Wer nicht lesen will, muss hören!

  • Kafkas 'Prozess' habe ich nun gehört und er hat mich doch ziemlich begeistert. Ich weiß nicht, ob ich ihn in der kurzen Zeit auch gelesen hätte, aber das Hören ist ja wirklich eine andere Sache. Natürlich ist mir vieles entgangen (ich spule ja doch nicht zurück), aber es hat mich angefixt, dann doch einmal den Roman in Ruhe zu lesen. Denn eigentlich kann ich nur beim Lesen all die Gedanken und Assoziationen, die ich nun beim Hören hatte, wirklich in Ruhe zu durchdenken. Und da ist ja nun, weiß Gott, genug drin.

    Zur 'Erholung' habe ich allerdings erstmal dieses hier reingeschoben.

    Westphal finde ich eigentlich immer großartig, allerdings nicht bei englischen Romanen, weil er z.B. die Namen immer so betont deutsch-englisch ausspricht. Aber noch hat es mich nicht gestört. Und 'Bleak House' ist einfach bester Dickens.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Zur Erholung?!

    Bleak House ist in meinen Augen der großartigste je veröffentlichte Roman, ich stell ihn über alles andre, das mußt du lesen :D (kostet Zeit und Kraft, ich weiß es ja), aber das ist mich vor Zauberberg, vor Middlemarch, vor Anna Karenina, das ist... Der Beste (natürlich vollkommen subjektiv).

    Der Größte des größten Romanautoren überhaupt.

    Ich hoffe mal Deine Lesung ist wenigstens ungekürzt...


    LG :D

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Zur Erholung?!

    Naja, im Vergleich zu Kafka ist Dickens schon erholsam, was ja nix über seine Qualitäten aussagt. Wobei ich sagen muss, dass ich nie ein sonderlich großer Dickens-Fan war. Bleak House allerdings gefiel mir immer sehr, wobei ich ihn nur von einer Höraufnahme mit John Gielgud bislang kannte und die war auf zwei MC's zusammengefasst. Also kannte ich ihn wohl doch nicht.

    Ich hoffe mal Deine Lesung ist wenigstens ungekürzt...

    11 Stunden auf 6 MP3's und leider immer noch gekürzt.

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Kennt jemand das Hörbuch „Tyll“ von Daniel Kehlmann


    und das gleiche als Hörspiel?

    Mein Sohn hat mir versehentlich die Hörspielfassung zu Weihnachten unter den Baum gelegt, aber vielleicht muß ich ja nicht tauschen...

    In der Regel mag ich keine Hörspielfassungen von Literatur, ich kenne keine gelungene Transformation. Das Hörspiel ist ein völlig eigenständiges Medium und bedarf ganz eigener, eben auf das Hören ausgerichteter Vermittlungstechniken.

    Äpfel und Birnen, wie ich schon an der Anzahl der Tonträger (9 CD`s vs. 3 CD`s) jetzt erkenne. Trotzdem die Frage:

    Lohnt das Hörspiel?

  • Vergleichen kann man das überhaupt nicht. Ich fand das Hörspiel sehr schön in Szene gesetzt. Es sind großartige Sprecher dabei mit Lars Rudolph, Sylvester Groth, Jens Wawrczeck und vielen anderen, so um die 40 Stimmen sind zu hören. Atmosphärisch auch sehr gelungen und mit unterschiedlichen Erzähl-Perspektiven ausgestattet.
    Aber natürlich bleibt einiges liegen. Empfehlenswert ist es aber allemal.

    :wink:

  • Ich habe meinem Hörbuch zwar gerade vor einem Jahr gelauscht , aber es gibt immer neue Nuancen zu entdecken . Fesselnd und entspannend zugleich . Und ich muß mir für eine Weile keine Gedanken machen , was mich sonst so unterhalten kann . Ungekürzt = 13:18:59 .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Ich habe gerade mal wieder eine Thomas-Mann-Phase:

    Diese gekürzte Fassung erspart einem wahrlich nicht die Lektüre der vier Bände, kann man doch all die theologisch-philosophischen Betrachtungen und Gedanken, ich jedenfalls, viel besser in sich aufnehmen und bedenken. Aber Westphal ist einfach grandios in der Versinnlichung dieses oftmals sprachlich so übermäßig sinnlichen Buches. Es ist geradezu eine Lust und Wonne, all diese Ausschmückungen, diese sprachliche Überwältigung, diese Wortgewalt, diese Lust am Fabulieren von solch einem Sprecher serviert zu bekommen. Wenn man den Thomas Mann überhaupt mag. ;)

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Ich weiß nicht, ob das hier am richtigen Platz ist, aber es ist einfach eine sehr amüsante Unterhaltung über Literatur. Und man kann sie halt nur hören. ^^

    2012 wurde Karl Lagerfeld von der LitCologne zu einem Gespräch mit Elke Heidenreich eingeladen. Kurz vor dem Auftritt entschied er, dass er (aus welchen Gründen auch immer) mit ihr sich nicht unterhalten möchte. Also wurde kurzfristig ein neuer Gesprächspartner gesucht und in Roger Willemsen gefunden. Die Aufzeichnung ist nun endlich auf YouTube vorhanden und einfach köstlich. Zwei brillante Schnellredner tauschen sich über Literatur aus.

    https://www.youtube.com/watch?v=W0zBj0kHA0Q

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • ...,,eine sehr amüsante Unterhaltung über Literatur.....

