J.S. Bach: BWV 988 - Die Goldberg-Variationen

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  • Gern geschehen, amamusica; ich bin der ultimative Goldbergsammler (ca. 120 Aufnahmen). Hast Du schon einmal die Koto-Aufnahme erkundet?; mich zieht sie ungemein an. Das Instrument hat einfach eine ganz andere Klangfarbe als eine Gitarre oder etwa ein Clavichord, und dein Beitrag vom 29.09. wird seine Erfüllung finden.


    Und noch was Neues: Niklas Liepe, Goldberg Reflections, bei Sony vor einigen Tagen erschienen. 15 Stücke sind Bearbeitungen für Solovioline und Streicher; 16 neue Auftragswerke von verschiedenen Komponisten. Manches klingt "jazzy" und entfernt sich weit vom Original; bei einigen mutiert die Violine beinahe zur E-Gitarre; Anklänge an Folklore sind auch zu vernehmen. Ein im wahrsten Sinne "buntes" Doppelalbum.


  • Goldberg endet natürlich nicht mit 2020, sondern wird Jahr für Jahr weitergespielt, weiterinterpretiert, weiter-transkribiert etc.


    Das Duo Synaphé hat die Goldberg-Variationen für 2 zehnsaitige Gitarren transkribiert und eingespielt - sehr schöne, "theorbige" Bässe!



    Tubenkünstler können die komplette CD "er-tuben".
    Hier das A
    ... und das O
    ... und zB das Quodlibet


    :wink:


    amamusica

    Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
    all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)


    ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
    Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...




  • Vielen Dank für die Info und den Link, Général Lavine !


    für mich ist diese Fassung in der Tat sehr schön. Mag Bässe sehr. Und die Bläser sind alle Könner ihres Fachs.

    Bin überzeugt, dass Bach auf seiner Wolke seine Freude hat an all den vielfältigen Transkriptionen und dem so hohen Niveau der Interpretationen.

    Aber klar, wenn für die eigenen Ohren nicht geeignet, dann lieber nicht anhören, es gibt ja definitiv für jeden Geschmack jede Menge Interpretationen zur Auswahl.

    Ob skurill oder gelungen, mag jeder selber entscheiden, darüber zu diskutieren ist sicher müßig.

    Immerhin gab es für die Fagottfassung 2016 einen Klassik-Echo, anscheinend gefiel diese Fassung auch anderen Musikfreunden:



    Sehr informativ ist für mich folgende Werkeinführung von Tilla Clüsserath unter dem Youtube-Musikstück:


    "Die "Goldberg-Variationen" in einer ungewöhnlichen Bearbeitung für sieben Fagotte und Kontrafagott. Die Idee dazu stammt von Henrik Rabien, Solo-Fagottist des WDR Sinfonieorchesters. Bachs Komposition »Aria mit 30 Veränderungen« BWV 988 ist seit dem 19. Jahrhundert unter dem Titel "Goldberg-Variationen" bekannt. Wie Bachs Biograf J. N. Forkel berichtete, hatte der Reichsgraf Hermann Carl von Keyserlingk bei Bach "einige Clavierstücke" bestellt. Gedacht waren sie für den jungen Cembalisten Johann Gottlieb Goldberg, der dem unter quälender Schlaflosigkeit leidenden Grafen daraus vorspielen sollte. Der zunächst kleine Auftrag wuchs sich unter den Händen von Bach zu etwas viel Größerem aus: Seit ihrem Erscheinen gelten die »Goldberg-Variationen« als Gipfelpunkt barocker Cembalomusik und darüber hinaus der Variationskunst überhaupt. Mit der Absicht, sein kompositorisches Vermächtnis zu konservieren, hatte Bach in den 1730er-Jahren begonnen, sorgfältig ausgewählte Werke für Klavier und Orgel im Druck herauszugeben. Die »Goldberg-Variationen«, 1741 als Teil IV der "Clavierübung" erschienen, bildeten dabei den krönenden Abschluss. Da Keyserlingk als Widmungsträger in der Druckausgabe fehlt und Johann Gottlieb Goldberg 1741 erst 14 Jahre alt war, wurden allerdings immer wieder Zweifel laut an J. N. Forkels Anekdote der Entstehungsgeschichte

