BARTÓK: A kékszakállú herceg vára (Herzog Blaubarts Burg) – Meisterwerk des Symbolismus

  • Das Hessische Staatstheater Wiesbaden spielt A kékszakállú herceg vára im März (5 Aufführungen).

    Vielen Dank für den schönen Hinweis, lieber Quasimodo, das wäre mir sonst glatt entgangen!

    Wie es aussieht, gibt es noch jeden Menge Karten, auch für die Premiere am 1.3. (Herzog Blaubarts Burg ist wohl eine Wiederaufnahme von 2015, vgl. http://www.staatstheater-wiesbaden.de/programm/spiel…-baubarts-burg/). Da werde ich vermutlich dabeisein. :)

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Dann berichte mal!

    Mach ich. Ich hoffe natürlich auf "ziemlich gut". Da der Blaubart tatsächlich eine Wiederaufnahme ist, gibt es bereits Kritiken:

    https://www.die-deutsche-buehne.de/kritiken/urbane-einsamkeiten
    https://www.fr.de/kultur/theater…n-11681035.html
    http://rmt-magazin.de/kunst-a-kultur…-rinneberg.html

    Außerdem: https://www.youtube.com/watch?v=dqG3mxZ-edE

    Auch damals sollte ursprünglich J. M. Kränzle den Blaubart geben, konnte aber offensichtlich wegen Erkrankung nicht.

    Wiesbaden ist mir einen Tick zu weit ...

    Schade...

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

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    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Vielen Dank, lieber Gurnemanz!! :thumbup:

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



  • Läuft derzeit auf WDR5:

    Musik im Dialog: Von Schirach & Bartók

    Live-Übertragung aus der Kölner Philharmonie.

    Programm:
    Beethoven: Ouvertüre zu "Fidelio" op. 72
    Béla Bartók: "Herzog Blaubarts Burg"
    Stefanie Irányi, Sopran
    Andreas Bauer, Bass
    WDR Sinfonieorchester
    Jukka-Pekka Saraste, Leitung

    https://www1.wdr.de/radio/wdr5/sen…hirach-100.html

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



  • Letztlich ist das Ganze für mich eine Metapher für die menschliche Seele schlechthin und genauso wie für die Neugier (hier im negativen Sinne), den Drang zur Offenbarung des Anderen, das Herauszerrenwollen von allen Gefühlen und Geheimnissen, was Beziehungen zerstören kann.

    Da bin ich ganz bei dir, liebe Succubus!

    Heute Nachmittag übrigens noch folgende Inszenierung auf Youtube gesehen:

    https://www.youtube.com/watch?v=sx_4xDA2w0A

    Durch die engl. Untertitel konnte ich mich nun zum ersten Mal etwas näher mit dieser Oper befassen; hatte ich bislang lediglich auf CD. Habe das Online-Libretto nun zudem in dt. Übersetzung gefunden.

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



  • Ein See von Tränen wogt hinter der sechsten Tür und "die Szene wird merklich dunkler, als ob ein Schatten vorbeigegangen wäre". "Tränen, Tränen, nichts als Tränen" sagt Blaubart . Es ist die Kammer seiner depressiven Phasen, die Trauerkammer, in die er sich zurückzieht, um zu weinen. Und Judit begreift noch immer nicht, wer hier weint.

    Hm, sind es nicht doch eher die Tränen der drei Ex-Partnerinnen?

    "... Ach, ich weiss es, Herzog Blaubart, wessen Tränen füllt den Weiher. Dort sind deine früheren Frauen, hingemordet, blutbesudelt ..."

    Und ja, natürlich könnten es auch Blaubarts Tränen sein, aber in diesem Zusammenhang ... tippe ich doch eher auf die Tränen der Ex-Partnerinnen. Der See von Tränen könnte also auch das schlechte Gewissen Blaubarts symbolisieren, weil er seine Ex-Partnerinnen ja schließlich "hingemordet" hat (bzw. für das Leid der Frauen und die Zerstörung der Liebe verantwortlich zu sein scheint). Zudem scheint mir Blaubart nicht sonderlich sensibel bzw. doch eher einfach strukturiert zu sein. Einem solchen Menschen, der ja zudem längst eine "Mauer" um sich herum gebaut hat, traue ich Gefühlsausbrüche - in Form von Tränen - einfach nicht zu. Dann doch eher den Frauen, die unter ihm gelitten haben werden. Schließlich idealisiert er sie noch immer (zu mindestens hinsichtlich ihrer Schönheit). Vielleicht liege ich aber auch völlig falsch ...

    Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Zudem fange ich ja gerade erst an, mich etwas näher mit dieser Oper zu befassen.

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



  • Hm, sind es nicht doch eher die Tränen der drei Ex-Partnerinnen?

    "... Ach, ich weiss es, Herzog Blaubart, wessen Tränen füllt den Weiher. Dort sind deine früheren Frauen, hingemordet, blutbesudelt ..."

    Und ja, natürlich könnten es auch Blaubarts Tränen sein, aber in diesem Zusammenhang ... tippe ich doch eher auf die Tränen der Ex-Partnerinnen. Der See von Tränen könnte also auch das schlechte Gewissen Blaubarts symbolisieren, weil er seine Ex-Partnerinnen ja schließlich "hingemordet" hat (bzw. für das Leid der Frauen und die Zerstörung der Liebe verantwortlich zu sein scheint). Zudem scheint mir Blaubart nicht sonderlich sensibel bzw. doch eher einfach strukturiert zu sein. Einem solchen Menschen, der ja zudem längst eine "Mauer" um sich herum gebaut hat, traue ich Gefühlsausbrüche - in Form von Tränen - einfach nicht zu. Dann doch eher den Frauen, die unter ihm gelitten haben werden. Schließlich idealisiert er sie noch immer (zu mindestens hinsichtlich ihrer Schönheit). Vielleicht liege ich aber auch völlig falsch ...

    Ich lasse mich gern eines Besseren belehren. Zudem fange ich ja gerade erst an, mich etwas näher mit dieser Oper zu befassen.

    Gibt es denn im Text irgendwelche belastbaren Hinweise darauf, dass Blaubart für irgendein Leid der Frauen verantwortlich ist? Dass Frauen unter ihm gelitten haben? Das sind alles nur Behauptungen von Judit, aber die sagt viel, wenn der Tag lang ist. Sie behauptet ja auch, dass sie Blaubart lieben würde, aber die Musik zeichnet sie vielmehr als macht- und konsumgeile, herzlose Psychopathin, die es nicht einmal über sich bringt, sozial angemessen zu reagieren, wenn ihr Blaubart stolz seine Ländereien zeigt (5. Bild, unglaublich unsympathisch). Begeisterung kann sie nur für Gold aufbringen. Und wie sie Blaubart dann zwingt, die beiden letzten Türen zu öffnen, da zeigt die penetrant monochrome Melodieführung und Instrumentierung, wie obsessiv in ihr der Wille geworden ist, Blaubart zu beherrschen.

    Es ist eigentlich auffällig, dass die heute noch gespielten Blaubart-Fassungen des Musiktheaters (Offenbach, Dukas, Bártok) allesamt gravierend vom Märchen abweichen, indem (1) die Frauen alle noch leben, (2) Blaubart bestenfalls als Möchtegern-Täter, tendenziell aber sogar als Opfer dargestellt wird, (3) die drei neuen Frauen (Boulotte, Ariane, Judit) keinesfalls strahlende Heldinnen sind, sondern recht fragwürdige Motive haben. Das kann man selbstverständlich auch problematisieren (es sind schließlich alles Bearbeitungen von männlichen Librettisten und männlichen Komponisten, die hier ihre Perspektive eingeprägt haben), aber grundsätzlich scheint mir die Schwarz-Weiß-Aufteilung des Märchens in den Opernfassungen entweder in Frage gestellt zu werden (Offenbach, Dukas) oder sogar radikal umgewertet (Bártok).

    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Im roten Forum habe ich mich vor einigen Jahren zu folgender Interpretation verleiten lassen:


    Zitat von Felix Meritis

    Ich denke, wenn ich sage, dass die Handlung symbolisch zu verstehen ist, renne ich offene Türen ein.

