Sibelius: Die sieben Sinfonien – Diskografische Empfehlungen

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  • Am 08.02.2019 erscheint Vol. 1 einer neuen Gesamtaufnahme aller Sinfonien gekoppelt mit einigen sinfonischen Dichtungen von Jean Sibelius mit den Göteborger Sinfonikern unter der Leitung des aktuellen Chefdirigenten Santtu-Matias Rouvali:


    Weitere Infos gibt es hier.

    "Musik ist für mich ein schönes Mosaik, das Gott zusammengestellt hat. Er nimmt alle Stücke in die Hand, wirft sie auf die Welt, und wir müssen das Bild zusammensetzen." (Jean Sibelius)

  • Am 08.02.2019 erscheint Vol. 1 einer neuen Gesamtaufnahme aller Sinfonien gekoppelt mit einigen sinfonischen Dichtungen von Jean Sibelius mit den Göteborger Sinfonikern unter der Leitung des aktuellen Chefdirigenten Santtu-Matias Rouvali:

    Danke für den Hinweis!
    Die CD ist bei Qobuz bereits in HD-Qualität zu hören.


    Ebenfalls in HD gibt es den Zyklus mit Paavo Järvi, erschienen in diesem laufenden Monat:



    Sibelius mit einem französischen Orchester - das könnte eine Novität sein. War bisher vor allem die Domäne britischer und skandinavischer Orchester. Gesamtaufnahmen aus San Francisco, New York und Wien scheinen eher die regelbestätigende Ausnahme zu sein. Ok, Boston hat eine beachtliche Sibelius-Tradition, zurückgehend bis auf Koussewitzky.


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Paavo Järvi mit der ersten Sibelius-Sinfonien-GA aus Frankreich

    Auf diese neu erschienene Sibelius-Sinfonien-GA aus Paris wurde ich bereits ein paar Tage früher bei Tamino aufmerksam gemacht.
    Eigentlich wäre ein ein neuer Sibelius-Zyklus nicht bei mir erforderlich, denn alleine mit 3 GA von Bernstein, Ashkenazy und Berglund/Bournemouth (von mind. 10GA) bin ich voll zufrieden ... aber da ich Paavo Järvis Nielsen-Sinfonien-GA (RCA) (sowie seinen Beethoven + Schumann auf DVD aus Bremen) als herausragend bezeichen würde, darf sein neuer Sibelius bei mir auch nicht fehlen.
    :) Habe diese GA jetzt seit ein paar Tagen vorliegen und voller Spannung bereits ganz durchgehört.



    Ausgerechnet habe ich bei den Hördurchgängen mit der Sinfonie Nr.2 angefangen, die in sehr vielen GA die Problematischste ist. So auch hier ! Diese Aufnahme hatte ich schon seit ein paar Jahren als Download und bisher grob einen guten Eindruck gehabt.
    Paavo Järvi lässt es nicht an Dramatik und fehlen und liefert insgesamt eine packende Darstellung, die auch vom Tempo absolut stimmig ist. Doch mit denen die ich für die Besten halte (Bernstein (SONY und DG); Berglund / Bournemouth PO (EMI) mit der Kussewitzky-Coda; sowie die Szell-Aufnahmen (SONY + Philips); aber auch mit Karajan (Beide auf EMI) kann er nicht bestehen. Paavo gestaltet einige Spannungsbögen zu separat, manchmal zu abgehackt ohne richtigen Zusammenhang; er lässt die Musik nicht fliessen. Da bin ich von meiner Hörgewohnheit einfach anders geprägt !


    :cincinsekt: Meine Eindrücke wurden aber bei den folgend gehörten Sinfonien Nr. 1, 3, 4, 6 ungleich positiver überrascht.
    Bei der Sinfonie Nr.1 kommt er sehr nahe an die Glanzleistung und meiner Lieblingsaufnahme Ashkenazy (Decca) heran; auch was die genialen Paukenstellen anbetrifft, die nicht mal nur angetippt werden, sondern richtig prägnant in Szene gesetzt werden.


