Brad Mehldau - Der scheue Romantiker am Klavier

  • Brad Mehldau - Der scheue Romantiker am Klavier

    Dieses Thema ist herüber gerettet aus dem Lande Mordor. Ich stelle es hier ein, da ich - abgesehen davon, eure Meinungen zu hören - demnächst gerne auf weitere Entwicklungen Mehldaus eingehen möchte.


    Brad Mehldau wurde 1970 in Floria geboren. Er bekam ab seinem 6. Lebensjahr Klavierunterricht, studierte später u.a. bei Fred Hersch und Kenny Werner. Anfang der neunziger Jahre wurde er Mitglied im Quartett des unaufhaltsam aufstrebenden Saxophonisten Joshua Redman und machte sich damit einem internationalen Publikum bekannt. Recht bald doch gründete er mit Larry Grenadier und Jorge Rossy ein Trio, mit dem er am besten seine musikalischen Vorstellungen umsetzen konnte. 1999 schließlich wählte ihn der "Down Beats Readers Poll" zum Pianisten des Jahres. Seitdem behauptet er sich in der Spitze der Jazzwelt.


    Das war nicht immer selbstverständlich, warfen ihn persönliche Miseren wie Krankheit und Drogenabhängigkeit kurzfristig aus der Bahn. Dazu kam sein melancholisches Wesen, grüblerisch, ernsthaft und selbstkritisch. Sein Hang zur deutschen Romantik, sei es die Lyrik Novalis' oder die Musik Schuberts, sprach für ein großes Interesse an der deutschen Kultur und führte zu einer längeren Verweildauer in Berlin. Natürlich, seinem Naturell entsprechend, im dunkleren, schwermütigeren Ost-Berlin der Nach-Wendejahre.


    Seine immensen pianistischen Fertigkeiten, die die Bandbreite von Wynton Kelly über McCoy Tyner bis Bill Evans abbilden, konnte er ab 1995 in seinem Trio ausleben. Der Kontrapunkt Bachs, die linke Pranke Tyners, die fliegende rechte Hand Keith Jarretts, der Schwermut Schuberts und die Melancholie Nick Drakes oder Thom Yorkes: All dies kulminiert in Mehldaus Klavierspiel, das erschreckend tief in ein komplexes Seelenleben blicken lässt, gleichzeitig aber auch ob des nicht endenden Einfallsreichtums zu größter Freude Anlass bietet. Wer Brad Mehldau im Konzert erlebt, hat es mit einem ernsten Menschen zu tun, der das Publikum mit keinem Lächeln und keiner netten Ansage belohnt. Dafür bietet er die Möglichkeit, Zeuge zu werden, wie ein Musiker nach den Tönen sucht und - sobald er sie gefunden hat - diese fliegen lässt. Mehldau-Konzerte waren für mich nie einfach, sie waren keine leichte Kost. Dafür aber stets beeindruckende Zeugnisse jener Momente, in denen Musik entsteht, sich abgerungen wird und in ungeahnte Freiheiten entlassen wird.


    Können CDs das abbilden? Kaum. Dennoch mag ich auch die Einspielungen sehr, die mittlerweile eine gehörige Anzahl erreicht haben. Mittlerweile hat die Besetzung des Trios etwas gewechselt, die Essenz der Musik ist aber die gleiche geblieben.


    Als Tipp folgende drei CDs:


       


    The Art Of The Trio Vol. 3: Songs - WEA 1998
    The Art Of The Trio Vol. 4: Back At The Vanguard - WEA 1999
    Places - WEA 2000


    LG
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Hallo Carsten,


    ausser den von dir genannten CDs - "The Art of the Trio Live - Vol.4" fehlt mir - darf ich noch folgende mein eigen nennen:








    Ich finde seine frühen Aufnahmen ehrlich gesagt am schönsten. Die Serie "The Art of the Trio" ist einfach genial, und die Vol.3 imo die beste (Vol.4 kenne ich nicht). Mehldau wurde lange Zeit als würdiger Nachfolger des großem Bill Evans gehandelt, aber - wie du ja auch richtig sagtest - ihn trafen die typischen Probleme eines Jazz-Musikers und danach - so zumindest mein Eindruck der neueren Sachen - fand er nicht mehr ganz zur alten Größe zurück. Aber das ist meine ganz persönliche Ansicht.

    Zitat

    Der Kontrapunkt Bachs, die linke Pranke Tyners, die fliegende rechte Hand Keith Jarretts, der Schwermut Schuberts und die Melancholie Nick Drakes oder Thom Yorkes: All dies kulminiert in Mehldaus Klavierspiel, das erschreckend tief in ein komplexes Seelenleben blicken lässt, gleichzeitig aber auch ob des nicht endenden Einfallsreichtums zu größter Freude Anlass bietet.

    Ganz genau ! Aber gerade das macht ihn auch nicht einfach zu goutieren.

