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Agravain

Elgarian

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1

Mittwoch, 26. Januar 2011, 09:32

BACH, Johann Sebastian: Johannes-Passion BWV 245


(wikipedia)


Langsam aber unaufhaltsam naht sich die Passionszeit und so vermehren sich dann Proben und später dann Aufführungen der beiden erhalteten Passions-Vertonungen Johann Sebastian Bachs. Wie mir scheint, so wird die Bachsche Passion nach dem Evangelisten Matthäus von den Capricciosi häufiger gehört als ihre „kleine Schwester“, die Passio Secundum Johannem BWV 245.
Ist das überhaupt so?
Und wenn ja: WARUM?

Zur Entstehungsgeschichte und zum Aufführungshistorischen will ich an dieser Stelle einfach mal nichts sagen, schließlich ist das alles gut erforscht (ein Blick ins Bach-Handbuch informiert schon solide) und darum – wie ich denke – allen hier bekannt.

Dafür will ich ein Zitat aus Marten t’Harts Bach-Buch der Diskussion voranstellen:

„Ich habe auch nie die Diskussion über die Frage begriffen, welche Passion schöner ist, die des Matthäus oder des Johannes. Unlängst fand ich in einem Brief von Robert Schumann an Moritz Hauptmann vom 8. Juni 1851 die folgende Passage: ‚Es scheint mir kaum zweifelhaft, daß die Johannes-Passion die später, in der Zeit höchster Meisterschaft, geschriebene ist; in der anderen spürt man, dächte ich, mehr Zeitflüsse, wie auch in ihr der Stoff noch nicht bewältigt erscheint. Aber die Leute denken freilich, die Doppelchöre machen’s.’ Daß Schumann sich in den Entstehungsdaten der beiden Werke irrt – er konnte es nocht nicht wissen, daß die Johannes-Passion (Fassung 1) 1724 entstand, die Matthäus-Passion einige Jahre später -, ist weniger von Belang als seine Meinung über die Werke.“

Es geht mir natürlich nicht um einen Kontest, à la „Welche Passion ist die schönere?“

Mir geht es darum zu erfahren, wie gut ihr die Johannes-Passion kennt, was Euch an ihr anspricht, was weniger und eben auch warum Ihr ggf. die eine der anderen Passionsvertonung vorzieht. Natürlich sind auch Aufnahmebesprechungen gefragt.

Bevor ich jedoch ganz knapp die mir vorliegenden Aufnahmen per Coverposting aufliste, noch ein paar Sätze aus der fiktiven „Kleinen Chronik der Anna Magdalena Bach“ mit denen ich trotzdem vollkommen übereinstimme:

„Die Matthäus- und die Johannespassion, das sind gewiß die größten Kunstwerke, die je eines Menschen Geist ersonnen hat. [...] Diese Musik kam aus Sebastians innerstem Herzen: er schrieb sie in schwerem Leiden, denn nie konnte er Christi Wunden und seines Kreuzestodes gedenken, ohne selbst zu leiden und die Sündhaftigkeit der Kreatur zu empfinden. Und aus diesen Schmerzen kam einzig die erschütternde Schönheit, die seine ganze Passionsmusik überflutet.“

Nun die mir bekannten Aufnahmen:











Ich muss gestehen, dass ich recht mäkelig bin, wenn es zu Einspielungen der Passionen kommt. Das ist bei der Matthäus-Passion so und hier ist es nicht anders. Da ist mir mal der Eingangschor zu lahm, ohne Spannung, die Rhythmik des Satzes unterschlagend. Dann gefällt mir auch leicht mal der Evangelist nicht - von Michael Chance als Altus will ich im Moment ganr nicht sprechen. Dann wird durch das schönste Bass-Arioso Bachs ("Betrachte, meine Seel') gehetzt und und und. Will sagen: der Interpret hat es nicht leicht mit mir. Mein gegenwärtiger Favorit ist Güttlers Einspielung aus dem Jahre 1988, weil hier fast alles passt, was ich - bei Interesse - gern näher erläutern werde. Gleiches gilt meiner Ansicht nach für die ältere Aufnahme Brüggens, der ja heuer eine Neuproduktion auf den Markt bringt - auf der leider wieder Chance singt:



Nun seid ihr aber erst einmal dran, also frisch in die Tasten gehauen!

:wink: Agravain
Was ein richtiger Musiker sein will, der muß auch eine Speisekarte komponieren können. (Richard Strauss)

2

Mittwoch, 26. Januar 2011, 13:48

Hallo Agravain,

mit der Einstudierung der Johannes-Passion vor ein paar Jahren hat meine Liebe zu Bach begonnen. Sie war für mich der Türöffner in die Welt des Meisters. Und noch immer ist die JoPa ganz weit oben, was meine Lieblings-Bäche angeht. Gerade für den Chor ist das Stück sehr dankbar, weil man erstens oft dran ist und zweitens die Chöre wahnsinnig viel Spaß machen. Gerade der Würfelchor ist doch einmalig. :juhu:
Die Matthäus-Passion liebe ich zwar auch sehr, aber Johannes ist dann doch noch mal etwas knackiger und schneller auf den Punkt gebracht.

Gehört habe ich auch einige Aufnahmen und ebenso wie du hatte ich auch immer etwas rumzumäkeln. Bis ich Gardiner gehört habe, bei dem für mich eigentlich alles gestimmt hat und die bis heute eigentlich mein Lieblings-Johannes ist.


Lieben Gruß,
Peter.
Kaum nimmt Guttenberg kein Haargel mehr, geht Schlecker pleite. Das kann kein Zufall sein!

3

Mittwoch, 26. Januar 2011, 16:55

Lieber Agravain,

also so was darf man doch nicht machen: Hier einen neuen Thread eröffnen und ich kann nicht anders als gleich ins Regal zu greifen :rolleyes: und mir die Einspielung mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart aufzulegen. :thumbsup:

Eine absolut mitreißende Einspielung. Sehr kraftvoll! 8o

LG
corda vuota


4

Samstag, 28. Januar 2012, 00:06

Tja, gestern war's die Matthäus-Passion, und heute schickte ich die Johannes-Passion hinterher. Man kann wohl sagen, ich habe meine Hörsaison der Osterhasengesänge eröffnet... :beatnik: :



Mit dieser Einspielung hat man natürlich eine Besonderheit, weil sie in Leipzig mit dem damaligen Thomaskantor als Dirigenten realisiert wurde (Oktober 1954). Ich finde, daß sich diese Aufnahme auch heute noch hören lassen kann. Mir gefällt der elegische Beginn Herr, unser Herrscher sehr gut, und der Chor bietet eine ordentliche Leistung. Zwar klingt die Aufnahme etwas trocken und vordergründig, aber die Details sind gut erfaßt worden.