    Der Sinfonie Nr.3 vermittelt er eine ähnliche Spannung und Grösse, wie Roshdestwensky (Eurodisc) ohne dabei auch nur irgendwo in Langatmigkeit zu verfallen - seine gekonnt zügigen Tempi sind dazu Voraussetzung !


    Die Sinfonie Nr.4 schätz er so wie die Erste (die er persönlich als erste Hörte und Dirigierte) sehr hoch ein. Das Ergebnis kann sich hören lassen. Im 4.Satz leider ohne die Röhrenglocken, sodern nur mit Glöckchen, die wie Triangeln tönene .. schade. Wie das klingen sollte, hat Blomstedt (Decca) vorbildlich gezeigt.
    Mein Eindruck: Eine der packensten Vierten von meinen zahlreichen Sibeliusaufnahmen ist das Ergebnis, das Paavo Järvi liefert.


    Die Sinfonie Nr. 5 gelingt Paavo Järvi soweit angemessen und nicht zu langsam. Was ich auszusetzen hätte, wäre der zu zurückhaltende Paukenaufschlag beim Anfang des 3.Satzes; immerhin aber weit besser als Karajan (DG und EMI). Es sind einige ungewohnte Eigenheiten im Verlauf des Satzes, die mir nicht immer behagen. Das Schwanenthema hätte ich effektvoller und grösser vorbereitet. Bei den Schlusstakten mit den 6 Orchesterschlägen macht er mir zu lange Generalpausen ((bei Bernstein (DG) auch zu lang)). Bei den letzten beiden sind die Pauken mit Vorschlag und Blechbläser vom Einsatz her zu weit auseinander.
    Vorbildlich finde ich hier Karajan, der in der Coda keinen "effektvollen auseinanderfallenden Heckmeck" macht, sondern diese Schläge packend mit kurzen Pausen und damit bei mir mehr Gänsehautfeeling zelebriert.


    Die Sinfonie Nr.7 wiederum wirkt mir bei aller Detailliebe, dann doch wieder zu kontrolliert.
    Die Grösse, die Ormandy (SONY), Karajan (DG) und diese fabelhaft umwerfende Emotionalität, die Barbirolli (EMI) und Bernstein (SONY und DG) dem Werk zukommen lassen, fehlt mir. Aber nicht falsch verstehen - denn ansonsten liefert er auch auch hier eine exquisite Interpretation.



    Zur Klangqualität:
    Die RCA-Aufnahmen sind recht dunkel timbriert. Die Pauken sind zwar sehr präsent, doch hören sich recht grossvolumig und ungewöhnlich tief an (die Bezeichnung "Donnerbüchse" kam mir in den Sinn). Im Forte geht oft die Übersichtlichkeit verloren (bes.bei der 2.). Die RCA erreicht hier trotz des aktuellen Aufnahmedatums nicht den vorbildlichen Decca-Sound der Ashkenazy-GA (Decca).
    *** Wie ich in den letzten Tagen feststelle ist die klare Empfehlung für diese GA diese über KH zu hören, wo alle Details dann einfach besser rüber kommen.



    RCA, 2012-16, DDD






    Fazit:
    Alles in allem, trotz der Einwände, eine aktuelle GA aus Paris, an der man viel Hörspass haben wird !
    Paavo Jarvi hat sich mit seinem Projekt voller Herzblut auch von 2012 bis 2016 Zeit gelassen und nicht mal eben so alle 7 Sinfonien hintereinander abgespult. Seine Ergebnis sind packende bis grossartige Aufnahmen ... aber als die beste GA empfinde ich diese nicht, aber würde sie bei den Besten einstufen.

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Die neue GA mit den Parisern & Paavo war Thema der neuen Platte im DLF: über den grünsten Klee gelobt

    :cincinsekt: Das sind ja auch wirklich starke Aufnahmen der 7 Sibelius-Sinfonien in Paavo Järvis Sichtweise !


