Komponisten über Komponisten - ein kleines Zitateraten – Die Zitate-Sammlung

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  • Hallo,


    anbei der erste Teil der Zitate in chronologischer Reihenfolge aus dem Thread „Komponisten über Komponisten - ein kleines Zitateraten“.


    Es handelt sich hier nicht um einen Diskussionsthread.


    Alles ohne Gewähr, da grundsätzlich Kopien.


    Es lohnt sich jedoch den Ursprungsthread zu lesen oder noch besser: Mitmachen!


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    1. Debussy über Mussorgski
    Niemand hat so zart und tief das Beste in uns angerührt; seine absichtslose, von verknöcherten Formeln freie Kunst ist einzigartig und wird es bleiben.


    Q.: Claude Debussy, Monsieur Croche. Sämtliche Schriften und Interviews, hrsg. von François Lesure, Reclam/Stuttgart 1982, S. 31 (La Revue blanche, 15.04.1901).


    2. Ustwolskaja über Schostakowitsch
    Mit großer Mühe hielt ich die Konzerte durch, denn die Musik zerschnitt mir die Ohren, die Seele tat weh.


    Q.: Olga Gladkowa. „‘Ich würde gern unter einer Birke sitzen …‘ Galina Ustwolskaja im Gespräch“. In: MusikTexte, Köln 2000, Heft 83, S. 28-29.


    3. Krenek über Bartók
    Der Fall Bartók hat mich so sehr verärgert, weil ich davon überzeugt bin, dass Bartók ein Teil der Unsterblichkeit ist, was immer das auch sein mag, und er zu Lebzeiten weitestgehend unerkannt geblieben ist...


    Q.: Essays by Ernst Krenek, London 1966 zitiert nach: Bela Bartók im Spiegel seiner Zeit, Malcom Gillies, M&T 1991, Seite 241.


    4. Strauss über Schönberg und Krenek
    Sogar Burschen wie Schönberg und Krenek geben zu ihrem Bockmist 'erläuternde Vorträge'.


    Q.: Brief Strauss’ an Hofmannsthal vom 3.5.1928.


    5. Wagner über Humperdinck
    Jetzt soll ich wohl gar noch meterweise komponieren!? Wenden Sie sich an Humperdinck, der komponiert wie der Teufel! Wir komponieren nicht schock- und ellenweise!


    Q.: Wolfram Humperdinck, Engelbert Humperdinck - das Leben meines Vaters".


    6. Milhaud über Ravel (La Valse)
    Die Uraufführung von La Valse besuchte ich als Kritiker im Auftrag einer Zeitschrift. Ich schrieb damals eine reichlich unverschämte Rezension - mit all der Impertinenz, zu der junge Leute in der Lage sein können und auch müssen. Ich nannte das Werk `Saint-Saens fürs russische Ballett´. Dafür halte ich es auch heute noch! Ich glaube, Ravel war ziemlich schockiert, aber er ließ es sich nie anmerken. Als wir nach dem Krieg die Gruppe "Les Six" gründeten, gehörte Ravel zu den Komponisten, die von uns in erster Linie angegriffen wurden. Ich muss sagen, dass er trotzdem äußerst anständig blieb; denn immer wenn er von Kritikern nach seiner Meinung über die junge Generation befragt wurde, antwortete er sehr
    großmütig. Auch von meinem Werk sprach er immer sehr wohlwollend, was mich fast ein bißchen beschämt hat, weil ich ihm seine freundliche Anerkennung nicht erwidern konnte.


    Q: BBC Interview vom 24.10.1957 zitiert aus: Roger Nichols, Maurice Ravel im Spiegel seiner Zeit.


    7. Dukas (vielleicht) zu Bartók
    Nun, Sie wissen, das Streichquartett ist eine Form, die zur Zeit Haydns aufkam und in der dieser sich als großartiger Meister erwies. Dann kamen die bewunderungswerten Quartette Mozarts. Den Höhepunkt der Quartettkomposition bedeutet bekanntlich Beethoven. [...] Und jetzt ist es mit dieser Form zu Ende. Vergessen Sie aber nicht, Ihre Partitur wieder mitzunehmen!


    Q.: o. A.


    8. Sibelius über Dvořák
    Nur selten ist bei einem Künstler sein äußerer Ausdruck in so vollkommener Harmonie mit seiner Kunst wie bei diesem großen Künstler, bei dem die rein menschliche und die künstlerische Seite in seinen Werken ein harmonisch Ganzes bilden, an das ich niemals vergesse.


    Q.: o. A.


    9. Janáček über Dvořák
    Ich bin überzeugt, dass wir in Antonin Dvořák den einzigen tschechischen nationalen Komponisten besitzen...Ich bin überzeugt, dass die Partituren des H. Dvořák kontrapunktische Meisterwerke sind...Kennen Sie das, wenn jemand Ihnen das Wort vom Munde nimmt, früher, als sie es ausgesprochen haben? So ging es mir immer in Dvořák Gesellschaft.
    Ich kann die Person mit dem Werk austauschen. So nahm er mir seine Melodien aus dem Herzen.


    Q.: o. A.


    10. Schumann über Beethoven
    Wenn ich Beethoven´sche Musik höre, so ists, als läse mir jemand Jean Paul vor.


    Q.: o. A.


    11. Busoni über Strawinski
    ...Strawinski, der nicht weiter aufregend ist; nur, dass er dem gedankenlosen Publikum und der urteilslosen Kritik ein falsches Bild gibt von dem, was in der Musik fortschrittlich sein soll.


    Q.: o. A.


    12. Mattheson über Händel
    Mattheson bemängelt an Händel "lange, lange Arien und schier unendliche Kantaten", "ohne das rechte Geschick und ohne Geschmack", eine "zwar vollkommene Harmonie", aber daß er "sehr wenig von der Melodie" gewusst habe, bevor, ja, bevor Händel Mattheson ngetroffen habe.


    Q.: o. A.


    13. Eisler über Beethoven
    Diese Töne, die schon jetzt uns, den noch kämpfenden Arbeitern, Energien zuführen, werden erst recht uns gehören, wenn wir über die jetzt herrschende Klasse gesiegt haben werden und den Millionenmassen der bis dahin Unterdrückten mit dem Triumphgesang Beethovens zujauchzen werden: "Seid umschlungen, Millionen!"


    Q.: Rote Fahne vom März 1927 (Beethovens 100. Todestag). Nach: Wolfgang Stähr, IX. Symphonie in d-Moll, op. 125, in: Renate Ulm (Hrsg.), Die 9 Symphonien Beethovens, Kassel 1994, S. 260.


    14. Schostakowitsch über Glasunov
    Glasunov war manchmal kindisch und manchmal jedoch ein großer Weiser. Mich hat er sehr vieles gelehrt.


    Q.: Die Memoiren des Dimitri Schostakowitsch, hrsg. Von Solomon Wolkow


    15. Tschaikowsky über Haydn und Mozart
    Haydn, ein oberflächlicher, kühl eleganter Künstler, veraltete bei weitem mehr als Mozart, der in jeder Beziehung den späteren Komponisten überlegen war. Mozart, ein starkes, vielseitiges, tiefes Genie, veraltete nur in seiner Instrumentalmusik.


    Q.: o. A.


    16. Lachenmann über Ligeti
    Analyse dürfte hier aber nicht stehenbleiben, sondern müsste nun hier nun erst einsetzen. Sie müsste nach dem Grund des hier inszenierten Crescendos forschen, sie hätte nach der strukturellen Funktion der melismatischen Chorstimmenbehandlung, der akzentuierten Blech-Tenutoklänge zu fragen und sie hätte alle diese Eigenschaften, die den Charakter dieses Stücks maßgeblich bestimmen, zu entlarven als bewußt um ihrer geläufigen Wirkung geborgte Klischees der bürgerlichen tonalen Musikerfahrung, zuletzt legitim vertreten etwa durch Berlioz, Verdi oder Bruckner, Klischees, deren Eigenschaften hier völlig unversehrt als verdinglichte Emotionalismen benutzt werden, um als bewährte Mittel den Verlauf des ganzen expressiv-demagogisch einzufärben.


    Q.: Aufsatz "Zur Analyse neuer Musik" von 1971.


    17. Brahms an Joachim über Liszt
    Die Kompositionen werden immer schrecklicher, z.B. Dante-Sinfonie! ... Mich juckts oft in den Fingern Streit anzufangen, Anti-Liszt zu schreiben.


    Q.: o. A.


    18. Webern über Mahler
    Diese in seiner Gegenwart verbrachten Stunden werden mir stets als überaus glückliche in Erinnerung sein; war es doch zum ersten Mal, dass ich unter der unmittelbaren Einwirkung einer großen Persönlichkeit stand.
    Und:
    Schönberg über Mahler
    Ich habe über Mahler nicht viel zu sagen. Nur: er ist einer der allergrößten Menschen, die es geben kann.


    Q.: Norman Lebrecht, Gustav Mahler im Spiegel seiner Zeit; Laut der Quelle aus einem "unveröffentlichtem, biographischen Fragment", welches Schönberg ca. 20 Jahre nach Mahlers Tod verfasst hat, also ca. 1931. Das Webern-Zitat, welches aus einem Artikel von Wildgans, erschienen in der österreichischen Musikzeitschrift , Jg. 1960, stammt, ist zeitlich nicht eingeordnet.


    19. Schumann über Mendelssohn
    Musikalische Zeitungen las er selten - am liebsten ließ er sie sich holen, wenn er unwohl war u. das Bett hüten mußte; dann las er sie gleich Jahrgangweise. - Doch wußte er von allen bedeutenderen erscheinenden Compositionen. Las er eine neue Composition, so konnte man s. Gedanken auf seinem Gesicht deutlich genug verfolgen. - "Nun so schlag' ein Donnerwetter hinein" hörte man wohl auch gelegentlich.


