Alfred Hitchcock - Seine besten Filme

  • 10 Schnitte gibt es in dem Film: 5 direkt zu erkennende und 5 versteckte. Das hatte den Grund, dass damals eine Filmrolle nicht mehr als 10 Minuten aufnehmen konnte.

  • 10 Schnitte gibt es in dem Film: 5 direkt zu erkennende und 5 versteckte. Das hatte den Grund, dass damals eine Filmrolle nicht mehr als 10 Minuten aufnehmen konnte.

    Interessant... Ich habe die DVD im Schrank stehen, vielleicht schaue ich mir den Film unter diesem Gesichtspunkt mal wieder an.


    Rope ist übrigens auch Hitchcocks erster Farbfilm. In dem Interview-Buch mit Truffaut schildert er sehr interessant, welche Probleme die neuen Möglichkeiten ihm machten.



    Michel

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • 10 Schnitte gibt es in dem Film: 5 direkt zu erkennende und 5 versteckte. Das hatte den Grund, dass damals eine Filmrolle nicht mehr als 10 Minuten aufnehmen konnte.

    Ich habe Truffauts Interview-Buch wieder rausgekramt (ist sicher 20 Jahre her, dass ich das gelesen habe). Der Abschnitt über Rope ist sehr interessant. In der Tat tut der Film nur so, als wäre er in einem durchgefilmt worden. Der Film hat also genau genommen 11 oder 12 (?) Einstellungen, was verglichen mit den 1360 (!) Einstellungen von Birds immer noch sehr wenig ist. Die Dreharbeiten dauerten in Wirklichkeit 18 Tage (plus weitere 9 Tage um die letzten 5 Rollen neu zu drehen, nachdem sich herausgestellt hatte, dass die vom ersten Dreh eine starken Orange-Stich hatten - wie gesagt: Hitchs erster Farbfilm). Pro Tag wurde maximal eine 10-minütige Rolle gedreht, an manchen Tagen wurde alles verworfen.


    Hitchcock schildert sehr anschaulich, welche Schwierigkeiten sich durch diese Methode ergaben. So waren alle Wände und Möbel auf Rollen montiert und wurden, kaum dass sie aus dem Bild waren, verschoben, um bei den weiteren Kamerabewegungen nicht im Weg zu sein. Und dann wieder rechtzeitig an die alte Stelle verschoben bevor sie wieder im Bild erscheinen. Das ganze völlig geräuschlos, denn es wurde mit direkt aufgenommenem Ton gedreht. Diese ganze Choreographie war minutiös vorbereitet und wurde vor dem eigentlichen Dreh geprobt. Sehr schade, dass es keinen Film gibt, der diese Dreharbeiten dokumentiert...


    Besonders hübsch finde ich das folgende Detail: Das Appartement, in dem Film spielt, hat ein riesiges Fenster mit Blick über New York. Das ist natürlich ein Modell vor gemaltem Himmel. Zwischen den Wolkenkratzern waren Wolken angebracht, aus Glas und beweglich. Es gab einen genauen Plan, nachdem die Wolken immer ein kleines Stück weiter bewegt wurden sobald das Fenster aus dem Bild verschwindet, jede Wolke in einem anderen Tempo. 8+)


    Ich glaube, Hitchcock hatte einen ganz ausgesprochen stark entwickelten Spieltrieb, den er beim Dreh hemmungslos auslebte. :thumbup:


    Michel

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • "Rope" finde auch ich einen amüsanten und unterhaltsamen Film. Die (nicht-)schnitttechnischen Aspekte sind bzw. waren eine interessante Sache. Aber, wenn ich ehrlich bin, mit mehr Schnitten, wie sonst bei Hitchcock üblich, wäre der Film bestimmt noch besser.


    Aprospos Anwendung neuer Technik: Mich erinnert dies an folgende Situation: In meiner Jugend war ich (und bin ich immer noch) sehr fasziniert vom Posaunisten Albert Mangelsdorf. Unabhängig davon, dass er einen tollen Ton und gute Improvisationsideen etc. hatte, machte auf mich seine Fähigkeit, mehrere Töne gleichzeitig spielen zu können, großen Eindruck. Ich spielte meinem Bruder, der auch als lernendes Kind mit einem Posaunenmundstück durch die Gegend lief, damals eine bestimmte Steller einer LP von Mangelsdorf vor und wartete darauf, dass er die Faszination über vier gleichzeitig gespielte Töne mit mir teilte. Aber was war seine Reaktion? "Ich finde, es hört sich viel besser an, wenn die vier Töne duch vier Posaunisten gespielt werden. Klingt voller." Eine wichtige Erkenntnis für mich, die mir bis heute klarmachte, dass es die eine Sache ist, etwas zu können, die andere Sache, etwas anzuwenden.



