Welche Stücke sind als Zugabe geeignet?

  • btw könnte doch das Finale der Eroica keine ganz schlechte Zugabe für das eine oder andere Symphoniekonzert mit so defaitistischem niederschmetterdem Mahler-Zeugs oder so sein... :pfeif:

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Genau. Zum Beispiel die Entscheidung, eine Oper auf der Bühne in der von Librettist und Komponist gedachten Zeit aufzuführen und nicht etwa in ganz anderem Kontext.


    Äpfel und Birnen. Die szenische Gestaltung einer Oper ist etwas anderes als die Planung eines Konzertprogramms.


    Haben wir vielleicht noch andere Themen für diesen Mix? Da wir die Zugaben jetzt schon mit der Geschlossenheit mehrsätziger Stücke und der Opernregie vermengt haben, könnte jemand vielleicht auch noch HIP oder die Frage nach Originalsprache in der Oper mit reinwerfen? Irgendwas wird das alles schon mit der Wahl von Zugaben zu tun haben.


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • btw könnte doch das Finale der Eroica keine ganz schlechte Zugabe für das eine oder andere Symphoniekonzert mit so defaitistischem niederschmetterdem Mahler-Zeugs oder so sein... :pfeif:


    Genau. Am besten nach Mahlers Neunter. Und danach dann noch "Für Elise" in einem Arrangement für Violine in Skordatur. So wie Austern mit Ketchup und Tabasco halt:


    https://www.youtube.com/watch?v=ttKY7jQ87To


    :D


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • Äpfel und Birnen. Die szenische Gestaltung einer Oper ist etwas anderes als die Planung eines Konzertprogramms.


    Haben wir vielleicht noch andere Themen für diesen Mix? Da wir die Zugaben jetzt schon mit der Geschlossenheit mehrsätziger Stücke und der Opernregie vermengt haben, könnte jemand vielleicht auch noch HIP oder die Frage nach Originalsprache in der Oper mit reinwerfen? Irgendwas wird das alles schon mit der Wahl von Zugaben zu tun haben.


    LG :wink:

    Oder einigen wir uns darauf, dass jeder einzelne beteiligte Musiker, bei jeder einzelnen Note und Pause eine Entscheidung trifft: nämlich, ob der Notentext auch wirklich umgesetzt werden sollte. Somit wäre dann auch dieses Thema in seine Atome dekonstruiert. :D

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Und danach dann noch "Für Elise" in einem Arrangement für Violine in Skordatur.

    nein, "Für Elise" ist der "Teufelstriller für Bratscher". hab ich von unserem Geiger gelernt.

    Am besten nach Mahlers Neunter.

    ich dachte eher an die Sechste. Aber ist vielleicht auch zu viel Lärm am Stück dann.

    Die englischen Stimmen ermuntern die Sinnen
    daß Alles für Freuden erwacht

  • Oder einigen wir uns darauf, dass jeder einzelne beteiligte Musiker, bei jeder einzelnen Note und Pause eine Entscheidung trifft: nämlich, ob der Notentext auch wirklich umgesetzt werden sollte. Somit wäre dann auch dieses Thema in seine Atome dekonstruiert. :D


    Man könnte es natürlich noch etwas allgemeiner fassen und feststellen, dass das ganze Leben aus Entscheidungen besteht. :D


    LG :wink:

    "Was Ihr Theaterleute Eure Tradition nennt, das ist Eure Bequemlichkeit und Schlamperei." Gustav Mahler

  • nein, "Für Elise" ist der "Teufelstriller für Bratscher". hab ich von unserem Geiger gelernt.


    Guter Punkt. Außerdem beginnen die Bratschen Mahlers Zehnte. Damit haben wir auch direkt eine Begründung für die Instrumentation der Zugabe.


    LG :wink:

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  • Bei einer Aufführung der "Eroica" alle Sätze der "Eroica" zu spielen erfordert sicherlich weitaus weniger Überlegung in der Entscheidungsfindung als die Frage, ob und was man als Zugabe nach den Goldberg-Variationen spielen möchte.

