Eben geglotzt

  • Gestern abend:

    Es ist ja nicht wirklich der gelungenste Film über Jesus von Nazareth, aber sicherlich der abenteuerlichste. Barrabas ist ein jüdischer Revoluzzer, der mit Waffengewalt die Römer vertreiben will; Judas Ischariot ist ein Sympathisant der jüdischen "Volksfront" ( ;+) ), der Jesus verrät, um ihn zum Handeln zu zwingen. Pilatus ist ein ehrgeiziger Emporkömmling, der an gar nichts glaubt; Herodes Antipas ist ein abergläubischer, ängstlicher Trottel, der sich von seinen Trieben bestimmen läßt. Insgesamt ein recht flotter Bericht, frei nach Motiven aus den Evangelien.

    Der Film wurde von manchen Kritikern als "I Was A Teenager Jesus" veräppelt; tatsächlich wirkt Jeffrey Hunter etwas seltsam in dieser Rolle: er trägt eine Perücke, er wirkt sehr jung und theatralisch, und seine Szenen sind gar nicht so zahlreich. König der Könige schweift immer wieder auf die anderen Figuren wie Pilatus oder Lucius (ein römischer Kommandant, der seit über dreißig Jahren in Jerusalem lebt) ab. Das "politische" Umfeld wird dramatisiert und zu einer Art Befreiungsparabel verwurstet, in der Jesus' Botschaft als der einzig sinnvolle Ausweg hochstilisiert wird. Vielleicht das interessanteste an dieser Version, aber dennoch bleibt der Film in hohlen Phrasen stecken.

    Immerhin: es ist eine akkurat gestaltete Produktion, mit großem Aufwand in Spanien gedreht. Die Kameraarbeit ist ausgezeichnet, und es gibt einige Shots, die sind ungewöhnlich gestaltet worden (das Aufstellen des Kreuzes mit Jesus sieht man aus der Perspektive von der Spitze des Kreuzes aus). Die Kostüme sind sehr bunt, die Bärte als aufgeklebt fast immer erkennbar, die Frauen sehen alle viel zu schick aus, aber die Matte Paintings sind sehr gut eingefügt und die Massenszenen sehr gut arrangiert worden. Miklos Rozsa schrieb einen pompösen Score, der seine thematische Verwandschaft mit Ben Hur kaum leugnen kann: genau wie dieser geht er ins Ohr und ins Herz und unterstützt die Geschichte mit ihrer Emotion. Der Film als Eventproduktion - das ist König der Könige.

    Ein Wort zur Bluray: K n a l l e r b i l d q u a l i t ä t!!!!!!!!! Den Film so zu sehen, macht einfach doppelt Spaß. :thumbup:


    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • Der Ostermontag stand im Zeichen des Zelluloids:

    Neben Die Kanonen von Navarone die beste Verfilmung eines MacLean-Thrillers. Eine aufwendige, aber kurzweilige und spannende Adaption, zu denen Regisseur John Sturges immer wieder fähig war. Für mich ein Evergreen. :rolleyes: :thumbup:


    Danach Filmgeschichte pur:

    Ich sah mir die integrale Fassung an, die immerhin 41 Minuten länger als unsere deutsche Kinofassung ist. Dieser Film ist einfach außergewöhnlich: so konsequent, direkt und gnadenlos hat ein Film seine Figuren und dessen Umfeld selten beschrieben. Dabei kommt trotz mancher Verzweiflung auch der Humor nicht zu kurz, und man hat wirklich das Gefühl, daß eine lang vergangene Epoche vor Einem wiederaufersteht. Grandios!!!
    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:
    :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu: :juhu:


    jd :angel:

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  • Guten Tag.

    Ich habe ein paar freie Tage dafür genutzt, um mir längst überfällige Kinobesuche zu gönnen.

    Shame

    Hmm… Eigentlich mehr als „hmm“ habe ich zu diesem Film nix zu sagen.