    Nur bedauerlich, dass die weit softere Aufnahme der Sinfonie Nr.2 von LIVE 2015 hier übernommen wurde.
    Die Aufnahme vom Antrittskonzert 2010 beim Orchester de Paris ist ungleich packender; zudem bedient er sich dort der gei.... Kussevitzki-Coda. Das ist der Wahnsinn ... auch bei YT ist dieses Konzert mit Bild abrufbar. :verbeugung1:


    Ich habe das gesamte Antrittskonzert aus Paris mit Paavo Järvi vor mehreren im I-Net downgeloaded und mir davon nun eine CD-R erstellt und meiner Sibelius-Sinfonien-GA mit Paavo Järvi hinzugefügt, denn das ist DIE Aufnahme der Sinfonie Nr.2.
    Der Anfang der Sinfonie gerät ihm gegenüber der 2010er Aufnahme recht unscharf und deutlich weniger geschärft, als 2015. Aber das ist auch schon alles ... denn danach wird die Sinfonie Nr.2 in Hochspannung bis zur Wahnsinns-Coda durchgezogen - der helle Wahnsinn.
    :thumbup: :thumbup: :thumbup: Der Pauker ist sichlich fertig, wenn der Bravo-Applaus ertönt ... eine erhebende Interpretation von 2010 !!!

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Meine Eindrücke wurden aber bei den folgend gehörten Sinfonien Nr. 1, 3, 4, 6 ungleich positiver überrascht.
    Bei der Sinfonie Nr.1 kommt er sehr nahe an die Glanzleistung und meiner Lieblingsaufnahme Ashkenazy (Decca) heran; auch was die genialen Paukenstellen anbetrifft, die nicht mal nur angetippt werden, sondern richtig prägnant in Szene gesetzt werden.

    Hmm...ich habe mir gerade aus dem Zyklus die Erste angehört (auf Spotify in höchster Download-Qualität) und kann deine Begeisterung leider nicht ganz teilen. Vielleicht auch deshalb, weil ich sie mir unmittelbar nach der ebenfalls neu erschienenen Aufnahme aus Göteborg unter Santtu-Matias Rouvali gegeben habe, die mich zwar nicht völlig umgehauen hat, der ich aber dennoch den Vorzug geben würde.

    Zur Klangqualität:
    Die RCA-Aufnahmen sind recht dunkel timbriert. Die Pauken sind zwar sehr präsent, doch hören sich recht grossvolumig und ungewöhnlich tief an (die Bezeichnung "Donnerbüchse" kam mir in den Sinn). Im Forte geht oft die Übersichtlichkeit verloren (bes.bei der 2.). Die RCA erreicht hier trotz des aktuellen Aufnahmedatums nicht den vorbildlichen Decca-Sound der Ashkenazy-GA (Decca).

    Das ist das eine: Ich finde das Mixing/Mastering hier nur teilweise gelungen. Wo ein Pizzicato noch schön plastisch klingt, verliert der Sound wie du schon sagst im Forte etwas die Balance. Das Orchester kommt stellenweise sehr disparat im Stereo rüber, die von dir so gelobte Pauke hat zwar schon Schmackes, wie der Rheinländer gern sagt, lenkt aber meiner Meinung nach völlig vom stimmigen Gesamtklang ab und drängt sich unnötig nach vorne.
    Stichwort Balance: Bei der Orchesterdarbietung gefällt mir auch vieles nicht. Die Phrasierungen leiden für meine Ohren manchmal etwas unter Schnappatmung und geraten dadurch unnötig Schroff und unorganisch, was Sibelius meistens nicht zugutekommt. Was davon Järvi zuzuschreiben ist, weiß ich nicht. Immerhin verdient er hier Anerkennung, eine Gesamtaufnahme mit einem fanzösischen Orchester "zu wagen". Aber was bleibt nach Abzug des Welpenschutzes übrig? Die in der 1. Symphonie noch auf so romantische Art enthaltenen Bilder und Erzählungen (v.a. im Quasi una Fantasia) wirken leider nicht wirklich auf mich.