    Zur Struktur: Die "Goldberg-Variationen" beginnen mit der Vorstellung der Aria, gefolgt von 30 kunstvollen Variationen, die technisch immer schwieriger werden. Bemerkenswerterweise bildet nicht die ornament-verzierte Oberstimme der Aria den Ausgangspunkt der Variationen, sondern der Bass: Bach entwickelt auf dem Fundament einer 32-taktigen Basslinie und ihrer Harmonien geniale Klaviervariationen verschiedenster Genres. Strenge Kanons (jedes 3. Stück) wechseln sich dabei mit virtuosen Tanzsätzen und anspruchsvollen Etüden ab. Nach rund einstündiger Werkdauer trägt am Ende Bachs Humor den Sieg über das elaborierte Variieren davon. Die Schlussvariation, das extrem kunstvoll gesetzte Quodlibet, zitiert über dem Themenbass zwei launige Volkslieder (»Ich bin so lang nicht bei dir g‘west« und »Kraut und Rüben haben mich vertrieben«) und sorgt so bei komplexester Kompositionstechnik gleichzeitig für einen entspannten Kehraus. Mit der Wiederholung der Aria schließt sich der Kreis.
    Bachs »Goldberg-Variationen« wurden schon verschiedentlich für andere Instrumente bearbeitet. Die ungewöhnliche Fassung für sieben Fagotte und ein Kontrafagott von Henrik Rabien erlebte 2013 ihre erfolgreiche Uraufführung mit dem Bassoon Consort Frankfurt im Frankfurter Senckenberg Museum. 2015 erschien eine Einspielung beim Label MDG, die 2016 mit einem »Echo Klassik« prämiert wur
    de."


    Und auf JPG steht zur Einspielung:

    "Acht Fagotte und ein Kontrafagott bilden das Bassoon Consort Frankfurt. Henrik Rabien als spritus rector hat Bachs Goldberg-Variationen für diese ungewöhnliche Besetzung eingerichtet – ein gewagtes Unterfangen, dessen Erfolg jedoch spätestens seit der umjubelten Uraufführung im Mai 2013 unumstritten ist. Über reine instrumentale Nabelschau geht Rabiens Bearbeitung weit hinaus: Die neun Spieler erreichen eine klangliche Differenzierung, die Bachs virtuosem Spiel zwischen linearer Kontrapunktik und vertikaler Harmonie aufs Vortrefflichste entgegenkommt."


    Wobei die von General Lavine verlinkte Einspielung mit "nur" 7 Fagotten auskommt, + das Kontrafagott.


    :wink:


    amamusica

    Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
    all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)


    ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
    Nicht zuletzt mit so mancher Musik. Die muß gar nicht immer "große Kunst" sein, um das Herz zu berühren...




  • Hier noch eine Werkeinführung zum Fagott-Goldberg im WDR, darin auch ein Interview mit Henrik Rabien.


    Unten angehängt bei der Werkeinführung zum Fagott-Goldberg ist eine Werkbetrachtung zu den Goldberg-Variationen allgemein.

    Die 20-minütige Werkbetrachtung von 2017 finde ich sehr informativ und anschaulich.

    Christine Schornsheim erläutert die Goldberg-Variationen anlässlich ihrer Goldberg-Neueinspielung mit einem zweimanualigen Cembalo.


    Werkeinführung Bach/Rabien Goldberg-Variationen
    Werkeinführung zu Bach/Rabiens Goldberg-Variationen, gespielt vom WDR Sinfonieorchester am 21. März 2021 im Funkhaus Wallrafplatz.
    www1.wdr.de


    :wink:


    amamusica

    Ein Blümchen an einem wilden Wegrain, die Schale einer kleinen Muschel am Strand, die Feder eines Vogels -
    all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)


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    Einmal editiert, zuletzt von amamusica ()

  • Hier die Cembalo-Einspielung der Goldbergvariationen von Christine Schornsheim:

    (mag sein, dass sie irgendwo weiter vorne schon einmal aufgetaucht ist hier im Thread)



    :wink:


    amamusica

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    all das verkündet dir, daß der Schöpfer ein Künstler ist. (Tertullian)


    ...und immer wieder schaffen es die Menschen auch, Künstler zu sein.
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    2 Mal editiert, zuletzt von amamusica ()

  • Gerade läuft die RBB-„Blindverkostung“ zu den Goldberg-Variationen. Ich mag das Sendeformat ja ohnehin.


    Und dann vorhin kurz reingehört - und in der Aria schon abgebrochen: David Fray


    Mir zu Celi-mäßig. Nachher werde ich diese Einspielung von Tharaud hören, die mir derzeit einfach am besten gefällt:


    Ok, Bilder einstellen hat nicht geklappt. Ich lese mich mal ein, was ich da falsch gemacht haben könnte.

    mit möglichster Klarheit und Fülle

    Einmal editiert, zuletzt von Ekke ()

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