    Wenn die erste Kollaboration zwischen Steve McQueen und Michael Fassbender schon so einen Film wie "Hunger" rausspringen ließ, dann steigt die Erwartung vom zweiten Film umso höher. Desto kann auch die Enttäuschung unendlich groß sein. "Shame" ist eine kurze Momentaufnahme eines Sexsüchtigen, der zwischen so vielen reizvollen Frauen vollständig sein eigenes Selbstbewusstsein verloren zu haben scheint. Der Film ist eine Art Neuinterpretation von "8 ½" mit viel Sex. Die idealtypischen Frauen - seine Schwester, die selbstgefährliche Romantikerin, die Arbeitskollegin, eine konservative Beziehungsgläubige, oder die U-Bahn-Frau, eine verheiratete Kokettierin - und ein Mann in Selbstverzweiflung sind nicht gerade so originell. Und die einzelnen Figuren haben so tiefgründige menschliche Psyche wie einen Kaffeetassenuntersetzer. Ich kann einfach nicht glauben, dass ein Sexsüchtiger bloß wegen der Konfrontation mit seiner Schwester, der Romantikerin, aus der Bahn geworfen wird. Warum? Wieso? Weshalb? Steve McQueen scheint sehr wenig Interesse zu haben, etwas hinter zu fragen. Umso brilliert (leider nur noch) seine kühle Bildkomposition, die einzig Mühe macht, die Leere der Psyche der Hauptfigur darzustellen. Ohne Michael Fassbender wäre der Film einfach unerträglich öde gewesen. Manche Kritiker spotteten über den Film als Küchentischpsychologie, aber wo gab’s denn überhaupt Psychologie in dem Film? "Shame" ist damit genauso misslungener "möchte-gerne-Fellini-Film" wie "Nine" von Rob Marshall (und der fast klinisch tote Film lebt auch nur wegen des Hauptdarstellers, Daniel Day-Lewis). Einmal hat ein amerikanischer Filmkritiker den Film "Drei" von Tom Tykwer als "Arthaus-Fassung von flotter Dreier" bezeichnet. "Shame" hat solche Bezeichnung eindeutig besser verdient. Und die nerventötende bedeutungsschwere Filmmusik von Harry Escott war einfach schlimm. Hmm…


    Barbara

    Da ich kein großer Fan von Christian Petzold bin, hatte ich auch keine große Erwartung von dem Film gehabt. Ich finde seine Filme so absolut gekünstelt arrangiert, dass alles in seinen Filmen nur noch puppenhaft agiert. Und große Puppenmeister wie Jan Svankmajer oder Jiri Barta sind oder waren in der Lage, die leblosen Puppen ins Leben zu wecken. Petzold macht das genau umgekehrt – alles in die Leblosigkeit zu stürzen. Erstaunlich war deshalb, dass alle Figuren von "Barbara" im Lauf des Films langsam den Lebenswillen gewannen. Petzoldtypisch detailbesessene Bilder sind wie immer schön anzusehen. Und wohltemperierte Filmfiguren dazu machen "Barbara" einen angenehmeren Petzoldfilm. Mich stört nur, dass Herr Petzold keine eigene Meinung über DDR haben zu scheint. Wenn der Film in DDR spielt, dann kann oder muss man unweigerlich eine bestimmte eigene Meinung dazu haben. Aber Herr Petzold bleibt dabei ziemlich 'neutral'. Hmm…


    Sonst habe ich noch "die Tribute von Panem" gesehen, aber der Film selbst war etwas zu lasch trotz des ziemlich interessanten Stoffs. Na ja…

    Schönen Tag.
    Penthesilea

    Auch Rom wurde nicht an einem Tag niedergebrannt - Douglas Adams

  • gestern leihweise die "Operation Walküre" gesehen.
    Und mich mit Schaudern an den bundesdeutschen Sturm im Wasserglas erinnert, weil Tom Cruise (*mitdemfingeraufihnzeig* -> Mitglied bei der bösen, bösen Scientology) den Nationalheiligen (den überaus überaus guten) Graf Stauffenberg verkörpern sollte, was er letzlich auch getan hat.
    Dieser Hollywoodfilm kann nicht mit dem deutschen Fernsehspiel zum gleichen Thema mithalten (u.a. aufgrund der kürzeren Laufzeit?), aber eigentlich sollte die BRD dankbar sein, dass Hollywood den Stoff hollywoodgerecht aufbereitet hat.
    Hollywoodgerecht bedeutet, dass vielleicht ein paar Amerikaner, die keine Ahnung von der Materie haben, wegen Tom Cruise ins Kindo gegangen sind und somit etwas dazugelernt haben. Schlecht ist er nämlich nicht, der Film.
    Und auch wir Deutschen haben anhand dieses Films etwas gelernt. Vielleicht über Stauffenberg, vielleicht über hyperventilierende deutsche Empörungsmaschinerien.