    Nun, in mancher Hinsicht sind sich Rouvali und Järvi recht ähnlich. Der 3. Satz z.B. könnte jeweils vom selben Dirigenten stammen, beide nehmen das Trio genussvoll träumerisch, den Rest sachlich und ohne Sperenzien. Auch beim 4. Satz gibt es ähnliche Herangehensweisen, inkl. Tempogestaltungen. Aber: Bei Rouvali "sehe" ich dann doch mehr Bilder, s.o.
    Alleine der aus so vielen Versatzstücken bestehende Beginn des 4. Satzes entwickelt durch die hohe Konzentration des Orchesters und genau richtigten Generalpausen eine brillante Spannungskurve. Alles wirkt besonders vorausschauend, mit Blick auf den dramatischen Verlauf. Rouvali ist vielleicht nicht's für Puristen, da wird hier mal ein Accelerando eingeführt, dort ein Ritardando ausgebaut, welches so nicht ganz in der Partitur zu finden ist. Doch wirkt das (fast) nie pretentiös auf mich und stört den Fluss der Musik ganz und gar nicht. Im Gegenteil wirkt sein Dirigierstil, gemessen an seinem Alter, sehr durchdacht und selbstbewusst. Der 2. Satz z.B. ist in seiner Tempo- und Rubatogestaltung wunderbar elastisch, v.a. das Nebenthema bekommt eine schön leichte und tänzerische Entwicklung. Der 1. Satz schwächelt aber dagegen ein wenig, dann doch zu viel "Gummibandästhetik".


    Auf der Platte ist als Lückenfüller noch "En Saga" enthalten. Erst kürzlich live bei den Münchnern gehört, ich finde, hier macht Rouvali der tollen Ashkenazy-Aufnahme ernsthaft Konkurrenz ;) . Jedenfalls freue ich mich auf die weiteren Aufnahmen des Zyklus.


    Von den Järvi-Aufnahmen hab ich jetzt noch die Nr. 3, 4, 6 und 7 gehört, wovon mir die 4. (stellenweise wirklich erstklassig!) und 6. schon sehr gut gefallen haben. Für mich persönlich stellt diese Edition bislang trotzdem keine ernsthafte Konkurrenz zu den zahlreichen Alternativen dar, auch und vor allem aktuellen wie Minnesota/Vänskä oder Lahti/Kamu.

    „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams

  • Die in der 1. Symphonie noch auf so romantische Art enthaltenen Bilder und Erzählungen (v.a. im Quasi una Fantasia) wirken leider nicht wirklich auf mich.

    Lieber Tichy1988,


    was wäre denn Dein Favorit (gerne auch in der Mehrzahl) bei op. 39?


    Gruß
    MB


    :wink:

    "Den Geschmack kann man nicht am Mittelgut bilden, sondern nur am Allervorzüglichsten." - Johann Wolfgang von Goethe

  • Lieber Tichy1988,


    was wäre denn Dein Favorit (gerne auch in der Mehrzahl) bei op. 39?

    Das ist von der Tagesform abhängig ;) . Es gibt viele historische Aufnahmen, die zwar "nice to have" sind, aber dann doch nicht bevorzugt im CD-Spieler landen (v.a. Barbirolli und Sanderling).



    Meine Einführung in Op. 39 war die Videoaufzeichnung von Bernstein mit den Wienern (1990). Das hat mich einfach überwältigt, diese unfassbare Energie und Passion. Auch Bernsteins spürbare Leidenschaft für diese Musik hat mir wirklich imponiert. Ein tolles Zeugnis seiner späten "exzentrischeren" Phase als Dirigent, zumal dies meines Wissens nach der letzte Film Bernsteins bei den Wienern war. Bei Op. 39 funktioniert das auch noch sehr gut, in den späteren Symphonien vielleicht eher weniger.
    Von Bernstein höre ich aber mittlerweile wenn dann die ältere New York Aufnahme:
    ASIN-Link funktioniert nicht: https://www.amazon.de/Sinfonie…ords=sibelius+1+bernstein


    Sozusagen als "Gegenentwurf" bevorzuge ich die Aufnahme aus Lahti zum Sibelius-Jahr. Natürlich sind die Finnen spröder im Klang, auch emotionale Ausbrüche sind hier etwas sparsamer dosiert, wirken dafür vielleicht aber umso heftiger:


    Ich muss sagen, dass mir Rattles Interpretation mit den Berlinern ebenfalls sehr gut gefällt, auch wenn diese Gesamtaufnahme hier nicht auf viel Gegenliebe stößt. Ich denke, seine Version ist vielleicht die rundeste von allen und momentan wohl auch bevorzugt auf meiner Wiedergabeliste:


    Aber wenn ich jetzt so überlege, dann würde ich in Bezug auf Op. 39 die Sätze 2 und 4 bei oben verlinkter Aufnahme von Santtu-Matias Rouvali als die spannensten der letzten Zeit bezeichnen!

