WAGNER: Ring des Nibelungen. Stapfenden Schrittes nach Nibelheim: Ein kleiner Fürst erkundet Wagners großen Ring.

  • Frauen können im Prinzip auch ohne Männer ganz gut leben, Wotan steckt sie doch selbst an, oder? Also korrigier mich bitte, wenn ich das falsch verstehe.

    Ich weiß das nicht, aber wenn du das sagst, wird es schon stimmen. Grins1

    Früher erzählte man sich ja, dass in Indien, wenn der Mann stirbt und feuerbestattet wird, die Witwe mitverbrannt werden würde. Unabhängig von dem Wahrheitsgehalt dieser Aussage erinnert mich diese Konstellation, dass Brünnhilde, die sich als die eigentliche Witwe Siegfrieds sieht, Holzscheite und auf diesen ein Feuer errichten lässt, in dem sie nicht nur den Leichnam Siegfrieds "bestattet", sondern letztlich auch sich selbst, immer etwas an diese "indische Sage".

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Der Typ (Schopenhauer) wiederum ist kein guter Beitrag zum Frauentag.


    Zum Thema Witwenverbrennung ist vielleicht das hier interessanter:

    Spivak, Gayatri Chakravorty: Can the Subaltern Speak?

  • "sympathischer" Zeitgenosse der Schopenhauer

    Nun ja, immerhin stellte er im September 1848 das Schlafzimmer seiner Frankfurter Wohnung der Gendarmerie zu Verfügung, um von dort aus auf die revoltierende "Canaillie" zu schießen. Vermutlich sich mit seinem Pudel auf dem Arme am Schauspiel ergötzend.

    Nur seine Philosophie finde ich noch unsympathischer...

    Sie korrespondiert doch auf wunderbare Weise mit solchen Einstellungen und Handlungsmustern ...

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Runde 1 ist beendet.

    Gestern Abend gab es das fulminante Finale der Götterdämmerung.

    Tja hm. Also. Hm. Hmmhmhm. Die Geschichte geht im Prinzip sehr ähnlich aus, wie es zu erwarten war, finde ich. Dass Hagen derjenige ist, der Siegfried ermordet, hat mich allerdings überrascht, ich dachte irgendwie, er würde Gunther aufstacheln und der täte es dann.. Auch, dass Hagen Gunther noch erschlägt, habe ich nicht kommen sehen. Ich hatte mir ausgemalt, dass Siegfried und Gunther kämpfen, Siegfried glaubt, Gunther getötet zu haben, der ihm aber mit letzter Kraft einen Dolch in den Rücken rammt oder so - dass am Ende alle hin sein würden, war irgendwie klar. ICh wollte Siegfried schütteln und ihm sagen, er soll bitte auf die Rheintöchter hören, als sie ihm sagen, dass er sterben wird, wenn er ihnen den Ring nicht gibt aber das wäre natürlich kein dramatisches Ende gewesen. Wobei, vielleicht hätte Hagen ihn trotzdem erschlagen.. oder gerade deswegen.

    Siegfried ist am Ende schon irgendwie ein armer Kerl. Als er das Gegengift verabreicht bekommt und sich an Brünnhilde erinnert, sieht er sie nie wieder, weil er dann umgebracht wird. Schon irgendwie tragisch.

    Im letzten Akt passiert aber nicht mehr so viel überraschendes, finde ich. Die ganze Handlung läuft irgendwie darauf zu, es endet in einem hochdramatischen Abgesang von Brünnhilde - dass auch Walhalla untergeht, wird in der Stuttgarter Inszenierung hauptsächlich durch die eingeblendeten Regieanweisungen deutlich. Das ist aber überhaupt kein Manko, finde ich. Es erfüllt seinen Zweck ziemlich gut so.

    Dass die Götter gar nicht mehr vorkommen, hat mich aufgrund des Titels doch irgendwie etwas gewundert. Ja, die haben ausgespielt, so viel ist klar. Nur hatte ich mit einem letzten Aufbäumen gerechnet.. oder, dass Loge Wotan eine runterhaut oder so. Egal. Das macht's nicht schlechter.

