Welche Stücke sind als Zugabe geeignet?

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Zugaben für Sänger und Instrumentalisten?

    Gute Zugaben zu finden ist gar nicht so leicht.
    Ich sehe es auch so - es kommt auf das Konzert selbst an, den Charakter desselben, was als Zugabe passt.
    Ein schmissiges Neujahrskonzert verträgt einen Rausschmeißer, ein seriöses Kammerkonzert vielleicht auch - aber da sollte man das Gesamtprogramm anschauen.


    Ich suche momentan eine Zugabe der ersteren Art: einen wirklichen Rausschmeißer, und zwar für Sopran, Klavier, evtl. auch mit Violine oder anderen Instrumenten. Aus Oper, Operette oder Musical vielleicht?
    Nachdem Offenbachs Schwipslied aus La Pericole beim Publikum, egal wo, wahre Begeisterungsstürme hervorrief ( :cry: ), soll es nun aber mal etwas anderes sein! Schmissig und/oder lustig darf es gerne sein!
    Danke für Vorschläge!

  • In einem Liederabend mit Sophie Koch (da war sie noch nicht so bekannt wie heute) hatte sie mal von Robert Stolz "Du sollst der Kaiser meiner Seele sein" (aus der Operette "Der Favorit") als Zugabe gegeben. Das ist zwar nicht gerade schmissig, zeigt aber wie gut so manches Operettenlied klingen kann, wenn es entsprechend vorgetragen wird.
    Ansonsten fällt mir spontan "Voyage a Paris" von Francis Poulenc ein. Lebensfreude pur.


    Eusebius

    "Sie haben mich gerade beleidigt. Nehmen Sie das eventuell zurück?" "Nein" "Na gut, dann ist der Fall für mich erledigt" (Groucho Marx)

  • Zitat

    Ansonsten fällt mir spontan "Voyage a Paris" von Francis Poulenc ein. Lebensfreude pur.


    Kurz, aber pfiffig! Oder man geht an den Rand des Kunstliedgenres und macht ein echtes Chanson: Les chemins de l'amour.


    Das gefiele mir besser als jene Streichquartette, die zum Beweis ihrer Weltoffenheit unbedingt meinen, nach Schuberts Der Tod und das Mädchen noch ein wenig auf der Tango-Welle mitschwimmen zu müssen.


    :wink: Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Hinweis: Die nachfolgenden Beiträge wurden aus dem "Wo wir so hingehen - Anstehende Besuche von Oper, Theater und Konzert"-Thread in diesen bestehenden Thread verschoben, da das inhaltlich besser passt.
    Die Moderation


    Ach übrigens: "Für Elise" ist oben zwar satirisch gemeint, aber in der real existierenden Kulturlandschaft kein Scherz. Wurde, wenn man der Rezension im Hamburger Abendblatt Glauben schenken darf, am Wochenende von Lang Lang allen Ernstes als Zugabe nach den Goldbergvariationen (!) gespielt. Das Lang Lang-Publikum dürfte sich gefreut haben ...

    Ich finde, "Für Elise" ist als Zugabe ein völlig legitimes Statement. Je nachdem ist es sogar mutig, weil man da nun wirklich bei jedem und jeder Hörerwartungen irritieren kann. Und wenn ein Dudel-Weltstar wie Lang Lang das macht, entbehrt es auch nicht einer gewissen Selbstironie.

    ...auf Pfaden, die kein Sünder findet...

  • Ach übrigens: "Für Elise" ist oben zwar satirisch gemeint, aber in der real existierenden Kulturlandschaft kein Scherz. Wurde, wenn man der Rezension im Hamburger Abendblatt Glauben schenken darf, am Wochenende von Lang Lang allen Ernstes als Zugabe nach den Goldbergvariationen (!) gespielt.

    In der Originalversion oder seiner eigenen "lang Lang"-Version ? :D

    Viele Grüße - Allegro


    "Musik ist ... ein Motor, Schönheit, Intensität, Liebe, Zauber, alles in allem: ein Elixir." Lajos Lencsés

  • Ach übrigens: "Für Elise" ist oben zwar satirisch gemeint, aber in der real existierenden Kulturlandschaft kein Scherz. Wurde, wenn man der Rezension im Hamburger Abendblatt Glauben schenken darf, am Wochenende von Lang Lang allen Ernstes als Zugabe nach den Goldbergvariationen (!) gespielt. Das Lang Lang-Publikum dürfte sich gefreut haben ...

    Meine Frau war im Konzert und unabhängig voneinander auch ein Kollege von mir mit seiner Frau. Gänzlich unterschiedlich fielen die Berichte aus. Sie fand es weniger schön, er war begeistert. Sie mag Bach ohnehin nicht (eine Freundin fragte, ob sie mit wolle, eine Karte war über), er schon. Möglicherweise sucht Lang Lang nach seiner Sehnenscheiden-Entzündung nun ja tatsächlich nach so etwa wie Tiefe in der Musik. Dafür spricht Bach, auch die Kritik im Abendblatt war ja positiv, dagegen Elise. Denn ja, tatsächlich, so war es. Das Publikum hat dann auch offenbar mehrheitlich die Stirn gerunzelt. Von Ironie ließ sich nichts feststelle, meint meine Frau. Vor dem Bach gab es übrigens Schumanns Arabeske. Passt auch nicht zu Goldberg, finde ich.


