Sänger – Eure liebsten Männerstimmen

  • Oh je, der Threadstart ist nun 13 Jahre her, und bei mir ist immer noch Dietrich Fischer-Dieskau einsam an der Spitze.


    Die Auswertung werde ich noch erledigen. Seinerzeit schrieb ich: "am Ende"... und das Ende ist ja noch lange nicht nahe. :)

  • Zitat von Cosima

    bei mir ist immer noch Dietrich Fischer-Dieskau einsam an der Spitze.

    Auweia Cosima, bei mir kommt der nicht unter die ersten 500!


    LG palestrina

    „ Die einzige Instanz, die ich für mich gelten lasse, ist das Urteil meiner Ohren. "
    Oolong

  • Zitat von Cosima

    bei mir ist immer noch Dietrich Fischer-Dieskau einsam an der Spitze.

    Auweia Cosima, bei mir kommt der nicht unter die ersten 500!


    LG palestrina

    Ganz wichtige Info, danke. Das tut mir natürlich leid für Dich, aber nicht jeder kann mit einem guten Geschmack gesegnet sein.

  • Hallo Cosima: Ich schlage eine Ausweitung auf 15 vor!

    Dem Antrag wird stattgegeben. :D Jeder darf also noch 5 Kandidaten nachnominieren, so er/sie möchte.

    Eigentlich mag ich Rankings nicht sonderlich, aber an diesem möchte ich mich beteiligen, weil mir darin die Möglichkeit geboten wird, auf ausgezeichnete, aber leider sonderlich bekannte Sänger hinzuweisen. (Anmerkung: Ausschlaggebend war für mich bei der Auswahl natürlich nur die Qualität, unabhängig vom Bekanntheitsgrad!)


    Ich nenne ausschließlich Sänger, die ich live gehört habe (und zwar zumindest in den angeführten Rollen), und habe mich bemüht, ein Ranking zu erstellen und kurze Begründungen mitzuliefern:

    1. Franz Grundheber -- mein absoluter Lieblingssänger, großartig im deutschen (Holländer, Barak, ...) und italienischen Opernfach (Jago, ...), ferner in kleinen Opernrollen (Schigolch, Zauberflöten-Sprecher, ...) und im Liedgesang (hier nicht live gehört, sondern nur auf seiner einzigen Lied-CD). Grundheber ist ein Sänger, der seine extrem lang währende Karriere abseits der Medien und des Starrummels gemacht hat. Seine hell timbrierte Stimme ist extrem ausdrucksstark und noch im höchsten Alter einwandfrei erhalten (ich habe ihn, der er 1937 geboren ist, im Jahre 2017 u.a. als Barak, Holländer und Peter Besenbinder gehört, sein hohes Alter war nicht zu merken!!). Einen gefühlvolleren Barak als ihn kann ich mir nicht vorstellen.
    2. Peter Seiffert -- für mich DER Lohengrin und Florestan, aber auch als Tristan und Turiddu und in anderen Rollen toll. Ausdrucksstärker als Botha, großartiges (helles, klares) Timbre. Man merkt, dass er sich das schwere Fach erst spät erarbeitete und es ihm daher gelang, noch im vergleichsweise hohen "Tenor-Alter" tolle Leistungen zu bringen.
    3. Johan Botha -- für mich (nach Seiffert, wobei man auch Botha über Seiffert stellen kann) der beste Tenor überhaupt, sein schauspielerisches Unvermögen stört mich nicht. Eine so prächtige Tenorstimme, die schwierige Rollen wie Apollo, Stolzing, Otello, Siegmund, Bacchus, Kaiser scheinbar mühelos meistert, kenne ich kein zweitesmal. Auch seine Leistungen im italienischen Fach (Andrea Chénier, Cavaradossi) bleiben mir in sehr guter Erinnerung. Leider viel zu früh verstorben, zum geplanten Tristan ist es nicht mehr gekommen.
    4. Markus Eiche -- für mich der beste derzeit aktive Bariton: wunderschöne und technisch sehr gut geführte Stimme, intelligente und einfühlsame Rollengestaltung.
    5. Wolfgang Bankl -- ein massiv unterschätzter Sänger, der leider auch viel zu wenig aus sich machte (ich hätte mir ihn gut in die Richtung Kurwenal etc. vorstellen können). Ich habe ihn sehr oft gehört, nur in zwei der über 85 Vorstellungen wurde ich enttäuscht (der Ariadne-Musiklehrer lag ihm zu hoch, daher ist er nach einer Serie wieder zum Truffaldin gewechselt, und als Schigolch-Einspringer konnte er den Text nicht). In Rollen wie Ochs, Doktor (in Wozzeck), Boris Ismailow (Lady Macbeth von Mzensk), La Roche, Klingsor und Geisterbote stelle er als Ensemblemitglied die sonst für diese Rollen engagierten Gäste locker in den Schatten, aber auch viele kleinere Rollen (Benoit/Alcindor, Notar/Polizeikommissar, Tierbändiger/Athlet, ...) gestaltet er ganz toll, nicht zu verschweigen ist sein ausgezeichnetes komödiantisches Talent (Doktor Bartolo im Rossini-Figaro, Tosca-Mesner, ...). Auch im Liedgesang sehr gut (da allerdings leider nicht live gehört, aber auf Youtube befindet sich die "Winterreise"); leider zieht er sich in der Oper derzeit ins sogenannte Altersfach zurück.
    6. Ian Bostridge -- im Liedgesang maßstabsetzend.
    7. Florian Boesch -- sehr ausdrucksstarker Sänger, der die Lieder sehr authentisch gestaltet.
    8. Robert Holl -- wunderbar warme Bassstimme, einfühlsame Gestaltung (ich kenne ihn nur im Liedgesang).
    9. Peter Mikuláš -- der Hausbassist der Oper Bratislava, leider kaum in anderen Häusern zu hören (einmal hat er vor meiner Zeit im Wiener Konzerthaus die 13. Schostakowitsch gesungen, und viele haben sich gefragt, wer dieser tolle Sänger ist). Wunderbare Bassstimme, jetzt leider schon leicht über dem Zenit.
    10. Neil Shicoff -- eine zweischneidige Sache: in manchen Rollen großartig (Hermann, Eléazar, Hoffmann, ...), in anderen fürchterlich (Gustav III, ...), was daran liegt, dass er manche Rollen zu lang im Repertoire behielt. Während (vor meiner Zeit) andere Tenöre durch Fußballstadien tourten, war Shicoff wohl der bessere Sänger. Leider konnte ich ihn als Peter Grimes nicht hören (2013 wäre er in Wien für Ben Heppner eingesprungen, sagte dann aber seinerseits ab).
    11. Walter Fink -- ich kenne keine warmere, vollere und vor allem tiefer timbriertere Bassstimme als seine. Leider habe ich ihn seit 2014 nicht mehr gehört.
    12. Jörg Schneider -- ein ausgezeichneter Sänger, beispielsweise als Tamino, Herodes und Narraboth, Aegisth, Maler/Neger und Jaquino, auch in der Operette (Eisenstein und Alfred etc.), der leider im Schatten berühmterer Kollegen steht, diese aber stimmlich großteils überragt.
    13. Falk Struckmann -- unverkennbar. Schauerliche Vokalverfärbungen, die mich sonst stören, aber Struckmann verzeihe ich sie teilweise wegen der ansonsten beeindruckenden Gesamtleistung. Struckmann spaltet übrigens das Wiener (Stehplatz-)Publikum sehr drastisch in Fans und Gar-nicht-Fans.
    14. Bryn Terfel -- großartig auf der Opernbühne (Holländer, Scarpia, ...) und im Liedgesang (wo ich ihn allerdings nicht live gehört habe). Leider ist die Stimme, freundlich gesagt, nicht mehr das, was sie einmal war.
    15. Herwig Pecoraro -- sofort erkennbare Tenorstimme, die für Charakterrollen wie den Mime und den Wozzeck-Doktor perfekt passt, darüber hinaus verlieh er auch vielen kleinen Rollen ausgezeichnetes Profil wie dem Rosenkavalier-Wirt, dem Ariadne-Tanzmeister, dem Ersten Jude in Salome (da gefiel er mir besser als als Herodes), dem Monostatos, dem Schäbigen in Lady Macbeth von Mzensk und vielen anderen. Leider seit 2020 in Pension (von seinem Engagement als Ensemblemitglied der Wiener Staatsoper) und wird wohl vergessen werden, weil es kaum offizielle Mitschnitte mit ihm gibt (auch auf Youtube fast nichts).

