STANDARDS - Paul Desmond: Take Five

  • STANDARDS - Paul Desmond: Take Five

    Ein Stück, das vermutlich sogar jeder Andrea Berg Fan kennt, ist "Take 5".
    Dieser Jazzstandard war für mich vor Jahrzehnten eines der Einstiegsstücke in den Jazz, viel gehört, teilweise auch ein bißchen überhört, dennoch nach meiner Meinung unverzichtbar im Jazzkosmos.


    Geschrieben wurde das Stück 1959 von Paul Desmond auf Anregung von Dave Brubeck.
    Die Erstveröffentlichung erfolgte auf der Platte "Time out" des Dave Brubeck Quartetts und wurde ein weltweiter Hit.
    Gleiches gilt für das Album, dass es unter die Top-Jazz Alben aller Zeiten geschafft hat.



    Take 5 mag viele Bedeutungen zulassen, wahrscheinlich scheint mir aber am ehesten die des Bezugs auf den ungeraden 5/4 Takt zu sein, in dem das Stück steht. Dave Brubeck hatte eine Vorliebe für ungerade Taktarten, er veröffentlichte hierzu neben time out = außerhalb des üblichen Taktes zum Beispiel "Time further out" mit dem sagenhaften 7/4-Stück "unsquare dance".



    Take 5 ist von Dave und Iola Brubeck auch mit Text versehen worden, gesungene Versionen sind aber selten veröffentlicht worden.
    Am bekanntesten dürften Versionen von Al Jarreau und Carmen McRae sein.


     


    Grüße
    Achim

  • Unbedingt ergänzen will noch eine Gitarrenaufnahme mit George Benson, der das Stück immer wieder im Repertoire hatte (als dem Jazz noch näherstand und nicht so schwuchtelig daher kam - damals wars........ :(



    Grüße
    Achim

  • Am bekanntesten dürften Versionen von Al Jarreau und Carmen McRae sein.

    Ja, lieber Achim, Al Jarreau hat das wirklich oft im Programm und auf Plattenaufnahmen gehabt. Am liebsten ist mir allerdings die frühe Live-Aufnahme von 1977, so wie eigentlich die ganze CD Look To The Rainbow meine liebste von Al Jarreau ist.



    Ein fantastisches Video von 1976 dazu: "http://www.youtube.com/watch?v=hhq7fSrXn0c" Traumhaft! :juhu: :juhu:


    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)


  • Hallo Carsten,


    genau die Platte meinte ich, habe ich offenbar so schnell nicht als Cover gefunden.
    Ich hatte die die Doppel-LP und die war damals ein vielgespielter Favorit.
    Zu Al Jarreau gäbe es auch nocht einiges zu sagen, demnächst in einem Extrathread....


    Grüße
    Achim

  • Coverversionen von "Take Five" gibt es viele, und ein Produzent hat sogar ein ganzes Album nur mit Aufnahmen dieses einen Superhits herausgebracht:


    Lieber als alle Coverversionen ist mir dann aber doch letztlich Paul Desmonds eigene Live-Aufnahme mit Ed Bickert (g), Don Thompson (b) und Jerry Fuller (dr), die 1975 in einem kleinen Jazzclub in Toronto entstand:

    So sparsam instrumentiert wie hier gefällt mir das Stück am besten. Und irgendwelche Vocals brauche ich schon gar nicht dazu. Obwohl ich damals sogar am 4. Februar 1977 in der Hamburger Musikhalle dabei war, als Al Jarreau mit seiner Band "Take Five" aufführte. Das war die Deutschland-Tournee, welche mitgeschnitten wurde und aus deren Aufnahmen das Doppelalbum "Look to the Rainbow" entstand, welches in #3 erwähnt wurde. Warum ich das Datum so genau weiß? Ich schrieb damals in unserer Schülerzeitung eine Rezension über dieses Konzert.

  • Als "Take Five" 1959 eingespielt wurde, dachte niemand daran, dass es mal zu vielleicht DEM Hit des modernen Jazz nach der großen Bebop-Welle werden würde. Man beachte auch das Tempo damals: eher langsam, mit aller Ruhe musiziert, dazu in einer völlig ungewöhnlichen Tonart, Ges-Dur/Es-Moll.