  • Brad Mehldau Trio in Genua

    Neulich war ich in Genua. Musikalisch bekannt für die "scuola dei cantautori genovesi" (genuesische Liedermacherschule). Fabrizio De André etc. Sie gehört eher der Vergangenheit an, leider. Auf der Suche nach etwas Gegenwärtigem stieß ich auf ein Konzert des Brad Mehldau Trio in der "Arena del Mare". Genialer Ort: Im Alten Hafen am Ende des "Molo Vecchio". Mehrfach fuhren fette Ozeanschiffe ein und aus, und gegenüber wurde gerade ein chinesisches Riesen-Containerschiff entladen.


    Beherrscht wurde die Szene aber von Brad Mehldau und seinen beiden Mitstreitern. Ich bin kein Jazz-Experte. Aber das war tiefgründig und fesselnd. Mittlerweile habe ich diese CD bestellt:



    Ich hoffe, das war kein Fehler...



    Thomas

  • Brad Mehldau sah ich erstmals 1994 als Pianist des Joshua Redman Quartets bei einem Auftritt im Medienzentrum an der Rothenbaumchaussee in Hamburg. Die Band bestand aus Redman, Mehldau, Christian McBride und Brian Blade. Keinen dieser vier Musiker hatte ich jemals vorher gesehen, aber es wurde an jenem Abend klar, dass es sich um vier absolute Hochkaräter handelt. Besonders Mehldau gefiel mir ausnehmend gut.


    Erste Aufnahmen mit Mehldau als Bandleader entstanden mit Perico Sambeat, Mario Rossy und Jorge (bzw. Jordi) Rossy
       


    Es folgte sein Major Label-Debüt mit "Introducing Brad Mehldau"

    und den Mitwirkenden Larry Grenadier und Jorge Rossy bzw. Christian McBride und Brian Blade. Im letzteren Fall also praktisch das Joshua Redman Quartet minus Joshua Redman, im ersten Fall das spätere Brad Mehldau Trio. Die dann folgenden "Art of the Trio"-Alben sind allesamt (wie oben bereits erwähnt) legendär gut.


    Ich war damals sehr sammelwütig, was Mehldau anging, hatte irgendwann alles beisammen, was es von ihm als Leader, Co-Leader und vor allem auch als gefragter sideman in allen möglichen Formationen gab. Besonders erwähnenswert sind vielleicht diese beiden Blue Note-Alben mit Lee Konitz und Charlie Haden
     
    sowie das Album "Close enough for love" mit seiner damaligen Lebensgefährtin, der holländischen Jazzsängerin Fleurine (die beiden konnte ich glücklicherweise zusammen im brechend vollen "A Trane" in Berlin live erleben)


    Jetzt kommt das große "Aber": es erschien dann nämlich 2001 das oben in Posting #2 bereits abgebildete Album "Largo". Ein unfassbar schlechtes Album, wie ich finde. Mehldau muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein, solch eine seichte - ja, man kann beinahe sagen "Pop-Soße" mit irgendwelchen Samples und Beats zu veröffentlichen. Zumal er sich selbst plötzlich als Multiinstrumentalist präsentierte (u.a. am Vibraphon), ohne dabei überzeugen zu können.


    Nach "Largo" kann ich für mich persönlich in puncto Brad Mehldau nur sagen: von nun an ging's bergab. Er verfiel ins Mittelmaß, was bei einem Pianisten dieser Extraklasse fast schon tragisch ist. Ich verfolge inzwischen nicht einmal mehr, welche Alben er aktuell veröffentlicht, sondern höre nur noch weiter die alten Sachen. Und irgendwelche Crossoverprojekte wie das mit Renée Fleming

    muss ich schon gar nicht haben.


    Fazit: ich stimme zatopek absolut zu mit seiner Einschätzung

    Ich finde seine frühen Aufnahmen ehrlich gesagt am schönsten. Die Serie "The Art of the Trio" ist einfach genial, und die Vol.3 imo die beste (Vol.4 kenne ich nicht). Mehldau wurde lange Zeit als würdiger Nachfolger des großem Bill Evans gehandelt, aber - wie du ja auch richtig sagtest - ihn trafen die typischen Probleme eines Jazz-Musikers und danach - so zumindest mein Eindruck der neueren Sachen - fand er nicht mehr ganz zur alten Größe zurück.

  • Brad Mehldau sah ich erstmals 1994 als Pianist des Joshua Redman Quartets bei einem Auftritt im Medienzentrum an der Rothenbaumchaussee in Hamburg. Die Band bestand aus Redman, Mehldau, Christian McBride und Brian Blade. Keinen dieser vier Musiker hatte ich jemals vorher gesehen, aber es wurde an jenem Abend klar, dass es sich um vier absolute Hochkaräter handelt. Besonders Mehldau gefiel mir ausnehmend gut.

