VERDI: Ernani – Kommentierte Diskographie

  • fast könnte ich schreiben "und wer mich kennt, weiß, daß ich mir die Aufnahme gerade wegen Franco Corelli gekauft habe",

    Liebe Kristin, liebe Honoria!


    Und ich habe mir die Aufnahme trotz großer Bedenken bezüglich der Tonqualität wegen Cappuccilli gekauft. :yes: Von dem sind übrigens auch Zuhörer nach seinen Arien sehr begeistert und lassen uns das, während die Oper weitergeht, auch wissen. Man hat hier also alles, Oper, Gespräche, heftiges Klopfen auf Mikrophone und andere Nebengeräusche. Für mich ist bezüglich Tonqualität und Nebengeräuschen hier die Grenze des Erträglichen erreicht - aber wegen Cappuccilli wollte ich sie haben. Auf die Corelli-Einsätze und Ligabue muss ich beim nächsten Hören besonders achten! ;+)


    Liebe Grüße,


    :wink:
    Renate

    Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)

  • Huch - eine Kontroverse?

    Ihr Lieben,


    ich gestehe es: ich werde nicht mehr zum glühenden Fan von Corelli, denn sein Singen ist mir vielfach einfach zu unpräzise, was gerade die Opern des mittleren Verdi m.E. nicht gut vertragen. Daß Corellis Stimme schön war und daß es gute Aufnahmen mit ihm gibt (vor allem Giordanos Andrea Chenier!), soll unbestritten bleiben. Übrigens wird seine Leistung im Lauf der vorliegenden Aufnahme besser, eigentlich sogar sehr viel besser - Vigili pure il ciel -sozusagen das Schwurduett dieser Oper- ist blendend gesungen. Aber ich bleibe dabei: sängerische Intelligenz heißt auch, zunächst einmal den Respekt zu haben vor dem Notentext und nicht einfach nur in's Ungefähre zu singen; schreiben wir die anfänglichen Fehler dem bekannt starken Lampenfieber Corellis zu.


    Natürlich meckere ich auf hohem Niveau, Peter und Kristin haben schon recht, daß wir heute das Lachen nicht halten könnten, wenn wir auch nur ab und wann mal einen Tenor träfen, der ein ähnliches Stimmaterial und so eine bemerkenswerte Stimmfarbe wie Corelli hätte. Also: pace e gioia! :angel:


    Cappuccilli und Raimondi sind natürlich die Stars dieser Aufführung, soweit man das bei der miserablen Tonqualität dieses wahrscheinlich halbillegalen Mitschnitts wirklich feststellen kann. Cappuccillis Don Carlo ist fulminant, vor allem sind Textverständlichkeit und der Cappuccilli immer eigene natürliche Duktus des Gesangs so überzeugend; "Oh de verd'anni miei" schließt er mit einem hohen Ton ab (ich habe jetzt leider den Auszug nicht dabei, um zu sehen, ob es ein hohes A sein kann, aber es hört sich für mich so an ;+) ), für den andere Baritone morden würden.
    Raimondi am relativen Beginn seiner Karriere liefert eine sehr ordentliche Leistung ab, wenngleich ich seine Stimme in der MET-Aufnahme (Pav, Mitchell, Milnes) einen Tick sonorer und sozusagen runder finde.


    Ilva Ligabue hat leichte Probleme in der Tiefe, dringt aber natürlich in allen Concertati in der Höhe mühelos durch - ab und wann klingt sie ein bißchen wie die Callas, nicht unsympathisch, wie ich finde. Trotzdem liegt ihr die Partie nicht wirklich,es fehlt für mein Empfinden etwas Temperament für die dramatischen Teile.


