere wie sie gesprochen werden sollen. Es gibt nämlich durchaus einen eingefahrenen Zungenschlag, der Agathe eben auf das kleine schablonenhafte Naivchen beschränkt und der deshalb mit einer so wenig idyllischen Deutung nicht zusammen geht. Gerade die Sprechweise im Dialog hat einen starken Einfluss auf das Bild, das von den Figuren der Oper vermittelt wird.
Leider läuft's mit dem Dialog oft schief. Ich habe das Werk allerdings (als 14jähriger) in der Carlos-Kleiber-Einspielung kennengelernt. Hier werden die (erheblich gekürzten) Dialoge zwar von Schauspielern gesprochen, deren Stimmklang natürlich völlig von dem der Sänger differiert. Aber die Gestaltung der Dialoge, für die nach meiner Erinnerung der große Regisseur Joachim Herz verantwortlich war, fand ich schon damals ziemlich gut: sehr auf die sozialen Konflikte zugespitzt, ein wenig (aber nicht zu sehr) chargenhaft überdreht. Nur Agathe säuselt auch hier vor sich hin.
Da stimme ich gerne zu. Der Freischütz ist und bleibt eines der ganz grossen Werke des 19. Jahrhunderts. Die Frage, auf die ich mich bezog, war ja die, was einen heutigen Leser am LIBRETTO des Freischütz befremden könnte. Was Weber daraus macht, ist selbstverständlich genial. Interessant auch, dass Weber für die schwächste Figur des Librettos - Agathe - die vielleicht stärkste Musik komponiert hat. Oder bin ich da durch die diversen Aufnahmen mit Elisabeth Grümmer voreingenommen?
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Wenn es nur um das Libretto ginge, könnte ich Dir zustimmen. Aber Libretto-Analyse ist keine Analyse der Oper. Wenn Weber beispielsweise das riesenhaft vergrößerte "Lebt-kein-Gott?"-Motiv aus Maxens Arie an den Anfang der Ouvertüre stellt, wird (retrospektiv) klar, dass hier die ganz grundsätzlichen Fragen der Zeit mit den damals avanciertesten Mitteln der Musikdramatik behandelt werden. Auch die im Libretto in der Tat eindimensionale Figur Agathe wird durch die Musik ihrer großen Szene und Arie geradezu transzendiert.
Konrad Nachtigall Interessant auch, dass Weber für die schwächste Figur des Librettos - Agathe - die vielleicht stärkste Musik komponiert hat. Oder bin ich da durch die diversen Aufnahmen mit Elisabeth Grümmer voreingenommen?
Naja, diese Charakterisierung nimmt ja erst im Nachhinein das "Volk" wahr. Weder das Libretto noch die Musik lassen mMn den Schluss zu, dass Kaspar "von je ein Bösewicht" war. Der vom rechten Weg abgekommene sicher, aber nicht der geborene Teufel. Das ist sogar mMn einer der stärkeren Punkte des Librettos. Natürlich kann ein schlechter Sängerdarsteller/Regisseur die Partie durch eine platte Interpretation "verhunzen", aber das habe ich selten erlebt. Zu verhindern, dass die Agathe zum Backfisch wird, scheint mir da ungleich schwerer.
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... das heutige Publikum empfindet glaube ich solche einseitigen
Charakterisierungen wie Kaspar („er war von je ein Bösewicht“) als
unglaubwürdig.
"Häufig gespielt" ist natürlich relativ. Aber man muss ganz klar sagen: In den 50er und 60er Jahren hatte praktisch jedes grössere Stadttheater das Werk im Repertoire. Na gut, heute gibt es vielleicht mehr Stagione- und weniger Repertoire-Betrieb, aber wieviele Häuser spielen heute noch Freischütz? Laut operabase gab es den Freischütz in der letzten Spielzeit in:
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Hat ein Werk, das so häufig gespielt wird, einen schweren Stand?
Wahrscheinlich ist es richtig, dass es auch gerade das Vokabular des Freischütz-Librettos ist, zu dem vielen heute der Zugang fehlt. Ich nehme mich da auch nicht aus. Ich versuche mich aber mal an einer anderen Frage:
Ein Problem liegt meines Erachtens tatsächlich darin, dass die Dialoge gesprochen werden. Wenn man nur das Libretto des Freischütz’ liest, ist, zumindest bei mir, das Gefühl der Fremdheit weniger groß als beim Hören. Woran liegt das?Ist der Hörer des 21. Jahrhunderts mit einem historischen gesprochenen Text überfordert?
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Werden die Dialoge heute aufgeladen mit einem Pathos, das letztlich auch nur Sprechgewohnheiten des frühen und mittleren 20. Jahrhunderts imitiert, kann ich damit noch viel weniger anfangen. Der Sprechstil von 1821 ist wahrscheinlich heute nicht mehr reproduzierbar. Einer wohlgemerkt behutsamen Anpassung der Dialoge an heutige Sprechgewohnheiten würde ich mich daher nicht von vornherein verschließen.


