Rolling Capriccio - No-go-Area

  • Mich erinnert das ganze an diese unsäglichen Sendungen "Die 50 ****** Hits" mancher privater TV-Sender.
    Für ****** kann wahlweise "erfolgreichsten", "beliebtesten", "nervigsten", "schlechtesten" gesetzt werden.
    Ausserdem wird das ganze mal zeitlich auf die 60er, 70er usw. Jahre eingegrenzt. Oder auf deutschsprachig oder Disco/Rock......

    Das interessante daran, und das zeigt sich auch hier, ist aber, dass die Schnittmenge von "besten" und "schlechtesten" auffällig groß ist.

  • Für mich war Punk damals (wenn auch als etwas zu spät Geborener zeitversetzt) so eine Art Initialzündung. Beatles hatte ich schon vorher gehört, aber die mochten ja sogar meine Eltern. Aber als ich bei einem Freund erstmals bewusst de Sex Pistols hörte, haute mich das um. Punk sprach mich unmittelbar an, legte quasi einen Schalter um. Es war eben anders, es war dagegen. Und nicht nur gegen Eltern oder Lehrer, sondern auch gegen die herumvagabundierenden Spät-Hippies und Gut-Menschen, die uns mit ihrer selbstgerechten Genügsamkeit unglaublich auf die Nerven gingen.

    Insofern war für mich der Gedanke der Weiterentwicklung bei Punk nahezu egal. Punk hatte für mich eine Zeitlang eben eine Ventilfunktion. Was ich aber grundsätzlich daran schätzte, war die Haltung, dass jeder etwas ausdrücken kann, wenn er es nur will. Damals entstanden für mein Empfinden gleichsam zwangsläufig sehr viele Bands.

    Die anschließende Entwicklung war dann nicht mehr Punk, der für mein Empfinden musikalisch für Ableger ohnehin zu eingeschränkt war, sondern New Wave. Da konnte es dann munter sprießen, und das tat es dann ja auch.

    :wink:


    P.S.: matthias - ob die Pistols tatsächlich eine Retortenband waren? Gewiss nicht wie heutige Boygroups, da wird Malcolm Mclaren eifrig am eigenen Nachruhm arbeiten.

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • P.S.: matthias - ob die Pistols tatsächlich eine Retortenband waren? Gewiss nicht wie heutige Boygroups, da wird Malcolm Mclaren eifrig am eigenen Nachruhm arbeiten.

    Also Johnny Rotten hat es viel später auch nicht mehr anders dargestellt. Ich habe es so in England von einigen dargestellt gehört, die damals in der Musikszene aktiv waren und denen ich es abnehme. Mythen scheinen mir eher die anderen Darstellungen. Aber sei es, wie es sei, Bands, die so was wie Punk machten, gab es in England wie in den USA auch so und die Sex Pistols schlugen ein, weil es aus dem Zeitgefühl und Abgrenzungsbedürfnis heraus, das du beschreibt, funktionierte und die Sex Pistols einschlugen: Jeder und jede kann sich billig Instrumente kaufen, brauch nicht erst jahrelang üben bis zur Gitarrenweltmeisterschaft, sondern gleich vor den Kumpels loslegen und einfache, zornige, schnelle Musik machen, zu der sich wild Pogo tanzen ließ, das war ja die Botschaft, die einschlug, in einer Zeit, in der die etablierten Bands zig Sattelschlepper brauchten, um ihre Anlagen, Keyboard-Parks etc. zu transportieren.

    New Wave war dann die eine Sache, wo vor allem die billig gewordenen Synthesizer genutzt wurden, Hardcore, die andere. Für vieles, was in beide Richtungen nicht hereinpasste, ist heute die unspezifische Bezeichnung "Post-Punk" weitverbreitet, die ich mangels einer besseren, auch benutzt habe. Aber Gang of Four z.B. wurden damals zuweilen auch als New Wave bezeichnet, aber ihre Musik und die der vielen anderen, die den Funk für sich entdeckten, passt so wenig zu den typischen New Wave Bands, dass ich sie heute nicht so bezeichnen würde.

    Ein guter Punk-Roman mit einer ganz ordentlichen Verfilmung war von Hazel O'Connor "Breaking Glass" mit schöner Filmmusik, die jedoch schon eher "post-punk", im Sinne wirklich guter früher New Wave war. Aber die Darstellung der Punk-Band-Gründung hier ist m.E. treffend typisch. Insofern hätte es sicherlich latürnich auch so etwas wie Punk gegeben ohne Malcolm McLaren. Ich bekam die Filmmusik-LP jedoch von meiner Mutter geschenkt, die sich selbst die weiteren guten New Wave LPs von Hazel O'Connor anschaffte. Um meine Eltern schocken zu können, hätte ich wohl in die JU eintreten, für den Dicken schwärmen und BWL als Studienfach wählen müssen. :D Da blieb ich dann doch lieber mit meinen Alten gut befreundet, übernahm ganz konformistisch ihr Klassenbewußtsein und ihren Musikgeschmack und baute den lediglich noch etwas aus.

