Tipps und Lösungen zum Adventsrätsel "Gänsehautensembles"

  • Die unterstützenden Hinweise :kiss: machen oft ebensoviel Spaß und Gehirnarbeit wie die Rätsel :kiss: selbst. Daß ich diesmal mich vorzeitig abseits gestellt habe, lag einfach daran, daß ich so viele andere Dinge tun mußte, daß ich einfach keinen Kopf zum genüßlichen Raten hatte. Dabei war/ist das eines der spannendsten und lehrreichsten Rätsel, die unser Riddlemeister je ersonnen hat. Das Peinliche, aber auch das Köstliche zugleich, ist, daß ich oft sogar auf meiner eigenen Leitung stehe und ums Eck denke, statt geradeaus zu schauen. Wenigstens lese ich die Auflösungen lernbegierig und mit Behagen.
    Hoffentlich dauert es nicht bis Ostern, daß das nächste Rätsel kommt, denn dann bin ich wieder in computerfernen Gefilden.


    Eljen, evviva etc.


    Waldi

    ______________________


    Homo sum, ergo inscius.

  • Na, dann mache ich doch mit Dank an Waldi und die übrigen Lobevollen gleich weiter mit der Nummer 11, damit es nicht bis Ostern dauert, bis das Feld für ein neues Rätsel frei ist.


    Im jüngsten Ensemble dieses Rätsels freuen sich alle Beteiligten zum Aktschluss in Form einer (Beinahe-) Fuge auf ein Wochenende auf dem Lande.
    Gesucht wird der letzte Buchstabe des Komponisten


    (Zitat von Pavel: Das ist doch sicher wieder einmal ein Musical oder ähnliches, wenn man die Formulierung mit dem "jüngsten" Ensemble liest.) Lieber Pavel, Deine bisherigen Schlussfolgerungen sind messerscharf und richtig. Ich hatte das Stück und das Ensemble einmal im entsprechenden Forum hier sehr ausführlich beschrieben und über den grünen Klee gelobt – Rideamus


    In allen nur denkbaren Variationen des 3/4-Takts kreisen hier in einer besonderen Nacht Paare umeinander. Am Ende haben sich die richtigen Konstellationen ergeben und jemand scheidet lächelnd. – Emotione


    Das wohl bekannteste Stück des Komponisten hat er gar nicht komponiert - aber getextet. – Quasimodo


    Bevor jemand denkt, hier ginge es schon wieder um Zettels Traum, muss ich korrigieren, denn der stand nur von sehr ferne Pate. Es geht zwar um eine bestimmte hochsommerliche Nacht, aber die wurde eher von Marivaux inspiriert als von Shakespeare, während der Titel seltsamerweise nach Mozart klingt. - Rideamus


    Der Film war zuerst da, erst dann kam das gesuchte Werk. Ein gänzlich anderes Werk des Komponisten, in dem Frischfleisch eine Rolle spielt, wurde übrigens in den vergangenen Jahren verfilmt. – Teresa Cellini


    Es gibt auch einen Film (nicht mehr so ganz taufrisch) zu dieser Geschichte. Der Titel der Geschichte (nicht des Films!) wurde übernommen von einem sehr bekannten und beliebten Mozart-Musikstück. - Calisto


    Die Nummer 11 ist was für Riddle-Insider, denn sie gehört einem Genre und einem Land an, in denen man als normaler Klassikhörer meist nicht so firm ist. Der Komponist ist aber einer der bekanntesten seiner Art und wirklich gut.
    Ich habe das Werk inzwischen auch, und es gefällt mir sehr. Für die Bewohner der Nummer 1 wäre das übrigens gar nix! So ein Sündenpfuhl! – F. Q.


    Die Lösung: Ensemble "Weekend in the Country" aus A LITTLE NIGHT MUSIC von Stephen Sondheim (Lösungsbuchstabe M)


    Auch diesmal dauerte es eine Weile, bis die erste Befürchtung wegen des Musicals der Erkenntnis wich, dass diese Frage mindestens für aufmerksame Leser dieses Forums zu den leichteren gehören sollte. Manche kamen dennoch nicht darauf, warum auch immer, und haben mich in meiner finsteren Absicht bestäigt: ich gebe es ja zu: manchmal stelle ich meine Fragen nur um sicher zu stellen, dass meine Werkdarstellungen auch gelesen werden, obwohl sie eher "exotischen" Werken gelten. ;+)


    In diesem Fall geht es um diesen Thread, in dem ich eigentlich schon alles gesagt habe, was es zu diesem großartigen Ensemble und dem Werk darum herum zu sagen gibt: SONDHEIM: A Little Night Music - Wenn die Mitternachtssonne dreimal lächelt. Ein Werkführer. Ich zitiere, damit Ihr nicht alles nachschlagen müsst, obwohl sich auch die Kenntnis des Zusammenhangs lohnen sollte:


    Mit diesem Ensemble hat Sondheim sein großes Vorbild, das - von ihm selbst getextete - Quintett TONIGHT aus WEST SIDE STORY, mindestens erreicht und in der Anzahl der beteiligten Stimmen sogar noch übertroffen. Es ist nicht weiter verwunderlich, dass der Tüftler Sondheim dabei auf die anspruchs- und höchst kunstvollen Formenstudien Bachs zurückgreift. Zwar vermeidet er die volle Durchführung einer neunfachen Fuge, diese aber ist immer wieder in Ansätzen heraus zu hören, und das noch am wenigsten in den überraschend eingeflochtenen Anklängen des Kirchenchorals, wenn Henrik einsteigt, was der brilliante Orchestrator Jonathan Tunick mit den passenden Glockentönen unterstreicht. Das Erstaunliche ist, dass dieses Ensemble dabei auch noch die Aufgabe erfüllt, die Spannungen der bisherigen Personenkonstellation auf den Höhepunkt zu bringen und die Handlung des zweiten Aktes rasch und in vollkommener Logik vorzubereiten.
    ...
    All das wird in kurzen Sätzen zu einer funkelnden Melodie in einem mitreißenden Rhythmus vorgetragen und mit Kontrapunkt, kurz eingestreuten Dialogsätzen und sogar fugierten Teilen zu einem herrlichen Nonett entwickelt, zu dem sich am Schluss auch noch das bekannte Quintett hinzu gesellt. Vor allem aber begeistert, dass das Ganze, das in sich schon eine Mini-Oper darstellt, deren musikalischer Duktus nicht von ungefähr mit Liszts "Mephisto-Walzer" verglichen wurde, sich auch noch völlig natürlich anhört. Für mich ist dieses Ensemble eine der ganz großen Leistungen des Musiktheaters überhaupt und in seiner geschickten Verknüpfung von Text und Musik durchaus mit dem ersten Finale von Mozarts NOZZE DI FIGARO zu vergleichen. Mir ist bewusst, wie hoch dieser Anspruch greift, aber genau an diesem Punkt treffen sich die Komponisten der beiden "kleinen Nachtmusiken", die sonst kaum etwas miteinander gemeinsam haben, als dass sie zu den größten Komponisten ihrer Zeit gehören.


    Bekanntlich wurde ja die Kunst des Ensemblegesangs in den Bühnenwerken des 20. Jahrhunderts immer mehr vernachlässigt. Es wäre mal einen eigenen Thread wert, darüber zu spekulieren, warum das so war, denn ich bezweifle stark, dass es an der Unfähigkeit der Komponisten lag, sich diesen Herausforderungen zu stellen. Tatsächlich aber haben sich nur wenige Komponisten der letzten wirklich lebendigen Form des Musiktheaters an derart komplexe Aufgaben gewagt. So ist es doch tröstlich, dass es immer noch möglich ist, ganz unverhofft auf eine solche Meisterleistung der Gattung zu stoßen, die ihren großen Vorbildern kaum nachsteht, wenn überhaupt.


    Wer dieses Ensemble in der vorzüglichen Aufführung der New York City Opera ansehen und -hören möchte, kann das in diesem Ausschnitt auf Youtube tun, der leider eine sehr schwache Bildqualitaet aufweist: "http://de.youtube.com/watch?v=bZutBlUXUDI&feature=related" .


    Da die meisten guten Tonaufnahmen des Stückes mal wieder vom Markt verschwunden oder nur aus den USA zu beziehen sind, empfehle ich ausnahmsweise mal die englische Version, die es am Marktplatz gerade (noch) zu einem günstigen Preis gibt, und in der Jean Simmons allein schon eine dicke Empfehlung wert ist:



    Aber für dieses Werk habe ich nun wirklich genug geworben. Überzeugt Euch einfach selbst anhand der YouTube - Ausschnitte: A LITTLE NIGHT MUSIC gehört zu den Werken, die jeder Liebhaber des klassischen Musiktheaters kennen sollte.


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 12

    Vielleicht der Ensembleklassiker schlechthin: von Schrecken, Hass und Enttäuschung bis hin zum Verrat werden in diesem berühmten Belcanto-Ensemble fast alle heftigen negativen Gefühle abgedeckt und zu einem herrlichen Musikstück vereint.
    Gesucht wird der letzte Buchstabe des Komponisten


    Auch hier gibt's eine literarische Vorlage von einem europäischen Insulaner, diesmal aber nicht vom ollen Willie. Es ist wieder einmal das alte Problem: Wenn die Männer sich kloppen, muss die Frau die Rechnung bezahlen ;+)- Severina


    Nachdem die Titelheldin überzeugt wurde, dass ihr heimlicher Verlobter treulos ist und ihrem Bruder das Schafott droht, ist sie bereit, einen anderen Mann zu heiraten. Doch als sie die Wahrheit erkennt, sorgt sie dafür, dass ihre bereits geschlossene Ehe nicht vollzogen werden kann. In der Romanvorlage zu dieser Oper geht das allerdings für ihren Ehemann glimpflicher aus. - Teresa Cellini


    Angeblich soll die Hochzeit ja der schönste Tag im Leben sein - hier befinden wir uns auf einer Hochzeit, und niemand ist glücklich, abgesehen vielleicht vom Bräutigam, der lebt aber auch nicht mehr lange. – Cherubino


    Da kommt jemand ein paar Augenblicke zu spät - leider ist die Miss ist schon eine - verzweifelnde - Mrs. bzw. die Signorina bereits Signora. Im weiteren Verlauf merkt man aber nichts von britischem Understatement. – Waldi

    Die Lösung: „Chi mi frena in tal momento“ – Sextett mit Chor in LUCIA DI LAMMERMOOR von Gaetano Donizetti (Lösungsbuchstabe I)


    Es mag überraschen, wenn ich ausgerechnet bei dieser klassischen Belcanto-Oper zuallererst den Namen ihres Librettisten, Salvatore Cammarano erwähne, aber das ist nicht nur der Tatsache geschuldet, dass über diesen Klassiker schon fast alles Denkbare geschrieben wurde, sondern weil Cammarano hier, also bereits in seinem vierten und ersten bis heute berühmten Libretto jene typischen Verkürzungen auf dramatische Höhepunkte perfektioniert hatte, welche die italienische romantische Oper so liebte, die ihr aber auch den Vorwurf dramaturgischen Unsinns einbrachten. Die führenden Komponisten seiner Zeit wie Donizetti ( ROBERTO DEVEREUX, POLIUTO, MARIA DI RUDENZ) Mercadente ( LA VESTALE, ORAZI E CURIAZI) und Verdi (LUISA MILLER, IL TROVATORE) aber wussten es zu schätzen, dass Cammaranos starker Theaterinstinkt ihnen vor allem konzentrierte Emotionen lieferte.


    LUCIA DI LAMMERMOOR, deren für das Verständnis der Geschichte wichtige Vorgeschichte man mühsam aus Dialogfetzen zusammenstückeln muss, liefert dafür eine treffliche Illustration und belegt auch, dass Opern eben nicht zwangsläufig nach denselben Maßstäben zu messen sind wie normale Dramen oder wie der damals enorm populäre Roman Sir Walter Scotts, aus dem Cammarano sein Drama in kürzester Zeit heraus filterte, nachdem Donizetti der Stoffwahl enthusiastisch zugestimmt hatte. Allein der Gedanke, die Konfrontation aller Beteiligten in einem großen Sextett mit Chor am Ende des zweiten Aktes herbei zu führen, beeindruckt in seiner damals nahezu beispiellosen Kühnheit, und Donizetti, der sich damals trotz eines neuerlichen Schubes der Syphilis, der er später erliegen sollte, auf dem Höhepunkt seiner Kreativität befand, erwies sich als der Herausforderung gewachsen.


    Die parallele Darstellung von Edgars wütender Enttäuschung über Lucias vermeintlichen Verrat, deren Kummer über die Unwiderruflichkeit ihres Fehlers, Enricos Zorn, aber auch Reue über seinen Verrat an seiner eigenen Schwester usw. , vermochte er in einem äußerst kunstvollen Ensemble auszudrücken, das mit Recht den Ruf eines Archetyps für das Belcantoensemble allgemein erworben hat und in seiner Publikumswirksamkeit zwar gelegentlich erreicht, aber nie übertroffen wurde.


    In Verbindung mit der von Bellinis I PURITANI beeinflussten Wahnsinnsarie Lucias, sorgte dieses Sextett für einen riesigen Erfolg der Uraufführung in Neapel und dafür, dass sich diese Oper als eine von nur wenigen Belcanto-Opern fast durchgehend auf den Spielplänen der Welt hielt und in den 1940er und 50er Jahren weniger als andere Werke der Gattung der Nachhilfe einer Maria Callas bedurfte um als Meisterwerk anerkannt zu werden. Nichtsdestoweniger „gehört“ diese Oper vor allem dieser legendären Sängerin, welche nachhaltiger als jede andere vermochte, das Leid der Titelheldin auch darstellerisch zu vermitteln. Deshalb wäre es töricht, hier nicht zumindest eine ihrer Aufnahmen als erste zu empfehlen:


    ..........


    Das Sextett aus der Aufnahme mit Callas, di Stefano, Panerai, Zaccaria u.a. unter der Leitung Herbert von Karajans kann man auch auf YouTube hören, wobei mir der Drang der Stars, einander auszustechen und so das Ensemble unübersichtlich zu machen, überhaupt nicht behagt:"http://www.youtube.com/watch?v=1gRQ2Ft6YJE". Gut durchhörbar, weil die Inszenierung bis an den Rand der Parodie mitmacht, ist das Ensemble in dieser Darbietung mit Anna Netrebko, Piotr Beczala, Marius Kwiecien und anderen aus der MET vom Februar 2009: "http://www.youtube.com/watch?v=9Ghb8sjV734".


    Aber bei so viel Aufnahmen der Oper gibt es bestimmt eine große Bandbreite von „Lieblingen". Was sind Eure? Mich würde vor allem eine DVD-Empfehlung interessieren, denn da habe ich meinen Favoriten noch nicht entdeckt, nur eine Aufnahme, von der ich nur dringend abraten kann, nämlich die beschämend lieblos gefilmte und musizierte mit Anna Moffo, die ich lieber gar nicht erst zeigen möchte, sonst denkt noch jemand, es sei eine Empfehlung. Dagegen gefällt mir die cd mit Anna Moffo, Carlo Bergonzi, Mario Sereni und Ezio Flagello unter Georges Pretre bis heute am besten von allen Aufnahmen, die ich kenne, da ich mit dem Timbre der Callas bekanntlich meine Probleme habe. Aber wer will dafür schon solche Mondpreise bezahlen? Zum Glück habe ich die Aufnahme schon. :)



    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Das Publikum in Berlin war von dem Sextett so begeistert, daß es wiederholt werden mußte. Ich habe nur drei Aufnahmen der Lucia mit Maria Callas. Einmal die Studioaufnahme von 1954 unter Tullio Serafin ( meine Lieblingsaufnahme, weil sie von Traurigkeit übergossen ist), dann die Liveaufnahme aus Berlin von 1955 unter Karajan und ein Mitschnitt aus Rom auch unter Tullio Serafin aus dem Jahre 1957.


