Sie sind nicht angemeldet.

Lieber Besucher, herzlich willkommen bei: Capriccio Forum für klassische Musik. Falls dies Ihr erster Besuch auf dieser Seite ist, lesen Sie sich bitte die Hilfe durch. Dort wird Ihnen die Bedienung dieser Seite näher erläutert. Darüber hinaus sollten Sie sich registrieren, um alle Funktionen dieser Seite nutzen zu können. Benutzen Sie das Registrierungsformular, um sich zu registrieren oder informieren Sie sich ausführlich über den Registrierungsvorgang. Falls Sie sich bereits zu einem früheren Zeitpunkt registriert haben, können Sie sich hier anmelden.

1

Samstag, 27. August 2011, 14:05

Mussorgski: Eine Nacht auf dem kahlen Berge

wer kennt sie genau und kann mir sagen woran ich beim hören erkennen kann ob ich es mit dem Mussorgski Original oder mit der Rimski-Korsakow Bearbeitung zu tun habe.
Leider gibt es nur wenige Aufnahmen und die Angaben bei Amazon sind sehr dürftig

Vielen Dank

Ulrich
Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
----------------------------
Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)

2

Samstag, 27. August 2011, 14:18

Hier gibt's Noten von beiden Versionen:

http://imslp.info/files/imglnks/usimg/f/…Night1867fs.pdf

Gleich am Anfang siehst du schon, dass das Original fülliger (+ Bratschen und Oktavierung in den 2. V.) und im fortissimo beginnt, Rimsky-Korsakows Bearbeitung dagegen im pianissimo.
Eine schwere Aufgabe ist freilich die Höflichkeit insofern, als sie verlangt, daß wir allen Leute die größte Achtung bezeugen, während die allermeisten keine verdienen; sodann, dass wir den lebhaftesten Anteil an ihnen
simulieren, während wir froh sein müssen, keinen an ihnen zu haben. (A. S.)

Lionel

Akkordhörer

  • »Lionel« ist männlich

Beiträge: 1 672

Wohnort: Irgendwo in Hessen

  • Nachricht senden

3

Samstag, 27. August 2011, 17:06

Mussorgskys "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" existiert soweit ich weiss in mehreren Fassungen, die vom Komponisten selbst stammen: So gibt es beispielsweise eine Version für Klavier und Orchester bei welcher der "Totentanz" von Liszt als Vorbild für Mussorgsky diente. Dann hatte Mussorgsky das Werk in der Ballett-Oper "Mlada" sowie in der Oper "Der Jahrmarkt von Sorotschinzy" eingefügt. Die originale Orchesterfassung komponierte Mussorgsky im Jahr 1867 und wurde in der Form allerdings erst 1932 zum ersten Mal in London aufgeführt.

Mili Balakirev war allerdings befremdet wegen der starken Chromatik und der Dissonanzen des Werkes. Im Jahr 1886 bearbeitete Nikolai Rimsky-Korsakov das Werk, wobei ihm dabei nicht Mussorgskys Originalpartitur vorlag, sondern ihm diente Mussorgskys Version des Werkes als Vorlage, die in der sog. Traumsequenz der Oper "Der Jahrmarkt von Sorotschninzy" vorkommt. Rimsky-Korsakov entschärft den rauhen Klang, verfeinert die Instrumentierung und schafft dabei natürlich auch ein ungemein effektvolles Werk. Allerdings handelt es bei dieser Fassung eher um eine Art Orchesterfantasie, die auf Motiven von Mussorgskys "Eine Nacht auf dem kahlen Berge" basiert.

Wie bereits angedeutet, klingt die Originalfassung ungestümer, rauher, urwüchsiger als die "glattere" Version von Rimsky-Korsakow. Die Gesamtspieldauer liegt bei beiden Versionen bei etwa 12 Minuten. In Rimsky-Korsakovs Version klingt das Werk mit einer langsamen epilogartigen Passage aus, während Mussorgskys Originalfassung eher lakonisch mit einem Paukenschlag schließt. Vielleicht vermittelt Mussorgskys Originalfassung einen ungefähren Eindruck davon, wie seine eigene Orchesterfassung der "Bilder einer Ausstellung" geklungen haben könnte, wenn er eine solche erstellt hätte.

