Lieblings-Rolleninterpreten (3 + 3)

  • Simon Boccanegra ist wohl meine Lieblingsoper von Verdi.

    Auf Platz 1 ist für mich eindeutig Tito Gobbi. Mit dem darstellerisch etwas weniger vielschichtigen, aber stimmlich unschlagbaren Piero Cappuccilli habe ich die Oper kennengelernt. In einer Übertragung aus Dijon, die jetzt nicht mehr verfügbar scheint, hat mir Vittorio Vitelli gut gefallen, der die Rolle wohl immer noch in Europa rauf und runter singt.

    Live habe ich Alexandru Agache und Kiril Manolov erlebt, auch beide sehr gut.

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Dann können wir den Eoban für die Lieblingsinterpreten vormerken…

    Nee, der natürlich nicht (obgleich dessen Darsteller der Einzige war, der mich vorgestern in der MuKo zum Lachen gebracht hat), aber sein Wagnersches Pendant schon! :etsch1:

    Als neue Rolle des Tages bringe ich heute den Sixtus Beckmesser aus der Oper "Die Meistersinger von Nürnberg" von Richard Wagner ein.

    Eine schillernde Rolle, die man sehr unterschiedlich besetzen und auch interpretieren kann. Kurioserweise habe ich zwar gleich zwei megatolle Beckmesser mehrfach live erlebt, unter den nicht live erlebten hat mich jedoch keiner wirklich vom Hocker gehauen. Vielleicht ist es eine Rolle, die live einfach mehr hermacht als auf Aufnahmen. Der Beckmesser meiner ersten Gesamtaufnahme war Geraint Evans, den ich schon wegen seines starkes Akzents gar nicht mochte, aber auch die Herren Kusche, Dönch, Hirte, Hermann und einige mehr haben mich irgendwie alle nicht wirklich in dieser Rolle begeistert. Dennoch werde ich bei dieser rolle trotzdem auch drei "historische" Interpreten nominieren:

    1. Karl Schmitt-Walter - im Bayreuther Mitschnitt von 1960 finde ich ihn schon ziemlich gut (besser als den Sachs...)

    2. Erich Kunz

    Er war schon in jungen Jahren ein vielbeschäftiger Beckmesser, natürlich gefällt er mir im 43er Bayreuth-Mitschnitt unter Abendroth WEIT besser als der schon extreme Eugen Fuchs im Parallelmitschnitt unter Furtwängler.

    3. Günther Leib - irgendwie lag ihm diese Rolle, was auch seine internationale Karriere damit (Salzburg, Rom, New York u.a.) bestätigt

    Ich verlinke den 1. und 2. Akt der Fernsehaufzeichnung aus der Staatsoper Berlin von 1980, der 3. Akt findet sich ebenfalls bei Youtube:

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    Und zu meinen beiden überragenden Live-Interpreten - ich beide in dieser Rolle so heiß und innig geliebt, dass ich nicht entscheiden kann, wem ich den Vorzug geben möchte. Also entscheide ich mich für eine alphabetische und chronologische (Reihenfolge der Erstbegegnung in der Partie) Aufzählung:

    4. Siegfried Lorenz

    Ihn erlebte ich in dieser Rolle Anfang bis Mitte der 1990er Jahre mehrfach an der Staatsoper Berlin. Fantastisch gesungen und umwerfend gespielt.

    Wolfgang Sawallisch besetzte ihn auch 1993 in seiner Münchner Studioaufnahme als Beckmesser:

    Ich verlinke außerdem die Videos des 1. und 2. Aktes vom Japan-Gastspiel der Staatsoper Berlin 1987, der 3. Akt findet sich ebenfalls bei Youtube:

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    Und hier noch ein Audio-Teilmitschnitt einer Vorstellung, in der ich selber drin war. Bemerkenswert ist hier die Publikumsreaktion bei Beckmessers Abgang am Ende des 2. Aktes:

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    5. Eike Wilm Schulte

    Auch er war ein stimmlich und darstellerisch überragender Beckmesser, den ich in den 1990 Jahren an beiden großen Berliner Opernhäusern und an der Semperoper Dresden erlebte.

    Die Götz-Friedrich-Inszenierung an der Deutschen Oper Berlin wurde mit ihm aufgezeichnet:

    Und hier noch ein Video-Teilmitschnitt einer Aufführung, die ich selbst erlebt habe (damals habe ich mir anlässlich des letzten Berliner Sachs von Siegfried Vogel eine Karte in der 1. Parkettreihe Mitte geleistet, was angesichts des damals frisch eingeführten "Junior-Abos" gut leistbar war Grins1)

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    Das waren unvergessliche Opernabend für mich.