    Weitere Aufnahmen brauche ich nicht, weil ich mir nicht vorstellen kann, daß es bessere Aufnahmen gibt.


    Dies schrieb eine Wahnsinnige :jub:

  • Nr. 13

    So, die erste Hälfte ist geschafft. Gehen wir gleich zur zweiten über, damit das Feld frei wird und wir irgendwann auch wieder zu neuen Rätselufern waten können.


    Hier spielt man um eine Frau, während jemand anders religiöse Choräle anstimmt
    Gesucht wird der vorletzte Buchstabe des Komponisten


    Vielleicht geht es euch besser, wenn Euer Herz aufwacht und singt. Mögen euch dann ganze Kerzenleuchter aufgehen. Ich jedenfalls wünsche allen Ratefreunden Heiterkeit und Fröhlichkeit. – Rideamus


    Das kommt davon, wenn man beim Indoorsport gestört wird ! - Gioachino


    Am Ende des Spiels sitzen alle Beteiligten in Dunkelheit. – Emotione


    Ein Rehbock entpuppt sich als Esel. Ein Herr in dieser Oper ist auch ziemlich beschränkt. :yes: - Calisto


    Der beschränkte Herr gedenkt nach kurzen Überlegungen auch, ein unmoralisches Angebot anzunehmen. – Emotione


    Der hier gemeinte Esel war auch vorher kein Rehbock, sondern schon immer nur ein Grautier und wurde nur von dem Esel, der ihn geschossen hat, und der eigentlich ein Lehrer ist, für einen solchen gehalten. - Rideamus


    Mit "Weber light" hast Du zufällig sogar einen wichtigen Teil des Titels getroffen (die Musik aber auch). Dieses Ensemble ist u. a. deswegen berühmt, weil es qualitativ deutlich über das Genre hinaus ragt, zu dem das Werk gehört und deswegen mit gutem Grund in fast jeder Beschreibung des Werkes lobend erwähnt wird. – Rideamus


    Für den Komponisten kam der Erfolg zu spät: Er starb verarmt. – Gurnemanz


    Nimm Webers bekannteste Oper, sei so frei und ersetze eine Silbe im Titel derselben - schon hast Du das gesuchte Werk (übrigens geht es beim gefragten Ensemble nicht ums Schießen, sondern ums Stoßen, verwandt dem, das derzeit einige Herren mit Mascherl und Bügelfalte bei Eurosport zeigen). – Waldi


    Tja nicht jeder Esel läuft auf vier Beinen. :D Allerdings jener ist gar nicht gefragt. Aber was will man machen wenn die Natur ruft, da muss man dann halt bei strömendem Regen 'ne ruhige Kugel schieben. – Maggie


    Eine meine absoluten Lieblingsopern, gnadenlos unterschätzt! Die guten Tipps wurden ja eigentlich alle schon gegeben, von toten Eseln und eseligen Lehrern, von unmoralischen Angeboten und frommen Chorälen. Das gesuchte Ensemble trägt seinen Beinamen nach einer heute noch beliebten Freizeitsportart (...wenn man es denn Sport nennen will) - Cherubino

    Die Lösung: "Ich habe Numero Eins" - das sogenannte "Billiard-Quintett" aus Albert Lortzings Oper DER WILDSCHÜTZ (Lösungsbuchstabe N)


    Es gab Zeiten, da wäre dieses mit Sicherheit die leichteste Frage gewesen, aber die Zeiten der deutschen Spieloper sind wohl vorbei, und so wurden manche erst von der Assoziation des "Weber light" auf die richtige Fährte geführt, geht es doch auch hier um einen Schützen, der seinen Herausforderungen nicht gewachsen ist. Die Situation dieses Quintetts, das eigentlich ein Quartett ist, bevor die in das antike Drama vernarrte Gräfin ganz am Schluss hinzu tritt, hat sich der geschickte Theaterpraktiker Albert Lortzing nach der Komödie Der Rehbock oder Die schuldlos Schuldbewussten von August von Kotzebue zurecht gelegt und als geniales Ensemble aufbereitet. Dazu nutzt er eine klassische Verwechslungssituation, denn jeder der Beteiligten hält die Frau, um die es hier geht, für etwas anderes. Kurz und verständlich:


    Der Schulmeister Baculus, dessen Intelligenz dem Begriff Leerer Dimensionen verleiht, die einem Esel angemessen wären, hat zu seiner Verlobungsfeier einen Bock geschossen. Jedenfalls glaubt der Esel das, obwohl sich später herausstellt, dass der Bock tatsächlich der Esel des Esels war, den Baculus in der Dunkelheit für einen Rehbock gehalten hatte. Da er beim Wildern erwischt wurde und eine schlimme Bestrafung zu befürchten hat, gibt er die zufällig in den Kleidern eines Studenten vorbei kommende Baronin Freimann, die eigentlich die unbekannte Schwester der Grafen ist, als seine Verlobte aus. Das tut er, weil er weiß, dass der Graf ein notorischer Schürzenjäger ist und um die Ehre seiner wirklichen Verlobten Margarete fürchtet, die im Gegensatz zu einer gewissen Susanna, die aber hier keine Rolle spielt, eigentlich gar nichts gegen ein Techtelmechtel mit dem Grafen einzuwenden hätte. Der Graf und sein Schwager, Baron Kronthal, den er als seinen Stallmeister ausgibt, weil er ihn mit seiner Schwester verheiraten möchte, sind beide hinter der vermeintlichen Verlobten des Schulmeisters her. Sie alle werden vom Regen überrascht und müssen im Billardzimmer des gräflichen Schlosses die Nacht verbringen, weil die Herren nur die Dame in ihr Schlafzimmer mitnehmen möchten, nicht aber die anderen Herren. Der Graf und der Baron möchten also gerne den Rivalen und den vermeintlichen Verlobten loswerden, und so spielen sie eben eine Partie Billiard und verraten mit der Leidenschaft, mit der sie bei der Sache sind, dass sie eigentlich um die Frau spielen. Deren angeblichem Verlobten Baculus wiederum ist das völlig egal. Er will nur schlafen und versucht sich ausgerechnet mit Paul Gerhardts "Wach auf, mein Herz, und singe" in den Schlaf zu singen. Das führt zu Streitereien, deren Lärm die Gräfin auf den Plan ruft.


    In den Worten des Librettos:


    GRÄFIN
    singt
    Welch unruhvolles Treiben!
    Wer störte meinen Schlummer?


    BARON
    verlegen
    Wir spielten.


    GRAF
    ebenso
    Wir spielten.


    GRÄFIN
    Aha!


    GRAF
    Und kamen sehr in Rage.


    BARONIN
    vortretend
    Ich strickte!


    BACULUS
    Ich nickte!


    GRÄFIN
    Aha!


    GRAF
    Das gab Karambolage.


    GRÄFIN
    Das leuchtet mir schon ein.
    Nur glaub' ich, dass Ihr Spiel
    Der holden Jungfrau viel
    Von ihrem Schlummer raubt;
    Drum sei es ihr vergönnt,
    Der sichern Ruh' zu pflegen
    Bei mir, auf meinem Zimmer.
    Sie haben nichts dagegen?


    Baronin küsst der Gräfin die Hand und tritt auf ihre Seite


    BACULUS
    Ei, ein gewagter Schritt!
    Jetzt nimmt sich die Frau Gräfin
    Gar den Studenten mit.


    Alles klar? Wenn nein, dann könnt Ihr die Geschichte in diesem köstlichen und viel verständlicheren Opernführer nachlesen: Wiener Streif(en)-Lichter- der etwas andere Opernführer.


    Der heutige Stellenwert der deutschen Spieloper, deren vielleicht köstlichste Hervorbringung diese Oper von Albert Lortzing ist, lässt sich daran ablesen, dass zwar immerhin zwei Arien aus der Oper auf YouTube vertreten sind, nicht aber dieses Ensemble, das zu Recht als ein Glanzpunkt der Gattung gilt. Dabei gehörte die Oper bis in die 80er Jahre hinein zu den meistgespielten Werken des deutschen Musiktheaters und wurde dank hrer Popularität sogar eigens für das Fernsehen verfilmt. Leider ist nichts davon am offiziellen Markt verfügbar, obwohl immerhin der (gekürzte und von Axel Corti nicht sehr glücklich inszenierte) ZDF-Film mit Walter Berry und Herrmann Prey sowie der Mitschnitt einer hübschen Inszenierung des Münchener Gärtnerplatz Theaters im Internet kursieren.


    Wenigstens haben wir zum Glück mindestens zwei maßstäbliche Tonaufnahmen (die auch sehr hübsche von Ferdinand Leitner kenne ich nur von einem uralten Querschnitt), anhand derer man die exzellente komödiantische und musikalische Qualität des Werkes überprüfen kann. Der Klassiker ist diese Aufnahme Robert Hegers mit Anneliese Rothenberger, Hermann Prey und einem bestens aufgelegten Fritz Wunderlich:



    Sie ist, was ihre Besetzung betrifft, trotz der etwas braven Anneliese Rothenberger nach wie vor maßstäblich. Allerdings stören mich die zuweilen recht behäbigen Tempi Hegers, weshalb ich unter dem Strich diese Aufnahme vorziehe:



    Ich bin wahrlich kein DDR-Nostalgiker, aber mit dieser Aufnahme hat die Eterna der deutschen Spieloper gegeben, was sie mit Karajans MEISTERSINGER für Wagner tat. Lange schien es, als könnte niemals mehr eine Aufnahme der mustergültigen Heger-Einspielung mit ihrem traumhaften Ensemble das Wasser reichen, aber Bernhard Klee und sein Ensemble um Peter Schreier und Edith Mathis haben genau das geschafft. Da auch die Tonqualität tadellos und für meine Ohren deutlich präsenter und besser ist als die alte EMI-Aufnahme, muss sie trotz der um eine Winzigkeit geringeren Qualität des singenden Personals als meine erste Empfehlung gelten, weil das bessere Dirigat hier von größter Bedeutung ist. Allerdings kann und sollte man gerade von dieser herrlichen Oper ruhig zwei Referenzaufnahmen haben, zumal beide sehr günstig zu bekommen sind und echte Alternativen bieten.


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 14

    Eine Überraschung mit Seltenheitswert, weill sie nur selten gespielt wird: im Zusammenhang einer sehr tristen Geschichte werden in einem heiteren und sehr flotten Ensemble gute Schulzeugnisse gefeiert.
    Gesucht wird der dritte Buchstabe des Komponisten


    Mit dem Musical hast du gar nicht so Unrecht, weill das Stück tatsächlich am Broadway uraufgeführt wurde, aber eigentlich ist es eine Oper. – Rideamus


    Es steht zwar nicht im Zusammenhang mit der Frage, jedoch könnten die beiden bekanntesten Werke des Komponisten nahezu als Gemeinschaftswerk von ihm und dem Librettisten genannt werden. – Emotione


    Der seltene Fall eines Komponisten, der Opern, Operetten und Musicals geschrieben hat.... Wir hatten hier ja schon mal eine Operette, die häufig nicht als solche bezeichnet wird. Zugegeben: unter "Operettenkomponist" ist dieser Herr eher nicht aufzuführen. Er hat übrigens auch noch musikdramatische Werke geschrieben, die weder Oper noch Operette noch Musical sind. – Quasimodo


    Ich halte es für unmöglich, dass jemand hier den Komponisten nicht kennt, denn er hat eines der allerpopulärsten Werke des 20. Jahrhunderts geschrieben. Wenn man daran denkt, dass das erfragte Stück am Broadway uraufgeführt wurde, reduziert sich die Zahl der Kandidaten auf genau einen, weill meines Wissens sonst nur noch Leonard Bernstein, der auch nicht als Operettenkomponist, sondern für anderes bekannt ist - eine Oper, ein Musical und eine Operette schrieb, und der wird als Rätselthema schon anderswo gebraucht. – Rideamus


    Aber vielleicht findest du die triste Geschichte schon mal? Der Autor der Vorlage hat damit den Pulitzer-Preis gewonnen. Wenn du den Komponisten weißt, weißt Du ja auch, dass ihn deutsche Straßenszenen von 1933 in eine neue und anderssprachige Heimat getrieben haben. - Quasimodo


    Die Lösung: Ensemble "Wrapped in a ribbon" aus STREET SCENE von Kurt Weill (Lösungsbuchstabe I)


    Im Gegensatz zu der berühmt-berüchtigten DREIGROSCHENOPER ermangelt es Kurt Weills bester Oper leider viel zu sehr an Popularität. Deswegen war mir klar, dass diese Frage ohne größere Hilfestellung nur von den Wenigsten gelöst werden würde. Eigentlich hätte meine Fehlschreibung des "weill" schon Hilfe genug sein müssen, aber wie sich zeigte, war dann doch etwas mehr vonnöten. Die Oper hat übrigens noch ein zweites mitreißendes Ensemble, nämlich das "Ice-Cream - Sextett, das mehrfach als Lösung genannt wurde. Ich habe die Nennung gelten lassen, obwohl dieses Sextett nicht die Fragestellung nach den Schulzeugnissen berücksichtigt, denn es wäre immerhin denkbar gewesen, dass Zeugnisse in dem Kontext vorkommen, und ich wollte nicht die Detailkenntnis des noch geschützten, also kaum verfügbaren Librettos voraussetzen.


    In Erwartung dieser Rätsellösung habe ich vor einiger Zeit mal einen Text zu diesem Werk importiert, den Ihr in diesem Thread nachlesen könnt: WEILL:- Street Scene - Broadway-Oper par excellence. Darin schrieb ich über diese wunderbare Oper u.a.: Auf der Basis eines sehr vielschichtigen Orchesterparts, mit dem Weill nicht zuletzt die alte Tradition des Melodrams, d. h. der musikalisch untermalten Dialoge, die von einer Nummer zur nächsten führen, zu eindrucksvollem Leben erweckt, reicht sie von der großen Oper mit sehr anspruchsvollen Arien und herrlichen Ensembles bis hin zur Steptanzeinlage, und erregt doch nie den Eindruck eines unheitheitlichen Werkes voller Stilbrüche. Vor allem die mitreißenden Ensembles, so das etwas bekannter gewordene "Ice Cream" - Sextett oder die von fast dem ganzen, immerhin 25-köpfigen (plus 8 Sprechrollen), chorlosen Ensemble vorgetragene Nummer "Wrapped in a ribbon and tied in a bow", in dem die guten Zeugnisse gefeiert werden, die man in Amerika eingerollt und verschnürt erhält, suchen in ernsten Musikwerken (nicht nur) des zwanzigsten Jahrhunderts ihresgleichen. Und ernst ist der Stoff zweifellos. Buchstäblich todernst.
    Wer lesen kann, hätte also die Frage leicht beantworten können, was einige ja auch taten.