    Q.: Robert Schumann, Aufzeichnungen über Mendelssohn. Mit Anmerkungen von Heinz-Klaus Metzger und Rainer Riehn, aus: Musik-Konzepte, Heft 14/15 (1980): Felix Mendelssohn Bartholdy, S. 106.


    20. Weber über J. S. Bach
    Von ihm ging so viel Neues und in seiner Art Vollendetes aus, dass seine Vorzeit fast in Dunkelheit verschwand...


    Q.: Weber äußerte das in der Allgemeinen Encyklopädie der Wissenschaften und Künste 1821.


    21. Schumann über Beethoven (9. Symphonie)
    [...]es scheinen im Werk die Dichtgattungen enthalten zu sein, im ersten Satz das Epos, im zweiten der Humor, im dritten die Lyrik, im vierten (die Vermischung aller) das Drama. [...] ein gigantisches Werk wäre es, kolossal, den ägyptischen Pyramiden vergleichbar. [...]


    Q. Robert Schumann,: "Fastnachtsrede von Florestan".


    22. Janáček über Berg (Wozzeck)
    Unrecht, schreiendes Unrecht tut man dieser Oper und Berg an! Das ist ein unerhört tiefer Dramatiker voll echter Lebenswahrheit. Schreibt keine einzige Note mehr. Und jede seiner Noten war in Blut getaucht!


    Q.: Meinhard Saremba, Leos Janáček. Zeit - Leben - Werk - Wirkung. Bärenreiter 2001, S. 398.


    23. Schumann über Brahms
    Er soll sich immer an die Anfänge der Beethoven´schen Symphonien erinnern; er soll etwas ähnliches zu machen suchen. Der Anfang ist die Hauptsache; hat man angefangen, dann kommt Einem das Ende wie von selbst entgegen.


    Q.: Martin Geck, Von Beethoven bis Mahler.


    24. Tschaikowsky über Mahler und Mahler über Tschaikowsky
    Tschaikowsky schrieb: Der hiesige 1. Kapellmeister ist im übrigen wider Erwarten ein genialer Mann und er reißt sich darum, die erste Aufführung zu dirigieren!
    Mahler berichtete: Dieses also war der berühmte Meister! Er saß vor mir, konnte nicht reden, atmete schwer. Ein Mann von gediegener Schönheit, sehr weichlich in den Zügen... Er kann sich nicht verkaufen! Ich habe viele Stunden mit ihm geredet und muß sagen, dass ich mit einem großen, aber herrlichen Kinde geredet habe.


    Q.: o. A.


    25. Eisler über Berg
    Der Berg ist ein begabter Trottel.


    Q.: Hanns Eisler, Wiener Tagebuch und Christian Glanz, Hanns Eisler – Werk und Leben.


    [Ggf. Fortsetzung]


    Bis dann.

  • Hallo,


    2. Teil:


    26. Dvořák über Mozart
    Mozart ist süsser Sonnenschein.


    Q.: o. A.


    27. Über Gershwin und Glasunov
    Then we went backstage and met Gershwim. I have never seen any man's face so radiant as Gershwin's when he was introduced to Glasunov.“Will you please tell Mr. Glasunov that it has been the dream of my life to go to Russia to study orchestration under him.” I translated Gershwin's remarks with great glee. But Y responded coldly with a shrug of his shoulders. Then he said to me in Russian, “He wants to study orchestration? He hasn't the slightest knowledge of counterpoint.”
    I kept quiet. I didn't have the heart to translate Glasunov's seemingly cruel words. The two composers faced each other in a deep silence that lasted for several minutes. Finally Glasunov broke the ice. Summoning up all the English he knew, the Russian composer slowly but precisely told Gershwin the bitter truth—that he lacked theory, that the defect had to be remedied before he could begin to think of studying orchestration. Needless to say, we left Gershwin in a crestfallen mood.


    Q.: “ http://www.kennedy-center.org/calendar/?…osition_id=2835”


    28. Ravel über Beethoven
    ... sprach weiter, und nach seinem letzten Satz, der wie eine Frage klang, schüttelte er mir die Hand und war plötzlich verschwunden.
    »Wer war das? Was hat er gesagt?«
    »Aus dem, was ich hörte«, sagte P., »entnahm ich, dass Ravel Gefallen an Ihrem Spiel fand.«
    »Ravel!« rief ich aus.
    »Ja, unser großer Komponist.«
    »Wie lautete seine Frage? Fragte er nicht etwas, bevor er ging?« Ich wollte es unbedingt erfahren.
    »Ja, es war eine Frage«, sagte P. lächelnd. »Ravel fragte, warum Sie Ihr Talent an so abscheuliche Musik verschwenden, wie Sie heute Abend spielten.«
    »Abscheulich? Es war Beethoven!«
    Beunruhigt dachte ich darüber nach, wie Ravel so etwas sagen konnte...


    Q.: Gregor Piatigorsky: Mein Cello und ich und unsere Begegnungen.


    29. Bibalo über Verdi (Macbeth)
    Meine Oper Macbeth ist viel besser als die andere, die von dem Verdi. Der Verdi hat das Stück nicht verstanden und nur Tralala geschrieben. Hör' Dir die Hexen an, das ist doch grauenhaft. Die Oper von Verdi ist einfach nicht gut. Ich bin wirklich der erste, der den echten Macbeth auf die Opernbühne bringt.


    Q.: Edwin, Aufzeichnungen.


    30. Strauss über Wagner (Tristan und Isolde)
    Joseph Gregor hatte in Bezug auf Goethes Iphigenie von einer "letzten geistigen Formung" gesprochen, "die seitdem nie wieder erreicht worden ist" und Strauss nun bittet, "als Musiker [...] mit bescheidener Kritik einsetzen zu dürfen"; denn: "Tristan und Isolde ist die allerletzte Konklusion von Schiller und Goethe und die höchste Erfüllung einer 2000jährigen Entwicklung des Theaters."


    Q.: Richard Strauss, der 1935 an den Librettisten seiner Spätwerke, Joseph Gregor, über Wagners Tristan schrieb. Zit. n. Richard Wagner, Die Musikdramen, dtv-bibliothek.


    31. Schönberg und Hindemith über Schostakowitsch (7. Symphonie „Leningrader)
    Der Komponist Schönberg war auch als Lehrer tätig. Als einer seiner Schüler über den Komponisten Schostakowitsch lästerte, wies Schönberg ihn zurecht: "Schostakowitsch ist ein geborener Komponist."
    Als Schönberg etwas später jedoch eine Symphonie von Schostakowitsch hörte, hatte sich sein Geschmack offenbar gewandelt: "Bei dieser Art zu komponieren muß man ihm dankbar sein, daß er nicht schon bei der 77. Symphonie angekommen ist."
    Dasselbe Werk beurteilte der Komponist Hindemith als "unmöglichen Mist".


    Q.: Alex Ross, The Rest is Noise – Das 20. Jahrhundert hören.


    32. Gulda über Schönberg
    Also ich kann diese Leute nicht wirklich schätzen. Das ist das eine. Auf der anderen Seite gibt es eine Menge Zeitgenossen, die ich ablehne, obwohl sie kreativ sind, Ich habe über die freie Musik gesprochen, die eine schöne Utopie ist, weil es in ihr keine Gesetze gibt. Die Ausgangsposition des Herrn Schönberg und seiner Nachfolger war ähnlich. Man hat die Musik von den alten Regeln befreit.


    Q.: ZEIT-Interview aus dem Jahre 1989.


    33. Boulez über Debussy (Pelleas et Mélisande)
    In jedem großen Werk enthüllt sich das Geheimnis in dem Maß, als man vielschichtig verfährt und sich von Widersprüchen nicht schrecken läßt; so auch hier. Mélisande: arglos in ihrer Doppelzüngigkeit; Pelléas: Zögern vor der Schwelle zum Absoluten; Golaud: Jähzorn und Ohnmacht vorm Zusammenbruch seiner Welt; Arkel: aus Angst eigensinniges Festhalten an der Naivität... Es handelt sich wirklich [...] um ein Theater der Angst und der Grausamkeit; es muß als solches interpretiert werden. Warum hat man sich so lange gesträubt, die Oper unter diesem Blickwinkel zu sehen?


    Q.: Pierre Boulez: Anhaltspunkte. Bärenreiter 1979.


    34. Sibelius über Williams (5. Symphonie)
    Kultur und reiche Menschlichkeit! Bin zutiefst dankbar. Mir gibt Williams mehr als jemand ahnen kann.


    Q.: Tomi Mäkelä, Jean Sibelius – Poesie in der Luft, Studien zu Leben und Werk.


    35. Britten über Williams
    Meine liebe [...],
    ich möchte Ihnen mein tiefes Mitgefühl zum Tode Ihres Gatten aussprechen, einem wirklich großen Mann. Er war mein ganzes Musikerleben für mich eine so großartige Persönlichkeit, daß es schwerfällt zu begreifen, daß er nicht mehr länger bei uns ist. Wir werden ihn sehr vermissen - vor allem seinen wunderbaren, kompromißlosen Mut, für all die Dinge zu kämpfen, an die er geglaubt hat - Dinge, von denen ich persönlich denke, daß sie zum wichtigsten im Leben überhaupt gehören. Ihnen bleiben in diesem schrecklichen Augenblick die herzlichen Gedanken der zahllosen Menschen, die ihn mit Ihnen geliebt haben.
    Hochachtungsvoll [...]


    Q.: Beileidsbrief des Komponisten Britten an die Witwe des Komponisten Williams.