    Ins Gebüsch verliert sich sein Pfad, hinter ihm schlagen die Sträuche zusammen.

  • Gestern Abend dieser:



    Wie das halt so ist, wenn eine Schar hippiger Astronauten im Weltraum herumrast, um instabile Planeten zu zerstören. Prompt gerät man in Schwierigkeiten, weil sich eine Bombe weder entschärfen noch ausraten läßt.

  • Ärgerlich, wenn man Bomben das Denken überläßt: irgendwann halten sie sich für das Licht des Universums... :sparkle:


    jd ;+)

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

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  • Gestern Abend nach sehr langer Zeit endlich mal wieder gesehen: „Soylent Green“, der in Deutschland unter dem Titel „2022...die überleben wollen“ in die Kinos kam.
    Ich habe den Film als Kind verbotenerweise im Spätprogramm gesehen, und er hat mich damals sehr beeindruckt. Vor allem zwei Szenen habe ich nie vergessen: Sols Sterbeszene und natürlich die Schlußszene in der dieser gewisse Satz fällt... :D
    Charlton Heston habe ich nie für einen begnadeten Mimen gehalten, aber den Cop der zu spät begreift, was die Welt verloren hat kriegt er ganz gut hin.

    Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

  • Charlton Heston habe ich nie für einen begnadeten Mimen gehalten, aber den Cop der zu spät begreift, was die Welt verloren hat kriegt er ganz gut hin.

    Heston hatte irgendwie immer wieder das Glück (oder das Talent) gehabt, an wirklich guten Filmen mitzuwirken. Theoretisch hätte seine Karriere nach Khartoum (1966) beendet sein können; stattdessen ermöglichte ihm Planet der Affen (1968) eine Verlängerung um zehn Jahre. Robert Thorn in Soylent Green halte ich persönlich für eine seiner stärksten Rollen. Er war nie ein Charakterdarsteller, aber wenn etwas zu ihm paßte, war er durchaus überzeugend.

    Ich kenne den Film auch schon seit fast dreißig Jahren. Er hat nie an Durchlagskraft verloren, was wirklich was heißen soll. Eine echte SF-Perle.


    jd :wink:

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  • Höhepunkt des Films ist für mich immer noch Sols Sterbeszene, die mich sozusagen zweifach „erwischt“ hat: zum einen mit diesem Suizidzentrum in dem systematisch getötet und „schönes Sterben“ als Ausweg aus einer grauenvollen Welt angeboten wird. Ich glaube, in dieser Szene gehen Menschen im ganzen Film zum ersten und einzigen Mal freundlich miteinander um...sehr perfide und sehr wirkungsvoll.
    Zum anderen ist es ja bereits heute so, daß viele Zuschauer die Bilder die Sol während seines Sterbens sieht selber schon nicht mehr in freier Natur gesehen haben. Unsere Welt ist sicher nicht so trostlos wie die von „Soylent Green“, aber vieles von dem was Sol ein letztes Mal sieht ist heute schon in Gefahr.
    Und der Gedanke, daß Luxusappartements mit „eingebauter“ Konkubine (die als „Furniture“ bezeichnet wird) vermietet werden ist auch nicht soooo weit hergeholt wie es scheinen mag...