    Als ich seinerzeit die GA des Werkes von John Mauceri geschenkt bekam und zum ersten Male hörte, drang mir sofort der Ohrwurm dieses Ensembles ins Ohr, und seither bin ich ihn nicht mehr losgeworden. Das wollte ich aber auch gar nicht, denn gerade diese Nummer steht für so Vieles, was den amerikanischen Kurt Weill von seiner europäischen Periode unterscheidet: melodischer Einfallsreichtum, "Swing", technische Vielfalt und vor allem ein starkes Einfühlungsvermögen in die Anforderungen der jeweiligen Situation an Stelle des früheren Einheitsklangs, an dem man zwar, zugegeben, sofort eine Weill-Partitur erkennen konnte, aber auch unweigerlich ihre Grenzen stieß. Jedenfalls geht es mir mit seinen deutschen Kompoitionen so - übrigens auch mit seiner Operette DER KUHHANDEL, mit der er Quasimodos findigen Tipp rechtfertigte, denn Weill hat tatsächlich als einer von ganz wenigen Komponisten Opern, Operetten und Musicals verfasst. Das schaffte noch nicht einmal George Gershwin, obwohl man zum Beispiel dessen frühes Musical STRIKE UP THE BAND um einen Krieg Amerikas mit der Schweiz rein thematisch durchaus als Operette bezeichnen könnte.


    Hier kann ich nun endlich verraten, dass man dieses Ensemble (ab etwa Minute 2 hier: "http://www.youtube.com/watch?v=ZnfA9VC2eAY") auch auf YouTube anhören und sehen kann, und zwar als Ausschnitt aus dieser hochachtbaren Aufzeichnung aus Kaiserslautern:



    Rein muskalisch kann sie zwar nicht mit der cd-Einspielung von John Mauceri mithalten,



    die für mich nach wie vor die - leider nicht mehr am Markt angebotene - Referenz für dieses Werk ist, und auch nicht mit der Aufführung des ENO,


    davon abgesehen ist sie aber eine durchaus respektable bis gelungene und vor allem greifbare Alternative, der es sogar gelingt, das in dieser Nummer notwendige Musical-Feeling zu vermitteln, das beweist, wie gut Weill zum Zeitpunkt der Komposition des Werkes die verschiedenen amerikanischen Tonsrachen verinnerlicht hatte.


    In jedem Fall kann ich allen, die meinen, ihren Weill zu kennen, diese Oper aber noch nicht gehört haben, nur raten, sich das Gesamtwerk mal anzuhören. Sie werden von seiner Vielfalt und Kunstfertigkeit, ganz zu schweigen von dem anrührenden Appeal dieses traurig realistischen Werkes um ein nur zu alltägliches Drama, überrascht sein.


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 15

    Eine eindringliche Bitte um Vergebung, die so überzeugend ist, dass man dem Bittsteller verzeiht, obwohl man weiß, dass er gleich morgen wieder sündigen wird, leitet dieses selbst für seinen Komponisten ungewöhnlich klangschöne Finale ein.
    Gesucht wird der erste Buchstabe des Mittelnamens des Komponisten


    Das von dem Bittsteller beanspruchte Recht hat es nie gegeben, wenn man den Historikern glauben darf. – Gioachino


    Zu dieser wirklich sehr leichten Frage, denn die Antwort steckt schon fast in der Frage drin: man fragt sich bange: wie soll das nun nach diesem scheinbaren Happy-End mit wunderschöner Musik weitergehen?
    Es gibt sogar Theater-Antworten darauf, welche die schlimmsten Befürchtungen wahr werden lassen...... Dabei fing die Vorgeschichte so vielversprechend an und hatte wirklich ein Happy End. Sic transit..... :( - F. Q.


    Eine Nach-Geschichte mit (allerdings etwas krummem) Happy End wurde von einem unlängst verstorbenen Komponisten vertont. - Quasimodo


    Ja, ja, Rosen haben eben auch Dornen :D - Severina


    Also wenigstens musikalisch beknirscht sich der Sünder viel überzeugender als viel später der Eisenstein. Im schönen iberischen Garten kniet es sich natürlich auch leichter... - Waldi


    Ich glaube aber, dass Rosalinde ihren Gabriel in Zukunft erfolgreicher unterm Pantoffel hat, als es bei dem hier gesuchten Paar der Fall ist :sev:. Na ja, emanzipierte Damen waren damals noch mehr Mangelware als zu Zeiten des seligen Strauß-Schani! – Severina


    Hier wird zu Beginn etwas vermessen. - Gurnemanz


    Die Lösung: Finalensemble "Contessa, perdono" aus LE NOZZE DI FIGARO von Wolfgang Amadeus Mozart (Lösungsbuchstabe A)


    Ein Ensemblerätsel ohne mehr als ein Beispiel aus den vielen möglichen des Pioniers und ersten Großmeisters dieser Kunst wäre natürlich undenkbar, und nachdem für mich von vornherein feststand, dass das "Soave sia il vento" aus COSÍ FAN TUTTE dabei sein muss, war die schwerste Frage, welches Mozartensemble das zweite sein sollte, denn allein die Finali aus LE NOZZE DI FIGARO und DON GIOVANNI drängten sich massiv auf und machten eine Entscheidung denkbar schwer. Mehr als zwei Werke wollte ich aber bei keinem Komponisten aufnehmen um eine möglichst große Bandbreite an Spitzenensembles zu erhalten.


    Schließlich entschloss ich mich für das Finale des zweiten Aktes aus LE NOZZE DI FIGARO, das ja gleich mehrere Ensembles hintereinander enthält, weil ich mich an die Szene aus dem Film AMADEUS erinnerte in der Tom Hulce als Mozart ganz glücklich damit protzt, ein Finale von geschlagenen zehn Minuten Länge geschrieben zu haben. Kaum hatte ich mich darauf festgelegt und schon eine entsprechende Frage formuliert, fiel mein Blick noch einmal auf den Titel dieses Rätsels, der mir schlagartig bewusst machte, dass es eine Stelle gibt, die, jedenfalls für mich, den Begriff "Gänsehautensemble" mehr verdient als jede andere, weil sie mir ob ihrer überirdischen Schönheit buchstäblich bei jedem Hören einen wohligen Schauer den Rücken hinauter jagt, obwohl ich ganz genau weiß, was jetzt kommt, und das ist diese Situation am Ende dieser Oper.


    Wir erinnern uns: Gerade eben hat der Graf sich gründlich lächerlich gemacht und jeden Gedanken an eine Verzeihung für die vermeintlichen Ehebrecher zurückgewiesen, als die Gräfin ihre Verkleidung ablegt und ihre wahre Identität enthüllt, was wiederum den Grafen als Möchtegern-Ehebrecher in flagranti entlarvt. Was macht der raffinierte Kerl? Er sinkt auf die Knie und bittet seine Rosine dermaßen innig und entwaffnend um Verzeihung, dass man dem Hallodri einfach vergeben muss, selbst wenn man sich absolut sicher ist, dass er am nächsten Tag in seinen alten Trott zurückfallen wird. Wie in den Tipps angesprochen wird, haben Massenet und andere das später auch ausgeführt. Auch die Gräfin vergibt ihm, aber wie sie das tut, ist absolut hinreißend und zum Davonschmelzen. Ihre himmlische Kantilene, in die die übrigen einstimmen, zeugt von einer solchen Souveränität, dass man die Frau und ihren Komponisten einfach nur noch lieben kann, ja, anbeten muss. Wenn das kein Gänsehautensemble ist, dann weiß ich nicht, welches noch wirkungsvoller sein soll.


    Wie erwartet, erwies sich diese Frage als eine der leichtesten, wobei mir die emanzipatorischen Untertöne mancher Tipps nicht weniger gefallen haben, als Waldis kühner Brückenschlag zu dem reumütigen Sünder Eisenstein aus der FLEDERMAUS, an den ich bei diesem Vorbild nie gedacht hätte.


    Von den zahlreichen Einspielungen dieses Meisterwerks gibt es natürlich eine Fülle möglicher und verdienter Präferenzen zwichen der frühen Aufnahme von Erich Kleiber über die "Klassiker" von Böhm und Karajan und meinem FIGARO-Favoriten Neville Marriner bis hin zu den HIPpen Östmann und Jacobs, die alle große Meriten haben. Wenn ich aber mal nur dieses Ensemble betrachte und anhöre, dann steht mir ungeachtet aller prominenten und auf ihre Art jeweils großartigen Konkurrenz vor allem eine Aufnahme vor Auge und Ohr, die mit Rodney Gilfry als Graf und Hillevi Martinpelto vergleichsweise unprominent besetzt ist, von John Eliot Gardiner aber so ideal geleitet wird, wie ich mir diese Szene vorstelle, die sinnvollerweise gleich auf dem Cover der DVD abgebildet ist. Da die DVD der höchst gefälligen Pariser Inszenierung Jean-Louis Thamins gegenüber der reinen Tonaufnahme, die natürlich noch ein sehr stattliches Booklet hat, weniger als ein Drittel kostet, würde ich natürlich zu dieser raten, denn auch die Inszenierung lohnt das Ansehen, zumal sie mit Bryn Terfel einen der besten Figaros aufzuweisen hat:



    Ansonsten dürfte es wenige Opern geben, die so viele verschiedene Lieblingsaufnahmen hervorgebracht hat. Oder doch nicht? Ich bin gespannt, welche Aufnahmen Ihr empfehlen würdet. Seltsamerweise gibt es nämlich nur einen Thread über FIGAROS HOCHZEIT und die originale NOZZE auf DVD hier: MOZART: "Le nozze di Figaro" - DVD-Aufnahmen. Man könnte also diese Rätselantwort zum Anlass nehmen, mal eine Diskografie über dieses Meisterwerk in Gang zu bringen.



    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 16

    In diesem mit Recht sehr berühmten Ensemble geht es um die Sonne und einen Werbegesang
    Gesucht ist der erste Buchstabe des Werkes


    Die junge Dame, die da die Sonne besingt, hat ihren Vornamen von einer Ahnin, die einen Akt vorher auch schon besungen wurde. - Quasimodo


    Einer der Mitwirkenden setzt sich über alle Regeln hinweg und gewinnt dennoch. – Emotione


    Handwerk hat goldenen Boden. – Calisto


    Mir gefällt die Parodie mehr als das Original, nach dem hier gefragt wird. – Gurnemanz


    Sonne hin, Sonne her - da muss ich wirklich über meinen Schatten springen um just zu dieser Oper einen Tipp abzugeben ;+) . Sie hat in einem anderen Rätsel schon einmal für botanische Verwirrung gesorgt! – Severina


    Der botanische Aspekt erscheint nur ganz am Rande, wenn die Luft von Blüt’ und Duft nur so schwellt. - Emotione


    Ich glaube, den wohlriechenden Busch hat es zu der Zeit noch gar nicht gegeben. Calisto


    So einen Kritiker, wie er in Nr. 16 seines Amtes waltet, wünscht sich wahrlich kein Sänger! - Severina


    Die Lösung: Quintett "Selig wie die Sonne" aus DIE MEISTERSINGER VON NÜRBNBERG von Richard Waner (Lösungsbuchstabe M)


    Diese Frage wurde von dem meisten so schnell gelöst, dass ich wohl darauf verzichten kann, Näheres zu diesem Quintett und der Situation zu schreiben, in der es gegeben wird. Das Zitat des Textes, den man in der Regel nach Evas Einleitung nicht mehr versteht, sollte genügen um zu illustrieren, worum es hier geht:


    EVA.
    Selig, wie die Sonne
    meines Glückes lacht,
    Morgen voller Wonne,
    selig mir erwacht;
    Traum der höchsten Hulden,
    himmlisch Morgenglühn:
    Deutung euch zu schulden,
    selig süß Bemühn! –
    Einer Weise, mild und hehr,
    sollt es hold gelingen,
    meines Herzens süß Beschwer
    deutend zu bezwingen.
    Ob es nur ein Morgentraum?
    Selig deut ich mir es kaum.
    Doch die Weise,
    was sie leise
    mir vertraut,
    hell und laut,
    in der Meister vollem Kreis,
    deute sie auf den höchsten Preis.
    SACHS.
    Vor dem Kinde, lieblich hold,
    mocht ich gern wohl singen:
    doch des Herzens süß Beschwer
    galt es zu bezwingen:
    's war ein schöner Morgentraum;
    dran zu deuten wag ich kaum.
    Diese Weise,
    was sie leise
    mir anvertraut,
    im stillen Raum,
    sagt mir laut:
    auch der Jugend ew'ges Reis
    grünt nur durch des Dichters Preis.
    WALTHER.
    Deine Liebe ließ mir es gelingen,
    meines Herzens süß Beschwer
    deutend zu bezwingen:
    ob es noch der Morgentraum?
    Selig deut ich mir es kaum!
    Doch die Weise,
    was sie leise
    dir vertraut
    im stillen Raum,
    hell und laut
    in der Meister vollem Kreis,
    werbe sie um den höchsten Preis!
    DAVID.
    Wach oder träum ich schon so früh?
    Das zu erklären macht mir Müh:
    's ist wohl nur ein Morgentraum?
    Was ich seh, begreif ich kaum.
    Ward zur Stelle
    gleich Geselle?
    Lene Braut? –
    im Kirchenraum
    wir gar getraut?
    's geht der Kopf mir wie im Kreis,
    daß ich Meister bald heiß!
    MAGDALENE.
    Wach oder träum ich schon so früh?
    Das zu erklären macht mir Müh:
    's ist wohl nur ein Morgentraum?
    Was ich seh, begreif ich kaum.
    Er zur Stelle
    gleich Geselle?
    Ich die Braut,
    im Kirchenraum
    wir gar getraut?
    Ja, wahrhaftig, 's geht! Wer weiß,
    daß ich Meist'rin bald heiß?
    SACHS zu den Übrigen sich wendend.
    Jetzt alle am Fleck!
    Zu Eva.
    Den Vater grüß!
    Auf, nach der Wies – schnell auf die Füß!

    Ein Grund, warum ich trotz aller Redseligkeit und problematischen Ideologie die MEISTERSINGER von allen Opern Richard Wagners am liebsten mag, ist die Tatsache, dass er hier am häufigsten über seinen allgegenwärtigen deklamatorischen Stil hinausgegangen und nicht nur auf das Orchester ausgewichen ist, das hier trotzdem eine höchst gewichtige Rolle spielt, sondern auch riskiert hat, dass man ausnahmsweise nicht jedes seiner Worte versteht und wunderbare Ensembles komponierte. So hätte ich statt dieses Quintetts, das aber ein Pflichtbeitrag war, auch die enorm komplexe und wirkungsvolle Prügelfuge des zweiten Aktes auswählen können.


    Fast hat man den Eindruck, als habe Wagner in dieser Oper und vor allem mit diesen beiden Ensembles dezidiert beweisen wollen, dass er auch das kann. Bezeichnenderweise bricht er hier auch nicht vor dem erwartewten Schlussakkord ab um zu seiner "unendlichen Melodie" zu gelangen, sondern findet zu einem Abschluss. Das macht das Quintett wie schon das vorangegangene Werbelied Walthers mit seinem abschließenden C-Dur - Akkord fast zu einer konventionellen Nummer, wenn auch einer von höchster Qualität, aber ich bin ihm jedenfalls sehr dankbar dafür. Hätte er sonst nichts anderes komponiert als die rund 6 Minuten dieses Quintetts, Wagner hätte bei mir trotzdem einen Anspruch auf einen Platz im Komponistenolymp, denn diesem Quintett gebührt wegen seiner unwiderstehlichen Ausstrahlung und Schönheit ein Spitzenplatz sogar unter den für dieses Rätsel ausgewählten 24.


