Lieblings-Rolleninterpreten (3 + 3)

  • Hier schon mal der Kandidat für heute (meine Favoriten reiche ich nach). Es ist aus Giuseppe Verdis Oper Don Carlos

    Philippe II, roi d'Espagne

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Noro oder Corona? Mit letzterem hatte ich über die Feiertage das Vergnügen, was einen Besuch bei den Eltern der Lady vereitelt hat…

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Philippe II, roi d'Espagne

    Schöne Rolle, wenn auch schwierig wegen der verschiedenen Sprachen. Von meinen 40-45 Live-Erlebnissen mit dieser Oper war die größere "Hälfte" auf italienisch, die etwas kleinere "Hälfte" auf deutsch, aber kein einziges war in französischer Originalsprache.

    Also hier meine Lieblingsrolleninterpreten:

    (historisch)

    1. Boris Christoff

    Eine meiner Lieblingsrollen meines historischen Lieblingsbasses, ich kenne ihn aus drei mindestens Gesamtaufnahmen (Studio mit Bastianini, Studio mit Gobbi und London live, wo Frau Barbieri am Ende ihrer großen Arie im Arbeitszimmerbild Höhenprobleme hat), aber es gibt noch viel mehr. Habe u.a. noch Mitschnitte aus Hamburg und sogar Wiesbaden(!) auf der Festplatte, aber noch nicht oder noch zu selten gehört.

       

    Jedenfalls ist seine Mischung aus Strenge und unerbittlichkeit einerseits und zwarter Verletztlichkeit andererseits (besonders der Piano-Beginn der Arie) für mich unerreicht. Was den Transort von Emotionen in der Stimme betrifft, gilt im Bass-Fach für mich ohnehin: Keiner wie er!

    Auch Cesare Siepi war ein großartiger König Philipp, der Christoff kaum nachstand. Meine beiden weiteren historischen Plätze gehen dennoch an anderssprachige Interpreten:

    2. Gottlob Frick

    Über den deutschsprachigen Opernquerschnitt unter Heinz Fricke lernte ich diese Rolle kennenn und lieben. Jahre später kam die deutschsprachige Münchner Gesamtaufnahme unter Henrich Bender mit dem atemberaubenden Bass-Duett Frick - Böhme hinzu. Leider kann ich letztere nicht von JPC verlinken.

    Auch Fricks Edelbass verstömt mächtige Autorität und Majestät, aber auch er hat verletztliche Stellen und Emotion.

    Auch Josef Greindl war, zumindest im früheren Berliner Mitschnitt von 1948, ein eindrucksvoller deutschsprachiger König Philipp, aber Platz 3 geht an einen noch anderssprachigen Interpreten.

    3. Ruggiero Raimondi

    Er war nicht nur mein erster König Philipp in einer Gesamtaufnahme (der französischsprachigen unter Abbado), sondern auch mein aktuell letzter gehörter Philipp, da ich diese Aufnahme just erst am Karfreitag wieder gehört habe (auch wenn ich aktuell erst einmal nur bis zum Autodafé gekommen bin).

    Sein Philipp klingt etwas edler und gezügelter, was auch an der weicheren Sprache liegt, aber Emotionen hat er auch.

    (Und nun meine live erlebten Lieblingsrolleninterpreten)

    4. Matti Salminen

    Er war nicht nur im September 1992 an der Deutschen Oper Berlin mein erster Live-Filippo überhaupt, sondern auch sonst mein prägender italienischsprachiger Rolleninterpret, noch vier weitere Male erlebt in Berlin, dazu 2004 in Dresden, 2010 in Köln und 2013 in Salzburg. Ich verlinke das Salzburger Video von 2013, also schon etwas spät für ihn, aber in der Aufführung, in der ich live saß, war er nach wie vor vollkommen souverän und hinreißend.