    Mir ging es ähnlich, allerdings ein Jahr zuvor. Am 17.11.1993 spielte das von musiclover erwähnte Quartett bereits in Hamburg in der Kampnagel-Fabrik. Das war die Zeit, als Joshua Redman sein zweites Album Wish heraus gebracht hatte und die Konzert-Plakate auch mit diesem Motiv warben. Ein paar Freunde und ich waren naiv genug zu glauben, dass wir dann auch die dazugehörige Band mit Charlie Haden und Pat Metheny erleben würden. So sind wir mit völlig falschen Erwartungen zum Konzert nach Hamburg gefahren. Doch schon beim Betreten des Konzertraums kamen uns Zweifel (Warum steht denn da ein Klavier rum?). Und in der Tat standen kurz darauf die oben genannten "jungen Wilden" auf der Bühne. Und die haben uns förmlich umgehauen! Ich hockte damals direkt auf der Bühnenkante, ca. zwei Meter von Brad Mehldau entfernt. Dem damals noch so jungen Mann von so Nahem zuschauen zu können, hat mich schwer beeindruckt.

    Jetzt kommt das große "Aber": es erschien dann nämlich 2001 das oben in Posting #2 bereits abgebildete Album "Largo". Ein unfassbar schlechtes Album, wie ich finde. Mehldau muss von allen guten Geistern verlassen gewesen sein, solch eine seichte - ja, man kann beinahe sagen "Pop-Soße" mit irgendwelchen Samples und Beats zu veröffentlichen. Zumal er sich selbst plötzlich als Multiinstrumentalist präsentierte (u.a. am Vibraphon), ohne dabei überzeugen zu können.


    Nach "Largo" kann ich für mich persönlich in puncto Brad Mehldau nur sagen: von nun an ging's bergab. Er verfiel ins Mittelmaß

    So vernichtend würde ich es nicht ausdrücken. Ich halte die CD für einen nicht gänzlich gelungenen Versuch, die Trio-Standard-Ecke zu verlassen und neue Pfade zu gehen. Der Produzent der Platte, Jon Brion, hatte zuvor für die Songwriterinnen Aimee Mann und Fiona Apple gearbeitet. Und zwar ziemlich gut, wie ich finde. Diesen Stil auf Mehldau zu übertragen, war ein künstlerisches Wagnis, das in der Tat nur zum Teil aufgegangen ist. Die Adaptionen von Radioheads Paranoid Android und von Dear Prudence der Beatles finde ich z. B. sehr gelungen. Grundsätzlich finde ich es sowieso gut, wenn ein Künstler, der sich in einer Sackgasse zu wähnen glaubt, an einen Produzenten herantritt und sagt: "Los, hol mal was neues aus mir raus." (Die Rolle von Produzenten wird mir allgemein allzuoft unterschätzt…) Im Falle der CD "Largo" finde ich, dass Produzent Brion einige Stärken Mehldaus sehr schön destilliert, andere aber völlig vernachlässigt hat. Insofern ist "Largo" in der Tat ein ambivalentes Album. Aber kein Grund zu sagen, danach sei es nur noch schlechter geworden. "Largo" war ein alternativer Produktionsversuch, ein Versuch, eine Jazzplatte nach einem Singer/Songwriter-Album klingen zu lassen. Das mag nicht ganz hingehauen haben. Mehldau selbst hat aber dadurch doch nichts an seinen Stärken eingebüßt. Vor vier Jahren sah ich ihn im Trio mit Larry Grenadier und Jeff Ballard. Das war vom Feinsten und wirklich kein Mittelmaß.


    :wink:
    C.

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Wenn ein pianistischer Hochkaräter wie Brad Mehldau, der geniale "Art of the Trio"-Alben in Serie veröffentlicht hat, anschließend zu einem Produzenten geht, der - wie ich von Dir erfahre - bisher Fiona Apple (!) betreut hat und dem dann sagt "Zeige mir, wie ich in die Charts komme, statt ehrlichen Jazz zu machen": kann man das Ergebnis dann noch ernst nehmen? Das ist ja fast so, als wenn Ella Fitzgerald, um mehr Platten zu verkaufen, Marilyn Monroe gefragt hätte, ob sie ihr Gesangsunterricht geben könnte.

  • ehrlichen Jazz


    Was ist das? ;+)


    Lieber musiclover, es sei dir unbenommen, das Album nicht zu mögen. Mein Mehldau-Favorit ist es ja auch nicht. Im Gegenteil, ich halte es auch für sein schwächstes. Aber daraus zu schließen, "danach sei es bergab gegangen", finde ich falsch. Zwei, drei Wochen Studio-Arbeit an einem (!) möglicherweise (!) misslungenen Album, zerstören noch nicht die grundsätzlichen Fähigkeiten eines Musikers. Ich habe gerade per Spotify noch einmal ein paar jüngere Sachen gehört. Ich finde, Mehldau hat's nicht verlernt...


    :wink:

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)


  • Was ist das? ;+)


    Lieber Carsten,
    wir beide sind ja gar nicht auseinander. Wir beide halten "Largo" für das schwächste Mehldau-Album. Das freut mich, dass Du das auch so siehst.


