Jean-Pierre Ponnelle - Die Opernarbeiten auf DVD

  • Jean-Pierre Ponnelle - Die Opernarbeiten auf DVD

    In einer verdienstvollen Serie wie dieser darf der Doyen und erste Großmeister der Fernsehoper keinesfalls fehlen: Jean-Pierre Ponnelle.

    Ich fange mal mit meinen drei absoluten Lieblingsstücken an:

    ROSSINI: LA CENERENTOLA (Scala Orchester)
    Dirigent: Claudio Abbado
    mit Frederica von Stade, Francisco Araiza, Paolo Montarsolo, Claudio Desderi

    Besser als mit Ponnelles Extra-Portion an Ironie und Witz kann man eine Oper nicht inszenieren und verfilmen.


    MONTEVERDI: L'ORFEO / IL RITORNO D'ULISSE IN PATRIA / L'INCORONAZIONE DI POPPEA (1978 ff)
    Monteverdi Ensemble des Zürich OO
    Dirigent: Nicolaus Harnoncourt
    mit Philippe Huttenlocher, Trudeliese Schmidt, Paul Esswood, Matti Salminen u.v.a.

    Ponnelles Zürcher Monteverdi-Zyklus war mindestens so bahnbrechend wie Chéreaus Bayreuther RING


    ORFF: CARMINA BURANA (1975)
    Dirigent: Kurt Eichhorn
    mit Lucia Popp, Hermann Prey, John van Kesteren

    Ponnelles überbordende Fantasie und pralle Bilderflut wird Orffs Klassiker maßstäblich gerecht

    Es gibt zum Glück noch viele mehr, aber ich überlasse gerne erst einmal Euch das Feld.

    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Lieber Rideamus,

    zu meinen absoluten Lieblings-Figaro's gehört diese Aufnahme

    die vor Charme nur so übersprüht, diesselbe Inszenierung kam 1985 an der Met heraus, mit einem grandiosen Figaro von Ruggero Raimondi :juhu: :juhu: (habe ich mir über den Met-Player und in YouTube angesehen).

    Jetzt fällt mir noch folgende wunderbare Ponnelle-Inszenierung ein:

    bei der es Ponnelle geschafft hat, aus Luciano Pavarotti einen, unabhängig von seiner Stimme natürlich, irgendwie anziehenden und verführerischen Herzog von Mantua zu machen. :klatsch: :klatsch: :klatsch: Das verwundert mich bis heute.


    Einen schönen Tag aus München

    von Kristin :wink: :wink:

    P.S.

    Leider gibt es keine DVD von dieser wundervollen Ponnelle-Inszenierung (was ein absoluter Jammer ist, vielleicht schlummert ja ein Film im Keller der Wiener Staatsoper), die ich im Bild aber bei anderen Aufführungen immer wieder sah:

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Liebe Kristin,

    die NOZZE D FIGARO wäre auch einer der nächsten Titel auf meiner Liste gewesen, natürlich gepaart mit dieser Produktion ihres Vorgängers (thematisch) bzw. Nachfolgers (zeitlich):

    ROSSINI: IL BARBIERE DI SIVIGLIA (1971)
    Dirigent: Claudio Abbado
    Mit Hermann Prey, Teresa Berganza. Luigi Alva und Paolo Montarsolo.

    Es gibt ähnlich gute und noch unterhaltsamere Produktionen dieses Meisterwerkes auf DVD, aber bis heute kaum bessere

    Mit dem RIGOLETTO habe ich leichte Probleme. Ich stimme Dir zwar vollkommen zu, was Ponnelles ertstaunliche Arbeit mit Pavarotti betrifft. Dafür aber ist mir Edita Gruberova nicht nur im Wortsinn zu blass, und auch Ingvar Wixell ist nicht der beste aller Rigolettos, trotz Chaillys hervorragendem Dirigat.

    Bevor sie aber vergessen wird, möchte ich unbedngt noch diese Produktion lobend hervorheben:

    Jules Massenet: Manon (1983)
    Dirigent: Adam Fischer
    mit Edita Gruberova und Francisco Araiza

    Dies ist die einzige Bildaufzeichnung, die m. E. mit der großartigen Inszenierung Graham Vicks in Barcelone mithalten kann - dank Natalie Dessay und Rolando Vllazon auch musikalisch, obwohl beide keine idelaen Dirigenten haben.

    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Dafür aber ist mir Edita Gruberova nicht nur im Wortsinn zu blass, und auch Ingvar Wixell ist nicht der beste aller Rigolettos

    Lieber Rideamus,

    vor lauter Begeisterung über Ponnelle's Arbeit an und mit Pavarotti habe ich wirklich die Minuspunkte vergessen, in erster Linie die auch für mich schwer verträgliche Edita Gruberova, mit der ich seit ihrer Gilda damals überhaupt nichts mehr anfangen kann. Irgendwie sah sie aus wie eine Maus, wirklich. :( :(

    Den von Dir genannten Barbiere habe ich ja auch, oh Mann, aus irgendeinem Grund mag ich diese Oper nicht so sehr, aber hier kann ich es aushalten.

