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Areios

uomo universale

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1

Montag, 18. Mai 2009, 22:30

MÍSIA - Die Stimme des modernen Fado

Liebe Cappricciosi!

Zu meinen Lieblingssängerinnen im nichtklassischen Bereich zählt die geniale Mísia, halb Katalanin, halb Portugiesin, die den traditionellen portugiesischen Fado gewissermaßen ins neue Jahrtausend geführt hat. Puristen mögen sie ächten, mir gefällt was sie macht: Sie verwendet "neue" Instrumente, wie Geige, Harfe, Akkordeon, die dem Fado nicht eigen waren; sie lässt von Dichtern literarisch hochwertige Texte schreiben; sie lässt junge Komponisten an Fado angelehnte Werke komponieren, verwendet aber auch die traditionellen Melodien. Und immer schwebt darüber ihre großartige herb-expressive Stimme.

Daneben singt sie auch an der Oper von Lissabon in Werken von Piazzolla und Weill, ist also fast ein Fall für ein Klassikforum... ;+)

Auf ihrem neuesten Album "Ruas" wildert sie auch in Welt- und Popmusik anderer Länder und singt querbeet alles, was ihr von der Grundhaltung "Fado-artig" zu sein scheint. Mir persönlich wäre zwar lieber gewesen, sie wäre beim Fado oder wenigstens Piazzolla und Weill geblieben, aber es ist sicher sowohl für sie als auch für ihr Publikum eine interessante Horizonterweiterung.

Liebe Grüße,
Areios

P.S.: Ich steh ja wahnsinnig auf Portugiesisch... eine der m. E. klanglich schönsten Sprachen, und ich bin fasziniert von der Einfalt der Syntax, wenn man die portugiesischen Texte mit den deutschen Übersetzungen vergleicht...
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »Areios« (22. Mai 2009, 18:07)


2

Montag, 18. Mai 2009, 22:51

Lieber Areios, hast Du meine Antwort drüben vergessen? Darfst du ruhig mitbringen!



Ich finde Misia nämlich auch toll.



F.Q.
Gracias a la vida!

3

Montag, 18. Mai 2009, 23:28

Voilà, die Transferierung aus Papageno

Lieber Ari ,
wie immer beweist du allerfeinsten Geschmack.
Ich bin ebenfalls grosser Fan von Misia, kenne aber die neue Cd noch nciht und danke für diesen Tipp!

Ich habe die "Parallele Diagonalen"- Cd- leider kann ich kein Portugiesisch.




Die Sprache klingt gesungen wirklich serh schön, aber hast Du mal versucht, sie zu lernen?

Eine Freundin von mir die Sprachlehrerin am Gymnasium war, hat 8 Jahre in Rio gelebt und versichert, dass es ausserordentlich schwierig sei, diese Sprache MÜNDLICH zu beherrschen und die Menschen zu verstehen.

Ich habe bereits einen netten Vorgeschmack mit der Cantilena Brasileira von Villa-Lobos gewonnen.
Schriftlich is das für alte Lateiner wie uns natürlich ein Kinderspiel!



Das Problem ist genau die weiche Sprachmelodie und die vielen Klinger. Da fleisst Alles ineinander und macht es dem Ausländer besonders schwer.

Ich mag übrigens neben den portugiesischen auch die brasilianischen sehr oft irgendwie androgynen Welt-Musiken sehr.

F.Q.
Gracias a la vida!

Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von »FairyQueen« (19. Mai 2009, 11:46)


4

Dienstag, 19. Mai 2009, 02:51

Da ich mich seit einiger Zeit sehr für die portugiesische Jazzszene interessiere, war es unvermeidlich, auch auf den Fado (und andere "traditionelle", aber eben auch traditionell offene Formen portugiesischer Musik zu kommen), denn es gibt hier einige musikalische und personelle Überschneidungen, wie auch zu einigen neueren portugiesischen Komponisten. Dazu später andernorts einmal gerne mehr.