Na denn: Let's Go!


jd :wink:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


5

Dienstag, 31. Januar 2012, 22:28

Ich wil diesen Thread wieder hervorholen, weil ich mich im Moment (auch) mit den Bach-Passionen ein bisschen vertraut machen will. Meine einzige Einspielung der Johannes-Passion ist diese:





Nun bin ich draufgekommen, dass es sich hier um die Einspielung der zweiten Fassung von 1725 handelt, die die ursprünglichen Rahmenchöre ("Herr, unser Herrscher" und "Ach Herr, lass dein lieb Engelein") gegen zwei große Choralbearbeitungen austauscht.

Vielleicht weiß hier jemand, ob diese Fassung selten eingespielt wird oder durchaus eine gängige ist? Ich würde auch gerne die mit den beiden gestrichenen Chören kennenlernen. Kann vielleicht jemand eine Einspielung dazu empfehlen? Und welcher Fassung gebt Ihr den Vorzug?

Liebe Grüße
:wink:
Renate
Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!

6

Mittwoch, 1. Februar 2012, 00:15

Also die mit "Herr unser Herrscher" und "Ach Herr laß' Dein lieb' Engelein" ist die übliche Fassung und sehr viel gängiger als alle anderen. Da der Eingangschor eines der beeindruckendsten Stücke ist, solltest Du jedenfalls eine Aufnahme der üblichen Fassung anschaffen.
Ich habe noch eine von 1749 (Max, Capriccio), da sind die Unterschiede zur üblichen aber sehr geringfügig (wenn ich recht erinnere, keine neuen Stücke, nur kleine Änderungen).
Meine bevorzugte Aufnahme ist vermutlich Harnoncourts dramatische Lesart aus den 1990ern, obwohl die Männerstimmen nicht optimal (allerdings ordentlich) besetzt sind. Aber ich bin kein allzu großer Fan und Sammler dieses Werks...
By nature a philosopher is not in genius and disposition half so different from a street porter, as a mastiff is from a greyhound.
Adam Smith

7

Mittwoch, 1. Februar 2012, 01:22

Etwas wundert mich ja doch...

Eigentlich erstaunlich, daß dieser Thread so wenig Posts hat, der von der Matthäus-Passion dagegen sich über vier Seiten erstreckt... ?(

Ist es wirklich so, daß die Johannes-Passion nicht so geschätzt wird wie die Matthäus-Passion? [Bei Bach Cantatas sind nur geringfügig weniger Einspielungen der JP im Vergleich zur MP vorhanden.] Jeder Dirigent der MP hat fast immer auch die JP dirigiert.


jd :wink:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


Agravain

Elgarian

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8

Mittwoch, 1. Februar 2012, 08:33

Da der Eingangschor eines der beeindruckendsten Stücke ist, solltest Du jedenfalls eine Aufnahme der üblichen Fassung anschaffen.


Da hat die Katze völlig recht, liebe Renate. Die Fassungsfrage ist was die Johannes-Passion angeht ja bei weitem nicht so deutlich geklärt wie im Falle der Matthäus-Passion. Bach hat Zeit seines Lebens an dem Werk herumgewerkelt, sodass es eine Reihe unterschiedlicher Fassungen gibt. Die oben gezeigte Einspielung Parrotts beispielsweise liefert die Fassung 1749, die in der Instrumentation und streckenweise im Text von ihren Vorgängerinnen unterscheidet. Am häufigsten eingespielt ist indes die gegenwärtige NBA-Version, wobei auch sie im Grunde spekulativ ist, denn eine Originalpartitur der 1724er Fassung liegt nicht vor. Einen guten Überblick hierzu gibt der entsprechende Artikel im Metzler'schen Bach-Handbuch.

Ich favorisiere Ludwig Güttlers Einspielung der Johannes-Passion aus dem Jahre 1998, da sie einen sehr dramatischen Zugang zu dem ohnehin schon vorwärtsdrängenden Werk bietet:



Wieso, weshalb, warum kannst Du lesen, wenn Du auf das Bildchen klickst. :D

:wink: Agravain
Was ein richtiger Musiker sein will, der muß auch eine Speisekarte komponieren können. (Richard Strauss)

9

Mittwoch, 1. Februar 2012, 08:45

Danke, Kater Murr, für Deine Ausführungen!

Lieber Agravain, ich habe befürchtet, dass ich das Metzler Handbuch auch noch werde haben müssen. ;+) Die Güttler-Einspielung hast Du ja schon im Eingangsbeitrag favorisiert (wieso, weshalb, warum habe ich gelesen :D ) - mir war allerdings gestern nicht klar, welche Fassung das ist. Jetzt ist etwas Licht im Dunkel - danke!

Mich hat übrigens die Johannes-Passion beim ersten Mal Hören sehr angesprochen - der Eindruck war ein viel intensiverer als bei der Matthäuspassion.

Liebe Grüße
:wink:
Renate
Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!

Gurnemanz

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10

Mittwoch, 1. Februar 2012, 08:50

Die Johannes-Passion habe ich vor langer Zeit kennengelernt ebenfalls mit Philippe Herreweghe, allerdings in einer anderen Aufnahme, mit, glaube ich, der ersten Fassung (1724):



Liegt mir gerade nicht vor; Näheres gern auf Nachfrage: jedenfalls habe ich diese Einspielung als recht eindringlich und überzeugend in Erinnerung. Günstig zu bekommen ist sie offensichtlich auch.

:wink:
Es grüßt Gurnemanz

---
-¿Se trata de una cita? -le pregunté.
-Seguramente. Ya no nos quedan más que citas. La lengua es un sistema de citas.

Jorge Luis Borges

Agravain

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11

Mittwoch, 1. Februar 2012, 08:52

mit Philippe Herreweghe, allerdings in einer anderen Aufnahme, mit, glaube ich, der ersten Fassung (1724)


Ita est!

Herreweghe schreibt im Booklet hierzu: "Wir haben uns aus zwei Gründen für die Fassung der Neuen-Bach-Ausgabe entschieden: Einerseits scheint uns die 1739 entstandene Partitur, deren erste zehn Seiten in Urschrift vorliegen, eindeutig darauf hinzuweisen, dass Bach selber der 1724 vorgegebenen Reihenfolge den Vorzug gab. Zum anderen sind wir der Ansicht, dass die in der zweiten und dritten Fassung fehlenden Arien musikalisch und dramatisch von übergeordnetem Interesse sind: Unvorstellbar, auf das Arioso 'Betrachte meine Seel' und auf die Arie 'Zerfließe, mein Herze' zu verzichten!"


