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Montag, 9. Mai 2011, 11:33

Mozart: Exsultate, jubilate KV 165

Am 17. Januar 1773 hat der Kastrat Venanzio Rauzzini Mozarts Exsultate, jubilate in der Mailänder Theatiner-Kirche uraufgeführt. Rauzzini hatte in Mozarts Lucio Silla als primo uomo geglänzt. Dass das geistliche Stück sehr nahe an der Oper gebaut war - und nicht zuletzt die Virtuosität des Solisten zeigen sollte, liegt nahe. Ein Kirchenwerk im Sinne des 19.Jahrhunderts war die Motette nicht, aber ihre Popularität blieb ungebrochen, nicht zuletzt bei den Sopranistinnen. Wenn man die Reihe der Einspielungen durchgeht, so findet man sicher auch solche, die dem auf Sensationen wartenden Opernfreund Zucker geben. Aber man findet eben auch Interpretationen wie die von Maria Stader unter Fricsay oder Emma Kirkby unter Christopher Hogwood, die kein Zirkusstück aus dem eben auch innigen Werk Mozarts machen.



aus der Brilliantbox bringt mit Annemarie Kremer unter Nicol Matt ein durchaus respektables Beispiel, wie man beides erfüllen kann: Virtuosität und Intensität

Maria Stader
Radio-Symphonie-Orchester Berlin
Ferenc Fricsay
1962


habe ich im Rahmen der kommentierten Anthologie "La gran musica". Da man nun bei Stader/Fricsay die Alternative zwischen zwei Einspielungen hat, bekenne ich, dass ich die frühere vorziehe. Klanglich hätte man sich mehr vorstellen können.

Auch



Janine Micheau, Sopran
Orchestre du Conservatoire de Paris
Ernest Ansermet

ist kein klangliches Wonnebad, aber das etwas trockene Dirigat Ansermets tut dem Stück ebenso wohl wie die unangestrengte Stimme von Janine Micheau.

Bei der folgenden Aufnahme



Hilde Gueden, Sopran
Wiener Philharmoniker
Alberto Erede

bin ich als erklärter Gueden-Fan befangen, aber es kommt noch Besseres



Emma Kirkby, Sopran
The Academy of Ancient Music
Christopher Hogwood

Ein historisches Instrumentarium ist mir hier sehr sympatisch, auch weil es Raum lässt für einen unpathetischen, das Filigrane bewunderswert herausarbeitende Vortrag.

Am Ende einer Reihe von Einspielungen der Mozartschen Motette Exsultate, jubilate, die ich gestern hörte,

stand die Einspielung unter Fricsay mit Maria Stader als Solistin, eine kostbare Beigabe der "Entführungs"-Box



Diese Einspielung ist von 1954.

Warum man von dieser wunderbaren Motette genug haben kann, leuchtet mir gerade nach der Reihe der Einspielungen, die ich heute verteilt über den Tag gehört habe, nicht ein. Aber die Geschmäcker sind bekanntlich unterschiedlich, deswegen ist es nur ein leises Staunen, das ich da empfinde. Für mich blühte die Motette von Mal zu Mal mehr auf, vor allem beieindruckten mich Stader und Kirkby, die interpretatorisch nicht gerade einander nahe stehen. Aber von dem etwas wuscheligen Anfang, wo sich der Jubel erst einmal in Töne finden muss über die weiten melismatischen Bögen der Allegro, der Innigkeit der Phrasierung im Andante zu dem einer namenlosen Freude, einem jubelnden Gestammel über den immer wiederholten Worten "Alleluja" spannen sich Dimensionen einer zärtlichen Freude, deren Universen keine Grenze mehr zu finden scheinen, am Ende in einen Himmel taumeln, den jemand erfährt, der eine Welt von Schmerzen hinter sich gelassen hat

tu consulare affectus
unde suspirat cor


Was das Besondere ausmacht: Es ist ein sehr menschlicher Jubel, der sich hier hören lässt, kein entfernter Platz, an dem er sich löst, sondern die Kunst Mozarts formuliert ihn in der Mitte der Lebens, durchaus eben auch in der Nähe der Konstanze. Dass man da doch noch an Rilke denkt

Denn das Schöne ist nichts
als des Schrecklichen Anfang, den wir noch grade ertragen,
und wir bewundern es so, weil es gelassen verschmäht,
uns zu zerstören.


ist das, was für mich Mozart ausmacht.

