Lieblings-Rolleninterpreten (3 + 3)

  • Morgen (Fr 14.06.) bringt „Bertarido“ die 108. Rolle in dieser Rubrik ein (laut seiner eigenen Ankündigung eine Rolle aus Wagners „Ring“)

    Das sagt' ich doch nicht?
    Du verstehst mich ja falsch!

    ^^

    Ich hatte tatsächlich den "Siegfried"-Mime im Auge, aber den hast Du mir nun weggeschnappt.

    Von den live erlebten Interpreten kann ich Graham Clark in Bayreuth nominieren (habe ich auch auf mehreren Aufnahmen). An Manfred Jung habe ich kaum noch Erinnerungen und an Gerhard Siegel gar keine mehr. Von den nicht live erlebten Sängern steht Heinz Zednik im Jahrhundert-RIng an erster Stelle, das ist für mich der ideale Mime-Interpret. Des weiteren Helmut Pampuch, und das war es dann auch für den Moment. Für eine dritte Nennung müsste ich wieder einmal in diverse Aufnahmen hineinhören.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • Ich hatte tatsächlich den "Siegfried"-Mime im Auge, aber den hast Du mir nun weggeschnappt.

    Du hättest ihn vorreservieren können, dann hätte ich was anderes genommen. Es soll aber noch mehr als 20 andere Wagner-"Ring"-Rollen geben, die noch nicht dran waren.

    Ich gehe davon aus, dass du heute trotzdem eine neue Rolle einbringst, die in die altuelle Themenwoche passt. :wink:

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Also gut, etwas aus dem „Ring des Nibelungen“, denn es fehlen ja wirklich noch ganz wichtige Rollen. Eine meiner liebsten ist der Siegmund.

    Live erlebte Lieblingsinterpreten sind (in chronologischer Reihenfolge):

    Peter Hofmann 1984 im Berliner Tunnel-Ring. Für mich war der Siegmund seine beste Wagner-Rolle, in dieser Aufführung war er ebenso gut wie im Bayreuther Jahrhundert-Ring, den ich leider nur vom Video kenne.


    Wolfgang Schmidt war 1992 in der Deutschen Oper am Rhein ebenfalls ein beeindruckender Siegmund. (Später in Bayreuth hörte ich ihn dann als nicht minder guten Siegfried.)


    Poul Elming habe ich 1995 in Bayreuth in dem Kirchner/Levine-Ring in der Rolle erlebt. Auf DVD oder Bluray kann man ihn in dem vorhergehenden Kupfer/Barenboim-Ring hören.


    Meine anderen in Bayreuth erlebten Interpreten waren Robert Dean Smith und Endrik Wottrich.

    Bei den Interpreten, die ich nur von Aufnahmen kenne, gehört auf jeden Fall Jonas Kaufmann in dem Lepage-Ring aus der MET zu meinen Favoriten.


    Des Weiteren ist mir beim Anschauen des Kopenhagener Rings Stig Andersen sehr positiv aufgefallen.


    Ansonsten habe ich beim Gang durch die nicht wenigen „Ring“-Aufnahmen auf meiner Festplatte und in meinem Regal keinen weiteren Lieblings-Interpreten für diese Rolle gefunden.

    Der Traum ist aus, allein die Nacht noch nicht.

  • „Thööööööölke!!“ … ach nee, das war ein anderer…


    Historisch:

    1. Melchior, natürlich nicht nur für seine 15-Sekunden-Tröte.
    2. Vickers, außerordentlich wie quasi immer.
    3. Suthaus, dessen dunklere Farbe der Rolle zu Pass kommt.
    Live war der Beste eindeutig Seiffert. Zwei Sondernominierungen für Walter Raffeiner und Siegfried Jerusalem, von denen ich in dieser Rolle die grauenhaftesten Töne hörte, die mir von professionellen Sängern jemals unterkamen. Ersterer wurde von der Bühne gebuht, letzterer hatte Glück, daß das in Ölbronn war und Kollegen das nicht machen. Aber beim Abendessen redete man seltsamerweise nur über das Wetter und nicht das Konzert … (Die Nominierung gilt nicht der „Leistung“, sondern den erinnerungswürdigen Abenden, die auf Lebenszeit etwas zum Erzählen sind…es heißt ja nicht: die besten, sondern „Lieblingsinterpreten“, was sie in dem Sinne ja sind)

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Walter Raffeiner und Siegfried Jerusalem, von denen ich in dieser Rolle die grauenhaftesten Töne hörte, die mir von professionellen Sängern jemals unterkamen.

