The Good, The Bad, The Ugly... – Volltreffer und Fehlkäufe 2009

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  • The Good, The Bad, The Ugly... – Volltreffer und Fehlkäufe 2009

    Jaja, das ist ein beliebtes Spiel – zum Jahresende werden Listen gemacht! Und da wollen wir naklar auch mitmachen ...


    Ich würde darum bitten, euch reiflich zu überlegen, welche Scheibe, die ihr in diesem Jahr gekauft habt, das rotgoldglänzende Vergissmeinnicht und welche den schimmelgrünen Stinkmorchel verdient hat.


    Bitte nicht nur Bildchen und Wackelmännchen posten, sondern eure Entscheidung, die ja zugleich Empfehlung oder Warnung sein wird, ganz kurz begründen, ja?


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Bitte nicht nur Bildchen und Wackelmännchen posten, sondern eure Entscheidung, die ja zugleich Empfehlung oder Warnung sein wird, ganz kurz begründen, ja?


    Bis wann muß die Arbeit eingereicht sein?


    Graf Wetter vom Strahl cand. mus.


    "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

  • Die goldene Palme:


    John Dowland: "Bookes of Songs" und "Lacrimae 1604"



    (etwas abweichende CD-Kompilation)


    Als LP-Box (veröffentlicht 1976/77) in Münster erstanden, aufgelegt und weggefegt. Einige Sachen spiele ich auch auf der Gitarre inzwischen, aber mir fehlt Emma Kirkby dabei sehr. Algy hat immer wieder von diesem Dowland gefaselt, den ich nicht kannte, und nun zelebriere ich ihn auch. Alle beteiligten Musiker leisten Enormes und die Klangqualität der Aufnahme ist mit "sensationell" nur unzureichend angedeutet. Was für ein Genuß.


    Die goldene Himbeere:


    Claudio Monteverdi: Marienvesper



    Ebenfalls als LP. Veröffentlicht 1987. Konzertaufzeichnung. Thomas Hampson hampelt im falschen Fach herum. Hier fängt man das Beten an. Beten, daß es aufhört. Das hat meine Abspielnadel nicht verdient.


    Liebe Grüße,


    Alex.


    "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

  • Hm, ich hab in diesem Jahr, insbesondere in der zweiten Jahreshälfte, so viel Zeugs gekauft, daß mir fast ein wenig schlecht wird, wenn ich darüber nachdenke. Das macht die Entscheidung zur Preisverleihung nicht grad einfach ...


    Naja, nach einem langem Hin-und-Her (immerhin seit Mittag :D ) verleihe ich mein Vergissmeinnicht an diese Scheibe:



    Friedhelm Döhl: Requiem 2000 (Atemwende)
    Mechthild Seitz (Alt), Ekkehard Abele (Bariton), Instrumental- & Vokalensemble Kassel, Leitung: Hans Darmstadt


    Herrn Döhl habe ich überhaupt erst in diesem Jahr kennen gelernt – über einen Launenkauf seiner Symhonie für großes Orchester (die eigentlich jetzt auch hier hätte abgebildet werden können – tolles Werk!). Die Symphonie hat mich beim ersten Hören förmlich umgehauen – und ich mußte mehr von Döhl haben, eigentlich mußte ich alles haben und hab inzwischen auch (fast) alles gekriegt. Besonders beeindruckt hat mich dabei das Requiem, ein Werk, das in seiner konzentrierten Expressivität den Hörer über mehr als 70 Minuten in atemloser Spannung hält. Gesetzt ist das Requiem, das neben dem (fragmentierten) liturgischen Text auch Gedichte von Paul Celan und Nelly Sachs verwendet, für Alt, Bariton , Chor, Bläser, massives Schlagzeug und Orgel – die Ausdrucksskala reicht von schattenhaft artikulierten Phrasen an der Grenze zur Stille bis zu eruptiven und schmerzvollen Ausbrüchen. Das Ensemble musiziert mit Hingabe, größtem Engagement und auf höchstem Niveau.