Ohne Bild übrigens die schöne Aufnahme, die ich mir für heute Morgen aus dem Regal zog:

Monika Frimmer, Sopran
Collegium Cartusianum
Peter Neumann
1990


Leider gibt es die beiden Boxen, die ich noch von EMI im Regal stehen habe, inzwischen nur mehr in einer (allerdings sehr preiswerten und ohne Frage empfehlenswerten) Box. Die Aufnahme reiht sich für mich in ihrer unprätensiösen Art unter die besten Einspielungen der Motette.

Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

2

Montag, 9. Mai 2011, 12:34

Ich habe zu dieser Motette ein besonderes Verhältnis und freue mich, dass sie einen eigenen Thread hat. Mein erstes Hörerlebnis war eine Aufnahme Elly Ameling, damals noch auf einer LP, die ich leider nicht mehr finde, und ich war hingerissen.
Dass Mozart das mit nur 16 Jahren komponiert hatte, wusste ich natürlich nicht, für mich war das ein Meisterwerk. ausdruck des Jubels, der Freude, ohne notwendigen religiösen Hintergrund , einfach , wie Peter ja auch sagt, menschlich. von Zuckerguss hab ich da nie irgendetwas gespürt(vielleicht ist nur das virginum corona ein bissel zu lang geraten) und zu simpel ist mir das, als Sängerin, schon gar nicht- im Gegenteil! Es handelt sich ja hier nciht um eine Symphonie oder ein orchesterstück sondern um eine Sängermotette mit Orchesterbegleitung- das sollte man bitte nicht aus dem Auge verlieren!
Was mich am meisten erstaunt, ist, dass ein 16jähriger solche Kenntnisse der Möglchkeiten einer gut ausgebildeten Sopranstimme mitbringt und dabei etwas komponiert, das- wie so manche seiner Konzertarien- nciht nur Turbo-Kastraten und Aloysias singen können. Diese Motette bleibt bei aller Virtuositât noch auf dem boden und hebt nicht in oberste Gefilde ab. Der wechsel zwischen jubelnder Agilitât und lyrischen Qualitâten (im Tu virginum corona) macht das ganze kurzweilig und belcantesk. Sehr beliebt ist das Alleluja, kurz knackig und jubilierend für alle Lebenslagen- ein reglerechter Evergreen und Superhit der Klassik und ein tolles Prüfungsstück noch dazu.
Selbst Sarah Brightman singt das Alleluja auf einer Cross over Cd und das nicht mal schlecht!
Nicht nur aus nostalgischen Gründen schwârme ich nach wie vorfür Elly Ameling- ihre Stimme klingt so jung, so frisch so klar und strahlend und dabei nie kûhl oder schneidend oder dünn. Die Tessitura kommt ihr zudem sehr entgegen und setzt sie ins beste Licht. Für sehr hohe Soprane gibt es dankbareres Repertoire als diese Motette, der erste Satz ist sogar eher mittlere Lage, aber Elly Ameling ist damit m.E. idealst bedient. Mir gefallen jedoch viele Einspielungen- Mozart schmeichelt ohnehin nicht wenigen Stimmen- er war einfach der ideale Sänger-Komponist! Was fûr ein Glûck, dass er dieses Werk geschrieben hat, für mich gehôrt das Alleluja zum Stammrepertoire. :fee:
Gracias a la vida!

oper337

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3

Montag, 9. Mai 2011, 13:29

Liebe Fairy! - Lieber Peter!

Diese Mottette hat es mir schon in meiner Jugend angetan, als ich sie selber sang, und ich liebe sie noch heute.

Emy Ameling - die Aufnahme müsste ich haben, wenn ich sie habe bekommst Du sie liebe Fairy, Maria Stader sang sie nicht mit der "geläufigen Gurgel" aber innig und schön, Hilde Güden, da bin ich leider zu befangen, mit ihr gefällt alles.

