Eben geglotzt

  • Beeindruckend aber schmerzhaft.

    Ja, der Film hat mich damals auch sehr berührt. Habe ihn im Kino gesehen.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • Die Verfilmung eines Theaterstücks, eines damals riesigen Erfolges.



    Das ist eigentlich genau die Art von Theater, mit der ich aufgewachsen bin, v.a. im Fernsehen, aber teilweise habe ich es auch noch auf der Bühne erlebt. Großes Schauspielertheater, nah am Stück inszeniert, mitreißend, ergreifend, über lange Zeit zutiefst berührend.


    Aber irgendwie scheint die Zeit oder eher mein Empfinden über dies auch hinausgegangen zu sein. Über diese Art der Inszenierung oder szenischen Präsentation. Genau kann ich das noch gar nicht festmachen, aber ich merke, dass mein Interesse beim Zuschauen nicht so richtig geweckt wird. Vielleicht ist es das Stück, ich denke aber, es liegt eher an der Umsetzung.


    Es gibt natürlich eine Komponente bei dieser Verfilmung, die mich bei der Stange hält und das sind die Schauspieler. Richardson und Gielgud sind schlichtweg grandios. Dieser Moment, wo große, alters- und lebenserfahrene Schauspieler scheinbar nur noch da sind, wo man kein Handwerk mehr spürt, sondern nur noch Leben, wo jeder Satz, jede Geste, jeder Blick eben dieses Leben in absoluter Natürlichkeit offenbart, wo eben nicht mehr gespielt wird - das ist überwältigend.


    Dafür, für große Darstellerkunst, für das 'Spiel' von raumgreifenden Persönlichkeiten, dafür das erleben zu können, dafür lohnt sich dann doch diese Produktion.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Vorher gab es diese Verfilmung:



    Ein Stück, das ich einmal in den 70iger Jahren im deutschen Fernsehen gesehen habe und das mich damals unglaublich beeindruckt und betroffen gemacht hat. Ich weiß gar nichts mehr davon, habe immer Inge Meysel in der weiblichen Hauptrolle vor Augen, aber sie war es wohl nicht. Aber es war seit damals immer ein Wunsch, es einmal wieder sehen zu können.


    Nun also diese Verfilmung, basierend auf einer Theaterinszenierung, mit Denis Quilley, Ronals Pickup, Constance Cummings und v.a Laurence Olivier in den Hauptrollen. Ach, wie gehen doch manche (aufgeblähten) Erinnerungen in die Brüche. Auch hier ein Inszenierungsstil wie bei 'Home', auch hier wie bei Otto Schenks 'Was ihr wollt' eine ziemliche Ernüchterung. Was ich über Jahrzehnte als eine Art Schatz in mir getragen habe, das Stück oder das Spiel der Akteure, es hält der Wiederbegegnung nicht stand.


    Der O'Neill ist natürlich überwältigend gespielt (und das macht es immer noch und unbedingt wertvoll), aber das Stück, die Inszenierung - die Zeit ist doch darüber hinweggegangen. Vielleicht sollte man über alles geliebte Erinnerungen doch ruhen lassen.


    Ich habe so viele grandiose Momente auf der Bühne erlebt, so viele Aufführungen mit einzigartigen Schauspielerpersönlichkeiten und habe mir immer gewünscht, dass es davon Aufzeichnungen geben möge. Ich bin mir nun nicht mehr sicher, vielleicht sollte man sie ruhen lassen und als reine Erinnerung bewahren.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)


  • „Sture Böcke“ ist ein ruhiger, beeindruckender Film aus Island für all jene, die ihr Menschsein vor allem auch über Natürlichkeit und Natur definieren (möchten). Ich bin Minimalistin, ich brauche nicht viel „Kram“ um mich herum, und in mir ist eine ganz große Sehnsucht nach einem naturnahen, einfachen Leben. Gleichwohl liebe ich Kunst und Kultur und weiß natürlich, dass mir - und nicht nur mir - all die Kenntnisse und Fertigkeiten für ein derart „einfaches“ Leben längst nicht mehr zur Verfügung stehen. Im Grunde ist der moderne Mensch inzwischen völlig lebensunfähig geworden, wenn er auf sich gestellt wäre. Ich denke, nicht nur Marx hatte festgestellt, dass die Entfremdung der Arbeit den Menschen auch von der Natur als sinnlich wahrnehmbarer Außenwelt entfremdet hat. --- So ist das wohl, jedenfalls ein wunderbarer Film...