Jedenfalls konnte ich mit Grundstimmung und Weltgefühl des Fado gleich viel anfangen. Soweit vom Blues doch gar nicht entfernt, empfand ich, wenn auch weicher, lyrischer, wie die portugiesische Sprache selbst, und etwas von abbröckelnder Dekadenz und auf charmante Weise ermattet - eben die Musik eines alten Landes, das seine große Epoche vor sehr langer Zeit hatte.

Misia finde ich, was die Stimme und den Ausdrucksreichtum angeht, auch großartig: In ihrer Generation sicherlich eine der besten. Leider gefallen mir bei den neusten Veröffentlichungen die Arrangements auch weniger und werden mir die Pop-Einflüsse zu groß. Ich würde daher auch besonders zu ihren ersten Aufnahmen raten.

Portugiesisch und das wieder anders klingende Brasilianisch sind für mich sogar vieleicht die schönsten Gesangssprachen. Ich kann es leider nicht, habe aber das Glück, dass beides in meinem Umfeld relativ viel gesprochen wird, was ich immer gerne höre. Über die Erlernbarkeit habe ich völlig gegensätzliche Auffassungen gehört. Mein wichtigster Lehrer in der Philosophie hat nach der Revolution einige Jahre in Coimbra gelehrt und meinte, der Spracherwerb wäre kein Problem, aber der konnte sich in seiner Zeit im Europaparlament auch mit fast allen fließend in ihrer Landessprache verständigen. Aber auch mein Lehrer in der Entwicklungsökonomie und -soziologie, der in seiner eigenen Muttersprache ein starker Stotterer ist, spricht Portugiesisch und Brasilianisch nicht nur völlig fließend, sondern auch sein Stottern ist dann seltsamerweise völlig verschwunden. Er hat mir auch wunderbar die Unterschiede zwischen beiden Sprachklängen vormachen können.

Sorry, dass ich jetzt etwas OT geworden bin.

:wink: Matthias

5

Dienstag, 19. Mai 2009, 11:18

Mit Misia habe ich umso größere Probleme, desto neuer ihre Aufnahmen sind.

Wenn man wissen möchte, warum Portugiesen beim Fado mit dieser eigenartigen seligen Traurigkeit in ihre Gläser starren, bleibt niemand anderes als
Amália Rodrigues.

Areios

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6

Dienstag, 19. Mai 2009, 13:42

Liebe Capricciosi!

Die gestrengen Statements von Hildebrandt und Matthias kann ich nur zum Teil unterschreiben, ich sehe die Sache ein bisschen differenzierter: Denn auf Mísias beiden 1993 aufgenommenen CDs "Fado" und "Tanto menos tanto mais" (erst 1995 veröffentlicht) spüre ich auch noch einige Einflüsse aus der (portugiesischen) Popularmusik abseits des Fados, bis hin zur Liedauswahl ("Unicornio", "As time goes by"...), und auch ihre Stimme ist noch nicht ganz so ausdrucksstark, obwohl es unglaublich schöne Momente auf diesen beiden CDs gibt (z. B. "Penélope") und ich sie ebenfalls sehr gern höre.
Die folgenden drei CDs "Garras dos sentidos" (1997), "Paixoes Diagonais" (1999) und "Ritual" (2001) sind dann wohl als Höhepunkt ihrer Kunst anzusehen: Der Fado tritt nun sehr stark in den Vordergrund (auf "Garras dos sentidos" sind überhaupt nur Fados zu hören; auf "Ritual" benutzt sie zum ersten und einzigen Mal konsequent nur das traditionelle Fado-Trio (bestehend aus Portugiesischer Gitarre, Viola-Gitarre und akustischem Bass) zur Begleitung...).