    Siegfried hat mir übrigens in der Götterdämmerung ausgesprochen gut gefallen. Der Sänger kann so doof grinsen.. ein richtiger Held? Wohl nicht - aber ich finde, da ist Wagner ausgesprochen modern und sehr vor seiner Zeit, was das Helden- bzw Männerbild angeht. Mein persönlicher Favorit bleibt aber Mime. Zumindest in dieser Inszenierung, mal sehen, wie es mir bei den anderen geht.

    Ja nun, der Fürst ist durch. Das war eine aufregende Reise, vielen Dank, dass ihr mir zugehört habt.

    Ich denke, es wird nicht meine letzte Begegnung mit dem Ring sein, als nächstes werde ich mir wohl die Leitmotiv-Ausgabe holen. Das ist mir übrigens im weiteren Verlauf der Oper deutlich leichter gefallen. Ich habe gegen Ende doch einige Motive erkannt und das hat mich mich gar frohlocken lassen. Sehr befriedigend, das. Während ich also auf diese Ausgabe warte, lese ich mal den Opernführer, den ich hier ganz zu Beginn gepostet habe. Das kommentierte Libretto wird es dann für Runde 2 mit Chereau geben, denke ich. Für eine reine Audioaufnahme bin ich glaube ich noch nicht bereit. Dafür hatte ich an (einigen) Schauspielern zu große Freude.


    Fürstliche Grüße aus dem sonnigen Ruhrgebiet :)

  • Ich liebe die Nornenszene sehr, so wie ich alle rekapitulierenden Szenen im Ring sehr mag. Für mich liegt die Länge beim Vorspiel der Götterdämmerung dann eher im Duett Siegfried-Brünnhilde, auch wenn das zum Glück kürzer ist als die viel zu lange Schlussszene im "Siegfried", bei der ich immer sehr mit mir kämpfen muss, nicht den Fast forward-Knopf auf der Fernbedienung zu drücken.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Dass die Götter gar nicht mehr vorkommen, hat mich aufgrund des Titels doch irgendwie etwas gewundert.

    Im ursprünglichen Plan sollte es nur eine Oper sein mit dem Titel „Siegfrieds Tod“. Erst daraus erwuchs Zug um Zug die komplette Tetralogie. Das Hauptthema war also zunächst nicht die Wotan-Tragödie, sondern eben die Story von Siegfried. Aber mit dem ganzen Mythos verschob sich dann der Schwerpunkt und daher war es folgerichtig den letzten Teil „Götterdämmerung“ zu nennen, obwohl Wagner zeitweise die Götter doch nicht untergehen lassen wollte. Man sieht das an den verschiedenen Textfassungen von Brünnhildes Schlussgesang.

    Da gab es auch einmal am Anfang die Schlusszeile „Nur einer herrsche! Allvater! Herrlicher! Du!“ Da wäre der Tod von Siegfried und der Sühnetod von Brünnhilde mit der Rückgabe des Rings an die Rheintöchter also eine Reinigung und Wiederherstellung der alten Machtstrukturen gewesen.

    Später dann (feuerbachisch): „Nicht Gut, nicht Gold, / noch herrische Pracht; / nicht Haus, nicht Hof, / noch herrischer Prunk; / nicht trüber Verträge / trügender Bund, / noch heuchelnder Sitte / hartes Gesetz: / selig in Lust und Leid lässt - die Liebe nur sein“.

    Mit Schopenhauer zweifelte er dann an der Kraft der Liebe und bezeichnete die Liebe zwischen Brünnhilde und Siegfried sogar als „gründlich verheerend“. So wurde es dann zu: „Trauernder Liebe / tiefstes Leiden / schloss die Augen mir auf: / enden sah ich die Welt“.

    Vertont wurden diese Texte zwar nicht. Wagner hat aber den Feuerbach-Schluss („…Liebe…“) sowie den Schopenhauerschen („enden sah ich die Welt“) in der Ausgabe des endgültigen Textes der Götterdämmerung als Anhang abgedruckt und damit nicht widerrufen. Nun kann sich jeder seinen Reim drauf machen, ob der Schluss Optimismus verheißt (Neuanfang / Liebe) oder pure Resignation meint, oder eine Mischung aus beidem (Hoffnung auf eine bessere Welt, aber mit Zweifeln)…

    Zu der meiner Meinung nach schlüssigsten Umsetzung der Tetralogie durch Patrice Chereau gab es bei der TV-Erstausstrahlung 1980 eine sehr gute Einführungssendung, die mit folgenden Worten schloss:

    Man kann die Natur nicht ordnen, ohne die Natur zu zerstören.
    Man kann in einer zerstörten Welt nicht leben, ohne sich selbst zu zerstören.
    Man kann die Übel der Politik nicht politisch beseitigen.
    Man kann Politik nicht durch Naivität überwinden.
    Man kann aus Liebe keine Politik machen.
    Man kann als Naiver nicht im Politischen überleben.