    Die Nominierung gilt nicht der „Leistung“, sondern den erinnerungswürdigen Abenden, die auf Lebenszeit etwas zum Erzählen sind…es heißt ja nicht: die besten, sondern „Lieblingsinterpreten“, was sie in dem Sinne ja sind

    Wenn man sowas mag... :D

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

  • Och, wenn ein Sänger ein Debakel fabriziert, wie man es nie wieder erlebt hat, macht es ihn durchaus zu einem Liebling, so als Protagonist einer gern erzählten Story…

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Beim Siegmund sind meine Erfahrungen ziemlich beschränkt (Auszüge gelten ja nicht), ich kann daher nur mit Einschränkung nennen:

    1. Günter Treptow (1949, Rudolf Moralt) - das Heldische liegt ihm mehr, die "Winterstürme" weniger

    2. Edward Cook (1994/95, Günter Neuhold) - bei ihm verhält es sich eher umgekehrt, aber eine sympathische Stimme

    ______________________

    Homo sum, ergo inscius.

  • Nun also meine Lieblings-Siegmünder:

    Bei den historischen gehe ich total mit Armin mit.

    (nicht live erlebt)

    1. Lauritz Melchior – keiner wie er, nicht nur im legendären 1. Akt unter Bruno Walter und dessen späterer Studio-Fortsetzung, sondern auch in diversen Live-Mitschnitten

         

    2. Jon Vickers – vor allem bei Leinsdorf im Studio, während er bei zumindest einem Bayreuther Live-Mitschnitt grandios startet, aber gegen Ende Probleme bekommt (ich glaube 1958 unter Kna).

    3. Ludwig Suthaus – ja, passt, die Wiene Studioaufnahme unter Furtwängler 1954 war in Teilen meine erste “Walküre”-LP überhaupt: auf Seite 1 die 3. Szene des 1. Aktes (Schwertmonolog bis Ende) und auf Seite 2 die letzten 25 Minuten des 3. Aktes ab “Deinen leichten Sinn lass dich dann leiten”. Etwas später hörte ich natürlich auch die komplette Aufnahme. Allerdings muss ich sagen, dass ich seine Stimme jetzt nicht wirklich als sooo dunkel empfinde wie Armin, sie klingt eigentlich nicht baritonal, sondern schon klar tenoral (ich höre die Aufnahme gerade nochmal von Beginn und wiederhole gerade die Todverkündung), eher hell als dunkel, aber natürlich männlich-“körniger” bzw. heldisch-metallischer als der junge Windgassen im Vorjahr in Rom. Trotzdem scheint er mir 1954 schon ein Mü über seinen Zenit zu sein.

    Knapp das Nachsehen hat James King in diversen Aufnahmen, u.a. mit der Rysanek. Das tut mir besonders leid, weil ich ihm einen der beeindruckstens Live-Erlebnisse als Siegmund verdanke: an seinem 75. Geburtstag im Mai 2000 gab es im Foyer der Deutschen Oper Berlin ein Gesprächskonzert mit ihm, bei dem er als vierte und letzte Nummer die “Winterstürme” sang, und zwar immer noch so, wie ich sie in den kompletten Neunzigern auf der Bühne der Deutschen Oper Berlin nie so gut gehört hatte. Für eine Nominierung zum live erlebten Lieblingsrolleninterpreten reichen die “Winterstürme” allein aber natürlich nicht.

    (live erlebt)

    In den frühen und mittleren Neunzigern hatte man beim Siegmund an beiden Berliner Häusern gefühlt nur die Wahl zwischen Elming und Jerusalem, wobei Jerusalem da doch die deutlich überzeugendere Alternative war. 1994 erlebte ich an der DOB dann James O’Neal, der nicht schlecht war, aber trotzdem ausgebuht wurde. Weit schlimmer war 1995 Mark Lundberg und auch Wolfgang Neumann, der 1998 bei Thielemanns erster Berliner “Walküre” floppte. Wesentlich besser dann Wolfgang Schmidt 2x im Januar 2000 unter Thielemann, sogar Stig Andersen war im Sommer 2001 weit überzeugender als in manch anderer Wagner-Rolle. Alle live erlebten DOB-Siegmünder bekomme ich nicht mehr zusammen, mein letzter war an diesem Haus im Januar 2014 jedenfalls Peter Seiffert – ein zweischneidiges Schwert, weil er einerseits im 1. Akt immer noch betörend schöne Phrasen sang, im 2. Akt bei der Todverkündung in der Tiefe eigentlich nur noch heiße Luft zu versenden hatte. 2012 im Berliner Schiller-Theater war’s noch etwas besser, aber für eine Nominierung zum Lieblingsrolleninterpreten reicht es bei dieser Rolle dennoch nicht. Eher schon bei Plácido Domingo, den ich 1996 komplett und szenisch an der Staatsoper Berlin in der Kupfer-Inszenierung erlebte und dann nochmal konzertant mit dem 1. Akt (seine deutsche Aussprache war meistens viel besser, als immer wieder behauptet wurde). Überhaupt waren die konzertanten 1. Akt nicht selten weit eindrucksvoller als die Bühnenaufführungen: mein erster war 1996 in der Semperoper Dresden mit einem ganz wunderbaren Wolfgang Schmidt, 1997 erlebte ich im Frühjahr eine in Potsdam mit einem ganz wunderbaren Reiner Goldberg und im Herbst 1997 gleich zwei in Eisenach (eine oben auf der Wartburg und eine unten im Theater) mit einem ganz wunderbaren Klaus König (weit besser al sim Studio unter Maazel und auch noch 1991 in Amsterdam, da die Tiefe im Alter an Substanz gewonnen hatte), dann kam wie gesagt auch noch ein konzertanter 1. Akt in Berlin mit Domingo. Mein einziger live erlebter Bayreuther Siegmund war übrigens 2007 Endrik Wottrich, der aber für eine Nominierung zum Lieblingsrolleninterpreten ebenso wenig infrage kommt wie Simon O’Neill als Premierenbesetzung im Schiller-Theater, weit eher schon Robert Gambill 2001 an der Staatsoper Berlin. Leider habe ich Johan Botha in dieser Rolle verpasst, im Februar 2016 sollte er in Dresden singen, sagte aufgrund seiner Erkrankung aber leider ab. Christopher Ventris sprang ein und war zwar nicht richtig schlecht, aber auch nicht richtig gut. Müsste meine letzte Live-“Walküre” gewesen sein, zumindest komplett. (Ich hoffe auch, dass das so bleibt...)