    Ebenfalls als Beckmesser erlebt habe ich u.a. Rolf Haunstein, Gottfried Hornik, Rudolf A. Hartmann, Ralf Lukas, Hans-Joachim Ketelsen, Dietrich Greve, Andreas Schmidt, Jochen Schmeckenbecher, Johannes Martin Kränzle, Ardian Eröd und einige mehr - keiner war so überzeugend wie diese beiden Nominierten.

    Platz 3 geht dennoch an einen, der stimmlich zwar nicht im Entferntesten an Lorenz und Schulte heranreichte, aber vielleicht der eindrücklichste und darstellerisch hinreißendste Beckmesser war, den ich je live erlebt habe. Das war im Februar 1995 am Meininger Theater, die Everding-Inszenierung war das intensivste "Meistersinger"-Werkerlebnis, was ich bis dahin hatte (in Berlin und Dresden saß ich bis dato immer im obersten Rang, in Meiningen für auch nicht mehr Geld im Parkett 1. Reihe, aber das war nur einer von vielen Gründen) und der so eindrucksvolle Beckmesser (der nach der Prügelfuge mit der über den Kopf geschlagenen Laute sozusagen als "Kragen" wieder aufstand), war

    6. Herbert G. Adami

    Verlinken kann ich ihn in dieser Rolle leider nicht, lediglich in einer Schauspielproduktion(!), der Produktion "Alte Meister" des Staatsschauspiels Dresden in der Gemäldegalerie "Alte Meister". Grins1

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    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Hallo,

    zur Küsterin möchte ich Anny Schlemm beitragen, die ich vor vielen Jahren in der Rolle gesehen habe und die einfach großartig war.

    Schöne Grüße

    wegan

  • Menno, schon wieder einer, der mir die geplante Rolle wegnimmt *grummel*

    Historisch

    1. Erich Kunz. Neben Papageno seine Leib- und Magenrolle. Bei Karajan höre ich ihn fast noch lieber als bei Abendroth.
    2. Karl Dönch. Auch aus der Wiener Tradition.
    3. Thomas Hemsley. Kubeliks Meistersinger sind einfach die besten, die ich kenne.

    Live:

    Schulte war der beste Beckmesser seiner Zeit. Man verstand jedes Wort.
    Kränzle konnte sowohl Terfel in London als auch Volle in Bayreuth Paroli bieten, und Koskys Inszenierung war einfach klasse.


    Wer das an der Komischen Oper in der Homoki-Inszenierung war muss ich noch nachschauen, der war auch nicht schlecht. In München gab es ansonsten dauernd Nöcker, viel zu alt…

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Sixtus Beckmesser:

    1. Erich Kunz - ganz klar, er zeichnete auch den Menschen, nicht nur den Hanswurst

    2. Benno Kusche - der wiederum konzentrierte sich auf die Witzfigur

    3. Johann Martin Kränzle

    ______________________

    Homo sum, ergo inscius.

  • Sixtus Beckmesser:

    1. Erich Kunz - ganz klar, er zeichnete auch den Menschen, nicht nur den Hanswurst

    2. Benno Kusche - der wiederum konzentrierte sich auf die Witzfigur

    Jep, Kusche war mir immer zu vordergründig

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Wer das an der Komischen Oper in der Homoki-Inszenierung war muss ich noch nachschauen, der war auch nicht schlecht.

    Das hat in der Produktion eigentlich immer Tom Erik Lie gesungen, zumindest war er immer regulär angesetzt. (Mindest 1x gab es einen Einspringer in dieser "legendären" Aufführung, bei der am Ende alle drei männliche Hauptpartien umbesetzt waren.)

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Ja, der Name kommt mir bekannt vor, daher sei er nominiert. Der war nicht schlecht, und die anderen fielen zu deutlich ab. Neben Nöcker war es noch mal Prey, und der hat das "blüh und wachs!" komplett versemmelt...

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Dido: Historisch: Die Aufnahme mit Martha Mödl kenne ich leider nicht

    m. E. durchaus möglich, dass es da nur wenige Pressungen von gibt...

    Mit Veröffentlichungen des NDR-Orchesters ist das ja juristisch ne spezielle Kiste (meine ich mal gelesen zu haben); bzgl. dieser Dido soll die Mödl Jahrzehnte später (zusammen mit Hermann Preys Witwe) die entspr. Verantwortlichen so lange gepiesackt haben, bis die Aufnahme freigegeben wurde.....

    Ich kenne nur eine Erede-Aufnahme mit Inge Borkh und gehe ganz stark davon aus, dass du die auch meinst.

