Federico Fellini - Seine besten Filme

Vom 28. Januar 2022, 13.30 Uhr bis 03. Februar 2022, 13:30 Uhr findet die 12. ordentliche Mitgliederversammlung des Capriccio-Trägervereins statt. Mitglieder werden gebeten, sich für die Teilnahme ab Freitag hier zu registrieren. Die Freischaltungen erfolgen im Laufe des Freitags, wir bitten dann um etwas Geduld.
  • Federico Fellini - Seine besten Filme


    (Quelle: Wikipedia; stammt aus der Library of Congress, dort: "No copyright restriction known")


    In früheren Jahren, als ich meine Freizeit noch zum großen Teil im Kino verbrachte, gehörte Federico Fellini zu meinen Göttern und hatte einen sicheren und unangefochtenen zentralen Platz auf meinem persönlichen Olymp. Geblieben ist die Liebe zu Fellinis Filmen, von den (mehr oder weniger) realistischen Anfängen bis zu seinem fantastisch-poetischen Spätwerk. Kritiker sagen, dass Fellini immer nur und immer wieder seine privaten Obsessionen verfilmt hat - das hätte er dann aber mit so manchem anderen großen Künstler gemeinsam. ;+)


    Fellinis Filme sind unverkennbar: Wenige Regisseure konnten so einzigartig Geschichten allein in Bildern erzählen. Gewaltige und phantastische Visionen stehen neben intimen, liebevollen und zutiefst menschlichen Portraits, Monströses neben Rührendem, intellektuelle Reflexion neben kindlich-naiver Direktheit. Das Panopitkum an bizzaren Figuren, das sich in seinen Werken findet, ist legendär und schlichtweg fellinesk - welcher andere Regisseur hat es schon zum eigenen Adjektiv gebracht? Filme von Kubrick bewunderte ich, von Tarkowskij war ich überwältigt - aber Fellini habe ich wirklich geliebt. :love:


    Wie steht Ihr zu Fellini? Welche seiner Filme schätzt Ihr besonders? Und welche weniger?


    Michel :wink:

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • Ich habe nur drei DVD mit Filmen dieses Regisseurs. La Strada, I Vitellone, und noch einen. Blöderweise ist mir der Titel momentan entfallen.


    Es geht um Trickbetrüger , die als Kleriker brave Leute übertölpeln.
    Mit Broderick Crawford.


    Alle andern Filme von ihm interessieren mich nicht.

  • I VITELLONI, IL BIDONE und LA STRADA sind tatsächlich großartige Filme, aber danach fing für mich erst der richtige Fellini an.


    Deshalb sind meine drei Lieblingsfilme



    LA STRADA und LE NOTTE DI CABIRIA


    Ich weiß natürlich, dass das zwei verschiedene Filme sind, aber dank Giulietta Masina sehe ich sie immer als zwei Seiten ein und derselben Medaille, nämlich die Darstellung einer vermeintlich einfachen aber ergreifend menschlichen Frau. Außerdem gibt mir das Platz für die Nennung zweier weiterer Filme, nämlich



    LA DOLCE VITA


    Fellinis einstiger Skandalfilm hat die Zeit nicht unbeschadet überstanden, ist aber bis heute das vielleicht eindrucksvollste Portrait einer zeitgenössischen Gesellschaft, das je auf eine Leinwand kam.


    Der Film, der für mich die absolute Wasserscheide - nicht nur in Felinis Werk - darstellt, ist sein OTTO E MEZZO



    Von den Filmen davor, und da sollte man auch die Titel einbeziehen, die er "nur" mit geschrieben hat, wie Rosselinis ROM, OFFENE STADT, PAISÁ oder FRANCSICO, DER GAUKLER GOTTES, war ich durchweg sehr angetan. Das extrem persönliche Kaleidoskop von ACHTEINHALB fand ich dann die konsequente Krönung, die eigentlich nicht mehr übertroffen werden kann, und das hat sich dann auch bestätigt, sieht man mal von der ganz anderen, aber nicht minder herrlichen Musicalversion Maury Yestons ab, die er mit gutem Grund NINE nannte.


