Singen in französischer Sprache - Besonderheiten, Probleme, Chancen

  • Hallo ihr Lieben!


    Danke für die Antworten - das scheint also auch Ansichtssache zu sein - und damit ein weites Feld. Ich habe auch in die Richtung gedacht: Oper - Ursprung im


    Italienischen - dort gerolltes r - daher Vorbild und Entwicklung zur Norm. Ich werde ab jetzt aufmerksamer darauf hören, wie es verwendet wird.


    Liebe Grüße,
    :wink:
    Renate

    Unsre Freuden, unsre Leiden, alles eines Irrlichts Spiel... (Wilhelm Müller)

  • Auch Gott hat mal Hunger, gönnen wir ihm den Toast.


    Die Tücken von Franzosen mit Fremdsprachen habe ich auch im normalen Leben kennengelernt. Als ich mal ein Eis Kentucky bestellte hat man mich erst verstanden als es sich wie Köntückie anhörte. Insgesamt stimmt es auch im praktischen Leben öfter, dass Franzosen anderen Sprachen gegenüber sehr intollarant sind, aber wenn man sie erst mal näher kennt bemühen sie sich doch und sind auch tolerant. Da akzeptieren sie es auch und machen mit, wenn man sich holpernd und mit Händen und Füssen unterhält.
    Viele Grüsse
    Ulrich

    Ohne Musik wäre das Leben ein Irrtum (Nietzsche)
    In der Tat spuckte ... der teuflische Blechtrichter nun alsbald jene Mischung von Bronchialschleim und zerkautem Gummi aus, welchen die Besitzer von Grammophonen und Abonnenten von Radios übereingekommen sind Musik zu nennen (H Hesse)
    ----------------------------
    Im übrigen bin ich der Meinung, dass immer Sommerzeit sein sollte (gerade im Winter)


  • Zum anderen ist ein nicht gerolltes R einfach nicht so gut hörbar - womit "Gottes Trost" schon mal zu "Gottes Toast" werden kann :stumm:


    Das ist mir schon auf diversen Konzertmitschnitten meiner Chöre schmerzlich bewusst geworden, als beim Hören plötzlich Wörter unverständlich und verwaschen waren, die man beim Singen vermeintlich ausreichend deutlich ausgesprochen hatte. Das "Übertreiben" muss man sich eben erst angewöhnen...


    Ich hab als Nur-Chorsänger, der nie französisch singt, natürlich leicht reden, weil ich mir über die technischen Probleme keine Gedanken machen muss (und singe selbst im Deutschen gerollt, obwohl ich beim Sprechen nicht rolle) [...]


    Fällt dir das dann nicht schwer? Wie gesagt, rolle ich beim Sprechen auch nicht, und daran bin ich so gewöhnt, dass es für mich sehr schwierig ist, beim Singen auf Deutsch zu rollen. In anderen Sprachen gehts.


    Über die Artikulation des R gehen die Meinungen auseinander. Die Tradition im Kunstgesang ist das Zungen - R, welches den Vordersitz des Lauts und die Weichheit des Klanges begünstigt. Da das Zungen - R zunehmend als altmodisch und künstlich empfunden wird, bevorzugt man heute eher das Gaumen - R, wobei der Gefahr zu begegnen ist, dass es leicht zu rückwärtig, rau und unschön artikuliert wird ! Das R im Französischen : Ein weites Feld !


    Zu dem was Vitellia schon gesagt hat, füge ich noch hinzu, dass heutzutage selbst an französischen Conservatoires und bei frz. Lehrern das gerollte R sehr umstritten ist!
    Im Liedrepertoire soll ich das z.B. NICHT machen, in der Oper wird es freigestellt, klingt aber etwas altmodisch.


    Sehr interessant! Das wusste ich alles nicht. Ich habe nur meine GL gefragt, ob ich das R bei "Que fais-tu" rollen soll, und sie sagte ja. Vielleicht auch nur, weil ich sowieso dazu neige, dass mir die Stimme zu sehr nach hinten rutscht - aber dass es vielleicht gar nicht mehr üblich sein könnte, daran hab ich gar nicht gedacht :D

    Canto, ergo sum.

  • Sehr interessant! Das wusste ich alles nicht. Ich habe nur meine GL gefragt, ob ich das R bei "Que fais-tu" rollen soll, und sie sagte ja. Vielleicht auch nur, weil ich sowieso dazu neige, dass mir die Stimme zu sehr nach hinten rutscht - aber dass es vielleicht gar nicht mehr üblich sein könnte, daran hab ich gar nicht gedacht :D


    Hallo Fliu,


    jetzt stellt sich mir als Gesangslaien natürlich die Frage, wo man bei "Que fais-tu" ein r rollt? ;)


    Aber ich bin ja schon wieder weg.


    Viele Grüße,


    Melanie

    With music I know happiness (Kurtág)

  • Hallo Fliu,


    jetzt stellt sich mir als Gesangslaien natürlich die Frage, wo man bei "Que fais-tu" ein r rollt? ;)


    z. B. bei "blanche tourtourelle"...


