Komponisten über Komponisten - ein kleines Zitateraten

  • Du liebe Zeit, was ist das wieder für ein Tempo. Man braucht doch auch seine Nachtruhe.


    Also ohne den letzten Satz im Zitat hätte ich auf A = Clara Schumann getippt, aber so gehts wohl auch im Privatbrief nicht.


    Dann mal probiert:


    A = Tschaikowksy ?

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Tristan und Isolde?

    Leider falsch.

    A = Tschaikowksy ?

    Der hat recht viel über Kollegen gelästert, auch über Wagner (über den "Ring: "Gewiss ist aber auch, dass es noch nie eine so unendliche und so langweilige Faselei gegeben hat."), aber hier war er es nicht.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Wenn mich bei einer Wagner‘schen Oper Langeweile beschleicht, dann ist es der „Siegfried“.
    Also: Werk = Siegfried?

    Auch nicht richtig :) .


    Das Werk findet Ihr schon ohne weitere Tipps heraus (so viele bleiben ja auch nicht mehr übrig), zum Verfasser des Wutbriefes gibt es später notfalls noch einen Hinweis.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Hm.
    Dann versuche ich mich mal an A. Der bringt ja eine rustikale Ausdrucksweise mit. Irgendwie und vollkommen ohne Grund denke ich an Richard Strauss.


    Vielleicht haben ihm die Meistersinger nicht gefallen?


    :wink: Agravain

  • Wow, das ging jetzt aber schnell, beides ist richtig! Das Zitat stammt aus einem Brief, den Richard Strauss im Alter von 15 Jahren geschrieben hat, und für den er später öffentlich Absolution erhoffte :D .

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Das Zitat stammt aus einem Brief, den Richard Strauss im Alter von 15 Jahren geschrieben hat, und für den er später öffentlich Absolution erhoffte

    das hätte ich wiederum nie vermutet, hat doch gerade Strauss in seiner Bearb. der Instrumentationslehre von Berlioz die Partitur der Meistersinger hoch gepriesen. Daß er sich Absolution erhoffte, kann man da gut verstehen ...

    ---
    Es wäre lächerlich anzunehmen, daß das, was alle, die die Sache kennen, daran sehen, von dem Künstler allein nicht gesehen worden wäre.
    (J. Chr. Lobe, Fliegende Blätter für Musik, 1855, Bd. 1, S. 24).


    Wenn du größer wirst, verkehre mehr mit Partituren als mit Virtuosen.
    (Schumann, Musikalische Haus- und Lebensregeln).

  • Wow, das ging jetzt aber schnell, beides ist richtig! Das Zitat stammt aus einem Brief, den Richard Strauss im Alter von 15 Jahren geschrieben hat, und für den er später öffentlich Absolution erhoffte :D .

    Oh! Zwei Glücktreffer. 8o Ich sollte mal wieder einen Lottoschein ausfüllen. :D Die Meistersinger habe ich nur angeführt, weil sie mir selbst auch nicht ganz so viel geben. :versteck1: Aber ich bin ja auch nur ein armer Simpel. ;( :D


    Neues Rätsel folgt im Laufe des Tages.


    :wink: Agravain

  • Meines Wissens war Strauss in jungen Jahren, geprägt wohl von seinem Vater, ein überzeugter Brahmine, bis er sich später zu Wagner "bekehrte"; insofern paßt das Zitat scho'. ;)


    Ob Strauss sich später auch so abfällig über Brahms geäußert hat wie hier über Wagner, würde mich ja interessieren. Ich behaupte einfach mal: Nein. Schließlich hat er sich dann ja auch ganz gut mit Brahms-Anhängern wie z. B. Reger verstanden.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • das hätte ich wiederum nie vermutet, hat doch gerade Strauss in seiner Bearb. der Instrumentationslehre von Berlioz die Partitur der Meistersinger hoch gepriesen. Daß er sich Absolution erhoffte, kann man da gut verstehen ...

    Ja, gerade weil es so unwahrscheinlich wirkt, habe ich das Rätsel ja ausgesucht. Aber Strauss ist sicher nicht der einzige, der mit 15 etwas von sich gegeben hat, was ihm später peinlich war...