    36. Strauss über Mahler (5. Symphonie Adagietto)
    Ihre 5te Sinfonie hat mir neulich in der Generalprobe wieder große Freude bereitet, die mir nur durch das kleine Adagietto etwas getrübt wurde. Dass dasselbe beim Publikum am meisten gefallen hat, geschieht Ihnen dafür auch ganz recht.


    Q.: o. A.


    37. Rihm über Sibelius
    Bei Sibelius hatten sich auch schon einmal viele geirrt und ständig eine fatale Glosse auf der Zunge geführt.
    Heute wird Sibelius als Komponist hochaktueller Verlaufsformen, als Protagonist zellularen Komponierens gefeiert. Seine Flächigkeit ist nicht mehr ein Mangel an ›richtiger‹ harmonischer Fortschreitung, sondern wird erkannt als Komposition mit Klangfarben und Perspektiven, als dynamische Form.


    Q.: o. A.


    38. Messiaen über Mozart
    Trotz Leids, Schmerzen, Kälte, Hungers, Todesnähe und Unverständnisses hat Mozart stets gelächelt, auch seine Musik lächelt.


    Q.: o. A.


    39. Berlioz über Schubert
    Dieser junge Komponist Schubert hat zwei Bände mit Werken für eine oder mehrere Stimmen hinterlassen, die sich zu unseren beschämenden französischen Romances so verhalten, wie die Ouvertüre zum Coriolan zu der von Le Rossignol.


    Q.: o. A.


    40. Smetana über Dvořák
    In einem so mächtigen Kopf muss etwas stecken! Und ich bin im Interesse der weiteren Entwicklung unserer Musik froh, einen so ausgezeichneten Konkurrenten zu haben... Ein jeder sollte nach seinen besten Kräften schaffen und die Arbeit seines Kollegen genauso hochschätzen, wie er selbst von anderen geschätzt werden will – nur auf diese Weise werden wir unsere Kunst fördern und emporheben.


    Q.: o. A.


    Und: Brahms über Dvořák
    Der Kerl hat mehr Ideen als wir alle. Aus seinen Abfällen könnte sich jeder andere die Hauptthemen zusammenklauben.


    Q.: o. A.


    41. Dallapiccola über Markevitch (L'envol d'Icare)
    Dallapiccola hörte die Komposition L’envol d’Icare von Markevitch, den er daraufhin als "höchst raffinierten Verschmelzer von Klängen und einen der edelsten Instrumentationskenner" bezeichnete.


    Q.: Wolfgang Schreiber, Große Dirigenten.


    42. Furtwängler über Wagner und Schönberg
    Um mit dem Historiker zu reden: Der Schritt von Wagner zu Schönberg, der ausschließlich historisch erklärt und gerechtfertigt zu werden pflegt, ist gerade der erste völlig unhistorische Schritt, der erste wirkliche Bruch mit der Geschichte.


    Q.: Herbert Haffner, Furtwängler, S. 107.


    43. Mahler über Schönberg
    Wenn ich gehe, hat Schönberg niemanden mehr.


    Q.: o. A.


    44. Wagner über Berlioz und Beethoven
    Ein Hahn mit prächtiger Perücke erinnert ihn durch seine heftigen nervösen Bewegungen an Berlioz, eines anderen wirre Perücke erinnert ihn an Beethoven struppiges Haar; das bunte Gekrähe belustigt ihn sehr; er wünscht sich einen solchen Hühnerhof. Auch die Kühe und Stiere machen ihm Vergnügen, und nach einer Stunde verlassen wir recht befriedigt die kleine Ausstellung und ergehen uns noch ein wenig im Hofgarten.


    Q.: o. A.


    45. Debussy über Massenet
    Massenets Musik wird von nicht enden wollenden Schauern, Erregungen, Liebesausbrüchen... geschüttelt. Die Harmonien sind wie menschliche Arme, die Melodien wie Nacken, die von diesen Armen umschlungen werden.


    Q.: Claude Debussy 1921.


    46. Mahler über Puccini (Tosca)
    Im 3. Akt wird wieder mit der Aussicht von einer Citadella auf ganz Rom riesig gebimbambaummelt - wieder eine ganz andere Partie Glocken - und Einer von einer Kompanie Soldaten durch Erschießen hingerichtet. - Vor dem Schießen bin ich aufgestanden und fortgegangen.


    Q.: Volker Mertens, Giacomo Puccini, Wohllaut, Wahrheit und Gefühl, S. 95.


    47. Liszt über Schumann
    Ermangelt auch keines seiner Werke des Schönen, so entzieht dieses sich doch hin und wieder unserem Blicke. Bald scheint es versteckt unter der Hülle einer symmetrischen Regelmäßigkeit, welche nicht mit der glühenden, sich innerlich verzehrenden Begeisterung des dargelegten Gefühls übereinstimmt und darum einem Anflug von Affektation nicht unähnlich ist, bald scheint es auf rauhen Felspfaden der Harmonie, die von dicht wuchernden Schlingpflanzen einer sie schillernd umwindenden Ornamentation bedeckt ist. …, verlorengegangen, so daß beide, weil sie in Widerspruch mit der formalistischen Strenge zu stehen scheinen, … den einen verwirren, den anderen unangenehm berühren.


    Q.: Robert Schumann, 1855, Gesammelte Schriften IV.


    48. Boulez über Mozart
    Was Mozart und Boulez verbindet, ist – so fürchte ich – im Augenblick nicht mehr als das gemeinsame z im Namen.


    Q.: o. A.


    49. Salonen über Strawinski (Sacre du Printemps)
    Wir leben in einer viel lauteren Welt als Y, wir haben Heavy, Metal, Punk und Techno, aber noch immer fühlt man 100000 Volt im Körper, wenn man Sacre du Printemps hört.


    Q.: o. A.


    50. Stolz über Mozart, Schubert und J. Strauß (vermutlich Junior)
    Meine lieben Freunde!
    Damals, als ich zu dem barbarischen Geräusch des Stechschritts meine Heimat verließ, habe ich mir gleich gedacht: Zu so was san wir net geboren. Es war grad so, als hätte man dem Mozart einen Stahlhelm aufgesetzt, dem Schubert einen Säbel umgeschnallt und dem Johann Strauß einen Stacheldraht um den Hals gewickelt und dann dazu gesagt: 'Stramm jestanden, jetzt komponiert mal was Schönes!' Und so habe ich denn mein Binkerl zusammengeschnürt und bin gegangen mit den Worten: 'Fragt nicht, warum ich gehe'." Es war grad so, als hätte man dem Mozart einen Stahlhelm aufgesetzt, dem Schubert einen Säbel umgeschnallt und dem J. Strauß einen Stacheldraht um den Hals gewickelt und dann dazu gesagt: Stramm jestanden, jetzt komponiert mal was Schönes!


    Q.: Radioansprache von 1943.


    [ggf. Fortsetzung]


    Bis dann.

  • Hallo,


    3. Teil:


    51. Wolf über Bruckner und Liszt
    Es lohnt sich wohl der Mühe, diesem genialen Stürmer etwas mehr Aufmerksamkeit, als dies bisher geschehen ist, zuzuwenden und es ist ein wahrhaft erschütternder Anblick, diesen außerordentlichen Mann aus dem Konzertsaal verbannt zu sehen, er, der unter den jetzt lebenden Komponisten (Liszt natürlich ausgenommen) den ersten und größten Anspruch hat, aufgeführt zu werden.


    Q.: o. A.


    52. Adorno über Brahms
    Brahms’ Technik setzt beide Tendenzen in eins, so wie sie lyrisches Intermezzo und akademischen Satz zusammenzwingt. Innerhalb der Tonalität stößt er weitgehend die konventionellen Formeln und Rudimente ab und produziert die Einheit des Werkes gleichsam in jedem Augenblick neu, aus Freiheit.


    Q.: T. Adorno, Philosophie der Neuen Musik, S. 59.


    53. Bizet über Verdi
    Verdi ist ein großes Talent, dem nur die einzige Qualität fehlt, die große Meister ausmacht - Stil. Aber er hat wunderbare Explosionen von Leidenschaft. Seine Leidenschaften sind brutal, das ist richtig, aber das ist besser, als überhaupt keine zu haben. Seine Musik verärgert manchmal, aber sie langweilt nie.


    Und: Bizet über Verdi
    …dass Verdi ein engagiertes Genie ist, das sich auf dem bejammernswertesten Weg befindet, der jemals begangen wurde.


    Q.: Günter Engler, Über Verdi.


    54. Bernstein über Britten
    Britten war uneins mit der Welt. Das klingt merkwürdig, weil seine Musik an der Oberfläche so dekorativ, positiv und charmant erscheint. Aber sie ist viel mehr als das. Wenn man Brittens Musik hört – wirklich in sie hineinhört, nicht bloß oberflächlich zur Kenntnis nimmt –, nimmt man etwas sehr Dunkles wahr. Da gibt es Räder, die nicht ineinander greifen, sondern knirschen und großen Schmerz erzeugen.


    Q.: Tony Palmers, Dokumentarfilm: “A time there was”, zitiert nach Harenberg, S. 161.


    55. Debussy über Beethoven und Mozart
    Beethoven, einer jener Männer, von denen es am sichersten feststeht, dass sie Genie besessen haben, hatte keinen Geschmack. [...] Es ist hier nicht die Rede davon, Beethovens Ruhm irgendwie zu verkleinern. Es handelt sich in solchen Fällen nur um einen boshaften Streich der Fee Geschmack, die man vergessen hatte, zur Taufe einzuladen. Dieselbe Fee - diese leider allzu seltenen Damen dürfen sich Launen gestatten - verfehlte niemals, bei Mozart zu erscheinen. Nie verfällt Mozart in den bei Beethoven gerügten Fehler, denn zu seinen wunderbaren Gaben gesellt sich auch der köstliche Instinkt in der Wahl der Gedanken.


