Stirbt das Klassik-Publikum aus?

  • Wäre denn ein Froum bereits inklusiv zu nennen, wenn es User mit fachlichen und/oder argumentativen Einschränkungen akzeptiert?

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Das ist jetzt sehr OT.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Auf der einen Seite ist der Kulturbetrieb schon total inklusiv und schließt niemanden aus.

    Theoretisch ist das so. Es wird aber in manchen Milieus/Kreisen anders wahrgenommen. Das könnte uns egal sein (und putto ist es - mit gutem Recht (und das meine ich ernst) - offenbar egal), wenn nicht das hier gelten würde:

    Auf der anderen Seite muss der Kulturbetrieb viel inklusiver werden, um seine Relevanz zu behaupten.

    :jaja1:

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Egal ist es mir nicht, sonst würde ich mich ja nicht darüber ärgern.

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  • Mein Gott, sind die angepasst!

    Weiß nicht, ob "angepasst" das hier passende Attribut ist. Die sind vor allem fremd und unsicher - die versuchen sich anzupassen, kennen aber gar nicht die Regeln des Systems, an das sie sich anpassen wollen/sollen/müssen.

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Vielleicht liegt es ja doch am Gegenstand.

    Man verzeihe mir das Bonmot - "Je größer das Wissen, desto größer das Staunen" (Alfred Brendel)

    Heißt umgekehrt: Wenn ich kein Vorwissen mitbringe, ist dann mein Vergnügen bereits eingeschränkt?

    Wir sehen ja im fürstlichen Parallelthread zur Erstbegegnung mit dem "Ring", wie das so läuft - ohne ein sehr großes Maß an Vertrauensvorschuss in das Werk scheint es nicht zu funktionieren. Was ist, wenn jemand diesen Vertrauebsvorschuss nicht mitbringt?

    Bernstein sah im Informieren über die Zusammenhänge einen guten Weg zur Vermittlung von klassischer Musik und zum Erzeugen von Interesse dafür. Ich neige dazu, ihm zuzustimmen.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Also Beethoven ist nur Beethoven geworden, weil sein Vater Alkoholiker war?

    Ne, gerade nicht "nur" deshalb. :) Aber Beethoven ist eben auch nicht "nur" deshalb Beethoven geworden, weil irgendwie in ihm drin "Begabung" und "Genie" steckte.

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • ... aber dass er mitten in der Nacht dazu geprügelt wurde, seine Tonleitern zu üben, hat ihm ALS PIANIST nicht geschadet.

    Wobei ich auf keinen Fall für solche Methoden plädieren will. Bei Chinawunderpianistinnen schaut man/frau vielleicht aber auch nicht so genau hin.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Deshalb liegt die Zukunft der klassischen Musik im fernen Osten, keine Frage.

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  • Wäre denn ein Froum bereits inklusiv zu nennen, wenn es User mit fachlichen und/oder argumentativen Einschränkungen akzeptiert?

    Ne, nicht wenn es sie nur "akzeptiert" (im Sinne von erstmal "zulässt"), sondern dann, wenn bei den fachlich und argumentativ "starken" User:innen Bereitschaft besteht, die fachlichen und/oder argumentativen Einschränkungen, die in Beiträgen ggf. deutlich werden, nicht zum Anlass der Depotenzierung zu nehmen. ;)

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Wenn ich kein Vorwissen mitbringe, ist dann mein Vergnügen bereits eingeschränkt?

    Da ist sicherlich was dran. Aber: Das zunächst eingeschränkte Vergnügen kann ja auch dazu führen, dass man neugierig wird und sich - um das Vergnügen zu steigern - Wissen aneignet.

    Du schreibst es hier ja selbst:

    Wir sehen ja im fürstlichen Parallelthread zur Erstbegegnung mit dem "Ring", wie das so läuft - ohne ein sehr großes Maß an Vertrauensvorschuss in das Werk scheint es nicht zu funktionieren.

    Wobei ich mich frage, warum du eine Negativklausel (ohne ... nicht) verwendest. Denn was wir in dem Thread sehen, ist ja dass es funktioniert, wenn man dem Werk - wie es der Fürst tut - jenseits der kolportierter Vorurteile einen Vertrauensvorschuss entgegenbringt.

    Und wenn in anderen Fällen das hier gilt:

    Was ist, wenn jemand diesen Vertrauebsvorschuss nicht mitbringt?

    könnte man auch auf die Idee kommen, Vertrauen in das Werk aufzubauen. Aber das wäre halt Arbeit und wer will die schon... ;)

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Hat aber erstmal mit Genie und Begabung nichts zu tun, oder?