    Aber um Deine Frage zu beantworten: es gibt ehrlichen Jazz der Marke "Kind of Blue". Oder Ellington. Oder Coltrane. Und es gibt irgendwelche Pop-Soße, die die Charts stürmt. Wann immer sich das vermischt (wie z.B. ganz fürchterlich bei "Doo Bop", dem letzten Album von Miles), bin ich skeptisch.

  • Aber um Deine Frage zu beantworten: es gibt ehrlichen Jazz

    Ich fürchte, ich werde da nicht folgen können. Die Begriffe "ehrlich" und "Jazz" finde ich beide sehr dehnbar. Zusammen genommen sagt mir das erst recht gar nichts. Ich bin lange genug selbst aktiv, um zu wissen, dass man um die selbsterklärte "Jazz-Polizei" durchaus einen Bogen machen darf. ;+) Aber das wäre ein Sonder-Thread. Hier geht's um Mehldau. Den fanden wir beide gut. Ich immer noch.


    :wink:

    „Beim Minigolf lernte ich, wie man mit Anstand verliert.“ (Element of Crime)

  • Die Wörter "ehrlich" und "Jazz" sagen Dir zu einem Begriff kombiniert nichts? Aber Du hast Recht. Das ist ein über Mehldau hinausgehendes Thema. Also führt das hier zu weit.


    Zurück zu Mehldau: klar, er macht inzwischen wieder ganz normale Trio-Alben. Ich habe mir mal die ersten drei Titel dieses Live-Mitschnitts aus dem "Village Vanguard" vom Oktober 2006 angehört (das ist mein allerletzter Mehldau-Kauf gewesen, danach habe ich mit dem Sammeln aufgehört):

    Für mich ist das zwar ganz gutes Klavierspiel, was er abliefert, aber irgendwie doch ein wenig mit angezogener Handbremse. Die obige These von zatopek und mir war ja, dass seine früheren Alben besser waren als seine aktuellen. Und diese These sehe ich hier bestätigt.

  • Ehrlicher Jazz

    Das Thema ist interessant, sollte vielleicht mal ausdiskutiert werden.


    Sieht mir verdächtig puristisch aus, so als ob Jazz nur dann Jazz ist, wenn der Musiker mindestens aus einem Hotelfenster gesprungen ist oder sich das Gebiss kaputt gespielt hat oder keinen Auftritt ohne Drogen hinbekommen hat und auf keinen Fall wirklich von der Musik leben konnte.


    Anders gesagt: das grenzt mir zuviel gute Musik aus.


    Viele Grüße
    Achim :wink:

  • Vielleicht liegt es an etwas anderem. Zu viele Kreise sind ausgeschritten.

    Ich denke zwar, dass es offtopic wird, aber ich habe keine Lust ein neues Thema anzufangen. Das Dilemma, oben beschrieben, könnte an etwas anderem liegen:
    In der SZ (oder war es die FAZ?) schrieb letzte Woche jemand davon, dass nun auch der Jazz so gespielt würde wie die Klassik bereits seit langem und die Rockmusik seit einigenJahren.
    Musiker spielen Jazznummern auf Nummer sicher.
    Technisch perfekt, aber eben in dieser Perfektion auch leblos und in der Interpretation stilitisch bestenfalls einheitlich kopierend wenn nicht chamäleonhaft von Stück zu Stück die Kopie wechselnd.
    Siehe Brönner oder Marsalis. Technisch perfekt aber irgendwie ohne eigene Persönlichkeit. Und Jazzliebhaber sollten sich schon langsam einmal daran gewöhnen, dass das zukünftig immer mehr wird.
    Ok, das geht mit den "Duke Ellington Sound alike Big Bands" schon lange so, die spielen ja die Arrangements des Meisters 1:1 nach und auch die sog. Improvisationen stehen brav in Noten notiert.
    Aber für kleine Besetzungen ist das eher ungwöhnlich.
    Wenn man dazu sich die Kriterien anschaut mit denen die Imitationswettbewerbe auf RTL oder SAT1 oder oder oder ihre Kandidaten bewerten, dann kommt nur eine "Macdonaldisierung" raus.
    Ecken und Kanten weg, Hauptsache die Gesten sind gut imitiert, das Outfit stimmt und es ist genug "Drama Baby" vorhanden.
    Gute Musiker, die erkannt haben, dass sie im intellektuellen Leerlauf ebenfalls erfolgreich sind, gehen gerne diesen Weg, meist sogar von Produzenten genötigt.


    Kein Wunder, dass es viele Jazzfans in die Vergangenheit zieht, obwohl ab und zu gute Künstler auftauchen, die dann eine Reise wert sind.
    Dieses mal Meinung eines Menschen, der immer weniger Jazz hört, weil er dort so wenig Neues findet und der "Esotherik Jazz" aus Norwegen schlicht zum Kot..." findet.