    Q.: Feuilleton Debussys aus der "Neuen Freien Presse", 1910. Zitiert nach: Sammelband "Bekenntnis zu Mozart", hg. von Willi Reich, Luzern 1945.


    56. Rossini an Wagner über Beethoven
    Mit Mühe beherrschte ich meine Erregung, als ich die Treppe zu der ärmlichen Wohnung hinaufstieg, in der der große Mann lebte. Als sich die Tür öffnete, befand ich mich in einer Art Verschlag, der nicht nur schmutzig war, sondern sich auch in schrecklicher Unordnung befand.


    Q.: o. A.


    57. Strawinski über Honegger
    Mit seinem Anteil am praktischen Leben hat der Musiker X eine ganz typische unromantische Haltung eingenommen. Die Garderobe und die Kunstanschauung, das Äußere und das Geistige, das Werk und seine geschäftliche Ausnützung, kurz: die Kunst und das Handwerk bilden bei ihm ein Ganzes. Die flatternde Krawatte, den wilden Bart, die phantastische Atelieraufmachung, die tolle Unordnung in der Dachkammer, in der der Künstler den Kuss der in einen Mantel gehüllten Muse erwartet - alle diese Äußerlichkeiten und Symbole hat er zum alten Eisen geworfen. In diesem Sinne ist X für unsere Generation ein heilsames Beispiel gewesen, wofür wir ihn alle segnen müssen.


    Q.: Strawinski, Mann des musikalischen Handwerks", abgedruckt in A. Honegger: Beruf und Handwerk des Komponisten, Leipzig 1980.


    [ggf. Fortsetzung]


    Bis dann.

  • Hallo,


    4. Teil:


    58. Satie über Wagner
    Wir schulden seinem Gedenken und seiner Asche die Ehrerbietung frommer Stille, der man ihn nun entrissen hat. Wir wissen, daß er seine Vorstellungen leidenschaftlich verfocht und daß es ihm in schweren Zeiten widerstrebte, sein Werk so gräßlich besudelt zu sehen durch die Verbindung mit Tanzkünsten, die den Sittenverfall und den Verzicht auf menschliche Würde feiern.


    Q.: Erik Satie, Schriften. Hrsg. von Ornella Volta. Wolke Verlag Hofheim, 3/1997, S. 125f., S. 458.


    59. Wolf-Ferrari über Lortzing
    Lortzing kann wie sonst kaum ein Tondichter belehren, dass die "Musik" nicht aus Tönen besteht, sondern sich nur durch Töne offenbart. Weder melodisch, noch harmonisch, noch instrumental usw. ist aus irgendeinem Takt Lortzingscher Töne zu ersehen: "Das ist Lortzing und kann kein anderer sein". Aber eine ganze Oper kann nur von ihm sein."...


    Q.: Festschrift zur Albert Lortzing-Feier, Detmold 1926, aus: Hans Christoph Worbs, Lortzing, Hamburg 1980, Seite 142.


    60. Weber über Beethoven
    Sie scheinen ... in mir einen Nachahmer Beethovens zu erblicken, und so schmeichelhaft dies auch manchem sein könnte, ist es mir gar nicht angenehm. Erstens hasse ich alles, was den Stempel der Nachahmung trägt und zweitens bin ich zu sehr in meinen Ansichten von Beethoven verschieden, als daß ich je mit ihm zusammen zu treffen glauben könnte. Die … beinahe unglaubliche Erfindungsgabe … ist von einer solchen Verwirrung in Anordnung seiner Ideen begleitet, daß nur seine früheren Compositionen mich ansprechen, die letzteren hingegen mir nur ein verworrenes Chaos, ein unverständliches Ringen nach Neuheit sind.


    O.: Brief an Hans-Georg Nägeli vom 21. Mai 1810.


    61. Debussy über Gluck und Rameau
    Der Bekanntschaft mit Ihnen verdankt die französische Musik das zweifelhafte Glück, Rameau in die Arme gefallen zu sein. Ich male mir gern aus, dass das ohne Sie nicht nur nicht geschehen wäre, sondern dass die französische Musik dann auch nicht so oft Menschen nach ihrem Weg gefragt hätte, die sie nur allzu gern in die Irre führen wollten.


    Q.: Debussy am 26. Februar 1903 in der Satirezeitschrift Gil Blas aus einem Brief an C. W. Gluck


    62. Beethoven über Bach
    Daß Sie Bach’s Werke herausgeben wollen, ist etwas, was meinem Herzen, das ganz für die hohe große Kunst dieses Urvaters der Harmonie schlägt, recht wohl tut und ich bald in vollem Lauf zu sehen wünsche.


    Q.: Brief vom 15.01.1801 an den Verleger Franz Anton Hoffmeister. Aus: Renate Ulm (Hrsg.), Die 9 Symphonien Beethovens. Entstehung, Deutung, Wirkung. Bärenreiter/Kassel, 5/2005.


    63. Wagner und Verdi über Bellini
    Wagner: Das ist bei aller Pauvretät wirklich Passion und Gefühl, und es soll die richtige Sängerin sich hinstellen und es singen, und es reißt hin.
    Verdi: Aber er ist reich an Gefühl und einer Melancholie von eigenem, individuellem Zuschnitt. Auch in seinen weniger bekannten Opern, in "[...]", in "[...]", gibt es lange, lange, lange Melodien, wie sie niemand vor ihm erfunden hat.


    Q.: o. A.


    64. Berlioz über Mendelssohn-Bartholdy
    Eines Tages kam ich auf das Metronom und dessen Zweckmäßigkeit zu sprechen. 'Wozu ein Metronom?' warf Herr Mendelssohn ein, 'das ist ein recht überflüssiges Instrument. Ein Musiker, der bei dem Anblick eines Musikstückes nicht sofort dessen Zeitmaß errät, ist ein Stümper.' Ich hätte ihm erwidern können, daß es viele Stümper gibt; doch ich schwieg. Ich hatte damals fast noch gar nichts komponiert: Herr Mendelssohn kannte nur meine "..." mit Klavierbeleitung. Eines Tages wünschte er die Partitur der Ouvertüre zu "King Lear", die ich schon in Nizza geschrieben hatte, zu sehen; er las sie zuerst aufmerksam und langsam durch, dann setzte er die Finger auf das Klavier, um sie zu spielen (was er mit unvergleichlichem Geschick tat), und sprach: 'Geben Sie mir doch Ihr Tempo an.' 'Wozu? Haben Sie mir nicht neulich gesagt, jeder Musiker, der beim Anblick des Stückes das Tempo nicht errät, sei ein Stümper?' Er wollte es sich nicht merken lassen, aber dieser Nachhieb oder vielmehr diese unerwarteten Kolbenstöße mißfielen ihm sehr. Er sprach nie den Namen Johann Sebastian Bachs aus, ohne in ironischem Ton hinzuzufügen: 'Ihr kleiner Zögling!' Kurz, er benahm sich, sobald von Musik die Rede war, wie ein Stachelschwein; man wußte nicht, wo man ihn anfassen sollte, um sich nicht zu verletzen.


    Q.: Aus: Berlioz – Erinnerungen: Beschreibung der Begegnung mit Mendelssohn in Rom 1830/31.


    65. Boulez über Wagner, Mussorgsky und Debussy
    Unbestreitbar hat Wagner die musikalische Sprache auf unendlich viel aktivere Weise entwickelt als Mussorgsky; dennoch wirft Mussorgskys Poetik, die sich fast mit der Debussys trifft, für uns den ganzen romantischen Schwulst über den Haufen, [in dem der Bayreuther sich bewegt. „Boris“ steht uns unendlich viel näher und scheint uns von beständigerer Aktualität als „Tristan“.]


    Q.: Worbs, Hans Christoph, Mussorgsky, Hamburg Dezember 1976, S. 137.


    66. Schumann über Schubert und Beethoven
    Namentlich hat er als Komponist für das Klavier vor andern, im einzelnen selbst vor Beethoven, etwas voraus...nämlich, daß er klaviergemäßer zu instrumentieren weiß, das heißt, daß alles klingt, so recht vom Grunde, aus der Tiefe des Klaviers heraus...


    Q.: Robert Schumann: Gesammelte Schriften über Musik und Musiker, Leipzig 1914.


    67. Henze an Bachmann über Bellini und Nono
    gestern abend hörte man "i capuleti e i...", die andere familie (romeo + julia) von bellini, darin ist im 1. akt eine arie, die ich für die schönste arie halte, die überhaupt jemals ein mensch geschrieben hat. bellini ist der mann der unglaublichsten zartheit und schönheit, er sah in den damen das, was andere leute in den knaben sehen, und man muss zugeben, es ist auch bei dieser so ungewöhnlichen betrachtungsweise etwas recht beachtliches herausgekommen. man weiß das gar nicht zu schätzen in dieser rüpelhaften zeit. nono hat etwas davon, von diesen ganz spitzen herztönen.


    Q.: Ingeborg Bachmann / Hans Werner Henze: Briefe einer Freundschaft. Herausgegeben von Hans Höller. München (Piper) 2004.




    Stand: Bis Seite 25, Beitrag 968, 19.08.2010, Uhr 20:21


    [Ggf. Fortsetzung]


    Bis dann.

  • Hallo,


    5. Teil:


    68. L. Mozart an Baronin Waldstädten über W. A. Mozart
    Es sind zween einander entgegen stehende Sätze, die in ihm herrschen - zu viel oder zu wenig und keine Mittelstraße.