    Das kommt ganz darauf an, wie ernst man die Frage nimmt, würde ich sagen. Es soll Künstler geben, die sich keine Entscheidung leicht machen und für die sich nichts selbstverständlich von selbst erledigt. Die stellen sich zum Beispiel die Frage, was es bedeutet, diesen Satz an der Stelle zu spielen oder nicht. Und dieselbe Frage stellen sie sich möglicherweise bei jeder Note und jeder Pause. Ich glaube, es sind nicht die schlechtesten, die das tun.

  • Das kommt ganz darauf an, wie ernst man die Frage nimmt, würde ich sagen. Es soll Künstler geben, die sich keine Entscheidung leicht machen und für die sich nichts selbstverständlich von selbst erledigt. Die stellen sich zum Beispiel die Frage, was es bedeutet, diesen Satz an der Stelle zu spielen oder nicht. Und dieselbe Frage stellen sie sich möglicherweise bei jeder Note und jeder Pause. Ich glaube, es sind nicht die schlechtesten, die das tun.

    Dann ist es umso erstaunlicher, dass die Partitur der Eroica praktisch immer möglichst vollständig umgesetzt wird!

    Im Zweifelsfall immer Haydn.

  • Es soll Künstler geben, die sich keine Entscheidung leicht machen und für die sich nichts selbstverständlich von selbst erledigt. Die stellen sich zum Beispiel die Frage, was es bedeutet, diesen Satz an der Stelle zu spielen oder nicht. Und dieselbe Frage stellen sie sich möglicherweise bei jeder Note und jeder Pause. Ich glaube, es sind nicht die schlechtesten, die das tun.


    Diese Künstler gibt es sicherlich. Aber auch bei diesen Künstlern darf bezweifelt werden, dass sie auf jede Art von Entscheidung den gleichen zeitlichen, intellektuellen und emotionalen Aufwand verwenden.


    Nehmen wir mal das Beispiel Sokolov - ein Künstler, der sicherlich nichts als selbstverständlich ansieht und bei seinen Programmen vermutlich über der Auswahl der (zahlreichen) Zugaben lange brütet und dann bei jedem Stück über jede Note, Pause etc. nachdenkt. Wendet der den gleichen Aufwand an, um sich zu fragen, ob er von einer Beethoven-Sonate wirklich alle Sätze spielen soll? Das würde mich zumindest sehr wundern.


    LG :wink:

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  • Hier mal eine sehr passende Zugabe, auf die ich aufmerksam gemacht wurde. Gardiner wiederholt am Premierenabend die Schlussfuge aus Verdis 'Falstaff'. Er nimmt einfach einen kleinen Teil aus dem bereits gezeigten, präsentierten Programm.


    https://www.facebook.com/maggi…-UNK-UNK-UNK-AN_GK0T-GK1C


    (ab Minute 9)


    Habe ich übrigens, nicht in dieser Form, häufiger erlebt, dass der Künstler noch einmal einen kleinen Teil des vorhergehenden Programms wiederholt. Wäre dann vielleicht auch für die GbV oder KdF ein Tipp. ;)


    :wink: Wolfram

  • Aber auch bei diesen Künstlern darf bezweifelt werden, dass sie auf jede Art von Entscheidung den gleichen zeitlichen, intellektuellen und emotionalen Aufwand verwenden.

    Vom zeitlichen Aufwand war auch keine Rede. Er spielt auch keine Rolle. Manche sehr schwerwiegende Entscheidungen kann man schnell treffen, manche sehr leichtgewichtige brauchen sehr lange. Das ändert nichts daran, dass ein Künstler nichts machen sollte, weil es sich nun mal so ergibt. Und dass gerade die Frage, wie man anfängt oder wie man von einem Teil zu nächsten kommt, eine ist, die sehr gründlich bedacht sein will, steht wohl so ziemlich fest. Und dasselbe trifft natürlich auch für alle anderen Punkte auch zu: Wie sie aussehen und gestaltet werden (und ob) ist immer die Entscheidung des Künstlers, der das Stück darbietet.

  • Gestern spielte Igor Levit nach diesem Programm:

    das Trsitan Vorspiel als Zugabe.

