STANDARDS - Irving Berlin: Blue Skies

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • STANDARDS - Irving Berlin: Blue Skies

    Dieser muntere Song von Irving Berlin war ursprünglich ein Hit in einer Show, in die er gar nicht hinein gehörte, nämlich der Ziegfeld-Revue BETSY vom Dezember 1926, für die Richard Rodgers und Lorenz Hart eigentlich die schön traurige Ballade "This Funny World" geschrieben hatten. Die aber gefiel dem Star der Show, einer gewissen Belle Baker, nicht, und sie bat Irving Berlin um eine Alternative, die er gerade parat hatte. Sie war ein Weihnachtsgeschenk für seine jüngste Tochter und beschwor etwas, auf das auch wir seit mindestens Weihnachten immer dingender warten, nämlich blauen Himmel, also "Blue Skies".


    Irving Berlin hatte gerade eine glückliche Phase seines Lebens erreicht und beschrieb, wie so oft in seinen Liedern, eigene Erfahrungen und Gefühle:


    Blue skies
    Smiling at me
    Nothing but blue skies
    Do I see


    Bluebirds
    Singing a song
    Nothing but bluebirds
    All day long


    Never saw the sun shining so bright
    Never saw things going so right
    Noticing the days hurrying by
    When you're in love, my how they fly!


    In dieser konzisen Form sind sie einfach unmöglich wort- und rhythmusgetreu und dann auch noch gereimt zu übersetzen, deshalb hier nur eine wörtliche Übertragung:


    Blaue Himmel
    Lächeln mich an
    Nichts als blaue Himmel
    Sehe ich


    Rotkehlchen (im Original: blaue Vögel)
    Singen ein Lied
    Nichts als Rotkehlchen
    Den ganzen Tag


    Nie strahlte die Sonne so glänzend
    Nie lief alles so glatt.
    Wie doch die Tage vorbeifliegen,
    Wenn man verliebt ist - wie schnell sie doch sind.


    Mit seinem einfachen A-A-B-A - Format entsprach es den meist sehr einfachen Liedern des Autodidakten Irving Berlin, der den optimistischen Grundton des Liedes mit einem Aufwärtsintervall vorgibt, allerdings eine unerwartet absteigende Basslinie als interessanten Kontrast hinzu fügt.


    Wie man sich denken kann, waren Rodgers und Hart alles andere als glücklich über diese Einlage, konnten aber nichts machen, da die Nummer schon bei der Premiere mehrfach vorgetragen werden musste und sich so auf Anhieb als Hit der Show erwies. Noch im gleichen Jahr wurde sie von Al Jolson in dem ersten abendfüllenden Tonfilm überhaupt, THE JAZZ SINGER, weltweit populär gemacht. 1938 nahm die Twentieth Century Fox die Nummer in ihr Irving Berlin-Pastiche ALEXANDER'S RAGTIME BAND des Regisseurs Henry King auf, wo die Nummer von Ethel Merman und Alice Faye vorgetragen wurde. Im gleichen Jahr war die Nummer in dem Arrangement Fletcher Hendersons ein Glanzstück des legendären ersten großen Jazzkonzerts von Benny Goodman in der New Yorker Carnegie Hall, an dem, abgesehen von der Bigband Goodmans (u.a mit Ziggy Elman) und natürlich von Teddy Wilson, Lionel Hampton, Gene Krupa im Goodman Quartett, auch Musiker wie Count Basie, der eine eigene Variante des Liedes erfolgreich eingespielt hatte, Lester Young, Cootie Williams, Johnny Hodges, Harry James und andere teilnahmen:



    Gleich nach dem Krieg, 1946, war der Song dann, vorgetragen von Bing Crosby in der vielleicht berühmtesten Version, die Titelmelodie von Stuart Heislers Filmmusical BLUE SKIES. Bing Crosby, der dieses Lied besonders schätzte, trug es bald darauf noch einmal in einem Film vor, diesmal zusammen mit Danny Kaye in dem Evergreen WHITE CHRISTMAS (1954) von Michael Curtiz:



    Mir gibt dieser Song die Gelegenheit, anlässlich ener schönen Scat-Nummer Ella Fitzgeralds auch auf ihr großartiges Irving Berlin - Songbook hinzuweisen, das, wie alle ihre Songbooks, eigentlich ein Pflichtstück für jeden Liebhaber des Jazz und der amerikanischen Songbooks ist:



    Weitere gute Versionen gibt es u. a. von Frank Sinatra und Tommy Dorsey (flott), Stan Getz (besinnlich) und Cassandra Wilson (schräg synkopiert), aber auch hier will ich nicht alles vorweg nehmen, was ich kenne.


    :wink: Rideamus


    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Wow, Blue Skies - einer meiner Lieblings-Standards, ein typischer Irving-Berlin-Song. Ich liebe die von Rideamus schon erwähnte Interpretation von Cassandra Wilson. Die ganze CD läuft bei mir seit 20 Jahren immer und immer wieder gern.





    Unbedingt zu erwähnen ist das Arrangement von "Blue Skies", das die Pianistin Mary Lou Williams für das Ellington-Orchester der 40er Jahre schrieb. Die Band spielte es unter dem Titel "Trumpet No End" als ein Showpiece für ihre Solotrompeter. Insbesondere Cat Anderson, der Nachfolger von Cootie Williams, sowie Harold Baker wußten darin zu brillieren. Hier kann man reinhören:




    Cheers,


    Lavine :wink:

    “I think God, in creating man, somewhat overestimated his ability."
    Oscar Wilde

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