Tschaikowski: Die Sinfonien – Gesamtaufnahmen und Einzeleinspielungen

  • Zitat

    Er ist übrigens der Sohn von Igor Markewitsch.

    Stimmt.....Nun, sein Schostakowitsch aus Italien soll recht gut geworden sein. Der große Durchbruch gelang ihm aber nie so recht. Er war mal im Osten tätig, vielleicht war das auch eine Art "Konkurrenzdenken" um einen bestimmen Posten? Keine Ahnung....

    Viele Grüße sendet Maurice

    Musik bedeutet, jemandem seine Geschichte zu erzählen und ist etwas ganz Persönliches. Daher ist es auch so schwierig, sie zu reproduzieren. Niemand kann ihr am Ende näher stehen als derjenige, der/die sie komponiert hat. Alle, die nach dem Komponisten kommen, können sie nur noch in verfälschter Form darbieten, denn sie erzählen am Ende wiederum ihre eigene Geschichte der Geschichte. (ist von mir)

  • Nur noch eine kleine Anmerkung zu den weiter oben erwähnten Wand-Aufnahmen der 5. und der 6. Ich stimme der Bewertung, dass sie sehr gut sind, voll zu - muss aber immer grinsen, wenn ich mir das eingestehe. Denn ich erinnere mich gut an die Suaden, die Wand zu seinen Lebzeiten bei jeder sich bietenden Gelegenheit und insbesondere dann, wenn eigentlich kein Anlass dazu bestand, gegen Mahler losließ. Er mochte diese persönlichen Abstürze nicht, diese subjektive Musik, die die Emotionen nach außen kehrt, so etwas könne er nicht spielen. Ich habe mich dann immer gefragt, warum er so guten Tschaikowski spiele.

    Ich kann es sehr gut nachvollziehen, dass Du darin einen Widerspruch siehst. Für Wand bestand der entscheidende Unterschied zwischen Tschaikowsky und Mahler aber darin, dass Tschaikowsky - und ich zitiere jetzt Wolfgang Seifert, "Günter Wand: So und nicht anders", Hoffmann und Campe 1998, S. 448 - "seine wilden Gefühlsausbrüche wie seine tiefe Melancholie in strengen Formverläufen bändigte. Dieser Dualismus hatte ihn immer fasziniert". Offenbar konnte er solche strengen Formverläufe bei Mahler nicht erkennen.

    Ich habe mir gerade in der letzten Zeit häufiger die Wand-Einspielungen der Sinfonien Nr. 5 und 6 mit dem Sinfonieorchester des NDR angehört. Und je mehr ich sie höre, umso mehr finde ich, dass dies die besten Aufnahmen der beiden Werke überhaupt sind. Ich jedenfalls kenne nichts Besseres (und das trotz erdrückender Konkurrenz).

    «Denn Du bist, was Du isst»
    (Rammstein)

  • Auch wenn seit längerem kein neuer Beitrag geschrieben wurde, gibt es ja offensichtlich weitere neue Aufnahmen der Sinfonien von Tschaikowsky - u.a. mit dem Gürzenich-Orchester in Köln unter Dmitrij Kitajenko.

    Hiervon habe ich mir heute die Aufnahme der Pathétique als SACD geleistet (erstaunlich günstig im Einzelhandel) und bin nicht nur vom Klang bzw. Aufnahmetechnik, sondern auch von der Interpretation begeistert. Nach meinem Empfinden kommt diese Aufnahme auch interpretatorisch an die Mrawinskij DG-Aufnahme aus 1960 mit der Leningrader Philharmonie heran. Ganz große Klasse!

    Euch allen ein schönes Frühlings-Wochenende

    Thomas

    ____________________________________


    "Tradition ist Bewahrung des Feuers und nicht Anbetung der Asche" (Gustav Mahler)

  • Na, wenn Yukon mich so nett bittet... ;+)

    Die Leningrader haben die drei letzten Symphonien Tschaikowskis zweimal aufgenommen: zuerst im Juni 1956 unter Sanderling (Nr. 4) und Mrawinski (Nr. 5-6) in Mono [links], dann nochmals im September und November 1960 in Stereo, alle drei unter Mrawinski [rechts]. Nach gerade mal viereinhalb Jahren die Aufnahmen zu wiederholen, war natürlich der neuen Aufnahmetechnik geschuldet, denn sonst hätte die DGG es gewiß nicht gemacht.

    Klanglich gesehen ist ohne Frage ein Zuwachs zu vermelden: die Mono-Aufnahmen sind für die damalige Zeit sehr gut gewesen, haben einen ordentlichen Hallanteil und fangen das Orchester gut ein; die Stereo-Aufnahmen toppen das durch eine sehr präsente Klangbühne, die alle Details klar herausstechen läßt und dennoch einen schönen Gesamtklang produziert. Auch der Frequenzraum ist etwas größer.