Ich selbst habe folgende Aufnahme der Originalfassung:



Dohnanyi und das wie immer brilliante Cleveland Orchestra bringen die Originalpartitur mit ihrer Urwüchsigkeit ungeschönt und sehr effektvoll zum klingen.

Dann gibt es noch diese Aufnahme, die auch die Oiginalfassung enthält:



Lionel
"Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

4

Sonntag, 28. August 2011, 14:13

Beantwortet zwar nicht die gestellte Frage, aber es ist ein Hinweis auf eine sehr beeindruckende Fassung von "Der Nacht auf dem kahlen Berge":

Wer kennt Walt Disneys "Fantasia" ?

Dieser - für mein Empfinden - hyper-ultra-Zeichentrickfilm, den eigentlich ALLE Kinder kennen sollten?

(Natürlich nicht im allerzartesten Alter von vorne bis hinten hintereinander weg durchschauen lassen, aber man kann schon früh mit den netten Stücken anfangen, und die Dinosaurier, aber vor allem "Die Nacht auf dem kahlen Berge", ist dann was für schon größere, gaaaanz "coole" Jungs (und Mädchen!).

Ich selbst wurde von meinen Eltern in sehr zartem Alter ins Kino mitgenommen, und es hat sehr, sehr lange gedauert, bis ich verstanden habe, woher diese unglaublichen Bilder in mir kamen, die sich buchstäblich in meinen Kopf "eingebrannt" hatten... u.a. verdurstende, zusammenbrechende Dinosaurier in einer langen Prozession... (Sacre du Printemps) ...und diese grauenerregenden Teufel... (Nacht auf dem Kahlen Berge) ...und danach diese Lichterprozession (das Ave Maria in 40er-Jahre-Stil ganz zum Schluß)

...der "Groschen" fiel erst, als ich nochmals Fantasia anschaute.

Jedenfalls wurde auch "Die Nacht auf dem kahlen Berge" von Walt Disney ganz hervorragend umgesetzt / illustriert.

:wink:

amamusica :pfeif:
Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)

...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein...




Gurnemanz

Delikatesseur

  • »Gurnemanz« ist männlich

Beiträge: 9 975

Wohnort: Rhein-Neckar-Kreis

  • Nachricht senden

5

Sonntag, 28. August 2011, 14:40

Wer kennt Walt Disneys "Fantasia" ?
Liebe amamusica, Antworten auf Deine Frage findest Du z. B. hier: Disneys "Fantasia" - Kitsch und Kult.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

---
A única atitude digna de um homem superior é o pursuit tenaz de uma actividade que se reconhece inútil, o hábito de uma disciplina que se sabe estéril, e o uso fixo de normas de pensamento filosófico e metafísico cuja importância se sente ser nula.
Fernando Pessoa: Livro do Desassossego

6

Montag, 26. August 2013, 15:57

Die Nacht auf dem kahlen Berge - die Fassungen von Mussorgsky - Rimsky-Korsakow - Stokowski

Dieser Tage habe ich zum ersten mal die Originalfassung von Mussorgsky (1867) in der sehr ordentlichen Aufnahme/CD mit Salonen / Los Angeles PO (DG) gehört, die Lionel in Beitrag 3 abbildet hat.

Aus der ersten Erinnerung heraus fand ich die Rimsky-Korsakow-Fassung (von 1886) wilder und ungestümer. Dies trifft aber nur auf den ersten Teil zu und ist nicht zuletzt meiner glänzend spannenden und wilden Aufnahme mit Solti / LSO (Decca, 1966) zu verdanken; Dauer 11:09.
*** Tatsächlich ist die Originalfassung insgesamt rauher und diese schafft es in den ~12 Minuten eine Geschichte zu erzählen; insgesamt bieten sich mehr Kontraste und Inhalte, als die meistgespielte R.K-Fassung, die besonders nach dem Glöckchen aus der Dorfkirche nur noch einen beschaulichen etwas langatmigen Ausklang ohne weitere Höhepunkte bietet.

Die Handlung der Sinfonischen Dichtung:
Unterirdischer Lärm von Geistersimmen - Erscheinung von Geistern der Finsternis - Erscheinung des Satans - Huldigung vor satan und feier einer Höllenmesse - Hexensabbat - beim Höhepunkt des Hexensabbats läutet von fern her das Glöckchen einer Dorfkirche, dass die Geister der Finsternis zerstreut - Tagesanbruch.