    Und der Stinkmorchel geht an diese Scheibe:



    Leonardo Balada: Cristóbal Colón
    Jose Carreras, Montserrat Caballe, Carlos Chausson, Luis Alvarez, Stefano Palatchi, Chorus & Orchestra of the Gran Teatre del Liceu, Leitung: Theo Alcantara


    Ich kenne eine ganze Reihe von Werken Baladas, manches – wie etwas das Requiem No Res – finde ich überaus beeindruckend, anderes eher belanglos. Der hier gezeigte, jüngst erschienene erste Teil seines Zwillingsopernprojektes über Columbus (es handelt sich – wenn ich das jetzt grad richtig erinnere – um den Mitschnitt der Urfaufführung aus dem Jahr 1989; inzwischen ist auch der zweite Teil, La Muerte de Colón, erschienen – hab ich aber nicht gekauft) ist aber wirklich schlimm: das ist ein sauertöpfischer Neo-Verismo sondergleichen, in der Mucke mieft es streckenweise förmlich nach Anbiederung an die Hörgewohnheiten eines musicalverdorbenen Publikums, ganz gezielt werden ein paar Modernismen und Disharmonien eingestreut, damit der Hörer hin und wieder merkt, daß er da neue Musik im Player hat. José Carreras stemmt was das Zeug hält und Monserrat Caballés Sopran war auch schon mal strahlender. Doofe Platte!


    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Mir fällt die Entscheidung leicht. Die goldene Palme gebührt dieser Neuanschaffung:



    Foersters 4. Symphonie, die ich mindestens dreißigmal gehört habe, gehört für meine Ohren zu den Spitzen der spätromantischen Sinfonik und wird völlig zu Unrecht sträflich vernachlässigt. Ich bin froh, daß ich dieses opus magnum endlich kennenlernen durfte. Von den beiden Aufnahmen, die momentan verfügbar sind, ist die mit den Osnabrückern eindeutig die bessere.



    Die schimmelgrüne Stinkmorchel geht an die folgende Doppel-CD:



    Ich bin, was den Klang angeht, nicht sonderlich empfindlich (was meine "Anlage" gekostet hat, verrate ich lieber nicht :D ). Aber diese Aufnahme ist so miserabel, daß man nicht nur kein Wort des Textes versteht (was angesichts der Grunschen Soße ja nicht sooo schlimm ist), sondern auch die Musik über weite Strecken kaum entziffern kann. Dafür gibt es dann aber wenigstens auch kein Booklet. Die knapp 20 Euronen hätte ich in diesem Fall besser versoffen...


    Viele Grüße


    Bernd

  • ganz spontan eine goldene Palme für:



    ein noch nahezu unbekannter Komponist, der zeitgenössischen Moderne vom Feinsten. Mit einem tollem Klangforum Wien und Stefan Litwins Wiedergabe der Sonate gefällt mir besser als mit Pi-Hsien Chen oder Roger Woodward... und dazu noch billig !!!!!


    :wink:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Zitat

    Dafür gibt es dann aber wenigstens auch kein Booklet.

    den mega-genialen :D Text kannst Du Dir aber aus einer Bücherei leihen und kopieren :thumbup: .... das Schlimmste sind die Kürzungen = Verhackstückung der Rose durch Heger. :boese: . aber Chemnitz hat uns uns rosenmäßig gerettet !!! :klatsch:


    :wink:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Lieber Bernd,

    Zitat

    Von den beiden Aufnahmen, die momentan verfügbar sind, ist die mit den Osnabrückern eindeutig die bessere.


    gerade nächste Woche spiele ich wieder mit den Osnabrücker Kollegen zusammen und freue mich für diese über Dein Lob, welches ich mit Freude weitergeben werde.


    :juhuu:
    Michael

  • Zitat

    Foersters 4. Symphonie, die ich mindestens dreißigmal gehört habe, gehört für meine Ohren zu den Spitzen der spätromantischen Sinfonik und wird völlig zu Unrecht sträflich vernachlässigt. Ich bin froh, daß ich dieses opus magnum endlich kennenlernen durfte. Von den beiden Aufnahmen, die momentan verfügbar sind, ist die mit den Osnabrückern eindeutig die bessere.


    ich bin gerade in Youtube fündig geworden...