    :wink: Matthias

  • Ich erweitere um einige Namen, die seit einiger Zeit ziemlich im Schwange sind und die bei schlichteren Naturen bisweilen den Eindruck erwecken, es handle sich um angesagte Rock...*hüstelkeuch*...musik:

    Coldplay

    Linkin Park

    Limp Bizkit

    Franz Ferdinand

    Gorillaz (okay, kaum Rock zu nennen, aber war für ein Murks)

    Kings of Leon


    Über anderes Gezeugs müssen wir gar nicht erst reden... James Blunt z.B. oder sowas.

    Ansonsten gebe ich Carsten bei seinem Eingangsposting natürlich absolut recht. Ich habe Abba zuletzt 1985 und Oasis zuletzt 1996 gehört. Da war ich ja noch ein Kind und wußte nicht, was sie singen.

    Grüße, nichts als Grüße,

    :wink:


    "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

  • Was auch gar nicht geht ist

    The National

    Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass das irgendwie "cool" sein könnte?

    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Was auch gar nicht geht ist

    The National

    Wer ist eigentlich auf die Idee gekommen, dass das irgendwie "cool" sein könnte?

    Adieu,
    Algabal

    Ja, stimmt. Diese Nominierung geht nun mal gar nicht.

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Doch, ging ganz leicht. Und sie ist so berechtigt!

    Adieu,
    Algabal


    Nö. Ersetze The National durch die völlig überschätzten Stripes, dann wird nen Schuh draus.

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Ach Wulf, und ich dachte, Du hättest Ahnung... :whistling:

    Jack White ist hochgenial. Und ein Vollblut. Nicht so eine Schindmähre wie so manche Pop-Jüngelchens...


    "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."

  • Dann auch mal meine Liste - freilich wieder nur Zeugs, über das sich streiten ließe:

    Coldplay - the speed of effeminacy. Wer jetzt noch (neues) von Coldplay hört, hat den Knall noch nicht gehört. Musik für Menschen, die sich ihre Wände mit utopisch gemalten Landschaften zumüllen, Musik für gefühlig-naive Realitätsbekämpfer. Leider ein Beweis, dass auch Georg Christian Lichtenberg irrte, wenn er sagte, dass mehr Kenntnis von Humor und Musik das Bedürfnis nach immer feineren Verhältnissen wecke. Leider nein.

    The White Stripes - tut mir echt leid, aber egal wie gekonnt das Duo auftritt, es bleibt in meinen Ohren Rockmukke für den geneigten Hipster bzw. Zujunggebliebenen. Mit der unendlich stumpfen Fußballhymne nach gekonntem Beginn endgültig ins Aus geschossen.

    Linkin Park - Entschuldigung, wer das je für eine interessante Musik hielt, oder für so ne Art Nu Metal, sollte seinen Horizont mal via pitchfork, tinymixtapes, Quietus oder anderen lustigen Review-Seiten erweitern. Dringend.

    Lana del Ray - Man nehme ein sexy Häschen mit erotisch-tiefer Stimme, bastle ein paar einfache Songs im retro-Gewand, fertich. Es gibt aber ne gute Edelkitsch-Alternative: Bat for Lashes.

    Lady Gaga - der Name sagt alles.

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Ach Wulf, und ich dachte, Du hättest Ahnung... :whistling:

    Jack White ist hochgenial. Und ein Vollblut. Nicht so eine Schindmähre wie so manche Pop-Jüngelchens...

    Ach Wulf, und ich dachte, Du hättest Ahnung... :whistling:

    Jack White ist hochgenial. Und ein Vollblut. Nicht so eine Schindmähre wie so manche Pop-Jüngelchens...

    Ach Wim, habe ICH auch. ;+) Hochgenial? Ich denke, das ist mit einem gewissen Augenzwinkern zu sehen. Wir wollen doch nicht so inflationär mit dem Begriff des Genies umgehen. :D Ich mochte die frühen Sachen noch sehr gerne - diese dämliche Fußballhymne dann aber.....uargs :S
    Nene. Dann ziehe ich den wirklich begabten Damon Albarn vor, der früher bei Blur agierte, die ja gewissermaßen die Gegenspieler von Oasis..............ah, jetzt wird mir deine Abneigung klar...... :rolleyes:

    Ansonsten gehen wir doch konform. Was sich heutzutage Rock schimpft und durch die Charts dümpelt, ist kaum zu etragen.

    :wink:

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Die White Stripes gibt´s doch gar nicht mehr. J.W. hat dann die Raconteurs mitinitiiert, das ist fast noch massenkompatibler, doch auch da gibt es noch ganz hörbare Klamotten, wie z.B. "Level":

    "

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    Abgesehen davon, sind mir externe Kriterien wie z.B. "Wenn so viele Idioten dies und jenes hören, kann es ja nicht (mehr) gut sein", wie Du weißt, schnuppes. Das ist die "bemühte Originalität", gegen die ich hier ja immer gewettert habe. Und genau aus diesem Grund hatte ich mir seinerzeit bei Euch im Forum auch Oasis auf die Fahnen geschrieben. War doch nur Blödelei. Ich fand sie damals in den allerersten Jahren gut, aber da war ich ja auch noch sooo jung. Die haben nur einen wirklich coolen Song gemacht, un der heißt "Gas Panic".