    Einmal editiert, zuletzt von Cosima ()

  • Den hab ich mir gleich mal bestellt. Das scheint voll meins zu sein Grins1


    Dank für den Tip, Cosima




    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Der beste Film aller Zeiten.

    Nein, das kann nicht sein. Aber wo wir bei Extinction movies sind. Der beste Katastrophenfilm aller Zeiten ist Ice age 2: the meltdown.

    Die "Herde" flüchtet. Manny denkt er ist das letze Mammut auf Erden und Sid singt ihm Beileid....

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    ....und dann entdecken sie doch tatsächlich ein weibliches woolly mammoth, das aber leider von sich glaubt eine Beutelratte zu sein. Hochgradige Persönlichkeitsstörung..... Armer Mannie.



    Ach ja....das Squirrel, welches nie seine Nuss bekommt, hier endlich im Himmel voller Nüsse - mit sehr guter Musik.

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    ach ja....wie oft hab ich den gesehen.....

  • Immer diese olympischen Kategorien in der Kultur. 8o


    Bei mir gestern:


    GB 1963


    Die Geschichte eines Möchtegern-Dandys und seines Dieners, von Oben und von Unten also, die irgendwann die Rollen tauschen.


    Irgendwie stimmt alles an diesem Film, irgendwie gibt es keine Schachstelle, weder auf der eher technischen Seite, noch beim Drehbuch, der Musik, der Regie, den Darstellern. Und herausgekommen ist ein langer, scheinbar ruhiger Film, extrem politisch, äußerst vielschichtig in der Darstellung menschlicher Beziehungen, beklemmend und bitterbös witzig, mutig und in jedem Detail, jeder Einstellung, jedem Blick und jeder Geste verwirrend und erhellend zugleich.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Heute wieder einmal geschaut und eigentlich nur, weil ich die BluRay preiswert geschossen habe.



    Was ich vollkommen vergessen hatte, ist der eine Themenstrang, die Versuche von Lord Darlington 1936 zu einem Ausgleich mit Hitler-Deutschland zu kommen und damit die Aktualität dieses Films.


    Buch und Film sind bekanntermaßen lange vor den jetzigen Ereignissen erschienen und trotzdem sind die Parallelen offensichtlich. Appeasement-Politik nicht aus einer politisch-strategischen, militärischen oder wirtschaftlichen Sicht heraus, was es selbstverständlich auch gibt, sondern in diesem Fall der letztlich recht naive Versuch, einem Land, dass durch den Versailler Vertrag gedemütigt wurde, Gerechtigkeit zukommen zu lassen. Und dabei dann immer mehr die Augen verschließen vor dem Offensichtlichen. Sich einlullen lassen durch deutsche Kultur. Warnungen abtun, weil von der falschen Seite kommend.


    Warum ist Deutschland in diese Abhängigkeit von Russland geraten, warum wurde so lange geschwiegen? Hoffentlich werden endgültige Urteile erst gefällt werden, wenn sich die derzeitige Erregung gelegt hat und man wieder mit klarerem Kopf daran gehen kann. Dann wird man solche Positionen, wie die von Lord Darlington, die es bei uns ja auch gegeben hat, vielleicht besser verstehen.


    Eingewoben ist die gesamte Appeasement-Problematik in die persönliche und berufliche Situation zweier Menschen, zweier 'Diener' dieses Klassensystems. Butler und Housekeeper dienen, weil es ihre Pflicht ist, weil ihre Herrschaft anständig ist, weil es sich so gehört. Sinnbild einer schweigenden Mehrheit, die sich aus unterschiedlichen Gründen eine eigene Meinung nicht erlaubt oder sich ihrer konsequenterweise nicht bedient, die letztlich aber die weltpolitische Katastrophe mit ausbaden muss. Sinnbild auch einer Haltung, die das Private vom Politischen trennt und Verantwortung abgibt an die 'da oben'.