    Uwe

    Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.

  • Bitte "Rope" unbedingt mit "Compulsion" ("Der Zwang zum Bösen") vergleichen - beide Filme basieren auf dem identischen Fall. Und, zumindest meiner Meinung nach, schneidet "Compulsion" wesentlich besser ab als Hitchcocks Film.


    Lieber Rideamus,
    soeben traf "I Confess" ein - ich bin gespannt. Allerdings habe ich eben wieder so ein Hitchcock-Erlebnis gehabt, das mich kopfschüttelnd zurücklässt: "Shadow of a Doubt" (Im Schatten des Zweifels). Da begeht der böse Onkel Charlie an seiner Nichte zwei Mordversuche, die Nichte kapiert, dass Charlie ein dreifacher Frauenmörder ist, der auch ihr selbst jetzt nach dem Leben trachtet. Und was tut sie? Nichts. Sie geht nicht einmal zu ihrem Freund, der Polizist (und leider telefonisch eben nicht erreichbar) ist, sie ruft nicht einen anderen Polizisten an, sie akzeptiert, daß sie demnächst aller Wahrscheinlichkeit nach gekillt wird - und weshalb? Weil sie ihrer Mutter den Schock nicht zumuten will, daß ihr Bruder ein Mörder ist. Das ist dermaßen unlogisch und unglubwürdig, daß der gesamte Film damit für mich zusammenbricht. Der nächste innere Logikfehler ist für mich, daß der gewiefte Mörder es nicht schafft, die junge Frau anders zu beseitigen. Was mich freilich nicht weiter kümmert, weil der Film für mich da längst in die Irre gegangen ist. Ich gebe aber zu: Wenn man diesen Fehler der inneren Logik schluckt, ist es ein spannender (und natürlich glänzend in Szene gesetzter) Film.
    :wink:

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • Lieber Edwin,


    das mit COMPULSION muss Gedankenübertragung gewesen sein. Ich ändere meinen Text, den ich gleichzeitig mit Dir geschrieben und eingestellt habe, aber nicht mehr.


    Hitchcocks Verfilmung eines Bühnenstückes nach dem authentischen Fall Leopold und Loeb (s. http://de.wikipedia.org/wiki/Leopold_und_Loeb), zwei Studenten, die 1924 ein Kind entführten und umbrachten, nur um zu beweisen, dass sie Übermenschen waren, die das perfekte Verbrechen begehen konnten, war ein kalkuliertes Risiko, das mit seiner künstlichen Beschränkung auf die Vortäuschung einer einzelnen Einstellung schief gehen musste - und das auch tat, wenn auch auf hohem Niveau. Als Hitchcock später mit BEI ANRUF MORD noch einmal ein ähnliches Bühnenstück verfilmte, verzichtete er weise auf solche Experimente, obwohl man auch diesem Film die Herkunft von einem Bühnenstück überdeutlich anmerkt und selbst Ray Milland und Grace Kelly nichts dagegen machen konnten.


    ROPE gibt aber das Stichwort zu einem weiteren großartigen "Hitchcock"-Film, der nicht von Hitchcock ist, nämlich der elf Jahre später entstandene COMPULSION (DER ZWANG ZUM BÖSEN) von Richard Fleischer mit Orson Welles, Dean Stockwell und Bradford Dillman. Dieser Film basiert auf dem damals - zu Recht - sehr erfolgreichen Roman von Meyer Levin nach demselben authentischen Fall. Schade, dass der in Vergessenheit geraten ist, denn er ist weit besser als die jüngste Fassung des Stoffes, MORD NACH PLAN (2002) von Barbet Schroeder, welcher die dämonisch-philosophische Dimension des Stoffes an ein Starvehikel für Sandra Bullock verschenkt.


    Ein aus der Rückschau weit interessanteres und weitgehend gelungenes, wenn auch an der Kasse wenig erfolgreiches Experiment Alfred Hitchcocks war die Verfilmung einer anderen authentischen und weit weniger raren Geschichte. Sie handelt von einem Bassisten, der - nicht zuletzt wegen des stümperhaften Vorgehens der Polizei - von zahlreichen Zeugen für einen Räuber gehalten und verhaftet wird, was seine Frau in den Wahnsinn treibt. Sein Titel:



    Dieser Beinahe-Dokumentarfilm ist über weite Strecken dermaßen realistisch und trübe, dass er nicht trotz, sondern wegen seiner besonderen Qualität einer von Hitchcocks größten Misserfolgen wurde, denn die fast verzweifelten Versuche, ein Happy End in den Schlusstitel zu schreiben, wurden natürlich vom Publikum durchschaut.