    Q.: Wikipedia


    69. Cosima Wagner zitiert Richard Wagner
    In Shakespeare ist alles.


    Q.: Notiert am 12. April 1881, 2. Band (2/2) der Tagebücher.

    70. Gustav Mahler an Alma Mahler über Richard Strauss

    Es arbeitet und lebt da unter einer Menge Schutt ein Vulkan, ein unterirdisches Feuer, nicht nur ein bloßes Feuerwerk. Mit der ganzen Persönlichkeit Y.s verhält es sich wohl ebenso. Daher ist es so schwer, bei ihm Spreu vom Weizen zu scheiden. ... Ich kann es mir nicht zusammenreimen und nur ahnen, dass aus dem Inneren des Genies die Stimme des 'Erdgeistes' tönt, der sich eben seine Wohnung nicht nach menschlichem Geschmack, sondern nach seinen unergründlichen Bedürfnissen baut.


    Q.: o. A.


    71. R. Wagner über J. Brahms
    Ich kenne berühmte Komponisten, die ihr bei Konzert-Maskeraden heute in der Larve des Bänkelsängers (...), morgen mit der Halleluja-Perrücke Händel's, ein anderes Mal als jüdischen Czardas-Aufspieler, und dann wieder als grundgediegenen Symphonisten in eine Numero Zehn verkleidet antreffen könnt.
    O. : Bayreuther Blätter 1879

    72. A. Schönberg über W. A. Mozart

    Analytiker meiner Musik müssen sich darüber klar werden, wieviel ich persönlich X verdanke. Die Leute, die mich ungläubig angesehen und gedacht haben, ich mache einen schlechten Witz, werden jetzt begreifen, warum ich mich selbst einen "Schüler von X" genannt habe. Das wird ihnen nicht dazu verhelfen, meine Musik zu schätzen, sondern X zu verstehen.


    Q.: Brahms, der Fortschrittliche


    73. P. Boulez über Mahler (10. Symphonie), Strawinsky (Der Feuervogel), Berlioz, Schumann, Liszt, Wagner
    Im Adagio hätte B vielleicht ein paar Sachen geändert. Ich denke aber, B war sich der Möglichkeiten des Orchesters völlig bewusst - und das ist eine Gabe [...]. C hatte sie auch, aber natürlich war bei ihm die Textur unkomplizierter. Dafür kannte C alle Möglichkeiten des Umgangs mit dem Orchester schon von Anfang an. [...] z ist perfekt komponiert, eine seiner besten Orchestrierungen, obwohl es sein erstes Werk für großes Orchester war. D war ebenfalls ein Genie der Orchestrierung, E aber nicht, und F auch nicht. Sie hatten andere Qualitäten, aber diese eine nicht. G dagegen war perfekt - man kann sich seine Partituren so genau anschauen wie nur möglich, alles ist perfekt austariert und glänzend organisiert.


    Q.: „http://mahler.universaledition.com/pierre-boulez-on-mahler/“


    74. P. Hindemith über A. Webern
    Mein Gott, wir spielten Y - die Dinge, die heute (1959) "neu" genannt werden - wir spielten sie schon in den frühen zwanziger Jahren. Die Frage nach Y's Größe wurde damals entschieden. Was wir jetzt haben, ist lediglich eine Wiederentdeckung seiner Musik


    Q.: Interview mit J. S. Harrison, Titel "Paul Hindemth - His Art and His Views", veröffentlicht in "New York Herald Tribune" am 15.02. 1959.

    75. M. Feldman über Stockhausen, Boulez, Ligeti, Berio, Xenakis

    Es ist sehr interessant, wenn man bedenkt, daß B: kaputt, C: verloren, D: spinnt, E: ich weiß nicht. Die wichtigen europäischen Komponisten der Fünfziger vollbringen zur Zeit keine guten Werke. F hat noch Energie, aber er gehörte eh nicht zu ihnen dazu. Sie haben ihn nie akzeptiert, auch heute noch nicht. F ist der interessanteste. Das einzige, was mich an ihm stört, ist die Virtuosität des Instruments."


    Q.: Musik-Konzepte 48/49

    76. Schönberg über Mahler, Reger, Sibelius und Schostakowitsch

    Lange Zeit hatte ich A's Musik verachtet, ehe ich sie verstehen und bewundern lernte. Einmal habe ich gesagt: "Wenn das, was B schreibt, Kontrapunkt ist, dann ist der meinige keiner." Ich habe mich geirrt - beides war Kontrapunkt.
    Andererseits habe ich etwas zugunsten von C und D gesagt, was nicht der Kenntnis eines Fachmanns bedurfte. Jeder Dilettant, jeder Musikliebhaber könnte gesagt haben: "Ich fühle, daß sie den Atem von Symphonikern haben."
    Fachleute sind auch menschlich - aber das ist nicht der Fehler von uns Komponisten!


    Q.: Arnold Schönberg: Stil und Gedanke. Hrsg. von Ivan Vojtech. Fischer/Frankfurt a. M. 1992, S. 184


    77. Ligeti über Dufay, Haydn, Mozart, Bach, Schubert, Bach, Chopin (Schlussatz b-moll Sonate), Wagner, Debussy
    Eine Eigenheit der europäischen Tradition sind die Klauselbildungen: stereotype melodische Wendungen am Ende von Phrasen. Diese Neigung zu festen Klauseln war um 1200 [...] noch nicht ausgeprägt, doch wuchs sie allmählich während der nächsten zweihundert Jahre [...]. Ab B, also ab 1450, wurde sie beherrschend. Die Ausbildung der Tonalität ist eine eminent europäische Erscheinung und wurde von der Klauselbildung bedingt: Der zur Finalis strebende Leitton wird als große Terz eines "Dominantakkords" aufgefaßt, die darauf folgende Finalis bildet den Grundton des Tonikadreiklangs. [...] In der späteren Entwicklung (etwa ab 1600) konnte jede Dreiklangsterz zum Leitton erhöht werden; das führte zum System der Nebendominanten und zur Modulation.


    Die europäischen Komponisten, bei denen die Tonalität, also die Kadenzbildungen aus Dominantakkorden und die Modulationen aus Nebendominantakkorden, in der perfektesten Balance und in der reinsten Form erscheinen, sind C und D. Bei E war die Balance noch prekär, Modulationen stammten noch oft von "gewaltsam verbogenen" melodischen Formeln. Bei F wiederum ist die Alleinherrschaft der tonalen Kadenz wegen der häufigen Terzrückungen in den Grundtönen der Akkorde geschwächt. Dafür war aber die Musik von E [...] in ihrer rhythmisch-metrischen Artikulation ausbalanciert. [...]


    Spätestens seit F ist die Modulatorik, die Rolle der Nebendominanten, so wuchernd, daß sich das feste tonale Rückgrat auflöst. Das erste atonale Stück der Musikgeschichte ist vielleicht z. Zu G nur ein Schritt. War G noch tonal? [...] Es gibt da fast nur noch Nebendominanten, alles ist so extrem tonal organisiert, daß die Tonalität als Gerüst verschwindet. [...] H ging den entgegengesetzten Weg: Bei ihm gibt es kaum noch Kadenzen, kaum noch Nebendominanten oder Leittonbildungen. G hat die Tonalität durch Überhäufung zerstört, H durch Aussparung.


    Q. : György Ligeti/Gerhard Neuweiler, Motorische Intelligenz. Zwischen Musik und Naturwissenschaft, Berlin 2007, S. 39-52, hier S. 43f.

    78. Lachenmann über Henze

    … nicht dort geübt und gefeiert, wo, wie z.B. auch in meiner Musik, die überlieferten musikalischen Mittel reflektiert, sondern dort, wo sie, wie bei Ihnen, bedenkenlos ausgeschlachtet werden, und es ist noch lange nicht gesagt, dass einer in der Tradition wurzelt, bloß weil er darin wurstelt.


    Q.: „Die englische Katze. Ein Arbeitstagebuch 1978-1982" über ein Podiumsgespräch an der Stuttgarter Musikhochschule im Herbst 1982. Dokumentiert ist das im Helmut Lachenmann gewidmeten Band 61/62 der 'Musik-Konzepte'.


    79. Gould über D. Scarlatti
    Komponist B kann nach Auffassung von "Komponist" A mit Liszt und Prokofjew insoweit konkurrieren, als jener in der Lage ist, in seiner Sparte die höchste Wirkung mit geringstem Einsatz zu erreichen. Die Werke von Komponist B haben nach A's Meinung zumeist einen Volle-Kraft-voraus-Satz, beachten den unvermeidlichen zweifachen Wechsel der Tonart und pflegen bis auf wenige Ausnahmen ihre etwas atemlose Virtuosität durch eine schwatzhafte zweistimmige Textur.


    Q.: G. Gould, "Schriften zur Musik" Band 1, S. 34.

    80. D. F. Tovey über Bruckner und Mahler

    Die musikalische Kultur von X [kein Komponist, sondern ein Land] wird wahrscheinlich davon profitieren, dass B und C in Mode kommen. Und vielleicht wird uns C eher gut tun als B, denn seine Meisterschaft dürfte den Kult des Amateurhaften demotivieren, durch den wir uns mit Beschränktheit zufrieden geben und glauben, dass Unfähigkeit an sich edel sei. Überdies wird der gute Geschmack, der sich durch Cs Sentimentalität angegriffen fühlen wird, sich durch solch einen Schock tatsächlich bessern.
    Bzw.:
    "The musical culture of Great Britain will probably be the better for the rise of a vogue for Bruckner and Mahler; and perhaps Mahler will do us more good than Bruckner, because his mastery will discourage the cult of amateurishness, which keeps us contented with ignorance and ready to believe that ineptitude is noble in itself; and the good taste which is ready to take offense at Mahler's sentimentality will be all the better for being shocked. It will find itself compelled that the difference between good and bad is not a matter of fashion; though, with all respect to Horace, it can never cease to be a matter of dispute."