Mir persönlich hat gerade die Mittellage "Tu virginum corona, tu nobis pacem donum" besonders gefallen und es geht so schön zum jubelnden Alleluja weiter. Ein Meisterwerk ist es auf alle Fälle, zum Singen nicht ganz leicht, aber so traumhaft schön.

Liebe Grüße sendet Dir Peter aus Wien. :wink: :wink:

4

Montag, 9. Mai 2011, 13:51

Liebes Streiferl, dake fûr das liebenswürdige Angebot :kiss: , aber ich habe die Aufnahme auf einer 7Cd-Sammelbox von Elly Ameling, nur halt nicht mehr auf der alten LP, mit der ich sie als junges Mädel kennengelernt habe.
Das "Tu virginum corona tu nobis pacem dona" singt sich wunderbar; ich meinte eher den ersten Satz "Exsultate, jubilate, o vos animae beatae" den finde ich persönlich am Unangenehmsten. Aber jede Stimme tickt anders.
Im Momnt singe ich gerade eine Vivaldi-Motette mit Streicherensemble "O qui coeli terraeque serenitas" und frage mich, ob Mozart die wohl gekannt hat und zum Vorbild nahm oder ob das lediglich Komponistenkovention war. Der Aufbau ist sowas von ähnlich...... bis zum Alleluja am Ende! 8| ?(

:fee:
Gracias a la vida!

5

Montag, 9. Mai 2011, 14:07

Der Text, der zumeist gesungen wird (so steht er auch in meiner Partitur)

1. Exsultate, jubilate,
o vos animae beatae,
dulcia cantica canendo,
cantui vestro respondendo,
psallant aethera cum me.

2. Fulget amica dies, iam fugere et nubila et procellae;
exortus est justis inexspectata quies.
Undique obscura regnabat nox; surgite tandem laeti, qui timuistis adhuc,
et iucundi aurorae fortunatae
frondes dextera plena et lilia date.

3. Tu virginum corona,
tu nobis pacem dona,
tu consolare affectus,
unde suspirat cor.

4. Alleluja
Alleluja, alleluja…


Dagegen in der Matt-Einspielung

1. Exsultate, jubilate,
o vos animae beatae,
summa Trinitas revelatur
et ubique ad orator
date illi gloriam


2. Tandem ad venit hora,
qua Deum collimus in Spiritu
et veritate, et nomen illius magnum
in omni loco est.
Debitum iam illi sit sacrificium sed
ter Mariam Mariam accedamus in fide
ad fortem gratiae,
ad thronum misericordiae,
ut magis acceptabile
sit hoc obsequiem.


3. Tu virginum corona,
tu nobis pacem dona,
tu consolare affectus,
unde suspirat cor.

4. Alleluja
Alleluja, alleluja…


Liebe Grüße Peter
.
Was ist die Neunte Symphonie neben einem Gassenhauer, den ein Leierkasten und eine Erinnerung spielen!

(Karl Kraus)

lysiart

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6

Montag, 9. Mai 2011, 15:33

Nicht zu vergessen ist Margaret Price, die ich besonders schätze mit dieser Motette in einer Einspielung mit Konzertarien von Mozart mit dem English Chamber Orchestra unter James Lockhart. Fantastische Brillanz der Stimme. Einfach superb! (RCA LRL 1-5077)

:wink: lysiart
"Wenn die Sonne der Kultur niedrig steht, werfen auch Zwerge lange Schatten." (Karl Kraus)

7

Montag, 9. Mai 2011, 15:44

Von Ameling gibt es auch noch diese hier:



Sie ist aus der Reihe Britten the Performer von der BBC. Es ist die einzige Aufnahme des Werkes, die ich besitze und mir gefaellt sie sehr gut. Ist das die, die Du meinst Fairy?