    Während er im deutschen Fach bei einigen Partien manchmal etwas linienzerhackend sang und mitunter auch mit der deutschen Sprache holperte, strömte die Stimme, wenn er italienische sang, noch ganz anders, geradezu balsamisch. Neben der großen Bühnenautorität konnte auch er mit einem hinreißenden Piano-Beginn bei der Arie und einem mächtigen Abschluss des Bass-Duetts punkten, dazu konnte auch er Emotionen in seinem Gesang transportieren wie nur wenige andere.

    Mein prägender deutschsprachiger Lieblingsrolleninterpret war

    5. Ulrich Dünnebach

    Ihne erlebte ich ab 2004 vielfach in Dessau und war sehr beeindruckt, an diesem Theater eine solch grandiose Sängerleistung erleben zu dürfen, In der Inszenierung von Johannes Felsenstein WAR er der König Philipp und blieb dieser anspruchsvollen Rolle nicht das Geringste schuldig.

    Leider kann ich von ihm nur eine originalsprachliche Arie verlinken, aber immerhin:

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    Als dritten und letzten live erlebten Lieblingsrolleninterpreten nominiere ich nicht Pape, Scianduzzi, oder Prestia, sondern:

    6. Hans-Peter König

    Ihn erlebte ich 2013 im Abstand von einer Woche gleich 2x an der Deutschen Oper Berlin (italienischsprachig) - das erste Mal hatte er einen grandiosen Abend, das zweite Mal war er etwas durchwachsen, aber die "Sternstunde" der Erstbegegnung bringt ihm diesen Nominierungsplatz ein.

    Leider scheint er in dieser Rolle gar nicht verlinkbar zu sein, dann also wenigstens ein Stück Hagen, weil der war schon...

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    Er war übrigens auch ein sehr guter Großinquisitor (erlebt 2004 in Dresden) und auch Zaccaria in "Nabucco" (erlebt im letzten Jahrzehnt an der Deutschen Oper Berlin) - die italienische Sprache kitzelte also auch bei ihm noch ganz ungeahnte stimmlich-klangliche Qualitäten heraus.

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Filippo II / Philippe II historisch (jeweils in den angegebenen Aufnahmen)

    1 Boris Christoff - Giulini 1958

    2 Jacques Mars - Lecomte 1967

    3 Nicolai Ghiaurov - Previtali 1968

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Philippe II

    von Aufnahmen:

    1. José van Dam (Pappano). Kann mir schwerlich einen besseren Philipp vorstellen!
    2. Joseph Rouleau (Matheson).
    3. Nicolai Ghiaurov (Solti).
    Ruggero Raimondi (Abbado) käme knapp dahinter.

    Live:

    1. Stephen Bronk (Düsseldorf 2001, Stéphane Denève/Christoph Loy). Mein überzeugendster Live-Philipp mit einem kompletten Rollenportrait, der die Zerrissenheit des Charakters sängerisch wie darstellerisch rüberbrachte.
    2. Ildebrando d'Arcangelo (Lüttich 2020, Paolo Arrivabene/Stefano Mazzonis di Pralavera). Litt unter der einfallslosen Regie, ansonsten aber ähnlich.
    3. Gábor Bretz (Hamburg 2019, P. G. Morandi/Peter Konwitschny). Sängerisch nicht ganz in derselben Liga, aber noch sehr gut, (wie Bronk) von einer hervorragenden Regie profitierend, aber unter einem einschläfernden Dirigat leidend.

    Weniger überzeugt haben Peter Rose (2002) und Matti Salminen (2010), beide in derselben Kölner Inszenierung von Torsten Fischer, wobei die Wiederaufnahme der trotz vieraktiger Torso-Fassung eigentlich sehr gelungenen Inszenierung eher wie ein Arienabend aufgemacht war; Salminen war sängerisch (für seine Verhältnisse!) blass und darstellerisch nahe am Totalausfall.