    Wer sich an das Ensemble erinnern lassen möchte, kann dies bei YouTube in mehreren Aufnahmen tun, wobei ich ausnahmsweise eine der ältesten Aufnahmen als erste empfehlen möchte, weil hier nicht nur von Elisabeth Schumann, Lauritz Melchior und Friedrich Schorr vorbildlich gesungen wird, sondern auch dank Barbirollis einfühlsamer Leitung eine Textdeutlichkeit zu konstatieren ist, um die alle späteren und klanglich moderneren Aufnahmen diese Uralteinspielung nur beneiden können: "http://www.youtube.com/watch?v=OJpqs4M3cvI&feature=related". Besonders hochwertig sind aber auch die Aufnahmen mit Maria Reining unter Toscanini (leider in sehr schlechter Tonqualität), Gundula Janowitz unter Rafael Kubelik, Elisabeth Grümmer unter Rudolf Kempe und (für mich) überraschenderweise auch der Ausschnitt aus dem stockkonservativen TV-Film von 1971 unter Leopold Ludwig mit Arlene Saunders, Giorgio Tozzi und Richard Cassilly: "http://www.youtube.com/watch?v=2Zv035tDxaU&feature=related".


    Allerdings scheint es, als habe diese Oper in neuerer Zeit einen immer schwereren Stand. Das kommt auch in diesem verdienstvollen Thread zum Ausdruck, der leider bei der Diskussion um die Problematik der Schlussansprache abbrach und spätestens wieder aufgegriffen werden sollte, wenn das derzeitige RING-Fieber abgeklungen ist: WAGNER: "Die Meistersinger von Nürnberg" – Verachtet mir die Meister nicht. Selbst meine Lieblingsaufnahme, die Dresdener Einspielung unter Herbert von Karajan, in der das Quintett besonders gut gelungen ist, hat ja schon etliche Jahrzehnte auf dem Buckel, auch wenn sie zum Glück keine klangliche KOmpromissbereitschaft erfordert:



    Eine DVD-Empfehlung kann und will ich nicht aussprechen, weil die mir bekannten Aufzeichnungen zwar dank Thielemann, Stein und Mackerras durchaus musikalische Meriten haben, von ihren Regisseures Wolfgang Wagner, Michael Hampe und Otto Schenk aber dermaßen staubig hergerichtet wurden, dass ich mich nach dem einmaligen Ansehen regelmäßig darauf beschränkt habe, sie nur noch zu hören, wenn ich nicht gleich zu Karajan griff, wann immer mir nach meisterhaften Ensembles von Richard Wagner war. So kann ich mich nur, bei weit geringerem persönlichen Kenntnisstand, den Befunden und Empfehlungen des Wagnerianers in dem zitierten Thread anschließen und nachdrücklich empfehlen, sich anhand der genannten YouTube-Auszüge von diesem hinreißenden Ensemble erneut bezaubern zu lassen, denn es ist bestens geeignet, alle eines Besseren zu belehren, die meinen Wagner habe nur für kreischende Schweinshaxen komponiert.


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 17

    Weil's sonnig so schön war, suchen wir gleich noch ein Ensemble um einen Sonnenaufgang. Dieser repräsentiert die Geburt einer Nation.
    Gesucht wird der Doppelbuchstabe im Namen des Titelhelden, der im Original sogar im Vor- und Nachnamen vorkommt.


    Wenn Ihr den Wald vor lauter Bergen nicht seht, dann seid Ihr schon mal in der richtigen Landschaft, und das Stück hat enge Verbindungen mit drei Nachbarn der angesprochenen Nation. – Rideamus


    Ab und zu gibt’s im Westen was Neues – Pavel


    Dass ich auf diese Nation nicht gleich gekommen bin, ist in meinem Fall besonders blamabel :schaem: Aber dann haben doch die Berge durch den Wald geschillert ;+) - Severina


    Die Einleitung dieses Werks erinnert mich irgendwie an Bonanza... – Gurnemanz


    Ja, passt eigentlich ganz gut! Schießwütige Helden gibt's da auch! War das Thema nicht ursprünglich aus Schostakowitschs 15. Sinfonie? – Quasimodo


    Sowohl Gründung als auch die gesuchte Titelfigur sind ziemlich sagenhaft. – Emotione


    Die Lösung: Finalquartett m. Chören: "Pourqoui ta présence, o mon père?" aus GUILLAUME TELL von Gioacchino Rossini (Lösungsbuchstabe L)


    Von den vier Großmeistern der Ensemblekomposition, die hier zweimal vorkommen, hat mich bei Rossini der Verzicht auf eine dritte Nennung am meisten geschmerzt, denn ursprünglich sollte hier auch noch das kompositorische Gegenstück des vierfachen Salto Mortale auf dem Hochseil vorkommen, nämlich das "Gran concertato a 14 voci" aus IL VIAGGIO Á REIMS, wie es - nur zum Beispiel - Claudio Abbado, Montserrat Caballé, Ruggero Raimondi & Co. seinerzeit in Wien mit einer unvergleichlichen Rasanz und Spielfreude als encore darboten. Dass das Publikum danach nicht von ungefähr aus dem Häuschen geriet, kann wohl jeder nachvollziehen, der diesen Ausschnitt sieht "http://www.youtube.com/watch?v=OapujbtTUMI&feature=related" oder auf dieser Studioaufnahme hört, auf der man auch die zahlreichen exquisiten Ensembles vernehmen kann, mit denen diese Oper nachgerade vollgepfropft ist:



    Dass ich mich letztlich doch für das große Finale von Rossinis letzter Oper entschieden habe, liegt - abgesehen von der Ähnlichkeit der VIAGGIO-Musik mit der des COMTE ORY und der Schwierigkeit, aich auf ein bestimmtes Ensemble festzulegen - wiederum an einer persönlichen Erinnerung. Als ich nämlich die Oper zum allerersten Mal gehört habe, damals auf italienisch in dieser Aufnahme von Riccardo Chailly mit der superben Besetzung Pavarotti, Freni und Milnes,


    war ich von dem Finale absolut hingerissen, denn es war die nicht mehr für möglich gehaltene Steigerung einer ganzen Serie von enorm starken Eindrücken, die diese Oper zu bieten hat, und die weit über die Reize hinaus gehen, welche bereits die fast schon zu populäre Ouvertüre enthält. Nachdem ich die Oper inzwischen sehr oft und in mehreren Versionen gehört habe, ist der Eindruck zwar nicht mehr ganz so überwältigend, aber doch immer wieder überzeugend. Ein wenig kann man ihn trotz der begrenzten technischen Qualität in diesen Ausschnitten nachvollziehen:
    Riccardo Muti an der Scala mit Giorgio Zancanaro: "http://www.youtube.com/watch?v=F4SQjCWu4e8"
    Bruno Campanella an der Bastille Oper mit Thomas Hampson: "http://www.youtube.com/watch?v=osNDoDN_vtc"
    und schließlich die Studioaufnahme von Lamberto Gardelli mit Gabriel Bacquier und Nicolai Gedda, die ein denkbar überzeugendes Argument für die französische Originalfassung ist: "http://www.youtube.com/watch?v=XYPH6Zy-Lb4".


    Leider ist diese Aufnahme derzeit nicht mehr am Markt erhältlich, aber wer sie noch findet, sollte sie sich sichern, denn auch wenn mir unterm Strich Chailly immer noch am besten gefällt, die ungekürzte Originalfasung hört man nirgendwo besser interpretiert als hier.


    Dieses pathetische Finale, das die legendäre Gründung der Schweiz zu Tönen werden lässt, sollte alle verstummen lassen, die daran zweifeln, dass Rosini, wenn er wollte, auch ein großartiger Orchestrator war, denn die im Grunde sehr einfache melodische Illustration des Sonnenaufgangs über den Bergen erhält ihre Überzeugungskraft vorwiegend aus der variablen Instrumentation und dem virtuosen Einsatz der einander ergänzenden Singstimmen.


    Um diese Steigerung richtig würdigen zu können, muss man natürlich die ganze Oper hören und möglichst auch sehen. Leider ist Letzteres nur auf dieser Aufzeichnung der Aufführung Riccardo Mutis der italienischen Fassung in der Scala möglich, die ordentlich ist, m. E. nicht an die Aufführung an der Bastille Oper in der Originalsprache und schon gar nicht an die beiden genannten Tonaufnahmen heran reicht.


    Am besten aber lernt man alle Einspielungen kennen, denn diese letzte Meisterwerk Rossinis kann man gar nicht oft genug hören.


    Genug geschwärmt. Könnt Ihr noch andere Aufnahmen empfehlen, und welches sind Eure Höhepunkte in dieser besonders reichhaltigen Oper?


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 18

    Gleich weiter im Text, damit auch das dritte Viertel voll wird:


    Vier Göttinnen beschließen, dem Helden zu helfen. Ein buchstäblich himmlisches Ensemble nahe dem Abschluss eines völlig zu Unrecht wenig bekannten Werkes, dessen Komponist bei der Verteidigung seines Heimes umkam.
    Gesucht wird der zweimal im Komponistennamen vorkommende Buchstabe


    Wenn man vom Ensemble mit Göttinnen und Helden hört, denkt meinereiner erst mal an Barock. Stimmt in diesem Falle aber ganz und gar nicht. :shake: - F. Q.


    Um der Wahrheit die Ehre zu geben: die "Göttinnen" sind keine im Sinne antiker Mythen, sondern Allegorien, also Verkörperungen der abstrakten Ideale Wahrheit, Schönheit, Leiden und Güte. – Rideamus


    Einer von uns hier hat eine große, sichtbare Affinität zu dem gesuchten Werk. Er hat mich mit ihm und seinem Komponisten bekannt gemacht, wofür ich ihm danke. – Gioachino


    Dem Dank schließe ich mich an. Die Affinität ist jedoch m. E. nur lesbar, sichtbar ist ein anderer Komponist. – Emotione


    Die 18 kann man eigentlich nicht von selbst kennen, die wird nicht nur nie gespielt sondern ist auch noch kaum in Aufnahmen erhältlich. Eine echte Rarität, die wir Insider nur durch einen sehr eifrigen Missionar kennen, der sehr plakativ lesbar mit dieser Oper herumschwirrt . – F. Q.


    Schlimmer noch, derzeit gibt es überhaupt keine Aufnahme am Markt. Eine Schande ist das. Fairys Eselsbrücke könnte aber helfen, denn tatsächlich ist die Oper nicht nur eines unserer dienstältesten Mitglieder, deren Inhaber auch mich für den Fanclub des Werkes angeworben hat, sondern der Vorname des Komponisten fast identisch mit dem eines wenig sympathischen Gnoms, der zum Auftakt eines Monumentalwerkes der Opernbühne der Liebe abschwört. – Rideamus


    Ein Tipp könnte sein "man stirbt nur zweimal", würde aber nur helfen, wenn man auch nur ansatzweise die Handlung kennt. Denkt einfach mal an eine Verbindung von Krieg und Herz. – Emotione


    Die biographische Information in der Frage bezieht sich auf den Ersten Weltkrieg. Die Soldateska, denen der Komponist bei der Verteidigung seines Hauses zum Opfer fiel, waren Deutsche an der Westfront. Folglich war er...
    ... und eine Oper um einen Helden jenes Sprachraums von so jemandem verkörpert jemand hier mit seinem Nick. Die wird gesucht. Auf die Benennung des Ensembles verzichte ich, denn das wusste noch niemand mangels Einspielung. – Rideamus


    Nr. 18 liegt musikalisch durchaus im Fahrwasser des in Nr. 16 gefragten Komponisten, ohne dadurch allerdings den Stempel "epigonal" zu verdienen - oder vielleicht doch? – Gurnemanz


    Von wegen Epigone, lieber Gurnemanz! :shake: Wenn Richardl so komponiert hätte, würde ich vor ihm auf Knien liegen! :juhu: :juhu: :juhu:


    Ihr braucht den Namen des Komponisten, anders geht das nicht:
    Vorname: ein bösartigen Zwerg aus Richardls Märchenwelt , der die Frage Geld oder Liebe eindeutig beantwortet, aber mit bretonischer Endung
    Nachname: was ganz Großes, oder ein besonders großes Eis von Langnese, mit Schokohülle, gibt’s in vielen Sorten und früher (zu meiner Zeit...) wurde dafür ziemlich erotische Werbung gemacht oder einer der ein Geldimperium besitzt- mit frz. Endung – F. Q.

    Die Lösung: Quartett "Mere, vois l'orgeilleux" aus GUERCOEUR von Albéric Magnard (Lösungsbuchstabe A)


    Man sieht es schon an der Art und Fülle der Tipps: die Frage Nr. 18 galt dem unbekanntesten aller hier gesuchten Werke, und ich hätte mich nicht getraut, überhaupt danach zu fragen, wenn ich nicht in der Tat gewusst hätte, dass es einen sehr engagierten Fürsprecher unter uns hat, der sich sicher freuen würde, wenn dieses Werk mal wieder hier angesprochen wird, während andere, darunter einige eifrige Tippgeber, sich womöglich zu Recht gewundert hätten, warum dieses Ensemble in diesem Rätsel nicht vorkommt. Als ich vor nunmehr bald drei Jahren in einem anderen Forum erstmals anregte, besonders schöne Ensembles zu sammeln, postetе unser Mitglied Guercoeur, denn um ihn handelt es sich natürlich, folgende Empfehlung dieses mir völlig unbekannten Werkes, die ich in der Hoffnung, dass er damit einverstanden ist, hier zitieren möchte:


    Eine weiteres wunderbares Beispiel für eine besonders ergreifende Ensembleszene stammt aus der lyrischen Tragödie 'Guercoeur' (komponiert 1897-1901) von Albéric Magnard (1865-1914).
    Nachdem der Protagonist der Oper, Guercoeur, nach seinem in jeder Hinsicht desaströs verlaufenen Aufenthalt auf der Erde (II. Akt) im III. Akt reumütig in das himmlische Paradies der Göttin Vérité zurückgekehrt ist, wird er am Ende des Aktes von den vier Göttinnen Vérité / Wahrheit (Sopran), Bonté / Güte (Mezzosopran), Beauté / Schönheit (Sopran) und Souffrance / Leiden (Alt) in den Schlaf gesungen. Ein zutiefst anrührendes Wiegenlied, das sich zu einem hymnischen Quartettgesang steigert.


    Dass derzeit leider keine einzige Aufnahme des Werkes verfügbar ist und selbst die Einspielung Michel Plassons mit José van Dam und Hildegard Behrens schon lange vergriffen und nur noch für Mondpreise zu haben ist, spiegelt sich leider auch auf YouTube, denn auch dort gibt es nur einen historischen Ausschnitt aus dieser Oper mit Arthur Endreze, dem Interpreten der Titelrolle in der Uraufführung, der immerhin eine vage Vorstellung von der berückenden Klangwelt dieses Werks vermittelt: "http://www.youtube.com/watch?v=bR_dNUTgreU&feature=related". Ansonsten kann man die Oper derzeit nur in einer französischen RUndfunkaufnahme von Tony Aubin mit Bernard Demigny, Marcelle Bunlet und anderen im Internet finden, aber ich darf hier leider keine Links dazu einstellen.


    Das Libretto zu seiner dreiaktigen Oper schrieb der französische Komponist Alberic Magnard (1865-1914) selbst. Obwohl er das Werk überwiegend schon 1901 vollendet hatte, wurde es erst siebzehn Jahre nach seinem Tod im April 1931 uraufgeführt, denn das unaufgeführte Werk musste nach Magnards Tod von dessen Freund Guy Ropartz mühsam rekonstruiert werden, da die Partitur teilweise von einem Feuer vernichtet wurde, das von deutschen Truppen gelegt wurde,rnachdem Magnard bei dem Versuch umgekommen war, es gegen ihr Eindringen zu verteidigen.