Meine dritte Aufnahme von Die Nacht auf dem kahlen Berge ist die Stokowski-Fassung mit Stokowski / London SO (Castle, Decca-Recording C 1886 - keine Aufnahmedatum angegeben). Die Stokowsky-Fassung nutzt (wie man sich denken kann) alle möglichen Effekte aus und ist absolut ungestüm und wesentlich härter im Zugriff; wilde Blechbläser, geile Effekte mit Gong und allem drum und dran - letztendlich Gänsehaut pur; Dauer 9:22.

R.K.Fassung:
Bei mir auf CD mit der Tschaik 5 (Solti 1975) gekoppelt.
Decca, 1966, ADD

Stokowski-Fassung:
In der Box ist die Aufnahme auf CD6 enthalten.
Decca, ADD
______________

Gruß aus Bonn

Wolfgang

Succubus

Prinzessin Vogelfrei

  • »Succubus« ist weiblich

Beiträge: 1 927

Wohnort: in dem wogenden Schwall, in dem tönenden Schall

  • Nachricht senden

7

Montag, 26. August 2013, 18:04

Ich kannte sehr lange Zeit nur die Rimski-Korsakow-Fassung dieses Werkes, die ich schon sehr mochte. Nachdem ich irgendwann die Original-Version von Mussorgsky gehört hatte, kam Rimskis mir gediegener, aber auch flacher vor. Mussorgskys ist dringlicher, plastischer, ich finde lebendiger und wie Teleton sagt, merkt man, dass hier wirklich etwas erzählt werden soll. Als Sequenz in der Oper kann ich mir das wirklich sehr gut vorstellen (OT : Gibt's eigentlich i-wo eine Aufnahme dieser Oper?). Rimskis ist eben eindeutig eine Sache für den Konzertsaal.
"Allwissende! Urweltweise!
Erda! Erda! Ewiges Weib!"

Lionel

Akkordhörer

  • »Lionel« ist männlich

Beiträge: 1 672

Wohnort: Irgendwo in Hessen

  • Nachricht senden

8

Montag, 26. August 2013, 18:34

(OT : Gibt's eigentlich i-wo eine Aufnahme dieser Oper?)


Diese CD-Box enthält u. a. eine Aufnahme dieser Oper:


Wer viel Geld hat, kann diese Aufnahme käuflich erwerben:

"http://www.amazon.com/Mussorgsky-Sorochinsky-Fair/dp/B006B6UGVA/ref=sr_1_15?s=music&ie=UTF8&qid=1377534077&sr=1-15&keywords=mussorgsky+sorochintsy+fair"

Hier gibts noch einige Infos über diese Oper:
"http://www.operone.de/opern/sorotsch.html"
"http://de.wikipedia.org/wiki/Der_Jahrmarkt_von_Sorotschinzy"

Lionel
"Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

Succubus

Prinzessin Vogelfrei

  • »Succubus« ist weiblich

Beiträge: 1 927

Wohnort: in dem wogenden Schwall, in dem tönenden Schall

  • Nachricht senden

9

Montag, 26. August 2013, 18:52

Wäre wohl der einzige Grund mir die Mussorgsky-Box zuzulegen (den Rest habe ich eigentlich schon). Na so ein Ärger. Aber danke auf jeden Fall.
"Allwissende! Urweltweise!
Erda! Erda! Ewiges Weib!"

andréjo

sanfter Spötter

  • »andréjo« ist männlich

Beiträge: 839

Wohnort: im Süden der Republik

  • Nachricht senden

10

Dienstag, 27. August 2013, 00:59

Succubus möchte ich bezüglich teletons letztem Beitrag zustimmen. In der Originalfassung wirkt das Werk strukturell kompakter als in der allzu bekannten Bearbeitung. Der Ausdruck ist sehr herb und archaisch. Ich habe die Komposition eigentlich mit der Salonen-SACD wieder schätzen gelernt; ich hatte sie kaum mehr gehört, vorher zu oft.

