Stirbt das Klassik-Publikum aus?

  • Ich mag Deine Postings manchmal

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
    playing in good Taste doth not confit of frequent Passages, but in expressing with Strength and Delicacy the Intention of the Composer (F. Geminiani)

  • Ich kann die Welt nicht retten

    ...aber mir bitte mal Einblick in eine Konzertbesprechung von Dir, geschätzter Herr Dr., gewähren - wenn nicht öffentlich, dann per PN. Wobei ich denke, dass Herr Dr. putto u.a. sich auch darüber freuen dürften (vielleicht unter "Presseschau" mit Hinweis auf meinen Wunsch, da mir Deine Bescheidenheit und Dein Nichthang zur Selbstdarstellung sehr wohl bewusst sind).

    Ich schreib's mir auf und mach's bei Gelegenheit auch gern, werter Bernd! Nur privat, und das hat noch nicht einmal mit Selbstdarstellung und Bescheidenheit zu tun - wobei ich zwar Selbstdarstellung wirklich nur ironisch schätze, aber in musikalischen Dingen schon auch unbescheiden sein kann. Sondern mit dem Presserecht, das ich zwar nicht so genau kenne, aber dem ich nicht über den Weg traue ...

    Wegen off topic habe ich in diesem Faden übrigens keine Probleme! :P Was die Weltrettung und so anbelangt - und nur damit kein falscher Eindruck besteht: Zwar interessiere ich mich nicht für Orangen - aber ich kann mir sehr gut vorstellen, dass mich Ausbeutung dort ebenso anwidern würde wie woanders. Doch jetzt möge von meiner Seite wirklich Schluss sein!

    :thumbup: Wolfgang

    Alles klar und danke Dir, lieber Wolfgang. Du kannst m.E. nach Presserecht (Siehe auch die diesbezüglichen Hinweise der Forenregeln, die ich ja beim Zitieren anfangs nicht beachtete) sehr wohl zitieren. Aber ich stimme Dir zu, so ganz traue auch ich nicht dem Presserecht nicht. Zum anderen Punkt: bei mir ist kein falscher Eindruck entstanden. Mir ist klar, dass ein Mensch wie Du, egal wo, Ausbeutung verurteilt. Nicht nur auf Plantagen. Siehe Dein Hinweis auf den Verbrecher in Moskau. Und damit auch von mir Schluss mit OT. Freue mich auf eine Konzertbesprechung von Dir in PN.

    :verbeugung2:Bernd

  • Nix Klassenkampf oder Abgrenzung gegen wen auch immer.

    ...dann glauben die das halt und meinen, man wolle sie nicht dabeihaben. Dabei stimmt das weder beim Tennis noch bei der Musik. Im Gegenteil.

    Punkt 1: Ja!

    Punkt 2: Ja!

    Wir (logo nicht alle) wollen sie ja dabei haben - aber "sie" müssen es halt auch wollen. Wollen sie es nicht, aus welchen Gründen auch immer, dann werden "wir" es nicht schaffen oder nur schwer (individuell statt pauschaler Analyse - ja!). Ansätze und für wen notwendig als Aufforderung zum Handeln, wurden hier hinreichend und, wie ich finde, auch erschöpfend erörtert.

  • ...zumal "wir"... "sie" brauchen, ob im Publikum oder (vielleicht) später auf der Bühne. Dann stirbt nix aus außerhalb des natürlichen Sterbens.

    Ameeeeeeeeeen!

    Gebt uns mehr Gemeinplätze! Bitte! Noch mehr davon! Mehr Tennis, mehr Golf, mehr Wembley, mehr schwäbische Pietisten-jeder-kann-alles-wenn-er/sie-nur-will-Ideologie, mehrmehrmehr. Rotary ist vollinkulsiv. Klar. Du musst nur wollen, mein/e Liebe/r. Jo. Man muss sich einfach etwas zur Decke strecken.

    Ich bin’s zufrieden und höre ab jetzt wieder Musik. Und schreibe darüber. Das ist der Zweck dieses Forums. :)

    Adieu
    Algabal

    Ps: ich habe übrigens überhaupt kein Problem. Nur weil danach gefragt wurde. Ich bin einfach interessiert. Ist eine Berufskrankheit offenbar.