    Ein weiteres Problem hat mit Hollywood zu tun: natürlich war das Gesicht von Henry Fonda viel zu bekannt um glaubhaft zu einer Verwechsalung Anlass zu geben, aber gerade hier hat das Besetzungsbüro ganze ARbeit geleistet. Man versuche mal zu vergessen, dass man Henry Fonda kenn (so schwer es falls mag) und vergleiche dann:


    http://readingeagle.com/BlogUploads/68/wrong%20man.jpg


    Jedenfalls ein weiterer Hitchcock-Film, den man mindestens einmal gesehen haben sollte.


    EDIT: Zu SHADOW OF A DOUBT: wer Hitchcock-Filme allein mit den Kriterien der Plausibilität misst, riskiert, dass einer verliert. Meist ist es der Betrachter, weil ihm viel Gutes entgeht. Das immerhin wusstest Du zu erkennen und zu schätzen. Versuche bei einem späteren Anlauf mal den Humor in dem Ganzen zu entdecken, und nimm' die Geschichte nicht ganz so ernst. Truffaut zeigte sich nicht von ungefähr von dem System der Verdopplung in diesem Film fasziniert. Das fängt schon mit den Namen Charlie von Onkel und Nichte an. Thornton Wilder hat hier als Drehbucharbeit eine tolle Arbeit geleistet.


    :wink: Rideamus


    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Eigentlich wollte ich ja "Die Beichte" versuchen, aber bei diesen Temperaturen hatte ich doch eher Lust auf etwas Leichteres, und da ich eben meinen Hitchcock wieder auffrische, kam "The Trouble with Harry" (Immer Ärger mit Harry) zum Zug.
    Nun ja, ich bin ja kein unbedingter Hitchcock-Fan...
    ...aber dieser Film, da kann ich nur noch das Genie des Meisters anerkennen. Hätte er doch nur etwas öfter solche Filme gemacht (und eventuell auf Shirley McLaine verzichtet - aber, trotz meiner Aversion muß ich es zugeben, sie paßt sehr gut in diese Rolle).


    Was fasziniert mich an dieser Komödie so? Nun: Die Handlung ist ja simpel: Harrys Leiche wird gefunden, aber keiner der Kleinstadtbewohner hat Interesse daran, dass sie wirklich auftaucht, weil sie alle glauben, dass ihr Bezug zu Harry sie zumindest ins Gefängnis bringt. Nur ist diese Leiche extrem hartnäckig und widersteht allen Bemühungen, sie verschwinden zu lassen.
    Wie oft ist diese Handlung eigentlich kopiert worden...?


    Was Hitchcock damit macht, nötigt mir restlose Bewunderung ab. Der Leichenfund an sich ist nur ein Vehikel, um Kleinstadt-Gestalten zu schildern. Und es sind wirklich Gestalten, nicht einfach nur "Typen". Hitchcock interessiert sich dabei für die Einzelperson ebenso wie für di Verflechtungen. Womit die Komödie eigentlich fertig wäre...


    ...wenn der geniale Hitchcock nicht die Handlung obendrein in den Herbst verlegt hätte. Die Stimmung, die das milde Licht verbreitet, ist nostalgisch und schön, es ist wie ein süßes Abschiednehmen (es muß ja kein Abschied für immer sein). Bernard Herrmann komponiert dazu eine herrliche Musik - und hat auch für die Komödiantik einige seiner groteskesten Töne bereit (Vaughan Williams ist da nahe, mitunter auch Copland).


    Was insgesamt einen Film ergibt, wie er an Originalität und Feinheit meiner Meinung nach nie übertroffen wurde. Selbst Robert Altmans brillantes "Cookie's Fortune" ist gegen Hitchcocks "Harry" wenig mehr als ein Nachklapp mit etwas anders gesetzten Untertönen. "The Trouble with Harry" ist ein wunderbares Meisterwerk und würde genügen, daß ich Hitchcock als großen Regisseur bezeichne. Seltsam, daß sich diese Begeisterung für viele seiner hochgelobten Thriller bei mir nicht einstellen will...
    :wink:

    Na sdarowje! (Modest Mussorgskij)

  • Dass alle Frauen in Gefahr immer dermaßen hysterisch reagieren müssen, verdirbt mir an vielen Hitch-Filmen viel Freude.