    ;) :wink:

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.


  • Hallo Fliu,
    jetzt stellt sich mir als Gesangslaien natürlich die Frage, wo man bei "Que fais-tu" ein r rollt? ;)
    Aber ich bin ja schon wieder weg.
    Viele Grüße,
    Melanie


    Du wirst lachen, aber beim Schreiben dachte ich mir genau dasselbe - dass man das auch so verstehen könnte :D :D

    z. B. bei "blanche tourtourelle"...
    ;) :wink:


    "tourterelle", um genau zu sein *klugsch...* :D

    Canto, ergo sum.

  • Aus aktuellem Anlass erwecke ich diesen Thread erneut zum Leben ;) Ich habe mir gerade auf Amazon die Hörproben verschiedener CDs von Patricia Petibon angehört und bin auf einen sehr variablen Umgang mit dem "R" gestoßen. So verwendet sie auf ihren beiden Aufnahmen "Les Fantaisies de Patricia Petibon" (Barber, Händel, Caldara, Offenbach, Rameau, Bernstein) und "French Touch" (Offenbach, Gounod, Abel, Massenet, Chabrier, Messager, Hahn) das Rachen-R, während sie es bei "Airs Baroques Francais" (Rameau, Lully, Charpentier, Grandval) und "Amoureuses" (Gluck) dagegen rollt. Woran liegt das? Gibt es außer den besprochenen Punkten, dass im Kunstlied nicht gerollt wird und bei Opernarien ein Rollen möglich, aber eher altmodisch ist, noch andere "Regeln", etwa epochenabhängige?
    Dass sie bei Offenbach prinzipiell das Rachen-R verwendet, erscheint ja noch logisch, aber Rameau einmal gerollt, einmal mit Rachen-R? Ich blicke da noch nicht ganz durch und würde mich über Aufklärung freuen :D

    Canto, ergo sum.

  • Aus aktuellem Anlass erwecke ich diesen Thread erneut zum Leben ;) Ich habe mir gerade auf Amazon die Hörproben verschiedener CDs von Patricia Petibon angehört und bin auf einen sehr variablen Umgang mit dem "R" gestoßen. So verwendet sie auf ihren beiden Aufnahmen "Les Fantaisies de Patricia Petibon" (Barber, Händel, Caldara, Offenbach, Rameau, Bernstein) und "French Touch" (Offenbach, Gounod, Abel, Massenet, Chabrier, Messager, Hahn) das Rachen-R, während sie es bei "Airs Baroques Francais" (Rameau, Lully, Charpentier, Grandval) und "Amoureuses" (Gluck) dagegen rollt. Woran liegt das? Gibt es außer den besprochenen Punkten, dass im Kunstlied nicht gerollt wird und bei Opernarien ein Rollen möglich, aber eher altmodisch ist, noch andere "Regeln", etwa epochenabhängige?
    Dass sie bei Offenbach prinzipiell das Rachen-R verwendet, erscheint ja noch logisch, aber Rameau einmal gerollt, einmal mit Rachen-R? Ich blicke da noch nicht ganz durch und würde mich über Aufklärung freuen :D


    Liebe Fliu!


    Hast du dir alle Hörproben durchgehört? Der Rameau auf den "Fantaisies" ist nämlich der selbe wie bei den "Airs Baroques"! "Les Fantaisies de Patricia Petibon" sind eine Zusammenstellung von Arien aus verschiedenen Gesamtaufnahmen, bei denen Patricia mitgewirkt hat, PLUS den melancholischen "Mélodies passagères" von Samuel Barber (bei denen sie vermutlich das Rachen-R verwendet) und der urkomischen "Bonne Cuisine" von Leonard Bernstein.


    Liebe Grüße,
    Areios

    "Wenn [...] mehrere abweichende Forschungsmeinungen angegeben werden, müssen Sie Stellung nehmen, warum Sie A und nicht B folgen („Reichlich spekulativ die Behauptung von Mumpitz, Dinosaurier im alten Rom, S. 11, dass der Brand Roms 64 n. Chr. durch den hyperventilierenden Hausdrachen des Kaisers ausgelöst worden sei. Dieser war – wie der Grabstein AE 2024,234 zeigt – schon im Jahr zuvor verschieden.“)."
    Andreas Hartmann, Tutorium Quercopolitanum, S. 163.


  • Hast du dir alle Hörproben durchgehört?


    Ich habe mir zwar jeweils mehrere Hörproben angehört, jedoch nicht alle. Das erklärt, wieso mir der "doppelte" Rameau entgangen ist ;) Danke für den Hinweis.
    Die ursprüngliche Frage bleibt jedoch:

    Zitat

    Gibt es außer den besprochenen Punkten, dass im Kunstlied nicht gerollt wird und bei Opernarien ein Rollen möglich, aber eher altmodisch ist, noch andere "Regeln", etwa epochenabhängige?

    Canto, ergo sum.

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