    ......Karl Lagerfeld .....,,,,

    https://www.youtube.com/watch?v=W0zBj0kHA0Q

    Ist das herrlich! Vielen Dank!
    Hab es mir ganz angehört. KL hat einen Buchladen und einen Verlag gehabt, damit nur Verluste gemacht, aber zum Glück hatte er ja ein Nebeneinkommen, mit dem er das finanzieren konnte. Köstlich. Und dieser Hamburger Tonfall..... :sofa2:
    PS: Und Zauberberg fand er langweilig. Sympatischer Typ. :D

  • PS: Und Zauberberg fand er langweilig. Sympatischer Typ.

    Tja, da bekam meine Bewunderung einen Knacks. :pfeif:

    :wink: Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Und dabei ist der 'Zauberberg' eines der witzigsten Bücher überhaupt. Ich amüsiere mich jedenfalls immer köstlich, wenn ich es lese.

    Komisch nur, dass so ein witziger Typ wie Karl Lagerfeld, der ansonsten Thomas Mann sehr gerne gelesen hat und sicher deshalb seinen gewöhnlichen Witz sicher erkannt und genossen, es einfach langweilig fand.
    Ich selber begebe mich ungerne in der Freizeit in ein Sanatorium.

  • Komisch nur, dass so ein witziger Typ wie Karl Lagerfeld, der ansonsten Thomas Mann sehr gerne gelesen hat und sicher deshalb seinen gewöhnlichen Witz sicher erkannt und genossen, es einfach langweilig fand.

    Das ist eigentlich gar nicht komisch; wenn man etwas nicht versteht oder überfordert ist, kommt schnell mal Langeweile auf. :)

  • Ich finde gar nicht, dass Thomas Mann schwer ist

    Ist er auch nicht, er ist nur grottenlangweilig.
    Als ich so zwischen 20 und 25 war habe ich natürlich Buddenbrooks, Dr. Faustus, Zauberberg, Lotte in Weimar, Tod in .. etc. etc. gelesen. Heute frage ich mich, welche Bildungsbürgerschrulle mich damals geritten hat.
    Gymnasium nachholen, das uns glänzend mit deutscher Literatur versorgte, wie ich es später rausfand: Kafka!, Arno Schmidt, Nossak, Grass, Johnson, etc., aber kein Th. Mann, Die Lücke schloss ich also
    Und wenn Westphal ihn liest,- ich habe jahrelang "Am Morgen vorgelesen" gehört,- dann ist es endgültig aus. Alt-Herren-Schmonz, Wird in seiner Ranzigkeit nur noch übertroffen, wenn Westphal Fontane liest.
    Aber man soll ja nicht alles schlecht machen, man soll auch Tips geben, so diese beiden.
    Hier einer der VORLESEN konnte und nicht ins "DEKLAMIEREN" kam.
    Rolf Boysen.
    Zunächst Moby Dick

    und noch besser:
    Uhlenspiegel von Charles de Coster

    Die raue Stimme Boysens passt wie angegossen.
    Das kommt auch kein Brückner ran.
    Aber das ist meine Meinung.
    Gruß aus Kiel

    "Mann, Mann, Mann, hier ist was los!"

    (Schäffer)

  • Und wenn Westphal ihn liest,

    Vor Jahrzehnten hat Westphal bei einer Arno-Schmidt-Preis-Verleihung in Celle irgendwas von Arno Schmidt vorgelesen. Daraufhin hat Jörg Drews in der Reihe vor mir seinem Nachbarn zugeflüstert: »Ein Staatsschauspieler sprach zu uns.« Diese Charakterisierung hat den Stil der Deklamation genau getroffen, das Staatsschauspielerhafte passte jedenfalls überhaupt nicht zum Text.

    Das ist mein größter Einwand gegen Musik, dass Österreicher darin exzelliert haben.
    (Arno Schmidt: Das steinerne Herz)


  • Aber das ist meine Meinung.

    Die sei Dir auch unbenommen.
    Aber um ehrlich zu sein: so geht es mir mit Günther Grass. Ein Möchtegern-Großautor, der einen halbwegs passablen Wurf hinlegte und dann seinen Bestimmung offensichtlich darin fand, seine Leser zu Tode zu langweilen. Und dazu noch dieses moralinsaure Gehabe, das von einem peinlichen Geständnis am Lebensende konterkariert wurde! Ach nein, dann lieber Thomas Mann, gerne auch in einer Lesung mit Gert Westphal. :)

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