    Gruß aus Kiel

    Ich bin jahrelang mit den schönsten Frauen in meinen Träumen eingeschlafen, bis ich eines Nachts von der Karibik träumte. Da wusste ich, nun bin ich alt. Die Frauen sind aus meinen Träumen verschwunden. (Die Invasion der Barbaren)

  • Meine Wandlung vom Brad Mehldau-Bewunderer zum Brad Mehldau-Skeptiker habe ich ja etwas weiter oben schon beschrieben. Da ich aber immerhin noch seine FB-Seite abonniert habe, bekomme ich am Rande mit, was er aktuell macht. Und was macht er aktuell? Er versucht sich jetzt in der Club- bzw. Elektronik- bzw. Ambient-Szene (die genauen Begrifflichkeiten für das, womit dort das Publikum unterhalten wird, sind mir leider nicht präsent, sorry). Hier ist ein "Straight from the board mix", den Brad Mehldau am 13. März 2013 im "Underground" (London) gemeinsam mit Mark Guiliana - ja, soll man jetzt sagen "musiziert" hat? Für mich ist das jedenfalls keine Musik mehr, sondern ein künstlerisches Armutszeugnis:
    "http://vimeo.com/63126650"
    Das Duo Mehldau/Guiliana nennt sich MEHLIANA und ist offenbar gerade auf Tour. Auf der eben genannten Video-Seite heißt es "MEHLIANA is now midway through a European tour. Here's a recent audio excerpt from a performance in London's Underground last week. Mark and Brad are planning to head in to the studio soon after the tour and hopefully have a record out in the fall".


    Ich hoffe mal, das wird nicht zum Trend in der Jazzpianisten-Szene. Ungute Vorahnungen hatte ich letzten Herbst, als ich Herbie Hancock solo in der Kampnagel-Fabrik sah. Immerhin stand noch ein Konzertflügel auf der Bühne, den er gewohnt meisterhaft spielte. Dann hatte er allerdings noch drei iPads aufgebaut, an denen er irgendwas herumprogrammiert hatte und welchen er sich im Verlauf des Konzertabends mehr und mehr widmete. Irgendwann gab es dann mehr "beats" aus dem Computer als mit den Händen gespielte Töne aus dem Steinway. Glücklicherweise war Herbie in diesem Metier offenbar noch ein Anfänger, denn ein Roadie musste mehrfach auf die Bühne kommen und die Programmierungen korrigieren. Herbie entschuldigte sich mit den Worten, dass er gerade erst vor kurzem angefangen habe, sich mit den iPads zu befassen. Ich dachte mir nur: "Na, hoffentlich lässt er diesen Mist dann bloß ganz schnell entnervt bleiben". Aber wenn ich mir jetzt vergegenwärtige, dass sich ein anderer Hochkaräter auf dem Konzertflügel wie Mehldau nun ebenfalls solchen Experimenten widmet und plötzlich einen auf "Elektronik" macht, dann wird mir als Jazzfan ganz anders...

  • "http://vimeo.com/63126650"
    Das Duo Mehldau/Guiliana nennt sich MEHLIANA und ist offenbar gerade auf Tour.


    Furchtbar! :shake: Wenn Mark Giuliani den Elektronik-Kram sein läßt, ist er jedoch ein sehr guter Schlagzeuger, mit dem ich einige sehr gute Aufnahmen habe, z. B. die neuste CD des israelischen Saxoponisten Daniel Zamir von 2012.


    Anders finde ich aber die Elektronik-Nutzung bei Largo. Dort werden ja die Klangmöglichkeiten der 'natürlichen' Instrumente durch die Elektronik nur erweitert, sie nicht ersetzt. Auf Largo finde ich zwar auch nicht alles vollkommen gelungen, aber insgesamt fand ich es doch ein interessantes, nicht schlechtes Album. Kürzlich habe ich mir es schon herausgesucht, dann muß es aber irgendwie unter andere Stapel gekommen sein. Wenn ich es wiederfinde, werde ich es hier mal genauer besprechen.


    Erst recht finde ich die CDs mit Renee Fleming und Anne Sofie von Otter ziemlich geglückt. Brad Mehldau hatte ja immmer schon eine gewisse Vorliebe zur deutschen Romantik. Seine Kompositionen zwischen Jazz und Kunstlied sind zwar nicht gerade eine Verbindung auf der Grundlage des fortgeschrittenen Materialstands beider Seiten, dafür muß man dann zu Alt-Meister Ran Blake mit der jungen Portugiesin Sara Serpa greiffen ( 2 exzellente Alben bei Clean Feed), aber sei' drum, sie sind schön, gekonnt und funktionieren. Beide Alben enthalten aber nicht nur Third-Stream-Kunstlieder, sondern auch 'richtige' Jazz-Song, bzw ,mit von Otter auch gelungene Jazz-Adaptionen von Standards, Chansons und trad. schwedischen Songs. Was aber beide CDs vor allem funktionieren läßt, beide Sängerinnen können richtig Jazz singen und zwar viel, viel besser als das allermeiste, was den Vocal-Jazz-Markt überschwemmt. Kein Wunder, sie machen das nicht erst und gerade mal für diese Aufnahme, sondern beide hatten schon zu Studienzeiten auch in Jazz-Bands gesungen, waren sogar zunächst durchaus unschlüssig, wohin die Reise gehen soll, dann lief aber die Klassik-Karriere gut an und es wurde sich darauf konzentriert, aber Rückgänge zum Jazz machten beide schon vor dieser Aufnahme. Ich habe Anne Sofie von Otter z.B. schon lange vor dieser Aufnahme mit Mehldau in Kopenhagen mit schwedischen Musikern der avancierten Creative-Jazz-Szene Jazz live singen hören und habe einen Live-Mitschnitt ihres Abba-Projekts, der, anders als die CD, mit der ich nichts anfangen kann, ebenfalls mit Musikern aus der schwedischen Jazz-Avantgarde sehr schräge Jazz-Adaptionen mit viel freier Improvisation bietet. Ich hasse die Disco-Mucke von Abba, aber so abgefahren, praktisch nicht mehr wiederzuerkennen, habe sogar ich daran meinen Spaß.