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  • Im ganzen Film ist ein latenter Zynismus zu erkennen, der sich aus der Vision einer überbevölkerten Welt einfach ergibt: Menschen werden nicht mehr als Individuen wahrgenommen, sondern als Masse. Wer Geld hat, hat auch Macht, sich sein Leben angenehmer zu gestalten. Und die, die gar nichts haben, werden als Unwertig behandelt; ich verweise nur auf die Szene, als Soylent Grün auf dem Markt ausgeht: danach gibt es einen Aufstand, der die Polizei anrücken läßt. Und was machen die? Die setzen Bulldozer ein, mit denen die Aufständischen in großen Schaufeln in Container gekippt werden, um sie vom Platz zu holen. So ein deutliches Bild an Menschenverachtung gibt es praktisch nur in diesem Film. Und Richard Fleischer, der Regisseur, wußte genau, warum er diese Szene so drehen ließ.

    Aber es stimmt, Mina: in Sols Sterbeszene ist auf einmal sowas wie Menschenwürde zu spüren; allerdings nur in dem Maße, wie es für Sol selber gilt. Alles andere drumherum ist tatsächlich im wahrsten Sinne des Wortes "dunkel". Eine starke Szene.

    Aber es gibt noch eine: wenn Thorn und Sol am Tisch sitzen und essen. Der Glanz in Sols Augen, als er echtes Fleisch in der Hand hat...grandios. Auch hier ist etwas Besonderes zu finden: echte Freude.


    jd :wink:

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    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • ... eben ein Film, der grandios zeitlos ist, den man getrost mehrfach sehen kann, ohne dass einem das Ganze überdrüssig wird. Im übrigen hat es mich schon bei meiner Erstbegegnung mit "Soylent Green" gewundert, welch radikal pessimistische Aussagen offenbar auch in Hollywoodproduktionen möglich sind.

  • Schon der Beginn mit dieser Montage der alten Photos, das sich nachher zu einem gewaltigen Schnitt-Crescendo entwickelt, zeigt sich schon das Ungewöhnliche dieses Films. Und dann natürlich das Endbild mit der erhobenen Hand.

    PS: auf dem Cover oben sieht man diese Bulldozer. Vorne steht "Riot Contol" drauf. Wenn es da nicht deutlich genug wird...


    jd :wink:

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  • Mich stört nur, dass Herr Petzold keine eigene Meinung über DDR haben zu scheint. Wenn der Film in DDR spielt, dann kann oder muss man unweigerlich eine bestimmte eigene Meinung dazu haben. Aber Herr Petzold bleibt dabei ziemlich 'neutral'. Hmm…


    Ich habe den Film auch gesehen und verstehe nicht, was Du damit sagen willst, dass man unweigerlich eine Meinung zur DDR haben müsse wenn ein Film dort spielt und auch nicht ,warum Du Petzold hier neutral siehst?
    Der Film zeigt den Stasi- Terror in aller Deutlichkeit und nichts wird beschönigt. Was du als Neutralitât empfindest, sehe ich eher als Fehlen von ungerechtem Dogmatismus
    Mich hat das eher beeindruckt, denn es ist so kitsch-und pathosfrei wie nur eben môglich bei einem solch emotional beladenen Thema und Petzold bemüht sich zumindest um Gerechtigkeit.
    Die Tatsache, dass Barbara am Ende doch nicht flieht und keinen West-Mann heiraten wird, der schon im voraus sagt: "Wenn Du erst drüben bist, musst du nicht mehr arbeiten, ich verdiene genug für uns beide" lâsst zwar ein, wenn auch sehr dünnes, gutes Haar an den Lebensumständen in der DDR- aber zur Neutralität reicht das mE. nicht aus. Für mich wird eindeutig Stellung bezogen, wenngleich nciht in plakativer Weise.
    Die angeblich kûhlen Figuren sind im Vergleich zu vielen andeen Filmen gewöhnungsbedürftig, passen aber zu der bedrückenden Geschichte, die jedes starke emotionale Engagement und Vertrauen zur gefajhr werden lässt. Ich fand den Gegensatz zwsichen äusserlich gezeigter Distanz und dem, was sich dann in den Handlungen der Personen zeigte sehr eindringlich. Besonders die Beziehungen zu den jugendlichen Patienten standen im klaren Gegensatz zur scheinbar unahbaren Haltung der Titelfigur, die lediglich ihre Überlebensstrategie darstellte. Ich habe vorher noch nie einen Petzold Film gesehen, aber dieser hier hat mir sehr gut gefallen.
    :fee:

    Jede Krankheit ist ein musikalisches Problem und die Heilung eine musikalische Auflösung (Novalis)

  • Barbara

    Ich habe den Film auch gesehen und verstehe nicht, was Du damit sagen willst, dass man unweigerlich eine Meinung zur DDR haben müsse wenn ein Film dort spielt und auch nicht ,warum Du Petzold hier neutral siehst?