    Noch einmal: das ist Jammern auf hohem Niveau! Nur muß man das auch schon sagen dürfen - ich finde, die Überlegung, daß wir heute froh sein müßten, überhaupt so jemanden wie z.B. Corelli hören zu können, darf nicht zum Übersehen der Schwächen einiger Aufnahmen führen. Und im Vergleich schneidet diese technisch beklagenswert schlechte Aufnahme immer noch besser ab als der Mitschnitt aus der MET von 1956 mit del Monaco, Milanov, Warren, Siepi, wo Mitropoulos besonders übellaunig dirigiert, Milanov teilweise nur noch vokalisiert, weil sie sich weder um Text noch Melodie oder Notenwerte kümmern kann, denn diese Partie liegt ihrer Stimme in diesem Stadium einfach nicht (noch mal: Präzision ist das Geheimnis des mittleren Verdi!) und der arme Cesare Siepi nicht mal "Infelice - e tu credevi" singen darf,was ihn hörbar irritiert. Da war dieser Abend in Verona noch eine relative Sternstunde...


    Die ideale "Ernani"-Aufnahme habe ich also noch immer nicht gefunden. Ich bleibe tapfer und mit Unterstützung des in diesem Forum aktiven Sachverstands weiter auf der Suche.


    Grüße!


    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)

  • Liebe Honoria,


    Kontroverse? So arg ist es nicht. Wäre aber auch nicht schlimm, weil wir ja zivilisiert sind, grins. :D


    Gestern Abend habe ich doch kurz, entgegen meinen Zeilen, in den 1972er Verona-Ernani reingehört, außer Schnitten zwischen den Tracks (z.T. sicher Beifall, übrigens auch jede Menge für Corelli) ist mir bei den Corelli-Einsätzen nichts aufgefallen, es war auch nur ein Teil der 1. CD, beim Bonus habe ich gar nicht reingehört.
    Über den Ton kann man schon sagen, daß er wirklich nicht absolut super ist und die Nebengeräusche in einer so großen Arena halt auch noch. Aber was nimmt man bei seinen Lieblingssängern nicht alles in Kauf, ich jedenfalls. Raimondi klang natürlich noch relativ jugendlich, ich muß da immer lächeln, er war damals, als alter Silva, gerade 31 Jahre alt und der Corelli 51 als jugendlicherer Held, die Welt der Oper halt. :mlol: :mlol:


    Mir gefällt der Ruggero rein stimmlich auch im Jahr 1988 besser, da war er 47 (und sang „mein junges Herz unter dem schneeweißen Haar“ und so) und hat einen wahnsinnig vitalen Silva hingelegt, traumhaft, für mich der Höhepunkt der Aufnahme und Milnes gefiel mir auch sehr gut.
    Es gibt noch einen sehr schönen „Ernani“ von der Met 1965 unter Thomas Schippers:



    mit einer Bomben-Besetzung. Corelli gefällt mir da eine Spur besser und dazu noch Leontyne Price und Cesare Siepi.
    Ich habe immer meine Not, welcher Silva mir besser gefällt. Meistens siegt Ruggero Raimondi obwohl Siepi mein absoluter Lieblingssänger ist. Aber Raimondi’s Vitalität hat es mir gerade in dieser Rolle besonders angetan.


    Liebe Grüße


    Kristin

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • RE: Huch - eine Kontroverse?

    ...und der arme Cesare Siepi nicht mal "Infelice - e tu credevi" singen darf, ...


    Die Arie haben sie ihm dort nicht gestrichen, sondern er singt sie lediglich an einer ganz anderen Stelle (im 2. Akt).

    -----------------------


    Il mare, il mare! Quale in rimirarlo
    Di glorie e di sublimi rapimenti
    Mi si affaccian ricordi! Il mare, il mare!
    Percè in suo grembo non trovai la tomba?

  • :schaem:


    Anhören war schon länger her - Irrtum ist aber trotzdem unentschuldbar. Darf ich Gehirnerweichung wg. Tropenhitze als Erklärung anbieten?


    Grüße!