    Das ihre partielle Rückkehr zum Jazz bei beiden eher gegen Ende, wenn sie klug sind, ihrer Klassik-Karriere erfolgt, muß auch nicht gegen diese Alben sprechen und tut es hier nicht, denn Jazz kann man ja, anders als 'klassische' Konzertmusik, ausdrucksvoll und klug disponiert, auch noch mit einer Stimme singen, mit der nicht mehr alles geht.


    Aber gelungen sind beide Alben vor allem, weil es sich eben nicht um Crossover-Werke handelt: Third Stream, die gelungene Aufhebung von europäischer Konzertmusik und Jazz, ist kein Crossover, kein mühsam Zusammengebasteltes oder gar bloß Aneinandergeklebtes. Außerdem gibt es eben auf beiden Alben auch 'richtigen' Jazz mit sehr gutem Jazzgesang, auch wenn beide gelegentlich auch dabei ab und an die speziellen Möglichkeiten ihrer klassisch ausgebildeten Stimmen nutzen.


    Aber außerdem gibt Mehldau doch auch weiterhin akustische Solo- und Trio-Konzerte und die Einspielungen mit Jeff Ballard und doch dem alten Bassisten Larry Grenadier finde ich eigentlich gar nicht so anders, als die Trio-Aufnahmen mit Rossy. Wo siehst du, lieber Music Lover, denn hier den gravierenden Unterschied? Klar, dieser "Art of the Trio"-Zyklus finde ich schon auch besonders gut mit der Vol. 3 als Höhepunkt, wie ich schon vor Jahren im alten Thread bei Tamino schrieb, aber hörenswert und doch immer noch ziemlich gut finde ich auch seine jüngsten Trio-Aufnahmen, auf "Where Do You Start" (2012) auch wieder mit vielen Jazz-Standards..


    Doch vielleicht ist das etwas für dich; halte ich für besonders gut von den jüngeren Aufnahmen mit Mehldau:



    Eli Degibri (ts, ss) Brad Mehldau (p) Ron Carter (b) Al Foster (dr) 2010 Anzic Records


    Degibri gehört zu der großen und immer weiter noch wachsenden Gruppe sehr gut etablierter israelischer Jazz-MusikerInnen in New York. Mit Anzic haben sie dort inzwischen sogar ein eigenes Label und ihre gegenseitige Unterstützung und Förderung beeindruckt die New Yorker Jazz-Szene, wo Musiker-Selbstorganisationen bislang nie länger funktionierten, anders als in Chicago, St Louis, Portland oder San Francisco, ebenso, wie das hohe Niveau ihres Könnens. Degibri zeigt sich hier denn auch als verdammt guter Saxophonist und auch seine Kompositionen sind überzeugend. Seine prominenten Partner haben ebenfalls je eine Komposition beigesteuert. Außerdem gibt es den superschnellen "Bebop" von Dizzy Gillespie und eine originelle Version von "Somewhere over the Rainbow", die nicht im Entfertesten schmalzig wirkt. Das Eingangsstück ist gleich von Mehldau und zeigt ihn denn auch als Komponisten, lebendigen, aufmerksamen Begleiter, wie als hier besonders herausragenden Solisten at his best. Zudem ist interessant, wie sich Mehldau auf vielen der übrigen Stücke zurechtfindet, die, gemessen an dem, was er sonst macht, wesentlich traditionsnäher am Hardbop orientiert sind oder gar, wie er in Dizzy Gillespies sehr schnellem Bebop agiert. Den alten Routiniers Ron Carter und Al Foster hört man kein bißchen ihr Alter an, vielmehr haben sie sich offenbar von der Power und dem Ausdrucksreichtum Degibris anstecken lassen und verstärken noch den großen Drive dieser äußerst gelungenen Aufnahme.


    :wink: Matthias

  • Wo siehst du, lieber Music Lover, denn hier den gravierenden Unterschied?