:wink: Agravain
Was ein richtiger Musiker sein will, der muß auch eine Speisekarte komponieren können. (Richard Strauss)

12

Mittwoch, 1. Februar 2012, 12:13




Bevor man sich die Einzelausgabe der Richter-Aufnahme auf CD kauft, würde ich eher dazu raten, noch ein paar schöne Bilder dazuzunehmen:



Es ist eine Verfilmung der Passion vor dem Hintergrund der Richter-Aufnahme als soundtrack. Evangelist Haefliger ist als Schauspieler selbst an dem Film beteiligt und spricht teilweise noch in seine eigene Aufnahme rein. Das ganze findet im Dom zu Speyer statt und wird unter anderem mit Tanz in Szene gesetzt. Ist aber keine reine Tanz-Inszenierung. Einige Bilder des Regiesseurs Niebeling wirken auf mich etwas riefenstahlesk, aber es ist auszuhalten. Eine gewisse "Rahmenhandlung" (der Schauspieler des Christus identifiziert sich zunehmend mit seiner Rolle) erinnert an den Film "Jesus von Montreal".
"Das Problem mit Zitaten im Internet ist, dass es oft schwierig ist nachzuweisen, ob sie echt sind oder nicht" Abraham Lincoln

13

Mittwoch, 1. Februar 2012, 17:52

Evangelist Haefliger ist als Schauspieler selbst an dem Film beteiligt und spricht teilweise noch in seine eigene Aufnahme rein.

Wenn ich die Ausführungen des beigefügten Interviews mit Niebeling (Pdf-Datei) richtig in Erinnerung habe, singen Haeflinger und Engen ihre Parts im Original, d.h. sie "agieren" nicht nur zur Hintergrundmusik (korrigiere mich nur, wenn ich mich täusche). Im übrigen teile ich Deine Begeisterung für diese Produktion voll und ganz, was ich, glaube ich, nun mindestens schon drei oder vier mal mitgeteilt habe.

14

Mittwoch, 1. Februar 2012, 18:01

riefenstahlesk

Interessante Wortschöpfung, die ich allerdings vor dem mir bekannten Hintergrund ihrer Parteitagsfilme, Olympiafilme (Teil 1 und 2) und einiger Bergfilme nicht ganz nachvollziehen kann.

15

Mittwoch, 1. Februar 2012, 22:04

ich war einige Jahre glühender Anhänger von dem Niebeling-Film (bin es vielleicht noch immer). Doch fand ich einige Szenen zunehmend ... ungut. Ich warte, bis mir endlich die DVD zugestellt wird und dann kann man ja in einem eigenen thread über diesen sehenswerten Film diskutieren.

:wink:
"Das Problem mit Zitaten im Internet ist, dass es oft schwierig ist nachzuweisen, ob sie echt sind oder nicht" Abraham Lincoln

16

Donnerstag, 2. Februar 2012, 07:33

Ich habe mir den Film auch bestellt und bin nun schon sehr neugierig...

:wink:
Renate
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Agravain

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17

Mittwoch, 8. Februar 2012, 10:33



Sir Peter Pears (Evangelist), Hans Hotter (Jesus)
Elisabeth Grümmer, Marga Höffgen, John van Kesteren, Keith Engen
Chor und Symphonieorchester des Baywerischen Rundfunks
Eugen Jochum

Bach liebe er eigentlich noch mehr als Bruckner, hat Eugen Jochum einmal in einem Interview mit der britischen Musikzeitschrift Gramophone gesagt. Tatsächlich hat er in seiner langen Karriere ausgesprochen oft die beiden Passionen und die h-moll-Messe dirigiert. Ein Mittschnitt einer Aufführung der "Johannes-Passion" vom 01. April 1960, dem letzten Jahr Jochums als Chef des Symphonieorchesters des Bayerischen Rundfunks, ist 2011 bei Andromeda erschienen.

Der Mittschnitt verdeutlicht, dass Jochums Auffassung des Werkes - wie seine Bach-Auffassung insgesamt - über die Jahre einigermaßen konstant geblieben ist. Die spätere Aufnahme bei Philips aus dem Jahre 1967 zeichnet ein ziemlich identisches Bild von Bachs kleinerer Passion. Breite Tempi, und zwar sowohl in vielen Rezitativen als auch in den (meisten) Arien, Chören und Chorälen. Bisweilen liegt die Wahl der Tempi am Rande des noch sinnvoll Machbaren (ganz besonders deutlich in der sich kaum vorwärts bewegenden Tenor-Arie "Ach, mein Sinn Sinn" oder in dem Choral "Ach, großer König"). Dies führt dazu, dass der vorwärtsdrängende Charakter dieser Passion, der dramatischeren, kaum noch zu erkennen ist. Ich habe es irgendwo anders schon einmal geschrieben, aber mich erinnert das von Jochum gezeichnete Bild der Passionsgeschichte stets an meinen Besuch der Passionsspiele Oberammergau oder an George Stevens' üppige filmische Umsetzung der Passionsgeschichte.

Die Riege der Ausführenden beeindruckt zunächst, wobei ich mich mit Pears als Evangelist so wenig anfreunden kann wie mit Hotter, der mir aus heutiger Perspektive viel zu dick und schwerfällig klingt. Pears hingegen empfinde ich als etwas sehr knödelig. Beide interpretieren - ganz dem Stile der Gesamtanlage Jochums folgend - mit einer ausgesprochen großen Dosis Pathos, die mich hier nicht so recht bewegen will. Auch Keith Engen, den ich auch bei Richter als Schwachstelle empfinde, trägt recht dick auf. John van Kersteren singt (meist) recht kultiviert, seine helle and sich leicht geführte Stimme eignet sich grundsätzlich gut für Bach. Auch Marga Höffgen, die ein insgesamt sehr inniges "Es ist vollbracht" singt (soweit das bei Jochums hier wieder sehr zerdehntem Tempo eben geht) und Elisabeth Grümmer (mit einer sehr ordentlichen Wiedergabe der Arie "Zerfließe, mein Herze" - meines Erachtens eine schwersten Bachs) - finde ich überzeugend. Chor & Orchester gefallen mir durchweg gut.

:wink: Agravain
Was ein richtiger Musiker sein will, der muß auch eine Speisekarte komponieren können. (Richard Strauss)

18

Mittwoch, 8. Februar 2012, 17:31

Ich habe mir den Film auch bestellt und bin nun schon sehr neugierig...

:wink:
Renate

Und? Schon eingetroffen? Dein Eindruck?

Viele Grüsse

19

Donnerstag, 9. Februar 2012, 07:46

Eingetroffen gestern, aber leider fehlt mir im Moment die Zeit, ihn anzusehen. Ich fürchte, das wird erst nächste Woche möglich sein. :cry: Aber ich werde Euch meine Eindrücke nicht vorenthalten...


