





Agravain
und mir die Einspielung mit der Gächinger Kantorei und dem Bach-Collegium Stuttgart aufzulegen.
:


Da der Eingangschor eines der beeindruckendsten Stücke ist, solltest Du jedenfalls eine Aufnahme der üblichen Fassung anschaffen.

Agravain
Die Güttler-Einspielung hast Du ja schon im Eingangsbeitrag favorisiert (wieso, weshalb, warum habe ich gelesen
) - mir war allerdings gestern nicht klar, welche Fassung das ist. Jetzt ist etwas Licht im Dunkel - danke!

mit Philippe Herreweghe, allerdings in einer anderen Aufnahme, mit, glaube ich, der ersten Fassung (1724)
Agravain 
Evangelist Haefliger ist als Schauspieler selbst an dem Film beteiligt und spricht teilweise noch in seine eigene Aufnahme rein.

Agravain
Aber ich werde Euch meine Eindrücke nicht vorenthalten...








Drei jüdische Künstler haben die Arien der Johannes-Passion durch andere, meist alte Texte aus früheren Jahrhunderten ersetzt, hierein Artikel in der Zeit dazu. Ich finde das sehr interessant, eine Aufnahme mit diesen Texten würde ich mir sofort kaufen. Schade, dass man sie nicht im Zusammenhang mit dem Artikel vollständig nachlesen kann. Da die biblischen Zitate sich in den Rezitativen befinden, diese aber ebenso wenig angetastet wurden wie die Choräle, kann ich die Aufregung in Berlin nicht so recht verstehen. Ein interessantes künsterlisches Experiment ist es allemal - und mehr will es vermutlich auch nicht sein.
Gruß, Carola
Zitat
So soll die Johannespassion jüdischen Hörern nähergebracht werden, auch Muslimen und Atheisten.
Zitat
[Über den evangelischen Theologen Peter von der Osten-Sacken:] Die Johannespassion unkommentiert stehen zu lassen, grenze an Antisemitismus. Ihm graust davor.
die antijudaistischen Evangeliumstexte
Bevor man sich die Einzelausgabe der Richter-Aufnahme auf CD kauft, würde ich eher dazu raten, noch ein paar schöne Bilder dazuzunehmen:

die antijudaistischen Evangeliumstexte
Seit wann sind die Evangelien "antijudaistisch"?![]()
Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.
Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.
Das kann man sicher so lesen. Vielleicht ist es aber auch der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Werk, die zugleich sowohl die Geschichtlichkeit des Werks wie auch die Geschichtlichkeit von Rezeptionsdispositiven parallel zu reflektieren sucht. Das wäre eine durchaus legitime Auseinandersetzung mit der Vorlage - wobei die Halbwertszeit der Anschlussfähigkeit dieser »Intrepretation«/»Neuschöpfung« sicherlich arg begrenzt ist.
Adieu,
Algabal
Wenn dem so wäre, nun gut ... aber: es handelt sich bei der Textierung der Passionen um eine beschränkte Anzahl von Wörtern, die gleichzeitig noch bestimmten musikalischen Anforderungen unterworfen sind. Da bezweifele ich die Möglichkeit einer solchen Reflexion. Das wird meine Vatikan-Kommission eher bei ihrer Neufassung von Voltaires "Pucelle" schaffen können, als eine Fassung der "Johannespassion" in gerechter Sprache. Vielleicht sollte man es so machen, wie die Briten bei der einen Rin-Tin-Tin-Ausgabe: mit Aufkleber verkaufen, der auf die gefährlichen Inhaltsstoffe hinweist.
Eine Ausgabe ad usum delphini kann ich auch durch ein entsprechendes Vorwort voller Reflexionen über die Kindgemäßheit von Stoff und Autor zu einem Ort der Auseinandersetzung mit der Vargangenheit und der Gegenwart machen, ein wenig Equilibristik ...
Liebe Grüße Peter
Das sehe ich ganz ähnlich. Hier wird der HIP-Anspruch über Bord geworfen zugunsten einer "freundlicheren" Sichtweise auf ein Werk. Im Grunde kann man das als Zensur bezeichnen. Ich habe Verständnis für die Bedenken der drei Bearbeiter, aber ihre Vorgehensweise halte ich für mißverständlich.Mir scheint es ein Unternehmen zu sein, das die Geschichtlichkeit des Textes der Johannespassion verleugnen will - ein Unterfangen, das ich ablehne. Wenn HIP gerade die (historisch bedingte) Fremdheit vermitteln will, ist dies ein Rückfall in viktorianische Editionen nach Art des Zeitgeistes.
Diese "Begrenzung" ist das Hauptproblem, wie ich finde: inzwischen sollte doch klar sein, daß es nicht viel bringt, in Werken herumzueditieren, wenn es nur darum geht, eine verquere Sichtweise aus der Welt zu schaffen. Mir ist die integrale Struktur von einem Film wie "The Birth Of A Nation" wichtiger als die Tatsache, daß er in der zweiten Hälfte arg "rassistisch" wird (und der Film kann wirklich verstörend sein in dieser Hinsicht).Das kann man sicher so lesen. Vielleicht ist es aber auch der Versuch einer Auseinandersetzung mit dem Werk, die zugleich sowohl die Geschichtlichkeit des Werks wie auch die Geschichtlichkeit von Rezeptionsdispositiven parallel zu reflektieren sucht. Das wäre eine durchaus legitime Auseinandersetzung mit der Vorlage - wobei die Halbwertszeit der Anschlussfähigkeit dieser »Intrepretation«/»Neuschöpfung« sicherlich arg begrenzt ist.
Genau das ist der Grund, warum ich es für unsinnig halte, das Werk selbst zu verändern.Wenn dem so wäre, nun gut ... aber: es handelt sich bei der Textierung der Passionen um eine beschränkte Anzahl von Wörtern, die gleichzeitig noch bestimmten musikalischen Anforderungen unterworfen sind. Da bezweifele ich die Möglichkeit einer solchen Reflexion. [...]
Daß eine Bach-Passion einer bestimmten Hörgemeinde angepaßt werden muß, ist doch heutzutage gar nicht mehr so bedeutsam. Man kann sich zwischen 200 Aufnahmen aus achtzig Jahren entscheiden, man kann die Texte in Internet lesen, man kann Aufführungen in jeder größeren Stadt beiwohnen, es gibt auch DVDs und Bücher, die diese Werke in jeder Hinsicht analysieren.Bei den jüdischen Hörern kann ich diese Intention ja noch vollkommen nachvollziehen (immerhin berührt das Werk den Punkt der Entstehung des Christentums aus dem Judentum), bei den muslimischen Hörern evtl. auch noch (schließlich verehren diese Jesus als Propheten). Warum aber man Maßnahmen ergreifen muß, um eine Bach-Passion atheistischen Hörern nahezubringen, kapiere ich beim besten Willen nicht. Nun kenne ich Atheisten, die glühende Bach-Verehrer inklusive der Passionen sind, aber Nachhilfe durch Umdichtungen haben die bisher noch keine gebraucht - ihnen ist der christliche Inhalt der Werke schlicht egal, und sie erkennen den umfassenderen, überkonfessionellen Gehalt von Bachs Kreationen. [...]