    :wink:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Das rotgoldglänzende Vergissmeinnicht - Michael Daugherty

    Ich hatte in Bonn bei einem der am letzten übriggebliebenen Klassik-Quellen Gilde Buchhandlung am Monatsanfang November einfach mal diese völlig unbekannte CD, die bei den Neuerscheinungen ausgestellt war, mitgenommen:


    Michael Daugherty- Metropolis Sinfonie



    NAXOS, 2007,2008, DDD


    Was ein Komponist aus dem Thema Superman heute macht, hat mich interessiert. Ich dachte zunächst Daugherty sei der Filmkomponist von Supermann - weit gefehlt - es ist nur eine seiner zahlreichen Inspirationen aus der direkten Umwelt des Komponisten, mit der er konfrontiert wird. Wie in allen Epochen ließen sich die Komponisten von den Eindrücken, die ihr Umfeld umgaben, inspirieren.
    So erscheint es im ersten Augenblick wenig ernsthaft, wenn man liest, dass seine Metropolis-Symphony durch Comichefte von Superman inspiriert wurde. Da erscheinen die „Kriegssinfonien“ der Komponisten des 20.Jahrhunderts, die um 1945 geschrieben wurden und dieses Grauen widerspiegeln, ungleich handfester.


    Aber heute in unserem technischen Computerzeitalter ist alles anders geworden; da werden die Komponisten von TV und – wie in diesem aktuellen Beispiel von Comics inspiriert. Ws entstand ein atemberaubendes Ergebis, das durch den Dirigenten David Zinman 1993 uraufgeführt wurde.


    Das Ergebnis ist beeindruckend und erfreulich, denn Daugherty bietet auf der abgebildeten NAXOS-CD mit der Metropolis- Symphony (1988-1993) und Deux ex Machina für Klavier und Orchester (2007) zwei sehr sehr kurzweilige Werke in moderner Tonsprache, die zu unserer Zeit passen und trotzdem durch die tonale Grundhaltung voll genießbar und verdaubar sind.
    Schön, das es auch im 21.Jahrhundert nicht absolut atonal weiter gehen muß …… und trotzdem modern klingt.


    Das Nashville SO unter Giancarlo Guerro zeigt sich in TOP-Form mit Engagement und Spielfreude bei der Sache. Das Ganz in aktueller Klangqualität, so astrein, wie man es für eine Neuaufnahme erwarten darf.



    :prost: Es folgenten wegen der großen Begeisterung in der gleichen Woche zwei weitere DAUGHERTY - CD´s:



    NAXOS, 2003, 2004, DDD


    Michael Daugherty ist einer der am meisten aufgeführten, geförderten und aufgenommene amerikanischen Komponisten für orchestrale Konzertmusik der Musikszene unserer Zeit.... so steht es im Textheft der Naxos - CD´s.


    Dies kann ich sehr gut nachvollziehen, weil Daugherty´s Musik in Anlehnung und Inspriation der Geschehnisse unserer Zeit erfolgt und für den Hörer geschrieben wurde. Damit will ich sagen, dass seine Musik an den Hörer gerichtet ist und zwar in einer allgemein gut verständlichen Form, die trotz der tels supermodernen Tonsprache ankommt. Das erreicht Daugherty indem er Klänge und Rhythmen unser Zeit einfließen läßt und den Hörer nicht mit ungenießbaren "Geräuschen" belastet, sondern mit seiner Musik erfreut.



    Mir liegen jetzt alle 3 Naxos-CD´s vor und meine positiven Eindrücke setzen sich nach der
    Metropolis Sinfonie (1988-93)
    Deux ex Machina für Klavier und Orchester (2007)
    mit den weiteren Werken Werken uneingeschränkt fort:


    Fire and Blood für Violine und Orchester (2003)
    ist ein vollwertiges und sehr ansprechendes VC in 3Sätzen. Auf der Naxos-Aufnahme mit dem Detroit SO unter Neeme Järvi mit Ida Kavafian,VIO ist die UA zu hören.


    MotorCity Tripych (2000)
    Ein Werk voller heißer Rhythmen an die Autostadt Detroit gerichtet und natürlich davon inspiriert.


    Raise the Roof für Pauken und Orchester (2003)
    Das 13minütige virtuose Werk sind Orchestervariationen, die mannigfaltige Polyrhtmen mit dynamischen Kontrasten enthalten. Auch dieses Werk wurde vom Detroit SO zur Eröffnung des Max M.Fisher Music Centrums Detrot in Auftrag gegeben und wird auch hier von Neeme Järvi fabelhaft und megaspannend interpretiert.