:wink:
Renate
Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!

20

Sonntag, 12. Februar 2012, 17:55

Ich hab meine diesjährigen Passionsspiele mit der Bachschen Johannes-Passion begonnen, die mir ungleich näher steht als ihre große Schwester. Zunächst hab ich eine 2011 veröffentlichte (mir) neue Einspielung des Ricercar Consorts gehört, die ich gestern erworben hab:



J. S. Bach: Passio secundum Johannem, BWV 245
Hans-Jörg Mammel (Evangelist), Matthias Vierweg (Jesus), Maria Keohane (Sopran), Helena Ek (Sopran), Carlos Mena (Alt), Jan Börner (Alt), Jan Kobow (Tenor), Stephan MacLeod (Bass), Ricercar Consort, Leitung: Philippe Pierlot

Gegeben wird die 1724er Version mit einigen kleinen Veränderungen (hinzugefügt wurde die Bass-Arie »Himmel reisse, Welt erbebe« aus der 1725er Fassung und der Schlusschoral »Christe, du Lamm Gottes« aus der Kantata BWV 23, mit der offenbar 1725 die Aufführung der Passion beschlossen wurde).

Die Interperetation ist dezidiert dramatisch - der Evangelienbericht wird sehr zügig, die Dramatik der Handlung deutlich betonend und auch forcierend vorgetragen. So erscheinen die Arien und die Choräle tatsächlich wie explizit handlungsunterbrechende, das Geschehen geradezu stillstellend herausgehobene Reflexionen und Kommentare zum Geschehen. Die Besetzung ist sehr klein gewählt, der Chor solistisch besetzt, was der Wirkung der Turbae keinen, wirklich gar keinen Abbruch tut (für mein Empfinden jedenfalls nicht). Das Ricercar-Consert, mit dem ich höchste Erwartung verbinde, die bisher immer bestätigt worden sind, gibt auch hier wieder nicht den kleinsten Anlass zur Kritik. Eine großartige Aufnahme dieses Werks - die mich hoffen läßt, dass nächstens auch die Matthäus-Passion von diesem Ensemble aufgenommen wird.

:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Jetzt eine andere, ältere Einspielung (aus 1993), die ich sehr liebe:



Robin Doveton (Evangelist), David van Asch (Jesus), Kym Amps (Sopran), Janet Coxwell (Sopran), Angus Davidson (Alt), David Gould (Alt), Julian Podger (Tenor), Adian Peacock (Bass), The Scholars Baroque Ensemble, Leitung: David van Asch

Ebenfalls die 1724er Version, ebenfalls ein solistisch besetzer Chor, das Orchester noch kleiner besetzt als bei den Ricercars. Der Ausdruck ganz anders: Eine im Charakter sehr zurückgenommene, spirituelle, ja, liturgische Darbietung der Passion. Immer wieder toll!

:juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

21

Freitag, 17. Februar 2012, 03:02

Bei mir läuft zur Zeit:





John Mark Ainsley (t, Evangelist)
Stephen Richardson (bt, Jesus)
Catherine Bott (s)
Michael Chance (a)
Paul Agnew (t)
Stephen Varcoe (b, Pilatus)

King's College Choir, Cambridge
The Brandenburg Consort

Dirigent: Stephen Cleobury



1996 entstand diese Aufnahme, und wie die andere Passion , die ich eben gerade gehört habe, gibt es hier auch nicht viel auszusetzen. Es ist eine sehr gut gesungene und gespielte Interpretation, auf Durchhörbarkeit und Transparenz ausgelegt. Das Tempo ist wieder eher schneller (113 Minuten), aber nicht hetzend. Außerdem gibt es ein Appendix mit den Stücken von der 1725er Version.

Von dieser Einspielung gibt es auch ein Film. Bei der neuesten Veröffentlichung (untere Reihe) liegt auch eine DVD bei.


jd :wink:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


22

Montag, 20. Februar 2012, 01:42

Ein alter Klassiker:




Ferry Gruber (t, Evangelist)
Walter Berry (b, Jesus)
Gisela Rathauscher (s)
Elfriede Hofstätter (a)
Rudolf Kreuzberger (t)
Harold Buchsbaum (b)

Wiener Akademie Kammerchor
Wiener Symphoniker

Dirigent: Ferdinand Grossmann



Diese Aufnahme entstand 1950 und erschien mal bei Vox Records. Membran brachte sie 2004 zusammen mit dem Weihnachtsoratorium im Quadromania-Set heraus.

Der Chor wimmert erheblich. Ferry Gruber klingt nicht wie ein Tenor, sondern wie ein tiefer Alt (!). Elfriede Hofstätter singt unschön und mit viel Vibrato. Rudolf Kreuzberger klingt wie ein Kastrat in Tenorlage. Gisela Rathauscher klingt deutlich besser, wenn auch mit viel Vibrato. Harold Buchsbaum und Walter Berry können mit Würde punkten.

Das Orchester spielt solide im mittleren Tempo, manchmal etwas langsamer. Die Rezitative sind eher schneller musiziert. Handwerklich ist alles im grünen Bereich.

Die Aufnahme ist sehr direkt und vordergründig, sehr trocken abgenommen, aber trotz aller Frequenzgangbeschränkung sind die Details nachvollziehbar. Das Mastering ist gut gelungen, aber insgesamt klingt alles nach Schuhschachtel.

Ach ja: der Chor wimmert erheblich. Hatte ich das schon erwähnt? Die Sopranistinnen beherrschten ihr Vibrato jedenfalls sehr, sehr gut. :pfeif:


So richtig warm werde ich nicht damit. Das Tempo plätschert etwas dahin; alles wirkt etwas plump und bieder. Die Solisten sind um ihren Tiefenbereich gekappt worden, was sie wie Schwuchteln klingen läßt; vor allem Ferry Gruber ist ein echtes Problem, auch was seine Interpretation betrifft. Ich vermisse Leben in Grossmanns Interpretation; das klingt wie Bach für Bodo Bildungsbürger. Solides Handwerk, aber keine Tiefe dahinter.

Urteil: Naja...historisch halt... :shake:


jd :wink:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


23

Montag, 19. März 2012, 17:52

Drei jüdische Künstler haben die Arien der Johannes-Passion durch andere, meist alte Texte aus früheren Jahrhunderten ersetzt, hierein Artikel in der Zeit dazu. Ich finde das sehr interessant, eine Aufnahme mit diesen Texten würde ich mir sofort kaufen. Schade, dass man sie nicht im Zusammenhang mit dem Artikel vollständig nachlesen kann. Da die biblischen Zitate sich in den Rezitativen befinden, diese aber ebenso wenig angetastet wurden wie die Choräle, kann ich die Aufregung in Berlin nicht so recht verstehen. Ein interessantes künsterlisches Experiment ist es allemal - und mehr will es vermutlich auch nicht sein.