    „Music is a nexus. It's a conduit. It's a connection. But the connection is the thing that will, if we can ever evolve to the point if we can still mutate, if we can still change and through learning, get better. Then we can master the basic things of governance and cooperation between nations.“ - John Williams

  • Lieber teleton, das hast Du vor über 4 Jahren geschrieben. Mich würde interessieren, wie Du das Remastering dieser Edition im Verhältnis zur älteren Auflage beurteilen würdest:



    Lange Zeit war dies meine einzige Einspielung der Sibelius-Symphonien. Interpretatorisch finde ich Maazels Einspielung nach wie vor beeindruckend, aber ich habe hier deutliche Probleme mit der Aufnahmetechnik: zu starke Stereo-Wirkung, Instrumentengruppen wirken wie zusammengeschnitten, es hört sich für mich recht unnatürlich und im Klang zu scharf an.


    Hat das Remastering da etwas verbessert? Damit setze ich natürlich voraus, daß Du auch die ältere Decca-Edition kennst. Vielleicht beziehen sich Deine Erläuterungen aber auch nur auf den Vergleich mit den LP-Ausgaben?


    Meine Frage richtet sich natürlich auch an alle anderen, die darauf etwas antworten können und wollen. ;)


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
    Der Kunstschaffende hat nichts zu sagen - sondern er hat: zu schaffen. Und das Geschaffene wird mehr sagen, als der Schaffende ahnt.
    Helmut Lachenmann

  • RE: Sibelius mit Maazel

    Hat das Remastering da etwas verbessert? Damit setze ich natürlich voraus, daß Du auch die ältere Decca-Edition kennst. Vielleicht beziehen sich Deine Erläuterungen aber auch nur auf den Vergleich mit den LP-Ausgaben?

    Lieber Gurnemanz,


    ich hatte die eine oder andere Sibelius-LP, kenne aber auch die CD-Version aus der Verwandschaft.
    Wenn es Dir auf guten Klang bei dieser Sibelius-Sinfonien-GA mit Maazel ankommt, dann wirst Du auf positive Weise Deine Überraschung erleben. Das Remastering (sowohl auf der BluRay wie auf den CDs) ist absolut ausgezeichnet gelungen und hat mit der alten Ausgabe nichts mehr gemein. Die Rauschfahne dieser Decca-Aufnahmen ist weggeblasen ohne klangliche Einbußen in den Höhen. -->Siehe letzten Abschnitt oben im Zitat.


    :wink: Wenn ich vor vier Jahren gewusst hätte, dass Du an der GA interessiert bist, dann hätte ich sie Dir gerne angeboten. So habe ich sie alsbald ohne Verlust über EBAY verkaufen können.
    8) Für mich war das von a - z keine Interpretation, sondern fast durchweg eine Enttäuschung für mich.
    Meine Favoriten wie Ashkenazy (Decca), Bernstein (SONY und DG), Barbirolli (EMI), um jetzt nur die 3 zu nennen, ;) sind nun aus ganz anderem Holz geschnitten ...

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Danke, lieber teleton!

    Wenn es Dir auf guten Klang bei dieser Sibelius-Sinfonien-GA mit Maazel ankommt, dann wirst Du auf positive Weise Deine Überraschung erleben. Das Remastering (sowohl auf der BluRay wie auf den CDs) ist absolut ausgezeichnet gelungen und hat mit der alten Ausgabe nichts mehr gemein.

    Nur daß wir uns nicht mißverstehen: Mit der "alten Ausgabe" meinst Du nicht die LPs, sondern die von mir oben abgebildete CD-Box, oder? Da ich kein BluRay höre, interessiert mich nur der CD-Vergleich.


    Beim aktuellen Amazon-Preis zögere ich allerdings noch...


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Mit der "alten Ausgabe" meinst Du nicht die LPs, sondern die von mir oben abgebildete CD-Box, oder?