    Leute, die sich damit auskennen, sagen solche Dinge wie "Genie und Begabung sind wichtig, noch wichtiger ist aber Fleiß".

    Ne, nicht wenn es sie nur "akzeptiert" (im Sinne von erstmal "zulässt"), sondern dann, wenn bei den fachlich und argumentativ "starken" User:innen Bereitschaft besteht, die fachlichen und/oder argumentativen Einschränkungen, die in Beiträgen ggf. deutlich werden, nicht zum Anlass der Depotenzierung zu nehmen. ;)

    Wenn Einigkeit über das Vorhandensein präexistenter fachlicher und/oder argumentativer Einschränkungen besteht, dann kann doch keine Rede von nachgelagerter Depotenzierung sein, oder?

    Es ginge m. E. mehr darum, die Denkansätze der fachlich und/oder argumentativ eingeschränkten User:innen zu würdigen und konstruktiv in die Diskussion zu integrieren.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Es ginge m. E. mehr darum, die Denkansätze der fachlich und/oder argumentativ eingeschränkten User:innen zu würdigen und konstruktiv in die Diskussion zu integrieren.

    Das geht bekanntlich so: "Lies diese 700 Seiten, dann würdest Du etwas verstehen, eine kurze Erläuterung bringt nichts".

    8)

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
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  • Wenn Einigkeit über das Vorhandensein präexistenter fachlicher und/oder argumentativer Einschränkungen besteht, dann kann doch keine Rede von nachgelagerter Depotenzierung sein, oder?

    Naja, es kommt eben darauf an, wie man auf "Defizite" oder "Einschränkungen" hinweist. Klar, wenn jemand mit dem Habitus des Fachmenschen auftritt, aber nur fachlichen/sachlichen bullshit oder c&p-Beiträge oder Gemeinplätze absetzt, ist es etwas anderes, als wenn jemand offen deutlich macht, dass er/sie gerade erst etwas kennenlernt/sich etwas erarbeitet.

    Meine drei Groschen ...

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Das zunächst eingeschränkte Vergnügen kann ja auch dazu führen, dass man neugierig wird und sich - um das Vergnügen zu steigern - Wissen aneignet.

    Unbestritten. Es erfordert halt eine wie auch immer geartete Erstbegegnungen mit dem Fremden.

    Wobei ich mich frage, warum du eine Negativklausel (ohne ... nicht) verwendest.

    Habe ich gar nicht drüber nachgedacht.

    Denn was wir in dem Thread sehen, ist ja dass es funktioniert, wenn man dem Werk - wie es der Fürst tut - jenseits der kolportierter Vorurteile einen Vertrauensvorschuss entgegenbringt.

    ... "dass es funktionieren kann" ...

    könnte man auch auf die Idee kommen, Vertrauen in das Werk aufzubauen. Aber das wäre halt Arbeit und wer will die schon... ;)

    Ich bin ganz dabei beim Thema "Vertrauen aufbauen". Aber: Wie? Bei jemandem, der ein Opernhaus, einen Konzertsaal wegen "negativer Distinktion" nicht betritt?

    Von dieser Feststellung ist dann die Folgerung simpel: Offenbar müsste sich der Kontext der Präsentation von Musik ändern, damit der Aufbau von Vertrauen überhaupt geschehen kann.

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Was ist, wenn jemand diesen Vertrauebsvorschuss nicht mitbringt?

    könnte man auch auf die Idee kommen, Vertrauen in das Werk aufzubauen. Aber das wäre halt Arbeit und wer will die schon... ;)

    Also wenn jemand weiß, dass er etwas ablehnt, dann habe ich keine Missionierungsbedürfnisse mehr.

    Unser Fürst ist sowieso Klassikliebhaber und Opern- und Konzertpublikum.

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  • Bei uns zu Hause musiziert die mittlerweile dritte Generation - und alle zusammen, inkl. Schwiegerkinder. Und alle gehen in Konzert/Oper, sofern bereits alt genug. Der Rest brennt drauf, auch mal mitzudürfen und kommt zum Operngucken auf Youtube. Zum Computerspielen aber auch. Die Vermutung ist korrekt: Priveligiert.

    Algabal hat hier schon nachgefragt (inwieweit privilegiert?), ich schließe mich mal an: Ich höre gern Beethoven und Lachenmann und finde Heavy Metal schrecklich und öd. Bin ich jetzt privilegiert gegenüber jemandem, der Heavy Metal mag und Beethoven und Lachenmann schrecklich und öd findet?

    Meine Antwort würde lauten: Nein, bin ich nicht. Ich wüßte auch nicht, wie sich ein Ja plausibel begründen ließe.

    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz

    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

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