    Zunächst einmal vielen Dank für Deine interessanten Ausführungen, lieber Matthias!


    Den Unterschied zwischen den frühen Trio-Alben ab "Introducing Brad Mehldau" (Warner Bros., 1995) und dem, was er mehr als ein Jahrzehnt später im Trio-Bereich macht, habe ich in Posting #10 schon mal zu beschreiben versucht: irgendwie klingt mir das etwas nach "angezogener Handbremse". Diesen Eindruck hatte ich vor allem auch bei meinem letzten Mehldau-Konzert, dann bereits in der Besetzung Mehldau-Grenadier-Ballard, im Vergleich zu meinen früheren Live-Erlebnissen mit ihm (einerseits als Leader in der Besetzung Mehldau-Grenadier-Rossy, andererseits als sideman bzw. Duopartner in den Besetzungen Redman-Mehldau-McBride-Blade bzw. Fleurine-Mehldau). Das Ungestüme, Kreative war weg, er spielte sicherlich gut (schließlich ist er ein herausragend begabter Pianist), aber doch ein wenig seinen Part runter.


    Vielleicht hat sich einfach auch nur das, wofür er steht, verbraucht: während es früher noch spannend und neu war, Radiohead-Songs in einem Jazzgewand vorgetragen zu bekommen, spielt er jetzt in einem Trio-Konzert halt den bei ihm üblichen Radiohead-Song. Hinzu kommt, dass sich (für mich) Radiohead ebenfalls verbraucht hat. Ich kann dieses weinerliche Thom Yorke-Gesinge, welches ich eigenartigerweise in den 90er Jahren und Anfang des letzten Jahrzehnts noch richtig gut fand, inzwischen nicht mehr hören...

  • Den Unterschied zwischen den frühen Trio-Alben ab "Introducing Brad Mehldau" (Warner Bros., 1995) und dem, was er mehr als ein Jahrzehnt später im Trio-Bereich macht, habe ich in Posting #10 schon mal zu beschreiben versucht: irgendwie klingt mir das etwas nach "angezogener Handbremse". Diesen Eindruck hatte ich vor allem auch bei meinem letzten Mehldau-Konzert, dann bereits in der Besetzung Mehldau-Grenadier-Ballard, im Vergleich zu meinen früheren Live-Erlebnissen mit ihm (einerseits als Leader in der Besetzung Mehldau-Grenadier-Rossy, andererseits als sideman bzw. Duopartner in den Besetzungen Redman-Mehldau-McBride-Blade bzw. Fleurine-Mehldau). Das Ungestüme, Kreative war weg, er spielte sicherlich gut (schließlich ist er ein herausragend begabter Pianist), aber doch ein wenig seinen Part runter.


    Okay, das kann ich bis zu einem gewissen Grad teilen. Ballard ist schon gut, aber Rossy war lebendiger und gab so auch oft mehr Kontrast, wo Mehldau verinnerlicht schwelgte. Und die alten Trio-Scheiben waren insgesamt abwechslungsreicher und hatten mehr echte Knaller wie "Riverman" auf Vol. 3.


    Zitat

    Hinzu kommt, dass sich (für mich) Radiohead ebenfalls verbraucht hat. Ich kann dieses weinerliche Thom Yorke-Gesinge, welches ich eigenartigerweise in den 90er Jahren und Anfang des letzten Jahrzehnts noch richtig gut fand, inzwischen nicht mehr hören...


    Ich mochte Radiohead immer schon nur von Mehldau oder dem Bad Plus Trio oder ähnlichen gespielt. Lieber Sonic Youth. Abgesehen davon, dass die ja längst selbst viel in der freien Improvisation mit Jazzern mitmischen, gibt es auch da exzellente Jazz-Piano-Trio-Versionen des schweizer Rusconi Trios, spannender, als Mehldau je war :stumm:


    :wink: Matthias

  • Ich mochte die ersten Alben sehr. Dann ließ meine Begeisterung recht schlagartig nach. Wenn man es positiv formulieren will: Brad Mehldau hat eine sehr spezielle Art, Klavier zu spielen. Ich würde behaupten, ich würde ihn sofort erkennen. Negativ formuliert: es kommt mir vor wie ein bestimmtes Muster, das immer ein wenig variiert wird.
    Ich hab ihn kurz nach meinem Umzug in Hamburg live gesehen (das war 2006 und ich, als Kleinstadtmensch, konnte es kaum fassen, dass ich nur drei Stationen mit dem Bus fahren musste, um Brad Mehldau live zu sehen). Aber das Konzert enttäuschte mich. Es hat mich nicht berührt, das Gehörte kam mir beliebig vor, fast so, als würde das Trio ein Programm abspulen, das sie schon drei Wochen lang jeden Abend abspulten, souverän, gepflegt, aber nicht wirklich präsent, hier an Ort und Stelle in der Laieszhalle in Hamburg.
    Ich mochte dann auch die folgenden CDs nicht mehr.
    Allerdings hat mich "Live in Marciac" von 2011 dann wieder gepackt.
    Ich gucke ab und zu in seine Richtung, warte aber nicht mehr auf Brief von ihm. Hallo Brad, du kennst mich nicht, ich dich schon. Viel Erfolg noch!