Gruss,
Milton

8

Montag, 9. Mai 2011, 17:08

Meine allerliebste Aufnahme der Motette, die von meinen unbedarften Ohren sehr geschätzt wird ;+) , ist diese:




mit der wunderbaren Victoria de los Angeles, London Symphony Orchestra unter Sir Adrian Boult.
Gefolgt von Barbara Bonney mit dem Concentus musicus Wien unter Nikolaus Harnoncourt. Bei mir gekoppelt mit der Missa solemnis KV 139 "Waisenhausmesse".



Die dritte Aufnahme möchte ich auch nicht vergessen, obwohl ich sie selten höre.


Alle drei Cover sehen bei mir anders aus. Den Sängerinnen ist das wahrscheinlich egal.

calisto

9

Montag, 9. Mai 2011, 19:03

Der wechsel zwischen jubelnder Agilitât und lyrischen Qualitâten (im Tu virginum corona) macht das ganze kurzweilig und belcantesk. Sehr beliebt ist das Alleluja, kurz knackig und jubilierend für alle Lebenslagen- ein reglerechter Evergreen und Superhit der Klassik und ein tolles Prüfungsstück noch dazu.
Bei dieser Beschreibung denke ich sofort an Cecilia Bartoli und ihre beglückende Ausdeutung zusammen mit Ricardo Muti.

"http://www.youtube.com/watch?v=reQtmCBh-3A&feature=related"


Der YT-Clip ist wirklich sehr gelungen, weil Cecilia Bortoli es versteht die unterschiedlichen Gefühlslagen auch visuell nahezubringen (ganz große Kunst).

10

Dienstag, 10. Mai 2011, 07:43

Ist das die, die Du meinst Fairy?
Lieber Milton, nein das ist sie nicht- leider, denn diese Kombination scheint mir serh reizvoll! Das war eine LP mit Mozart-Werken, ich erinnere mich, dass auch ein Ave verum darauf war. Überhaupt eine meiner allerersten eigenen LPs als Teenager, ich kann sie unmöglich weggeworfen haben und finde sie evtl beim nâchsten umzug dann wieder.

Lieber Yukon, ich habe mir Bartolis Alleluja auf Youtube angesehen - irgendwas stimmt das gewaltig mit der Synchronität von Bild und Ton nicht und das fällt bei hrer extremen Expressivität dann doppelt ins Gewicht. Aber sie ist hinreissend wie fast immer, zumindest für die, die sie lieben, und das tue ich seit ihrer allerersten CD. wenn auch nicht ganz ohne Einschränkungen. Wenn ich sie so mit dem Alleluja höre, denke ich an Nancy Storace, von der Mozart zu Zeiten des Alleluja noch gar ncihts wusste, aber die vielleicht ein ähnliches Temperament wie die Bartoli hatte und die auch kein hoher Sopran war sondern ein "Zwischenfach". Ich weiss nicht wie es um ihre Agilitât bestellt war ( virtuose Koloraturen hat Mozart ja nicht gerade für sie geschrieben) aber sie hätte die Motette vielleicht auch singen können? Mozarts geistliche Werke sind imgrunde für Soprane jedweder Couleur zugänglich und was man dann am schönstnen fidnet, ist letztlich Geschmackssache. Ich mag das "Engelhafte" besonders gern, aber das ist nciht unbedingt den hohen und hellen Stimmen vorbehalten. Nachdem ich V. de los Angeles zum ersten Mal mit Händel gehört hatte, war sie für mich auch im geistlichen Fach kaum mehr zu toppen. :juhu: :juhu: :juhu:
Bartolis Timbre finde ich persönlich nicht so ganz passend, was aber ncihts daran ändert, dass sie die Motette hinreissend interpretieren kann. :fee:
Gracias a la vida!

Areios

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11

Dienstag, 10. Mai 2011, 09:04

Meine allerliebste Aufnahme der Motette, die von meinen unbedarften Ohren sehr geschätzt wird ;+) , ist diese:




mit der wunderbaren Victoria de los Angeles, London Symphony Orchestra unter Sir Adrian Boult.


Liebe Calisto,

da schließe ich mich an! :juhu: Die ganze CD ist übrigens wunderbar (mit Ausnahme vielleicht von den zwei Bacharien, die etwas unidiomatisch daherkommen), aber das "Exsultate jubilate" ist ein besonderes Highlight!

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

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