Ja, das ist ja auch alles wunderbar, aber wo versteckt sich da Mozarts Persönlichkeit?geht mit auch so. Kyrie, Gloria, Laudamus, dann ist irgendwie die Luft raus für mich...
Nach dem Laudamus ist die Luft raus für Dich? Oder erst nach dem ganzen Gloria?
Ersteres fände ich erstaunlich, denn mindestens Domine Deus, Qui tollis und Quoniam gehören doch zu den elaboriertesten sakralen Stücken aus Mozarts Feder, auch was Kontrapunktik anbelangt.
aber wo versteckt sich da Mozarts Persönlichkeit?
Es klingt irgendwie wie Bach und doch nicht Bach
im Vergleich zu den Klavierkonzerten
aus der Zeit, ja selbst schon der "Linzer", und der großartigen Synthese aus Polyphonie und
homophonen Schwung, die die "Prager" trägt, klingt mir das irgendwie altbacken.
Hm, Mozart hat doch viele kompositorische Gesichter, selbst innerhalb der c-moll-Messe. Die Verschmelzung kontrapunktischer Techniken mit dem eigenen Stil mag ihm anderswo perfekter gelungen sein, aber das ist doch auch eine Frage der Funktion: in der Sakralmusik liegt es nahe, die kompositorischen Techniken der Alten direkter zu verwenden als in der Instrumentalmusik.
Kirchenmusik folgt nun mal stilistisch anderen Gesetzmäßigkeiten, als ihre säkulare Schwester. Notabene wurde genau das seit der Mitte des 18. Jhs. (und ganz verstärkt im 19. und frühen 20. Jh.) von der Kirche an der figurierten Kirchenmusik bemängelt: daß sie sich zu wenig von der "Oper" unterscheide...
...und etwa die Zerlegung des Gloria eine originäre Leistung. Das Incarnatus im Credo erhält bei Mozart ohnehin immer eine vom Rest des Satzes unabhängige Form, das war auch schon bei früheren Messen so. Er hätte also gar keine Veranlassung gehabt, das auf Basis externer Vorlagen irgendwie zu ändern.
Für mich ist ja die immer wieder bewunderte Leistung darin zu sehen, wie in den früheren Messen dieser
(übrigens jedesmal anders und neu gestaltete) et-incarnatus-Teil in die Rondoform integriert ist.
Man hat ja ein Gefühl von Stimmigkeit, Einheit in der Vielfalt, das mir bei der c-moll-Messe fehlt.
Gruss
Herr MAria
Da stellt sich für mich die Frage, wie er denn dieser Stil ausgesehen hätte, wenn er noch 30, 40 oder 50 Jahre gelebt hätte? Das ist doch nichts statisches? Entzündet sich die Kritik daran, weil es nicht das ist, was erwartet wird?
Nach allem, was du bisher über KV 427 von dir gegeben hast, weiss ich nun, was dir bei dieser Messe fehlt:
Das Werkverständnis, Herr MAria!
Befasse dich mal mit der Partitur, studiere die Entstehungsgeschichte und höre dir verschiedene Interpretationen an.
Und dann poste noch einmal. Lass dir aber ausreichend Zeit dafür.
![]()
Aha. Und bevor man nicht all das tunlichst erledigt hat, sollte man es nicht wagen, in diesem Thread zu posten oder was?![]()

Also: eigentlich ganz banal...
In Wien gab es bis in die Mitte der 90er Jahre des 18. Jhs. keine Möglichkeit zur Aufführung eines derartigen werkes und auch in Salzburg hatte sich die Situation geändert - Stifts- und Klosterkirchen ausgenommen, was die obige Hypothese ja überhaupt erst möglich macht. Wie bereits gesagt: Mozart hat nie für die Schublade geschrieben.
Jedenfalls keine Messen!Mozart hat nie für die Schublade geschrieben.
Aber eine Messe? Womöglich, um seinen Vater zu beruhigen... Aber, das fällt mir schwer zu glauben...Mozart hat vielleicht nie für die Schublade geschrieben, aber durchaus des öfteren nur für sich oder sein engstes Umfeld!
Jedenfalls keine Messen!Mozart hat nie für die Schublade geschrieben.
Mozart hat vielleicht nie für die Schublade geschrieben, aber durchaus des öfteren nur für sich oder sein engstes Umfeld!
Aber eine Messe? Womöglich, um seinen Vater zu beruhigen... Aber, das fällt mir schwer zu glauben...
Habe die Messe jetzt auch mal wieder gehört und muß mein Urteil doch nochmal revidieren: das ist wun derbare Musik und vor Allem in den Interpretationen von Harnoncourt und Gardiner überhaupt nicht so schwerfälliges Zeugs, wie ich das in Erinnerung hatte... Eher doch eine Vertiefung und Intensivierung gegenüber den Salzburger Messen.
