da gibt es wohl weder eine einfache Auskunft noch einen kurzen Punkt, der alles erklärt, höchstens mein subjektives Gefühl: der Bruch mit der Operette war à la longue sicher ein schleichender Prozess, der allerdings einen gewaltigen Schub erhielt, als die Nazis die jüdischen Künstler vertrieben und auch vor den besten und beliebtesten kaum Halt machten. Wer blieb, war nicht unbedingt erste Sahne und hat sich zuweilen sogar an Melodien der Exilanten bereichert, jedoch ohne deren Können und Erfahrung in der Verarbeitung. Ähnlich ging es den ausführenden Kümstlern, die mangels internationaler Auftritts- und Vergleichsmöglichkeiten zunehmend im eigenen Milieu eindampften, weil auch das Publikum keinen Vergleich mehr und bald auch ganz andere Sorgen hatte.
(zit. nach Clarke)
Zitat
Es war höchste Zeit, dass man sich auch in der Operette auf sein besseres Ich besann. Längst war uns klar, dass der Tag wieder kommen müsse, daman wie im Zwange des Selbstverständlichen auf die leichte, geschmackvolle Heiterkeit früherer, besserer Zeiten zurückgreifen werde4, für die uns Johann Strauß ein zwingendes Symbol geworden ist. Wir meinen eine geistige Heiterkeit, die durch die Dekadenz, die beispiellose Geschmacksverirrung und Verwilderung der letzten Jahre immer mehr verschüttet wurde.
Zitat
Der Jazzmusik wird heimgegeigt. Der Walzer erwacht - Die Neger entfliehen.
Das schlimmste Erlebnis war meine, bis dahin, absolute Lieblingsoperette "Der Bettelstudent" von einer österreichischen Wander-Operettenbühne (unter Heinz Hellberg) im Großraum München dargeboten. Sowas von verkitscht, verstaubt und entsetzlich, ich war so enttäuscht, denn ich hatte mich sehr darauf gefreut.
Liebe Grüße
Kristin

Kristin
Kristin
Wenn die Operette überleben will,... - und vor allem Sänger einsetzen, aber nicht den Charme draußen lassen.
Liebe Kistin! Lieber DiO!
Das Poblem de heutigen Opertteninszenierungen ist - enweder werden sie mt Gewalt "modern" gemacht - das geht schief oder es liegt von Anfang an so viel Staub schon auf der Bühne, dass man die Staubmilben husten hört.
Kristin hat schon erwähnt, die Londoner "Witwe" mit Dame Felicity Lott und Sir Thomas Allen - hier ist nichts auf der Bühne, Sesseln ausgenommen und wenn Danilo erscheint, ein Griff bei der Tür rein und man weiß alles - und dann Walzerseligkeit pur, nicht mit Sirup versüßt, sondern eben "So ist es und nicht anders" wie Hannah sagt. Bei der Fledermaus aus Glyndebourne ähnlich.
Die beiden "Belle Hélène" aus Zürich und Lyon leben vom Tageswitz und sind so, dass sie der heutigen Gesellschaft den Spiegel vorsetzen - und es gelingt. Das selbe gilt für die "Großherzogin" mit Dame Felicity Lott.
Wenn die Operette überleben will, dann muss sich der Regisseur von Althergebrachten lösen - und vor allem Sänger einsetzen, aber nicht den Charme draußen lassen. Es geht sonst keiner in diese Aufführungen mehr rein. Die "Czardasfürstin" DVD aus Ungarn die ich bekam, damals noch in S/W, hat bewiesen, so gehört es gemacht - auch wenn ich kein Wort verstand, es wurde ja Ungarisch gesungen und gesprochen.
Personen die mit ihrer Ausstrahlung schon so etwas bringen, dass man Bühnenbilder vergisst, die brauchen ja auch nur angedeutet sein - Bravourstückeln bitte draußen lassen, es schreibt ja zwar, bei der Komposition 1917, aber dann noch Leichenflederei, das nützt sich ab und interessiert schlussendlich keinen Menschen mehr.
Bei der "Silbernen Operette" schauen, dass "Sieben Jahre in Batavia" sich nicht ziehen wie ein Strudelteig und auch noch das Publikum vertrotteln. So blöd ist das Publikum nicht. Fast alle Operetten von Rideamus [dem Namensgeber des unseren] haben Zeitbezogenheit die aber nicht stehen geblieben ist, die Zeit wandelt sich zwar - aber die Operette soll sich mitwandeln, ohne in Geschmacklosigkeit zu vergammeln.
Liebe morgendliche Grüße von Eurem Peter aus Wien.![]()
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