    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)

  • Meine Lieben,


    Im Moment sitze ich Szeged, wo mir Freunde kurzzeitig einen Blick ins Forum ermőglichen. Leider funktioniert auf der (ungarischen) Tastatur die zweite eckige Klammer nicht, sodass ich kein Bild einstellen kann. Die Muti-Domingo-Freni-DVD hat nämlich inzwischen ein neues Coverbild bekommen. Sobald ich wieder daheim in Wien bin, trage ich es nach. Zufällig habe ich mir diese Aufnahme in den letzten Tagen zu Geműte gefűhrt. Die negative Wirkung geht wohl primär von der problematischen Inszenierung aus. Hier wird mit teils ausserordentlich őden Konservativmitteln "Grosse Oper" a la Meyerbeer suggeriert, was dem "Ernani" nicht gut bekommt. Noch dazu ist es recht finster und fad, besonders im 1.Akt. Erst vor dem Grab Karls des Grossen wird es etwas griffiger, leider jedoch nur vorűbergehend. Auch die Kostűme sind űberwiegend ziemlich hässlich, lediglich der Kőnig schaut im 2. und 3.Akt toll aus.
    Riccardo Muti hält die Auffűhrung unter straffer Disziplin, fűr mich sogar eine Spur zuviel. Trotzdem ist er fűr mich hier einer der Besten. Placido Domingo singt mit all seinem Kőnnen und all seiner Intelligenz, doch wirkt seine Stimme fűr den Ernani schon zu reif (und auch äusserlich passt es nicht so ganz, aber dafűr kann er nichts). Mir kommt vor, dass es ihm an Lockerheit fehlt, und er das durch Routine auf hohem Niveau kompensiert. Mirella Freni wirkt zwiespältig. Auffällig und ziemlich stőrend, wie ihr Blick häufig fast krampfhaft den Dirigenten sucht, und wie sie sich beműht, eine besonders gute Elvira zu sein. Sie ist nicht unbedingt schlecht, aber es gibt weit bessere. Mőglich auch, dass sie und andere Mitwirkende mit der Personenfűhrung etc. keine Freude hatten und es nicht verbergen konnten. Nicolai Ghiaurov als Silva hat einige grosse Augenblicke und daneben recht schwache. Renato Bruson als Kőnig enttäuschte mich zunächst, erst im 3.Akt finde ich ihn wirklich grossartig - und das unterstreicht meinen Verdacht, dass sich die Inszenierungsmängel auf die Leistungen der Sänger auswirkten.


    Liebe Grűsse


    Waldi

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Lieber Waldi,


    Ich kann mir gut vorstellen, daß die Inszenierung live tatsächlich auch lebendiger und goldfarbiger gewirkt hat - sie wurde in großen Teilen für die von mir weiter oben beschriebene Moskauer Aufführung kopiert und war da in Ordnung, wenngleich wohl immer das Problem bleibt, daß das Spanien des frühen 16. Jhdts. vornehmlich finster war... Ernani ist für mich eine der wenigen Opern, die ohne Probleme durchgehend konzertant aufgeführt werden könnten. Die Musik beschreibt genug Äktschen ;+) .


    Kesting bemerkt -in einem seiner übellaunigeren Momente- daß die von Dir beschriebene Aufnahme tatsächlich ein Zusammenschnitt der besten Momente mehrerer Aufführungen war, und ich glaube, darauf ist auch die merklich unterschiedliche Form aller Sänger in den einzelnen Akten -besonders aber Freni und der anscheinend wirklich erkrankt singende Bruson- zurückzuführen.


    Es gibt im Handel noch eine dritte Ernani-DVD (o doch, so viele :boese: ) - kennt die jemand? Ich bin vor dem Kauf bisher immer zurückgeschreckt, weil es irgendeine Festival-Aufführung aus Bologna ist oder so, und keiner der Sänger war mir wirklich bekannt.


    Grüße!


    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)

  • Liebe Honoria,


    So finster war das Spanien dieser Zeit gar nicht, wie es hier erscheint. Auch seltsam, wenn bei Silva eine Reiterstatue den Raum schműckt, die als Vorbild ein Condottiere-Fresko aus dem quattrocentesken Florenz hat.
    Mch stőrt, dass die Figuren meist recht steif herumstehen, was besonders in der Schlusszene deplaciert wirkt. Sicher wird diese Wirkung durch das kleine Format des Bildschirms verstärkt. Auf der grossen Scala-Bűhne kam die Inszenierung wohl etwas besser zur Geltung, das mag sein. Aber irgendwie versteht man, dass manche Regisseure diesem Stil um jeden Preis Kontra bieten wollen.


