Maria Callas - meine persönliche Tour

  • Leoncavallo: I Pagliacci

    Calla, di Stefano, Gobbi - Serafin 1954

    Vokal sicherlich keine ideale Partie für die Callas, v.a. auch, weil Schärfen an bestimmten Stellen nicht zu überhören sind. Was sie aber an expressiver Kraft zeigt, gerade im Duett mit Tonio, ist schlichtweg bewundernswert.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Verdi: La Forza Del Destino

    Callas, Tucker, Nicolai, Tagliabue, Rossi-Lemeni - Serafin 1954.

    'Pagliacci' und auch diese Aufnahme zeigen, dass sich die Stimme der Callas verändert hat, dünner geworden ist, ihr bestimmte Passagen nicht mehr so leicht fallen. Kaum merklich noch, aber das wird sich ja im Laufe der nächsten Jahre bekanntermaßen verschlimmern. Trotzdem eine tolle Aufnahme. Welch ein Ausdruck! - obwohl das auch schon fast Eulen nach Athen bedeutet. :)

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Rossini: Il Turco In Italia

    Callas, Rossi-Lemeni, Gedda, Calabrese, Stabile - Gavazzeni 1954

    Das perlt, ist schwungvoll, witzig, jede Phrase ist wohl ausgewogen und aufeinander bezogen, es macht richtig Laune - und doch welch ein Unterschied zur (spärlichen) Live-Aufnahme, die aus dem Jahr 1950 überlebt hat (das Jahr, in dem sie dort auch die Kundry sang). Die Stimme ist dünner geworden, die Selbstverständlichkeit und auch Risikobereitschaft gehen langsam dahin. Natürlich ist Studio nicht vergleichbar, da dort ganz andere Rücksichten genommen werden müssen. Und trotzdem, welch ein Jammer, dass Rom nicht vollständig erhalten ist.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Puccini: Arias

    (Manon Lescaut, Madama Butterfly, La Bohème, Suor Angelica, Gianni Schicchi, Turandot)

    Callas / Serafin 1954

    Für meinen Geschmack hat sie ja viel zu viel Puccini im Studio aufgenommen und viel zu wenig Belcanto. Was nun nicht heißen soll, dass das alles umsonst gewesen wäre. So wahrlich auch nicht dieses Recital mit einer interessanten Mischung, denn:

    Manon - nie Bühne, später eine Studio-GA

    Butterfly - einmal in Chicago, später eine Studio-GA

    Bohème - nie Bühne, später eine Studio-GA

    Suor Angelica - nur 1940 in Athen

    Gianni Schicchi - nie Bühne, die Arie später aber eine ihrer Dauerzugaben

    Turandot - häufig Bühne, danach erst Studio-GA, Liù allerdings nie

    Tosca, vielleicht die Puccini - Rolle der Callas findet sich hier nicht, dafür bis auf Turandot und Angelica lauter Erstbegegnungen. Dabei zeigt sich, dass sie in ihren späteren GA's wesentlich dramatischer agieren wird. Vor allem Butterfly und Mimì sind vergleichsweise schlicht angelegt, aber trotzdem sehr ergreifend. Gleiches gilt für die Manon. Der Lauretta fehlt ein wenig die Leichtigkeit, die Liù war einfach nicht ihre Rolle. Dafür ist die Turandot - Arie großartig in Anlage und Beherrschung. Bleibt die Angelica. Und da zeigt sich etwas, sozusagen in Anfängen, was wohl bei den meisten Sängern irgendwann auftritt: ist es noch Vibrato oder schon ein Tremolo?

    Es war die Zeit der Abmagerungskur. Es war vielleicht auch dem allzu exzessiven Singen bis dato geschuldet. Und viele andere Gründe sind denkbar. Aber jedenfalls ist 1954 eine Art Kipppunkt in der Karriere der Callas. Selbstverständlichkeit war einmal, Probleme der Stimme (woher die auch immer kamen) werden ab nun immer mehr ein Thema werden.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Operatic Arias

    Adriana Lecouvreur, Andrea Chénier, La Wally, Mefistofele, Il Barbiere di Seviglia, Dinorah, Lakmé, I Vespri Siciliani

    Callas / Serafin 1954

    Zeitgleich mit dem Puccini - Recital entstand auch diese Aufnahme und wieder einmal eine interessante Mischung aus nie gesungen, nie dargestellt und wenigsten zeitweise Teil des Repertoires. Im veristischen Teil der Höhepunkt für mich die Wahnsinnsarie der Margherita mit erschütternden Momenten, ausdrucksstarken Trillern und einer wohlgekonnten Gebundenheit. Die drei anderen Arien, ebenfalls beeindruckend interpretiert, sind aber durchaus recht zurückhaltend, fast privat gesungen.