Gruß, Carola

24

Montag, 19. März 2012, 19:24

Ich kann die Aufregung auch nicht ganz verstehen. Allerdings verstehe ich tatsächlich die Pointe nicht, die antijudaistischen Evangeliumstexte zu belassen und stattdessen Arien umzudichten, die nur insofern problematisch sein könnten, dass sie nicht abrahamitisch sind, sondern genuin christlich.

Denn damit ändert man natürlich schon die ganze Pointe der Passion, die eben darin besteht, dass Rabbi Jesus der Christus ist., bzw. besteht eben eine Spannung hzu den belassenen Texten wie dem Eingangschor usw. So sinnvoll und spannend es sein kann, christlich sozialisierten den starken jüdischen Hintergrund vieler Stellen der Evangelien und jesuanischer Lehrstücke klar zu machen oder die Gemeinsamkeiten im gemeinsam anerkannten AT zu verdeutlichen, so eigentümlich finde ich es, genau da einzuhaken, wo eben der fundamentale Unterschied (jedenfalls zu der traditionellen christlichen Doktrin) vorliegt.
(Ein Kommentator weist zurecht darauf hin, dass ein Abkanzeln der Evangelientexte als "antisemitische Hetze" etwas sehr platt ist. Die Römer kommen keineswegs "gut" weg, nur halt besser als die "Jüden")

Interessanter als solche Umdichtungen fände ich bekannte christliche Musikwerke mit solchen aus der jüdischen Tradition gemeinsam aufzuführen. Bei alttestamentlichen Texten oder Stoffen wäre das sicher gut möglich, zB Psalmen, Lamentationes usw.
By nature a philosopher is not in genius and disposition half so different from a street porter, as a mastiff is from a greyhound.
Adam Smith

25

Montag, 19. März 2012, 19:48

Drei jüdische Künstler haben die Arien der Johannes-Passion durch andere, meist alte Texte aus früheren Jahrhunderten ersetzt, hierein Artikel in der Zeit dazu. Ich finde das sehr interessant, eine Aufnahme mit diesen Texten würde ich mir sofort kaufen. Schade, dass man sie nicht im Zusammenhang mit dem Artikel vollständig nachlesen kann. Da die biblischen Zitate sich in den Rezitativen befinden, diese aber ebenso wenig angetastet wurden wie die Choräle, kann ich die Aufregung in Berlin nicht so recht verstehen. Ein interessantes künsterlisches Experiment ist es allemal - und mehr will es vermutlich auch nicht sein.

Gruß, Carola

Ich finde das Projekt auch durchaus interessant und verstehe nicht ganz, warum man Eingriffe in ein gemeinfreies Werk als Sakrileg begreift. Andererseits wurde ich bei der Lektüre des Artikels dann doch an einigen Stellen etwas stutzig. So heißt es dort:

Zitat

So soll die Johannespassion jüdischen Hörern nähergebracht werden, auch Muslimen und Atheisten.

Bei den jüdischen Hörern kann ich diese Intention ja noch vollkommen nachvollziehen (immerhin berührt das Werk den Punkt der Entstehung des Christentums aus dem Judentum), bei den muslimischen Hörern evtl. auch noch (schließlich verehren diese Jesus als Propheten). Warum aber man Maßnahmen ergreifen muß, um eine Bach-Passion atheistischen Hörern nahezubringen, kapiere ich beim besten Willen nicht. Nun kenne ich Atheisten, die glühende Bach-Verehrer inklusive der Passionen sind, aber Nachhilfe durch Umdichtungen haben die bisher noch keine gebraucht - ihnen ist der christliche Inhalt der Werke schlicht egal, und sie erkennen den umfassenderen, überkonfessionellen Gehalt von Bachs Kreationen. Wenn das bei anderen nicht so ist, so kann ich ihnen auch nicht helfen. Man kommt ja auch nicht auf die Idee, einem Vegetarier die Wonnen eines Rindersteaks nahebringen zu wollen.

Zitat

[Über den evangelischen Theologen Peter von der Osten-Sacken:] Die Johannespassion unkommentiert stehen zu lassen, grenze an Antisemitismus. Ihm graust davor.

Das ist sein gutes Recht - allerdings bin ich etwas verwundert, da ich Herrn von der Osten-Sacken noch nie mit einer lautstarken Äußerung vernommen habe, wenn die Antisemiten von heute auf den Plan treten und Raketen auf Israel abfeuern oder ähnliche Nettigkeiten vollbringen. Davor graust es mir z. B. weitaus mehr als vor einer unkommentierten Johannes-Passion. But to each their own...

LG :wink:
"Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

26

Montag, 19. März 2012, 20:17

die antijudaistischen Evangeliumstexte


Seit wann sind die Evangelien "antijudaistisch"? :shake:

LG
Tamás
:wink:
"Vor dem Essen, nach dem Essen,

Biber hören nicht vergessen!"


Fugato

27

Montag, 19. März 2012, 21:43

Demnächst wird eine Kommission des Vatikans beauftragt, eine für Christen nicht anstößige Fassung des Korans zu erstellen ...

Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.

Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

28

Dienstag, 20. März 2012, 08:26

Bevor man sich die Einzelausgabe der Richter-Aufnahme auf CD kauft, würde ich eher dazu raten, noch ein paar schöne Bilder dazuzunehmen:

Das habe ich nun getan und mir den Film angesehen. Mein Eindruck ist ein bisschen zwiespältig. Die Umsetzung des Passionsgeschehens mit den hineingesprochenen Kommentaren der Schauspieler/Sänger hat mich sehr gefangen genommen. Auch die Choreografie fand ich beeindruckend. Dazu natürlich der wunderbare Schauplatz des Doms zu Speyer.

Was mir aber fast Bauchschmerzen gemacht hat, war die - von mir so empfundene- Überfrachtung durch die Gegenwartsebene. Das wirkte auf mich sehr hölzern und bemüht und wie ein Fremdkörper. Schade - denn das hat mich sehr gestört.

Als "riefenstahlesk" habe ich den Film auch nicht empfunden. Mich beeindruckten die archaisch anmutenden Szenen und manchmal fühlte ich mich in eine griechische Tragödie versetzt.

Ach ja - der Werbetext auf dem Cover der CD aus einer Rezension "Hugo Niebeling macht aus Bachs Johannes-Passion ein hinreißendes Musical" wurde nicht eingelöst, worüber ich sehr froh bin. :D

Und jetzt geht es weiter mit einer eingehenderen Beschäftigung mit meinen Passionsaufnahmen und am nächsten Samstag höre ich sie zum ersten Mal live. :rolleyes:



:wink:
Renate
Und der Himmel da oben, wie ist er so weit!