    Die allegorische Handlung beginnt im Paradies, in dem die Gottheiten Wahrheit, Güte, Schönheit und Leiden herrschen. Der einstige Ritter Guercouer aber kann dem Paradies nichts abgewinnen. Er vermisst die irdischen Freuden und fleht die Gottheiten an, ihn wieder ins Leben zu lassen. Nachdem vergeblich gewarnt wurde, schenkt ihm die Wahrheit das Leben wieder. Als er aber zu seinem Volk zurückkehrt, muss er feststellen, dass seine Frau ihren Schwur, ihm über den Tod hinaus treu zu bleiben, um gebrochen hat und mit seinem Freund zusammen lebt. Dieser hat schon längst Guercoeurs einstige Maximen von Freiheit, Freundschaft und Liebe über Bord geworfen und strebt eine Tyrannei an, gegen die das Volk aufbegehrt. Guercoeur kommt bei dem Versuch um, die Revolution zu verhindern, und bittet die Wahrheit um Vergebung für seinen Hochmut, in dem er alles besser wissen wollte. Schließlich tröstet ihn die Wahrheit und verspricht ihm, dass seine einstigen Hoffnungen sich noch erfüllen werden.


    Dann breitet die Wahrheit über Guercoeur den Schleier des gnädigen Vergessens. Um noch einmal unser Mitglied Guercoeur zu zitieren: "Nach einem letzten "Espoir!" Guercoeurs, fällt dieser in Schlaf. Die Göttinnen betten ihn unter Blumen.
    Das folgende Schlußquartett der Gottheiten Vérité, Bonté, Beauté und Souffrance gehört sicher zu den schönsten und ergreifendsten hymnischen Gesängen der Operngeschichte - ein zutiefst anrührendes Wiegenlied für Guercoeur: Er möge
    "die vergängliche Pein für immer vergessen", "zurükkehren in die Ewigkeit", "in den Armen der Unendlichkeit in Frieden ruhen", seine Seele "sich auflösen in der Seele der Dinge". Dann nehmen ihn die Göttinnen mit dem in dem in der Frage angesprochenen, buchstäblich himmlischen Quartett wieder zu sich auf.


    Ich kann ihm in dieser Bewertung nur zustimmen. und es ist ewig schade, dass ich Euch keinen Eindruck von der Musik dieses Quartetts vermitteln kann. Aber hätte das ein Grund sein sollen, sie nicht wenigstens zu erwähnen und den Umstand nicht zu beklagen, dass man sie nicht einmal erwerben kann, wenn man will?


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Dagegen gefällt mir die cd mit Anna Moffo, Carlo Bergonzi, Mario Sereni und Ezio Flagello unter Georges Pretre bis heute am besten von allen Aufnahmen, die ich kenne, da ich mit dem Timbre der Callas bekanntlich meine Probleme habe. Aber wer will dafür schon solche Mondpreise bezahlen? Zum Glück habe ich die Aufnahme schon.


    Da kann ich mich ja wirklich glücklich schätzen, ich habe sie inzwischen nämlich auch. :) Ich war vor einer Woche in der Stadtbibliothek, wo dauerhaft eine Art Bücherflohmarkt aufgebaut ist. Die Bibliothek wird auf diesem Wege nicht mehr gebrauchte Medien los, esucher können Bücher, CDs etc. als Spenden an die Bibliothek abgeben, die sie dann zu ihren Gunsten verkauft. Offensichtlich wollte da jemand einen Stpel Klassik-CDs los werden, ich habe nämlich die "Lucia di Lammermoor" unter Pretre dort gefunden und für gerade einmal vier Euro erworben. Ein paar Tage später habe ich dann, angeregt durch deinen Beitrag oben, gemerkt, was für ein Schnäppchen ich da gemacht habe! :thumbup: Ich finde die Aufnahme übrigens auch sehr überzeugend. Keiner der Protagonisten geht aus sich heraus oder gestaltet dramatisch packend, aber die Musik lässt sich wohl kaum besser verwirklichen.

    Ich liebe Wagners Musik mehr als irgendeine andre. Sie ist so laut, daß man sich die ganze Zeit unterhalten kann, ohne daß andre Menschen hören, was man sagt. - Oscar Wilde

  • Interessant ist, dass es von Guercoeur zwar keine (erschwingliche) Tonaufnahme gibt, aber ein Public Domain-Klavierauszug im Internet zu finden ist.

  • Nr. 19

    In diesem herrlichen Ensemble eines zu Unrecht unterschätzten Spätwerkes wird ein himlisch ruhiger Moment gewürdigt, bevor ein Höllenlärm losbricht, der den Helden zur Verzweiflung treibt.
    Gesucht wird der erste Buchstabe in der falschen Charakteristik der Titelfigur.


    Hier sollte man nicht, so ging es mir, dem Irrglauben unterliegen, Held und Titelfigur seien identisch. – Emotione


    Die absolute Stille kann beglücken. :rolleyes: - Calisto


    Bald nach der himmlischen Stille darf ausgiebig gekreischt werden. - Quasimodo


    Sofern es nicht Windstille ist - die hat unseren Helden in seinem früheren Leben sicher nicht beglückt! :D - Severina


    Gottlob bin ich nicht so wie die Titelheldin von 19, deshalb sage ich dir jetzt was: Den Komponisten mag ich gar nicht :shake: :shake: :shake: - Severina


    Ein Herr, der eine furchtbare Explosion auf einem Schiff erlebt hatte, verträgt keinerlei Lärm mehr. Musik kann sehr schön sein, aber.......... . - Calisto


    Ich möchte auch nicht verschweigen, dass die Handlung des gesuchten Werks große Ähnlichkeit mit der einer sehr bekannten Belcanto-Oper aufweist. - Emotione


    Die Nr. 19 ist tatsächlich von einem deiner "special friends", es ist allerdings ein Spätwerk, in dem sehr wenig gekreischt wird, der ältere Herr war da schon ruhiger geworden. Die Hauptfigur ist übrigens auch ein älterer Herr, der ruhiger geworden ist, und der etwas gegen kreischende Sopranistinnen hat. Emotione hat ja schon darauf hingewiesen, dass die Handlung dieses Stückes der einer beliebten Buffo-Oper des Belcanto sehr ähnlich ist. - Cherubino


    Der Komponist von 19 steht auf meiner Ignorierliste, und was den Titel betrifft: So hätten uns manche Männer gern, aber nicht mit uns ;+) :D :D - Severina


    Die Lösung: Sextett: "Wunderbar, sie anzuschaun" aus DIE SCHWEIGSAME FRAU von Richard Strauss (Lösungsbuchstabe S)


    Bekanntlich gehöre ich nicht zu denjenigen, die bei Richard Strauss nur "kreischende Schweinshaxen" hören. Vielmehr finde ich, dass er schon allein wegen des Schlussterzetts des ROSENKAVALIER, der Finalensembles von DIE FRAU OHNE SCHATTEN oder der Ensembles der Najaden und Komödianten in der ARIADNE AUF NAXOS eine doppelte Berücksichtigung in diesem Räsel verdient hätte. Nachdem dafür der Raum fehlte, war die eigentlich schwierige Frage, für welches Ensemble ich mich entscheiden sollte, dann doch überraschend leicht, denn ich wollte unbedingt diese einzige Oper von ihm berücksichtigen, in der die Ensembles dominieren.


    Auf die Gefahr hin, mich zu oft zu wiederholen: ich halte DIE SCHWEIGSAME FRAU für ein unterschätztes Meisterwerk, dessen verdiente Rehabilitation zwar anscheinend in Gang gekommen ist, wenn auch mit Unterbrechungen, dessen angemessene Würdigung aber immer noch aussteht. Das hat sicher damit zu tun, dass die Uraufführung von 1935 nur dreimal wiederholt werden durfte und weitere Aufführungen der Oper danach für "tausend Jahre" faktisch verboten wurden, weil Strauss auf der Nennung des Juden Stefan Zweig als Librettisten bestand. Eine noch gewichtigere Rolle spielt sicher auch, dass Strauss einerseits von dem großartigen Libretto von Stefan Zweig außerordentlich inspiriert wurde, leider aber auch hörbare Durchhänger in seiner Inspiration hatte und für diese Oper einigen Leerlauf produziert hat, der das potentiell große Vergnügen an dieser Komödie immer wieder trübt. Dennoch gehört das Werk dank seiner großartigen Höhepunkte, zu denen eine für Strauss' Verhältnisse erstaunliche Anzahl höchst gelungener Ensembles zählt, für mich zu den immer wieder überraschenden und schon deshalb erfreulichsten Werken des 20. Jahrhunderts.


    Ganz am Anfang dieser Oper stand, wie bei so vielen klassischen Komödienstoffen, ein antiker Lustspielautor, in diesem Fall der Grieche Libanius, der mit einer seiner klassischen "Oratien" Anfang des 17. Jahrhunderts Ben Johnson zu einer Komödie namens "Epicoene or The Silent Woman" inspirierte, die bei ihrer Premiere 1609 ein Flop war und erst später reüssierte, als sie nicht mehr nur von Jungen und Männern gespielt, sondern mit gemischten Ensembles besetzt werden durfte. Über diverse Zwischenstadien gelangte der Stoff in die Hände von Gaetano Donizetti und seinem Co-Librettisten Giovanni Ruffini, die daraus die meisterhafte Opera Buffa DON PASQUALE gestalteten, deren Ähnlichkeit mit der Oper von Stefan Zweig und Richard Strauss also keineswegs zufällig ist. Bemerkenswert ist jedoch, wie anders Zweig mit diesem Stoff umging und ihn in eine humane Richtung weiter entwickelte, die in den drastischen Vorgängern dieses Stoffes überhaupt nicht angelegt war. Bei Ben Johnson war die vermeintlich schweigsame Frau sogar ein Junge und der Sir Morosus ein höchst unsympathischer Adeliger, dem mit Recht brutal mitgespielt wird. Auch bei Donizetti spielt man dem alten Don Pasquale zum Ausgleich für dessen Hoffart höchst übel mit, und es bedarf schon des festen Glaubens an die Konventionen des Lustspiels um das unverhoffte Happy End als ein solches zu akzeptieren.


    Ganz anders bei Stefan Zweig, der ersichtlich großen Wert darauf legte, auch die emotional berührenden Aspekte im Schicksal des ehemaligen Admirals Sir Morosus zu berücksichtigen, dessen Lärmempfindlichkeit einen durchaus tragischen Hintergrund hat. Das machte es zwangsläufig notwendig, dass auch die Protagonisten, die ihm einen Streich spielen, sehr viel Mitgefühl an den Tag legen, was vor allem für die Titelheldin Aminta gilt, die sich nur mit einem eminent schlechtem Gewissen als tyrannische, kreischende "Timidia" ausgibt. Dieser Zwiespalt kommt besonders gut in dem erfragten Sextett zum Ausdruck. Leider verhindert das Urheberrecht, dass ich hier den vllständigen Text dieses Ensembles zitieren kann, aber vielleicht genügt dieser Hineis: welche Farce hat schon Zeilen aufzuweisen wie diese von Aminta in dem Sextett?


    Ach, wenn sie nur länger blieben,
    Denn, kaum sind wir allein,
    Drängt er mich mit seiner Liebe
    Und ich muss zu ihm hässlich sein.


    Dieser Widerspruch zwischen den Konventionen der Gattung und der betonten Menschlichkeit ihrer Protagonisten durchzieht das gesamte Libretto und veranlasste Strauss, immer wieder seinen zuweilen doch recht plakativen Komponierstil zu differenzieren und den feineren Motivationen seiner Protagonisten nachzuspüren. Daneben inspirierte ihn anscheinlich die offensichtliche Verwandtschaft mit dem DON PASQUALE zu einer Italianità, die bei ihm nur selten anzutreffen ist, aber schon in seiner "Potpourri-Ouvertüre" mit einigen musikalischen Kernmotiven überrascht und überzeugt, die er später mehrfach aufgreift und virtuos weiter entwickelt.


    Zum Glück gibt es einige beachtliche Einspielungen, die dem besonderen Reiz dieser musikalischen Komödie gerecht werden, leider aber nicht mehr sämtlich am offiziellen Markt angeboten werden. Darunter ist natürlich an erster Stelle die Salzburger Aufführung von 1959 unter der Leitung des Dirigenten der Uraufführung, Karl Böhm zu nennen, dem mit Hans Hotter, Hilde Güden, Fritz Wunderlich und Hermann Prey ein traumhaftes Ensemble zur Verfügung stand. Leider muss man bei diesem Mitschnitt eine sehr trockene, suboptimale Tonqualität in Kauf nehmen:



    Einen kleinen Eindruck von dieser Aufführung und vor allem Wunderlichs Leistung, die ihm den Durchbruch zur großen und leider viel zu kurzen Karriere verschaffte, erhält man in dieser Dokumentation auf YouTube: "http://www.youtube.com/watch?v=3jyhrh8QFAQ". Leider gibt es dort keinen Mitschnitt des Sextetts, aber immerhin noch eine Aufzeichnung des Schlussmonologs des Morosus, "Wie schön ist doch die Musik", der in der Interpretation von Kurt Moll wenigstens einen vagen Eindruck von der bezaubernden Klangwelt des Sextetts vermittelt: "http://www.youtube.com/watch?v=ciULt8X84Go".


    Wer die Oper in einer technisch zeitgemäßeren Qualität hören möchte und sich nicht daran stört, dass der Dirigent Wolfgang Sawallisch einige durchaus nachvollziehbare Kürzungen vornahm, sollte zu dem Münchener Mitschnitt von 1971 mit einem allerdings häufig neben den komponierten Tönen singenden Kurt Böhme, aber einer großartigen Reri Grist greifen.



    Diese Aufnahme, von der ich zum Glück auch einen TV-Mitschnitt besitze, hat für mich einen besonderen nostalgischen Wert, weil ich diese Aufführungsserie während der Münchener Opernfestspiele auch live habe erleben dürfen. Dennoch höre ich heute am liebsten die Mitschnitte aus der Wiener Oper von 1996 unter Horst Stein mit Kurt Rydl und Nathalie Dessay oder aus der Bastille Oper unter einem noch besseren Dirigenten, nämlich Christoph von Dohnany, ebenfalls mit Nathalie Dessay.


    Länger nicht gehört, weil ich sie nur als LP besitze, habe ich die immer noch jüngste Studioaufnahme Marek Janowskis mit Theo Adam und Jeanette Scovotti sowie dem Dresdner Uraufführungsorchester. In meiner Erinnerung ist sie weit besser als ihr Ruf und klingt vor allem sehr gut. Leider wird auch sie derzeit nur zu Mondpreisen gehandelt. Wer sie aber mal günstig finden sollte, kann ruhig zugreifen ohne fürchten zu müssen, dass er den Kauf bereuen wird.



    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 20

    Hier verschwört man sich gemeinsam zu einem Verbrechen, das äußerst munter klingt, aber einige Zeit später blutige Folgen hat, weil jemand daran beteiligt wird, der nicht wirklich dazu gehört.
    Gesucht wird der erste Buchstabe der Titelfigur.