    Was Chereau inszeniert, ist nicht eine politische Tragödie. Es ist die Tragödie der Politik“.

    Zitiert nach: „Eine Einführung zur Fernsehaufzeichnung von Wagners Tetralogie […]. Manuskript: Peter Windgassen, Werner Diez. Bayerischer Rundfunk 1982

    -----------------------------------------------------------------------------------------------
    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Im ursprünglichen Plan sollte es nur eine Oper sein mit dem Titel „Siegfrieds Tod“. Erst daraus erwuchs Zug um Zug die komplette Tetralogie. Das Hauptthema war also zunächst nicht die Wotan-Tragödie, sondern eben die Story von Siegfried. Aber mit dem ganzen Mythos verschob sich dann der Schwerpunkt und daher war es folgerichtig den letzten Teil „Götterdämmerung“ zu nennen, obwohl Wagner zeitweise die Götter doch nicht untergehen lassen wollte. Man sieht das an den verschiedenen Textfassungen von Brünnhildes Schlussgesang.

    Eine leicht variierte Sichtweise ist diese:

    Die Idee für das Drama stammt von Richard Wagner anno 1848 - von revolutionären Idealen getragen. Ein unschuldiger Held geht an den Intrigen höherer Mächte zugrunde. "Siegfrieds Tod".

    Später, mit der Bekanntschaft von Ludwig II., fand ein Perspektivwechsel statt. Der Blick kam nicht mehr von unten, von den Unschuldigen und Unprivilegierten, sondern von oben, von den Mächtigen. So wurde es die "Götterdämmerung".

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Gerade habe ich das hier mal angefangen, weil YouTube es mir entgegengeschleudert hat.

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    CAST Conductor ALAIN ALTINOGLU
    Director, Set, Costume & Lighting Designer ROMEO CASTELLUCCI
    Dramaturge CHRISTIAN LONGCHAMP
    Artistic Collaborator MAXI MENJA LEHMANN
    Set Design Collaborator PAOLA VILLANI
    Costume Design Collaborator CLARA ROSINA STRAßER
    Lighting Collaborator RAPHAEL NOEL
    Choreography CINDY VAN ACKER
    Siegmund PETER WEDD
    Hunding ANTE JERKUNICA
    Wotan GÁBOR BRETZ
    Sieglinde NADJA STEFANOFF
    Brünnhilde INGELA BRIMBERG
    Fricka MARIE-NICOLE LEMIEUX
    Gerhilde KAREN VERMEIREN
    Ortlinde TINEKE VAN INGELGEM
    Waltraute POLLY LEECH
    Schwertleite LOTTE VERSTAEN
    Helmwige KATIE LOWE
    Siegrune MARIE-ANDRÉE BOUCHARD-LESIEUR
    Grimgerde IRIS VAN WIJNEN
    Rossweisse CHRISTEL LOETZSCH
    La Monnaie Symphony Orchestra Production LA MONNAIE
    Coproduction GRAN TEATRO DEL LICEU (Barcelona)

    Bildqualität zugegebenermaßen nicht so toll - das Vorschaubild ist der Hammer, finde ich. Und das Vorspiel hat mich wirklich ziemlich beeindruckt, hat mir viel besser gefallen als bei Zagrosek. Ich glaube, ich werde das mal weiter anschauen :)

    Kennt das vielleicht jemand ?

  • Wie schön, wieder von dir zu lesen, lieber Fürst! Ich wollte schon nachfragen, ob du denn deinen zweiten Durchgang durch den Ring inzwischen begonnen hast, oder ob du dich doch anderen Projekten zugewandt hast. Grins1

    Kennt das vielleicht jemand ?