29

Dienstag, 20. März 2012, 09:01

die antijudaistischen Evangeliumstexte


Seit wann sind die Evangelien "antijudaistisch"? :shake:


Ob die Evangelien an sich und als solche antijudaistisch sind, weiß ich nicht. Für die drei synoptischen Texte sind dezidiert antijudaistische Wendungen eher marginal. Dass aber das erst später (wohl deutlich nach 100 u. Z.) entstandene, von einer Auseinandersetzung mit der Gnosis und einer reflexiven Nähe zu ihr beeinflusste Johannes-Evangelium explizit antijudaistische Tendenzen zeigt (die naklar historisch verortbar und damit auch erklärbar ist), ist in der Theologie wie in der Religionswissenschaft inzwischen jedenfalls ziemlich unstrittig.

Adieu,
Algabal
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30

Dienstag, 20. März 2012, 09:36


Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.


Das kann man sicher so lesen. Vielleicht ist es aber auch der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Werk, die zugleich sowohl die Geschichtlichkeit des Werks wie auch die Geschichtlichkeit von Rezeptionsdispositiven parallel zu reflektieren sucht. Das wäre eine durchaus legitime Auseinandersetzung mit der Vorlage - wobei die Halbwertszeit der Anschlussfähigkeit dieser »Intrepretation«/»Neuschöpfung« sicherlich arg begrenzt ist.

Adieu,
Algabal
»Dieser Austausch, den wir hier betreiben, ist nichts anderes als ein soziales Spiel.« (Knulp)

31

Dienstag, 20. März 2012, 09:55

Es ging mir nur um die konkreten in dem Artikel erwähnten Textstellen aus den Passionen, nicht um die Evangelien (nicht mal das 4.) als Ganze. Die Darstellung Pilati als eines unsicheren Feiglings, der von den Juden (sowohl den "Hohenpriestern und Schriftgelehrten" als auch dem geifernden Pöbel) dazu gebracht wird, jemanden, den er als unschuldig erkannt hat, hinrichten zu lassen, obwohl er mit etlichen Tricks versucht, das zu vermeiden, ist mit hoher Wahrscheinlichkeit historisch unhaltbar.
Nach dem was man aus anderen Quellen weiß, war Pilatus vielleicht feige und unfähig, aber auch außerordentlich grausam (er wurde wegen Korruption und Grausamkeit abgesetzt!), insofern kommen "die Römer" tatsächlich zu gut weg. Inwiefern sich die Animosität, die die religiöse jüdische Führungsschicht gegen den Nazarener und seine Anhänger hegte, historisch rekonstruieren lässt, weiß ich nicht.
By nature a philosopher is not in genius and disposition half so different from a street porter, as a mastiff is from a greyhound.
Adam Smith

32

Dienstag, 20. März 2012, 09:57


Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.


Das kann man sicher so lesen. Vielleicht ist es aber auch der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Werk, die zugleich sowohl die Geschichtlichkeit des Werks wie auch die Geschichtlichkeit von Rezeptionsdispositiven parallel zu reflektieren sucht. Das wäre eine durchaus legitime Auseinandersetzung mit der Vorlage - wobei die Halbwertszeit der Anschlussfähigkeit dieser »Intrepretation«/»Neuschöpfung« sicherlich arg begrenzt ist.

Adieu,
Algabal


Wenn dem so wäre, nun gut ... aber: es handelt sich bei der Textierung der Passionen um eine beschränkte Anzahl von Wörtern, die gleichzeitig noch bestimmten musikalischen Anforderungen unterworfen sind. Da bezweifele ich die Möglichkeit einer solchen Reflexion. Das wird meine Vatikan-Kommission eher bei ihrer Neufassung von Voltaires "Pucelle" schaffen können, als eine Fassung der "Johannespassion" in gerechter Sprache. Vielleicht sollte man es so machen, wie die Briten bei der einen Rin-Tin-Tin-Ausgabe: mit Aufkleber verkaufen, der auf die gefährlichen Inhaltsstoffe hinweist.

Eine Ausgabe ad usum delphini kann ich auch durch ein entsprechendes Vorwort voller Reflexionen über die Kindgemäßheit von Stoff und Autor zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der Vargangenheit und der Gegenwart machen, ein wenig Equilibristik ...

Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

33

Dienstag, 20. März 2012, 10:09

Wenn dem so wäre, nun gut ... aber: es handelt sich bei der Textierung der Passionen um eine beschränkte Anzahl von Wörtern, die gleichzeitig noch bestimmten musikalischen Anforderungen unterworfen sind. Da bezweifele ich die Möglichkeit einer solchen Reflexion. Das wird meine Vatikan-Kommission eher bei ihrer Neufassung von Voltaires "Pucelle" schaffen können, als eine Fassung der "Johannespassion" in gerechter Sprache. Vielleicht sollte man es so machen, wie die Briten bei der einen Rin-Tin-Tin-Ausgabe: mit Aufkleber verkaufen, der auf die gefährlichen Inhaltsstoffe hinweist.

Eine Ausgabe ad usum delphini kann ich auch durch ein entsprechendes Vorwort voller Reflexionen über die Kindgemäßheit von Stoff und Autor zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der Vargangenheit und der Gegenwart machen, ein wenig Equilibristik ...

Liebe Grüße Peter


Ich hab ja nix über Sinn und Unsinn oder gar über das Gelingen (darüber kann ich auch nichts sagen, weil ich es nicht kenne) des Projekts gesagt bzw. sagen wollen. Wenn der Anspruch darin bestünde, eine »Textfassung« für die Bachsche Johannes-Passion zu schaffen, die den Standards gegenwärtiger PC entspricht (das würde übrigens keineswegs mit dem Anliegen der BigS korrespondieren - da geht's nämlich gar nicht zuvorderst um PC), wäre das Projekt bereits in seiner Grundkonzeption ziemlich fragwürdig - um nicht zu sagen: idiotisch. Wenn es aber darum ginge, beispielsweise mitzureflektieren, wie in der Geschichte etwa antijudaistische Wendungen gerade aus dem Johannes-Evangelium als legitimatorische Setzungen für antijüdische Maßnahmen verwendet worden sind und zudem letztlich (das scheint mir im Rückgriff auf Celan-Texte durchzuscheinen) auch die Shoah als Fluchtpunkt antijudaitischer Diskurse und Praktiken assoziiert werden soll, dann wäre die Konzeption schon ein bissel avancierter und vielleicht sogar ganz interessant.