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Ameeeeeeeeeen!

    Gebt uns mehr Gemeinplätze! Bitte! Noch mehr davon!

    Deo gratias! Gemeinplätze statt pauschaler Beurteilung über die Desinteressierten im persönlichen Umfeld - ja, das ist gut. Dass Du kein Problem hast, merke ich an Deinen Beiträgen und das freut mich wirklich - ist ernst gemeint! Ich jedenfalls habe das auch nicht behauptet. Alle Vergleiche hinken, wie wir wissen, der mit Rotary besonders. Nichts von Deinen Schlussfolgerungen lässt sich aus meinen Thesen begründen. Aber egal, wie Du manchmal einen Post so schön beendest :wink:...

  • Es ist erstaunlich, wie viele Missionare hier unterwegs sind. Dabei meine ich, dass das Missionieren in der Vergangenheit nicht immer ruhmreich war… :jaja1:

    Man sollte vor allem bedenken, dass die sogenannte „klassische Musik“ nicht der Nabel der Welt ist, sondern nur ein Teil der Kultur im allgemeinen, die doch viel mehr umfasst: Literatur, Theater, bildende Kunst, und eben auch andere Musikformen wie Musical, Jazz, Rock,… und vielleicht eben auch diese Andrea Berg (die mir bisher unbekannt war).

    Übrigens: zu Mozarts und Beethovens Zeiten wurde nur zeitgenössische Musik gespielt. J.S. Bach war völlig out…

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    Was ist heute Kunst ? Eine Wallfahrt auf Erbsen. (Thomas Mann, Doktor Faustus, Kap. XXV)

  • Das ist jetzt aber etwas völlig Neues, nicht wahr …

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  • Man sollte vor allem bedenken, dass die sogenannte „klassische Musik“ nicht der Nabel der Welt ist, sondern nur ein Teil der Kultur im allgemeinen, die doch viel mehr umfasst: Literatur, Theater, bildende Kunst, und eben auch andere Musikformen wie Musical, Jazz, Rock,… und vielleicht eben auch diese Andrea Berg (die mir bisher unbekannt war).

    Da kann ich nur zustimmen. Deshalb hätte Peter Brixius in seiner Thread-Frage auch besser vom Kultur- statt vom Klassik-Publikum sprechen sollen. Wie, Andrea Berg war Dir bisher unbekannt? Da hast Du aber (nicht) viel verpasst...:wink:

  • Stimmt. Aber oft sind's dann ~4 Instrumente und nicht 100

    Das nennt man Kammermusik. Aber die goutiern sie vermutlich ebensowenig..? Was haben sie da für Argumente? Kein Schlagzeug?

    Und wenn dann noch ein Chor dazukommt, ist für einige sowieso Feierabend.

    Auch bei Sister Act? "Hail, Holy Queen" stammt übrigens aus dem Jahr 1687, heißt hierzulande "Gegrüßest seist Du, Königin" und ist im Kern das Salve Regina mit einem Refrain...

    Die Dame, die der Fürst erwähnt hat, die bei jedem widerlegten Argument ein neues nachschiebt, warum sie keine klassische Musik mag, kommt mir übrigens vor, wie manche kleinen Kinder beim Essen: "Das schmeckt mir nicht!" - "Hast du's schon probiert?" - "Nein!" - "Warum probierst du's dann nicht wenigstens?" - "Weil's mir nicht schmeckt!" - "Woher weißt du das, wenn du's nicht probiert hast"? - "Ich weiss es eben!" (Alle Eltern kennen wohl diesen oder einen ähnlichen Dialog)
    Wem nicht zu raten ist, dem ist nicht zu helfen. Präpotente Besserwisserei ist gelegentlich therapieresistent. Soll's unbestätigten Gerüchten nach auch bei Erwachsenen geben.

    Viele Leute haben 'Angst' vor [...]