    Ja, natürlich. Das aktuelle Remastering der alten Kratzware (LP) würde ich nicht miteinander vergleichen.
    Abgesehen von der Int wirst Du Dein blaues Wunder erleben, wie unglaublich gut die Aufnahmen nun klingen. Eine solche klnagliche Verbesserung habe ich selten erlebt.
    *** Vergleichbar mit dem Remastering der Schostakowitsch - Sinfonien mit Kondraschin auf AULOS, das gegenüber den alten Melodiya-CDs Wunder bewirkt hatte !!!

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

  • Abgesehen von der Int wirst Du Dein blaues Wunder erleben, wie unglaublich gut die Aufnahmen nun klingen. Eine solche klnagliche Verbesserung habe ich selten erlebt.

    Gut, das klingt verheißungsvoll. Im Unterschied zu Dir kann ich nämlich der Interpretation selbst viel abgewinnen, habe aber wie gesagt mit der Aufnahmequalität deutliche Probleme. Vielleicht liegt das auch daran, daß ich Musik überwiegen über Kopfhörer höre.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Ich habe die Box auch:



    Ich kenne keine andere Ausgabe davon - aber was ich hier für mich feststellen konnte, ist der Eindruck, daß die Aufnahmen für das Alter (immerhin zwischen 57 und 52 Jahre!) sehr gut aufbereitet wurden. Sie vernachlässigen ihr Alter nicht, aber sie klingen robust und frisch.

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Ich kenne keine andere Ausgabe davon - aber was ich hier für mich feststellen konnte, ist der Eindruck, daß die Aufnahmen für das Alter (immerhin zwischen 57 und 52 Jahre!) sehr gut aufbereitet wurden. Sie vernachlässigen ihr Alter nicht, aber sie klingen robust und frisch.

    Danke für Deine Auskunft! Demnach würdest Du Folgendes vermutlich nicht unterschreiben:

    [...] ich habe hier deutliche Probleme mit der Aufnahmetechnik: zu starke Stereo-Wirkung, Instrumentengruppen wirken wie zusammengeschnitten, es hört sich für mich recht unnatürlich und im Klang zu scharf an.

    Hm...


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Wenn die Originalbänder alle einzelne Kanäle beinhaltet, wäre eine Neuabmischung möglich. Wenn man aber das fertig abgemischte Stereo-Master hat, läßt sich die Stereobühne nicht mehr groß ändern. Nein, es geht um den klanglichen Aspekt: Rauschunterdrückung, Frequenzgang-Optimierung, Ausbessern von Bandschäden (Kanalabfall, Clicks usw.). Hör hier mal rein, da sind Klangbeispiele vorhanden:


    Presto Classical

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    Jean Paul

  • Danke, lieber JD! Habe mir die neuere Box jetzt bestellt (gerade erträglich günstig im Urwaldstrom) und werde hören, ob es sich gelohnt hat.


    :wink:

    Es grüßt Gurnemanz
    ---
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    Helmut Lachenmann

  • Hannu Lintu / Finnish Radio SO (Arthaus Musik, 2014) auf DVD und BluRay


    8) In letzter Zeit bestelle ich mir einige geschätzte Werke und Werkzyklen gerne als Konzertvideo auf DVD oder BluRay. Die Konzerte nicht nur rein klanglich geniessen zu können, sondern auch mit Bild gefällt mir ...



    :alte1: Der erste auf DVD und BluRay erhältliche Zyklus der 7 Sibelius Sinfonien kann sich sehen und hören lassen. Die Aufmachung der DVD-Box mit gebundenem Buch (statt Textheft) und den 5 DVD.


    Die DVD 1 - 4 sind den Sinfonien vorbehalten, die für jede Sinfonie mit ausführlichen Erklärungen zur Entstehung der Werke und weiterhin einer Diskussion des Themenmaterials mit Orchesterproben zu jeder Sinfonie versehen sind.


    Die aktuelle Klangqualität in DD 5.1 ist vorbildlich, die Filmregie bei den LIVE-Konzerten ist gut disponiert. Man sieht oft das ganze Orchester in modernen Saal des Finnish Radio SO und bei solistischen Passagen die jeweiligen Solisten, natürlich auch oft den Dirigenten (wie er die Werke gestaltet). Die DVD 5 eine Doku über Sibelius und sein Schaffen.