    Wie so oft im englischen Film ist dies auch ein ausgesprochener Schauspieler-Film. Emma Thompson und Antony Hopkins sind superb!!! Das ist groß, mitreißend, berührend. Und auch die Nebenrollen (James Fox, Christopher Reeves etc.) sind glänzend besetzt. Der Film schwelgt durchaus auch in Bildern, aber sie sind immer melancholisch, Abschied nehmend geprägt. Dazu oftmals lange Einstellungen, ein ruhiges Tempo herrscht vor. Filmtechnisch ist 'The Remains of the Day' nicht spektakulär, aber genau richtig für das, was er vermitteln möchte. Großes Kino, sehr politisch.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • Emma Thompson und Antony Hopkins sind superb!!!

    absolut!


    Hier lief eben Berüchtigt/Notorious.....mit einem so verirrten Cary Grant, dass es weh tut :rolleyes:. Obwohl er nicht ganz so verhindert ist, wie der Butler oben, in Remains of the day. Bei dem zerdeppere ich fast mehrere Vasen vor Frust <Zoran springt auf und räumt alles schnell weg>


    Aber es zeigt: beides super Filme. Auch die Mutter mit ihrem Zopf. Wieder eine "Hitchcock" Mutter.



    PS: verirrt sind natürlich die Figuren, nicht die Schauspieler - die machen ihre Sache sehr gut!

  • mit einem so verirrten Cary Grant, dass es weh tut :rolleyes: .

    Ich bitte dich. Part of his charme. ^^


    'Notorious' ist ein toller Film. Und ja, die Mutter, fürchterlich in diesem Fall. Und natürlich der passende Sohn dazu. ;)


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

    "Rage, rage against the dying of the light" (Dylan Thomas)

  • mit einem so verirrten Cary Grant, dass es weh tut :rolleyes: .

    Ich bitte dich. Part of his charme. ^^

    playing hard to get - kann übel in die Hose gehen für einen Mann. Bei einer Frau gehört es ja zur Ausstattung ansonsten ist sie eine floozy, wie Devlin ja auch immer wieder befürchtet. Nur bemerkt er gar nicht, dass er sie durch seine Verhinderung erst dazu macht. Sein Eindruck von ihr kommt nur durch sein eigenes Benehmen zustande. Wenn er sich anders verhalten würde, würde sie ihm anders erscheinen. Ist doch interessant, wie verirrt er ist.


    Das ganze wird von Hitchock in der Party Szene am Anfang suggeriert, als die beiden sich zum ersten mal sehen. Er sitzt stocksteif und schweigend mit dem Rücken zu uns da, hält sich bedeckt und lässt sie herumtanzen und um ihn werben. Selbstverständlich wird diese Dynamik in die Spionagestory eingpackt, sodass es für uns erst so aussieht, als wäre sein Benehmen damit zu erklären, dass er eben ein Agent ist. Aber ich meine es ist wieder nur die eine Ebene des Films. Die andere ist, ähnlich wie in The Birds, was mit diesem unentschlossenen, unsicheren Mann los ist, der nicht weiss, wie man mit einer Frau umgeht und nur in der Extremsituation den Weg zum entschlossenen Handeln findet.

    Schon sehr bezeichnend, wie uns beide in dieser ersten Party Szene miteinander vorgestellt werden. Diese Dynamik zieht sich durch den ganzen Film, bis Devlin am Ende die Kurve kratzt, weil Alice in höchster Gefahr ist. Vorher lässt er es einfach laufen. Sie bemüht sich um ihn, er beobachtet und prüft sie. Im Grunde ist dieser Film ja das "ernste" Gegenstück zu Indiscreet, bzw andersherum. Notorious wurde eher gedreht und natürlich von einem anderen Regisseur.


    Aber interessant, dass dir die politische Seite deines Films heute so aufgefallen ist. Ich schau ihn mir in den nächsten Tagen auch mal wieder an.

    Hast du den Roman gelesen? Ich vor sehr langer Zeit, aber ich kann die Erinnerung daran nicht von der Erinnerung an den Film trennen.

  • Emma Thompson und Antony Hopkins sind superb!!! Das ist groß, mitreißend, berührend.

    Da bin (auch ich) ganz bei dir, lieber Wolfram! :thumbup: :thumbup: :thumbup:

    Großes Kino, sehr politisch.

    :jaja1: Ich habe den Film neulich zum 2. Mal gesehen. Ein Film, den man sich mehrmals anschauen kann, wie ich finde.

    Don' t feed the troll!



  • Emma Thompson und Antony Hopkins sind superb!!! Das ist groß, mitreißend, berührend.