    Ja. Die Angst zu versagen. Kennt jede*r. OK, lassen wir uns mal darauf ein: Was wäre für Euch die Situation mit der albtaummäßigsten Angst, zu versagen? Lasst mich raten: Alleine singen vor mehreren hundert oder gar tausend Menschen? (Die Sänger hier hören mal weg.) Ich bin mir ziemlich sicher, daß es das in geschätzten 95% aller Fälle trifft. In der Oper (und in anderen Genres) gibts Leute, die das trotzdem machen. Im Orchester, in der Kammermusik- und Soloszene gibt's ähnliche Versagensängste. Viele der Betroffenen nehmen Betablocker oder Psychopharmaka. Wenn's in der Musikszene die im Sport verwendete Dopingliste gäbe, wäre der öffentliche Musikbetrieb ziemlich eingeschränkt*). Da ist doch die Schwellenangst eine eher harmlose Variante. Vielleicht sollte man diese Kanditat*innen mal damit konfrontieren, dass die auf der anderen Seite noch viel mehr Angst haben... Aber zugestanden: Angst ist irrational. Auf der anderen Seite gibt es aber offensichtlich Menschen, die bereit wären, jemand an die Hand zu nehmen. Ob sie's annehmen, liegt bei den anderen.

    Das führt eigentlich auf ein ganz anderes Problem: Die Nicht-Klassik-Affinen brauchen die Klassikszene nicht. Die Klassikszene braucht aber einen zumindest konstanten Zustrom an Aktiven und Passiven, um die Altersverluste auszugleichen. Bei den Aktiven gibt es global wohl auf absehbare Zeit keinen Nachwuchsmangel. Wenn aber hierzulande die Anzahl der Passiven (das "Publikum") unter eine kritische Grenze sinkt, gibt es kleine Klassikszene mehr. Wer hat jetzt mehr zu verlieren?

    *) further reading: (OT)

    Musiker auf Betablocker - das Orchester
    Junge Musiker sind beim Probespiel für eine Orchesterstelle einer extremen Stresssituation ausgesetzt. Nicht selten greifen sie zu Betablockern, um ihre…
    dasorchester.de
    Tabuthema in der Klassik - Medikamenten-Missbrauch im Orchestergraben
    Viele klassische Musiker schlucken vor ihren Auftritten Betablocker. Ursachen liegen vor allem im System der Musikwelt.
    www.srf.ch
    Im Rampenlicht - Die Angst spielt mit: Berufsmusiker im Teufelskreis zwischen Lampenfieber und Tablettenkonsum
    Das Rampenlicht hat Schattenseiten. Viele Berufsmusiker leiden unter Bühnenangst. Jeder dritte hat deshalb schon zu Betablockern gegriffen – zu Medikamenten,…
    www.bzbasel.ch

    Da die klassische Musik nicht nur in der beklemmenden Konzertsituation stattfindet sondern auch zu Hause am Sofa konsumiert werden kann, ist die "Angst vor der klassischen Musik" schon "freischwebend". Sie ist nun mal komplexer, erfordert Aufmerksamkeit. Wenn man den ganzen Tag schwere körperliche Arbeit verrichtet, wird das nicht so gut funktionieren.

    komplexer? Ist das nicht ein bisschen arg pauschal? (Mir täten da schon ein paar gar nicht komplexe Gegenbeispiele einfallen..) ;)

    Ernsthaft: Ist das nicht genau so ein Vorurteil, wie so gerne kolportiert wird, um zu begründen, dass es einem nicht taugt ("ist viiiel zu komplex")?
    Ich oute mich mal als Kunstbanause: Ich muß (z.B.) das Adagio aus Mozarts Klarinettenkonzert nicht nicht beim Hören analysieren. Ich kann's auch einfach nur ganz banal genießen: als Adorno'scher Emotional- oder gar (horribile dictu!) als Unterhaltungshörer. So, jetzt ist es raus...:schwitz1:
    Das kann ich aber auch, wenn ich völlig am Ende in den Sessel sinke.

    Und wenn's tatsächlich so viel Aufmerksamkeit erfordern würde, dürfte man beim Autofahren keine klassische Musik hören. Ich kann allerdings nicht beurteilen, wie andere sie hören. Vielleicht fahren die ja dann tatsächlich nicht Auto dabei.

    Probleme sind nie monokausal.