    Ich war übrigens Montag in der Elbphilharmonie. 2G-Veranstaltung. Etwa ein Viertel der Personen wie auch ich zusätzlich durchgängig mit Maske.

  • Ich finde, "Für Elise" ist als Zugabe ein völlig legitimes Statement.

    Finde ich auch. Allerdings kommt es doch sehr auf den Kontext an. Bei den Goldberg-Variationen ist das Problem, dass jede Zugabe die zyklische Geschlossenheit wieder aufbricht. Auch das kann man zwar prinzipiell machen, aber dann müsste man mit der Werkwahl sozusagen einen Weg aus der Geschlossenheit in die Zukunft zeigen, und dazu eignet sich "Für Elise" dann wohl doch nicht. Gut passen würden z.B. die Webern-Variationen, aber dazu fehlt Lang Lang vielleicht der künstlerische Mut.


    Je nachdem ist es sogar mutig, weil man da nun wirklich bei jedem und jeder Hörerwartungen irritieren kann. Und wenn ein Dudel-Weltstar wie Lang Lang das macht, entbehrt es auch nicht einer gewissen Selbstironie.

    Das ist sehr freundlich gedeutet, aber Lang Lang irritiert (mich) bei seiner Darstellung von "Für Elise" (außer den andernorts beschriebenen Lesefehlern) höchstens durch triefende Sentimentalität, und die kennzeichnet auch weite Teile seiner Goldberg-Variationen. Die Erwartungen dürften insofern erfüllt und nicht irritiert worden sein.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Ich finde Für Elise auch gar nicht so verkehrt als Zugabe nach den Goldberg Variationen. Die reflektierende, introvertierte Stimmung nach der letzten Aria passt, der Komponist passt (Bach - Beethoven), das zyklische der Komposition passt (Variationen - Rondo), die Widmung oder Intention des Komponisten passt (zur Ergötzung des Gemütes), sogar passt das leicht Rätselhafte, welches beide Kompositionen umgibt.

  • Koroliov hat in Antwerpen nach den Golbergvariationen Mozarts "A vous dirai-je, maman" Variationen gespielt. Das flämische Publikum wird den "Witz" nicht verstanden haben. Das Konzert fand wenige Tage vor Weihnachten statt.

  • Die reflektierende, introvertierte Stimmung nach der letzten Aria passt, der Komponist passt (Bach - Beethoven), das zyklische der Komposition passt (Variationen - Rondo), die Widmung oder Intention des Komponisten passt (zur Ergötzung des Gemütes), sogar passt das leicht Rätselhafte, welches beide Kompositionen umgibt.

    Das passt zwar alles nicht, aber was nicht passt, wird halt passend gemacht. Dann passt's schon.

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Koroliov hat in Antwerpen nach den Golbergvariationen Mozarts "A vous dirai-je, maman" Variationen gespielt.

    Wie hat das auf Dich gewirkt? Ich finde es ebenso passend wie Elise. Wenn nicht sogar besser, da witzig, auch abgesehen von Weihnachten.

  • Ich kann mich generell überhaupt nicht für die Zugaben-Manie begeistern. Anscheinend fühlen sich viele Künstler unter Druck, dass so etwas gefordert wird.
    Ein Programm sollte doch gut überlegt sein und einer Logik folgen. Ich habe jedenfalls keine Lust, nach dem Hauptwerk des Abends am Schluss eines Konzerts mit einem beliebigen 3-Minutenstück aus der gerade verklungenen Welt herausgerissen zu werden. Ich bin jedenfalls froh, wenn z.B. nach der Hammerklaviersonate nichts mehr gespielt wird, genauso nach den Diabelli-Variationen oder den Goldbergvariationen.


    Ich kann mich allerdings an ein Konzert bei den Salzburger Festspielen, erinnern, bei dem Andras Schiff nach den Goldbergvariationen (vor der Pause) und den Diabelli-Variationen (nach der Pause) dann überraschend als „Zugabe“ den zweiten Satz aus op. 111 spielte. Das war in der Tat eine schlüssige Fortsetzung, die nichts beliebig Hergeholtes an sich hatte.

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Ein Programm sollte doch gut überlegt sein und einer Logik folgen.