    Liebe Grűsse
    Waldi

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Hier, wie versprochen, jetzt das Coverbild, das NVC Arts derzeit offeriert. Attraktiv finde ich es n icht...


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    Homo sum, ergo inscius.


  • Zur Abwechslung mal wieder ein Ernani diesmal aus dem Jahr 1991. Ich habe nur dieses Cover gefunden; meine Ausgabe stammt aus der sensationell günstigen 40Cds-Opernbox vom Versand mit der Jahreszahl, aber wirklich teuer ist sie auch anderswo nicht.


    Erster Höreindruck: alles mehr als ordentlich. Es scheint sich um eine Aufführung im Rahmen eines Festivals zu handeln - leider sagt das Büchlein dazu nichts, aber nach manchen Szenen hört man Applaus, daher die Annahme.


    Vincenzo LaScola ist ein mit einer schlanken, durchschlagskräftigen und angenehmen Stimme begabter Tenor, der auch vor der ansonsten meist gestrichenen Arie "Odi il voto" nicht zurückschreckt. Er singt differenziert und so energisch, daß man ihm den Räuber/Rebellen auch wirklich abnimmt - nichts ist schlimmer, als wenn das auch stimmlich zum Einschlafen scheint. Das ist hier ganz entschieden nicht der Fall, LaScola ist sehr präsent, was auch ein wenig an der technisch sehr guten Aufnahme liegen mag.


    Daniela Dessi singt die Elvira mit jenem leicht hysterischen Ton, der ausgezeichnet zu der Partie paßt, und vermittelt den zutreffenden Eindruck von Elvira als einem Charakter ständig am Rande eines Nervenzusammenbruchs. Keinerlei Schwierigkeiten bei teilweise extremen Stellen, hervorragende Agilität, dabei aber nie schrill - der mittlere Verdi liegt ihr offensichtlich wegen der Energie, die man beim Singen da hinein legen muß.


    Der Don Carlo von Paolo Coni klingt elegant und entschieden zugleich. Bisweilen habe ich den Eindruck gehabt, als fehle der Stimme ein klein wenig Körper, eine letzte Rundung in die Tiefe, sozusagen, aber wenn es sich tatsächlich um eine Live-Aufnahme handelt, erscheint das nachvollziehbar, einfach wegen der Anspannung. Gut anzuhören ist Coni auf jeden Fall.


    Michel Pertusi bemüht sich um einen sonoren Silva, was meist gelingt, nur merkt man (wie bei einigen der in diesem Faden diskutierten Aufnahmen auch beim frühen Aufnahmen mit Ruggero Raimondi), daß es doch noch ein sehr junger Sänger ist - die satte, körperliche Bassestiefe kann man da noch nicht wirklich erwarten. Weil aber Coni als Carlo auch nicht sehr sonor klingt, passen die beiden dann doch wieder ganz gut zusammen.


    Giuliano Carella dirigiert das "Orchestra Internazionale d'Italia" (?!) präzise und an manchen Stellen sogar mitreißend. Der "Coro da Camera di Bratislava" hätte noch ein paar Stunden Ausspracheunterricht gebraucht, an manchen Stellen ist es selbst mir einfach zu guttural slawisch. Musikalisch kann man aber auch über diese Leistung nicht meckern.


    Fazit: durchaus anhörbar, teilweise sogar richtig gut. Schade, daß es davon keine filmische Aufnahme gibt, aber das ist ja mein ewiges Klage-Mantra bezüglich dieser Oper...


    Grüße!


    Honoria

    "...and suddenly everybody burst out singing." (Busman's Honeymoon)


  • Heuer bei Andromeda herausgekommen ist diese Live-Aufnahme von 1960 aus Neapel. Dioe Tonqualität ist eher trocken, beim Orchester wirkt sie mager, aber die Stimmen kommen ganz gut zur Geltung.


