STANDARDS - Cole Porter: Night And Day

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • STANDARDS - Cole Porter: Night And Day

    Cole Porter schrieb und textete Night And Day 1932 für das Musical Gay Divorce. Fred Astaire und Ginger Rogers sangen und tanzten sich zwei Jahre später durch die entsprechende Verfilmung. Das 48-taktige Thema in AAB-Form wird meistens im triolisch swingenden Rhythmus gespielt, es gibt aber auch viele Bearbeitungen mit lateinamerikanischen Rhythmen, z.B. in Form einer Beguine.


    Sehr früh ganz berühmt: Frank Sinatra mit dem Orchester von Tommy Dorsey.


    Ich habe kaum einen Standard in so unterschiedlichen Interpretationen in der Sammlung wie diesen Cole Porter-Klassiker.


    Um drei Beispiele zu nennen:


    Charlie Parker hat Night And Day 1952 knackig mit Big Band aufgenommen. Das Arrangement stammt von Joe Lippman.



    Jahrzehnte später (1984) findet man eine Trio-Version vom Pianisten Chick Corea, der mit Roy Haynes dabei einen Schlagzeuger hinter sich hat, der noch aus der Parker-Ära stammt. Toll, wie da zwei Generationen sich annähern: Jung gebliebener Altmeister trifft auf mitteljungen Wilden, der ein Auge auf tradiertes wirft.



    Ganz was anderes ist die Herangehensweise des Cellisten Ernst Reijseger im Duo mit dem Pianisten Franco D'Andrea (2002). Ein Klang-Experiment, das die Klarheit des eigentlichen Themas zu keiner Zeit verleugnet. Das ist immer noch eindeutig Night And Day, das ist aber auch gleichzeitig etwas ganz eigenständiges. Reijseger legt das harmonische Fundament mit seinem Cello, D'Andrea spielt am Klavier gefühlt nur jeden fünften Ton des Themas. Trotzdem erkennt man es sofort.



    (Blöder Ausschnitt von JPC: Im Hörschnipsel fehlt leider das Klavier.)


    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Cole Porter behauptete einmal, dass der Ruf eines Muslimpredigers zum Gebet ihn zu der Melodie dieses Songs inspirierte. Kein Mensch kann sagen, ob er das ernst meinte, aber in der Tat hat der stetige Rhythmus des Verses etwas von einer Beschwörung, bevor der Refrain dann die Melodie zum Aufblühen bringt:


    Like the beat beat beat of the tom tom tom
    When the jungle shadows fall
    Like tick tick tack tock of the stately clock
    As it stands against the wall
    Like the drip drip drip of the raindrops
    When the summer show'r is through
    So a voice within me keeps repeating:
    You, you, you


    Night and day
    You are the one...


    THE GAY DIVORCE hatte am 29. November 1932 Premiere und wurde ein moderater Erfolg für den jungen Fred Astaire, der erstmals ohne seine Schwester Adele am Broadway auftrat, nachdem diese sich in ihr englisches Eheleben zurückgezogen hatte. Seine Partnerin war damals Claire Luce. Dennoch wurde auch dieses Musical auf die Dauer zur Quelle weiterer Standards wie "After You, Who?", "I've Got You on My Mind", "How's Your Romance?" und des köstlichen "Miss Otis regrets, she's unable to lunch today" (weil sie nämlich von einem Lynchmob aufgehängt wurde, nachdem sie ihren treulosen Liebhaber erschossen hatte).


    Als das Musical zwei Jahre später in Hollywood verfilmt wurde, schrieb man eine weitgehend neue Geschichte, ersetzte alle Songs (außer "Night and Day") durch Songs von Dritten wie Harry Revel und Con Conrad ("The Continental") und änderte schließlich, da die Zensur nicht so etwas Unanständiges wie eine fröhliche Scheidung erlaubte, den Titel in THE GAY DIVORCEE, wodurch Ginger Rogers zu einer fröhlich Geschiedenen wurde, was so aber auch nicht stimmte. "Night and Day" immerhin ließ man Fred Astaire, der damit Ginger Rogers ansang und daraus eine der besonders traumhaften Tanzduette der beiden entwickelte, wie man hier sehen kann: "http://www.youtube.com/watch?v=YV5e7mWcQJE".


    Eine weitere klassische Version des Songs kann man ebenfalls bei YouTube sehen und sogar mit Text verfolgen: "http://www.youtube.com/watch?v=PEM_63_P0CY&feature=related". Sie stammt aus Ella Fitzgeralds erstem großen Songbook, das Cole Porter gewidmet und für jeden Liebhaber des Repertoires unverzichtbar ist:



    Es ist aber auch wesentlich günstiger in diversen Sammlungen von Ella Fitzgerald Hits zu haben. Ich kenne die Nummer weniger als Jazz- denn als Easy Listening Standard von Frank Sinatra, Tony Bennett, Dionne Warwick, Rebecca Luker und anderen, darunter sogar dieser, den man mal gehört haben sollte, wenn man wissen will, was man aus dieser Nummer auch machen kann:


    [Blockierte Grafik: http://ecx.images-amazon.com/images/I/51hmOl77NdL._SL500_AA240_.jpg]


    Sehr schön ist auch diese Sammlung, die allerdings auch kaum mehr mit Jazz zu tun hat:



    Aber kehren wir zum Jazz zurück und schließen mit Charlie Parker ab, weil man ihn hier auch kostenlos hören kann: "http://www.youtube.com/watch?v=UeiC3_KOnQQ"


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Ich steúere mal eine Instrumentalversion bei, die bei mir immer mal wieder läuft



    Rideamus:
    Dein Hinweis auf Ellas Songbook ist sehr dankenswert. :wink:
    Allerdings bitte den Hinweis auf günstige compilations mit dem Titel überlesen und zum "Original" greifen. Beide Cole-Porter Alben sind in sich ein geschlossener Kosmos, der genau in dieser form genossen werden sollte....
    (wie auch die anderen Songbooks, die noch bei den Standard-Alben vorzustellen sein werden).


    Grüße
    Achim

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