    :?: :?: Nun, dass Frauen in seinen Filmen angeblich vielfach hysterisch reagierten, halte ich für ein Gerücht. Auf Anhieb fiele mir da nur Doris Day in der genialischen Zweitfassung von "Der Mann, der zuviel wußte" ein. Aber auch da ist zum Glück ein Mann zur Stelle, der im Vorfeld bereits die notwendigen Beruhigungsmittel der Gattin verabreicht hat.

  • Nur ist diese Leiche extrem hartnäckig und widersteht allen Bemühungen, sie verschwinden zu lassen.


    Sätze wie diese las ich öfter, bevor ich den Film sah.


    Aber wirklich "hartnäckig" ist die Leiche eigentlich nicht, weil sie von den Leuten selbst immer wieder ein- und ausgegraben wird - während diese Beschreibung(en) eher suggerieren, dass die Leiche durch irgendwelche Umstände irgendwo auftaucht, ähnlich wie im Film "Immer Ärger mit Bernie", aus den 80ern.

  • "Rope" finde auch ich einen amüsanten und unterhaltsamen Film.


    Unterhaltsam gewiss, aber amüsant (im Sinne von fröhlich, komisch) ?( ?( O.K. einige Wortspiele zwischen Steward und Collier (= Mrs Atwater) sind sicher nicht ganz unamüsant.

  • Einige der Filme Hitchcocks gehören seit meiner Kindheit zu meinen Lieblingsfilmen. Die früheren SW-Filme habe ich gerade nicht so auf dem Schirm. Sollte ich nur einen Film nennen, dann wäre es wohl Der unsichtbare Dritte. Allein die Szene an der Landsraße mit dem Flugzeug. Grant und Saint sind klasse. ;+)


    Weitere: die Filme mit der schönen Grace Kelly, besonders Bei Anruf Mord . Auch das "Fenster" (albern finde ich nur die Szene mit dem Blitz, bei der sich der Mörder stundenlang die Augen reiben muss). Wegen des Flairs mag ich auch "Über den Dächern von Nizza".


    Als Kind waren die "Vögel" natürlich auch ein Hammer.


    maticus

    Social media is the toilet of the internet. --- Lady Gaga
    Und wer Herr Reichelt ist, weiß ich auch erst seit Montag. --- Prof. Dr. Christian Drosten

  • Unterhaltsam gewiss, aber amüsant (im Sinne von fröhlich, komisch) ?( ?( O.K. einige Wortspiele zwischen Steward und Collier (= Mrs Atwater) sind sicher nicht ganz unamüsant.


    Ja, für mich schön. Nungut, der Gedanke, überhaupt jemanden umzubringen (geschweige denn, ihn in einer Truhe zu verstecken, auf dem das Essen serviert wird...), ist in der Realität natürlich eine traurige und entsetzliche Sache. Aber Hitchcock präsentiert diese Geschichte nach meinem Empfinden mit Augenzwinkern und skurrilem Humor. Gerade das ist für mich das Eigene bei diesem Regisseur: 90 Minuten Spannung und Spaß; Spaß am Absurden und an der Angst.


    Meine Lieblings-Hitchcocks sind wahrscheinlich "Die Vögel" und "Der unsichtbare Dritte".


    Uwe

    Wenn alle ein klein wenig verrückter wären, dann wäre die Welt nicht so durchgedreht.

  • Einige der Filme Hitchcocks gehören seit meiner Kindheit zu meinen Lieblingsfilmen.
    ...
    Als Kind waren die "Vögel" natürlich auch ein Hammer.



    ...
    Meine Lieblings-Hitchcocks sind wahrscheinlich "Die Vögel" und "Der unsichtbare Dritte".


    Wenn ich darüber nachdenke, geht es mir ähnlich. Hitchcock-Filme verbinde ich vor allem mit meiner Kindheit - auch wenn sie ja nun nicht unbedingt Kinderfilme sind ;+)


    Bei meinen Lieblingen keine Abweichung zu euch, nur eine Ergänzung: "Psycho". Alle drei werde ich immer wieder gern sehen.


    :wink:

    Jein (Fettes Brot, 1996)

  • Herrenstammtisch in Frankfurt mit Alfred Hitchcock aus dem Jahr 1966 anlässlich des seinerzeitigen Erscheinens des neuesten Werkes des Meisters "Der zerrissene Vorhang", u.a. auch mit Hein Heckroth, dem Produktionsdesigner des Films.