    Der Text des Ensembles bezeichnet das geplante Verbrechen euphemistisch als eine "Affaire". In einer heute weitgehend vergessenen, aber einst sehr populären Filmbearbeitung spielt ein Zug nach Chicago eine zentrale Rolle bei dieser Affäre. – Rideamus


    Mit entsprechender Bereitschaft kann man die erwähnte Filmbearbeitung als Musical bezeichnen, aber die eigentliche Frage gilt einer besonders bekannten Oper, mit der du dich noch unlängst intensiver auseinandergesetzt hast. :yes: Anscheinend ist es ein Ensemble, das man eher en passant wahrnimmt, wenn überhaupt, dabei ist es herrlich virtuos. – Rideamus


    An dieser Frage bin ich fast verzweifelt. Bei der munteren Verschwörung ging ich zunächst von einem schweren Verbrechen aus. Es handelt sich zwar um eine Gesetzesübertretung, die da geplant wird, jedoch steht der blutige Ausgang nicht in direktem Zusammenhang mit dieser "Affaire." – Emotione


    In dem Werk gibt es nachfolgend noch ein weiteres Ensemble, worin Überlegungen angestellt werden, wie man die Gesetzeshüter erfolgreich austricksen kann. – Emotione


    Bei dieser munteren Verschwörung zeigt es sich wieder einmal, dass die Männer schon anno dazumal ohne weibliche Mithilfe aufgeschmissen wären! Angesichts der frostigen Temperaturen in Wien wäre ich übrigens gerne dort, wo dieses Werk spielt. – Severina


    ... Da sind es aktuell 9 Grad - zwar 20 Grad mehr als hier, aber die Leute sind auch Besseres gewohnt und frieren deshalb nicht wenig. Da die Oper aber nicht Weihnachten, sondern eher im heißen Hochsommer spielt, hast Du natürlich Recht und man kann sich gerade jetzt danach sehnen. Das war ein warmer Tipp von - Rideamus


    Der Komponist stammt aus einem anderen Land als die Helden seiner Oper, aber die Stadt, in der sie spielt, scheint bei Komponisten äußerst beliebt gewesen zu sein. – Severina


    ... Stimmt auffällig! Aber unser Ensemble spielt ja etwas abseits dieser Stadt, draußen, am Wald... Dieser "Holzhammer" ist durchaus im Wald der (überkommenen) deutschen Übersetzungen gewachsen. Da Fairy ja originalsprachliche Aufführungen vorzieht (und es sich in diesem Fall um eine Sprache handelt, die sie sicherlich fließend spricht): es ist im Original gar nicht so klar, ob sich das gesuchte Ensemble nun innerhalb oder außerhalb der Stadtmauern abspielt! Sicher ist nur, dass es sich in der Nähe der Stadtmauern abspielt. Dass das so ist, erfahren wir allerdings schon einen Akt vor dem gesuchten Stück. - Quasimodo


    Auch wenn bei der Affäre, die die Herren hier im Kopf haben, der Tod einer der beteiligten Personen nicht geplant ist, sind sie doch keine Unschuldslämmer, sie "verdienen" sich mit Gesetzesübertretungen ihren Lebensunterhalt. Das klappt wohl auch immer ganz hervorragend, zimperlich mit ihren Mitmenschen sind sie auch nicht, aber dieses Mal kommt ihnen ein wohlbekanntes "Wesen" mit bunten Flügeln dazwischen! – Cherubino


    Manchmal sollte man(n) auf seine Mutter hören....... – Severina


    Hier steht nicht nur die Frau zwischen zwei Männern, sondern auch der Mann zwischen zwei Frauen, und das haben wir erst unlängst eingehend diskutiert!! – Severina


    Die Lösung: Quintett "Nous avons ent tete une affaire" aus CARMEN von Georges Bizet (Lösungsbuchstabe C)


    Mit dem Stichwort "Verbrechen", mit dem man in der Oper wohl nur Leichen assoziiert, habe ich einige von Euch unabsichtlich aufs Glatteis geführt, aber ganz so weit habe ich mich gar nicht von der Wahrheit entfernt, denn in der Novelle von Prosper Merimée, auf der die Oper basiert, sind die Schmuggler weitaus brutalere Verbrecher, die auch vor Mord und Totschlag nicht zurückschrecken. Das Libretto der an Offenbach erprobten Henri Meilhac und Ludovic Halévy machte aus ihnen aber regelrechte Operettenfiguren, und so kam mir dieses Ensemble gerade recht in dem Wunsch, einmal kein getragenes oder in schierer Schönheit erstrahlendes Ensemble zu erfragen, sondern eine muntere Gesangsnummer, die nicht von Mozart oder einem Belcantisten stammt trotzdem ein Meisterwerk ist. Zur Erinnerung für diejenigen, denen dieses Quintett gerade nicht präsent ist: man kann einen Ausschnitt aus der sehr guten Londoner Aufführung der Oper mit Anna Caterina Antonacci hier (ab etwa 2:45') ansehen: "http://www.youtube.com/watch?v=HT7yOgpRokQ".


    Dass es von dem Quintett, was für Ensembles ungewöhnlichist, auf Youtube auch andere lohnende Aufzeichnungen gibt, etwa mit Maria Ewing oder Teresa Berganza gibt, unterstreicht die außerordentliche Qualität und Popularität der Nummer.


    Sie ist aber auch mehr als virtuos und könnte in ihrer sprühenden Leichtigkeit ohne weiteres auch in einer Komödie Mozarts oder einer Operette des "Mozart der Champs Elysées", Jacques Offenbach, einen Ehrenplatz einnehmen. Bemerkenswert ist hier vor allem, wie grandios es Bizet hier gelingt, das höchst abstrakte Moment der Ironie Musik werden zu lassen. Schon die aufsteigende Tonleiter des Flötenauftaktes, aber auch das Melisma über dem Stichwort "Affaire" bräuchte gar keinen Text um zu verdeutlichen, dass hier etwas nicht ganz Geheures geplant wird. Herrlich dann der Unisono-Galopp, in dem alle Beteiligten verdeutlichen, wie skrupellos sie letztlich kalkulieren:


    Quand il s'agit de tromperie,
    De duperie, de volerie
    Il es toujours bon sur ma foi
    D'avoir les femmes avec soi
    Et sans elles, les toutes belles,
    On ne fait jamais rien de bien.


    Plant man nämlich einen Trick
    Oder ein Spitzbubenstück,
    Hat man besser, meiner Treu,
    Eine schöne Frau dabei.
    Denn versucht man's ohne sie,
    Klappt es selten oder nie.


    Die musikalische Form dieses Ensembles, das durch die Diskussion um Carmens Weigerung mit dem köstlichen Spottchor um Carmens Verliebtheit unterbrochen wird, ist ein leichtfüßiges Rondo, das an die Mundfertigkeit wie das darstellerische Können der Beteiligten große Anforderungen stellt, aber stets unweigerlich große Begeisterung auslöst, wenn es so gut vorgetragen wird, wie etwa in den genannten Beispielen. Dass Bizet seinen wahrlich nicht unwichtigen Nebendarstellern ein solches Geschenk gemacht hat, ist übrigens keineswegs selbstverständlich. Zum Glück gibt es die Aufführung mit Anna Cterina Antonacci und einem grandiosen Jonas Kaufmann auch auf DVD, die in diesem Format meine vordringliche Empfehlung ist:



    Aus der Überfülle guter bis sehr guter (und vieler misslungener) Aufnahmen dieser Oper eine einzige zu empfehlen, ist fast unmöglich. Im empfehle daher die Lektüre dieser Diskografie: BIZET: "Carmen" - Kommentierte Diskographie. Derzeit wäre ich versucht, mich Areios anzuschließen und das Lob der wohl authentischsten Fassung von André Cluytens mit Solange Michel und Raoul Jobin zu singen.



    Andererseits habe ich an anderer Stelle schon mein Votum für Agnes Baltsa als die ideale Carmen abgegeben, und deshalb komme ich kaum darum herum, das auch hier zu dokumentieren, zumal die süffige Einspielung Herbert von Karajans trotz der starken Konkurrenz, die er viel früher selbst mit seiner Einspielung mit Leontyne Price und Franco Corelli einspielte, das perfekte Gegenstück zu der genannten von André Cluytens ist: nicht sonderlich authentisch, aber ebenfalls groß(artig)e Oper:



    Zu warnen ist allerdings vor dem drögen Videomitschnitt unter James Levine aus der MET, der alle Beteiligten deutlich unter ihrem sonst gewohnten und etwa bei Karajan gezeigten Niveau erwischte. Einen Bericht über meine Ansichten zu dieser DVD und den besten sonstigen Mitschnitten der Oper findet Ihr ebemnfalls in dem oben genannten Thread.


    Wie bei so vielen war auch für mich CARMEN eine der ersten Aufführungen meines Opernlebens (damals in Frankfurt mit Sona Cervena als sehr beeindruckender Carmen in einem anscheinend weniger beeindruckenden, weil heute vergessenen Umfeld). Diese Nummer aber fiel mir erst in einer ganz anderen Fassung auf und blieb in der Form unauslöschlich in meinem musikalischen Gedächtnis eingeprägt. Es gibt sie nach langer Pause endlich wieder auf DVD, nämlich hier:



    Der Film von Otto Preminger basiert auf einer kongenialen Bearbeitung des Librettisten Oscar Hammerstein II für den Broadway, der 1943 die Oper nach Harlem und in eine heimische Truppenbasis verlegt hatte, von der aus der Held Joe (im Film gespielt von Harry Belafonte und gesungen von LeVern Hutcherson) als Flieger in den Zweiten Weltkrieg geschickt werden soll, bevor er in dir Fänge der Carmen (im Film großartig: Dorothy Dandridge, deren Gesangsstimme von Marilynn Horne - ja, der - gedoubelt wurde) und nach Harlem gerät, wo sich Carmen in den Boxchampion Husky Miller (Joe Adams, gesungen von Marvin Hayes) verliebt.


    Das zwangsläufig umgewidmete Ensemble drehte sich nunmehr um eine Reise nach Chicago, wo man ein Ding drehen will, und illustriert die kongeniale Virtuosität, mit der Oscar Hammerstein bei der Adaption des Textes zu Werk ging, denn es wirkt so überzeugend, als sei alles eigens für diese Version komponiert worden. Man kann den ganzen Film ab hier (noch?) auf YouTube sehen: "http://www.youtube.com/watch?v=VIQQakZPU3Y&feature=related". Allerdings muss man in Kauf nehmen, dass nur die englische Originalfassung ohne Untertitel gezeigt wird.


    Das Ensemble selbst mit dem Text "Wanna take a trip on a crack Chicago train?" ist leider zwischen dem fünften Teil (ab etwa 8'30 hier: "http://www.youtube.com/watch?v=49M_RclmA10&feature=related") und dem sechsten aufgeteilt, lohnt aber eine detaillierte Beschäftigung. So begeistert Hammersteins Gehör für die Rhythmik des o.g. Unisono-Chores, den er mit dem Rasen des Zuges nach Chicogo assoziiert:
    "Whizzin' away along de track
    Clickety clack, clickety clack
    ...
    It only takes a half a day
    To be a thousand miles away"


    Für diese brilliante Fasung, die in meinen Ohren jede mir bekannte Version des Originals übertrifft, haben die Darsteller und ihre Synchronstimmen ein Sonderlob verdient: Dorothy Dandridge und ihre Synchronstimme Marylin Horne, Nick Stewart / Joseph E. Crawford, Diahann Carroll / Bernice Peterson, Roy Glenn / Brock Peters und schließlich Pearl Bailey, die als einzige auch selbst sang.


    Überzeugt Euch selbst. Diese frühe Variante eines konsequenten "Regietheaters" ist ein Meisterwerk sui generis und eine der besten CARMEN, die Ihr je zu sehen und zu hören bekommen werdet. Bizet wäre sicher stolz darauf gewesen, ein so modernes Werk verfasst zu haben.


    :wink: Riddleamus


    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 21

    Eines der frühesten und bereits schönsten Ensembles überhaupt, das man seinem Komponisten kaum zutraut, ist ein komisch-erotisches in einem sehr ernsten Zusammenhang: Ein junger Mann liebt zwei Mädchen, die ihn beide lieben, aber natürlich für sich haben wollen.
    Gesucht wird der vorletzte Buchstabe des Komponisten


    Wichtig dürfte der Hinweis sein, dass es sich um das älteste Ensemble dieses Rätsels handelt, also wahrscheinlich eher drei als neun Mitwirkende hat. In Verbindung mit dem wahrscheinlichsten aller denkbaren Opernkomponisten, der mir auch schon genannt wurde, wenn auch mit dem falschen Werk und Ensemble, sollte sich das richtige herausfinden lassen. Das Ensemble gibt es sogar auf YouTube. – Rideamus


    Florida kann euch auf die richtige Spur bringen, wenn Ihr Euch dort einmal umschaut. – Emotione


    Disneyworld hat sich in Bremen aber nicht bedient, der Komponist aber schon, wenn auch auf dem Umweg über einen italienischen Klassiker. – Rideamus


    Papa Haydn hat sich diesen Stoff übrigens auch unter den Nagel gerissen, allerdings mit einem Zusatzwort im Titel! - Severina


    Der Held fällt dem zerstörerischen Wahnsinn anheim. (Ausnahmsweise sind es mal nicht die Damen). Zum Schluss kriegt er sich wieder ein und alles wird gut. :D - Calisto


    Die Lösung: Terzett "Consolati o bella" aus ORLANDO von Georg Friedrich Händel (Lösungsbuchstabe E)


    Diese Frage hätte mir wahrscheinlich die größten Schwierigkeiten bereitet, denn es ist die einzige, deren Lösung mir nicht schon vor Ohren stand, als ich das Rätsel konzipierte, denn ich wollte unbedingt auch das - mir bis heute wahrscheinlich unbekannte - älteste Ensemble aufnehmen, das zu den Spitzenensembles zu zählen ist. Leider kenne ich mich in der Barockoper nicht sehr gut aus, aber nach allem, was ich bislang gehört habe, scheint es vor Händel keine mehrstimmigen Ensembles zu geben, höchstens Duette. Das ist insofern erstaunlich, als es ja bereits eine reiche Tradition mehrstimmiger Instrumentalwerke gab. Sollte mich jemand da korrigieren und mich auf potenzielle Kandidaten vokaler Ensemblenummern hinweisen können, wäre ich dankbar.


    Lange Zeit hatte ich das Terzett "Non e amor ne gelosia" aus Händels ALCINA im Auge, das auch von Fairy Queen und jemand anderem verdächtigt wurde. Dann stieß ich dank eines Hinweises in der schon angesprochenen Ensemblesammlung in dem alten Forum auf die noch zwei Jahre ältere Oper ORLANDO (1735) und dieses wunderschöne Terzett, das locker alle Voraussetzungen erfüllte um in dieses Rätsel mit aufgenommen zu werden.


    Die Wurzel des Werkes liegt im Jahr 778 vergraben, als die Nachhut des auf dem Rückzug befindlichen fränkischen Heeres Karls des Großen in den Pyrenäen vernichtend geschlagen wurde. Dabei bewährte sich ein gewisser Hruodlandus mit so großem Heldenmut, bevor er schließlich doch den Sarazenen zum Opfer fiel, dass er zum Keim des um 1100 entstandenen "Chanson de Roland" wurde, das ein dreiviertel Jahrhundert später auch als Stoff für das mittelhochdeutsche Rolandlied diente und für das Standbild von Roland dem Riesen am Rathaus zu Bremen Pate stand (soviel zur Erklärung meines Tipps). Diese Heldenlieder machten aus Roland einen christlichen Streiters gegen heidnische Mächte. Dieser Aspekt wiederum war es, der im 15. Jahrhundert italienische Dichter zu diversen Epen um diesen Helden inspirierte, der bei ihnen auch zum Frauenliebhaber mutierte und seither zwischen seiner Berufung als Held und seiner Vorliebe für schöne Frauen hin und her gerissen wird.