    Philadelphia Stories (2001)
    Das Werk wurde unter David Zinman hier mit dem Philadelphia Orchestra uraufgeführt. Die Inspiration erhielt Daugherty wieder direkt an Ort und Stelle aus Philadelphia. Der letzte Satz ist eine Hommage an L.Stokowsky, der in dieser Stadt weilte.


    UFO für Solo Percussion and Orchestra (1999)
    In fünf Sätzen spannende Unterhaltung über unidentifizierte Flugobjekte. Die Solistin Evelin Glennie wechselt innerhalb des Werkes zwischen verschiedenen Percussionsinstrumentarien und legt ein virtuoses Feuerwerk hin. Besonders die Soli auf Xylophon, Vibraphon und Trommeln sind beeindruckend. Das Werk wurde für sie geschrieben und 1999 von Leonard Slatkin uraufgeführt.


    :angel: Michael Daugherty gehört für mich zu den allerbesten Neuentdeckungen von neuen Komponisten in den letzten Jahren.
    Die 3 Naxos-CD´s werden nicht meine Letzten bleiben, obwohl diese schon einen Großteil der auf dem CD-Markt zur Verfügung stehenden Werke abdecken.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Mein positiver Volltreffer für das Jahr 2009 war diese wunderschöne Aufnahme aus der Reihe der Gesamteinspielung von Beethovens Klaviertrios mit dem Xyrion-Trio:



    Die Aufnahme der 2. Symphonie in Beethovens eigener Bearbeitung ist hervorragend und überzeugend gelungen. Man vermisst das Orchester überhaupt nicht mehr. Für mich war dies die Hör-Überraschung des Jahres!


    Nicht so sehr begeistert bin ich dagegen von dieser CD des ansonsten sehr geschätzten Cellisten Jan Vogler:



    Gegen Jan Voglers Cellospiel ist ja nichts einzuwenden. Auch nichts gegen die Idee, die Aufnahme live in einem New Yorker Club zu produzieren. Aber warum dann ausgerechnet ein Schostakowitsch-Programm (Cellokonzert Nr. 1, Ausschnitte aus Filmmusiken und den Jazz-Suiten, mit einem Stück von Jimi Hendrix als Zugabe)? Außerdem wurde das Klangbild auf Club-Athmosphäre getrimmt (leicht dumpfer Nachhall, das Solocello klingt für mich wie elektrisch verstärkt), was nach meiner Meinung ebenfalls nicht zum Charakter der Musik passt. Eine saubere Studioaufnahme wäre sicherlich besser gewesen.


    Viele Grüße
    Frank

  • Angeregt durch diese Aufstellung hier habe ich mich auch einmal vor mein CD-Regal gestellt und mir angesehen, was ich denn im vergehenden jahr an CDs gekauft oder geschenkt bekommen habe. Unter meinen Neuerwerbungen das "rotgoldglänzende Vergissmeinnicht" zu vergeben viel mir viel leichter, als eine CD zur schlechtesten zu erklären. Außerdem weiß man ja auch noch nicht, was Weihnachten denn noch so bringt...
    Also, mein "rotgoldglänzendes Vergissminnicht" (eine wunderbare Wortschöpfung! :wink: ) geht ziemlich eindeutig an diese CD, die ich zum Geburtstag bekommen habe:

    Ute Lemper singt Kabarettsongs von Mischa Spoliansky, Friedrich Holländer, Rudolf Nelson und Berthold Goldschmidt. Ein Lied ist besser als das andere, es sind wahre Ohrwürmer, teils deutlich politisch, teils unterschwellig, sie entführen den Hörer in das Berlin der "wilden 20er". Neben meiner Liebe zu Mozart und zur Oper hege ich eine noch heimlichere Leidenschaft für die Musik dieser Zeit und wie Ute Lemper das singt, das ist wirklich ganz große Kunst!
    Bei der Verleihung des "schimmelgrünen Stinkmorchels" tue ich mich schwerer, man hat doch zu viel Respekt vor den Musikern und den Werken und, frei nach Plinius, halte ich keine CD für so schlecht, dass sie nicht zu irgend einem Teile nützlich seien könnte. Wenn ich mich aber entscheiden soll, trifft es diese Platte:

    Die Kammersolisten der Staatsphilharmonie Rheinland-Pfalz unter Leif Segerstam spielen die Serenade für Bläser op. 7, die Suite B-Dur für 13 Blasinstrumente op. 4 und das Duett-Concertino für Klarinette, Fagott und Streicher von Richard Strauss. Ich habe diese CD im Sommer bei einem Ausflug nach Bielefeld bei jpc (ich bin nicht oft in diesem nördlichen Paderborner Vorort, aber wenn ich dort bin, werden diese Ausflüge aus naheliegenden Gründen meistens teuer :rolleyes: ), bei jpc also auf einem "Wühltisch" für 2,99 € gesehen. Ich wollte mich immer schon einmal mit Strauss Duett-Concertino vertraut machen (ich liebe das Fagott und dieses Concertino ist ohne Zweifel eines der bedeutendsten konzertanten Werke für das Instrument), also habe ich kurzentschlossen zugegriffen. Ich bereue das Zugreifen nicht, aber das Duett-Concertino scheint mir doch ein eher mittelmäßiges Werk zu sein, die beiden frühen Bläserserenaden sind an und für sich recht hübsch, aber auch langatmig. Die Mitglieder der Rheinland-plälzischen Staatsphilharmonie spilen diese Musik allerdings so gelangweilt und so langweilig, vollkommen ohne Spannung und Anteilnahme, selbst ohne hörbares Bemühen um musikalische Gestaltung, dass eventuell auch die Musik besser seien könnte, als ich sie jetzt gemacht habe...

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Hallo Lars,


    Zitat

    Ich bereue das Zugreifen nicht, aber das Duett-Concertino scheint mir doch ein eher mittelmäßiges Werk zu sein


    Mir nicht. Ich liebe dieses Werk (wie fast alles, was Strauss in seinen letzten Jahren geschrieben hat) sehr. Gerade der Anfang bis zum Eintritt des Fagotts zählt für mich zu den hinreißendsten melodischen Eingebungen des Komponisten, und auch den *Mittelsatz* (wenn man diesen kurzen Zwischenteil mit dem Fagottsolo so nennen will) kann ich mir nicht schöner wünschen.


    Für dieses kleine Konzertchen würde ich persönlich den kompletten Rossini, Donizetti und Bellini dahingeben - so unterschiedlich sind die Geschmäcker und Hörgewohnheiten...


    Zitat

    Die Mitglieder der Rheinland-plälzischen Staatsphilharmonie spilen diese Musik allerdings so gelangweilt und so langweilig, vollkommen ohne Spannung und Anteilnahme, selbst ohne hörbares Bemühen um musikalische Gestaltung


    Das allerdings kann ich, da ich diese Aufnahme auch besitze, durchaus bestätigen!


    Viele Grüße


    Bernd

  • Soviele CDs habe ich in diesem Jahr gar nicht gekauft. Diese gehört auf jeden Fall zu den faszinierendsten:




    Erwin Schulhoff: Klavierwerke (Klaviersonaten 1+3, Fünf Grotesken op. 21, Fünf Burlesken op. 23, Fünf Pittoresken op. 3, Sechs Ironien op. 34, Jazzimprovisationen)


    Margarete Babinsky, Klavier
    (Partner: Maria Lettberg für op. 34, Andreas Wykdal als Improvisator bei den Jazzimprovisationen)


    Der Klavierkomponist Schulhoff wird auf dieser Doppel-Cd nicht nur auf den zweifellos genialen "Jazz"-Rezipienten reduziert (wie von Sherri Jones auf der Wergo-Scheibe). Faszinierend zu hören sind seine erste und seine dritte Klaviersonate mit einer fast unheimlichen polystilistischen Vielfalt. Die erste von 1924 (übrigens komischerweise Thomas Mann zugeeignet, weiß da jemand Näheres, warum?) vereint Cluster, neoklassizistische Motorik, "jazzige" Synkopen, Reger'schen Klavierstil und Bartók'sche Brückenform. Besonders angetan hat es mir die dritte Sonate. Auch hier bezieht sich ein "Finale retrospettivo" auf den Kopfsatz, der ganz eigenartige, oft an den Rand des Versickerns und Verstummens führende Musik enthält. Dazwischen eine langsame "Improvisation", ohne Angabe eines Metrums auf drei Systemen notiert, ein Perpetuum mobile und ein beklemmender Trauermarsch.