    Liebe Grüße

    Kristin :wink: :wink:

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Meien Lieben!

    Ich kann nur ein Zitat von Ruggero Raimondi beifügen:

    "Oper ist etwas wo man träumen muss!, oder kann!" und das trifft bei Ponelle auf alle Fälle zu, aber das würde wieder zu einem Thred führen, den ich nicht will, denn hier wird dann nur gegen das Eine oder Andere gewettert.

    Beispiel ist die "Zauberflöte" - Aufführung vom 21.8.1982:

    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus Wien. :wink: :wink: :wink:

  • Zu Ponnelle gehört auf jeden Fall noch Mozarts Mitridate Inszenierung aus dem traumhaft schönen "Teatro Olimpico" von Vicenza (bei Padua), erbaut von Palladio und naturbelassen (=ohne eigene Kulissen) von Ponnelle:

    Gruß Robert

  • Lieber Rideamus,
    schön, dass Du an Ponnelle erinnerst. Ich verdanke ihm eine ganze Reihe sehr schöner Opernabende.
    Zuerst natürlich den Monteverdizyklus, den ich als Gastspiel aus Zürich in München sah.

    Dann eine sehr schöne Inszenierung von "Pelléas und Melisande".
    Meine Lieblingsinszenierung von Ponnelle in München war der "Lear" von Aribert Reimann, mit Dietrich Fischer-Dieskau als Lear und Julia Varady als Cordelia und Rolf Boysen, der eben seinen 90. Geburtstag feierte als Narr. Leider nicht auf DVD erhältlich.
    Außerdem eine fantastische "Cenerentola" mit Araiza und Frederica von Stade.
    Wenig erinnern kann ich mich leider an diese Inszenierung von Hindemiths "Cardillac", weswegen ich heute die DVD geordert habe.

    Von Ponnelles Wagnerinszenierungen habe ich nur das "Liebesverbot" gesehen.

    Auf DVD gibt es diesen "Tristan":

    In München habe ich auch Ponnelles "Titus" gesehen, von dem dieser Film, seine letzte Regiearbeit, wohl stark abweicht.

    Liebe Grüße

    :wink: Talestri

    One word is sufficient. But if one cannot find it?

    Virginia Woolf, Jacob's Room

  • Der "Titus" war schon von 1980, also nicht seine letzte Arbeit. Das war die "Cosi"-Verfilmung.

    “There’s no point in being grown up if you can’t act a little childish sometimes” (Doctor Who, der Vierte Doktor)

  • Eine Lücke hab ich hier noch gefunden:

    Giuseppe Verdi: Falstaff

    - eine Produktion aus Glyndebourn, Jahrgang 1976.

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • hab ich: kann ich nur empfehlen

    Lieber Robert!

    Da bist Du nicht der Einzige, der das kann (siehe erstes Posting auf dieser Seite) ;+)
    Ich schließe mich übrigens Eurer Empfehlung an - eine ganz wunderbare Inszenierung!

    :wink:
    Renate

    Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)

  • Leider gibt es keine DVD von dieser wundervollen Ponnelle-Inszenierung (was ein absoluter Jammer ist, vielleicht schlummert ja ein Film im Keller der Wiener Staatsoper), die ich im Bild aber bei anderen Aufführungen immer wieder sah:

    Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht, wie ich kürzlich zufällig entdeckte. Es kursiert nämlich im Netz die - technisch immerhin akzeptable - Aufnahme einer Aufführung der Turiner Oper aus dem Jahr 2000 unter Alessandro di Marchi mit Luciana D'Intino und Juan Diego Florez, die ausdrücklich eine Wiederaufnahme der Ponnelle-Inszenierung der Scala ist, die von Sonia Frisell aufgefrischt wurde. Soweit ich das ohne Kenntnis der Orginalaufführung beurteilen kann, ist sie zumindest im Geiste recht getreu den ursprünglichen Intentionen Ponnelles.

    Dafür spricht auch ein - technisch leider ziemlich schlechter - Amateurmitschnitt der Generalprobe von Ponnelles Inszenierung der gleichen Oper in Bologna von 1987. Unter der Leitung Bruno Campanellas sangen da Martine Dupuy, Gloria Banditelli, Ruggero Raimondi und William Matteuzzi.

    Ebenfalls im Netz gibt es übrigens noch eine Rossini-Inszenierung Ponnelles. Es handelt sich um die weitgehend unbekannte Oper L'OCCASIONE FA IL LADRO, die 1988 unter der Leitung Salvatore Accardos in Pesaro gegeben und von der RAI aufgezeichnet wurde. Damals sangen Luciana Serra, Luciana D'Intino, Ernesto Gavazzi und Raùl Gimenez. Ton und Bild meiner Kopie sind leider leicht gestört bzw. verwaschen, aber die Aufzeichnung als Ganzers ist doch recht gut ansehbar. Diese Entdeckung fängt in einer typisch Ponnelleschen Eingebung damit an, dass ein Mann mit einem Koffer herein kommt, dem Dirigenten die frisch entdeckte Partitur gibt und dann auf die Bühne geht wo er ebenfalls aus dem Koffer, der über der Falltür im Bühnenboden platziert ist, die Protagonisten heraus holt, denen er dannn ebenfalls ihre Noten gibt.