    Da bin (auch ich) ganz bei dir, lieber Wolfram! :thumbup: :thumbup: :thumbup:

    Großes Kino, sehr politisch.

    :jaja1: Ich habe den Film neulich zum 2. Mal gesehen. Ein Film, den man sich mehrmals anschauen kann, wie ich finde.

    schließt sich mein Brägen an....ein Favorit => dieser Ivory bleibt feste im Stammkader eingebunkert...

    Fetzig kommt gleichfalls folgende Ishiguro-Verfilmung von Romanek rüber:
     

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Fetzig kommt gleichfalls folgende Ishiguro-Verfilmung von Romanek rüber:

    :thumbup: Ich meine dennoch, dass der Film gegenüber dem Roman sehr verliert. "Never let me go" ist der englische Originaltitel. Auch das trifft es sehr viel besser als der deutsche Titel. Der Roman ist ein absoluter Schocker. Ich finde Ishiguro geht da an einen Ort, an den man ihn nicht ohne Konsequenzen gehen lassen kann. Ich meine, man muss bereit sein dafür. Gut, jedes Kunstwerk kann Dinge bewegen, aber es gibt einige, die in eine (so meine ich) wirklich existentielle Ebene eindringen - wenn man sie lässt. Es gibt ein paar solche Romane für mich, zB auch Cormack McCarthy The Road. Das eigentlich Existentielle "passiert" natürlich erst zusätzlich zu den geschriebenen Sätzen. Die "Bilder", die entstehen. Und deswegen finde ich einen Film für solch ein Werk unpassend. Er drängt mir Bilder auf, die mich einschränken. So meine persönliche Empfindung.

  • Ich meine dennoch, dass der Film gegenüber dem Roman sehr verliert. "Never let me go" ist der englische Originaltitel. Auch das trifft es sehr viel besser als der deutsche Titel. Der Roman ist ein absoluter Schocker. Ich finde Ishiguro geht da an einen Ort, an den man ihn nicht ohne Konsequenzen gehen lassen kann. Ich meine, man muss bereit sein dafür. Gut, jedes Kunstwerk kann Dinge bewegen, aber es gibt einige, die in eine (so meine ich) wirklich existentielle Ebene eindringen - wenn man sie lässt.

       

    Reinziehn von Ishiguros Roman inzwischen lange her. Mein Brägen hat den Roman derart auf Schirm, dass darin Entsetzliche/Grauenhafte in beiläufig-zurückhaltenden Ton rüberkommt, als ob es ganz selbstverständliche Chose zu sein scheint… das kommt Brägen schockierend rüber…


    Romaneks Film versucht – glücklicherweise - diese Haltung gar nicht erst zu kopieren..
    Ja, ja, okay, okay, okay, an Romaneks fehlender - quasi "emotionalen" - Distanz bei der Umsetzung könnte rumgemäkelt werden.. muss man aber andererseits auch nicht …
    Insofern ist diese Chose keine Verfilmung, sondern eher quasi – jedenfalls für meinen Brägen gelungene - Variation … … hatte allerdings erst Film, dann Roman mir reingezogen….


    Die handelnden Personen im Film bzw. Erzählhaltung im Roman lassen – bei allen Unterschieden – doch m.E. auch Gemeinsamkeit rüberkommen:
    Mehr als Stoff der Story (= tödliches Organ-Ausweiden von dazu vorbestimmten Menschen), lassen vor allem mentale Unfähigkeit, also Totalst-Mangel an Subjektivität, trotz vorhandener operativer Intelligenz (bzw. aseptischere Kurz-Formel: Bewusstseinsschwäche) aller „totgeweihten“ Opfer und nicht bloß diese, die dazu nötigt, diesen Verhältnissen beflissen, ohne Widerspruch sich dienstbar zu machen/zu bleiben, das Reinziehn so beklemmend rüberkommen …

    ..bis zu ihrer Entsorgung identifizieren alle Organlieferer mit dem was ist sich derart dolle, dass nicht mal Alternative zur eigenen Vernichtung/Auslöschung denen irgendwie vorstellbar/denkbar ist … quasi Vision eines kollektiv-zurechtgekneteten, gleichmütigen Desinteresses am eigenen Überleben/Leben …..

    Es gibt ein paar solche Romane für mich, zB auch Cormack McCarthy The Road.