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Der König von Spanien:

    1. Siepi. Der war neben Björling Mittelpunkt der ersten Premiere Bings an der MET (wobei der Ängste auszustehen hatte, weil Siepi in Mailand in der Via Moscova wohnte…)

    2. Ghiaurov, vor allem unter Solti. Mit Talvelas Grossinquisitor ein unvergessliches Duell.
    3. Christoff, der Knorrigste dieses Trios. Die Aufnahme unter Santini ist schwer unterschätzt, aber seine beste Version ist die mit Giulini Covent Garden.

    Live hat mich Pape am stärksten beeindruckt. Die zweite Nominierung ist dann doch Furlanetto.

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Ja, die gefällt mir auch besser, nicht nur, weil ich sie früher hatte und häufiger gehört habe als die andere, Cossotto eindrucksvoll, Vinco eindrucksvoll (obgleich Neri da auf der anderen vielleicht sogar noch einen Tick besser ist), Labo weit besser als Filippeschi und Bastianini als Posa geht eigentlich nicht besser, da kommt kein anderer ran, nicht mal der auch sehr gute Gobbi.

    Vielleicht für alle, die nur mal kurz reinschauen, nochmal der Hinweis: Neu im Rennen ist der König Philipp II., NICHT der Posa! Grins1

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Filippeschi ist ein ziemlicher Schreihals… Labo eben kein großer Name, aber sehr gut.

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Mit dem "Don Carlo(s)" habe ich mich, außer in Ausschnitten, nicht so oft beschäftigt. Komischerweise ist da auch im Gedächtnis nicht viel hängengeblieben oder zumindest kann ich die Eindrücke nicht mehr klar zuordnen. Beim König Philipp vermag ich mit Sicherheit nur

    Boris Christoff (Nello Santi, 1960) als großartig zu nennen.

    ______________________

    Homo sum, ergo inscius.

  • Zu Philipp II. / Don Carlo(s) kann ich nicht viel beitragen, ich habe diese Oper nie auf der Bühne erlebt. Auf meinen überschaubaren Video-Aufzeichnungen gefällt mir Ferruccio Furlanetto am besten, den ich somit als einzigen Lieblings-Interpreten benenne.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Meine Nennungen für Philipp II.:

    Klassisch: Boris Christoff, Gottlob Frick, Nicolai Ghiaurov.

    Auf der Bühne erlebt: Cesare Siepi (einzigartig!), Matti Salminen, Ferrucio Furlanetto.

    :clap:

  • beim spanischen König verweigere ich mir die historische Komponente, weil alle drei Sänger, die ich bei "live erlebt" nenne, schon lange nicht mehr unter uns weilen - aber ich habe sie alle drei noch erleben dürfen.

    Boris Christoff (in seinen letzten Bühnenjahren habe ich ihn noch einmal in Zürich auf der Bühne erlebt)

    Cesare Siepi (mehrmals in der Wiener Staatsoper)

    Nicolai Ghiaurov (auch er war eine Repertoirebesetzung in Wien)


    PS und @ Armin Diedrich: Die wiener "Don Carlos" Premiere 1970 (es gibt davon einen Mitschnitt auf CD) war von der Besetzung in weiten Bereichen ident mit der Studioaufnahme unter Solti. Und das Duett Philipp - Großinquisitor war sensationell; Talvela stellte unter Beweis, dass der Großinquisitor mächtiger ist als der König (und Ghiaurov war immerhin eine echte Bühnenpersönlichkeit)

  • Talvela stellte unter Beweis, dass der Großinquisitor mächtiger ist als der König

    Hier auch:

    Grins1

    (Und Greindl war natürlich auch eine echte Bühnenpersönlichkeit.)

    In den 1980er Jahren soll an der Staatsoper Berlin in dieser Szene Fritz Hübner als Großinquisitor Theo Adam als König Philipp regelmäßig gegen die Wand gesungen haben. Unabhängig davon war Theo Adam auch ein eindrucksvoller deutschsprachiger König Philipp, wie man hier nachhören kann:

    Ich habe halt boß keinen Platz mehr für ihn frei gehabt.

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

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