    "https://www.youtube.com/watch?v=CXzdxYgXSeM"


    Sehr hübsch mit etwas 60er Jahre-Atmosphäre - rauchen, saufen ist ohne Bedenken erlaubt.

  • Hihi... :D


    Damals waren noch andere Zeiten. Da konnte man dem Publikum sowas noch zeigen.



    jd :kaffee1:

    "Interpretation ist mein Gemüse."
    Hudebux

    "Derjenige, der zum ersten Mal anstatt eines Speeres ein Schimpfwort benutzte, war der Begründer der Zivilisation."
    Jean Paul

  • Ich muss gestehen, Hitchcock ist neben vielen anderen einer meiner absoluten Lieblingsregisseure. Gerade hatte ich mal wieder eine Phase, in der ich mir wohl gut die Hälfte seiner Filme zum x-ten Mal wieder angesehen habe.


    Mich fasziniert immer wieder, wie er wirklich mit originäre filmischen Mitteln einen Film aufbaut und sein Ziel genau erreicht. Und selbst da, wo er eher zu 'Theaterverfilmungen' neigt so hat er es, glaube ich, selber einmal formuliert), gibt es immer noch diese filmischen 'Schmankerln', die so unnachahmlich sind (Dial M for Murder).


    Aber während des Schauens stellte ich mir selber die Frage, welche 5 Filme von ihm ich eigentlich für seine besten halte. Und da kam ich dann doch ins Schwimmen.


    - 'Rear Window' ist gesetzt, v.a. wegen der Doppelbödigkeit, der exzellenten Ausführung, des unglaublichen Sets
    - 'Vertigo' ebenso, auch hier wegen die Vielschichtigkeit, der Umsetzung, der fantastischen Musik von Bernhard Herman ( :verbeugung1: :verbeugung1: :verbeugung1: )
    - 'North by Northwest' fehlt natürlich dieser Subtext. Aber es ist eine unglaublich gut erzählte Geschichte (die er vorher ja schon mehrfach variiert hatte), spannend, witzig und mit dieser 'Maisfeld-Szene'. Was will man mehr?
    - 'Psycho' dann wohl doch wegen der unglaublich streng durchgehaltenen filmischen Komposition. Und weil er schon aus dem Gesamtwerk herausfällt.


    So, aber dann geht es los. Ist es 'I confess', ist es 'A Lady vanishes', ist es 'Shadoww of a Doubt' oder doch eher 'Stranger on a Train'? '39 Steps' gehört da aber auch hinein, ebenso 'Notorious' oder 'The Man Who Knew Too Much' (2. Version). Ich kann mich nicht entscheiden. Vielleicht aber auch 'Blackmail' oder 'The Lodger' als in ihrer Zeit wirklich wegweisende Werke.


    Gut, 4 habe ich, aber weiter komme ich nicht. ^^


    :wink: Wolfram

  • In diesem großen schönen Forum entdecke ich doch immer wieder tolle Threads viel zu spät :D


    Einer meiner 6 Alltime Hitchcock Favoriten ist hier noch überhaupt nicht erwähnt worden. Das ist "Eine Dame verschwindet", einer seiner frühen Tonfilme aus der britischen Zeit. Daß ich eben den so toll finde hat Gründe: 1.liebe ich Filme die in Zügen spielen, 2.liebe ich die Balance aus Humor und Ernst in diesem Film.
    3.Er ist eine Kindheitserinnerung :)

    99 Stufen aus derselben Zeit mag gar noch besser sein ( oK OK isser...) aber oben genannten liebe ich eben ganz besonders. Im Herbst / Winter laufen beide immer hier. Trotzdem gehört 99 Stufen unbedingt in die Liste.


    Danach (nicht als Reihenfolge zu verstehen) :
    Psycho, ein in Dichte und Atmosphäre und Bedrohlichkeit singuläres Teil.


    Die Vögel, ich mag den ewig langsamen Spannungsaufbau und die vielen vielen kleinen genialen Details.

    Dann Der unsichtbare Dritte, ein schlichtweg perfekter Film, und außerdem ist Cary Grant Gott :D


    Und schließlich Der Fremde im Zug, auch hier eine außerordentlich dichte Atmosphäre, Highsmith'scher lauernder Irrsinn in den Händen dieses Regisseurs und dann noch mit einem Drehbuch von Chandler...


    Nebenbei, "Vertigo" mag ich überhaupt nicht...



    :)

    "Verzicht heißt nicht, die Dinge dieser Welt aufzugeben, sondern zu akzeptieren, daß sie dahingehen."
    (Shunryu Suzuki)

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