Nachdem sie ihren Fado aber zu diesem Höhepunkt geführt hat, hat wohl ihre Neigung zu Abwechslung wieder durchgeschlagen: Auf "Canto" (2003) singt sie Lieder von Carlos Paredes in Bearbeitung für Streicherensemble, auf "Drama Box" (2005) neben Fados auch Boleros und Tangos. Über "Canto" kann ich nichts sagen, da ich die CD nicht besitze, erlaube mir aber dezente Zweifel bezüglich der Arrangements. "Drama Box" hingegen halte ich für außerordentlich gelungen und würde sie neben die drei oben genannten großartigen Aufnahmen stellen. Die beiden Boleros sind exquisit und leidenschaftlich vorgetragen, die Fados danach in bewährter ausdrucksstarker Manier, die Tangos, darunter das Auftrittslied der Maria aus der Oper "Maria de Buenos Aires" von Astor Piazolla, die sie in der Saison 2006/2007 auch am Opernhaus von Lissabon interpretierte (Regie: Desiré Meiser und Amir Hosseinpour), elegant erotisch. In diesen drei unterschiedlichen und doch ähnlichen Gattungen hochemotionaler Musik beweist sie ihre große Kunst.



Weil ihr "Drama Box" so gut gelungen ist, hat sie nun ihr Engagement offensichtlich auch noch auf alle möglichen anderen Musikstile, die ihr von Saudade sprechen zu scheinen, ausgedehnt: Ich kenne ihr neues Doppelalbum "Ruas" bisher nur aus jpc-Ausschnitten, aber nicht alles, was ich da höre, sagt mir auch zu... Hier bin ich wieder d'accord mit Matthias und Hildebrandt: Diese Pop-Arrangements hätte sie besser bleiben lassen! Sie hat ja auch auf ihren frühen CDs Popsongs gewissermaßen als Fado arrangiert; das wäre hier auch die bessere Lösung gewesen.

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

Dieser Beitrag wurde bereits 9 mal editiert, zuletzt von »Areios« (1. Juni 2009, 21:14)


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7

Dienstag, 2. Februar 2010, 10:05

Liebe Capricciosi!

Jetzt besitze ich also auch die beiden mir noch fehlenden Alben:



Von "Canto" bin ich positiv überrascht worden: wenn man was für symphonische Klänge übrig hat, sind die herben Streicherarrangements durchaus reizvoll. Meine Befürchtung, dass bei nichtklassischer Musik Streicherensembles generell Geschmacklosigkeit bedeuten (vgl. Let it be/Let it be naked!) hat sich jedenfalls nicht bewahrheitet. Es gibt ganz wunderbare Lieder auf dieser CD, und Mísias Stimme scheint mir, falls das überhaupt möglich ist, noch sensibler, noch nuancierter zu sein, sobald sie auf die Musik des großen Carlos Paredes trifft.

"Ruas" ist ein Doppelalbum: die erste CD, "Lisboarium" betitelt und auch als Einzel-CD erhältlich (siehe oben), ist ein typisches Mísia-Album mit vielen schönen Fados, die sich allesamt um Lisboa/Lissabon ranken. Die zweite CD hätte sie sich sparen können. :stumm: Sie grast da alle möglichen und unmöglichen Musikstile ab, und spätestens, wenn ein Schlagzeug dazutritt, wirds meiner Meinung nach grausam. Auch singt sie die diversen Popsongs nicht immer mit ihrer "Fado-Stimme", sondern klingt da manchmal ganz anders. Ein, zwei Songs sind ganz passabel, aber nachdem "Lisboarium" ja auch einzeln erhätlich ist... :P

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

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8

Sonntag, 13. Januar 2013, 22:54

Liebe Mísia-Freunde,

es gibt ein weiteres Album (2011 erschienen, also schon nicht mehr ganz neu), das ich aber selber noch nicht besitze:



Und Neuigkeiten aus der Crossover-Gerüchteküche: Auf dem nächsten Album von Christina Pluhar/L'Arpeggiata, "Mediterrâneo", das im Frühjahr erscheinen wird, wird Mísia in fünf Tracks zu hören sein! Ich bin gespannt, wie das wird... ;+)

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
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9

Sonntag, 13. Januar 2013, 23:06

Vielleicht halb off-topic, es ist schon fast ein Jahrzehnt her, dass ich mit meiner Freundin in Lissabon war, eine Stadt, auf die wir uns beide gefreut hatten, u. a. auch auf Fado. Die Stadt hat uns keineswegs enttäuscht. Sie zählt sicherlich locker zu den schönsten Städten der Welt; sie war noch viel schöner, als vorher erwartet.