    Interpretatorisch ist das aber auch nicht anders: Mrawinski legt tatsächlich eine Schippe drauf und läßt die Leningrader strammer musizieren als vier Jahre zuvor. Die Präzision der Details bleibt erhalten und verbindet sich mit einem Drang, der tatsächlich beeindruckend ist. Mrawinskis Stereo-Aufnahmen sind drängender, wuchtiger, verlieren nie den Überblick des Ganzen und lassen die Emotion der Musik für sich selber sprechen.

    Unterschied: die Mono-Aufnahmen sind sehr gut :thumbup: , die Stereo-Aufnahmen sind grandios :juhu: .

    Soweit mein erster Eindruck... :beatnik:


    jd :wink:

    "Interpretation ist mein Gemüse." Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation." Jean Paul

    "Manchmal sind drei Punkte auch nur einfach drei Punkte..." jd

  • ch habe mir gerade in der letzten Zeit häufiger die Wand-Einspielungen der Sinfonien Nr. 5 und 6 mit dem Sinfonieorchester des NDR angehört. Und je mehr ich sie höre, umso mehr finde ich, dass dies die besten Aufnahmen der beiden Werke überhaupt sind. Ich jedenfalls kenne nichts Besseres (und das trotz erdrückender Konkurrenz).

    Hallo music lover,
    erst jetzt lese ich, was du geschrieben hast.
    Genau "so und nicht anders" ist es. Oder wenn man es weniger vollmundig mag:
    Sie gehören zu den besten Einspielungen dieser Sinfonien.
    Sie werden völlig klar und transparent aufgeführt, und dennoch kommen hier eine Energie und eine schwermütige Kraft zum Ausdruck, die in dieser Vitalität nur in wenigen Einspielungen hörbar sind.
    Wands Tschaikowsky-Einspielungen sind sehr empfehlenswert.

    Nr. fünf sehe ich in Beitrag 77 eingestellt, hier ist auch die sechste:

    Sehr interessieren würde mich eine Einschätzung der Aufnahmen mit dem Kitaenko und dem Gürzenich Orchester.

    Beste Grüße, Ansgar

  • Hallo zusammen,

    als Vorbereitung auf meinen Konzertbesuch am Di (BSO unter Kirill Petrenko) lese ich noch einmal in diesem Thread und höre meine Aufnahme der Tschaikowsky 5. (Maazel, Cleveland Orchestra). Da es schon seit längerem keine Karten mehr für die Münchner Aufführungen gibt, dafür aber eine Sendung des http://staatsoper.de/tv-Senders wollte ich auf diese hinweisen, am Di Abend:

    https://www.staatsoper.de/tv.html?no_cache=1

    Auch der BR wird wohl übertragen: https://www.br-klassik.de/programm/radio…ung-799226.html

    To whom it may concern ...

    Gruß Benno

    Überzeugung ist der Glaube, in irgend einem Puncte der Erkenntniss im Besitze der unbedingten Wahrheit zu sein. Dieser Glaube setzt also voraus, dass es unbedingte Wahrheiten gebe; ebenfalls, dass jene vollkommenen Methoden gefunden seien, um zu ihnen zu gelangen; endlich, dass jeder, der Überzeugungen habe, sich dieser vollkommenen Methoden bediene. Alle drei Aufstellungen beweisen sofort, dass der Mensch der Überzeugungen nicht der Mensch des wissenschaftlichen Denkens ist (Nietzsche)

  • An Karajan-Aufnahmen ist auf dem übersättigten Tonträgermarkt wahrlich kein Mangel, fast jeder seiner Aufnahmen ist auf CD zu haben. Und Tschaikowskys Sinfonien sind von ihm immer sehr bevorzugt behandelt worden. Umso erstaunter bin ich, dass folgende Aufnahme m.W. bis heute nicht auf CD erhältlich ist:


    [Blockierte Grafik: https://images-eu.ssl-images-amazon.com/images/I/51yPe8ybCmL._SL500_AA300_.jpg]

    Tschaikowsky: Sinfonie Nr. 4 f-moll op. 36 mit den Berliner Philharmonikern (Aufnahme: 29.2./1.3.1960 Berlin).
    Es ist seine 1. Stereo-Einspielung des Werks und eine seiner letzten für EMI/Columbia vor Inkrafttreten seines Exklusivvertrags mit der DGG. Ich besitze sie auf LP und finde, dass sie im Vergleich mit seinen späteren Einspielungen für DGG (1966 und 1977) mit den Berlinern und erst recht von 1984 mit den Wiener Philharmonikern (Karajan Gold-Serie) sowie der 1972er Version für EMI (wieder Berliner Philh.) deutlich vorzuziehen ist. Hier herrscht Klarheit und Detaildeutlichkeit vor, und der Finalsatz endet mitnichten als Lärmorgie. Zudem ist die Aufnahme interessant als Dokument aus den Anfangsjahren Karajans in Berlin. Warum sie nie auf CD übertragen wurde, ist mir ein Rätsel. Oder habe ich vielleicht etwas übersehen?