    Bei der Vergabe der Plätze 12--15 war ich mir nicht mehr sicher, da hätte ich auch vier der folgenden (alphabetisch genannten) Sänger nennen können: Benjamin Bernheim, Aleš Briscein, Stefan Cerny, Ferruccio Furlanetto, Christian Gerhaher, Otoniel Gonzaga, Tomasz Konieczny, Kurt Schreibmayer, Jochen Schmeckenbecher, Rainer Trost, Heinz Zednik, Georg Zeppenfeld.

    Capriccio-Pause meinerseits bis 23. August 2022. Das ist meine eigene Entscheidung, der keine Sperre oder ähnliches zugrunde liegt.

  • Tomasz Konieczny,

    Fällt bei mir durch, weil er nicht nur undeutlich spricht, sondern seine Vokalverfärbungen auch noch häßlich sind. Außerdem singt er eindimensional und ohne Ausdruck.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

  • Das kann ich zwar nachvollziehen, aber bezüglich Konieczny gilt das, was ich oben über Struckmann geschrieben habe.


    "Eindimensional und ohne Ausdruck" kann ich zu Konieczny nicht bestätigen (da würde mir zum Beispiel Wolfgang Koch einfallen).


    Koniecznys Brunnenvergiftertimbre passt für manche Rollen, beispielsweise Alberich und Scarpia, ganz perfekt. Außerdem habe ich den Eindruck, dass Konieczny (ich habe ihn seit 2009 knapp 50mal gehört) immer besser wird.

    Capriccio-Pause meinerseits bis 23. August 2022. Das ist meine eigene Entscheidung, der keine Sperre oder ähnliches zugrunde liegt.

  • Das kann ich von der aktuellen Bayreuther "Walküre" überhaupt nicht bestätigen. Der Beginn des 2. Aufzugs war fürchterlich, sowohl Konieczny als auch Theorin betreffend.

    "Es gibt kein richtiges Leben im falschen." (Theodor Ludwig Wiesengrund)

    Einmal editiert, zuletzt von ira ()

  • Weil ich diese Aufführung nicht gehört habe und nicht hören werde, kann ich dazu nichts sagen. In der kommenden Spielzeit singt er in Wien Cardillac und Telramund, da werde ich wohl hingehen und nachher im Operntelegramm meinen Eindruck schreiben.

    Der Mann schreibt sich übrigens "Konieczny".

    Capriccio-Pause meinerseits bis 23. August 2022. Das ist meine eigene Entscheidung, der keine Sperre oder ähnliches zugrunde liegt.

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