Enttäuschender waren schon eher unsere Fado-Erlebnisse. Möglicherweise hatten wir uns nicht ausreichend darauf vorbereitet, aber die Veranstaltungen, die wir spontan besucht hatten, waren eher in Speiselokalen, und beim Essen wurde gesungen. Das war überhaupt nicht unser Ding. Viel besser war dann schon ein Jazz-Konzert in einem Jazz-Keller, ein deutscher Pianist mir brasilianischer Begleitung, das war richtig gut, trotz Stromausfalls zwischendurch.

maticus

10

Sonntag, 13. Januar 2013, 23:18

Und Neuigkeiten aus der Crossover-Gerüchteküche: Auf dem nächsten Album von Christina Pluhar/L'Arpeggiata, "Mediterrâneo", das im Frühjahr erscheinen wird, wird Mísia in fünf Tracks zu hören sein! Ich bin gespannt, wie das wird... ;+)

Es gibt schon einen Trailer von den Aufnahmen: http://www.youtube.com/watch?v=Xiywgo1f_RU



lg vom eifelplatz, Chris.

11

Sonntag, 13. Januar 2013, 23:38

Ich mochte Fado sehr und war ein großer Fan von Dulce Pontes und Madredeus ... bis ich Portugiesisch gelernt habe ...
Als ich verstand, was gesungen ist, ist der Zauber verflogen. Ja die Stimmen sind schön und die Sprache klingt toll, aber dieses ständige Wehklagen geht mir am Ende auf den Wecker. Entweder ich deprimiere mit oder ich sage gedanklich "gib Dir mal einen richtigen A****tritt und versuch, aktiv zu werden".
Lieber Chico Buarque oder Maria Bethania.

Aber ich werde trotzdem mir Christina Pluhars nächstes Album anhören ;-)
Alles, wie immer, IMHO.
Bleiben Sie kapriziös !

Areios

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12

Montag, 1. April 2013, 18:06

Aber ich werde trotzdem mir Christina Pluhars nächstes Album anhören ;-)


Mir hat dieses Album der Osterhase gebracht. Weil es eher World Music/Crossover ist als Alte Musik, Mísia eine wichtige vokale Rolle spielt und hier schon die Rede davon war, ist es vielleicht opportun, an dieser Stelle einige Worte darüber zu verlieren.



Christina Pluhar versammelt auf diesem Album Volksmusiken aus dem gesamten nördlichen Mittelmeerraum - Fado, Tarantella und Co. "Alte Musik" im engsten Sinn sind nur die beiden spanischen Beiträge "Tres sirenas" (Anonym, 17. Jh.) und "Los delfines" (Diego Pisador, 1509/10? - nach 1557), die von Raquel Andueza unprätentiös dargeboten werden (im ersten Lied treten auch noch Katerina Papadopoulou und Vincenzo Capezzuto hinzu, s.u.). Die beiden katalanischen Volklieder "La dama d'Aragó" und "De Santanyí vaig partir" sind nicht nur hervorragend ausgewählt - zwei der musikalisch reichhaltigsten Lieder aus dem großen Schatz Kataloniens -, sondern von der Sopranistin Nuria Rial ebenso hervorragend interpretiert. Mit ihrer makellosen leuchtenden Stimme und ihrem großen Einfühlungsvermögen in den Stil der Volkslieder stellt sie sich mit Bravour in die Tradition der großartigen Volksliedaufnahmen ihrer Landsmännin Victoria de los Ángeles. Diese zwei Tracks sind zweifellos vokale Höhepunkte des Albums.