    :jaja1::jaja1::jaja1:

    u. ein bisserl Eindimensionalität bekommt dem 'Rigoletto' m. E. ganz gut . . .

    Auf solche eine Begründung muss man erstmal kommen! :megalol:

    schon klar; Walldorff auf Abwegen, soll heißen als geschwätziger Kritiker... - trotzdem hätte ich es passender gefunden, wenn Du mit einem Wow1 oder was ähnlichem darauf reagiert hättest; Deinen smiley empfinde ich als kränkend, ehrlich ;)

    Das ist eine Rubrik für die Benennung von Lieblingsrolleninterpreten

    schon klar II. - trotzdem würde ich einen reinen Aufzählungsthread vermutl. gar nicht zur Kenntnis nehmen wollen: der staubte mir zu sehr nach 50er-J. Büro! (mag schon sein, dass ich da überempfindlich bin: meine Sippe väterl.seits bestand, soweit sich's zurückverfolgen lässt, weitestgehend aus Schreibstuben-Bücklingen!)

    mit Verlaub, viell. gehst Du ein bisserl sehr von Dir selber aus hier? ;) - ich als nur ''mäßig-regelmäßiger Operninteressent'' empfinde (mindestens!!) Dreiviertel der hiesigen Anmerkungen als bereichernd.

    Das TV gibt mehr 'Unterhaltung' aus, als es hat - in der bürgerl. Gesetzgebung nennt man das 'betrügerischen Bankrott' Werner Schneyder Es ging aus heiterem Himmel um Irgendwas. Ich passte da nicht rein. Die anderen aber auch nicht. FiDi über die Teilnahme an seiner ersten (und letzten) Talkshow

  • Beckmesser historisch -in den angegebenen Aufnahmen :

    1 Hermann Wiedemann - 1937 Toscanini

    2 Erich Kunz - 1943 Abendroth

    3 Benno Kusche - 1949 Jochum

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Als Beckmesser hat mir Karl Dönch in der Knappertsbusch-Aufnahme gefallen, der auch eher auf der karikierenden Seite ist. Was die sängerische Bewältigung der Partie angeht, hat mir Michael Volle in dem Bayreuther Video-Mitschnitt von 2007 sehr imponiert. Live war Andreas Jören ein wirklich, wirklich guter Beckmesser. Alle anderen müsste ich erstmal wieder hören.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • So, ich habe einiges nachzuholen!

    A=von Aufnahmen, L=Live

    Leonore

    A: Christa Ludwig (Klemperer)
    L: Kelly Cae Hogan (Kassel 2012; Yoel Gamzou/Elmar Gehlen). Die einzige Live-Leonore, die mich überzeugt hat.


    Don Pasquale

    A: Renato Bruson (R. Abbado)
    Die beiden Live-Pasquales sind mir nicht ausreichend in Erinnerung geblieben.


    Königin der Nacht

    A: Sumi Jo (Solti), Natalie Dessay (Christie)
    L: Alina Wunderlin (Köln 2019); das war eine Vorstellung der Kinderoper mit gekürzter erster Arie. Sie war aber meine einzige Live-Königin, die was taugte.


    Cavaradossi

    A: Giuseppe di Stefano (de Sabata), Luciano Pavarotti (Rescigno)
    L: Sidwill Hartmann (Köln 1998); ein Sänger, der in Köln so ziemlich alles sang, nie überragend, aber auch niemals schlecht


    Frosch

    L: Herbert Feuerstein (Köln 2003; Friedrich Haider/Helmuth Lohner); der Regisseur wollte wohl ein Kontrastprogramm zu sich selber ...


    Fricka (Walküre)

    A: 1. Hanna Schwarz (Boulez), 2. Christa Ludwig (Solti), 3. Yvonne Minton (Janowski)
    L: Gwendolyn Killebrew (Duisburg ca. 1977), eine der Sängerinnen, an die ich mich noch gut erinnere.
    L: Julia Juon (Bonn 1998 und 2001, Soustrot/Schoenbohm), Doris Soffel (Köln 2001, Tate/Carsen)

    (Fortsetzung folgt)

    Bernd

    Fluctuat nec mergitur

  • Bei mir dann auch ein weiterer Nachtrag.

    Melisande:

    Historisch:

    1 - Victoria de los Angeles
    2 - Suzanne Danco
    3 - Frederica von Stade

    Live:

    1 - Judith Blegen
    2 - Gabriele Rossmanith

    So weit erstmal für heute. Bei dem Tempo hole ich natürlich nicht auf Grins1, aber ich muss erst einmal wieder in meine Programme steigen.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Nur weil ich die Aufnahme nicht kenne.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Stimmt natürlich und ist korrigiert.

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

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