Der link linkt nicht, aber auch so bleibt es ein interessanter Gedanke und erklärt tatsächlich die so andere Herangehensweise (für Mozart).Inzwischen hat sich aber offenbar eine Berliner Handschrift der h-moll-Messe Bachs aufgefunden, die aus dem Nachlass Joseph Haydns stammt und sich vorher möglicherweise in der Bibliothek van Swietens befunden hatte. Falls das stimmt, hätte Mozart das Werk zur Zeit der Komposition von KV 427 kennen können - und die oft bemerkten Bezugnahmen wären eben doch kein Zufall. Die Information stammt von hier - man müsste natürlich den ganzen Aufsatz lesen.
Das war mir nicht bekannt, wieder eine Lücke geschlossen.Was ist an der immerhin von Mozart selbst stammenden Überlieferung so unwahrscheinlich,
Na ja, geht so. Aber warum soll sich so ein Bild nicht ändern. Zumal es ja dann doch wieder ins Bild passt, daß es ein Torso blieb, der dann für "Davidde penitente" ausgeschlachtet wurde. Wie dem auch sei - das "et incarnatus" ist ein mich grad seit Tagen heimsuchender Ohrwurm....es handele sich um eine private Votivmesse - Ergebnis eines Gelübdes angesichts einer glücklich überwundenen Krankheit Konstanzes? Entspricht eine derart "fromme" Handlungsweise nicht dem gängigen Mozart-Bild?
Was ist an der immerhin von Mozart selbst stammenden Überlieferung so unwahrscheinlich, es handele sich um eine private Votivmesse - Ergebnis eines Gelübdes angesichts einer glücklich überwundenen Krankheit Konstanzes? Entspricht eine derart "fromme" Handlungsweise nicht dem gängigen Mozart-Bild?
Zitat
Ob das gesungene "amt" nun wirklich die Missa in c KV 427 (417a) war, läßt sich nicht mit völliger Sicherheit sagen. Es gibt keine weiteren Zeugnisse, durch die die aufgeführte Messe eindeutig identifiziert werden könnte.
Der link linkt nicht, aber auch so bleibt es ein interessanter Gedanke und erklärt tatsächlich die so andere Herangehensweise (für Mozart).
Was ja nicht nur für KV 427 gilt, sondern auch für die zahlreichen Messefragmente aus Mozarts letzten Wiener Jahren - darunter wahrscheinlich auch das früher in die Idomeneo-Zeit datierte sog. Münchner Kyrie (KV 341 bzw. 368a), Mozarts längste Kyrie-Vertonung überhaupt.
Das würde sogar wunderbar in das gängige Mozartbild passen! Fast zu gut! Aber warum hat er die Messe dann nicht vollendet?
Wie plausibel erscheint euch dieser Zusammenhang?Den Abbruch der Komposition könnte man dann mit Mozarts zunehmnder Abkehr vom dogmatischen Katholizismus und seiner Hinwendung zu freidenkerischen Ideen erklären, die 1784, ein jahr nach der vermutlichen Uraufführung des Mess-Torsos zu seinem Eintritt in die Freimaurerloge führten.
Natürlich lässt sich auch diese These nicht zweifelsfrei belegen, so lange nicht weitere Quellen auftauchen, am besten natürlich Schriftquellen von Mozarts eigener Hand. Nimmt man aber die überlieferten Indizien und Fakten zusammen, wäre es eine aus meiner Sicht schlüssige Erklärung sowohl für die Entstehung als auch für den Abbruch der Komposition.
Es gibt allerdings auch eine davon abweichende Interpretation der neueren Forschung des entsprechenden Briefes an Leopold Mozart vom 4. Januar 1783 (Ulrich Konrad, Kirchenmusikalisches Jahrbuch 92, 2008, somit 25 Jahre nach Erscheinen von KV 427 in der NMA), wonach das ganze als ein, 1782 seinem Vater versprochener Akt der versuchten Aussöhnung mit Colloredo intendiert gewesen sein könnte: eine Festmesse zum 1200-jährigen Bestehen des Bistums(1782), als tätige Reue sozusagen. Das könnte auch die Größe der Anlage erklären.
Was auch Fragen aufwirft, (deren Beantwortung Holl geschickt umgeht), ist die Existenz der Stimmen für die colla parte-Posaunen. Die waren im Dom Standard, aber nicht üblich in St. Peter (wie sie selbst schreibt) und anderen Salzburger Kirchen. Und die Posaunisten gehörten auch nicht zur Hofmusik...