    Volle Zustimmung. Der Film ist halt nicht so plakativ wie Das Leben der Anderen.

    Weil Barbara so einstimmig von der Kritik gelobt worden war, bin ich vorher etwas misstrauisch gewesen: aber der Film ist wirklich großartig, ich hab ihn mir dreimal angeschaut. Wie zum Beispiel Fortbewegung, Wege und Verkehrsmittel zum Leitmotiv werden (besonders eindrucksvoll das nur zu hörende und durch die Fallschirmspringer zu identifizierende Flugzeug) - das sagt ja mit ästhetischen Mitteln einiges über die Möglichkeiten und Begrenztheiten von Bewegung in der DDR aus. Bis hin zu dem kläglichen Boot, mit dem die Flucht vollzogen wird - bezeichnend auch, dass das Meer sich zwar ständig in unmittelbarer Nähe befindet, aber erst ganz am Schluss des Films zu sehen ist.

    Eine Szene fand ich in der Verknüpfung von Bild und Musik sehr suggestiv: wenn aus dem Kofferradio der Anfang der von Furtwängler dirigierten Freischütz-Ouvertüre ertönt und die Heldin dazu ihren kaputten Fahrradschlauch ins Wasser taucht - und dann zur Musik der plötzliche Schnitt mit Blick auf den Krankenhausflur, in dem die schreiende und sich wehrende Patientin vorbeigefahren wird. (Auch wie sich Nina Hoss mehr schlecht als recht, aber dafür ziemlich heftig durch das Chopin-Nocturne spielt, hat mir sehr gefallen.)


    Viele Grüße

    Bernd

    .

  • Ich habe am Donnerstag im Kino "Dark Shadows" von Tim Burton gesehen. Ich oute mich hier mal als Tim-Burton-Fan und mag die Zutaten seiner Filme sehr: düsterenGothic-Charme, skurile Charaktere, Johnny Depp und Helena Bonham-Carter etc.
    "Dark Shadows" hat mir gefallen, aber im Vergleich mit "Edward mit den Scherenhänden", "Mars Attacks" , "Big Fish" oder dem grandiosen "Sleepy Hollow" ist er wohl wirklich nicht mehr als eine "Fingerübung" wie es ein Kritiker genannt hat.Erzählt wird die Geschichte von Barnabas Collins, der durch den Fluch einer Hexe im 18. Jahrhundert zum Vampir wird. Nach zweihundert unfreiwillig in einem Grab verbrachten Jahren wird er bei Bauarbeiten zufällig ausgegraben und erwacht im Jahr 1972, wo Hexe Angelique schon auf ihn wartet...Barnabas macht Bekanntschaft mit seinen Nachfahren und den Gepflogenheiten des 20. Jahrhunderts. Das ist ab und zu ganz amüsant (Barnabas bezeichnet Alice Cooper als "das verdammt häßlichste Frauenzimmer das ich jemals gesehen habe" 8+) ) und manchmal ziemlich vorhersehbar. In meine DVD Sammlung wird der Film wohl nicht kommen.
    Auf der anderen Seite: ein Film mit Johnny Depp ist ein Film mit Johnny Depp, und da der ein ziemlich genialer Schauspieler ist, reißt er dann doch so einiges wieder raus, obwohl die Geschichte gegen Ende immer alberner wird.
    Also: als Popcorn-Kino durchaus unterhaltsam, aber nicht Burtons Bester.

    Ein Paradies ist immer da, wo einer ist, der wo aufpasst, dass kein Depp reinkommt...

  • Heute Nachmittag zum ersten Mal überhaupt:

    Ein wirklich vorzüglicher Film - habe ich sehr genossen! :juhu:


    jd :wink:

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