    Es wirkte auf mich im Moment von der Stimmung her passend, und als ich es mir hinterher überlegte, auch verständlich.


    PS: war mein erster Besuch der Elbphilharmonie. Bei allem Lob für moderne Architektur, ihre Ideen usw....was für ein scheussliches Gebäude, scheusslicher Saal. Völlig steril. Keinerlei Atmosphäre im Foyer.

  • Als Kuriosum passt das hierher. Ich bin gerade zufällig darüber gestolpert.


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    Richtig erschrocken bin ich erst über das Video, wo er erläutert, was für eine wunderbar geniale Komposition das ist.


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    Aber sicher findet sich auch für dieses Stück ein guter musikalischer Grund, es als Zugabe nach den Goldbergvariationen oder einem Büschel Beethoven-Sonaten zu bringen...

  • Aber sicher findet sich auch für dieses Stück ein guter musikalischer Grund, es als Zugabe nach den Goldbergvariationen oder einem Büschel Beethoven-Sonaten zu bringen...

    Ganz sicher wird sich das finden. Zur wundervoll genialen Komposition selbst gibt es hier übrigens bereits eine eingehendere Würdigung:



    :alter1:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Das bereits vor über hundert Jahren damit verbundene Geschäftsmodell könnte genial gewesen sein. Ansonsten - es tut mir leid - gibt es für mich kein zweites Stück in der Musikgeschichte, das seine Banalität so knüppeldick heraushängen lässt. Verglichen etwa mit so dezenten Kitschnummern am Klavier wie dem Hochzeitstag auf Troldhaugen von Grieg, der Toccata von Khatschaturjan oder dem Frühlingsrauschen von Sinding - da kann man sich halt noch streiten jeweils.


    Von Lang Lang habe ich noch nie etwas gehalten. Da bin ich längst voreingenommen und reihe mich vielleicht auch nur ein in die Schar arroganter Mitschwimmer. Doch mit solchen Äußerungen, wie oben verlinkt, bestätigt er halt jegliche Voreingenommenheit. Oder ist das eine besondere Form von Humor auf seiner Seite?


    :) Wolfgang

    He who can, does. He who cannot, teaches. He who cannot teach, teaches teaching.

  • Ansonsten - es tut mir leid - gibt es für mich kein zweites Stück in der Musikgeschichte, das seine Banalität so knüppeldick heraushängen lässt.

    Hallo Wolfgang,

    ich habe zurückgeblättert und gelesen ... kann aber beim besten Willen nicht festellen, auf welches Stück sich Deine Meinung bezieht !??!


    :) Und Khatchaturian finde ich generell gut, auch als Zugabe die Toccata für Klavier, an der ich nichts kitschiges feststellen kann.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Bein einem Sinfonischen Konzert mit Pepp und den Sall noch mal richtig positiv auf zu mischen, finde ich als Zugabe

    von Ginastera: Malambo (aus dem Ballett Estancia) einfach genial ... besonders bei Konzerten mit Gustavo Dudamel an Spielfreude und Humor unerreicht:


    Leider kann man bei Capricco keine MEDIA-Dateien einstellen, deshalb hierder YT-LINK:

    :spock1:


    Malambo mit dem Simon Bolivar Youth Orchestra of Venezuela

    von den Salzburger Festspielen 2008


    Oder noch ausgelassener LIVE aus Tokyo vom Dezember 2008 aus dem Tokyo Metropolitan Art Space:

    Yeah !!!!

    :spock1: :cincinbier: :cincinbier:


    Malambo LIVE aus Tokyo 12-2008

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

    Einmal editiert, zuletzt von teleton ()

  • Das "Gebet der Jungfrau" ist in Asien wesentlich beliebter und gängiger als hier. Den Sport, die eigene Geschmackssicherheit in Ablehnung dieses "Kitsches" zu demonstrieren, kennt man dort wohl nicht so - könnte man als Vorbild nehmen.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Leider kann man bei Capricco keine MEDIA-Dateien einstellen

    Aber sicher doch!


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    Bernd


    Fluctuat nec mergitur

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