  • Danke, Agravain, für die prompte Antwort und den Hinweis. Habe mehrmals über diverse Suchfunktionen nach der Aufnahme (auch bei amazon) gesehen, sie aber nie gefunden. Nun warte ich nur noch auf eine Preissenkung, denn über 35 € ist mir doch ein zu stolzer Preis. Da werde ich mich vorläufig weiter mit meiner LP begnügen.
    Schönen Abend noch.

  • über 35 € ist mir doch ein zu stolzer Preis.

    Wenn Du noch 2 Sinfonien dazu nimmst, kriegst Du sie für 4,64 € neu . Denn das müßte sie sein :

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Lieber Agravain, ich habe diese CD nicht. Aber in der 88 CD Ausgabe :
    Herbert von Karajan - The complete EMI recordings 1946-1984

    von 2008 sind die 5. & 6. aus 1971, die 4. aber aus 60. Eine 2.Einspielung bei der EMI ist nicht gelistet . Ergo : sie sollte es sein.Aber ich kann mich irren,vielleicht gibt es doch 2.

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

  • Das ist ja alles ganz hübsch, aber ich halte mich dann doch lieber an die Angaben die der CD beigefügt sind:

    [Blockierte Grafik: https://images-na.ssl-images-amazon.com/images/I/619raCp+7sL._CR9,0,482,482_UX300.jpg]

    So auch im gesamten Netz. Ergo: Nix Genaues weiß man nicht (allerdings: s.u.).

    Edit: Wie gut mag man sich wohl auf die Angaben der EMI verlassen? Auch in der neuesten Ausgabe der Karajan'schen Hinterlassenschaften in Sachen Pjotr

    läuft die 4 unter 1971. Das finde ich nun tatsächlich interessant. Osborne schließlich orakelt auf S. 729 seiner Biographie dann auch von den EMI-Aufnahmen der Symphonien 4-6, die dort nach dem Vertragsschluss von 1969/70 eingespielt wurden. Wo ist dann aber die 4., die es laut der oben als scheinbar verlässliche Quelle genannten Kiste, gar nicht geben kann, weil sie dort nicht auftaucht, die aber in der Einzelaufnahme, in der neueren Box, in der Kritik und - sapperlot - auch bei Osborne - immer wieder genannt wird hin? Herbert im Bermuda-Dreieck. Ein Stoff, der wie für einen großen Thriller gemacht ist. ;)

    :wink: Agravain

  • Da habe ich ja ungewollt eine Kettenreaktion ausgelöst, sorry!
    Die von mir als CD gesuchte Aufnahme ist in der Tat die von Agravain gezeigte, es ist gleichzeitig Karajans erste Einspielung von Tschaikowskys Vierter. Sie wurde produziert am 29.02./01.03.1960 in Berlin, mit den dortigen Philharmonikern. Der Produzent war der legendäre Walter Legge. Das ist auch die von mir gesuchte.
    Karajan hat die Tschaikowsky-Sinfonien tatsächlich inflationär aufgenommen. Die mir bekannten weiteren Aufnahmen sind:

    1966 Berliner Philharmoniker DGG
    1971 Berliner Philharmoniker EMI
    1976 Berliner Philharmoniker DGG
    1984 Wiener Philharmoniker DGG

    Sie .liegen mir sämtlich vor; die von 1966, 1971 und 1976 gleichen sich ziemlich. Man fragt sich, was der ganze Aufwand sollte, denn klangtechnisch sind die Unterschiede nicht sehr gravierend. 1966 nahm er für die Deutsche Grammophon die Sinfonien Nr. 4 - 6 auf, 1971 wieder 4 - 6 für die EMI, und zwar quadrophon, das war damals kurzzeitig Mode, setzte sich aber nicht durch. 1976 nahm er dann für die DGG alle sechs Sinfonien auf (ohne den "Manfred"), immer mit dem gleichen Orchester. 1984 produzierte er dann für DGG nochmals Nr. 4 - 6, diesmal mit den Wiener Philharmonikern. So weit ich weiß, wurden diese auch filmisch aufgenommen. Zu der Zeit schwelte schon der Krach mit den Berlinern, da mussten die Wiener ran.
    Für mich ist die Legge-Produktion von 1960, die noch unter dem Label Columbia erstmals veröffentlicht wurde, seine beste, und klanglich kann sie sich durchaus hören lassen. Wenn sie mal einzeln für wenige Euronen zu haben ist, werde ich sie mir als CD kaufen.
    Zum Schluss ein Dankeschön an alle, die sich hier eingeschaltet haben. Gute Nacht! :wink:

  • Danke für das Cover. Demnach müßte es tatsächlich 2 EMI -Aufnahmen geben, denn die SACD (also die 60er) hat folgende Laufzeiten :
    I : 19:18 II :09:08 III : 05:43 IV : 08:54 . Mithin habe ich mich geirrt, Warner Classics lügt ( Complete Recordings!), und Fallada muss sparen .

    Good taste is timeless "Ach, ewig währt so lang " "But I am good. What the hell has gone wrong?" A thing of beauty is a joy forever.

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