    Hannu Lintu wirkt auf den ersten Blick etwas trocken ... beim Dirigieren geht er aus sich heraus und es kommt ihm auch mal ein Lächeln übers Gesicht.

    :!: Sehr gut finde ich nach dem Finalschlüssen der Sinfonien ein recht langes Innehalten des Dirigenten (ca bis zu 5 Sekunden) bis dann die Konzerthörer mit Applaus und Bravorufen einsetzen ... vorbildlich !


    Sinfonie Nr. 1 und 2

    Hannu Lintus Sicht auf die Sinfonien wirkt sehr "nordisch". Leider hört man bei ihm gerade bei den ersten beiden Sinfonien nicht Sibelius Vorbild Tschaikowsky heraus. Es kommt ihm auf fast jedes Detail an, die in anderen Aufnahmen unwichtig erscheinen. Leider bleibt so auch so manche Spannung auf der Strecke, obwohl er die Spannungsbögen gekonnt zieht. Betrachtet man bei seine intensiven und Bewegungen beim Dirigieren, so würde man vom Orchester mehr emotionalen Ausbruch erwarten ... der bleibt verglichen mit meinen Favoriten für die Erste (Ashlenazy, Berlund/Bournemouth) und Zweite (Bernstein) aus. Insgesamt schöne und gute Int ... aber irgendwie fehlt mir die grosse Emotion beim Klangergebnis.

    Die Schlagzeuger werden für die einzelnen Sinfonien immer wieder gewechselt. Die Pauken sind durchweg bei allen Sinfonien sehr präsent eingefangen.


    Sinfonie Nr. 5

    Betrachtet man die Spielzeiten der Fünften (14:37 - 9:13 - 10:30), so hatte ich schon Bedenken, dass da was packendes herauskommt. Falsch - die Fünfte gelingt Lintu mit Spannung und Emotion. Ich würde sie als die bisher beste Int aus dem Zyklus beurteilen. Obwohl er gerade bei der Fünften einige Extras einfliessen lässt: u.a. im ersten Satz senkt er Strecherpassagen auf pp ab (die bei Anderen in p oder mf gespielt werden) um dann den Spannungsbogen noch kontrastreicher zu ziehen (leider fehlt dann oben (fff) wieder etwas).

    Auch der mir so wichtige Paukenvorschlag zu Beginn des 3.Satzes ist perfekt präsent und der Hammerschluss ist mit allen emotionalen Wassern gesegnet - Hörspass erster Klasse ... und auf DVD ein tolles Konzerterlebnis.


    Sinfonie Nr. 3

    Es ist mir klar dass keiner meine Favoritenaufnahme der Sinfonie Nr. 3 = Roshdestwensky (Melodiya) erreichen kann. Auch hier, mit längeren Spielzeiten als gewohnt, erreicht er eine Duchsichtigkeit gepaaart mit Hochspannung, die ich nicht für möglich gehalten hätte. Lintu kennt das Werk genaustens und öffenbart Einzelheiten, die generell ungehört bleiben.

    Spitzenaufnahme !


    Sinfonie Nr. 7

    Ohne Vergleich auch hier eine Interpretation eines Sibelius-Kenners 1.Klasse. Die Spannungsbögen ausgezeichnet gezogen ... aber der letzten Emotionen verlieren sich in Details.

    Wenn ich an Bernstein (SONY und DG), Berglund/Bournemouth (EMI), Ormandy (SONY), Segerstam (ONDINE) denke, dann findet man dort eine weit intensivere Gestaltung und und bei mir intensivere Gänsehautmomente ... alles in allem wie gesagt - trotzdem TOP.


    Die Sinfonien Nr. 4 und 6 folgen noch ...


    4 DVD

    Arthaus Musik, 2014, DolbyDigital 5.1

    ______________


    Gruß aus Bonn


    Wolfgang

    Einmal editiert, zuletzt von teleton () aus folgendem Grund: Irrtum bei der Anzahl der DVD = 5 wurde berichtigt !

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