Wir sind uns sicher auch einig über die Kritikwürdigkeit des historischen Textes. Da kann aber nur der Bibeltext gemeint sein, die Textbücher der Passionen sind nur das Derivat. Meine Skepsis bezieht sich darauf, dass man die Einheit eines in sch schon provozierenden Kunstwerks aufbricht. Wenn man etwa Celan Texte vor oder nach oder auch während der Aufführung der Passion rezitierte, so sähe ich das als ein interssantes, wenn es denn gelingt, sogar für uns heute notwendiges Experiment an.
Ich glaube allerdings, die Aufregung um die fragliche Bearbeitung resultiert weniger aus prinzipiellen kunstästhetischen oder gar religiösen Bedenken heraus (der Evangeliumstext blieb ja unangetastet), als vielmehr aus dem Umstand, daß Bach im allgemeinen und die Johannespassion hier im besonderen vermutlich tatsächlich als sakrosankt angesehen wird. Als Claus Gluth vor einigen Jahren in Wien Händels Messias szenisch kommentierte, waren die Kommentare jedenfalls nicht so überwiegend ablehnend...
Klar, eine Umtextierung ist immer problematisch. Mit den Arien geht das aber noch am ehesten, da sie erstens nicht biblisch sind und zweitens auch schon im Original eine subjektive, reflektierende Ebene in das Werk bringen. Wenn man diese subjektive Ebene durch fremde Texte erneuert, kann eine interessante Binnenspannung entstehen. Ob das hier gelungen ist, könnte man allerdings erst beurteilen, wenn man zumindest den gesamten Text in Erfahrung bringen könnte. Wie es dann klingt ist dann immer noch die zweite Frage.Ich glaube allerdings, die Aufregung um die fragliche Bearbeitung resultiert weniger aus prinzipiellen kunstästhetischen oder gar religiösen Bedenken heraus (der Evangeliumstext blieb ja unangetastet), als vielmehr aus dem Umstand, daß Bach im allgemeinen und die Johannespassion hier im besonderen vermutlich tatsächlich als sakrosankt angesehen wird.
Ein "szenischer Kommentar" bzw. eine Inszenierung eines nichtszenischen Vokalwerks ist aber auch etwas anderes als eine teilweise Umtextierung.
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