    Die Meistersinger habe ich nur angeführt, weil sie mir selbst auch nicht ganz so viel geben. Aber ich bin ja auch nur ein armer Simpel.

    Das bin ich auch, aber die Meistersinger sind dennoch mit Abstand meine liebste Wagner-Oper, und auch die einzige, die ich bislang in drei verschiedenen Inszenierungen gesehen habe (Bayreuth, Berlin und Dresden). Ich muss allerdings zugeben, dass ich im dritten Akt manchmal etwas ungeduldig werde; da bin ich wohl über das geistige Niveau des 15jährigen Strauss' noch nicht hinausgekommen. Zur problematisch erscheinenden Schlussansprache (und überhaupt zu dem Stück) hat mir übrigens Argonaut schon oft per Mail wertvolle Hinweise und Erklärungen gegeben.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Stimmt. Dabei erinnere ich mich, daß ich vor einigen Jahren das Thema "Strauss über Brahms und Wagner" auch schon einmal hier verrätselt habe: Klick!


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Wenn mich bei einer Wagner‘schen Oper Langeweile beschleicht, dann ist es der „Siegfried“.
    Also: Werk = Siegfried?

    Auch nicht richtig

    Ich widerspreche ja höchst ungern...aber meines Wissens ist Siegfried richtig!
    Das Zitat, geschrieben in einem Brief von Strauss an seinen Jugendfreund, den seinerzeit sehr bekannten Komponisten, Ludwig Thuille:
    "...Das einzige, was wenigstens gestimmt hat, war der Gesang des Waldvogels....."


    (vor ein paar Jahren gelesen in einem Buch über Richard Strauss von Max Steinitzer)


    :versteck2:



    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Ich widerspreche ja höchst ungern...aber meines Wissens ist Siegfried richtig!
    Das Zitat, geschrieben in einem Brief von Strauss an seinen Jugendfreund, den seinerzeit sehr bekannten Komponisten, Ludwig Thuille:
    "...Das einzige, was wenigstens gestimmt hat, war der Gesang des Waldvogels....."


    (vor ein paar Jahren gelesen in einem Buch über Richard Strauss von Max Steinitzer)

    Dann wirst Du wohl recht haben. Ich hatte das aus einer alten Musikzeitschrift, und dort wurde behauptet, es ginge um die "Meistersinger".

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Naja, durch manche Musik-Lexika geisterte z.B. (immer noch?) jahrelang ein gewisser Otto Jägermeier... :D


    Irren ist menschlich...aber hier bin ich mir doch sehr sicher. :)



    Herzliche Grüße:
    KALEVALA :wink:

    Die Wahrheit ist hässlich: wir haben die Kunst, damit wir nicht an der Wahrheit zugrunde gehen. (Nietzsche)



    Es gibt nichts Überflüssigeres und Schädlicheres als wie Musik. Wenn ein Mensch eine gewisse Zeit lang Musik hört, wird sein Gehirn faul und unseriös. (Ayatollah Khomeini)

  • Naja, durch manche Musik-Lexika geisterte z.B. (immer noch?) jahrelang ein gewisser Otto Jägermeier.