Wenn es genehm ist, werde ich hier einige Überlegungen zu dieser Broschüre und einiges Weitergehende zu der Anwendung psychoanalytischer Theorien auf eine Oper wie der "Freischütz" anstellen.
Der genannte Diplom-Psychologe hat von Musik null Ahnung. Er schreibt auch de facto keinen "Opernführer" sondern ein Unterhaltungsbuch, gestützt auf das Libretto. Der Reiz für den Leser besteht in den völlig überdrehten psychologischen Analysen. Wobei ich zugunsten des Autors davon ausgehe, dass er das nicht ernst meint.
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So sehe ich zumindest die Grundtendenz dieser Spaßbuchreihe "Ein psychoanalytischer Opernführer". Ich will nicht ausschließen, dass man vereinzelt auch interessante Sichtweisen vermittelt bekommt. Das werden aber allenfalls Ergänzungen von eher geringer Relevanz sein.
Der genannte Diplom-Psychologe hat von Musik null Ahnung. Er schreibt auch de facto keinen "Opernführer" sondern ein Unterhaltungsbuch, gestützt auf das Libretto. Der Reiz für den Leser besteht in den völlig überdrehten psychologischen Analysen. Wobei ich zugunsten des Autors davon ausgehe, dass er das nicht ernst meint.
Nach eigenen Angaben ist er "langjähriger Kammerchor-Leiter (Preisträger" (amazon ist ausführlicher: Fachbereichsleiter »Weiterbildung Musik« an der Kolping-Bildungsstätte Coesfeld sowie in freier Praxis in Münster tätig. Er ist Gründer und wissenschaftlicher Leiter des seit 2001 jährlich stattfindenden »Coesfelder Symposium Musik & Psyche« sowie Mitherausgeber von Fachzeitschriften: »Supervision« (1983 1987) und »Freie Assoziation« (1998 2006). Oberhoff war außerdem viele Jahre als Kammerchorleiter und Dirigent des »Collegium Vocale Dortmund« (Preisträger) tätig). Wenn ich einmal davon ausgehe, dass die Angabe zutrifft, sollte er schon mehr als null Ahnung haben. Meiner Lektüre entsprechend würde ich Dir aber insoweit folgen, dass es mehr Ahnung als Wissen ist, was PD Dr. Bernd Oberhoff hat. Zumindest glaube ich das nachweisen zu können.
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Die Akzeptanz dieses Opernführers ist größer, als Du meinst. Ich habe mich mal im Netz umgesehen. Es gibt nur eine Besprechung in der Süddeutschen Zeitung von 2004, die ansatzweise kritisch ist, diese wird aber bei perlentaucher wieder kritisiert. Die Rezeption der Operngäste würde mich mal interessieren, ich sehe nur, dass er offensichtlich verkauft wird.
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So sehe ich zumindest die Grundtendenz dieser Spaßbuchreihe "Ein psychoanalytischer Opernführer". Ich will nicht ausschließen, dass man vereinzelt auch interessante Sichtweisen vermittelt bekommt. Das werden aber allenfalls Ergänzungen von eher geringer Relevanz sein.
Es wäre mir lieb, wenn das Publikum Dein Urteil teilte, wie ich schon schrieb, ich bezweifele es allerdings.
Leider wird er nichts zu Haydn schreiben, sonst würde ich mir auch mal ein Büchlein von ihm zulegen.
noch immer durch die Gegend geistern. Dieser Rückgang des Einflusses hat wohl mehrere Ursachen:



In der Tat hat die Psychoanalyse den Zenith ihres einstmals ungeheuren kulturellen Einflusses schon lange überschritten, auch wenn Begriffe wie "Ödipus-Komplex", "narzisstische Persönlichkeit", "libidinöser Todestrieb" oder gar "Penisneid"noch immer durch die Gegend geistern. Dieser Rückgang des Einflusses hat wohl mehrere Ursachen:
- Verengung des Blicks: mit geradezu ermüdender Eintönigkeit fördert die Psychoanalyse bei all ihren Tiefenforschungen letztlich immer nur eines zutage, nämlich angebliche unverarbeitete psychosexuelle Konflikte aus Kindheit und früher Jugend.
- Einige (nicht alle) zentrale Grundannahmen von Freud sind mit den Ergebnissen der modernen neurophysiologischen Hirnforschung nur schwer in Einklang zu bringen.
- Es hat sich gezeigt, dass andere, konkurrierende Therapiemethoden (z.B. Verhaltenstherapie) mit weniger Aufwand und in kürzerer Zeit zumeist bessere Ergebnisse erzielen.
Hinzu kommt, dass die Psychoanalyse dazu neigt, wie Peter bereits angemerkt hat, sich gegen Kritik von außen zu immunisieren.
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Von daher finde ich es eher fraglich, ob es sich wirklich lohnt, in diesem "Freischütz"-Thread einen seltsamen psychoanalytischen Opernführer ausführlich zu widerlegen. Falls doch, sollte man vielleicht erwägen, dafür einen Extra-Thread aufzumachen.
F.Q., die bisher mit dem Freischütz so gut wie nicht anfangen kann. Kommt vielleicht noch.

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Weit von solcher Innenspannung [im Carlos Kleibers Einspielung, PB] entfernt ist die beste der traditionellen Einspielungen, die Joseph Keilberths. Sie zeichnet sich durch überdurchschnittliche Sorgfalt und eine durchgehende Gediegenheit aus, wozu auch die gleichmäßige Besetzung zählt (die in der Agathe von Elisabeth Grümmer ebenso eine Art von vokalem Zentrum hat, wie es Gundula Janowitz bei Kleiber ist).
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