    Die Filme ab JULIA UND DIE GEISTER haben fantastische Bilder und unauslöschliche Sequenzen, wie - ironischerweise - die von der Selbstlöschung der unterirdischen römischen Fresken in ROMA, sind für mich aber wie Mosaike, deren Ganzes in meinen Augen weniger ist als die die Summe ihrer Einzelteile.


    :wink: Rideamus

    Ein Problem ist eine Chance in Arbeitskleidung

  • Dolce Vita gehört auch zu meinen Fellini-Favoriten.


    :wink:

    „Ein Komponist, der weiß, was er will, will doch nur was er weiß...“ Helmut Lachenmann

  • So unterschiedlich kann man das bewerten :) : 8 1/2 ist ein zentrales Werk in Fellinis schaffen, weil der Film noch deutliche Elemente der frühen Phase aufgreift, und in seinen Phantasieszenen und seinem Aufbrechen des linearen Geschichtenerzählens bereits in die Zukunft weist. Und weil es sich um einen großartigen Film handelt, den komplexesten und vielschichtigsten, den Fellini bis dahin gedreht hat.


    La Strada und Le Notte di Cabiria sind wunderbare, zutiefst menschliche Filme, La Dolce Vita ist ein Meisterwerk. Aber Fellini legt mit 8 1/2 einen anderen Gang ein und wird danach erst so richtig interessant.


    Eine Hitliste meiner Lieblingsfilme aufzustellen, würde mir schwerfallen. Es sei also zunächst einfach einer herausgegriffen, weil das der ersten Fellini-Film war, den ich (noch als Jugendlicher) im Kino gesehen habe:



    Fellinis Satyricon


    - ein überwältigender Bilderrausch ohne durchgehende Handlung, Fellinis Kuriositätenkabinett der Antike.

    Es gibt kaum etwas Subversiveres als die Oper. Ich bin demütiger Diener gegenüber diesem Material, das voller Pfeffer steckt. Also: Provokation um der Werktreue willen. (Stefan Herheim)

  • Ob Früh-, Mittel-, oder Spätwerk, ich habe da keine generellen Präferenzen. M.E. entstanden in jeder Phase auf ihre jeweilige Art Meisterwerke, natürlich die hier schon genannten, besonders 8 1/2, aber noch viele andere, z.B. Fellinis Roma, in dem sich die Art von Fellinis bunt bebilderter Gesellschaftskritik an der Leere und dem weitverbreiteten Narzismus hinter der bunten und hektischen Fassade im Kapitalismus herausgebildet hat, die auch seine späteren Filme wesentlich darstellen werden.



    Um mal auch spätere zu nennen:



    Zwar wirkt auch Fellinis Stadt der Frauen heute schon ziemlich historisch, macht mir aber immer noch viel Spaß und Mastroianni spielt wunderbar den irritierten trad. italienischen Macho auf diesem etwas seltsamen Feministinnenkongress.


    Und meinen persönlichen Lieblingsfilm: Ginger e Fred



    Giulietta Masina und Marcello Mastroianni als früheres Tanzpaar à la Ginger und Fred, die für eine TV-Show wiederzusammenkommen. Hinreissend und anrührend gespielt, herzerwärmend, saukomisch und sehr böse im Blick auf das Unterirdischste, was die kapitalistischen Kulturindustrie geschaffen hat, das italienische TV. Pippo: "Wir müssen uns auflehnen, wir müssen gegen alles rebellieren!"


    Erwähnt werden muß hier natürlich besonders auch die Filmmusik, die in allen Filmen Fellinis kongenial zum Film passt, besonders wenn sie von Nino Rota ist. Um in Italien an Jazz-Sessions teilnehmen zu können, mußte ich mir die wichtigsten Rota-Themen aus Fellini-Filmen draufschaffen. Kein anderer europäischer Regisseur hat auch eine solche Wirkung gehabt.


    :wink: Matthias

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