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Als aber ab den 1860er Jahren Suppés Ruhm als Archeget der Wiener Operette alle seine anderen Schaffensbereiche überschattete, wurde die Kritik plötzlich nicht müde, die geistlichen Werke Suppés als zu "operettig" und heiter zu verunglimpfen.
Was ist jetzt dran an den Vorwürfen der Operettenhaftigkeit?
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"Die lateinische Messe, angeblich von Jos. Haydn [sic!], von welcher das Kyrie beginnt: [folgt Incipit], darf in den hiesigen Kirchen nicht mehr zur Aufführung kommen, denn diese Komposition ist ein offenbarer Hohn auf den heiligen Text. Wasserburg, den 5ten Febr. 1860. Kath. Stadtpfarramt Wasserburg, Koenig, Stadtpfr. mp."
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...mit vollem (Opern- oder wollen wir lieber sagen Operetten-?) Orchester??? Doppelte Holzbläser, vier Hörner, zwei Trompeten, drei Posaunen, Pauken, Tamtam??? Tamtam!!! Pfui!!!
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Verschiedene Stilebenen prägen die Partitur: Traditioneller Kirchenstil wechselt mit melodischen Elementen, die der italienischen Oper sowie der Folklore Österreich-Ungarns verpflichtet sind.
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Dem "Dies irae", in dem traditionell die stärksten Klangeffekte entfaltet werden, verleiht Suppé seine Dramatik vor allem durch tonmalerische Orchestertremoli und -crescendi, die seine Erfahrung als Opernkomponist nicht verleugnen.
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[Ad "Recordare":] Zwischen Solo-Kantilenen psalmodiert der Chor in altertümlichen Quinten, später wird der vierstimmige kantable Satz der Solisten vom statisch rezitierenden Chor überlagert - eine Faktur, die der eines Opernensembles gleicht.
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[Ad "Hostias":] Der düster-mystische Tonfall geht eine reizvolle Mischung mit der bewegten Melodie im 12/8-Takt ein, die untergründig an einen Walzer erinnert.
- klingt ein bisschen gefährlich!) an einen Walzer erinnert? Was soll denn das sein?
Zweitens: Hätte man bei einem anderen Komponisten als Suppé bei einem 12/8-Takt geschrieben, dass man sich an einen Walzer erinnert fühlt? Wohl kaum. Takt, Tempo und Rhythmus erinnern, wenn schon, an eine Sicilienne - keine allzu seltene Erscheinung in Oratorien. Ein mit Operetten bekannt gewordener Komponist wie Suppé hats bei geistlicher Musik wirklich nicht leicht: komponiert er im 3/4-Takt, behauptet man, es sei ein Walzer; komponiert er im 4/4-Takt, spricht jeder von einem Marsch (auch der Harenberg-Chormusikführer in Bezug auf Introitus und Agnus Dei, von mir hier unzitiert), und komponiert er im 12/8-Takt, fühlt man sich trotzdem an einen Walzer erinnert.
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[Ad "Libera me":] Am Schluß entfaltet das "Dies irae" noch einmal fast opernhafte Dramatik.
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Während das Publikum der Uraufführung sich berührt zeigte, hinterließ das Requiem bei Aufführungen um die Jahrhundertwende keinen tieferen Eindruck. Von Puristen wurden die von der Oper inspirierten Stilelemente bemängelt, und im Neuen Wiener Journal vom 24. Dezember 1901 heißt es anläßlich einer Gedenkaufführung, daß man "jeden Augenblick erwarte [gemeint ist wohl: befürchte, Anm. v. Areios], der Komponist werde an den Pforten der Ewigkeit die Melodie seines "Fatinitza"-Marsches anstimmen."
P.S.: Passend zu einem Parallelthread: Auf das Konto von Edmond de Stoutz geht auch der Umstand, dass das Werk auf 2 CDs veröffentlicht werden musste - Gesamtdauer 84'57''. Michael Coboz auf der Alternativeinspielung braucht nur eine CD mit 66'10'' [!!!]. Allein daran mag man ermessen, wie unterschiedlich die Interpretationen sein dürften.
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