Dass das dann naklar ein anderes Werk wäre als die Bachsche Johannes-Passion und mit letzterer nur noch die Musik und den »Erzähltext« gemein hätte, da sind wir uns wohl schnell einig.

Adieu,
Algabal
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34

Dienstag, 20. März 2012, 10:51

Wir sind uns sicher auch einig über die Kritikwürdigkeit des historischen Textes. Da kann aber nur der Bibeltext gemeint sein, die Textbücher der Passionen sind nur das Derivat. Meine Skepsis bezieht sich darauf, dass man die Einheit eines in sch schon provozierenden Kunstwerks aufbricht. Wenn man etwa Celan Texte vor oder nach oder auch während der Aufführung der Passion rezitierte, so sähe ich das als ein interssantes, wenn es denn gelingt, sogar für uns heute notwendiges Experiment an.

Meine Frage: sieht man die Johannespassion als quasi liturgischen Text, den man zu einer gemäßeren liturgischen Funktion führen will? Geht es um Gottesdienst - um es zugespitzt zu fragen - oder um Kunst?

Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

35

Mittwoch, 21. März 2012, 13:03

Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.
Das sehe ich ganz ähnlich. Hier wird der HIP-Anspruch über Bord geworfen zugunsten einer "freundlicheren" Sichtweise auf ein Werk. Im Grunde kann man das als Zensur bezeichnen. Ich habe Verständnis für die Bedenken der drei Bearbeiter, aber ihre Vorgehensweise halte ich für mißverständlich.

Das kann man sicher so lesen. Vielleicht ist es aber auch der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Werk, die zugleich sowohl die Geschichtlichkeit des Werks wie auch die Geschichtlichkeit von Rezeptionsdispositiven parallel zu reflektieren sucht. Das wäre eine durchaus legitime Auseinandersetzung mit der Vorlage - wobei die Halbwertszeit der Anschlussfähigkeit dieser »Intrepretation«/»Neuschöpfung« sicherlich arg begrenzt ist.
Diese "Begrenzung" ist das Hauptproblem, wie ich finde: inzwischen sollte doch klar sein, daß es nicht viel bringt, in Werken herumzueditieren, wenn es nur darum geht, eine verquere Sichtweise aus der Welt zu schaffen. Mir ist die integrale Struktur von einem Film wie "The Birth Of A Nation" wichtiger als die Tatsache, daß er in der zweiten Hälfte arg "rassistisch" wird (und der Film kann wirklich verstörend sein in dieser Hinsicht).

So möchte ich auch die Johannes-Passion hören - als Kunstwerk, welches zu einer bestimmten Zeit entstand, mit all seinen Vor- und Nachteilen. Falls etwas besonders hervorgehoben werden soll, kann man es in einem besonderen Ablaufprogramm für die Veranstaltung integrieren, aber nicht das Werk selber deswegen verändern.

Wenn dem so wäre, nun gut ... aber: es handelt sich bei der Textierung der Passionen um eine beschränkte Anzahl von Wörtern, die gleichzeitig noch bestimmten musikalischen Anforderungen unterworfen sind. Da bezweifele ich die Möglichkeit einer solchen Reflexion. [...]
Genau das ist der Grund, warum ich es für unsinnig halte, das Werk selbst zu verändern.

Bei den jüdischen Hörern kann ich diese Intention ja noch vollkommen nachvollziehen (immerhin berührt das Werk den Punkt der Entstehung des Christentums aus dem Judentum), bei den muslimischen Hörern evtl. auch noch (schließlich verehren diese Jesus als Propheten). Warum aber man Maßnahmen ergreifen muß, um eine Bach-Passion atheistischen Hörern nahezubringen, kapiere ich beim besten Willen nicht. Nun kenne ich Atheisten, die glühende Bach-Verehrer inklusive der Passionen sind, aber Nachhilfe durch Umdichtungen haben die bisher noch keine gebraucht - ihnen ist der christliche Inhalt der Werke schlicht egal, und sie erkennen den umfassenderen, überkonfessionellen Gehalt von Bachs Kreationen. [...]
Daß eine Bach-Passion einer bestimmten Hörgemeinde angepaßt werden muß, ist doch heutzutage gar nicht mehr so bedeutsam. Man kann sich zwischen 200 Aufnahmen aus achtzig Jahren entscheiden, man kann die Texte in Internet lesen, man kann Aufführungen in jeder größeren Stadt beiwohnen, es gibt auch DVDs und Bücher, die diese Werke in jeder Hinsicht analysieren.

Gut: soll man sich jetzt an einer einzigen Bearbeitung stören? Natürlich nicht, aber wieso muß eine Anpassung für die jüdische Kommune angefertigt werden? Wieso muß etwas verändert werden? Um etwas bewußt zu machen? Wäre ein guter Grund, ohne Frage. Doch bleibt der Einwand bestehen: Weshalb auf diese Art und Weise?


jd
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


36

Dienstag, 3. April 2012, 15:04

Gestern abend hörte ich mir meine neueste Errungenschaft in Sachen Bach an:





Eine solistische Interpretation, die eher auf Verinnerlichung hinausläuft als auf äußerliche Festivität. Prégardien und van der Kamp sind ausgezeichnet, Jacobs passabel (klasse Technik, aber sein Klang gefällt mir hier nicht so sehr), die anderen sehr gut. Das b.c. ist luftig und transparent. Der Chor nicht übergroß, aber präsent. Ich bin begeistert... 8o


jd :wink:
"Interpretation ist mein Gemüse."
Hudebux


Lionel

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37

Dienstag, 3. April 2012, 20:07

Gestern Abend hörte ich mir diese Aufnahme an:


(AD: 17. - 20. April 2011, Akadamiesaal, St. Truiden, Belgien)

Solisten: Gerlinde Sämann (Sopran), Petra Noskaiová (Alt), Christoph Genz (Tenor, Evangelist), Jens Hamann (Bass, Jesus)
Ripieni: Marie Kuijken (Sopran), Patrizia Hardt (Alt), Knut Schoch (Tenor), Walter Testolin (Bass)
La Petite Bande: 13 Instrumentalisten (Violinen, Gamba, Viola d'amore, Viola, Basse de Violin, 2 Flöten, 2 Oboen, Orgel und Laute)

Diese Aufnahme hinterließ bei mir einen etwas zwiespältigen Eindruck, was auch daran liegt, dass Kuijken mit seinen jüngsten Aufnahmen in solistischer Besetzung von Bachs Werken (Matthäus-Passion, h-moll Messe, Kantaten) die Messlatte sehr hoch gehängt hat. Begründen kann ich das gar nicht mal so genau, vielleicht liegt es an den meiner Meinung nach recht intim-zurückhaltenden Interpretationsansatz, den Kuijken hier wählte und für mich ist die Johannes-Passion im Vergleich zur Matthäus-Passion das expressivere-dramatischer gestaltete Passionswerk und das vermisse ich etwas in Kuijkens Neuaufnahme.