    Q.: D.F. Tovey: Essays in Musical analysis. Symphonies and other Orchestral works, Oxford UP, Oxford 1989, 382 f.


    81. Dallapiccola über Schönberg (Pierrot lunaire), Puccini
    Es ist eine bekannte Tatsache, dass eine einzige Begegnung über die Richtung eines ganzen Lebens entscheiden kann. Die meine wurde [...] entschieden, als ich B eine Aufführung seines x [...] dirigieren sah. An diesem Abend vergnügten sich die Studenten vor Beginn der Aufführung in typisch lateinischer Fröhlichkeit mit dem üblichen Gepfeife. Das Publikum seinerseits machte Lärm, es lachte und trampelte. Aber C, der [...] in mehr als dreistündiger Fahrt [...] zum Konzert gekommen war, lachte bei dieser Gelegenheit nicht. Er hörte der Aufführung mit gespanntester Aufmerksamkeit zu, folgte ihr anhand der Partitur, und am Schluss des Konzerts wünschte er, B vorgestellt zu werden. Fünfundzwanzig Jahre später [...] erinnerte sich B noch dieser Geste unseres populären Komponisten mit folgenden Worten: "Auf C's Besuch der x-Aufführung war ich immer stolz. Es war sicherlich ein Zeichen menschlicher Größe, dass er zu mir gekommen ist - und eine große Freundlichkeit.


    82. Debussy über Strauss und Nietzsche
    Y hat weder eine Haartolle noch zeigt er die Gestik eines Epileptikers. Er ist hochgewachsen und besitzt die freie und bestimmte Haltung jener großen Forscher, die mit einem Lächeln auf den Lippen die Gebiete wilder Völkerschaften durchziehen. Muß man womöglich etwas von dieser Haltung haben, um das zivilisierte Publikum aufrütteln zu können? [...] [Z sei] sein Lehrmeister an Energie und Tatkraft gewesen [...] Von ihm [Z] muß er [Y] auch seine herrliche Verachtung gegenüber einfältigen Gefühlsduseleien übernommen haben, von ihm mag sein Wunsch geweckt worden sein, daß die Musik nicht ewig fortfahre, unsere Nächte - mehr schlecht als recht - zu erhellen, sondern daß sie die Sonne ersetze. In der Musik von Y ist Sonne [...]. Ich kann nur wiederholen, es gibt kein Mittel, der sieghaften Übermacht dieses Mannes zu widerstehen!


    Q.: o. A.


    83. Brahms an C. Schumann und C. Schumann an Brahms über Bach
    Wie hat's mich gefreut, daß Sie von X gespielt haben. Des geliebten Namens wegen muß man es schon tun, und wenn gar nichts paßte (öffentlich). Wäre ich ein einigermaßen respektierter und zu respektierender Pianist, hätte ich schon längst eine Sonate (die in G z.B.) öffentlich gespielt. Die muß ja die Leute entzücken, wenn sie schön gespielt wird.


    Die Antwort:


    Denke Dir, auf der Rückreise hörte ich nach vielen Jahren mal wieder Liszt und war von einigen Sachen von Schubert, die er wunderbar schön spielte, hingerissen, von seinen eigenen Sachen aber freilich nicht - ein Duo für zwei Klaviere über Z, das war entsetzlich und nur ergötzlich, wenn er Passagen über das ganze Klavier machte. Er beherrscht es doch wie keiner.


    Q.: o. A. (Briefe)


    [Ggf. Fortsetzung]


    Bis dann.

  • Hallo,


    6. Teil:


    84. Paul Hindemith an seinen Verleger Ludwig Strecker über Gottfried Benn
    Der vornehme Mann sagt zwar nicht "es ist zum Kotzen", es ist aber wirklich so. Ich sitze da wie eine trockene Jungfrau. X funkt eben gar nicht. Er kommt vor lauter Überkritik zu nichts. Er plagt sich sehr und sicher kommt auch etwas zu Vorschein, aber wie lange soll man darauf warten? (...) In meiner Verzweiflung habe ich beschlossen, selbst Eier zu legen. Schließlich weiß ich, was ich will und die Worte haben diese Dichter doch immer nur machen können, wenn ich ihnen ganz genau vorgeschrieben habe, was sie tun sollen. (...) Es ist ein dämlicher Zustand. Ich bin geladen und könnte jeden Tag mit einer Theatermusik loslegen.


    Und später:


    Er hat nie mehr etwas von sich hören lassen und ich melde mich natürlich auch nicht. Mit ist selten so eine Chuzpe vorgekommen. Ich weiß nicht, was in ihn gefahren ist. Ich kann mir nur denken, dass er in dem Augenblick, wo er das Geld in Händen hatte, bei seiner Überempfindlichkeit durch einen psychologischen Dreh seinen Nöten freien Lauf ließ, sie aber nach außen in Unverschämtheit projizierte.


    Q. : Gottfried Benn, Paul Hindemith, Briefwechsel.


    85. Henze über Mahler, Monteverdi, Strawinsky und Wagner
    Diese Musik [die des Komponisten B, Anmerkung von mir] aber berührte mich zutiefst, sie vermittelte mir den Zugang in eine Ausdrucksweise und Gefühlswelt, von deren Dimensionen ich bisher keine Vorstellung gehabt hatte. Die ersten Stücke, die ich hörte, waren die […] und die […], und im Lauf der Jahre würde ich mir (gelegentlich auch als Dirigent) das ganze Œuvre erarbeiten, das natürlich mein eigenes Schreiben beeinflussen sollte. Ähnlich ging es mir später, in den […] Jahren, mit der Denk- und Komponierweise Cs, die klärend und ordnend und stilbildend auf mein Schreiben eingewirkt hat, während ich an einer freien Auslegung des Generalbasses von […] arbeitete und dank dieser intensiven Beschäftigung mit seiner Schreibweise ganz tief in Cs […] Vorstellungswelt eindringen konnte. Vor der Zeit mit B war es in starkem Maße und für viele Jahre D gewesen, dessen Kunstverstand und Ästhetik mich faszinierten, beschäftigten und beeinflußten und dessen Musik, besonders die der klassizistischen Periode, mich auch heute noch begeistert. Durch die Beschäftigung mit C bin ich wieder auf die Wirkung der einfachen Grundakkorde neugierig geworden, von der ich heute unbefangen, aber bewußt Gebrauch mache. Wenn ich nun demnächst auch noch mit meinem E fertig bin, through with him, werde ich ganz alleine mit meiner Musik bleiben, ohne Vor- und Leitbilder. Das wäre sicherlich nicht besonders amüsant, stelle ich mir vor. Vielleicht wäre das der Schluß: Der Tod tritt ein, wenn man nichts mehr liebt, wenn es gar keine Musik mehr gibt, die man ums Leben gern noch einmal hören, singen, spielen möchte.


    Q.: Hans Werner Henze, Reiselieder mit böhmischen Quinten. Autobiographische Mitteilungen 1926-1995, Frankfurt am Main 1996, S. 76/77.

    86. Brahms über Liszt, Wagner und Berlioz über Liszts Dante-Symphonie

    Die Kompositionen werden immer schlimmer, z.B. x von B. Ich möchte, es stände nicht Einiges [...] im Wege, um mit den Leuten umgehen zu können, aber es geht doch nicht.


    [...]


    Beklage ich bloß die "Verirrungen" [...], so beklage ich C, D, alle Möglichen. Wie wir schreiben und abfertigen, kann man nur Sudeleien von B abfertigen. Über "Verirrungen" kann man debattieren und sich streiten. Aber wir können und brauchen uns solchem Scheißzeug gegenüber auf keine wissenschaftlichen Erörterungen einzulassen!


    Q.: leicht verändert, o. A.


    87. Mussorgsky über Beethoven und Berlioz sowie Charpentier (A) und Dvorak (B)
    1.) Z sagt: In der Poesie gibt es zwei Giganten - der rauhe Homer und der feine Shakespeare. In der Musik gibt es ebenfalls zwei Giganten X, der Denker und Y, der Super-Denker.


    2.) B sagt zu seinem Schüler: Sehen Sie mal, Menschenskind, dieser A ist ein sonderbarer Musiker. Überall hat er falsche Noten!.... Also - wie würden Sie's besser machen? Als dessen Schüler vorsichtig einen Vorschlag macht, schaut B ihn "verächtlich" an, deutet auf jenen Akkord von A und spricht: Nein - so ist es richtig!


    Q.: o. A.


    88. Ravel über Strauß, Franck über einen Walzer
    Was ich eben vorhabe, ist nichts Feines – ein(e) große(r) X (Form der Gattung Y), eine Art Huldigung zum Gedächtnis des großen B … Sie kennen mein leidenschaftliches Interesse für diese bewundernswerten Rhythmen, Sie wissen, dass ich die im Y (Gattung; Oberbegriff) ausgedrückte Lebensfreude für bei weitem tiefer halte als das Csche Puritanertum.


    Q.: Linke, Norbert, Johann Strauß, Reinbek bei Hamburg, März 1982, S. 167, zitiert aus einem Brief vom 07.02.1906 an Jean Marnold. Linke setzt hinter "Walzer" ein 'sic!'.