    Ich habe das Stück selbst auf der Trompete in dieser Tonart gespielt (ich spiele dann F-Moll/As-Dur), das ist eine so seltene Tonart für mich, da bricht man sich fast die Finger dabei. Man muss das einfach so lange einüben, bis man es im Schlaf spielen kann.


    Selbst Dave Brubeck/Paul Desmond haben später das Tempo teilweise erheblich angezogen (etwa im Carnegie Hall Konzert von 1963). Es gibt so viele Fassungen, mit den unterschiedlichsten Musikern. Auch das berühmte Konzert mit Paul Desmond und Gerry Mulligan bringt eine Wahnsinnsfassung zutage, die man einfach mal hören sollte.


    Später dann mit Bill Smith an der Klarinette oder dann auch Bob Militello, den viele überhaupt nicht kennen.


    Ich würde immer wieder dem Original von 1959 den Vorzug geben. Nicht von den Soli her, die waren in den Live-Konzerten doch irgendwie freier, aber auch "hitziger", selbst bei Paul Desmond. Joe Morello war ein absoluter Topp-Drummer gewesen, den man gerne mit Max Roach vergleichen hatte, da er auch eine unglaubliche Überlegenheit und Reife bereits in jungen Jahren besaß, wenn auch nicht das Feuer eines Max Roach, das er noch aus der Bop-Zeit hatte. Morello spielte "kühler", dafür mit weniger fill ins, ausgesparter als andere Drummer. Vielleicht ist das der Reiz dieser Aufnahme.


    In Live-Konzerten war dieser "kühle" Drummer dann doch wieder anders gepolt, auch wenn er seine Grundhaltung und seinen Stil nicht wirklich veränderte.


    Genau HIER beginnt aber nun die rhytmische Wende. Morellos Nachfolger wurde Alan Dawson. Dawson war zuvor Bigband-Drummer, etwa für Lionel Hampton. Er war außerdem ein Swinger par excellence. Er war 1957-1975 Schlagzeuglehrer am berühmten Berklee College of Music. Er war der Lehrer von etwa Tony Williams, Jake Hanna, Keith Copeland, Terri Lyne Carrington, Billy Kilson, Joe LaBarbera, Harvey Mason und Akira Tana. Alles bekannte Jazzdrummer.


    Er veränderte den Klang und damit auch das Spielen der ganzen Band erheblich. Kein Unterstatement mehr, sondern swingendes Spiel vom Anfang bis zum Ende. Kein Wunder, dass Gerry Mulligan dann für Desmond kam. Der hatte noch gefehlt.


    1978 folgte Randy Jones, der über drei Jahrzehnte dann in der Band bleiben sollte. Auch Jones, der 1944 in der Nähe von Berkshire in Großbritannien geboren wurde, spielte u.a. 5 Jahre mit Maynard Ferguson, als dieser in England agierte. Auch er war ein Swinger, aber einer, der auch das rockige kannte und konnte. 2019 ist er dann verstorben.


    Warum schreibe ich das so ausführlich auf? Ganz einfach. Weil dieses Stück eines jener Werke ist, was mit dem Drummer steht und fällt. Weitaus mehr als eine Vielzahl anderer Werke. Auch Brubeck war live im Konzert ein anderer Spieler als im Studio, wenn auch nicht so extrem. Seine Art und Weise, seine Soli aufzubauen, bis sie geradezu ausbrechen, ist im Jazz einzigartig gewesen. Er konnte das nur selten zeigen in jenen Bands, die er vor dem Eintritt Joe Morellos in die Band 1957 hatte. Deren Drummer waren einfach nur Cool Jazz Drummer, die sich kaum um wirklich sinnvolle Akzente kümmerten, sondern vor allem durch ihre makellose Besentechnik glänzten. Quasi Bar-Jazz mit Anspruch spielten. Anders gesagt: Es waren die falschen Musiker gewesen. Keine "schlechteren" Musiker, sondern einfach nur stilistisch nicht in der Lage, Brubeck mehr zu bieten als eine leise, saubere Begleitung.

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

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