    Die Arie der Rosina ist durch einen sehr versteckten Humor im Klang gekennzeichnet und trotzdem freier im Vortrag als in der Platten- oder Bühnenversion. Die 'Glöckchenarie' gelang ihr live besser, freier, gelöster, aber 'Dinorah' und der 'Bolero' sind meisterhaft angelegt, auch wenn durchweg es sich andeutet, dass die absolute Höhe ein Problem werden wird.

    Insgesamt für mich aber trotzdem eine meiner Lieblingsplatten mit ihr, wegen des teilweise ungewöhnlichen Repertoires und andererseits wegen der vielfältigen und vielschichtigen Ausdrucksformen.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Spontini: La Vestale

    Callas - Corelli - Sordello - Stignani / Votto 1954


    Noch so ein technisch problematischer Mitschnitt und dementsprechend ebenfalls eine Katastrophe, weil wiederum die einzige Aufnahme mit ihr. Vor allem im zweiten Akt läuft sie zu ganz besonders großer Form auf. Und ich mag immer auch die Partnerschaft mit Corelli, da sprüht etwas.

    Aber auch ein Wendepunkt für sie, persönlich, weil den Abschluss der Abmagerung markierend und künstlerisch, weil den Beginn der Zusammenarbeit mit Luchino Visconti bedeutend. Künstlerisch das Hochplateau für sie, stimmlich aber auch die Zeit des beginnenden Abstiegs (Abmagerung?) und das mit 31 Jahren! Gut zehn Jahre wird es noch dauern, aber ein Ende mit 42 ist trotzdem sehr früh. Aber Ökonomie im Singen war wahrlich nie ihr Markenzeichen.

    :wink:Wolfram


    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Giordano: Andrea Chénier

    Callas - del Monaco - Protti / Votto 1955

    Nicht nur die Callas hatte einen 'Lauf' in diesen Jahren, als die Stimme noch sehr intakt war und die Ausdrucksfähigkeit und Intensität immer weiter zunahm, hier leider auch einmal mehr die technische Qualität des Mittschnitts. Und wieder einmal die einzigen Auftritte der Callas als Maddalena. Persönlich finde ich es um die beiden vorherigen Aufnahmen wirklich schade, hier kann ich eher damit leben, weil die Rolle nun ihr nun wirklich relativ wenig bot. 'La mamma morta' singt sie absolut hervorragend, aber bis auf die beiden Duette hat sie ja eh nicht weiter viel zu tun und del Monaco war nie so mein Fall. Da ziehe ich Corelli immer vor.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Bellini: La Sonnambula

    Callas - Valletti - Modesti - Carturan / Bernstein 1955

    Das große Jahr 1955, für mich ein weiteres Scheidejahr, beginnt eigentlich erst mit der legendären 'Sonnambula'. Die 'Wildkatze' ist abgelegt, wohl auch, weil die Callas über diese stimmlichen Reserven nicht mehr so verfügte. Probleme im Klang werden deutlicher, die technische Brillanz ist aber, bis auf die absolute Höhe, weiter vorhanden und die Ausdrucksintensität und -intelligenz nimmt immer weiter zu. Ein erstes Beispiel dafür die 'Sonnambula'. Callas in Bestform, auch wenn die Stimme 'dünner' geworden ist, dazu ein fantastischer Valletti und ein überaus engagierter Bernstein. Ein Fest!

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Verdi: La Traviata

    Callas - di Stefano - Bastianini - Giulini 1955

    Weiter mit der wirklich legendären 'Traviata'. Kein vokales Feuerwerk mehr in der großen Arie im ersten Akt, dafür aber Intensität, Glaubwürdigkeit! Wirklich große Momente im Duett mit Bastianini, ein lodernder, sensationeller Abschied von Germont, Ergreifendes im Schlussakt. Di Stefano, durchaus der Rolle entsprechend, sehr unbekümmert, aber mit einem grandios-leidenschaftlichen 'Ogni suo aver tal femina' (so etwas konnte er), dazu ein würdevoller Bastianini und ein toller Giulini. Ach, man wär' so gern dabei gewesen.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Cherubini: Medea

    Spontini: La Vestale

    Bellini: La Sonnambula

    Callas / Serafin, Studio 1955

    Drei legendäre Rollen der Callas, hier mit Arien vertreten. V.a. ihre Giulia ist prachtvoll und man bedauert doch sehr, dass sich Legge nie zu einer kommerziellen GA der 'Vestale' aufraffen konnte.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Bellini: Norma

    Callas - del Monaco - Stignani - Modesti / Serafin 1955

    Konzertante Aufführung in der RAI - Rom. Callas in bestechender Form und es könnte meine Lieblings-Norma mit ihr sein, wenn da nicht del Monaco wäre. Das ist v.a. pure Kraft, was beeindruckend ist und der Rolle vielleicht sogar entsprechen könnte, mir aber zu wenig ist. Ein paar Feinheiten hab' ich dann schon ganz gerne. ;)