    Ferdinando Previtali dirigiert etwas derb, schleppt auch mitunter, das Feuer brennt meist etwas schwach, aber manchmal überzeugt er in den leidenschaftlichen Ausbrüchen, ohne das Bestniveau zu erreichen. Eine Ausnahme allerdings verdient, hervorgehoben zu werden: das Duett König/Silva im 2.Akt "Lo vedremo, veglio audace" - das ist ein echter Höhepunkt. Aber hier sind ja auch die beiden Sänger involviert, deretwegen sich die Anschaffunmg auf jeden Fall lohnt. Nicola Rossi-Lemeni ist der beste Silva, den man sich vorstellen kann, Ettore Bastianini ein traumhafter Carlo.
    Mario del Monaco zeigt sich nicht mehr voll bei Stimme, seine Routine und die kräftig-dramatische Note, über die er verfügt, helfen ihm aber, die Vorstellung durchzustehen, obwohl er im 2.Akt wackelt und einige Male sichtlich Mühe hat. Unartig von ihm, im Zwiegesang den Schlußton bewußt länger auszuhalten als seine Partnerin. Diese, Margherita Roberti, singt an sich tadellos mit dunkler Färbung, fast mezzohaft wirkend. Sie gibt eine starke Persönlichkeit, die eher fraulich-heroinenhaft anmutet. Für die Elvira ist das nicht ideal.


    Außer Baß und Bariton spricht auch das Bonusmaterial für den Kauf: Aussschnitte aus einem Konzert 1950 in San Francisco. Mario del Monaco in unverbrauchter Vollform, wenn auch etwas eindimensional, gefällt, wird aber noch übertroffen von seiner ausgezeichneten Partnerin Herva Nelli. Wie die aus dem "Trovatore" und der "Gioconda" singt - da legst di nieder, wie der Wiener sagt.


    Liebe Grüße


    Waldi

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    Homo sum, ergo inscius.


  • Metropolitan Opera New York, Live-Mitschnitt 1983, DECCA 20o07


    Bei dieser DVD schließe ich mich - verzeiht, edle Damen - unserem Peter an. Das ist, wenn man konservativer Opernkunst nicht grundsätzlich abgeneigt ist, eine optisch sehr gelungene und auch im wesentlichen sängerisch großartige Aufführung. Die Inszenierung verzichtet auf lebhafte Dynamik und bleibt relativ statisch, setzt aber bewußt und erfolgreich auf prächtig komponierte Bilder und die Persönlichkeit der Protagonisten. Die Dekorationen und Kostüme verströmen ein wenig Flair der Verdi-Zeit, ohne jedoch aufgedonnert zu wirken. Was besonders freut, sind aber auch sonst - meist - gestrichene Szenen, auf die man hier nicht verzichten muß.


    James Levine, an dem ich schon manchmal ein wenig herumgemäkelt habe, macht mir das hier glücklicherweise unmöglich. Er demonstriert Bestform, vereint Farbigkeit, Pathos und Feuer in der richtigen Mischung und weiß die Steigerungen wirkungsvoll aufzubauen. An Schippers kommt er zwar nicht ganz heran, bleibt aber nicht weit zurück. Ruggiero Raimondi ist der erste Silva, für den ich nicht nur Verständnis empfinde, sondern wider Willen manchmal fast schon begeisterte Sympathie. Er singt nicht nur unglaublich gut, sondern spielt diesen Granden so formvollendet, daß einem der Atem wegbleibt. Eine Fast-Idealbesetzung bedeutet auch Sherrill Milnes als König. Auch er war stimmlich an diesem Abend großartig disponiert. Seine etwas hölzerne Art paßt zu dieser Rolle, für die er wie geschaffen scheint. Den Charakter des Königs, der als Lüstling so unverführerisch daherkommt, und der sich im Banne seiner neuen Verantwortung zu Großmut zwingt, macht er in seiner Unsicherheit und doch Größe wunderbar glaubhaft. Luciano Pavarotti als Ernani verfügte zu dieser Zeit noch über das stimmliche Fundament, um diese Rolle trotz einiger minimaler Unreinheiten ausgezeichnet zu erfüllen. Übrigens zeigt er hier wieder einmal, daß er schauspielerisch weit besser war als sein Ruf. Mag das Gesten- uind Mienenrepertoire auch nicht außergewöhnlich sein, er beherrscht es jedenfalls tadellos. Bei den Herren fällt nur der Riccardo etwas ab.
    Mit Leona Mitchell wurde weiter oben ziemlich hart ins Gericht gegangen, meiner Ansicht nach nicht ganz zu Recht. Ich kann nicht finden, daß sie dauernd stemmt. Gerade in der Höhe entfaltet sie ihre tonale Fülle. Natürlich ist sie keine Leontyne Price und verfügt neben ihrer dramatischen Kraft nicht über so viele Facetten, aber Probleme kriegt sie, meine ich, nur in der Tiefe, wo sie einige Male fast in Sprechgesang verfällt. Aber insgesamt macht sie ihre Sache sehr gut (die Elvira ist ja schon vom Libretto her etwas eindimensional angelegt) und das Timbre stimmt auch. Figürlich paßt sie weit besser zu Pavarotti als die Freni, präsentiert sich aber alles andere als plump und strahlt in ihren Kostümen durchaus Eleganz aus.