  • ... Für mich ist das jedenfalls keine Musik mehr, sondern ein künstlerisches Armutszeugnis:
    "http://vimeo.com/63126650"
    Das Duo Mehldau/Guiliana nennt sich MEHLIANA und ist offenbar gerade auf Tour...


    Hab mir das leider vor einigen Wochen angetan, 2 x 39,00€ für diesen Mist hingelegt im Kesselhaus in Berlin. Was ist hängengeblieben ? Clubszenepublikum mit evolutionsbiologisch eher frühgeschichtlicher musikalischer Auffassungsgabe, teilweise offenbar direkt aus dem Darkroom des Berghain geschwebt. Erotisierend fummelnde Pärchen, andere unterhielten sich lang und breit über ihre bevorstehende Knieoperation und den dritten Studiengangswechsel. Nur, wenn die Musik, welche sich ausschließlich mit den Begrifflichkeiten Monotonie und Lautstärke bescheiben lässt, in die Kategorien "äußerst monoton" und "äußerst laut" hinabsank, entstand so etwas wie Aufmerksamkeit und trancehaftes Körpermitbewegen. Das man sich da melodische oder harmoische Abwechslung mit Drogen hinzuknallen muss, hat sich mir in diesen Situationen erschlossen. Wie gesagt, einfach nur ganz großer Mist. Und meine Urteile sind eigentlich meist differenzierter und milder und ich halte Mehldau auch für einen echt guten Musiker. Giulianis Potential ließ sich leider nicht bestimmen, warum Mehldau sich keinen Drumcomputer hinzugesellt, wird unmusikalische Gründe haben.


    Ich bin da, als jemand der seine Probleme mit elektronischer Musik hat, dennoch hin weil ich dachte, vielleicht ists ja doch was hörenswertes. Tja, selbst schuld. :D
    Ich mag eigentlich Mehldau wirklich, gerade die Radiohead-Sachen ( die 20 Minuten-Nummer auf der Tokioplatte ist schon eine Hausnummer...) und ich hab auch Live gute Sachen solo und mit Joshua Redman gehört. Manchmal aber auch alzu fades, Aber elektronisch tue ich ihn mir wirklikch nicht mehr an...


    "You realize that it’s not necessary to own 50 Beethoven cycles, 46 of which you never play, when you can be just as happy with 20 of them, 16 of which you never play.
    "
    , David Hurwitz

  • Clubszenepublikum mit evolutionsbiologisch eher frühgeschichtlicher musikalischer Auffassungsgabe, teilweise offenbar direkt aus dem Darkroom des Berghain geschwebt. Erotisierend fummelnde Pärchen, andere unterhielten sich lang und breit über ihre bevorstehende Knieoperation und den dritten Studiengangswechsel. Nur, wenn die Musik, welche sich ausschließlich mit den Begrifflichkeiten Monotonie und Lautstärke bescheiben lässt, in die Kategorien "äußerst monoton" und "äußerst laut" hinabsank, entstand so etwas wie Aufmerksamkeit und trancehaftes Körpermitbewegen. Das man sich da melodische oder harmoische Abwechslung mit Drogen hinzuknallen muss, hat sich mir in diesen Situationen erschlossen.

    :mlol: :klatsch:


    Eine höchst lesenswerte Rezension Deines Konzerterlebnisses, lieber Antracis!

  • Clubszenepublikum mit evolutionsbiologisch eher frühgeschichtlicher musikalischer Auffassungsgabe, teilweise offenbar direkt aus dem Darkroom des Berghain geschwebt. Erotisierend fummelnde Pärchen, andere unterhielten sich lang und breit über ihre bevorstehende Knieoperation und den dritten Studiengangswechsel. Nur, wenn die Musik, welche sich ausschließlich mit den Begrifflichkeiten Monotonie und Lautstärke bescheiben lässt, in die Kategorien "äußerst monoton" und "äußerst laut" hinabsank, entstand so etwas wie Aufmerksamkeit und trancehaftes Körpermitbewegen. Das man sich da melodische oder harmoische Abwechslung mit Drogen hinzuknallen muss, hat sich mir in diesen Situationen erschlossen.

    Ich habe mich regelrecht über mich selber geärgert, warum ich Mehldau keine Aufmerksamkeit mehr widmete.
    Im Prinzip dachte ich ernsthaft, daß da nicht mehr viel kommt, aber ich konnte es nicht glauben.


    Dann habe ich abgewartet, ein paar Sachen gehört, aber nicht gekauft, da uninteressant.
    Und Drogengeschichten interessieren mich nur, wenn ich dies hören kann, positiv oder so richtig negativ.
    Aber wenn es dann nur langweilig ist, dann hat das alles keinen Zweck.


    Und jetzt sowas hier, das paßt leider ins Bild.

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