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Puccini: Madama Butterfly

    Callas, Gedda, Borriello - Karajan, 1955

    In den kurzen Filmschnipsel ihrer Butterfly aus Chicago finde ich sie affektiert und unangemessen, aber die Studio-Aufnahme liebe ich sehr. Große Leidenschaft, großes Empfinden, großes Menschsein, großes Theater.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Verdi: Aida

    Callas, Tucker, Barbieri, Gobbi - Serafin (1955)

    Grundsätzlich bevorzuge ich bei der Callas, so weit vorhanden, wegen der Dramatik des Augenblicks die Live-Aufnahmen und trotzdem sind die Studio-Produktionen immer wieder überwältigend. So auch hier. Natürlich kann man anmerken, dass sie hier und da, dann und dort besser gewesen ist, weil ausdrucksvoller, sicherer, risikobereiter usw., aber als in sich geschlossene Produktion ist auch diese 'Aida' einfach toll.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Verdi: Rigoletto

    Callas, di Stefano, Gobbi - Serafin 1955

    Die Duette Gilda - Rigoletto in dieser Version sind absolut großartig. Das ist Theater für's Ohr 'at its best'!!!

    Di Stefano, wie immer in dieser Zeit, hat seine Probleme, passt mit seinem offenen Singen nicht so richtig da hinein, präsentiert aber einen Herzog, der so unwiderstehlich erotisch ist, dass man Gilda sehr gut verstehen kann.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Donizetti: Lucia di Lammermoor

    Callas - di Stefano - Panerai / Karajan 1955

    Mailands 'Lucia' auf Tour, zunächst in Berlin. Aber welch ein Unterschied zu ein Jahr zuvor. Die Stimme der Callas ist merklich dünner geworden, die Spitzentöne schärfer. Dafür eine technisch wesentlich bessere Aufzeichnung. Und Karajan war einfach klasse in dieser Produktion.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Bellini: Norma

    Callas - del Monaco - Simionato - Zaccaria / Votto 1955

    Und wenn es nur das 'Son io' wäre! Saisoneröffnung an der Scala und Callas in bestechender (Ausdrucks-) Form, dazu eine berückend schön klingende Simionato und ein weiterhin bulliger del Monaco. Großes Theater, was eben der RAI-Mitschnitt nicht ganz bieten kann.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Verdi: La Traviata

    Callas - Raimondi - Bastianini / Giulini 1956

    Wiederaufnahme der Visconti-Produktion ein knappes Jahr später. Raimondi statt di Stefano, was weniger Leidenschaft, aber vielleicht auch weniger Stress für alle Beteiligten bedeutete. Callas nun hörbar entspannter, was wiederum v.a. mehr vokale Sicherheit garantiert, während die Ausdrucksintensität gleichbleibend hoch ist. Schöne Aufnahme!

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Rossini: Il Barbiere di Siviglia

    Callas - Gobbi - Alva - Rossi-Lemeni / Giulini 1956

    Die Callas und der Humor. Schwieriges Thema, wohl v.a. für sie selber. Hier geht in dieser Kategorie so ziemlich alles in die Hose was nur möglich ist. Zu ihrer Ehrenrettung muss aber gesagt werden, dass das nicht nur für sie gilt. Quasi alle übertreiben hemmungslos, einschließlich des Dirigenten. Und der letzte, völlig sinnfreie Spitzenton der Callas mitten im Finale macht nur eines deutlich: nichts passt.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Donizetti: Lucia di Lammermoor

    Callas - Raimondi - Panerai / Molinari-Pradelli 1956

    Die vollständige Aufführung vom 22.3. plus Ausschnitte vom 24.3.1956.

    Callas in wirklich guter Verfassung, die Spitzentöne z.B. kommen gut, zwei Tage später dann zudem auch noch entspannter. Leider stand das Mikrophon falsch: viel Orchester und wenig Gesang.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Verdi: Il Trovatore

    Callas - di Stefano - Panerai - Barbieri - Zaccaria / Karajan 1956

    Callas in dieser Rolle nun immer gezügelter, auf das Wesentliche fokussierter. Das alles sicherlich unter dem Einfluss des Dirigenten und der eigenen künstlerischen Intelligenz, aber wohl auch bedingt durch eine Stimme, die nicht mehr alles zur Verfügung stellte. Trotzdem eine wahrlich packende Interpretation und Aufnahme, wenn auch di Stefano (fraglich ob diese Rolle überhaupt je für ihn geeignet war), stimmlich noch weit mehr als die Callas schon darüber hinaus war.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

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