    Unter den vielen Bearbeitungen des Stoffes in der italienischen Renaissance, zu denen man auch Torquato Tassos "Gerusalemme liberata" rechnen muss, dessen Rinaldo ebenfalls auf diesen Roland zurück geht, wurde Ariostos Epos "Orlando furioso", das zahlreiche Opern, u. a. von Lully, Vivaldi, Scarlatti und Haydn inspirierte, der allerdings in seinen ORLANDO PALADINO auch die bekannte Alcina einfürte, wohl die erfolgreichste. So kann man wohl behaupten, dass Roland der Riese gut die Hälfte aller bedeutenden Baockopern bis hin zu Rossinis ARMIDA prägte, was die vielen stofflichen Ähnlichkeiten dieser Werke zumindest mit erklärt (Ich fasse hier eine Werkgeschichte zusammen, die in sich bereits episch ist. Man sehe mir also bitte nach, wenn diese Darstellung so flüchtig erscheint, wie sie ist).


    Sieht man von RINALDO und ARMIDA ab, nahm sich Händel des Stoffes um Orlando gleich drei mal an, nämlich in ORLANDO, ALCINA und ARIODANTE. Der Librettist des ORLANDO ist heute unbekannt, aber man weiß, dass er im Wesentlichen das Libretto von Domenico Scarlattis L'ORLANDO von 1717 bearbeitete. Die komplexe Werkgeschichte und die Tatsache, dass die Mythen um Orlando/Rinaldo Händels damaligem Publikum bestens bekannt waren, uns heute aber weniger präsent sind, mag erklären, warum das Libretto heute wenig stringent erscheint und bei nur fünf Hauptpersonen eigentlich zwei Helden aufweist, nämlich Orlando selbst, der zwischen seiner Berufung als Held und seiner Vorliebe für schöne Frauen wahnsinnig wird, und der afrikanische Prinz Medoro, der von der Königin Angelica und der Schäferin Dorinda geliebt wird. Als Letztere am Schluss des ersten Aktes die beiden in einer innigen Umarmung überrascht, wird sie von Angelica und Medoro in diesem wunderschönen Terzett getröstet, was nicht ganz unironisch ist, denn eigentlich ist Angelica ja Orlando versprochen.


    Bei ihrer Uraufführung war die Oper nicht sonderlich erfolgreich, und so wurde ihre außerordentliche Qualität erst im letzten Jahrhundert entdeckt und wahrgenommen. Zum Glück gibt es gleich zwei sehr gute Einspielungen, die beide ihre engagierten Fürsprecher haben. Ich kenne sie leider beide nur in Auszügen, so dass ich keine Empfehlung aussprechen möchte:


    ..........


    William Christie war auch der Dirigent der Zürcher Aufführung einer Regiearbeit von Jens-Daniel Herzog, die man u. a. auf diesem Mitschnitt des erfragten Terzetts hier ansehen kann: "http://www.youtube.com/watch?v=2xBfMutea9k". Ich kenne auch die DVD nur aus den Ausschnitten auf YouTube, aber sie scheint sich zu lohnen, wenn es auch schwer fällt, in Herzogs Arbeit, welche offenbar das komische Potenzial des Librettos heraus arbeitet, den Ritter Orlando darin ausfindig zu machen:



    "Mein" ORLANDO, mit dem ich hoch zufrieden bin, ist ein Rundfunkmitschnitt aus der Covent Garden Opera aus dem Jahr 2003 mit dem Orchestra of the Age of Enlightenment unter Harry Bicket und dieser Besetzung:


    Orlando - Alice Coote
    Angelica - Barbara Bonney
    Medoro - Bejun Mehta
    Dorinda - Camilla Tilling
    Zoroastro - Jonathan Lemalu


    Wenn ich die noch öfter höre, könnte ich glatt zum Händel-Enthusiasten werden. Jedenfalls scheint es mir neben der ALCINA und natürlich GIULIO CESARE Händels lohnendste Oper zu sein, und das beileibe nicht nur wegen dieses herrlichen Terzetts. Aber ich stehe ja erst am Anfang meiner Entdeckung und Erschließung dieses Repertoires.


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Hier berichtet jemand über seine Jahre im exotischen Ausland und findet darüber zu besonders heiteren und komplexen Tanzrhythmen, die alle anstecken.
    Gesucht wird der Doppelkonsonant im Namen des Komponisten


    Der Librettist :mlol:- Emotione


    Die Lösung der Frage 22 steht dir in gewissem Sinne sehr, sehr nahe!!! ;+):D- Severina


    Ist das Nepotismus, wenn man nach einem Werk fragt, bei dem ein Librettist beteiligt ist, der mit dem Quizmaster etwas gemeinsam hat ? – Pavel


    An der Vetternwirtschaft ist was dran, und die Absicht kann ich nicht leugnen. Für alle diejenigen, die so kurz vor Weihnachten noch ratlos sind, hier noch eine milde Gabe: es geht nicht um trübe Jahre in Bavaria, dazu ist das Ensemble zu munter. – Rideamus


    Der Librettist, von dem sich Emotione so sehr zum Lachen aufgefordert fühlt, hat gleich zwei bekannte Komponisten mit Doppelkonsonant bedient. Der eine hatte einen schreibenden Sohn und einen singenden Enkel, aber um diesen geht es hier nicht. Der andere hatte eine spielende und singende Tochter, die am Ende einer langen Karriere noch eine von drei alten Schachteln geworden ist (obwohl das doch ein Operettentitel von dem o.g. anderen Komponisten war). – Quasimodo


    Seid ihr heut ein Wandergesell, dann sollte die Antwort leichter fallen. – Pavel


    Wenn arme Wandergesellen auf strahlende Monde treffen muss das nicht die Winterreise sein. – F. Q.


    Ob wandernder oder fahrender Geselle : Der Filmemacher Rosa von Praunheim ( Die Bettwurst ) hat vor vielen Jahren die Zuneigung der Tochter des Komponisten erfahren und sie filmisch vermarktet. – Gioachino


    Da kommt ein Herr zurück aus, wie war das noch gleich? Na, gleich fällt es mir ein. Aus na, äh, Dingenskirchen oder so. :stumm:- Calisto


    Die Lösung: Septett „Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia“ aus DER VETTER AUS DINGSDA von Eduard Künneke mit Texten von Rideamus (Lösungsbuchstabe N)


    Lag es an Richard Wagner und seinem Anspruch an die Textverständlichkeit des „Gesamtkunstwerkes“? Ich vermute, dass das irgendwie eine Rolle spielte, jedenfalls ist es eine Tatsache, dass kurz nach ihm, nämlich um die letzte Jahrhundertwende, die mehrstimmigen Ensembles fast schlagartig aus den neuen Opern verschwanden oder sich auf große Finali beschränkten, während die Vielstimmigkeit in die immer weiter ausufernden Orchestersätze verlagert wurde. So blieb es der Operette oder wenigstens deren kompetenteren Komponisten überlassen, das verwaisende Feld zu bestellen.


    Einer der fähigsten von ihnen war zweifellos Eduard Künneke, der 1921 das große Glück hatte, mit einem gewissen Rideamus, dem genialen Librettisten von Oscar Straus' DIE LUSTIGEN NIBELUNGEN, zusammen zu treffen, der ihm für das Operettenprojekt DER VETTER AUS DINGSDA nach einem sehr geschickt gearbeiteten Buch von Hermann Haller hinreißende Gesangstexte verfasste, die bis heute turmhoch über vielem stehen, was zu der Zeit oder irgendeiner anderen für die Musikbühne, zumal die deutsche, verfasst wurde, und die Künneke zu seiner besten Operette von mehreren sehr guten inspirierten.


    Ich weiß nicht, wessen Idee es zuerst war, dieses Werk so sehr mit Ensembles voll zu stopfen, dass ich Schwierigkeiten hatte, eines davon auszuwählen, aber dankbar muss man für sie alle sein, sei es das charaktervolle Eröffnungsquintett „Noch ein Gläschen Bordeaux?“, der Marsch „Onkel und Tanten, das sind die Verwandten, die man am liebsten nur von hinten sieht“, oder eben der vertrackt synkopierte Foxtrott „Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia“, der trotz seiner enormen Schwierigkeiten so leicht und selbstverständlich wirkt, dass man gar nicht bemerkt, wie komplex er gearbeitet ist. Schon der Text, der die Ahnungslosigkeit des angeblichen Vetters reflektiert, der von exotischen Ländern etwa so viel Ahnung hat wie ein Dackel vom Fliegen, ist eigentlich eine Unverschämtheit gegenüber dem Komponisten, der das vertonen muss.


    Nach „Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia“ folgt nicht etwa, wie in mindestens 95 von hundert derartigen Fällen, eine gleich lange Zeile die auf so etwas schiefem wie „die Marie da“ endet, sondern es geht völlig arhythmisch weiter:


    Sieben Jahre lebt’ ich in Batavia
    Sieben Jahre bracht ich dort in Einsamkeit zu.


    Was soll man bloß darauf komponieren? Jetzt kommt plötzlich der erwartete Gleichklang auf einer ausgesucht dümmlichen Zeile:


    Viele, viele schöne Mädchen sah ich da
    Aber keine war so reizvoll wie du.


    Daran schließt sich eine kontrastierende Passage an, die bei einer guten Darbietung schon beim Anhören zum Lachen reizt, auch ohne dass man den Text versteht, mit dem die merkwürdige Erzählung kommentiert wird:


    "Ach wie lieb und wie schlicht er doch spricht,
    Ja es klingt wie ein Gedicht, ein Gedicht, ein Gedicht.
    Doch erheiternd ist das nicht, ist das nicht, ist das nicht,
    Wenn man dort ganz ohne Liebste ist."


    Und dann hagelt es noch herrlich blödsinnige Exotismen:


    "Liebt ein Mann ein Mädchen in Batavia
    Küsst er mitten sie um Urwald ja
    Und das wilde Känguru, und das Gnu, das sieht zu, hu!
    Mägdelein, zart und fein
    Lebt’ ich doch mit Dir zu zweien, ja zu zweien, ja zu zweien
    Arm in Arm, liebeswarm
    In dem Lande der Malaien, der Malaien, der Malaien"
    ...
    ...womit eine Nonsensereise durch alle Erdteile der Welt in der denkbar kürzesten Strecke von 8 Zeilen, aber mindestens ebenso vielen verschiedenen Rhythmen, Melodiefetzen und raffiniert instrumentierten, köstlichen Tönen absolviert wäre. Wer das alles leichte Unterhaltungsmusik findet, was es zum Glück auch ist, die bar jeden Anspruchs ist, was eine grotesk unsinnige Aussage wäre, der versuche mal, das halbwegs professionell nachzusingen. Man muss das nur mal laut lesen um spontan darüber begeistert zu sein, wie Künneke das vertont hat, denn auch wenn es selbstverständlich klingt, erst einmal muss jemand auf so etwas kommen. Wer der vertrackten Melodie und der witzigen Stimmverteilung dieses Foxtrotts nachspüren will, kann das hier, leider nur in einer englischen Klavierfassung für Sextett von begrenzter Qualität aber dafür exzellenter Nachvollziehbarkeit tun: "http://www.youtube.com/watch?v=xqHahMOl0Pk"


    Die volle Qualität von Text und Komposition, bei der man keineswegs die geschickte Instrumentation vergessen darf, erschließt sich natürlich erst in einer adäquaten Gesamteinspielung. Eine schwache Ahnung davon vermittelt dieser Trailer für eine Inszenierung der Berliner Komischen Oper, die ich nur zu gerne gesehen hätte: "http://www.youtube.com/watch?v=sEACQOS2mqI". Leider gibt es außer einigen halblegalen Rundfunkmitschnitten im Internet (besonders gut gefällt mir eine aus dem Münchener Gärtnerplatztheater unter Peter Falk) nur diese Querschnitte, von denen zwei immerhin einen guten Eindruck von dem Potenzial des Werkes vermitteln. Der wohl beste ist diese Einspielung von Wilhelm Stephan mit Lisa Otto, Anny Schlemm und Rupert Glawitsch, die allein den Erwerb der Doppel-cd wert ist, die hauptsächlich dem (für mich) verzichtbaren SCHWARZWALDMÄDEL von Leon Jessel gewidmet ist:


    Wer statt der volkstümlichen Operette lieber einen Querschnitt aus Oscar Straus’ EIN WALZERTRAUM haben möchte, ist auch mit dieser Aufnahme aus der Wiener Volksoper mit Elisabeth Eber, Renate Holm und Rudolph Christ sehr gut bedient:



    Was man aber keinesfalls tun sollte, ist, weiterhin einer Begegnung mit diesem Meisterwerk auszuweichen, das ich ohne Wenn und Aber zu den zehn besten Operetten aller Zeiten und Länder zähle.


    Nun würde mich interessieren, ob jemand meiner Wertschätzung gerade für dieses Ensemble beipflichten kann und mag.


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 23

    Als Fuge mag dieses Ensemble ist nicht ganz perfekt sein, aber als Quintessenz eines Werkes, wenn nicht gar eines - allerdings ganz gegensätzlichen - Lebenswerkes ist es unübertrefflich.
    Gesucht wird der häufigste Vokal im Namen der Titelfigur


    Ist ja alles nur Spaß! – Quasimodo


    Nicht zuletzt deshalb, weil da einer nass gemacht wird. – Gurnemanz


    So ist es. Vermeintliche Schäferstündchen können leicht im Wasser enden. - Calisto


    Da sind viel mehr als drei Sänger beschäftigt und nicht nur Deutsche haben Fugen geschrieben. – Pavel


    In dem für heute gefragten Ensemble nahm 1992 Dietrich Fischer Dieskau als Primus inter Pares Abschied von der Bühne und vom Konzertpodium. Kann man sich ein schöneres Finale wünschen ? - Gioachino


    Ein dicker Herr bildet sich ein, er hätte Macht über die Frauen. Die Frauen hingegen sind sehr listig und legen den dicken Herrn herein. So richtig lustig kommt mir die Geschichte allerdings nicht vor. (Das ist meine private Meinung). - Calisto


    Die Lösung: Finalensemble "Tutto nel mondo e burla" aus FALSTAFF von Giuseppe Verdi (Lösungsbuchstabe A)


    Bevor der missglückte Gedanke aufkam, dieses Rätsel als Adventskalender zu konfektionieren, sollte dieses die finale Frage meines Rätsels sein. Deshalb ist dies auch die passende Stelle, das Lösungswort bekannt zu geben, denn dieser Satz, der vor vielen der in diesem Rätsel gesuchten Ensembles stehen könnte, leitet das gesuchte Ensemble ein:


    Un coro e terminiam la scena (Ein Chor, und dann beenden wir das Spiel)


    Welches Ensemble eignet wohl sich besser dazu, als dieser krönende Abschluss von Giuseppe Verdis Gesamtwerk nach einem Text von Arrigo Boito, für den dieser den Monolog aus Shakespeares "As You Like It" (Was Ihr Wollt) "All the world is a stage" (Die ganze Welt ist eine Bühne) kondensiert und kongenial adaptiert hat?


    Tutto nel mondo e burla.
    L'uom e nato burlone,
    La fede in cor gli ciurla,
    Gli ciurla la ragione.
    Tutti gabbati ! Irride
    L'un l'altro ogni mortal.
    Ma ride ben chi ride
    La risata final.