    89. Wagner über Schumann
    Y ist ein hochbegabter Musiker, aber ein unmöglicher Mensch. Als ich von ... hierherkam, besuchte ich Y, erzählte ihm von ... den französischen Musikverhältnissen, dann von den deutschen, sprach von Literatur und Politik - er aber blieb stumm fast eine Stunde lang. Ja man kann doch nicht immer allein reden! Ein unmöglicher Mensch!


    Sowie Y über X:
    Er redet unablässig!"


    Q.: P. Härtling, Schumanns Schatten


    90. Patricia Petibon über Bidu Sayao und Victoria de los Angeles
    X empfindet besondere Sympathien für die Sänger, deren Namen man seit jeher mit dem spanischen Repertoire in Verbindung bringt; doch ihre Begeisterung für diese Musik geht noch weiter: "Ich liebe Y, und es hat mich fasziniert, dass sie im Paris der dreißiger Jahre mit französischem Repertoire große Erfolge feierte. Und ich liebe Z über alles. [...] Die Stimme muss sich diese Kontraste und die verschiedenen Schattierungen der Kultur und Sprache zu eigen machen.
    Q.: o. A.

    91. Berlioz über Mozart (X), Gluck (Y), Rossini (Z) und LeSuer (L) und Spontini (S)

    Etwas später meldet sich ein Anhänger von X, und man spricht über Y. ... „Alles, was Y schreiben konnte, weil er nie wirklich Musik schreiben konnte, waren Choräle.“ Das war mal ein Urteil. ...
    Wer könnte bestreiten, dass alle Opern von Z zusammengenommen keinem Vergleich mit einer Rezitativzeile von Y, (oder) 3 Takten von X, von S oder einem Chor von L standhalten würden? Jedenfalls ist das meine Meinung, und ich bin kein Anhänger französischer Musik.


    Q.: „http://www.hberlioz.com/Writings/index.htm“

    92. Tschaikowsky über Brahms

    Niemand wird beim Anhören einer Komposition von Y sagen, daß es schwache und unbedeutende Musik sei; sein Stil ist immer erhaben, und niemals wird er, wie andere zeitgenössische Komponisten, zu groben äußeren Effekten seine Zuflucht nehmen, ..., auch Brutalität oder Unselbständigkeit kann man ihm nicht vorwerfen. ... aber in allem fehlt die Hauptsache - die Schönheit...!


    Q.: „Über Brahms“…(leicht geändert)


    93. Berlioz über Strauß (Stadt Wien)
    Und dann ist X da und dirigiert sein schönes Orchester. Und wenn die neuen (Werke), die er für jeden vornehmen (Anlass) speziell schreibt, Erfolg haben, halten die (Beteiligten) manchmal ein um ihm Beifall zu spenden. ... Dies ist gerecht, denn X ist ein wirklicher Künstler.


    Q.: Imre Fabian, Wenn Berlioz ein Tagebuch geführt hätte, …


    94. Strauss über Brahms und Wagner über die Werke Brahms 4. Symphonie und Wagners Tristan und Isolde
    X äußert sich über ein Werk von Y und nennt es "ein Riesenwerk, von einer Größe der Konzeption und Erfindung, Genialität in der Formbehandlung, Periodenbau, von eminentem Schwung und Kraft, neu und originell und doch von A bis Z ein echter Y [...] man kann nur immer wieder andächtig zuhören und bewundern."


    Weniger freundlich bespricht X ein Werk von Z: "Das Ganze [ist] doch ein sehr unerquickliches Zeug, das einem [...] zum Halse herauswächst. - Anfangs reizen die pikanten Harmonien noch das verwöhnte Ohr, doch dagegen wird man rasch stumpf als gegen ewige Hummermajonäsen und Rheinlachs auf Remouladen.“


    Q. : Mathias Hansen: Richard Strauss. Die Sinfonischen Dichtungen. Bärenreiter/Kassel 2003, S. 11.

    95. Haydn über Mozart

    Der Besuch des jungen X, den er lange nicht gesehen hatte, machte dem würden Greis viel Vergnügen. Mit der Zärtlichkeit eines älteren Freundes sprach er mit X über seine musikalische Bildung und rühmte das Andenken seines großen Vaters, den er [früher] fast täglich sah, und stets in vollkommener Harmonie mit ihm lebte. Wir brachen das Gespräch, so ungern es auch geschah, nach einer halben Stunde schnell ab, da Y davon angegriffen wurde.


    Am 13. Oktober 1805 besuchte Franz Xaver Wolfgang Mozart in Begleitung des Weimarer Schriftstellers Carl Bertuch den 73jährigen Joseph Haydn in dessen Haus im Wiener Vorort Gumpendorf (heute sog. "Haydnhaus" im sechsten Wiener Gemeindebezirk).


    Q. : o. A.


    96. Spontini über Meyerbeer
    Jedesmal, wenn in der Académie de musique oder bei den Buffos eine Oper durchfällt oder sonst ein ausgezeichnetes Fiasko gemacht wird, bemerkt man dort eine unheimliche hagere Figur mit blassem Gesicht und kohlschwarzen Haaren, eine Art männlicher Ahnfrau, deren Erscheinung immer ein musikalisches Unglück bedeutet. Die Italiener, sobald sie derselben ansichtig, strecken hastig den Zeige- und Mittelfinger aus und sagen, das sei der Jettatore. Die leichtsinnigen Franzosen aber, die nicht einmal einen Aberglauben haben, zucken bloß die Achsel und nennen jene Gestalt Monsieur X. Es ist in der Tat [...] der Komponist [...] zweier Prachtwerke, die noch lange fortblühen werden im Gedächtnisse der Menschen, die man noch lange bewundern wird, während der Verfasser selbst alle Bewunderung eingebüßt und nur noch ein welkes Gespenst ist, das neidisch umherspukt und sich ärgert über das Leben der Lebendigen. Er kann sich nicht darüber trösten, daß er längst tot ist und sein Herrscherstab übergegangen in die Hände Ys. Dieser, behauptet der Verstorbene, habe ihn verdrängt [...]; und wer aus Mitleid für ehemalige Größe die Geduld hat, ihn anzuhören, kann haarklein erfahren, wie er schon unzählige Aktenstücke gesammelt, um die Xschen Verschwörungsintrigen zu enthüllen.


    Die fixe Idee des armen Mannes ist und bleibt Y, und man erzählt die ergötzlichsten Geschichten, wie die Animosität sich immer durch eine zu große Beimischung von Eitelkeit unschädlich erweist. Klagt irgendein Schriftsteller über Y, daß dieser z.B. die Gedichte, die er ihm schon seit Jahren zugeschickt, noch immer nicht komponiert habe, dann ergreift X hastig die Hand des verletzten Poeten und ruft: »J'ai votre affaire, ich weiß das Mittel, wie Sie sich an Y rächen können, es ist ein untrügliches Mittel, und es besteht darin, daß Sie über mich einen großen Artikel schreiben, und je höher Sie meine Verdienste würdigen, desto mehr ärgert sich Y.« [...] Jüngst findet X den armen Léon Pillet, den unglücklichen Direktor der Großen Oper, in der wütendsten Aufregung gegen Y, der ihm durch M. Gouin an zeigen ließ, daß er wegen des schlechten Singpersonals [seine Oper] noch nicht geben wolle. Wie funkelten da die Augen des Italieners! »J'ai votre affaire«, rief er entzückt, »ich will Ihnen einen göttlichen Rat geben, wie Sie den Ehrgeizling zu Tode demütigen: lassen Sie mich in Lebensgröße meißeln, setzen Sie meine Statue ins Foyer der Oper, und dieser Marmorblock wird dem Y wie ein Alp das Herz zerdrücken.« Der Gemütszustand Xs beginnt nachgerade seine Angehörigen, namentlich die Familie des reichen Pianofabrikanten Érard, womit er durch seine Gattin verschwägert, in große Besorgnisse zu versetzen. Jüngst fand ihn jemand in den obern Sälen des Louvre, wo die ägyptischen Antiquitäten aufgestellt. Der Ritter X stand wie eine Bildsäule mit verschlungenen Armen fast eine Stunde lang vor einer großen Mumie, deren prächtige Goldlarve einen König ankündigt, der kein Geringerer sein soll als jener Amenophes, unter dessen Regierung die Kinder Israel das Land Ägypten verlassen haben. Aber X brach am Ende sein Schweigen und sprach folgendermaßen zu seiner erlauchten Mitmumie: »Unseliger Pharao! du bist an meinem Unglück schuld. Ließest du die Kinder Israel nicht aus dem Lande Ägypten fortziehen oder hättest du sie sämtlich im Nil ersäufen lassen, so wäre ich nicht durch Y und A aus B verdrängt worden, und ich dirigierte dort noch immer die Große Oper und die Hofkonzerte. Unseliger Pharao, schwacher Krokodilenkönig, durch deine halben Maßregeln geschah es, daß ich jetzt ein zugrunde gerichteter Mann bin – und Moses und C und A und Y haben gesiegt!« Solche Reden hält der unglückliche Mann, und wir können ihm unser Mitleid nicht versagen.


    Q.: Heinrich Heine berichtet davon in der "Musikalische[n] Saison von 1844


    97. Verdi an Donizetti über ‚Ernani’
    Hochverehrter..., es war mir eine freudige Überraschung, als ich Ihren Brief an ... las, in dem sie mir gütigst anboten, die Proben zu meinem "ZZZ" mitzumachen. Ich zögere keinen Augenblick, Ihr liebenswürdiges Anerbieten mit größtem Dank anzunehmen - sicherlich kann es meiner Musik nur höchsten Nutzen bringen, wenn sich ein Y ihrer annimmt.


    Ihnen ... muss ich nicht erst Lobsprüche sagen. Sie gehören zu der kleinen Schar derer, die im höchsten Sinne genial sind und kein Lob für sich brauchen. ...