    Ich hatte zwar mitbekommen, dass unter Alain Altinoglu in Brüssel eine "Ring" geschmiedet wurde, aber ich habe nichts davon gesehen oder gehört. Ich wusste gar nicht, dass es eine Aufzeichnung von diesem Brüsseler Ring gibt. Jetzt habe ich mal in das Ende des ersten Aktes hineingeschaut, musikalisch eine meiner LIeblingsstellen im Ring. Musikalisch fand ich das ganz gut, gute Stimmen als Siegmund und Sieglinde (ich kenne beide SängerInnen nicht). Aber warum ist Notung ein großes Glas Himbeermarmelade?

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Manchmal kommt einem das Leben dazwischen...

    Das Rheingold habe ich leider online nicht gefunden, das würde mich auch interessieren. Was für mich aus dieser Inszenierung ziemlich hervorsticht, ist, wie gut man die Leute verstehen kann! Siegmund und Sieglinde gehen hervorragend aber auch Wotan finde ich wirklich sehr verständlich. Sogar Brünnhilde geht.

    Musikalisch holt's mich sehr viel mehr ab als die Stuttgarter Variante. Ich weiß aber nicht, ob es daran liegt, dass ich die Walküre jetzt schon 'kenne' oder ob ich das Dirigat wirklich so viel besser finde. Ich glaube ja letzteres...

    Bis zur Himbeermarmelade bin ich noch nicht vorgedrungen, musste aber lachen. In Stuttgart war's ja zwischenzeitlich ein Kartoffelsalat, das gefiel mir auch... :) (allerdings erst im Siegfried). Ich bin jedenfalls sehr neugierig auf die anderen Teile des Rings aus Brüssel. Walküre war die Oper, die mich persönlich am wenigsten umgehauen hat.

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    Da wir ja diese leidige Diskussion auch hatten, wie man mehr Leute für Oper begeistern könnte oder für klassische Musik generell, finde ich das eine sehr gelungene Sache von Seiten der Brüsseler Oper. Es gibt auch eins zur Walküre.

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    Sowas mag ich ja.

    Bin gespannt wie's da weitergeht in Brüssel.

  • Aber warum ist Notung ein großes Glas Himbeermarmelade?

    da wurde ich neugierig......naja, also es gibt ja auf der Bühne ein tatsächliches Schwert, was Sieglinde bringt und in sich birgt, als ob sie der Baum sei. Siegmund zieht es dann aus ihr heraus (eigentlich keine schlechte Regie-Idee. Ich kenne mich nun aber nicht so gut bei Ring Inszenierungen aus, daher die Frage in die Runde hier: gab es das schonmal vorher irgendwo in einem Ring zu sehen?)) und stellt es in den Kühlschrank. Dann suhlen sie sich nach und nach in einer roten Flüssigkeit, in oder umgeben von einem Blumenbett. Danach kommt erst das Glas mit wohl derselben Flüssigkeit. Ich meine, es soll wenn überhaupt, dann Kirsch-Marmelade sein, also Sieglindes Jungfrauen-Körperflüssigkeit - was dann korrespondiert mit der Idee, dass das Schwert ihr entnommen oder aus ihr herausgezogen wird.(Ja, ich weiss, sie ist höchstwahrscheinlich technisch keine Jungfrau mehr, aber emotional oder in ihrem Wesen ist sie es natürlich, deswegen ja auch der Kühlschrank...) Und so weiss man auch gleich, was die Milch ist, die dann zum Vorschein kommt und getrunken wird. Naja, ob das alles im Gesamtkonzept Sinn macht, kann man wohl nur sehen, wenn man sich die ganze Show ansieht. An sich ist das von mir beschriebene Detail nicht schlecht, finde ich, nur wirkt es einerseits etwas unappetitlich und andererseits wie ein Verriss eines "invigorate your sex life" Ratgebers ....was ja aber auch gar nicht dumm ist. Siehe Inzest. Eine Stellungnahme des Regisseurs zum Geschehen? Wie gesagt, man müsste sich nun alles ansehen, am besten alle 4 Opern natürlich, ehe man sich darüber eine Meinung bilden kann.

  • daher die Frage in die Runde hier: gab es das schonmal vorher irgendwo in einem Ring zu sehen?

    In Stuttgart - in der Inszenierung, die der Fuerst zuerst schaute.

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

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