    Ah geh'! Manche schon. Hast' schon mal den Tank im Auto leergefahren? Mir fällt da genau ein einziger Grund ein, warum der Motor ausgeht und warum er mit genau einer Massnahme wieder läuft... Grins1

    viele Grüße

    Bustopher


    Wenn ein Kopf und ein Buch zusammenstoßen und es klingt hohl, ist denn das allemal im Buche?
    Georg Christoph Lichtenberg, Sudelbücher, Heft D (399)

  • Ah geh'! Manche schon. Hast' schon mal den Tank im Auto leergefahren? Mir fällt da genau ein einziger Grund ein, warum der Motor ausgeht und warum er mit genau einer Massnahme wieder läuft... Grins1

    :) danke!

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • In your face:

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    Danke! Ich warte auf weiteres old(wo)mans-/ingenieursplaining. Aber ich werde es nicht mehr lesen.

    Adieu
    Algabal

    Keine Angst vor der Kultur - es ist nur noch ein Gramm da.

  • Noch was aus den mittelbadischen Kuhdörfern der 70er:

    Musik war da sehr präsent. Jedes Kaff hatte einen Musikverein, gegründet in den 20ern. Blasmusik. Und natürlich inklusiver als Fußball. Auch für Männer über 35 möglich, gegen Ende der 70er auch für Frauen. Migranten immer willkommen.

    Aber nix Klassik, nirgends. Das kam dann bei den Jüngeren auf individueller Basis. Und eine Minderheit der Älteren wurde so ca. ab 2000 auch zu Theater-Abonnenten (Karlsruhe). Teilweise auch wieder verscheucht, wegen inkompetentem Regietheater.

    PS: Bin gerade in Vietnam. Musik ist hier leider kein Thema. Südamerika ist da ganz anders.

  • Viele Leute haben 'Angst'...

    Ja. Die Angst zu versagen.

    Vielen Dank für die Ausführungen über Angst und all die anderen interessanten Aussagen, um die hier diskutierte Frage zu konkretisieren (ich greife bewusst nur zwei Punkte aus dem mit großer Sorgfalt erstellten und für mich bemerkenswerten Beitrag heraus). Ich bitte noch einmal um einen Hinweis, wer diese "vielen Leute" sind (nachprüfbare Erhebungen über Menschen, die ihre Scheu, ein Konzert aufzusuchen, dezidiert mit Angst begründen?) und welche ganz spezielle Angst das ist/welche Ängste das sind, die - außerhalb der Stimmen des hier aufgeführten persönlichen Umfeldes einiger User - genannt werden.

    Angst ist irrational. Auf der anderen Seite gibt es aber offensichtlich Menschen, die bereit wären, jemand an die Hand zu nehmen. Ob sie's annehmen, liegt bei den anderen.

    Ja und ja! Darauf wurde hier mehrfach hingewiesen. Diese Bereitschaft ist da, ob das Angebot angenommen wird, ist eine individuelle Entscheidung, die positiv zu beeinflussen ist, oder eben auch nicht.

  • Man müsste das System als Ganzes verändern

    Wie und wer und mit welchen konkreten Maßnahmen das "System als Ganzes" verändern?

    ...dass Leute klassische Musik (oder auch Kunstmuseen oÄ) aus strukturellen Gründen ablehnen oder schlicht Angst davor haben.

    Welche strukturellen Gründe sind das (außer den eigentlich widerlegten bzw. widerlegbaren der "Elite"/, der Regeln/ des Gefühls des "Ausgeschlossenseins"/ der Eintrittspreise etc.).

    Hier nach "Viele Leute haben Angst" in diesem Zitat: "...oder schlicht Angst davor haben". Wie vorhin schon gefragt, welche Angst ist das und wer kann/soll die (außerhalb der persönlichen Versuche im Umfeld) im "System" den Betroffenen nehmen?

  • Ich habe ja auch schon mehrmals gefragt. Da die beruflich befassten Personen "vom Intendanten zum Garderobenpersonal" nicht gemeint sind, sind nur die "arroganten Säcke im Publikum" das Problem. Dieses System lässt sich wohl nur durch Umerziehung in den Griff bekommen, Arbeitslager oder so.

    This play can only function if performed strictly as written and in accordance with its stage instructions, nothing added and nothing removed. (Samuel Beckett)
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