    Alles in der Welt ist Tollheit
    Der Mensch geboren als Narr.
    Der Glaube kreist im Herz ihm,
    Dort irrt auch der Verstand.
    Jeder wird genarrt, und jeder
    Sterbliche lacht über den anderen.
    Aber es lacht gut,
    Wer als Letzter lacht.


    Diese C-Dur - Fuge wird von Falstaff angestimmt und beendet, und nicht von ungefähr lieben es die Regisseure, damit das Publikum direkt anzusprechen, denn schon Verdi, der dieses Meisterwerk ausdrücklich nur zu seinem eigenen Vergnügen schrieb, verstand diesen Text sehr wohl als die finale Botschaft an sein Publikum, die Boito damit beabsichtigt hatte. Eine sehr hübsche Version bot Claudio Abbado mit einem grandiosen Ruggero Raimondi in Ferrara: "http://www.youtube.com/watch?v=lM9zBvK_ALQ" (ab etwa 4')


    Seltsamerweise rangiert diese grandiose Komödie bei fast allen Umfragen nach den Lieblingsopern Verdis eher an einer mittleren Stelle. Ich behaupte dagegen, dass jeder, der ihr keine Spitzenposition einräumt, die Oper noch nicht richtig gehört hat. Teilweise liegt die Schwierigkeit einer korrekten Einordnung sicher daran, dass Komödien selten so berühren wie Tragödien, aber eine Hauptschuld trägt sicher auch der Umstand, dass diese Oper nicht nur auf einer der reichsten, sondern auch einer der konzentriertesten Partituren basiert, die je geschrieben wurden. Während andere, auch Verdi früher, auf ihren Einfällen lange genug verweilen, dass das Publkum sie sich einprägen kann, ist ihm die Wirkung hier fast egal. Ein Einfall wie Alices elegischer Bogen bei der Verlesung von Falstaffs Brief


    "E il viso tuo su me risplendera
    Come una stella sull' immensità"
    "Und Dein Blick wird auf mich strahlen
    Wie ein Stern auf die Immensheit"


    ist nicht nur textlich von exquisiter Süffisanz, sondern würde anderen für eine große Arie reichen. Hier ist er binnen Sekunden vorüber und dient als Anlass allgemeinen Gelächters. Dergleichen findet sich in dieser Oper -zigfach, und wenn Verdi schon mal eine Soloarie anlegt, die als Bravourstück herhalten könnte (etwa die Solostücke Nanettas und Fentons im letzten Bild), bricht er sie frühzeitig ab oder ergänzt sie durch zusätzliche Stimmen, so dass niemand auf die Idee kommen konnte, das Stück als Schlager zu vermarkten. Hinzu kommt, dass diese Oper mehr als jede andere mir bekannte ein Ensemblestück ist. Kaum jemand erhält einmal Einzelszenen, aber die Ensembles allein in dieser Oper stellen an Zahl und Qualität fast alles in den Schatten, was davor, und schon gar, was danach kam. Das macht die Identifikation nicht leicht. Um so größer aber ist das Vergnügen, bei einer intensiveren Beschäftigung mit der Partitur immer wieder neue Facetten und Rohlinge grandioser Juwelen zu entdecken, deren Gesamterscheinung nur so funkelt, wenn man richtig hinsieht und -hört.


    Zum Glück fordert die Oper nicht nur von ihrem Personal höchste Konzentration und Kunstfertigkeit, sondern hat sie auch den Ehrgeiz nahezu aller Dirigenten, die sich ihrer annahmen, angespornt, und so gibt es kaum eine Einspielung oder Aufführung des Werkes, die sich nicht lohnt. Entsprechend schwer fällt mir eine Empfehlung - oder fiele sie mir, wenn es nicht die Aufnahme unter Herbert von Karajan gäbe, die in wirklich allen Positionen maßstabsetzend besetzt und inzwischen auch noch sehr preiswert ist:



    An dieser Aufnahme musste sich bislang noch jede messen lassen, die ihr folgte, und es waren sehr viele sehr gute darunter, die sie dennoch nicht übertrafen. Ein ähnlich eindeutig empfehlenswertes Pendant unter den DVD-Angeboten gibt es nicht, aber ich würde wegen der einfallsreichen Inszenierung von Graham Vick, der Besetzung der Titelrolle mit Bryn Terfel und dem ausgeglichenen Ensemble am ehesten diese Aufnahme unter einem unspektakulären, aber mehr als kompetenten Bernard Haitink als erste wieder kaufen:



    Wirklich missen möchte ich aber keine meiner (derzeit) rund 20 Alternativen, seien es die Audioaufnahmen Toscaninis, Soltis oder Bernsteins (die schon gar nicht, trotz und zum Teil auch wegen Fischer-Dieskau) noch die DVDs und TV-Mitschnitte unter Giulini, Abbado, Karajan (II, mit Taddei) oder Lorin Maazel, der eine Inszenierung Giorgio Strehlers an der Scala dirigierte, deren Hauptrollen von einem sehr guten Juan Pons und Mirella Freni gesungen wurden. Sogar die englischsprachige Aufführung an der ENO mit Geraint Evans, April Cantelo und Norma Burrowes hat dank einer sehr geschickten Übersetzung und einer übrzeugend englischen Inszenierung einen derart überraschenden Zusatzfaktor an Authentizität, dass ich sie von Zeit zu Zeit ganz gerne ansehe und höre.


    So ist der FALSTAFF wahrscheinlich die Oper, die ich am häufigsten und stets besonders gerne gehört und gesehen habe und auch weiterhin hören werde, zumal sie noch den großen Vorteil einer relativen Kürze hat. Schließlich passt sie bequem in die Gesamtlänge des dritten Aktes von Wagners Pendant DIE MEISTERSINGER VON NÜRNBERG und ist auch kürzer als der zweite Teil von Berlioz' LES TROYENS, die sonst die ernsthafteste Konkurrentin um diesen Rang wäre.


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Nr. 24

    Nun endlich kommen wir zur letzten Frage des Adventsrätsels, deren historisches Vorbild sich ungefähr heute vor 2010 Jahren abspielte, wenn man der einschlägigen Literatur trauen kann, und das in einem Adventsrätsel von mir natürlich keinesfalls fehlen konnte, auch wenn es ein viertes Mal bedeutete, einen Komponisten zum wiederholten Male aufzubieten. Anderererseits: welcher Ensemblekomponist verdiente es mehr als dieser?


    Nach langer Flucht vor den Mördern des Königs und vielen vergeblichen Bitten um eine Unterkunft findet eine Familie mit Kleinkind eine Unterkunft und lässt sich mit einem Instrumentaltrio unterhalten, bevor man in einem allgemeinen Ensemble den guten Ausgang der Flucht preist.


    Es handelt sich keineswegs um ein Musical, sondern um ein Stück "Klassik", von dem in diesem Forum unlängst so ausgiebig die Rede war, dass sogar das Ensemble detailliert besprochen wurde. So lautet denn meine Botschaft: Lesen in CAPRICCIO bildet. :yes: - Rideamus


    Lieblingskomponisten des Fragemeisters können auch zweimal in einem Rätsel vorkommen und nicht alles lässt sich in die Schubladen Oper, Operette und Musical einordnen, wie schon Bach wusste. – Pavel


    Das gesuchte Werk ist ziemlich opernhaft, ist aber keine Oper. Um den Abend gut zu beenden, sollte man mit seiner Familie musizieren. - Calisto


    Die Lösung: Terzett m. Chor: Vous pleurez, chére mère aus L'Enfance du Christ von Hector Berlioz


    Mit der Auflösung der letzten Frage kann ich es mir leicht machen, denn im Wissen, dass ich das für die Auflösung dieser Frage werde brauchen können, aber auch als versteckter Tipp für die leider Vielen, die dieses wunderschöne Werk nicht kennen, habe ich gleich zu Beginn der Adventszeit einen ausführlichen Thread begonnen, in dem eigentlich schon alles Wissenswerte, das ich zum Verständnis der Werkes beitragen kann, enthalten ist: L'Enfance du Christ - Der musikalische Weihnachtsfilm des Hector Berlioz. Leider gab es dennoch einige Teilnehmer, die ausgerechnet bei dieser Frage nicht zur Lösung fanden, was ich dann doch etwas überraschend fand, denn dass es sich um die Weihnachtsgeschichte handelte, sollte in der Frage recht deutlich geworden sein, und so viele Werke um diese Geschichte mit Ensembles gibt es ja nicht. Sei's drum. Vielleicht gibt es dank dieses Rätsels jetzt ein paar Kenner mehr.


    Ich zitiere mal die für das erfragte Ensemble relevante Passage aus meiner Threadeinleitung:


    "Drei Ismaeliten geben für Jesus ein pastorales Konzert für zwei Flöten und Harfe, das zu den bezauberndsten Kammermusikstücken gehört, die ich kenne, in seiner Länge völlig aus dem Rahmen fällt, jedoch ohne dass man sich ernsthaft daran stören kann, trägt es doch zu der friedlich - versöhnlichen Stimmung bei, welche die Essenz einer echten Weihnachtsgeschichte sein sollte. Proportionen waren für Berlioz eben immer, so auch hier, zuallererst eine Sache der thematischen Vorgabe.


    Gerührt ob dieser unerwarteten Großzügigkeit, bricht Maria in Tränen aus, und es folgt ein Danksagungsterzett mit Chor von ergreifender Schlichtheit - oder so scheint es, wenn man sich nicht vor Augen führt, wie schwierig es ist, eine derart ausgreifende, großartige Melodie dermaßen "einfach" wirken zu lassen. Hier ist auch große Interpretationskunst gefragt, denn das Ganze verleitet zum Schleppen, wenn man ihm nicht die gebührende Feierlichkeit nehmen will. In einer guten Aufnahme gehört dieses Terzett mit Chor für mich zu den ganz großen, weil ergreifendsten und einringlichsten Stücken der Musikliteratur."


    Hat jemand zufällig vorgestern die Übertragung des Oratoriums unter Charles Dutoit aus dem Münchener Gasteig gehört? Ich habe sie mitgeschnitten, aber noch nicht gehört, bin aber sehr gepannt, denn das wird heute nachgeholt. Von Dutoit stammt nämlich auch die beste Aufnahme des Werkes, die leider derzeit nur am Marketplace zu haben ist:



    Nicht nur Dutoit, auch die fabelhafte Susan Graham als Maria, Francois Le Roux als Joseph und vor allem John Mark Ainsley als grandioser Erzähler sind in diesem Werk unübertroffen. Immerhin wird ihre Leistung teilweise erreicht von dem Dirigenten und den Solisten dieser Aufnahme:



    Cluytens' zügige, durchweg unsentimentale Auffassung des Werkes beeindruckt mich ungemein, und mit der wie immer superben Victoria de los Angeles, einem großartigen Roger Soyer als Joseph und Nicolai Gedda als Erzähler, der nur manchmal von Cluytens etwas zu sehr gehetzt wird, hat auch er ein tadelloses Ensemble. Da kann man auch den etwas historischen und vor allem im dritten Teil zu halligen Klang verschmerzen.


    Schließlich empfehle ich auch gerne eine dritte preiswerte Aufnahme:



    Ich weiß nicht, ob und we sie sich technisch von der Vollpreis-Edition mit dem gleichen Besetzung unterscheidet, die ebenfalls angeboten wird, kann Gardiners sensible Einspielung mit dem besten Chor aller Aufnahmen jedoch auch in dieser Edition gerne empfehlen. Um mich noch einmal selbst zu zitieren: "Gardners Dirigat ist ähnlich flexibel und werkgerecht wie das von Dutoit, von dessen orchestral vollerem Klangbild sich sein HIP-geprägtes natürlich unterscheidet, wobei Dutoit alles andere als großorchestral ist (wie etwa Colin Davis). Auch Gardiner hat entscheidende Stärken in seinen Solisten mit einer Anne Soie von Otter, die hier sogar an Suan Graham heran reicht, einem idealen Herodes José van Dams, der das Leiden dieses grausamen Potentaten am glaubhaftesten macht, dem wie immer zuverlässigen Gilles Chachemaille als Joseph und einem Erzähler von Anthony Rolfe-Johnson, der sich problemlos neben der bereits genannten Konkurrenz hören lassen kann."


    Leider nicht das erfragte Ensemble selbst, aber immerhin den Epilog des Werkes in der sehr achtbaren Aufnahme unter Philippe Herreweghe mit Véronique Gens und Paul Agnew kann man hier hören: "http://www.youtube.com/watch?v=VEPUw8efcrU&NR=1"


    Wie dem Thread zu entnehmen ist, haben ja einige von Euch sich vorgenommen, dieses Werk aus gegebenem Anlass kennen zu lernen. Ich wäre gespannt, zu hören, ob Ihr mit der Empfehlung zufrieden wart und wie Ihr inbesondere das hier erfragte Ensemble einschätzt. Diese Neugier bezieht sich natürlich auch auf Eure Einschätzung aller in diesem Rätsel erfragten Ensembles. Besonders interessieren würde mich auch, welche Ensembles Ihr vermisst. Vielleicht mache ich ja mal eine Fortsetzung dieses Rätsels, denn mir fehlen viele Stücke, auf die ich diesmal verzichten musste. ;+)


    :wink: Riddleamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Lieber Rideamus, mir hat das Rätsel sehr gut gefallen, aus verschiedenen Gründen. Die Organisation kam mir serh entgegen, eine Frage pro Tag ist viel besser als ein Mammuträtsel, bei dem ich nicht mitmachen kann, weil es mich zeitlich total lahmlegen würde.
    Das führte dann als angenehmer Nebeneffekt dazu, dass ich mir viele der vorgestellten Ensembles auch wirklch auf youtube anhören konnte, so ich sie nicht kannte. Und das waren leider Etliche.
    Dein Geschmack ist bekannterweise ein Exquisiter, also kann man davon ohnehin nur profitieren.
    Die Mischung aus leicht und schwer war für mich ziemlich gut; Einiges wusste ich beim ersten überlesen, für anderes bracuhte ich echte Holzhammer-Tipps. Hier war besonders Severina oft mein Rettungsanker Nummer 1 :kiss:
    Was mir natürlich SEHR gefehlt hat, war mein Lieblingsensemble aus den Puritani "O rendetemi la speme" Elvira, Riccardo, Giorgio. aber da Du schon den Arturo mit "A te o cara" als Schmankerl fûr mcih drin hattest...... :fee:
    Ein bisschen Zauberflöte wäre auch nciht falsch gewesen, da wimmelt es ja nur so von Ensemble-Damen, Knaben etc
    Ich denke jedenfalls, es gibt noch genug Material für ein anderes Ensemblerätsel, wann oder wo auch immer das stattfinden sollte.


    Danke für Deine umfassenden grossartigen Beiträge zu den Werken, die für mich leider an diesem Ort viel zu schade und vergänglich sind und in die entsprechenden Thementhreads kopiert werden müssten.


    F.Q.

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Nachtrag zu Nr. 23

    Wer noch keine DVD des FALSTAFF hat, sollte am Montag, den 22. Februar sein Aufnahmegerät auf 3SAT programmieren, denn dann läuft zu nachtschlafender Zeit von 2:55 - 5:10 Uhr diese Aufzeichnung:



    Allerdings sind die 11 Euro, die die Scheibe derzeit kostet, auch nicht falsch angelegt, denn wenn Karajans zweiter Anlauf auch nicht an die Klasse seiner Referenzeinspielung von 1957 heran reicht, so ist die DVD, allein schon, weil sie Giuseppe Taddeis FALSTAFF festhält, aber auch wegen Rolando Panerai, Francisco Araiza und Christa Ludwig eine dicke Empfehlung wert.


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!