    Liebe Grüße
    Waldi

    ______________________


    Homo sum, ergo inscius.

  • Ruggiero Raimondi ist der erste Silva, für den ich nicht nur Verständnis empfinde, sondern wider Willen manchmal fast schon begeisterte Sympathie. Er singt nicht nur unglaublich gut, sondern spielt diesen Granden so formvollendet, daß einem der Atem wegbleibt

    Lieber Waldi,


    Du schreibst mir aus der Seele. Es war eine Glanzleistung. :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


    Liebe Grüße


    Kristin

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Lieber Waldi!


    Leona Mitchell singt zwar recht schön, die Price gefällt mir besser, aber die Kostüme an ihr waren zwar wunderbar und schön, aber etas eng um den Busento herum, ich habe immer darauf geschaut und kam mir vor wie ein verkappter Ruggero Raimondi [der es ja bei Damen recht gern hat, darin zu wühlen, speziell als Scarpia], es hob und wogte, beim Gesang, immer die Oberweite hin und her, da konnte ich nicht ganz so aufpassen.


    Liebe Grüße sendet Dir Peter. :wink: :wink:

  • Du bist, mein Lieber, eben altmodisch, weil Du nur auf die Oberweite schaust. Der moderne weise Mann blickt tiefer... (bin ich jetzt A.N.züglich?) :whistling:

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    Homo sum, ergo inscius.

  • Der moderne weise Mann

    Oh Mann :mlol: :mlol: :shake: :shake: - der Ruggero hat das auch als Don Giovanni gern gemacht (siehe Film), er hat ja gern solche Lüstlinge gestaltet. Als "alter"(?!?) Silva von 1983 war er darüber erhaben, wie haben die alten Granden eigentlich ihre Kinder gekriegt?


    Nachdenkliche Grüße aus München


    Kristin :wink: :wink: :mlol:

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • wie haben die alten Granden eigentlich ihre Kinder gekriegt?


    Gab es dafür nicht die segensreiche Einrichtung der Pagen, die nicht immer so harmlose Kinder waren? :S :thumbup:



    Liebe Honoria,
    Ich weiß, ich weiß und verschwinde auch schon kleinlaut auf meinen Platz :hide:

    ______________________


    Homo sum, ergo inscius.

  • Lieber Waldi!


    Das geht bei Leona Mitchell nicht, wegen dem Tieferschauen, das ist alles züchtig zugedeckt, nur eben oben nicht und da sieht man jeden Atemholer. :pfeif: :pfeif:


    Wie sie Kinder gemacht haben, liebe Gisela, das weiß ich auch nicht mehr so genau.


    Das ist übrigens mein 3.000ster Beitrag, und das am 29. Februar. :klatsch: :klatsch: :o: :o: :klatsch: :klatsch:


    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter. :wink: :wink:


  • Das ist übrigens mein 3.000ster Beitrag, und das am 29. Februar. :klatsch: :klatsch: :o: :o: :klatsch: :klatsch:


    Ich werd dich am 29. Februar 2016 an den ersten Jahrestag deiner Überschreitung der 3000-Marke erinnern! :D Gratulation! :vv:


    (Wobei der alle vier Jahre eingeschobene Tag ja eigentlich der 25. Februar ist, und die anderen rücken alle eins weiter...)


    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

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