    Finde ich auch, aber man kann - und sollte - ja auch die Zugabe(n) schon in dieser Logik planen. "Für Elise" nach den Goldberg-Variationen ist einfach nur blöd, aber es gäbe durchaus andere, stimmige Möglichkeiten. Den Arietta-Satz aus op. 111 nach Goldberg- und Diabelli-Variationen finde ich persönlich zwar logisch aber doch zu gewichtig. Das ist ja so, als ob man im Sterne-Restaurant nach einem Siebengang-Menü statt ein paar Pralinen zum Espresso noch ein Stück Sachertorte mit Sahne bekäme. Allerdings immer noch besser als die Curry-Wurst namens "Für Elise" :) .

    "Herr Professor, vor zwei Wochen schien die Welt noch in Ordnung."
    "Mir nicht."
    (Theodor W. Adorno)

  • Das war in der Tat eine schlüssige Fortsetzung, die nichts beliebig Hergeholtes an sich hatte.

    Saitenquälerin Hilary Hahn ließ im Anschluß von Schönbergs op. 36 regelmäßig ein Stück aus Bachs Partiten rüberwachsen; vermutlich um damit Verbundenheit von Schönbergs Mucke an Tradition rüberkommen zu lassen.....

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Ich habe jedenfalls keine Lust, nach dem Hauptwerk des Abends am Schluss eines Konzerts mit einem beliebigen 3-Minutenstück aus der gerade verklungenen Welt herausgerissen zu werden.

    Ja, klar.

    Ich kann mich allerdings an ein Konzert bei den Salzburger Festspielen, erinnern, bei dem Andras Schiff nach den Goldbergvariationen (vor der Pause) und den Diabelli-Variationen (nach der Pause) dann überraschend als „Zugabe“ den zweiten Satz aus op. 111 spielte. Das war in der Tat eine schlüssige Fortsetzung, die nichts beliebig Hergeholtes an sich hatte.

    Ja, passt gut, aber auch hier kann man sich fragen, wieso. Denn es sind hohe Ansprüche, die er da an sich stellt.
    Generell ist es sicherlich Ansichtssache, ob man etwas beliebig hergeholt empfindet oder nicht, denn es handelt sich um Musik. Und es kann auch sein, dass der Zusammenhang sich nicht jedem auf Anhieb erschliesst.


    Ich bin da irgendwie locker - wenn es ein tolles Konzert war, freue ich mich, wenn noch was gespielt wird. Dass es völlig ohne Zusammenhang erscheint, ist mir noch nie so gegangen. Vielleicht, weil es mir gar nicht in den Kopf kommt einem geschenkten Gaul ins Maul zu sehen. Ich sag danke und freue mich. Aus der Welt herausgerissen.....geht mir auch nicht so. Der Eindruck, den die Musik hinterlässt, entwickelt sich sowieso weiter. Es gab auch schon Applaus, man hat schon mit dem Nachbarn ein Wort gewechselt....usw.
    Es gibt ja wohl auch Künstler, die am liebsten gar keinen Applaus hätten, damit die Musik nachhallen kann.

  • Saitenquälerin Hilary Hahn ließ im Anschluß von Schönbergs op. 36 regelmäßig ein Stück aus Bachs Partiten rüberwachsen; vermutlich um damit Verbundenheit von Schönbergs Mucke an Tradition rüberkommen zu lassen.....

    Vielleicht war das der Grund, vielleicht war der Grund aber auch, dass nach meinem Eindruck Geiger*innen als Zugabe mit gefühlt 99%iger Wahrscheinlichkeit Stücke aus Bachs Partiten als Zugabe spielen (wovon ich jedes Mal ob der von mir so empfundenen Einfallslosigkeit relativ genervt bin). Kopatchinskaja hatte in Berlin nach Schönbergs op. 36 mit Ottensamer ein Milhaud-Stück bzw. am anderen Abend mit Delepelaire ein Ravel-Stück als Zugabe gegeben. Das fand ich eine tolle Idee, Orchestermusiker mit in die Zugaben einzubeziehen. (Ich meine, bei Isabelle Faust wär es letztens auch so gewesen...)

  • Das fand ich eine tolle Idee, Orchestermusiker mit in die Zugaben einzubeziehen.

    Gabriela Montero hat dies auch schon mal gemacht. Als sie in der Elbphilharmonie ihr eigenes "Latin Concerto" mit The Orchestra of the Americas unter der Leitung von Carlos Miguel Prieto aufführte, gab sie als erste Zugabe eine ihrer üblichen Solo-Improvisationen über ein vom Publikum vorgesungenes Thema. Für eine zweite Zugabe bat sie aber einen der Kontrabassisten und zwei der Schlagzeuger des Orchesters nach vorne - und schon kochte der Saal, als die vier drauflos jammten...

  • Es gibt ja wohl auch Künstler, die am liebsten gar keinen Applaus hätten, damit die Musik nachhallen kann.

    Wie ich hörte, hat sich Teodor Currentzis an allen drei Abenden im Festspielhaus Baden-Baden, an denen er mit musicAeterna im Rahmen der diesjährigen Herbstfestspiele auftrat, jeglichen Applaus verbeten. Also nicht etwa nur für die Nachhallzeit, sondern schlechthin.

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