    Die darüber einsetzende Ouvertüre kommt uns dann bald sehr bekannt vor, bringt sie doch das erste Mal die später mit dem BARBIER VON SEVILLA bekannt gewordene Gewittermusik in nur leicht simplerer Form. Ein meisterhaftes Stück, dem man unbedingt eine offizielle Veröffentlichung in guter Qualität wünscht.

    Die gibt es immerhin auch noch von dieser Oper, die hier noch nicht erwähnt wurde:

    Wer die Oper mehr mag als ich, liegt bei dieser TV-Fassung von 1974 trotz des ziemlich überzogenen Einsatzes des Weichzeichners, der aber irgendwie auch der Oper entspricht, ziemlich gut. Mirella Freni bestätigt hier eindrucksvoll ihre großartige Leistung aus der Plattenaufnahme unter Herbert von Karajan am Pult der Wiener Philharmoniker, und Placido Domingo (nicht schlechter als Pavarotti, der wohl das Bild gesprengt hätte), Christa Ludwig und Michel Sénéchal können fraglos ebenfalls zu den besten Vertretern ihrer Rollen gerechnet werden.

    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Naja, bei allem Respekt für Ponnelle ist diese "Madame Butterfly" als Opernfilm sicher eine seiner schwächeren Arbeiten auf DVD, mit vielen Geschmacksunsicherheiten und einer Mirella Freni, die zweifellos sehr gut singt, aber trotz umfänglicher Bemühungen der Maskenbildner kein bisschen japanisch wirkt, sondern in ihrem übertriebenen Aufputz fast schon lächerlich. Wer Freni als Butterfly hören will, sollte in diesem Fall lieber zur CD greifen. Auf DVD empfehle ich statt dessen die sehr schöne Film-Version von Frederic Mitterand (mit Ying Huang und Richard Troxell und James Conlon als Dirigenten), die Ponnelles Film auch inszenatorisch weit überlegen ist.

  • Ganz so schlimm ist es zum Glück nicht, wie ich kürzlich zufällig entdeckte. Es kursiert nämlich im Netz die - technisch immerhin akzeptable - Aufnahme einer Aufführung der Turiner Oper aus dem Jahr 2000 unter Alessandro di Marchi mit Luciana D'Intino und Juan Diego Florez, die ausdrücklich eine Wiederaufnahme der Ponnelle-Inszenierung der Scala ist, die von Sonia Frisell aufgefrischt wurde. Soweit ich das ohne Kenntnis der Orginalaufführung beurteilen kann, ist sie zumindest im Geiste recht getreu den ursprünglichen Intentionen Ponnelles.

    Dafür spricht auch ein - technisch leider ziemlich schlechter - Amateurmitschnitt der Generalprobe von Ponnelles Inszenierung der gleichen Oper in Bologna von 1987. Unter der Leitung Bruno Campanellas sangen da Martine Dupuy, Gloria Banditelli, Ruggero Raimondi und William Matteuzzi.

    Lieber Rideamus,

    da habe ich mich wohl etwas mißverständlich ausgedrückt. Mir ist schon klar, daß von Ponnelle's Inszenierung ein paar Aufführungen im Internet zu finden sind. Aber leider ist der von Dir erwähnte Amateurmitschnitt von Bologna grottenschlecht vor allem in der Bildqualität. Es ist immer nur die ganze Bühne aufgenommen und man sieht, soweit ich mich erinnere, keine einzige Nahaufnahme. Leider kann ich nur sagen, Raimondi wäre es wert gewesen.

    Mein Bedauern damals bezog sich nur auf die Baltsa/Raimondi-Aufnahme von Wien. Die "Italienierin" ist seit dieser Aufnahme eine Oper, in der es mir kein Mustafa recht machen kann (auch nicht d'Arcangelo - habe da eine Aufnahme), ich messe da immer an Raimondi, er war damals so wunderbar.

    Florez habe ich mir bei YouTube auch schon angehört und angesehen, er war ein ziemlich idealer Lindoro, finde ich.

    Liebe Grüße

    Kristin :wink: :wink:

    Vom Ernst des Lebens halb verschont ist der schon der in München wohnt (Eugen Roth)

  • Meine Lieben!

    Eien besonders gelungene Aufnahem ist wohl diese:

    mit Luciano Pavarotti, Frederica von Stad, Ileana Cotrubas, Hildegard Behrens. Sehr zu empfehlen.

    Liebe Grüße sendet Euch Euer Peter aus dem regnerischen Wien. :wink: :wink:

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