    Das ist aufgrund des ganzen Aufbaus des Stücks nur allzu deutlich. Aber was wird verschlüsselt? Meine Deutung: die Einsamkeit des Künstlers. Zu Beginn ist die Liebe noch ungetrübt, Judith möchte möglichst viel über Blaubart erfahren. Der ist aus Erfahrung und aus Selbstschutz zunächst verschlossen und gibt nur zögerlich Einblicke in sein Inneres frei. Dennoch treibt ihn auch die Sehnsucht seiner Einsamkeit zu entfliehen, daher gibt er nach und spornt Judith gelegentlich sogar dazu an, weiter zu machen. Nur: Judith hat kein rechtes Verständnis für ihn, denn seine Leiden (Folterkammer), Mühen (Waffenkammer), Freuden (Schätze und Blumen) scheinen ihr fremd und falsch ("Blut"). Als sie auch noch für sein "Reich", also für sein Wirken als Künstler, nur gleichgültige Worte übrig hat, lässt Blaubart alle Hoffnung fahren und zeigt ihr den Raum seiner "Tränen", also Enttäuschungen. Die Liebe Judiths ist vergangen, das Gefühl der Fremdheit obsiegt. Schließlich flüchtet sich Blaubart in die Idealisierung Judiths, so wie so viele Male zuvor (andere Frauen hinter Tür 7) - eine Verklärung, die für die Schultern eines realen Menschen nicht zu tragen ist (Mantel, Juwelen), und daher die Entfremdung von Judith und die Einsamkeit Blaubarts besiegelt.

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • habe ich mich vor einigen Jahren zu folgender Interpretation verleiten lassen

    deine Interpretation finde ich bemerkenswert . Ob ich zustimmen würde, wenn ich mir das Stück genauer anschaue, weiss ich nicht, aber was Du sagst finde ich interessant.
    Nur den Schluss finde ich nicht logisch. Wenn Judith ihn enttäuscht hat, warum idealisiert er sie dann als Flucht? Er räumt sie doch weg, zu den anderen Frauen.....Flüchtet er sich nicht allgemein in eine Idealisierung der Liebe, oder wie diese auszusehen hat? Wenn sie nicht genau so aussieht, dann bleibt er lieber allein. Wie gesagt, ich muss mir das Stück erst genauer ansehen, ob es überhaupt so ist, aber den Ausgang deiner Geschichte fände ich so logischer.

  • Ich glaube der Punkt ist, dass die beiden keine gemeinsame Basis haben und einander überhaupt nicht verstehen, sozusagen ein totales Versagen der Kommunikation. Die (Ent)täuschung ist also durchaus gegenseitig und es ist keineswegs gesagt, dass es Blaubart ist, der "Schluss macht". Ich glaube, das ist auch nicht wichtig. Die reale Judith ist jedenfalls schließlich nicht mehr da, sondern nur das Idealbild, welches aber eine Projektion ist und eigentlich nichts mit der echten Judith zu tun hat (das verklärte mit Schmuck behangene Idealbild bewegt sich nicht).

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Hm, er schließt doch überhaupt mit der Liebe ab, räumt die Erinnerungen an seine vier Frauen fein säuberlich weg und bleibt fortan einsam. Die Parallelisierung mit den Tageszeiten Morgen-Mittag-Abend-Nacht (vielleicht auch eine Lebensalter-Parallele?) zeigt ja auch, dass Judit die letzte ist, es wird keine weitere Frau in seinem Leben mehr geben.

    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.

  • Für alle, die wie ich, immer gespannt auf eine neue Version des Blaubarts sind, gibt es auf yt Nachschub :


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    Das RCO unter Ivan Fischer mit den Solisten Ildiko Komlosi und Balint Szabo.

    Die von Succubus genannte Aufführung mit dem Concertgebouworkest Amsterdam unter der Leitung von Ivan Fischer vom 6. Januar 1990 ist bei YouTube nicht mehr verfügbar. Sie ist aber auf CD erhältlich, wenn auch etwas "versteckt" in dieser 152 CD-Box

    Es ist dort die CD 105. Ich glaubte bis vor 5 Minuten, dass ich nur die István Kertész-Einspielung dieser Oper besitze, entdeckte dann aber überraschend beim Stöbern in dieser Box diese zweite Aufnahme in meiner Sammlung.

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

    Einmal editiert, zuletzt von music lover (7. August 2023 um 01:31)

  • Soeben entdeckt:

    Béla Bartók - Herzog Blaubarts Burg
    Aufführung als Lichtspieloper Oper in einem Akt / Libretto von Béla Balázs / In deutscher Sprache mit Übertiteln Herzog Blaubart führt seine junge Geliebte…
    theater-bielefeld.de

    KVVK beginnt Anfang Juni. Endlich werde ich diese Oper mal live erleben ... :)

    "Welche Büste soll ich aufs Klavier stellen: Beethoven oder Mozart?" "Beethoven, der war taub!" (Igor Fjodorowitsch Strawinsky)



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