    Unter den kleineren Stücken sind sicher die teilweise im Bann des Dadaismus stehenden die interessantesten. Die "Sechs Ironien" von 1920, "allen Cholerikern zugeeignet", spielen recht bösartig mit verschiedenen Tanzformen (überkommenen und modernen) sowie Marschmusiken. Die "Fünf Pittoresken" sind George Grosz gewidmet und mit "Zeitmaß: Foxtrott", "Zeitmaß: Ragtime" usw. betitelt, wobei der Foxtrott eher ein Ragtime, der Ragtime eine Chinoiserie usw. ist.


    Das spektakulärste Stück auf beiden Scheiben ist zweifellos der Mittelsatz dieser Pittoresken, In futurum mit dem "Zeitmaß: Zeitlos" - Cages 4'33'' avant la lettre. Ein Stück, das nur aus Pausen besteht, allerdings sehr kunstvoll notierten (es gibt auch Achtelpausentriolen und -quintolen, mit Legatobögen verbundene Pausen,Sonnen-Smileys und Ausrufungszeichen). Trotz der Vortragsbezeichnung tutto il canzone con espressione e sentimento ad libitum, sempre, sin al fine! ist es wohl nicht sicher, wie sich Schulhoff das Stück vorgetragen wünschte. Bei Frau Babinsky hört man 1'40'' überwiegend Stille mit leisen Publikumsgeräuschen, manchmal leise Klopfgeräusche, ab und zu streicht die Pianistin anscheinend mit der Hand leise über die Saiten).


    Margarete Babinsky und ihre Partner spielen, soweit ich das beurteilen kann, ausgezeichnet. In einer Internet-Rezension wurde allerdings auch leise Kritik an der Leistung Babinskys geäußert.




    Kommen wir zur blechernen Zitrone des Jahres:




    Diverse Monteverdi-Verhunzungen unter Regie von Christina Pluhar, Titel: Teatro d'amore


    Dazu habe ich mich schon einmal im Thread "Eben gehört" geäußert und kopiere mein Statement mal hier rein: Eine Best-of-Monteverdi-Mischung, zweifellos schön gesungen, virtuos gespielt und nicht geizig mit rhythmischen Extras und üppig ausgeschütteten klangfarblichen Reizen. Nette Crossover-Versuche, nur in einem Fall wirklich auf's Ganze gehend. Ansonsten Häppchen-Mentalität, mit barbarischen Verstümmelungen zweier Stücke - die Streichung der Rahmenteile des Lamento della Ninfa, die das Stück seines Sinns beraubt, wird noch überboten von der Amputation der zweiten Hälfte des Petrarca-Madrigals Hor che´l ciel e la terra. In der Musikkritik konnte ich nur Lobeshymnen finden, Skeptiker werden schonmal prospektiv als verbiesterte Puristen gescholten. Na dann. :D



    Viele Grüße


    Bernd

    .

  • Zwei Klaviermusik-CDs aus 2009:


    The Good: Auf Pollinis erste Bach-Einspielung hatte ich seit Jahren gewartet. Das Warten hat sich gelohnt.



    The Bad: Hamelins Chopin hatte ich mehrmaligem Hören wieder abgestoßen. Obgleich ich diesen Pianisten sonst sehr schätze, empfand ich seine Chopin-Interpretationen fast als ordinär, jedenfalls unerträglich für meine Ohren.



    Gruß, Cosima

  • Die erste von 1924 (übrigens komischerweise Thomas Mann zugeeignet, weiß da jemand Näheres, warum?)


    Dazu findet man selbst beim Schulhoff-Forscher Josef Bek nirgendwo etwas. Möglicherweise war es auch eine Strategie, trotz seines Rufs als enfant terrible seine 1.Sonate bei der Wiener Universaledition leichter durchzusetzen. Ausserdem war Schulhoff ja als wohl ausgezeichneter Pianist zu seiner Zeit durchaus sehr anerkannt und viel auf Tournee. Thomas Mann hat ihn jedenfalls mindestens als Pianist gehört und es mag auf einer Tournee zu einer Begegnung gekommen sein. Thomas Mann bedankt sich jedenfalls für die Widmung am 13.2.1924 mit einer Postkarte an Schulhoff:


    "Werter Herr Schulhoff,


    Ihr Brief war mir eine freudige Überraschung. Haben sie Dank dafür und nehmen sie, gleich mir, mit Vergnügen wahr, das solche Sympathie ganz gesetzmäßig auf Gegenseitigkeit beruht. Ihr Vorhaben freut mich sehr, gewiß schreiben Sie die drei Worte. Ihr Manuskript, wenn es einmal zu mir kommt, soll in Ehren gehalten werden.