:thumbsup: Wolfgang
He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

11

Dienstag, 27. August 2013, 01:43

Diese CD sollte normalerweise eine besondere Empfehlung darstellen - nur eigenartigerweise wird auch hier die Fassung von Nikolai Rimskij-Korsakow gespielt:



Modest Petrowitsch Mussorgskij (1839–1881)
Pictures at an Exhibition etc.
- Bilder einer Ausstellung (1874, Orchestrierung 1922 durch Leo Funtek) [38’08“]
- Die Nacht auf dem kahlen Berge (1867, Neu-Orchestrierung der 3. Fassung durch Nikolai Rimskij-Korsakow) [11’07“]
Finnisches Radio-Sinfonie-Orchester; Leitung: Leif Segerstam
Aufgenommen am 17.–19. Februar 1986
- Lieder und Tänze des Todes – nach Gedichten von Arsenij Golenischtschew-Kutzow (Orchestrierung 1984 durch Kalevi Aho):
Wiegenlied [4’27“] / Serenade [3’30“] / « Trepak » (1875) [4’41“] / Der Krieger (1877) [4’28“]
Martti Talvela, Bass; Finnisches Radio-Sinfonie-Orchester; Leitung: Neeme Järvi
Aufgenommen am 5. Juni 1986
℗/© 1986. BIS CD-325

Die Funtek'sche Orchestrierung der Bilder ist viel näher an Mussorgsky als die meisten anderen Fassungen; und eine besonderer Tipp ist die Orchestrierung der Lieder und Tänze des Todes durch Kalevi Aho. Die Nacht auf dem Kahlen Berge sehe ich da schon nur noch als Ergänzung :D

Zum slowenisch-finnischen Musikprofessor Leo Funtek: "http://en.wikipedia.org/wiki/Leo_Funtek" (eine deutsche Seite fehlt hier)

LG, Kermit
Es ist vielfach leichter, eine Stecknadel in einem Heuhaufen zu finden, als einen Heuhaufen in einer Stecknadel.

12

Dienstag, 27. August 2013, 03:30

Zitat

Die Funtek'sche Orchestrierung der Bilder ist viel näher an Mussorgsky als die meisten anderen Fassungen;
Ja, das ist womöglich die beste Fassung.
Es ist aber fast unmöglich heute, die Ravel- Fassung samt Ihres französischen Kolorit aus dem Kopf zu bekommen.

Je älter ich werde, desto mehr bleibe ich bei der orginalen Klavierfassung.

Und die Funtek- Fassung habe ich mal gespielt vor über 10 Jahren.........ja, ich erinnere mich, das war eine ganz andere Hausnummer.
"Mein Luftkissenfahrzeug ist voller Aale"

Philbert

Kleingeistiger Opernidiot

  • »Philbert« ist männlich

Beiträge: 2 032

Wohnort: Sena-Jurinac-Stadt

  • Nachricht senden

13

Dienstag, 27. August 2013, 10:20

Wäre wohl der einzige Grund mir die Mussorgsky-Box zuzulegen (den Rest habe ich eigentlich schon).
Wenn Du schon die Lieder mit Leiferkus hast, kannst Du sie auf dem Second-Hand Markt loswerden. Damit hast Du Dir schon den Einkaufspreis der Box eingespielt.
Die anderen Doubletten (der erste Christoff-Boris z.B.) kannst Du dann verschenken und anderen damit eine Freude machen.
Alles, wie immer, IMHO.

14

Dienstag, 27. August 2013, 11:56

Wer kennt Walt Disneys "Fantasia" ?
Ich. Und die Sequenz, in der Mussorgskys Stück zum Zuge kommt, gehört zu den besten Teilen des Films. Gespielt wird - meine ich - die Bearbeitung von Stokowski.

Die habe ich definitiv in dieser Einspielung:


Die Telarc-Einspielung von Erich Kunzel: sehr wuchtig, sehr stramm - gefällt mir sehr gut.

Ist aber die einzige Bearbeitung, die ich kenne.
Meine dritte Aufnahme von Die Nacht auf dem kahlen Berge ist die Stokowski-Fassung mit Stokowski / London SO (Castle, Decca-Recording C 1886 - keine Aufnahmedatum angegeben).
Juli 1967

siehe hier:
"http://www.deutschegrammophon.com/de/cat/4756090?sort=newest_rec&SearchString=stokowski+mussorgsky&UNBUYABLE=1&per_page=50&ADD_OTHER=1&flow_per_page=50&presentation=flow"


jd :wink:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux
"Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
Jean Paul

Counter:

Hits pro Tag: 6 387,59 | Klicks pro Tag: 16 391,74