) geben?
Die Beschäftigung mit Kirchenmusik hat offenbar bei Mozart nie aufgehört, bis hin zur Bewerbung um das Domkapellmeisteramt an St. Stephan ganz am Ende seines Lebens. Wie bei vieln anderen Komponisten scheint auch für Mozart die Kirchenmusik ein Feld gewesen zu sein, um sich in strengen Satztechniken etc. zu üben. In allen Phasen seines Lebens scheibt Mozart kirchenmusikalische Stücke, die eindeutig als "Übungsstücke" und damit in erster Linie für ihn selbst gedacht sind.
Den Abbruch der Komposition könnte man dann mit Mozarts zunehmnder Abkehr vom dogmatischen Katholizismus und seiner Hinwendung zu freidenkerischen Ideen erklären, die 1784, ein jahr nach der vermutlichen Uraufführung des Mess-Torsos zu seinem Eintritt in die Freimaurerloge führten.
Natürlich lässt sich auch diese These nicht zweifelsfrei belegen, so lange nicht weitere Quellen auftauchen, am besten natürlich Schriftquellen von Mozarts eigener Hand. Nimmt man aber die überlieferten Indizien und Fakten zusammen, wäre es eine aus meiner Sicht schlüssige Erklärung sowohl für die Entstehung als auch für den Abbruch der Komposition.
Es gibt allerdings auch eine davon abweichende Interpretation der neueren Forschung des entsprechenden Briefes an Leopold Mozart vom 4. Januar 1783 (Ulrich Konrad, Kirchenmusikalisches Jahrbuch 92, 2008, somit 25 Jahre nach Erscheinen von KV 427 in der NMA), wonach das ganze als ein, 1782 seinem Vater versprochener Akt der versuchten Aussöhnung mit Colloredo intendiert gewesen sein könnte: eine Festmesse zum 1200-jährigen Bestehen des Bistums(1782), als tätige Reue sozusagen. Das könnte auch die Größe der Anlage erklären.
Hätte denn bei diesem Anlass eine Messe von den Dimensionen von KV 427 eine Chance gehabt aufgeführt zu werden? Nur, wenn man zu diesen Feierlichkeiten alle von dir oben weit ausgreifend referierten amtskirchlichen Bestimmungen außer Kraft gesetzt hätte, nur wenn der Erzbischof für diesen besonderen Anlass seine Prinzipien über Bord geworfen hätte, wäre die These plausibel und würde nicht deinen bisherigen Beweisführungen in den Rücken fallen. Dass so ein Anlass aber besonders gefeiert wurde ist klar, eine von den üblichen Vorgaben abweichende Liturgie ist also gut denkbar.
Was auch Fragen aufwirft, (deren Beantwortung Holl geschickt umgeht), ist die Existenz der Stimmen für die colla parte-Posaunen. Die waren im Dom Standard, aber nicht üblich in St. Peter (wie sie selbst schreibt) und anderen Salzburger Kirchen. Und die Posaunisten gehörten auch nicht zur Hofmusik...
Das heißt, die Existenz von Posaunenstimmen spricht gegen eine Aufführung in St. Peter? Wäre die Messe von Anfang an für St. Peter bestimmt gewesen und dort auch aufgeführt worden, dürfte es keine colla-parte-Posaunen-Stimmen (was ein Wort) geben?
In allen Phasen seines Lebens scheibt Mozart kirchenmusikalische Stücke, die eindeutig als "Übungsstücke" und damit in erster Linie für ihn selbst gedacht sind.
Im Prinzip endet Mozarts kirchenmusikalisches Schaffen 1780/81 mit dem Kyrie d-moll KV 341. Danach kommen nur noch das Fragment der c-moll-Messe 1782/83, deren Umtextierung/Ergänzung zum Davide penitente 1785, sowie das Ave verum und das Requiem von 1791.
schrob der Kater über diese Aufnahme, und auch seinem sonstigen Urteil über die schon recht zügige Lesart kann ich nur zustimmen. Für mich war das das erste c-moll-Messen-Erlebnis, mit ca 13 Jahren, und diese Sopranarie im Christe erschien mir nicht nur "recht gut", sondern geradezu eine Offenbarung!Stader gefällt mir persönlich recht gut
geführt wird - einigen Spass, die Stimme zu spielen; ein absolutes Gänsehautgefühl wie z.b bei etlichen Bachkantaten (von den Passionen ganz zu schweigen) will sich bei mir jedoch einfach nicht einstellen. Selbst nicht beim für die Solo-Holzbläser ebenso dankbaren wie heiklen "Et incarnatus est". Forensoftware: Burning Board® 3.1.6, entwickelt von WoltLab® GmbH