    Mit wiederholtem Dank und kameradschaftlichem Gruß


    Ihr Thomas Mann" (Zitiert aus Josef Bek: Erwin Schulhoff. Leben und Werk, Hamburg 1994)


    Die Sonate, aber überhaupt Schulhoffs Klavierwerk, ist schon großartig, insbesondere wie er heterogenste Anregungen zu völlig Eigenem, Abwechslungsreichem, aber in sich Stimmigen zu verbinden weiß.


    Babinskys CD habe ich noch nicht, steht aber bereits auf meiner Liste ganz weit oben.


    :wink: Matthias

  • Thomas Mann bedankt sich jedenfalls für die Widmung am 13.2.1924 mit einer Postkarte an Schulhoff:


    Leider existieren die Tagebücher Thomas Manns zwischen 1921 und 1933 ja nicht mehr, sonst wüsste man möglicherweise, was er wirklich gedacht hat... Interessant jedenfalls, dass hier vielleicht (!) eine doppelte Kurskorrektur zu konstatieren ist: Der Bürgerschreck Schulhoff sucht Verbindung zu einem etablierten bürgerlichen Schriftsteller, Thomas Mann dagegen erweitert im Zuge seiner demokratischen Neuorientierung allmählich seinen musikalischen Horizont. Vielen Dank für die Information, Matthias!



    Viele Grüße


    Bernd

    .

  • also den Fehlkauf des Jahres kann ich schon benennen (die tollen Sachen des Jahres waren ziemlich viele, da muss ich erst drüber senieren :D )


    Aber voll daneben ist diese Aufnahme:




    F. L. Gassmann: Ouvertures
    Eclipse Chamber Orchestra - Sylvia Alimena



    nun ja ist der Name des Orchesters pure Ironie ? ... ich hab jedenfalls schon seit langem nicht mehr sowas langweiliges, trockenes und schlecht gemachtes gehört.
    Ich hatte schon Bedenken, Musik des 18. Jh. auf modernen Instrumenten geht meistens schief - und hier kommt noch dazu, das Gassmann wohl nicht unbedingst das größte Genie unter der Sonne war.
    Aber diese vernebelte Sonne wird dann von der "Armee der Finsternis" zur Gänze verdunkelt.


    Mit Schrecken habe ich gelesen, dass sich dieser Haufen auch an Musik des 17. Jh. vergeht - hoffentlich dürfen die niewieder etwas aufnehmen :shake:


    Ich hab es noch nicht geschafft die komplette CD zu hören, schon bei Track 2 sehnte ich mich nach einem Baseballschläger um dem Ganzen ein Ende zu machen.


    1A musikalische Hinrichtung, das wars dann erstmal von Gassmann.

  • also den Fehlkauf des Jahres kann ich schon benennen


    Da muss ich noch passen- spontan fällt mir da keiner ein ;+)


    (die tollen Sachen des Jahres waren ziemlich viele, da muss ich erst drüber senieren :D )


    Die Liste dürfte in der Tat länger werden- also muss ich auch darüber ein wenig nachsinnen! Eine Aufnahme kann ich aber in jedem Fall schon mal nennen:


    Hardy Rittners Einspielung von Brahms´ Klavierwerken auf historischen Insturmenten, Teil 2:



    Was für Farben Rittner dem Flügel entlockt ist schlicht phänomenal- und Rittner trifft für mein Empfinden einfach den richtigen Ton für Brahms´ Musik!


    :wink: :wink:


    Christian

    Rem tene- verba sequentur - Beherrsche die Sache, die Worte werden folgen

    Cato der Ältere

  • nur einer CD den ersten Platz einräumen kann ich nicht.


    die Highlights für mich waren:




    besser kann man Purcell gar nicht machen - ich hoffe ja noch darauf, dass ich die zweite Box mit der geistlichen Musik zu Weihnachten bekomme :whistling:



    eine gaaaaaanz tolle Barockoper - die ich besser nicht ganz so oft hören sollte... :faint:



    einfach nur gut - und gefällt mir deutich besser als das Album von Simone Kermes (aber das liegt nur an der Arienauswahl)



    mein Lieblings Idomeneo !



    und das bezaubernde Vanitas Oratorium nicht zu vergessen.

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