Mit 5 Tracks von 19 (mehr als 25%) ist dem Fado und damit Mísia der größte Raum auf dem Album eingeräumt. Mísia singt "Sem saber" von ihrem Carlos-Paredes-Album "Canto", "Amor de mel, amor de fel" von Carlos Goncalves mit Worten von Amália Rodrigues, "O Pajem" von Alfredo Marceneiro und schließlich zwei traditionelle Fados (Fado Corrido mit eigenen Worten, Fado Magala mit einem Text von Fernando Pessoa), die wohl am besten ins Konzept passen. Von den Vokalsolisten hat Mísia sicherlich die dunkelste und ausdrucksstärkste Stimme, zeigt hier aber, dass sie sich auch ein fremdes Konzept zu eigen machen kann: emotionale Exzesse der Stimme wird man hier vergeblich suchen, ihre Beiträge wirken fast ein bisschen wie durch die HIP-Brille gesungen, ohne ihre Persönlichkeit aufzugeben. Die Fados wurden alle von Christina Pluhar für Barockensemble geschmackvoll arrangiert, aber der Unterschied zwischen modernen und barocken Zupfinstrumenten ist nur im Detail hörbar, ändert jedoch den Charakter der Stücke nicht. Wer Fado und Mísia sucht, wird auf dieser Aufnahme also durchaus fündig, und vielleicht eher als auf manchen neueren Mísia-Alben, bei denen die Instrumentierung zweifelhaft ist.

Ein Phänomen ist das mädchenhafte Timbre von Vincenzo Capezzutos nicht klassisch ausgebildeter Stimme ("Pizzica di San Vito", "Agapimu fidela protini"). Der junge "tenorino napoletano" hat schon mehrfach mit Christina Pluhar zusammengearbeitet und wäre eigentlich auch eine faszinierende Besetzung für so manche Kastratenrollen. Als fünfte im Bunde komplettiert die griechische Folk- und Rembetiko-Sängerin Katerina Papadopoulou die vokale Riege. Zu den Instrumentalisten von "L'Arpeggiata" gesellen sich noch portugiesische, griechische und türkische Musiker auf jeweils landestypischen Instrumenten (Guitarra portuguesa, Viola do Fado, Lyra, Qanun etc.).

Insgesamt ist hier eine sehr lebendige und heitere Reise durch mediterrane Musiktraditionen herausgekommen, in der Art des vorangegangenen Albums "Los pajaros perdidos", bei der sich der Spaß und die Freude, die die Musiker hörbar hatten, auch auf den Zuhörer überträgt. Im Vergleich zu "echter" Alter Musik ist das zweifellos "Easy Listening", aber intelligent gemachtes. Gerade jetzt, wo das Wetter der Jahreszeit hinterherhinkt, bringt die Aufnahme einen Abglanz von Sommer und mediterranem Licht zu mir nach Hause.

Liebe Grüße,
Areios
"Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

13

Montag, 1. April 2013, 18:25

Lieber Areios, ich habe diese Cd auch und als begeisterte "Crossover/Worldmusic" Hörerin und Fado-Fan kann ich mich dem Lob nur anschliessen. Ich finde das gar nicht so easy listening. Schon die verschiedenen Stimmen und Stile auseinanderzuhalten(man weiss ja klaum was Männlein und Weiblein ist) ist nicht easy ;+) Was das Mittelmeerwetter angeht: in Venedig sind es heute auch nur 8 Grad und in Ostende konnte man dagegen bei wunderbarer Sonne in den Dünen liegen, auch wenn am Strand selbst der Wind noch eiskalt pfeift. Aber es ist Frühlings-Land in Sicht, scheint mir! Liebe Ostergrüsse :fee:
Gracias a la vida!

14

Montag, 1. April 2013, 18:28

Vielen Dank Areios für Deine Eindrücke. Die Crossover (im besten Sinne)-Projekte Christina Pluhars finde ich durchweg gelungen, auch die Art, wie sie mit "nicht klassisch ausgebildeten" aber trotzdem expressiven Stimmen, etwa Lucilla Galeazzi für Tarantella, arbeitet.
Es hört sich verlockend an und ich werde wohl deswegen mein Fasten brechen müssen.
Alles, wie immer, IMHO.
Bleiben Sie kapriziös !

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