STANDARDS - George Gershwin: I Got Rhythm

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • STANDARDS - George Gershwin: I Got Rhythm

    Wie wohl die meisten musikliebenden Deutschen meiner Generation lernte ich diesen Song durch Gene Kellys Version in diesem Film kennen:


    Egal, ob Gene Kelly, der Regisseur Vincente Minnelli oder ein anderer, wer immer auf die Idee kam, den Anfang des Songs "I Got" an ein paar Kinder zu verteilen, war ein Genie, denn so brennt sich der Song wirklich unauslöschlich im Gedächtnis ein. Wer, der diese Szene jemals gesehen hat, könnte sie je wieder vergessen: "http://www.youtube.com/watch?v=LvglHa_P9BA"


    Der Ursprung des Songs war wieder einmal ein Musical, diesmal eines der Gershwin Brüder, nämlich GILR CRAZY, mit denen sie am 14. Oktober 1930, also unmittelbar vor dem Gewinn des Pulitzer Preises mit OF THEE I SING (s. GERSHWIN, George - Die Musicals: OF THEE I SING und LET 'EM EAT CAKE?), eine beispiellose Erfolgsserie abschlossen, die in nur fünf Jahren so überragende Hits wie LADY BE GOOD, OH, KAY!, STRIKE UP THE BAND (in zwei Fassungen) und FUNNY FACE umfasste.


    Die Stars des Ensembles waren Willie Howard und Ginger Rogers, die zwei andere Standards vorstellen durfte, nämlich "But Not for Me" und "Embraceable You", deren Erfolg aber überstrahlt wurde durch die Neuentdekcung Ethel Merman, die mit ihrer unvergleichlichen Röhre "I Got Rhythm" zu einem Instant Hit machte. Das Orchester, das damals das Publikum auch in den Pausen unterhielt, war die Red Nichols Band, in der damals u. a. Benny Goodman, Glenn Miller, Jack Teagardenb, JImmy Dorsey und Gene Krupa saßen. Bei der Premiere dieses Stückes, die George Gershwin selbst dirigierte, wäre man wahrlich gerne dabei gewesen. Uns bleibt heute nur die Einspielung der sorgfältigen Rekonstruktion der Partitur durch John Mauceri und andere, in der Lorna Luft Ethel Merman ersetzte.


    am]B000005J0J[/am]


    Noch im Jahr der Uraufführung spielten Red Nichols und seine Five Pennies mit Dick Robertson den Song ein und eroberten immerhin Platz 5 der Charts damit. Auch Ethel Waters und Louis Armstrong konnten mit Coverversionen des Songs bald darauf in die Charts vordringen. Weniger erfolgreich war eine Verfilmung der RKO im Jahr 1932 mit dem Komikerduo Wheeler and Woolsey, ganz im Gegensatz zu der MGM-Verfilmung des Jahres 1943. In diesem achten Judy Garland-Mickey Rooney Musical, für das Busby Berkeley die aufwändigen Musiknummern choreographierte, fungierte I GOT RHYTHM als großes Finale, und man ließ ausnahmsweise sogar die Story der beiden auf einer sogenannten "Dude Ranch", das sind Urlaubsranchs im Westen für Großstädter im "Wilden Westen", im Wesentlichen intakt. "http://www.youtube.com/watch?v=VUaA3Rzd7xU“.


    Jahre später sollte die Geschichte und Musik von GIRL CRAZY unter anderem noch als Vorlage für den Film WHEN THE BOYS MEET THE GIRLS (1966) mit Connie Francis und Harve Presnell dienen und schließlich das Modell werden für das köstliche Gershwin-Pastiche CRAZY FOR YOU, in dem der Song, diesmal vorgetragen von Jodi Benson, zum x-ten Mal an den Broadway kam, wo ich ihn selbst einmal live erleben konnte.



    Gershwin selbst schätzte diesen Song mit seinen vertrackt synkopierten Rhythmen von allen seinen Musicalkompositionen am meisten, weshalb er selbst noch kurz vor seinem Tod "Variations on I Got Rhythm" schrieb. Der Song wurde nicht nur unglaublich oft eingespielt, sondern seine Akkordfolge diente auch als Vorlage für zahlreiche Kopien, für die sich auch die Besten nicht zu schade waren, etwa Charlie Parker, der sich gleich in mehreren Kompositionen daran orientierte. Diese Information wie auch eine detaillierte Analyse und viele Hinweise auf weitere Aufnahmen finden sich hier: http://www.jazzstandards.com/compositions-0/igotrhythm.htm


    Man sollte jedoch nicht vergessen, dass hinter diesem Song auch ein in seiner vermeintlichen Einfachheit raffinierter Text steckt:


    Days can be sunny, with never a sigh
    Don't need what money can buy
    Birds in the trees sing their day full of song
    Why shouldn't we sing along?


    I'm chipper all the day, happy with my lot
    How do I get that way? Look at what I've got


    I got rhythm, I got music
    I got my man
    Who could ask for anything more?
    I got daisys, in green pastures
    I got my man
    Who could ask for anything more?


    Egal, ob hier das Huhn der Musik oder das Ei des Textes zuerst kamen, die Kombination ist genial, wie man, wieder einmal, besonders gut von Ella Fitzgerald in ihrem Gershwin Songbook hören kann.



    Aber auch diese Version mit einem visuellen Tribut an Bill "Bojangles" Robinson lohnt das Kennenlernen: "http://www.youtube.com/watch?v=O_hIuA9nF-o"


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • wer immer auf die Idee kam, den Anfang des Songs "I Got" an ein paar Kinder zu verteilen, war ein Genie, denn so brennt sich der Song wirklich unauslöschlich im Gedächtnis ein. Wer, der diese Szene jemals gesehen hat, könnte sie je wieder vergessen

    Oh ja! :juhu: Ich sah die Szene erstmals, als ich in etwa so alt war wie die jungen Akteure. In dem Moment wurde Gene Kelly zu einem Gott für mich! Grenzenlose Anbetung dieses Bewegungs-Genies war die Folge meines unfreiwilligen Fernseherlebnisses, das ich notgedrungen machen musste, weil meine werte Frau Mutter den Film sehen wollte. Noch heute gibt's aus dem Film mindestens drei Musik/Tanz-Szenen, die mir immer wieder eine Riesenfreude machen und auf einer Stufe mit Kellys Tanz zu Singin' In The Rain stehen.


    Allerdings besitze ich in meiner Sammlung nicht eine einzige Jazz-Interpretation dieses Songs. Bin mal gespannt, ob interessante Bearbeitungen vorgestellt werden.


    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Eine sehr schöne Einspielung hat die junge japanische Pianistin Hiromi Uehara kürzlich aufgenommen. Sie bleibt hier, anders als bei den anderen Standards auf dieser CD, relativ eng am Song, akzentuiert aber mit viel Spielwitz. Sie ist eine außerordentlich gute Pianistin, was hier gut zu hören ist. Die Version klingt erstaunlich abgeklärt für eine so junge Künstlerin. Sie hat hier ihren eigenen Ton gefunden, vielleicht weil die wichtigsten Einflüsse ihrer Pianospielweise mit Ahamd Jamal und Chick Corea so unterschiedliche waren, dass sie daraus einfach etwas eigenes entwickeln mußte.



    :wink: Matthias

Jetzt mitmachen!

Du hast noch kein Benutzerkonto auf unserer Seite? Registriere dich kostenlos und nimm an unserer Community teil!