    "

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    "In the year of our Lord 1314 patriots of Scotland, starving and outnumbered, charged the field of Bannockburn. They fought like warrior poets. They fought like Scotsmen. And won their freedom."


  • Nö.

    Und doooooch!


    Zitat

    Ersetze The National

    Nö.

    Zitat

    durch die völlig überschätzten Stripes, dann wird nen Schuh draus.

    Die kenne ich gar nicht erst.

    Adieu,
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Ja, ich erinnere mich. Mitunter wirkte es so, als ob Du dich zum Advokaten eines "gesunden Volksempfindens" berufen fühltest, im Gegenzug von "Kritikern" hochgehaltene, eher massenunkompatible Alben a priori kraft deiner Wassersuppe abwatschend. :whistling: ;+)

    Danke für die Links, werde ich mir mal anhören. Ach, von meiner Liste sind ja gerade aufgrund von "De Stijl" und wegen des Debüts die weißen Streifen am ehesten wieder zu streichen - und auch "Icky Thump" enthält einige gute Momente, deshalb fand ich es ja schade, dass ein so vielversprechender Beginn so massenkompatitte wurde - vielleicht war es nie ihr Anliegen, so lange sie noch existierten, aber Kleiderwechsel hätte dem Kaiser hin und wieder gut getan, so einiges klang mir irgendwann zu sehr nach Aufguss.

    Und Du leihe vielleicht nochmal dem Plastik Strand-Abum und dem neuen unter eigenem Namen geknüpften Everdays Robot-Album dein gräfliches Ohr. Gerade Plastic Beach enthält dorch recht kreatives Songwriting.

    :wink:

    "Gar nichts erlebt. Auch schön." (Mozart, Tagebuch 13. Juli 1770)

  • Lady Gaga - der Name sagt alles.


    Och, Bad Romance fand ich schon ganz gut. Und zwar nicht nur wegen dem Bach-Zitat zu Anfang & Ende des Videos. Sonst kenne ich aber eigentlich auch keine Lieder von ihr.

    Nur weil etwas viel Arbeit war und Schweiß gekostet hat, ist es nicht besser oder wichtiger als etwas, das Spaß gemacht hat. (Helge Schneider)

  • The White Stripes - tut mir echt leid, aber egal wie gekonnt das Duo auftritt, es bleibt in meinen Ohren Rockmukke für den geneigten Hipster bzw. Zujunggebliebenen. Mit der unendlich stumpfen Fußballhymne nach gekonntem Beginn endgültig ins Aus geschossen.[/quote

    :boese:

    White Stripes waren zu besten Zeiten vor allem Son House, viel ganz direkt gecovert, anderes ganz nah dran, bloß mit viel Verzerrer und kräftigen Drums. Und Son House war einer der genialsten Blueser überhaupt. Der läßt sich gar nicht komplett verhunzen. Aber Jack White gelang sehr oft das Gegenteil, elektrische Frischzellenkur bei Erhaltung der Rauheit der ökonomisch und einfach gehaltenen Grundpattern, da dann aber, wie bei Son House selbst, Hochvirtuoses reingeschmuggelt, ohne, dass es die einfach-raue 'Oberfläche' manieristisch 'verfeinert', was ihr den Drive nehem würde. Das muß man erst mal so hinbekommen!

    [quote='Graf Wetter vom Strahl','index.php?page=Thread&postID=322039#post322039']Jack White ist hochgenial. Und ein Vollblut. Nicht so eine Schindmähre wie so manche Pop-Jüngelchens...

    :yes: Der aus dem Schattenreich Auferstandenen weiß, wovon er spricht. :klatsch:

    :wink: Matthias

  • Coldplay

    Linkin Park

    Limp Bizkit

    Trifft bei mir in die gleiche Kerbe:

    Coldplay - nett anzuhören - ganz nett; habe ich anfangs immer namentlich mit Radiohead verwechselt: Entschuldigung, RH - sowas habt ihr nicht verdient... ;(
    Linkin Park - nie begriffen, was daran toll sein soll, einfach nur dürftig und ohne Esprit... :shake:
    Limp Bizkit - nichts im Gedächtnis haften geblieben außer dem einen: sie haben sich an The Who vergangen - die gottverdammten S... :wut2:

    Zusätzlich nominiere ich:

    Korn - ich habe eine Best-of-Compilation von denen gehabt und sie zweimal gehört: öde, öde, öde... :shake:

    ----

    Für alle gilt: lieber höre ich mir das Schmalzigste von ABBA (Fernando... [Blockierte Grafik: http://www.rpgboard.de/smileys/kotz.gif] ) an - dreimal hintereinander...


    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

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