    :thumbup: :thumbup: :jaja1: :jaja1: :jaja1:

       
    Darin scheint der Erzählduktus quasi unmittelbar mit dem Jungen sich zu identifizieren.
    Das Ende versucht zwar mit einen Contrapunkt rüberzukommen. Aber der verstärkt m.E. rückwirkend den geschilderten Schrecken… der Film kam mir leider nicht so dolle rüber, schade.. vielleicht hätte mein Brägen zunächst Film und später erst Roman sich reinziehn sollen …..

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • Insofern ist diese Chose keine Verfilmung, sondern eher quasi – jedenfalls für meinen Brägen gelungene - Variation

    ja stimmt...diese Haltung ist sicher sinnvoller.

    Mehr als Stoff der Story (= tödliches Organ-Ausweiden von dazu vorbestimmten Menschen), lassen vor allem mentale Unfähigkeit, also Totalst-Mangel an Subjektivität, trotz vorhandener operativer Intelligenz (bzw. aseptischere Kurz-Formel: Bewusstseinsschwäche) aller „totgeweihten“ Opfer und nicht bloß diese, die dazu nötigt, diesen Verhältnissen beflissen, ohne Widerspruch sich dienstbar zu machen/zu bleiben, das Reinziehn so beklemmend rüberkommen …

    PS: Klar, die Geschichte ist ja "nur" ein Vehikel, welches bestimmte Erkenntnisse befördern kann.

    Ich muss den Roman (Ishiguro) nochmal lesen. Aber in etwa seh ich das auch so. Ganz abgestellt ist das Bewusstsein für ihre Situation aber nicht, denn die beiden versuchen ja irgendwann eine "Sondergenehmigung" zu bekommen, was aber im Grunde ihre Naivität nur noch um so herzzerreissender darstellt. Es hat auch etwas Kafka-artiges. Die Sinnlosigkeit der Suche nach Erbarmen, nach Erlösung, nach Menschlichkeit, nach Mitleid. Das "Existentielle", von dem ich sprach, sind dann bei mir die Fragen, die ich mir daraufhin beginne zu stellen. Ebenso, wie bei Cormack McCarthy, nur sind es andere Fragen. Denn was ich erkenne, steckt auch in mir - beide Seiten der Angelegenheit. Es kann nicht anders sein, alles andere wäre Illusion (denial). Erschreckend.

    Das Ende versucht zwar mit einen Contrapunkt rüberzukommen. Aber der verstärkt m.E. rückwirkend den geschilderten Schrecken… der Film kam mir leider nicht so dolle rüber, schade.

    Ja, auch hier viel Rückwirkendes, ebenso, wie bei Ishiguro. Unbeschreiblich erschütternd ist die Realisation, wie die Mutter wahrscheinlich ihren Tod gefunden hat....und ihre und die ihres Mannes durchgemachten mentalen und emotionalen Stadien, bis sie soweit waren, es geschehen zu lassen. Für das Kind.

    Ich wusste gar nicht, dass es hiervon auch einen Film gibt.

  • Es gibt ein paar solche Romane für mich, zB auch Cormack McCarthy The Road.

    kurzer Nachtrag: ein dritter fällt mir ein. Edgar Hilsenrath: Nacht. Ich erinnere wenig Detail, denn ich habe ihn als Jugendliche gelesen. Aber zurückgeblieben ist der Eindruck des unbeschreiblichen menschlichen Abgrunds. Und wiederum die Einsicht, dass allles in einem selber ebenso enthalten ist, was man bei anderen erkennt.

  • Manch einer:e mag ja meinen, er verwittere langsam zu seiner eigenen Karikatur, und dem hab ich nichts entgegenzusetzen, das mag stimmen, nur: es ist egal. Jedenfalls mir.



    Großartiger Film, sparsam im Einsatz der Mittel, voll auf den Punkt, und Clint hat sowieso immer Recht Grins1

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

  • Die Tage bin ich mal wieder bei dieser Box dabei:



    Es ist immer wieder ein Vergnügen, eine großartige Satire, teilweise geradezu absurdes Theater. Und Hugh Laurie/Stephen Fry reihen sich ohne Probleme in die Ahnenreihe großer Komikerduos ein.


    :wink:Wolfram

    "Wieder versuchen. Wieder scheitern. Besser scheitern." (Samuel Beckett)

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