    Q.: „http://www.amazon.com/Verdi-Soprano-Acco…i/dp/B003H464EM.“


    98. Schubert (A), Grillparzer (B), Liszt (C), Weber (X), ‚Euranthe’ (Y)
    Komponist A:
    Das ist herbe asketische Musik, die einem nicht warm in der Herzgrube macht.


    Autor B:
    X ist allerdings ein poetischer Kopf, aber kein Musiker. Keine Spur von Melodie, nicht etwa bloß gefälliger, sondern von Melodie überhaupt…


    Komponist C:
    Mit der Komposition [des Werkes Y, hier namentlich genannt] setzte X den ersten Fuß in ein neues Land. Hier ward er sich als Vorläufer einer neuen Ära bewusst; hier hatte er eine Vorahnung des zukünftigen [...] und […]


    (die Auslassungen bezeichnen zwei Werke eines anderen Komponisten, der aber nicht unter den Gesuchten ist).


    Q.: u. a. :“http://gutenberg.spiegel.de/buch/1532/7"


    99. Berlioz (A) über Beethoven (B); 1. Symphonie (X), Trauermarsch aus der Eroica (Y)
    Komponist A urteilt über die Werke X und Y von Komponist B.


    A über X:


    X fehlt die poetische Idee, die doch in den meisten späteren Werken so groß und reich ist [...]. Das ist vortrefflich gemachte, klare, lebendige Musik, aber sie ist unbedeutend im Ausdruck, kühl und bisweilen kleinlich, wie zum Beispiel im Rondo des Finale, einer wirklichen musikalischen Kinderei. Mit einem Worte: Das ist nicht B!


    A über Y:


    Ich kenne in der Musik wenig Beispiele eines Stils, in welchem der Schmerz andauernd so reine Formen und einen solchen Adel des Ausdrucks festzuhalten imstande ist.


    [Ggf. Fortsetzung]


    Bis dann.

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    7. Teil:


    100. Verdi (A), Berlioz (B), Wagner (C)
    B war ein armer kranker Mann, der über jedermann wütend war. Er war außerordentlich begabt und hatte ein wirkliches Gespür für Instrumentation, nahm C in vielen instrumentalen Effekten vorweg. [...] Er [immer B gemeint] kannte keine Mäßigung. Ihm fehlte es an Ruhe und dem, was ich das Gleichgewicht nennen möchte, das vollkommene Kunstwerke hervorbringt. Er verfiel immer in Extreme, selbst wenn er Bewundernswertes zustande brachte.


    Q.: o. A.


    101. Meyerbeer (A), Wagner (B), Schumann (C), Wolf (D)
    Komponist B berichtet über das Erlebnis des Werkes YYY von Komponist A


    In dieser Zeit sah ich zum ersten Mal YYY ... Ich fühlte mich glücklich und erhaben, ließ alle wühlerischen Pläne fahren, die mir so gottlos erschienen, da doch das reine, edle, hochheilig Wahre und göttlich Menschliche schon so unmittelbar und warm in der seligen Gegenwart lebt. Tadelt mich nicht um diese Meinungsänderung. Wem es nur um die Sache zu tun, der hält an keinem Vorurteile fest, sondern willig lässt er alle falschen Grundsätze fahren, sobald er einsieht, dass diese ihm nur durch persönliche Eitelkeit eingegeben waren. Kommt das Genie und wirft uns in andere Bahnen, so folgt ein Begeisterter gern überall hin, selbst wenn er sch unfähig fühlt, in diesen Bahnen etwas leisten zu können. Ich bemerke - ich werde immer Schwärmer, wenn ich an jenen Abend der Offenbarung denke. Verzeih mir.


    Komponist C befindet über das frühere Werk ZZZ desselben Komponisten A:


    Ein A()'sches Raffinement muß ich hier erwähnen. Er kennt das Publikum zu gut, als daß er nicht einsehen sollte, daß zuviel Lärm zuletzt abstumpft. Und wie klug arbeitet er dem entgegen! Er setzt nach solchen Prasselstellen gleich ganze Arien mit Begleitung eines einzigen Instrumentes, als ob er sagen wollte. "Seht, was ich auch mit wenigem anfangen kann..." Einigen Esprit kann man ihm leider nicht absprechen. ... was aber ist das alles gegen die Gemeinheit, Verzerrtheit, Unnatur, Unsittlichkeit, Un-Musik des Ganzen? Wahrhaftig, ... es kann nicht ärger kommen, man müsste denn die Bühne zu einem Galgen machen, und dem äußersten Angstgeschrei eines von der Zeit gequälten Talentes folgt im Augenblicke die Hoffnung, dass es besser werden muss.


    Und schließlich meint Komponist D anlässlich einer Aufführung desselben Werkes:


    Was soll man dazu sagen, wenn man einen ganzen Monat über keine Oper von B, hingegen dreimal in der Woche A gespielt wird? Sind wir in (ein Ausland) oder in einer deutschen Stadt?


    Q. : o. A.


    102. Schönberg (X), Brahms (Y), Brahms Klavierquartett op. 25
    Komponist X über den Komponisten Y:


    Es ist der Zweck dieses Aufsatzes zu beweisen, daß Y, der Klassizist, der Akademische, ein großer Neuerer, ja, tatsächlich ein großer Fortschrittler im Bereich der musikalischen Sprache war.


    Und über ein Werk Z desselben Komponisten:


    1. Ich liebe das Stück.


    2. Es wird selten gespielt.


    3. Es wird immer sehr schlecht gespielt, weil der Pianist desto lauter spielt, je besser er ist, und man nichts von den Streichern hört. Ich wollte einmal alles hören, und das habe ich erreicht.


    Q.: A. Schönberg, Brahms der Fortschrittliche


    103. Hanslick (Z) über Wagner (X), Schumann (Y)
    X und Y hatten eine Begegnung miteinander, über die sie später (getrennt voneinander) Z erzählten:
    X sagte:
    Gewiß ein hochbegabter Musiker, aber kein Gesprächspartner. Als ich [...] kam, besuchte ich ihn, sprach von den französischen Musikverhältnissen, dann von den deutschen, sprach von Literatur und Politik - er aber blieb so gut wie stumm, fast eine Stunde lang. Man kann doch nicht immer allein reden. Ein unmöglicher Mensch!
    Y sagte:
    Gewiß ein geistreicher Künstler voll enormer Einfälle, aber er redet ununterbrochen. Man kann doch nicht immer reden. Wer soll das aushalten? Ein unmöglicher Mensch!


    Q.: o. A.


    104. Wagner (X) über Offenbachs (Y) „Hoffmanns Erzählungen“
    X über das Publikum von Y:
    Was in einem solchen Theater beisammen sitzt, ist das nichtsnutzigste Volk. Wenn in einer Kohlengrube Arbeiter verschüttet werden, da ergreift und empört es mich, da kommt mir das Entsetzen über eine Gesellschaft an, die sich auf solchem Wege Heizung verschafft. Wenn aber so und so viele aus dieser Gesellschaft umkommen, weil sie (einem Werk von Y) beiwohnen, worin sich auch nicht ein Zug von moralischer Größe zeigt - das lässt mich gleichgültig. Das berührt mich kaum.


    Q.: Walter Jacob, Jacques Offenbach, Rowohlt Moniographie


    105. Weber (X) über Beethovens (Y) 4. Symphonie (Z)
    Komponist X beschreibt die Komposition Z des Komponisten Y:
    Erstens, ein langsames Tempo, voll kurzer abgerissener Ideen, wo ja keine mit der anderen Zusammenhang haben darf, alle Viertelstunden drei oder vier Noten - das spannt! Dann ein dumpfer Paukenwirbel und mysteriöse Bratschensätze, alles mit der gehörigen Portion Generalpausen und Halte geschmückt; endlich, nachdem der Zuhörer vor lauter Spannung schon auf das Allegro Verzicht getan, ein wütendes Tempo, in welchem aber hauptsächlich dafür gesorgt sein muß, daß kein Hauptgedanke hervortritt und dem Zuhörer desto mehr selbst zu suchen übrigbleibt [...].


    Q.: o. A.

    106. Britten über Verdi

    Komponist X geht von einem Vergleich zweier Komponisten aus, deren Werke derselben musikalischen Gattung angehören. Er bezeichnet sich selbst als hochmütigen und ungeduldigen Zuhörer. Aber im Falle einiger weniger Komponisten ist er überzeugt davon, dass es sein eigener Fehler sei, wenn er ein Stück eines dieser Komponisten höre, das ihm nicht gefalle. Y sei einer dieser Komponisten.


    Q.: Paul Francis Kildea: Britten on music, S. 102


    107. Schönberg über Adorno (sog. Doktor-Faustus-Affäre)
    Vor mehr als 20 Jahren hat er einen enthusiastischen Artikel über mich veröffentlicht, der mich durch seinen Schmockstil anwiderte. Er hat schon damals diesen quatschigen Jargon benützt (... [diese Auslassung ist notwendig, sonst wäre es zu leicht, Anm.]). Das sieht alles so gelehrt und tiefgedacht aus, ist aber doch nur eine Manier, die vollkommene Abwesenheit eines Gedankens oder einer Erkenntnis zu verbergen. (...) Ich habe das Buch (von y, Anm.) nicht gelesen, sondern nur Teile einzelner Seiten - mehr kann ich nicht hinunterwürgen.


    Q.: E. Randol-Schoenberg (Hg.), Aprospos Doktor Faustus: Briefwechsel Arnold Schönberg – Thomas Mann, 1930-1951.

    Stand: Bis Seite 42, Beitrag 1.648, 14.10.2012, Uhr 00:31


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