    Ich bin jetzt mal ganz ketzerisch und sage frech: Weil der Siegmund im 1. Akt “Walküre” mehr hat als im 2. Akt “Walküre”, ist ein 1. Akt “Walküre” eindeutig mehr als 50% der Rolleninterpretation des Siegmund und ich nominiere daher ausschließlich Live-Interpreten als Lieblingsrolleninterpreten, die ich (mindestens auch) in einer konzertanten Aufführung des 1. Aktes “Walküre” erlebt habe (der letzte war diesbezüglich Ende Dezember 2023 Jonas Kaufmann in Berlin, der es aber ebenso knapp nicht in die Nominierten schafft wie Domingo):

    4. Wolfgang Schmidt – konzertanter 1. Akt in Dresden zu den Wagner-Tagen 1996 (Mehr als die Hälfte der Partie im Piano, was ganz wunderbar funktionierte) und dann noch 2x komplett szenisch in der DOB im Januar 2000.

    Hier was von seinem Siegmund im Video:

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    5. Reiner Goldberg – konzertanter 1. Akt 1997 in Potsdam, aber es gibt die Rolle von ihm auch offiziell und komplett

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    6. Klaus König – 2x konzertanter 1. Akt in Eisenach 1997 (leider habe hiervon keinen Mitschnitt), unter dem Strich vielleicht sogar der beste live erlebte, jedenfalls war er da besser als bei der Studio-Aufnahme des 1. Aktes unter Maazel sowie bei der Rundfunkübertragung 1991 in Amsterdam, von der ich zumindest einen Schnipsel verlinken kann.

     

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    Kleine Anekdote am Rande: Hinterher beim Griechen gegenüber vom Eisenacher Theater fragte ich Klaus König, warum er die “Wälse”-Rufe nicht länger gehalten hätte. Er antwortete mir in etwa: “Warum? In den Noten steht auf “Wäl-” eine Fermate und auf “-se” eine Fermate. Das zeigt nicht mal klar an, dass das “Wäl-“ länger gehalten werden soll, als das “-se”. Ich bin doch kein Zirkuspferd.” Grins1

    Beste Grüße vom Stimmenliebhaber

    Einmal editiert, zuletzt von stimmenliebhaber (14. Juni 2024 um 18:56)

  • "Die Walküre"-Siegmund

    historisch: Lauritz Melchior/Torsten Ralf/Ludwig Suthaus

    live erlebt:Brandon Jovanovich/Daniel Frank

    Wie aus der Ferne längst vergang´ner Zeiten...

    GB

  • Siegmund historisch oder auf CD ist für mich einfach

    Lauritz Melichior (in der Aufnahme unter Bruno Walter)

    Ludwig Suthaus (unter Furtwängler an der Seite von Leonie Rysanek)

    Jon Vickers (in diversen Mitschnitten)

    Siegmund live erlebt gibt es für mich nur zwei erwähnenswerte Sänger

    Peter Hofmann (in der Wiener Staatsoper)

    James King (ebenfalls Wiener Staatsoper)

  • Ich bin jetzt mal ganz ketzerisch und sage frech: Weil der Siegmund im 1. Akt “Walküre” mehr hat als im 2. Akt “Walküre”, ist ein 1. Akt “Walküre” eindeutig mehr als 50% der Rolleninterpretation des Siegmund

    Da bin ich froh und schließe mich dieser Ketzerei ausdrücklich an. :) So kann ich nämlich Domingo und King nominieren, was ich hinsichtlich den auch live erlebten Poul Elming, Robert Schunk, John Keyes oder Jon Fredric West eher nicht möchte.

    'Siegmund'

    Historisch:

    1 - Max Lorenz
    2 - Lauritz Melchior
    3 - Ludwig Suthaus

    Live:

    1 - Placido Domingo
    2 - James King

    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

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