    Ja gut, der war aber auch wirklich bedeutend. Unverständlich, dass er inzwischen in Vergessenheit geraten ist! Wenigstens wird er im Standard-Lexikon "Komponisten der Gegenwart" mit einem umfangreichen Artikel geehrt. Wir verdanken ihm nicht nur die madegassische Nationalhymne, sondern zahlreiche, teils geradezu experimentell neue Werke. Die Aufführung seines symphonischen Hauptwerks "Neuland" verhinderte 1906 kein geringerer als Richard Strauss, der wohl ahnte, welche Konkurrenz ihm da drohte... Leider ging 1933 während der Überfahrt von Madagaskar nach Europa seine mangelhaft vertäute Schiffskiste mit zahlreichen Autographen über Bord, darunter die Opern "Der Idiot" und "Die Schatzinsel". Hörenswert sind vor allem seine "Psychosen" für großes Orchester mit Solo-Klavier und sein Klavierlieder-Zyklus "Die Geier von Amselfeld", in welchem er im (nachkomponierten) Finale verdeckt das rhythmische Modell des populären „Serbien muß sterben“ zitiert und geschickt das Initium des „Gott erhalte“ mit dem des „Heil Dir im Siegerkranz“ – dies allerdings hintergründig verschränkt mit „Marseillaise“-Motiven - verbindet. Kühn auch die breitangelegte "Titanenschlacht" für zweifaches Kammerorchester (1901), die sich auf Bilder von Peter Paul Rubens, Edouard Manet, Arnold Böcklin und Wilhelm Kaulbach bezieht und den Kampfverlauf nach dem Modell der Viersätzigkeit in der Einsätzigkeit organisiert. Neue Ausdrucksbereiche erschloss er sich durch die Einbeziehung madegassischer Musik- und Geräuschelemente, z.B. die Töne von Waldteufel, Schwirrholz, Windmaschine, Wachtelschlag, Conga, steel drum usw. in seinem Tryptichon "Im Urwald", bei welchem er aber durch die in Es-Dur mit Sixte ajoutée gestimmten Autohupen auch einen zivilisationskritischen Aspekt unüberhörbar integrierte. Mit solchen Werken beeinflusste er ohne Zweifel z.B. Messiaen (der das stets leugnete) und Manfred Trojahn (der es zugab) und gilt vor allem in seiner Rhythmik als Vorläufer Ligetis (der dazu leider nie befragt wurde).


    (Quellenangabe: Eintrag "Jägermeier, Otto" in Munzinger Online/KDG - Komponisten der Gegenwart,)

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Im Hinblick auf vermutlich längere bzw. wiederholte lockdownige Zeiten wieder ein bisserl Denksport:



    Komponist A berichtet über ein Gespräch mit dem Nichtmusiker X:



    X: Haben sie den B spielen gehört?


    A: Schon dreimal.


    X: Wie gefällt er Ihnen?


    A: So wie er jedem Kenner gefallen muß.


    X: Haben sie auch den C gehört? ... Einige ziehen ihn dem B vor.


    A: In Cs Spiel herrscht bloß Kunst, in Bs aber Kunst und Geschmack.


    X: Eben das habe ich auch gesagt. Ist es doch gerade, als wenn wir beide aus einerlei Buch studiert hätten. ...
    Was sagen Sie zu Bs Komposition?


    A: Er ist unstreitig eins der größten Originalgenies, und ich habe bisher noch keinen Komponisten gekannt, der so einen erstaunlichen Reichtum von Gedanken besitzt. Ich wünschte, er wäre nicht so verschwenderisch damit.. Er läßt den Zuhörer nicht zu Atem kommen; denn, kaum will man einem schönen Gedanken nachsinnen, so steht schon wieder ein anderer herrlicher da, der den vorigen verdrängt, und das geht immer in einem so fort, so daß man am Ende keine dieser Schönheiten im Gedächtnis aufbewahren kann.


    X: In seinen Theaterstücken hat er den einzigen Fehler, daß er, wie sich die Sänger oft beklagt haben, dieselben mit seinem vollen Akkompagnement übertäubt.


    A: Das sollte mich wundern. Man kann ja auch Harmonie und Begleitungsspiel anbringen, ohne die Kantilena zu verderben.


    X: Diese Gabe besitzen Sie meisterlich. ... Was sagen Sie zu Ds Komposition?


    A: Von seinen Theaterstücken habe ich keines gehört.


    X: Sie verlieren nichts dabei; denn er macht es gerade so wie B. Was halten Sie aber von seinen Stücken für die Kammermusik?


    A: Daß sie in der ganzen Welt Sensation machen und das mit allem Rechte.


    X: Tändelt er nicht manchesmal gar zu viel?


    A: Er hat die Gabe zu tändeln, ohne jedoch die Kunst herabzuwürdigen.


    X: Da haben Sie recht. Ich habe vor einiger Zeit zwischen B und D eine Parallele gezogen. ... Ich verglich Bs Komposition mit einer goldenen Tabatiere, die in Paris gearbeitet, und Ds Komposition mit einer, die in London verfertigt ist.




    Einige Capricciosi kennen diesen Dialog, denn sie haben sich in Beiträgen schon flüchtig darauf bezogen. Bitte verzichtet vorübergehend auf Euren Startvorteil und steigt erst ein, sollten sich andere nur mehr die Köpfe kratzen.

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    Homo sum, ergo inscius.

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