Auf der anderen Seite ist das aber "Jammern auf höchstem Niveau", weil die Sängerleistungen sind hervorragend, was auch daran liegt, dass Kuijken auf die bereits in den anderen solistisch Besetztungen bewährten Sänger wieder zurückgreifen konnte. Das klingt alles wunderbar homogen und sehr transparent. Christoph Genz als Evangelist ist sehr gut und Gerlinde Sämann Gestaltung der Arie "Zerfließe, mein Herze" gehört zum Schönsten, was ich gehört habe. Auch die anderen Arien halte ich für sehr gelungen und ein Musterbeispiel dafür, wie schön solistische Chorbesetzungen klingen können, ist der Schlusschor "Ruht wohl, ihr heiligen Gebeine".

Mein persönliches Fazit:
Insgesamt eine Aufnahme, die natürlich auf höchstem Niveau ist und die sehr viele starke und auch berührende Momente hat aber nicht ganz die Geschlossenheit von Kuijkens Aufnahme der Matthäus-Passion erreicht. Dennoch stellt diese Aufnahme für mich eine Bereicherung meiner "Johannes-Passion-Diskographie" dar.

Lionel

38

Mittwoch, 4. April 2012, 11:20

Wir sind uns sicher auch einig über die Kritikwürdigkeit des historischen Textes. Da kann aber nur der Bibeltext gemeint sein, die Textbücher der Passionen sind nur das Derivat. Meine Skepsis bezieht sich darauf, dass man die Einheit eines in sch schon provozierenden Kunstwerks aufbricht. Wenn man etwa Celan Texte vor oder nach oder auch während der Aufführung der Passion rezitierte, so sähe ich das als ein interssantes, wenn es denn gelingt, sogar für uns heute notwendiges Experiment an.


Das sehe ich eigentlich ebenso. Eigentlich. Aber selbstverständlich ist es legitim, ein gemeinfreies Werk neu zu textieren. Und natürlich ist hier auch Bach nicht sakrosankt. Als Experiment oder als eigenständiges Kunstwerk mag das sogar hochinteressant sein. Soweit die eine Seite. Ob so etwas im Ergebnis gut oder schlecht ist, ist wieder eine ganz andere Frage. Ich glaube allerdings, die Aufregung um die fragliche Bearbeitung resultiert weniger aus prinzipiellen kunstästhetischen oder gar religiösen Bedenken heraus (der Evangeliumstext blieb ja unangetastet), als vielmehr aus dem Umstand, daß Bach im allgemeinen und die Johannespassion hier im besonderen vermutlich tatsächlich als sakrosankt angesehen wird. Als Claus Gluth vor einigen Jahren in Wien Händels Messias szenisch kommentierte, waren die Kommentare jedenfalls nicht so überwiegend ablehnend...

Die andere Seite betrifft die Frage, um was es "im Fall Jesus" eigentlich geht. Doch wohl um die Reaktion der religiösen Orthodoxie auf eine Person, die ihr mit der von ihr verbreiteten Meinung unbequem, schlimmstenfalls gefährlichen werden kann. Und es geht um die Mobilisierung von willfährigem Mob durch eben jenes religiöse Establishment (das auch ein politisches sein könnte!) zur Durchseztzung seiner Interessen. Und es geht um politischen Opportunismus. Eigentlich ein hochaktueller Plot, nicht nur im Nahen und Mittleren Osten (war er jemals weniger aktuell?) Eigentlich erschreckend: Man könnte sich so eine Geschichte auch heute ohne Mühe vorstellen. Schlimmer: Sie findet täglich statt. Diesen Aspekt herauszustreichen wäre vielleicht mal ein durchaus lohnendes Unterfangen.
viele Grüße

Bustopher


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39

Mittwoch, 4. April 2012, 11:36

Ich glaube allerdings, die Aufregung um die fragliche Bearbeitung resultiert weniger aus prinzipiellen kunstästhetischen oder gar religiösen Bedenken heraus (der Evangeliumstext blieb ja unangetastet), als vielmehr aus dem Umstand, daß Bach im allgemeinen und die Johannespassion hier im besonderen vermutlich tatsächlich als sakrosankt angesehen wird. Als Claus Gluth vor einigen Jahren in Wien Händels Messias szenisch kommentierte, waren die Kommentare jedenfalls nicht so überwiegend ablehnend...


Ein "szenischer Kommentar" bzw. eine Inszenierung eines nichtszenischen Vokalwerks ist aber auch etwas anderes als eine teilweise Umtextierung. Inszenierungen der Bach'schen Passionen hat es mehrfach gegeben, u.a. von Robert Wilson und Peter Sellars.


Viele Grüße

Bernd
Details are always welcome. (Vladimir Nabokov)

40

Mittwoch, 4. April 2012, 11:54

Ich glaube allerdings, die Aufregung um die fragliche Bearbeitung resultiert weniger aus prinzipiellen kunstästhetischen oder gar religiösen Bedenken heraus (der Evangeliumstext blieb ja unangetastet), als vielmehr aus dem Umstand, daß Bach im allgemeinen und die Johannespassion hier im besonderen vermutlich tatsächlich als sakrosankt angesehen wird.



Ein "szenischer Kommentar" bzw. eine Inszenierung eines nichtszenischen Vokalwerks ist aber auch etwas anderes als eine teilweise Umtextierung.


Klar, eine Umtextierung ist immer problematisch. Mit den Arien geht das aber noch am ehesten, da sie erstens nicht biblisch sind und zweitens auch schon im Original eine subjektive, reflektierende Ebene in das Werk bringen. Wenn man diese subjektive Ebene durch fremde Texte erneuert, kann eine interessante Binnenspannung entstehen. Ob das hier gelungen ist, könnte man allerdings erst beurteilen, wenn man zumindest den gesamten Text in Erfahrung bringen könnte. Wie es dann klingt ist dann immer noch die zweite Frage.

Als "sakrosant" wird die Johannes-Passion im vorliegenden Fall doch gerade nicht angesehen. Jedenfalls nicht von der Evangelischen Kirche. Peter von der Osten-Sacken, der das Projekt ausdrücklich befürwortet und offenbar auch begleitet, ist Professor der Theologie und war bis vor wenigen Jahren Leiter des Instituts für Kirche und Judentum. Ich gehe daher davon aus, dass von "offizieller" Kirchenseite gegen das Projekt keine Einwände bestehen. Ob allerdings jedes Gemeindemitglied damit einverstanden ist, ist eine andere Frage.

Gruß, Carola

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